Gnadenlose Realität. - Zu viele Fuß unter der Erde.

von Nhaundar
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Drizzt Do'Urden Gromph Baenre Jarlaxle Triel Baenre
28.02.2009
04.03.2015
9
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Disclaimer: Forgotten Realms gehört nicht mir, ich leih mir nur mal Faerûn, sowie Lolth, Corellon, Menzoberranzan.... und eventuell noch ein paar bekannte Charaktere aus.  Hiermit wird kein Geld verdient.

Viel Spaß!
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Die Niederlage war vorbestimmt.
Wer die Gunst Lolth´s verloren hatte, war dem Tode geweiht. Denn es geschah nur vereinzelt, dass man diese wiedererlangte, vor allem wenn man nicht wusste, woran es lag, dass man sie verloren hatte.
Zudem nutzten diese Gelegenheit viele Häuser, um ihre Macht zu steigern. Besonders verlockend war es, wenn dieses Haus eine höhere Stellung hatte als das Eigene.
Es kam oft genug vor, dass sich auch mehrere niedrige Häuser zusammenschlossen, um ein Mächtigeres vollkommen auszulöschen, zu entfernen, vom Angesicht der Welt zu tilgen.
Und wenn es die niederen Häuser nicht taten, tat es ein Höheres um im Willen Lolth´s zu handeln und um eine eventuell bestehende Bedrohung zu vernichten.
Schwäche wurde ausgemerzt. Diesmal war es das elfte Haus. Auvryndar. Es hatte ein merklich schlechtes Los gezogen. Insgesamt drei Häuser wendeten sich geschlossen gegen das Elfte. Es war eine schiere Übermacht. Allein fünfhundert Sklaven boten sie zusammen auf. Die zwar nicht das Problem darstellten, da sie ungeübt waren und gegen ihren Willen gezwungen wurden zu kämpfen. Dahinter verbarg sich aber die wahre Gefahr, rund fünfhundertfünfzig nach Blut gierende, hervorragend ausgebildete Drowkrieger, die für Macht alles taten. Insgesamt bekam es das Haus auch noch mit sieben Hohepriesterinnen – die zudem in der Gunst Lolth´s standen – zu tun. Dagegen waren die Drei des Hauses Auvryndar machtlos.
Der schützende Zaun, der das Haus umgab, war schon längst unter der Wucht einiger Zauber gefallen. Und die Sklaven strömten in den Hof. Bald darauf folgten die Drowkrieger, der nun feindlichen Häuser. Nicht, dass sie je freundlich gesinnt waren. Der Begriff Freundschaft hatte hier keinerlei Bedeutung. Immer wieder leuchteten unterschiedliche Lichter auf, die je für eine andere ausgelöste Falle und somit für einen anderen Zauber standen. Das Haus Auvryndar war keinesfalls unvorbereitet, jedoch nicht ausreichend, gegen solch eine Übermacht. Dem ganzen Schauspiel folgte der Blick zweier rot glühender Augen.
Das Haus war dem Untergang geweiht, schon bald würde sich der Großteil der Streitmacht ergeben und sich später den anderen drei Häusern anschließen. Ein Drow entschied sich immer zugunsten seiner Selbst. Er jedoch hatte keine solche Wahl. Ihm stand der Tod bevor.
Calaghar Auvryndar war der Hausmagier und erster Sohn der Mutter Oberin Alyonia, ein Adliger und Adlige wurden getötet, damit das angreifende, in dem Fall die angreifenden Häuser vor der Auslöschung geschützt waren.
Er wandte seinen Blick ab und ließ ihn stattdessen über seine Gemächer wandern, um zu sehen, ob er alles Notwendige dabei hatte.
Eigentlich sollte er bei der Verteidigung mithelfen, was jedoch aussichtslos war. Ein paar Zauber mehr oder weniger würden an der Situation nicht das Geringste ändern. Calaghar hatte andere Pläne. Schon Tage vor dem Angriff hatte er seine Flucht geplant, die er im Trubel des Kampfes durchziehen wollte. Lolth war nicht seine Göttin, er folgte einem anderen Gott, der sich ihm in einem Traum offenbart hatte. Generell folgte er anderen Prinzipien, was vielleicht auch der Grund für die Ungunst Lolth´s gegenüber diesem Haus war. Er wusste es nicht. Auf jeden Fall stand fest, dass er hier verschwinden würde und dies nicht allein.

