Puzzleteile

von Hike
GeschichteAllgemein / P12
15.03.2009
06.11.2009
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Dieses Kapitel
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Hallo ihrs!
Dies ist seit langer, langer Zeit das erste größere Projekt, an das ich mich rantraue.
Ich möchte versuchen, die Rumtreiber auf eine etwas andere Art darzustellen, ihre gemeinsame Geschichte auf eine etwas andere Art erzählen.
Ich weiß nicht, ob es mir gelingen wird, ich würde mich sehr freuen, eure Meinung dazu zu lesen. (:
Ganz liebe Grüße,
von Hike





Kapitel 1: Tränen am Bahnsteig

1. September 1971 (1. Schuljahr)


Es regnete. Schwere, nasse Regentropfen klatschten auf den Boden und flossen zu großen, matschigen Pfützen zusammen. Die scharlachrote Dampflok leuchtete grell durch den alles umhüllenden Nebel, sie wirkte fast schon fehl am Platz.  
James war froh, dass es regnete. Denn deshalb konnte er so tun, als würde er glauben, dass der Regen der Grund für die nassen Wangen seiner Mutter war.  
Mütter sollten nicht weinen. dachte er, es sollte verboten werden, dass Mütter weinten, wenn man selber gerade nichts nötiger hat als ein Lachen.
„Schreib uns, wenn du angekommen bist, Jamie, ja?“ Mum lächelte, doch in ihren Augen glitzerte es. Die Lok stieß einen schrillen Pfiff aus.
James nickte hastig. „Klar doch.“, erwiderte er. „Ich muss euch doch sagen, in welchem Haus ich bin.“
Mum machte ein Geräusch zwischen Schniefen und Seufzen und nahm ihn fest in den Arm.
Dabei weinte sie sonst nicht. Nie.
„Komm her, mein Junge.“ Dad lächelte, als auch er ihn umarmte. „Mach’s gut, stell nichts an und wir sehen uns Weihnachten, okay?“
James nickte mit einem schiefen Grinsen und stieg, seinen Koffer mit sich ziehend, in den Zug, der sich, als hätte er nur noch auf James gewartet, ruckelnd in Bewegung setzte. Dad legte einen Arm um Mum.  
James winkte kurz, drehte sich dann um und schleifte seinen Koffer den Gang entlang. Die meisten Abteile waren voll mit älteren Schülern, die lachten und redeten. Für einen kurzen Moment wünschte James sich, er hätte einen älteren Bruder, der ihm jetzt auf die Schulter klopfen und ihn mit in sein Abteil nehmen würde.
Doch dieser Moment verging kaum eine Sekunde später und James reckte ein wenig das Kinn. Er war James Potter, er schaffte das ja wohl auch allein.
Kurz entschlossen zog er die Tür zu einem Abteil auf, in der nur ein einziger Junge saß. Von der Größe und dem völlig ruhigen, selbstbewussten Gesichtsausdruck her hätte der Junge genauso gut ein Zweitklässler sein können, aber da das Abteil sonst leer war, schloss James, dass er bestimmt auch zum ersten Mal nach Hogwarts fuhr.
„Ist hier noch frei?“, fragte er und zog seinen Koffer herein.
Der Blick aus den hellgrauen Augen des anderen Jungen war unbeteiligt und fast schon überheblich. „Ja.“
James hievte seinen Koffer auf die Gepäckablage und ließ sich auf den anderen Sitz am Fenster fallen. „Ich bin James.“, sagte er nach kurzem Schweigen und hielt dem fremden Jungen die Hand hin.
In der Sekunde, die der andere zögerte, ehe er seine Hand ergriff und sie schüttelte, bemerkte James etwas Seltsames in den kühlen, grauen Augen des anderen Jungen. Etwas wie Erstaunen oder Verwirrung. Vielleicht auch ein bisschen rasch unterdrückte Freude.
„Sirius. Sirius Black.“, stellte der Junge sich vor.
James grinste ihn an. „Bist du auch in der ersten?“
Wieder zuckte diese Überraschung durch Sirius’ Blick. „Ja.“, sagte er dann mit einem wachsamen Unterton in der Stimme.
„Cool.“ James nickte unbekümmert. „Vielleicht kommen wir ja ins selbe Haus.“
„Ja, das wär echt cool.“, bestätigte Sirius und mit einem Mal waren seine Augen nicht mehr kühl, sondern ein fröhliches, fast schon schelmisches Lächeln glitt über sein außergewöhnlich hübsches Gesicht. Es wirkte, als würde die Sonne eine dicke Wolkendecke durchbrechen.
„Hast du einen Bruder?“, fragte James nach kurzem Überlegen.
„Ja.“, antwortete Sirius abschätzig. „Er ist 10. Hast du einen?“
„Nö.“ James runzelte die Stirn.
In dem Moment ging die Abteiltür auf und ein Mädchen kam herein. Sie hatte lange rote Haare, die in einen dicken Zopf geflochten waren und in ihren Augenwinkeln klebten Tränen. Ohne irgendetwas zu sagen setzte sie sich auf einen der freien Plätze und wandte den Kopf ab, sodass die Jungs ihr Gesicht nicht sehen konnten.  
James warf ihr einen kurzen, desinteressierten Blick zu. Warum mussten alle weiblichen Wesen dieser Welt an so einem Tag nur weinen?! Das war doch echt peinlich.
Er grinste Sirius an und lehnte sich in seinem Sitz zurück. „Und, welche Quidditchmannschaft findest du am besten?“




James wurde mir geschenkt. Von irgendeiner höheren Macht oder so, keine Ahnung, wie man das nennen mag. Im Grunde ist das mit der höheren Macht auch Quatsch. Ich benutze das Wort nur, weil mir gerade kein anderes einfällt. Ich glaub nicht an höhere Mächte. Ich bin Sirius Black, ich glaube nur an mich selbst.
Ich bin groß geworden mit Befehlen und mit dem Befolgen von Befehlen. Mit Schreien und Keifen, mit Fluchen und Schimpfen, mit Gehässigkeit und Schadenfreude. Aber hey, ich war ja nicht unglücklich oder so. Ich kannte es nicht anders. Meine Eltern waren schon okay für mich, genauso wie Reg.
Und dann kam James mit seiner… ja, mit seiner Art, die besagte, dass er seit dem Moment seiner Geburt völlig selbstverständlich geliebt worden war und dass er deshalb auch  selbstverständlich liebte. Und er zeigte mir als Erster eine komplett neue Welt, die, sobald ich nach Hogwarts kam, immer größer wurde. James wurde mein bester Freund, mein Bruder, mein Seelenpartner. Wir wurden unzertrennlich.
Aber auf platonische Weise, okay? Nicht, dass hier jetzt sonst was gedacht wird…
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