Der Zorn des Waldgottes

von Lilia
GeschichteDrama / P12
Ashitaka Eboshi San
19.03.2009
30.10.2014
9
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Hallo Zusammen!
So vor einiger Zeit habe ich es einmal angekündigt, aber nun ist es soweit. Hier ist meine erste FF zu diesem unglaublich wundervollen Anime-Film, der mich nach wie vor verzaubert und mich die Idee zu einer FF einfach nicht mehr losließ.
Hauptsächlich habe ich mich von dem tollen Soundtrack inspirieren lassen, sowie durch meine eigene Vorliebe für die Natur.  

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Der Zorn des Waldgottes


~~Prolog - Schatten des Unheils ~~


Ein Schatten legte sich über die Landschaft und verdunkelte das Land unter sich. Doch es waren nichts als graue, ja schon fast schwarze Wolken, die den Himmel verhüllten. Nicht ein Fleck blau blitzte hervor. Aber dafür mochte es bald ein Unwetter geben.
Die Bäume, hin und herschaukelnd unter den sanften Böen des Windes, verfärbten sich bald in ein dunkles Schwarz - die Schwärzte der Dunkelheit. Und genau so mochte es kommen. Dunkelheit. Angst. Missverständnis. Wut. Und viel mehr noch. Denn sie alle sollten nicht glauben, dass es vorbei sei. Niemals!

Das was angerichtet wurde, war nicht einfach wieder gutzumachen.

Jeder mochte sich ändern können. Jeder? Nein! Es musste immer jene geben, die nicht genug haben konnten und sich auch mit nichts zufrieden gaben. Da lag auch schließlich das Problem.
Jetzt wo es gerade einmal zwei Monate zurücklag und der Herrscher über alles Leben im Wald, das Zeitliche segnete, kamen nun wieder berechtige Zweifel auf.

Der Mensch. Er war ein unberechenbares und gefährliches Wesen. Ein Raubtier. Das hatte der Waldgott erkannt und ließ sie dennoch leben, nach allem, was sie ihm antaten. Nicht ganz!
Er mochte verschwunden sein, aber dennoch war er nicht vollends weg.
Sein wachsames Auge ruhte über das Land, das in all seiner Schönheit zu blühen begann. Aber dieser Frieden würde schon bald gestört werden. Die Menschen sollten auf eine harte Prüfung gestellt werden, denn sie lernten nicht genug aus ihrer Habsucht.

Aber so war nun einmal ihre Natur und wenn daran noch so sehr gerüttelt wurde. Der Mensch besaß nun einmal so seine Eigenarten und auch gute Seiten.
Doch im Moment sah er das nicht und würde es auch nicht. Strafe muss sein!

Wie ein Sturzbach ergoss sich nun auch der Regen über den Wäldern. Das klare Nass des Wassers sammelte sich in kleinen Tropfen an den Zweigen der Bäume und würde die Sonne scheinen, würden sie silbrig glitzern und funkeln wie Edelsteine, aber die Spenderin aller Helligkeit verbarg sich hinter der grauen Wand. Sie versteckte sich und trug auf diese Weise ihren Teil dazu bei.

Tiere die den Regen, der zu zahlreich auf die Erde niederprasselte, lieber mieden, verkrochen sich in ihrem Bau unter dem Erdreich. In Bäumen oder Laubbergen. In Seen oder Flüssen, wenngleich darunter ebenfalls ein kleines Unwetter tobte.  

Selbst jene die den kühlen Regenerguss genossen, zogen sich heute ausnahmsweise auch zurück. Irgendetwas stimmte daran ganz und gar nicht. Die Bewohner des Waldes konnten das spüren.

Von irgendwo her stieß ein Wolf sein wehleidiges Lied aus, welches viele nur als ein Heulen registrierten. Vielleicht war es das auch, aber dann ein wundervolles und anmutig klingendes. Denn die Wölfe waren bereit.

Der Anführer unter ihnen, ein erfahrener und von weit angereister Wolf, der erst seit kurzem diesen Platz im Rudel besaß, brachte die anderen dazu, bei seinem Ruf einzustimmen.
Forschend streiften seine bernsteinfarbenen Augen die Baumwipfel, die sich durch die Schwere des Wassers leicht verbogen.