Leise verließ er seine Gemächer, nur mit einer magisch vergrößerten Tasche, die viele und auch große Dinge fassen konnte – ohne das Gewicht und die Größe der Tasche zu beeinflussen – seinem Piwafwi und seinem Langschwert und machte sich auf den Weg zu einem der anderen Räumlichkeiten. Um genau zu sein zu denen seiner Mutter. Unbemerkt gelangte er bis zu der Tür, denn bis hier hin war die feindliche Macht noch nicht vorgedrungen. Genauso unbemerkt verschwand er in dem anschließenden Zimmer.
Lange musste er auch nicht suchen, um sein Ziel zu finden. Wie zu erwarten gewesen befand sich hier nur ein weiteres Lebewesen.
Von weitem sah er die Körperwärme, die es ausstrahlte, denn das riesige Zimmer, in dem er sich befand war unbeleuchtet.
Weiterhin leise, um nicht doch noch Aufmerksamkeit auf dich zu ziehen, man wusste ja nie, ging er weiter und gelangte schließlich zu dem Tisch auf dem ein Bündel wackelte.
Schnell war er bei seinem kleinen Bruder, dessen Augen munter zu ihm aufblitzten.
Alyonia hatte ihn einfach hier gelassen, wie unwichtiger Krempel. Er war ja auch nur männlich und verdiente es nicht beschützt zu werden. Calaghar lies ein leises Seufzen erklingen. Überall war es das Gleiche. Er wollte ihm ein solches Schicksal ersparen. Ihn im Sinne seines Gottes erziehen. Dieser würde es akzeptieren, da war er sich sicher.
Die verfluchte Spinnengöttin hinter sich lassen, die er so sehr verachtete, schon solange er denken konnte. Hatte sie ihm doch nur diese Striemen auf dem Rücken eingebracht, ihn gedemütigt, ihn als minderwertig erachtet. Er hasste dieses ewige Ränkespiel, sehnte sich nach Ruhe und nicht nach einem Dolch in seinem Rücken oder einer Peitsche, die ihm die Haut aufriss, wenn er einer Frau widersprach. Er hatte es so satt! Wut ließ die roten Augen funkeln.
Er wollte die Drow von der Spinnenkönigin befreien. Es gab mehr als die Knechtschaft unter der selbst ernannten Göttin. Er hatte es selbst bei einem „Ausflug“ an die Oberfläche gesehen. Das Leben dort oben erschien ihm nicht so schlecht, wie es ihm oft genug eingetrichtert wurde. Böse Absichten konnte er bei den „Feenwesen“ nicht entdecken, als er sie in ein paar ruhigen Minuten vor dem Angriff beobachtet hatte. Aber was sollte er als Einzelner schon dagegen tun?
Während seines Studiums hatte er sich oft mit Schriften befasst, die von der Oberfläche stammten, nur durch Zufall war er an die Meisten gelangt und hätten seine Mitstudenten oder Meister auch nur geahnt was er tat, wenn er allein war …
Er hatte ein Buch gefunden in dem die Geschichte der Drow aus anderen Blickwinkeln dargestellt wurde. Warum die Dunkelelfen verbannt wurden.
Was er davon glaubte, war nicht wirklich klar gewesen, bis ihm der höchste der Seldarine erschien. Von da an wusste er, was richtig war und was er machen sollte, um diesen ewigen Intrigen und der meist bösartigen Handlungen zu entrinnen, die bisher sein Handeln bestimmt hatten. Selbst konnte er nie entscheiden, hatte immer zum Wohle des Hauses gehandelt und die meisten Befehle, die er bekam nicht einmal infrage gestellt.
Selbst hätte er nie in Betracht gezogen das es dieser Gott war, der ihn aus seiner Lethargie riss und ihm anderes zeigte, ein neues Leben versprach.
Aber jetzt war da ein deutlicher, erleuchteter Weg, der vor ihm lag und dem er folgen konnte. Erleuchtet … Das war das richtige Wort. Sein Weg führte ihn an die Oberfläche.
Er schüttelte leicht den Kopf, um seine Gedanken zu vertreiben. Später hatte er noch genug Zeit darüber nachzudenken, jetzt wollte er nicht noch mehr Zeit vergeuden.
Calaghar hoffte nur inständig, dass man ihn und seinen Bruder akzeptieren würde, hoffte, dass er dem gerade mal ein Jahr alten Dunkelelfen eine bessere Zukunft geben konnte und er wollte einfach nicht glauben, das man von Geburt an so verdorben war wie ein Drow. Er selber bezeichnete sich schon lange nicht mehr so. Er war ein Dunkelelf!
Er nahm das immer noch wackelnde Bündel, zu dem er eine seltsame Verbundenheit empfand und verließ die Gemächer.

