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Der letzte Akt - oder: Wann ist spät zu spät?

von chippidu
GeschichteAllgemein / P18 / Gen
24.02.2009
19.06.2011
19
39.566
 
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Dieses Kapitel
5 Reviews
 
24.02.2009 1.372
 
Hallöchen =)
Also hier ein neues Kapitel...hier passiert zwar noch weniger, aber...ich hoffe es gefällt euch trotzdem =)
Liebe Grüße, chippidu ;)
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Die laute Musik dröhnte Lilly und Miriam bereits einige Straßen vor der Disco entgegen. Inzwischen war es kurz nach Mitternacht und es hatte sich eine lange Schlange von Menschen vor dem Eingang gebildet.
„Da willst du dich doch nicht wirklich anstellen, oder Miriam? Dann müssen wir doch ewig warten…“ Zweifelnd blickte Lilly zu ihrer Freundin, immer noch mit der winzigen Hoffnung, doch wieder zurück nach Hause gehen zu können.
„Oh nein, Lilly, keine Angst, das wird nicht lange dauern, glaub mir“, erwiderte Miriam fröhlich und zwinkerte Lilly zu, die sie skeptisch musterte.  

Und sie sollte recht behalten.
„Danke, Tim, du hast was gut bei mir“, flötete Miriam keine fünf Minuten später, als der Türsteher die beiden ohne ein Zögern durchließ, auch wenn die wartenden Gäste murrten und ihm wüste Beschimpfungen zuriefen.
„Woher kanntest du den nun schon wieder, Miriam?“, fragte Lilly und blickte ihre Freundin missmutig an, als sie ohne Probleme das Gebäude betreten konnten.
„Ach, ein Exfreund von mir, mit dem ich hin und wieder noch schreibe“, sagte Miriam nur und zog Lilly mit zu dem Vorderraum in der Diskothek, wo sie ihre Jacken und Taschen abgaben. Lilly hob ihre Augenbrauen, hakte aber nicht weiter nach, als ihre Freundin es dabei beließ und einen Augenblick später die überfüllte Tanzfläche betrat.

„Wollen wir nicht lieber erst einmal eine Runde drehen und etwas trinken?“, schrie Lilly ihrer Freundin zu und hoffte, dass diese sie trotz der lauten Musik hören würde. Miriam schien einen Moment zu überlegen, dann nickte sie.
„Gut, trinken wir erst einmal was.“ Ächzend schoben sie sich durch die Menschenmenge, die sich vor den Bars angesammelt hatte. Hier und da sah Lilly ein bekanntes Gesicht, doch im Moment war sie nicht in der Stimmung, Smalltalk mit mehr oder weniger netten Menschen aus ihrem Umfeld zu halten.
„Was möchtest du trinken?“, fragte Lilly, als sie sich schließlich einen Barhocker geangelt hatten.
„Einen Bacardi“ kam die prompte Antwort, „wie immer.“ Lilly nickte und bestellte ihrerseits einen Wodka O. Nachdem sie die Drinks bezahlt hatte, drehte Lilly sich zu Miriam um. „Prost“, sie hob ihr Glas und trank einen Schluck. Miriam nickte ihr zu und ließ ihren Blick über die Tanzfläche wandern.
„Und, schon jemanden gesehen, den du dir angeln kannst?“, fragte sie Lilly mit einem schelmischen Lächeln. Diese warf ihr nur einen bösen Blick zu und antwortete ihr nicht. Dann nahm sie einen Schluck von ihrem Getränk und verzog einen Moment das Gesicht. Eine schlechte Mischung.

Währenddessen sah sie desinteressiert in die Menge und überlegte, wann sie sich wohl verdrücken könnte. Sie dachte nicht mehr an ihren Vorsatz, etwas Spaß zu habe und sich abzulenken. In diesem Augenblick sehnte sie sich nur nach ihrer Wohnung, nach ihrem Bett. Nach Jack.
Bei diesem Gedanken runzelte Lilly die Stirn und schüttelte energisch mit dem Kopf. Nein, sie würde jetzt nicht an Jack denken. Soweit kam es noch, dass sie in einer überfüllten Disko mit unzähligen gutaussehenden Männern an Jack denken würde.

„Na, Schönheit, warum schüttelst du denn dein süßes Köpfchen?“, nahm sie da eine säuselnde Stimme an ihrer Seite war. Einen Moment erstarrte sie, dann drehte sie sich um – und blickte in das Gesicht eines blonden, schmierigen Kerls der ihr ein widerwärtiges Lächeln zuwarf. „Bitte?“, fragte sie entgeistert.
„Was ist das denn für eine bescheuerte Anmache? Lass mich bloß in Ruhe.“ Mit diesen Worten wandte sie sich wieder ihrem Drink zu. Aus dem Augenwinkel sah sie, wie Miriam ein Grinsen unterdrückte.
„Sehr witzig“, zischte Lilly ihr zu, doch ihre Freundin ließ sich davon nicht beirren. Lilly wollte gerade erneut etwas sagen, als sie eine Hand auf ihrer Schulter spürte.
„Hey“, erklang wieder die Stimme des Mannes.
„Ich wollte doch nur nett sein…darf ich es mit einem Drink wieder gut machen?“ Er machte einen Schmollmund, der leider nicht mehr als lächerlich war, und Lilly verengte die Augen.
„Nein, danke“, sagte sie und schob seine Hand deutlich von ihrer Schulter. „Und jetzt hau ab, ok?“ Der Mann wollte etwas erwidern doch sie schnitt ihm das Wort ab.
„Verzieh dich, ich bin nicht interessiert.“ Mit einem Seufzen wandte Lilly sich zu Miriam um.
„Ich hoffe doch nicht, dass du meinst, ich hätte mir diesen Kerl angeln sollen, oder?“
„Nein“, sagte Miriam und lachte. „Der war aber auch nur…urrgh“
„Ja, das - “ Mit einem Schnauben drehte Lilly sich um, als sie eine Hand an ihrem Rücken spürte.