Während die anderen Wölfe sein angefangenes Lied beendeten, sah er nur schweigend vor sich hin, bis eine hochgewachsene schlanke Gestalt an seine Seite trat - ein Mensch.
Auf den ersten Blick könnte man zwar meinen, das es sich dabei um einen Wolf handelt, der auf den Hinterbeinen lief, aber dafür waren die Bewegungsabläufe viel zu geschmeidig und die dünnen Beine, ohne Haar, die unter dem weißen Fell hervorragten, widersprachen dem schließlich auch.

„Was fühlst du Ookami? Was sieht dein wachsames Auge?“, hauchte die harte, aber auch sanfte Stimme einer jungen Frau, in das Ohr des Älteren.
Respektvoll ging diese neben ihn in die Knie und fuhr mit ihren dünnen Fingen durch das silbergraue Fell. Lange Zeit sagte der Altwolf nichts. Allerdings wusste sie dass sein ausgeprägtes Gehör ihre Frage verstanden hatte. Aber wie sollte er das auch in Worten ausdrücken?

Ein Brummen entwich seiner Kehle, bevor er Antwort gab: „Ich sehe die Dunkelheit, die sich wie ein Mantel um diese Welt legen wird. Nicht alle sind sich darüber im Klaren, aber sie alle werden darunter leiden müssen - jeder auf seine Weise.“
„Was?“, keuchte die Menschfrau erschrocken und lauschte einem Augenblick dem Trommeln des Regens. „Aber was ist mit dem Waldgott, der Herrscher über allen Lebens? Hat er unser Opfer nicht akzeptiert?“
Ookami schüttelte sein nasses Fell. „Von wem sprichst du San? Von dir und dem Menschenjungen? Oder sprichst du für Alle?“
San senkte beschämt den Kopf. „Nein nicht für alle. Die Leute der Eisenhütte hätten Strafe verdient, vor allem SIE!“

Ookami lachte amüsiert auf und blickte über seine große Schulter hinweg, um seinem Rudel klarzumachen, das sie gehen sollten. Und ohne Widerrede traten sie den Rücktritt an.
„San! Dein Herz ist so voller Zorn. Es wird dich umbringen, wenn du nicht selbst mit dir Frieden schließt.“
„Was hat das mit dieser abscheulichen Frau zutun?“
„Mehr als du denkst. Wir werden bald, mehr denn je an einem Strang ziehen müssen, wenn wir überleben wollen.“

San sträubte sich weiterhin dagegen. „Ich gehöre hier her und nicht zu den Menschen. Wieso sollte ich ihnen helfen?“
„Du kennst die Antwort darauf.“ Ookami streckte seinen großen Kopf gen Himmel und heulte noch einmal auf, um dann ebenfalls in die trockene und schützende Höhle zurückzukehren.
Allein blieb San, die sich in ihrem Leben schon immer mehr als Wolf fühlte, als Mensch. Wäre Mutter nur hier. San fehlte die alte Moro. Die Wolfsgöttin. An ihrer Seite hatte sie sich immer stark gefühlt, stärker als sie es eigentlich war und das spürte sie nun sehr deutlich.

Der Regen vermischte sich mit ihren Tränen, salzige Tränen die in dünnen Rinnsalen an ihren blassen Wangen hinab liefen. Moro war mit dem Waldgott gegangen und das musste sie akzeptieren. Sie musste ebenso Ookami als neuen Anführer akzeptieren oder gehen. Aber wohin? Zu den Menschen?
Nein!
Ookami war sehr weise. Warum sollte sie ihm nicht den gleichen Respekt entgegenbringen wie Moro? Er hatte doch eine Chance verdient. Oder nicht?

San nickte zu sich selbst und nahm auf dem hohen Felsen platz, der ihr einen Ausblick über den gesamten Wald bot. Ihr Leben lang kannte sie nur den Wald und wenn es sein musste, würde sie ihre Heimat mit dem eigenen Leben schützen. Das bewies sie ja schon mehr als einmal und täte es ohne Zögern wieder.
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