Jetzt war schon deutlich der Kampfeslärm zu vernehmen. Klingen die Funken sprühend aufeinander schlugen. Vorhin war er nur undeutlich an seine Ohren gedrungen.
Hoffentlich hatte er nicht zu viel wertvolle Zeit vergeudet, als er seinen Gedanken nach hing.
Leise sprach er einen Zauber, den er vorbereitet hatte und der sie beide unsichtbar machen und einen großen Teil der Körperwärme verhüllen würde, sodass man sie kaum von dem umgebenden Stein unterscheiden konnte. Sein Umhang hatte zwar dahingehend einen gewissen Effekt, der aber nicht vollkommen wirkte, nicht ausreichen würde.
Deutlich spürte er das Kribbeln das vom Kopf hinab zu seinen Füßen eine leichte Gänsehaut verursachte.
Dann sprach er noch einen Zauber, der verhindern würde, dass sie Geräusche machten. Er setzte sich wieder in Bewegung, auf dem Weg zu einem geheimen Ausgang, den nur die Adelsfamilie kannte.

Das Glück war ihm hold, denn bisher war ihm noch niemand über den Weg gelaufen.
Er schalt sich für den Gedanken, denn genau in dem Moment hörte er ein leises Scharren, was immer näher kam. Das achtbeinige, hüfthohe Haustierchen seiner Mutter rauschte an ihm vorbei, vermutlich auf dem Weg zu ihren Gemächern. Der Hausmagier atmete auf, seine Zauber wirkten, wie er jetzt sicher wusste. Er musste sich beeilen. War seine Vermutung richtig, würde die Spinne sicherlich die Mutter Oberin unterrichten, dass ihr Sohn fehlte und nicht nur das: Seine Spuren würden sicher noch sichtbar sein. Das Vieh besaß eine fremde Intelligenz, was es gefährlich machte. In dem Moment verfluchte er Menzoberranzan.
Hätte er ein Portal öffnen können, hätte er nicht diese Probleme, so musste er aus dem Bereich der Faerzress – Adern hinaus, bevor er diese Magie anwenden konnte. Oder zumindest in einen Bereich, der nicht völlig davon betroffen war und es ihm so ermöglicht wurde zu fliehen.
Als er sicher war, dass die Spinne weg war betätigte er einen versteckten Schalter in der Wand und verschwand durch einen Spalt der sich auftat und sich genauso rasch, wie er sich geöffnet hatte, hinter ihm schloss.
Der Weg, der sich dahinter auftat fiel steil ab und führte, wie er wusste ein ganzes Stück unter das Anwesen Auvryndar und dann nach Westen, sodass er innerhalb einer Stunde außerhalb von Menzoberranzan war. Wenn alles gut ging musste er nur noch auf die Patrouillen achten, die um Menzoberranzan umherschlichen. Dann konnte er sich durch ein Portal an den Ort teleportieren, den er als einzigen von der Oberfläche kannte. Er hatte nur durch Zufall erfahren, wie dieser hieß. In den Mondwald würde das Portal führen, wenn alles nach Plan verlief.

