A good night

GeschichteAllgemein / P18
Benjamin Barker Mrs. Lovett
24.02.2009
24.02.2009
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„Mr. T, hier, Sie sollten etwas essen, mein Lieber!“ „Hier, bitte sehr, Mr. T, dieses Hemd ist sauber!“ „Mr. T, dear, rutschen Sie ein Stück nach dort, damit ich das Blut da wegputzen kann.“

Ihr ständiges, besorgtes Fragen schoss dem Barbier durch den Kopf, als er in seinem Salon  in dem Stuhl saß, wo für gewöhnlich seine ‚Kunden’ saßen und jedes einzelne seiner Messer polierte und zurück in die Holzkiste legte, die mit rotem Samt ausgelegt war. Er arbeitete langsam, sein Schatten verlängerte sich und der Tag neigte sich dem Ende zu. Jeden Moment wartete er darauf, dass die Tür aufflog, wartete darauf die Stimme der Pastetenbäckerin von unten zu hören, wie sie nach oben ging um ihn sein Abendessen zu bringen, genauso wie sie es in den vergangenen 2 Monaten getan hatte.

Sie kam zu spät, was sehr ungewöhnlich für sie war. Es war nicht so, als ob ihn das wirklich kümmerte, doch er wusste, dass sie ihn nichts selber machen lässt und ihr fröhliches Auftreten konnte manchmal selbst Todd’s Stimmung aufhellen.


Nach einer Stunde oder länger blickte er aus dem Fenster, gerade als die letzen Sonnenstrahlen am Horizont verschwanden. Er hob das Messer, was er noch in seiner Hand hoch um die letzen Strahlen darin spiegeln zu lassen. Todd klappte es zu und legte es in die Kiste, zurück zu den anderen Messern. Danach ging er aus seinem Geschäft raus, wo Mrs. Lovett stecke, wollte er nur zu gerne wissen.


Als er die untersten Stufen der Treppe erreichte, bemerkte Todd zwei Dinge. Das erste war, dass die Vorhänge von Mrs. Lovett’s Laden alle zugezogen waren. Das andere war, dass das Schild, was an der Tür hing, nicht wie üblich auf ‚Geöffnet’ stand, sondern auf ‚Geschlossen’. Noch nie hatte er gesehen, dass Mrs. Lovett ihren Laden so früh schloss. Seine Hand ruhte auf der Türklinke, ein Teil von ihm in der Hoffnung, die Tür war verschlossen, der andere Teil wissend, dass sie es nicht war. Eben dieser Teil war es, der ihn aufforderte hineinzugehen. Also öffnete er die Tür und trat in den dunklen Pastetenladen ein.

Jemand stieß einen leichten Schrei aus, der schnell wieder verstummte.

„Mr. Todd!“ Der  Aushilfsjunge, Toby, sah  den Barbier gähnend, dennoch ein wenig ängstlich an. Am liebsten hätte Todd ihn angeknurrt, doch hielt er sich zurück und wartete darauf, dass der Junge ihm verriet, wo Mrs. Lovett war.

„Mrs. Lovett  ist heute in einem schrecklichen Zustand , Sir“, stotterte der Junge, seine braunen Augen hatte er schnell auf den steinernen Fußboden gerichtet. „Der Arzt meinte, sie sei nur Erschöpft und schlug vor, sich zu entspannen und nicht so hart zu arbeiten.“


Todd wusste, dass keiner der Dinge jemals geschehen waren. Mrs. Lovett hörte nie auf zu arbeiten, solange es noch etwas zu arbeiten gab. Das wusste er aus Erfahrung. Dem Barbier wurde sehr schnell langweilig, wenn er nichts zu tun hatte und ein paar mal, war er zu Mrs. Lovett runter gegangen, um sie zu fragen, ob er ihr helfen könnte. Sie hatte immer nur gelacht und hatte ihm Aufgaben gegeben, die nur einige Sekunden Zeit in Anspruch nahmen.

„Sprechen Sie vielleicht mit ihr, Mr. Todd, Sir?“, sagte Toby, seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. „Vielleicht hört sie auf  Sie und hört auf sich tot zu arbeiten!“

Der Mann schaubte. Er bezweifelte das stark, dass Mrs. Lovett sich ‚totarbeiten’ konnte, aber er hatte nichts anderes zu tun und wollte nicht, dass der Junge ihn weiter belästigte. So ging er den Flur zu Mrs. Lovetts Zimmer entlang und hielt vor der Tür an. Er klopfte zwei mal.


„Herein!“, rief ihre Stimme von der anderen Seite der Tür. Der Mangel an Heiterkeit in ihrem Ton klang beunruhigend in seinen Ohren. Hatte der Junge also doch Recht gehabt, dass sie zu viel  arbeitete...Er öffnete die Tür.

„Oh, Mr. Todd!” Schnell setze sie sich auf, da sie in ihrem Bett lag. Die Überraschung stand ihr im Gesicht geschrieben. „Was machen Sie hier, love?“

Die Frau versuchte ruhig sitzen zu blieben, doch sie zitterte heftig und ließ sich mit einem Seufzer zurück in die Kissen sinken. Dann vergrub sie das Gesicht in den Händen.

„Vielleicht bin ich zu alt für diesen Job!“, warf sie in den Raum, versuchte sich aber selber zu beruhigen. „Aber das Geschäft läuft doch seit kurzem so gut, ich hab Toby und Sie - “ Mrs. Lovett verstummte. Sie hielt es nicht für klug, den Namen des Barbiers jetzt zu sagen und lenkte schnell ein: „Vielleicht geht’s mir morgen besser...“


Todd war im Türrahmen stehen geblieben, ganz so, als wüsste er nicht ob er rein- oder rausgehen sollte. Er hielt es für unwahrscheinlich, dass es ihr Morgen besser gehen würde, dafür kannte er sie zu gut, und er hatte eine Idee, was ihr fehlte. Mrs. Lovett bemerkte nicht, wie er die Tür leise schloss.