„Verzieh dich, hab ich ge-“, fauchte sie, stockte dann aber, als sie merkte dass es nicht der schmierige Mann war, der nun vor ihr stand. Stattdessen blickte sie in das markante Gesicht eines Mannes etwa in ihrem Alter, so um die 25, der nun abwehrend die Hände hob.
„Ui, da ist aber jemand gar nicht gut gelaunt“, sagte er und trat einen Schritt zurück. Lilly, die sich gerade bei ihm hatte entschuldigen wollte, funkelte bei diesen Worten mit den Augen.
„Ui, da ist aber jemand, den das gar nichts angeht“, fauchte sie, dann schaute sie zu Miriam, die das ganze amüsiert beobachtete.
„Sind denn hier nur Idioten?“, fragte sie und ignorierte das Bedürfnis, ihrer Freundin zu sagen, dass sie aufhören sollte, so dämlich zu lächeln. Miriam erwiderte nichts und zuckte nur mit den Schultern. Dann ließ sie ihren Blick wieder zur Tanzfläche schweifen.
Lilly seufzte und wandte sich wieder dem Mann zu, der sie mit einem Grinsen beobachtete.
„Hier herrscht wohl heute Zickenkrieg, was?“, fragte er und hob eine Augenbraue.
„Sag mal, stehen deine Frauen da drauf, wenn du solche dämlichen Sprüche bringst, oder was soll das Ganze hier?“, fragte Lilly gereizt und fragte sich, warum sie überhaupt hier war.
„Und?“, wiederholte sie ihre Frage, als keine Antwort kam. Doch der Mann betrachtete sie nur schweigend und schließlich holte sie tief Luft, um sich zu beruhigen, denn wenn jemand ihr nicht antwortete, konnte sie wirklich, wirklich zickig werden. Und heute war nun mal nicht ihr bester Tag…

„Ok, sag mal, bist du auf einmal taub oder was? Hast du nicht gelernt, dass es unhöflich ist, nicht zu antworten?“ – „Willst du mit mir tanzen?“, kam im gleichen Moment die Gegenfrage.  
„Was?“ Lilly dachte, sie hätte nicht richtig gehört und sie sah ihn verblüfft an.
„Ich habe gefragt, ob du mit mir tanzen willst“, wiederholte der Mann seine Frage und zeigte auf die Tanzfläche.
„Warum sollte ich?“, fragte Lilly, und sah kurz zu Miriam, die ihr aufmunternd zu nickte. Dann wandte sie sich wieder zu dem Mann, der sie nun anlächelte.
„Nun ja“, sagte er leicht ironisch. „Weil das hier eine Disco ist?“ Lilly verzog das Gesicht.
Sie hätte ihn am liebsten angezischt, dass er seine blödsinnigen Kommentare lassen sollte, doch dann kam ihr plötzlich der Vorsatz, sich zu amüsieren, in den Kopf. Warum nicht mit diesem Mann?

Lilly legte den Kopf schief und betrachtete ihn forschend. Er hatte braunes, mittellanges Haar und relativ dunkle Haut. Seine markanten Züge, die ihr schon vorher aufgefallen waren, verliehen seinem Gesicht eine gewisse Härte, ließen ihn fast unnahbar erscheinen. Seine hellblauen Augen bildeten dabei einen starken Kontrast zu seinem dunklen Haar. Lilly musste zugeben, dass er durchaus gut aussah. Um ehrlich zu sein, entsprach er zwar nicht ganz ihrem sonstigen Geschmack, hatte aber durchaus etwas Reizvolles. Nachdem sie sein Gesicht studiert hatte, ließ sie ihren Blick weiter hinunter wandern. Er trug ein hellblaues Hemd von dem die oberen Knöpfe geöffnet waren, so dass man eine gute Aussicht auf seine leicht gebräunte Haut hatte.

Rasch schaute Lilly wieder zu dem Mann hoch. Den Rest würde sie später begutachten…
„Also gut“, sagte Lilly schließlich. „Von mir aus. Ein bisschen tanzen kann ja nicht schaden.“  Auffordernd blickte sie zu dem Mann, der  sie interessiert ansah.
„Na, alles zu deiner Zufriedenheit?“, fragte er und lächelte er ihr zu. Lilly wurde rot, erwiderte dann aber sein Lächeln.
„Ja doch, kann sich sehen lassen“, erwiderte sie dann ruhig und sah ihm direkt in die Augen. Einen Moment verweilten sie so, dann bewegte der Mann sich plötzlich und reichte ihr die Hand. „Mein Name ist Mike“, sagte er. Lilly zögerte einen Moment, dann erfasste sie seine Hand. Sie war warm,  und etwas rau, doch der Händedruck war sanft und angenehm. „Ich bin Lilly“, erwiderte sie, dann stand sie auf.
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