Calaghar sah sich kurz um, als er eine ganze Weile unterwegs gewesen war, er schätzte die Entfernung ein. Hier sollte langsam möglich sein ein Portal zu öffnen.
Er konnte keine Spuren erkennen und hoffte auch, dass seine Zauber noch zuverlässig hielten. In seine Fähigkeiten setzte er relativ viel vertrauen, nur die Aufregung und die Nervosität machten ihm zu schaffen und ließen ihn zweifeln.
Vorsichtig und sich wachsam umsehend ging er weiter. Immer mit dem Gedanken im Kopf, dass er auf eine Patrouille treffen oder auf irgendein anderes Wesen stoßen könnte, was hier unten hauste. Das Kullern von Steinen ließ ihn innehalten. Er sah in die entsprechende Richtung und blieb wie angewurzelt stehen. Was machte ein Gedankenschinder hier?
Er fluchte leise. Gegen solch ein Wesen hatte er sich nicht geschützt. Normalerweise trieben sich weit tiefer herum und trauten sich nicht so nah an eine große Stadt der Drow. Zumindest nicht allein. Er hatte keine Zeit sich damit zu befassen. Die einzige Option, die ihm blieb, war die Flucht. Calaghar hoffte, der Gedankenschinder war anderweitig beschäftigt und noch zu weit weg, um ihn noch nicht bemerkt zu haben.
Er strebte in die entgegengesetzte Richtung davon. Auf der Oberfläche gab es nicht so gefährliche Lebewesen. Zumindest hatte er keine gesehen. Nach den Drow waren ja auch die Feenwesen die schlimmsten von allen Oberflächenbewohnern. Schließlich betrat er eine Höhle, die in einer Sackgasse endete. Vorsichtig blickte und hörte er sich um. Nichts zu hören oder zu sehen. Er sah in das Gesicht seines Bruders. Dieser sah ihn direkt an, griff mit seinen kleinen Händchen nach einer Strähne seines hüftlangen, weißen Haares, um daran zu ziehen.
Dies entlockte dem Magier ein Grinsen.
Er wickelte seinen Bruder so in seine Decke, dass er ihn wie einen Rucksack auf dem Bauch tragen konnte, so hatte er die Hände frei, um nach seinen Utensilien zu suchen, damit er das Portal öffnen konnte. An der Oberfläche dürfte die Nacht hereingebrochen sein. Der letzte Blick zu Narbondel hatte die Dämmerung angezeigt. Er sammelte seine Gedanken und hob erst einmal den Stille-Zauber auf. Er platzierte zwei Steine auf den Boden, die als Begrenzung für den Zauber dienten. Dann konzentrierte er sich und beschwor mit der magischen Formel die Magie für ein Portal. Fimmernd öffnete sich mit einem hellen violetten Schimmer das Portal. Die Oberfläche der flackernden Magie ließ nicht auf den Zielort schließen, aber er war sich sicher, dass es stimmte. Noch ein letztes Mal sah er zurück.
Der Dunkelelf hoffte wirklich, es würde das letzte Mal sein. Calaghar wuschelte seinem kleinen Bruder durch die kurzen Haare und lächelte sanft, dann trat er zielstrebig, ohne noch einen weiteren Blick zurück zu verschwenden, durch das Portal.

Er kniff die schmerzenden Augen zusammen. Der ungewöhnlichen Helligkeit ausgeliefert zu sein kam nicht überraschend, war aber nichtsdestotrotz eine Belastung für seine Augen. Es dauerte eine Weile, bis er sich daran gewöhnte. Zumindest war es jetzt von Vorteil viele Stunden in schwachen Kerzenschein verbracht zu haben, um zu lesen. Langsam öffnete er seine Augen wieder und schloss das Portal hinter sich, was zusätzlich ein violettes Licht verströmte. Zum ersten Mal sah er seinen Bruder im normalen Licht.
Er hatte wirklich ungewöhnliche Augen. Keine, wie man sie dem Verräter Drizzt Do'Urden nachsagte… Aber auch keine die man als Drow akzeptieren würde.
Eines war hellgrün und das andere blutrot. Seine strahlend weißen Haare schimmerten silbrig im Licht des Mondes, wie die Oberflächenelfen die Scheibe am Himmel nannten.
Calaghar sah sich aufmerksam um. Er befand sich mitten in einem Wald, wie es schien. Dunkel ragten sie auf, standen aber nicht zu dicht beisammen. Sich drehend erfasste er jede Richtung und es dauerte nicht lang bis seine empfindlichen Augen bei einem, zwar weit entfernten, aber unnatürlichem Licht hängen blieben.
Eine flackernde Flamme, vielleicht ein Lagerfeuer, das durch die Bäume kaum auszumachen war. Der Unsichtbarkeitszauber hatte seine Schuldigkeit getan, er löste ihn und dann machte er sich auf den Weg zur Lichtquelle.
Einen falschen Verdacht wollte er nicht erregen, wenn er bei den Elfen auftauchte. Sichtbar war sein auftreten schon verdächtig genug und er kam in friedlichen Absichten, was für die hiesigen Elfen wohl kaum vorstellbar war. Einer ungewissen Zukunft kam mit jedem Schritt näher.
„Hm … mal sehen, wie das alles endet …“, nuschelte er leise vor sich hin.
Kurz musterte er das kleine Gesicht seines Bruders.
„Ich würde gern wissen, was du davon hältst …“
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