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Trost

von Beerchen
GeschichteAllgemein / P12 Slash
Kommissar Sebastian Bootz Kommissar Thorsten Lannert
13.03.2009
13.03.2009
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Title: Trost
Author: Beerchen
Part: Story: 2/?
Fandom: Tatort Stuttgart
Pairing: Lannert/Bootz
Rating: PG-13
Warning: Es gibt einen Toten. Und etwas Drama. Aber es hält sich in Grenzen. ;)
Disclaimer: Mir gehört nichts, nichtmal der um sich schießende Kommissar.
Wordcount: 1.362
Summary: Bootz hat wiedermal sein Handy vergessen.
A/N: Das hier ist meine zweite Tatort-Fanfiction. Ich hoffe, ihr seid immer noch nett.
Danke: An den lieben T., der das hier gebetat hat. Vielen, vielen Dank! :)




Die Menschen, die ihm entgegen kamen, wirkten alle so gleichgültig. So, als ob sie sich nicht für das Leid anderer interessierten. Sie hatten schließlich auch Besseres zu tun. Hasteten mit starrem Blick durch die Straßen, kümmerten sich nicht um die Menschen, die neben ihnen liefen, nahmen sie wahrscheinlich nicht einmal wahr.

Aber so verhielt er sich doch auch immer, wenn er auf dem Weg zur Arbeit war. Man war unter Umständen zu spät dran, musste sich noch etwas zu essen für die Mittagspause besorgen, die bei ihm oft genug ins Wasser fiel.

Was interessierten einen da die anderen? Man hatte gar keine Zeit, sich Gedanken zu machen – ob die Frau auf der anderen Straßenseite noch glücklich in ihrer Ehe war? Ob der Mann, der da drei Schritte vor einem lief vielleicht Witwer war, obwohl er gar nicht so aussah?

So wie sein Kollege Lannert.

Bootz lief eilig weiter, wich einem Mann aus, der einen schwer aussehenden Karton mit sich herumschleppte.

Es war nett gewesen, in Lannerts Wohnung auf dem Sofa zu sitzen, zusammen ein Bier zu trinken. Gemütlich. Bis er die Stimmung zerstört hatte und wissen wollte, wer die Frau und das Mädchen auf den Fotos waren, die auf Lannerts Kommode standen.

Aber woher hätte er das wissen sollen? Er hatte sich zwar schon Gedanken darüber gemacht, warum Lannert nicht über die Fotos reden wollte, aber Bootz hatte noch sehr gut im Ohr, wie Lannert während ihrem ersten gemeinsamen Fall gemeint hatte, er habe keine Familie. Keine Frau, keine Kinder.

Hatte er ja auch nicht. Nicht mehr. Das Entscheidende hatte Lannert natürlich unter den Tisch fallen lassen. Er konnte das verstehen. Er hätte einem Kollegen, den er erst einen halben Tag kannte, auch nicht auf die Nase gebunden, dass er seine Frau und seine Tochter verloren hatte.  Dass sie seinem Job als verdeckter Ermittler zum Opfer gefallen waren.
Das war nichts, was man Fremden einfach so erzählte.

Umso erstaunlicher war es, dass sie gestern Abend bei Lannert zuhause gesessen und darüber geredet hatten. Sie kannten sich nun schon ein paar Monate, aber Bootz hatte eigentlich nicht mehr damit gerechnet, zu erfahren, wer die Frau und das Mädchen auf den Fotos waren. Und warum Lannert nur noch ihre Fotos auf der Kommode stehen hatte.

Doch gestern Abend hatte Lannert plötzlich Tränen in den Augen gehabt, worauf Bootz ihn erschrocken angesehen und ihm zugehört hatte. Lannert wirkte sonst immer so stark und beherrscht. Er hörte auf sein Gefühl und verließ sich auf seinen Instinkt, war ein Einzelkämpfer. Niemand, der eine Schulter zum Ausweinen brauchte.

Zumindest hatte Bootz bisher diesen Eindruck gehabt. Jetzt war er sich da nicht mehr so sicher. Der sonst so toughe Lannert hatte Schwäche gezeigt – vor ihm. Anscheinend waren sie gerade dabei, ihr kollegiales Verhältnis in eine Freundschaft zu verwandeln.

Das freute ihn. Jetzt musste er nur noch Julia erklären, wo er die ganze Nacht gewesen war. Und warum er ihr nicht Bescheid gesagt hatte. Denn am frühen Abend eine kurze SMS zu schreiben, dass er in einer Stunde wieder daheim sein würde und sie dann bis zum nächsten Morgen in Ungewissheit warten zu lassen war einfach nicht die feine englische Art. Vor allem nicht in seinem Beruf.

A propos Bescheid sagen – Bootz tastete seine Hosentaschen nach seinem Handy ab. Dann, schon panischer, seine Jackentaschen.

Mist!

Er erstarrte, hörte auf, an sich herumzuklopfen und verdrehte die Augen. Natürlich. Er musste sein Handy bei Lannert vergessen haben. Er hatte es auf den Couchtisch gelegt – und da lag es wohl immer noch.

Als er sich umdrehte und den Weg, den er gerade gekommen war, wieder zurück rannte, achtete auch er nicht mehr auf die Leute, die außer ihm unterwegs waren.

„Heh! Pass doch uff, Kerle! Wo rennsch’n noa?!“

Der Mann mit dem Karton. Bootz streifte ihn, als er an ihm vorbeihetzte, bekam ein spitzes Eck des Kartons in die Rippen – das war dann wohl die Strafe dafür, dass er den Mann fast über den Haufen rannte.