Wenn etwas mit Mrs. Lovett passieren würde, würde er nirgendwo mehr hingehen können. Nicht jeder Pastetenbäcker war bereit, das zu tun, was sie für ihn tat. Nicht jeder Pastetenbäcker würde bei der Tatsache kichern, dass ihre Kunden zu Kannibalen wurden. Er konnte nicht glauben, dass jede andere Frau die Leichen, die er täglich fabrizierte, so bereitwillig zu Fleisch für ihre Pasteten machte. Er würde wahrscheinlich nie einen anderen und besseren Mittäter finden, als die Frau die hier vor ihm saß.


Der Barbier setze sich zaghaft neben sie auf das Bett. Als Mrs. Lovett das plötzliche Gewicht neben sich auf dem Bett spürte, lenkte sich ihre ganze Aufmerksamkeit auf ihn und nicht mehr auf die bitteren Gedanken, denen sie bis eben noch nachhing. Noch nie war Todd ihr so nah gewesen wie jetzt, aber ihre Freude war unbegrenzt groß.

Eigentlich wollte er die Nase rümpfen, doch er musste es jetzt machen. Es war das einzige, was ihm einfiel, was sie wirklich brauchte. Und es würde ihm gewährleisten, dass sie morgen wieder die alte Mrs. Lovett war.

Auch wenn er mehr als leicht angewidert war von der Idee – Aber er wusste er würde es für sich selbst machen und nicht für sie.

„Was machen Sie, dear?“


„Ich gebe Ihnen, was Sie wollen“, seufzte der Barbier, zog seine Jacke aus und ließ sie zu einer Seite fallen. Er fing den spielerischen Glanz in ihren Augen auf und für einen kurzen Moment dachte er, dass er es vielleicht doch genießen würde.

„Und was denken Sie, was ich will?“, fragte die Pastetenbäckerin mit leicht hochgezogenen Augenbrauen. Sie wusste seine Antwort genau, trotzdem wollte sie es von ihm selbst hören.


Seine Weste fiel genau auf seine Jacke und zog an seiner Krawatte. Sie beugte sich leicht zu ihm, ihre warme Hand ruhte auf seinem Knie. Er hauchte ihr ein Wort ins Ohr und sie  kicherte, ein Lächeln breitete sich über seine Züge aus. Er fühlte die Wärme ihrer heißen Erregung, die sich wie ein Feuer auf seiner kalten Haut verbreitete.

Oh ja, er würde es definitiv genießen.

Er ließ ihr die Arbeit, das Hemd aufzuknöpfen, warf es mit seinen Handschuhen auf den wachsenden Kleiderhaufen. Sie zitterte wieder, ihre Leidenschaft und Sehnsucht war anstelle der Müdigkeit in ihren Körper gewichen. Sanft zog er sie näher sodass sie ihre Lippen auf seine eigenen legen konnte, öffnete seine eigenen um sie einzulassen. Sie küsste ihn innig und heftig und er nestelte an dem Band auf der Rückseite von ihrem Kleid, versuchte verzweifelt, sich nicht noch mehr Emotionen hinzugeben. Er hatte beinahe Angst, der plötzliche Überfluss an Gehfühlen könnte ihn überfluten. Sie seufzte leise, als er ihr das Kleid über den Kopf zog und es ebenfalls auf den Kleiderhaufen fallen ließ. Sie stieß ihn rücklings in die Kissen um seine Hose aufzuknöpfen. Ihre Finger streichelten seine Haut, die warmen Fingerspitzen berührten sanft seine Brust...

Todd verlor sich in diesem Moment, er hatte es satt so zu tun, als würde er es nur für sich selber machen, hatte es satt, sich zu bemühen sich zu kontrollieren. Bald zierte der ganze Rest ihrer Kleidung den Boden. Seine Hände rutschten hinter ihre Oberschenkel und brachten sie so in die richtige Position. Sie stieß ein dumpfes Quietschen aus, froh zu wissen, dass es nicht einer ihrer nächtlichen Träume war und sie wollte, dass es nie wieder aufhörte.


Er sah Tränen über ihre Wangen laufen und legte eine Hand auf ihr Kinn, damit sie ihm in die Augen sah.

„Tu’ ich ihnen weh?“, fragte er besorgt. Die gemischten Gefühle, die er für sie empfand waren stark genug um eine andere Person zu Überwältigen.

Erleichterung durchströmte ihn, als sie mit einem starken „Nein!“ nach ein paar kurzen Momenten antwortete, zog ihn zu sich ran um fortzufahren.

Als Mrs. Lovett am nächsten Morgen aufwachte, war er schon weg. Kaltes Vergnügen floss durch ihren Körper als sie sich an die vergangene Nacht erinnerte. Sie stand leichtfüßig auf, hatte völlig vergessen, dass sie am Tag zuvor kaum in der Lage war zu stehen, zog sich an und ging in den Laden um Kuchen für Toby zu backen. Dieser sprang sofort von der Couch auf und lief auf sie zu.

„Sie sehen viel besser aus, Mum!“, bemerkte er und rieb sich noch leicht verschlafen die Augen.

Sie lächelte. „Eine gute Nacht kann Wunder bewirken, darling...“

Der Junge lächelte leicht zurück, überglücklich dass sie wieder in Ordnung war. Auch wenn Mrs. Lovett für den Rest des Tages weniger sprach als für gewöhnlich, sie schien sogar glücklicher als sonst zu sein und nur das war wichtig für ihn.
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