Doch das war ihm jetzt egal, er ignorierte die ärgerlichen Blicke, die ihm zugeworfen wurden.

Er musste so schnell wie möglich zurück zu Lannert – zu Thorsten – und danach zu Julia, um sich zu entschuldigen und ihr zu sagen, dass er das nächste Mal daran denken würde, Bescheid zu sagen, dass es länger dauerte als gedacht und dass er ein Esel war.

Natürlich würde er auch viel später zur Arbeit kommen als sonst, was ihm wiederum verwunderte Fragen seitens seiner Kollegen einbringen würde. Warum war das Leben manchmal so kompliziert und einfach nur unfair?





Dass er völlig andere und schwerwiegendere Probleme hatte, bemerkte er, als er die Treppen zu Lannerts Wohnung hoch hetzte und bemerkte, dass die Tür einen Spalt offen stand. Dass Holzsplitter herumlagen. Dass das Schloss aufgeschossen worden war.

Verflucht!

Bootz zog seine Waffe und überlegte gleichzeitig, ob es so klug war, die Wohnung zu betreten. Wusste er denn, wie viele dort drin waren? Ob sie alle bewaffnet waren? Vielleicht war Thorsten ja auch gar nicht da…aber die Hoffnung war sehr gering. Im Zweifel hatte Lannert, nachdem er gegangen war, die leeren Bierflaschen entsorgt und dann beschlossen, dass es sich nicht mehr lohnte, sich ins Bett zu legen, da er sowieso bald wieder los musste.

Im Innern der Wohnung hörte er Schüsse fallen. Scheiße.

Angst kroch in ihm hoch, schnürte ihm die Kehle zu. Er musste da rein, koste es, was es wolle!
Mit einem Fußtritt stieß er die Tür auf, hielt sichernd die Waffe vor sich. Mit einer ungeduldigen, ärgerlichen Geste, bedeutete er Thorstens Nachbarin, dass sie wieder in ihrer Wohnung verschwinden solle.

Das Letzte, was er jetzt brauchen konnte, war eine um Thorsten besorgte, aufgescheuchte Frau, die sich noch selbst umbrachte, nur weil sie wissen wollte, ob alles in Ordnung war.

„Thorsten?“

Stille. Diese plötzliche Stille war es, die ihm so gar nicht gefiel.

„Alles in Ordnung“ kam es von drinnen.

Bootz atmete auf. Anscheinend war Lannert nichts passiert. Aber er musste sich selbst davon überzeugen. Bootz rollte innerlich mit den Augen, als Lannerts Nachbarin, die Lehramtstudentin, die anscheinend sehr viel für seinen Kollegen übrig zu haben schien, sich dicht hinter ihm hielt.

Das erste, was er sah, als er die Küche erreichte, war der Mann, der auf dem Boden lag. Sofort beugte er sich über ihn, um seinen Puls zu fühlen. Spürte, dass Lannert ihn dabei ansah.
Er drehte sich zu ihm um.

„Tot.“

Unauffällig musterte er Thorsten. Er schien zum Glück mit einem Schock davongekommen zu sein.  Man sah ihm die überstandene Todesangst an.

Dann sah er die Nachbarin – Bootz kannte nicht einmal ihren Namen – im Türrahmen und sofort war sein starkes Ich wieder präsent, das alles unter Kontrolle hatte. Auch, wenn er sich gerade eine wilde Schießerei mit einem Menschen geliefert hatte, der ihn augenscheinlich umbringen wollte. Typisch.

Bootz ließ sich gegen die kühle, geflieste Wand der Küche sinken. Steckte seine Pistole wieder ein. Hörte ihre Schritte, als Thorsten die aufgelöste Frau aus seiner Wohnung und ins Treppenhaus führte.
Hörte Thorstens Stimme, wie er beruhigend auf die junge Frau einsprach.

„Schhh...’ist alles gut…alles gut…“

Er schloss die Augen, atmete tief durch. Drängte die aufkommenden Tränen zurück. Nichts war gut. Vor ihm lag ein Mann, der Thorsten kaltblütig erschossen hätte, wenn dieser nicht seine Dienstwaffe daheim gehabt hätte. Die letzten Minuten hatte er damit verbracht, verzweifelt um sein Leben zu kämpfen.

Diese Leute wollten Lannert beseitigen. Sie wussten, wo er wohnte. Und er hatte nichts Besseres zu tun, als seine geschockte Nachbarin zu trösten und ihr zu erzählen, dass alles gut sei.

Bootz schlug die Hände vor dem Gesicht zusammen, merkte, dass sie zitterten. Er hätte gerade fast seinen Kollegen verloren, mit dem ihn eine beginnende Freundschaft verband.

Und noch um einiges wichtiger – der sich ihm letzte Nacht das erste Mal geöffnet hatte. Der sein Innerstes vor ihm ausgebreitet hatte, der ihm großes Vertrauen entgegengebracht hatte.

Von dem er sich wünschte, er wäre jetzt hier und würde ihn in den Arm nehmen, bis dieses dämliche Zittern wieder aufhörte.

Er schüttelte den Kopf, fuhr sich müde über die Augen und stand schließlich auf.

Zuckte beim Anblick der Einschusslöcher in der Wand zusammen. Es half nichts. Er musste ins Wohnzimmer, wo sein Handy noch immer auf dem Tisch lag. Er musste Julia anrufen.
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