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Der letzte Akt - oder: Wann ist spät zu spät?

von chippidu
GeschichteAllgemein / P18 / Gen
24.02.2009
19.06.2011
19
39.566
 
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Dieses Kapitel
5 Reviews
 
24.02.2009 1.599
 
Mmh...und hier nun Kapitel Nummer zwei =) Hier passiert nicht allzu viel, aber ich hoffe, es ist trotzdem nicht langweilig. Es kann schließlich nicht immer Action geben :D
LG, chippidu
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Nachdenklich schaute Lilly aus dem Fenster. Sie saß auf der Fensterbank im Wohnzimmer, ihre Arme umfassten ihre angewinkelten Beine. Während sie den Regen betrachtete, der unerlässlich auf die Erde prasselte, dachte sie über ihren Streit mit Jack nach. Warum, zum Teufel, hatte er sie dermaßen belogen? Schon wieder. Sie hatte gedacht, er würde sich ändern, aber langsam hatte sie das Gefühl, dass dies nie geschehen würde.
Eine Träne rollte ihre Wange hinunter, lief über ihr Kinn und tropfte auf ihren Arm. Wütend wischte Lilly sich über das Gesicht. Sie wollte nicht mehr weinen. Nicht wegen Jack. Sie hatte schon genug seinetwegen gelitten.

Mit einem Seufzen stand sie auf und ging ins Bad. Nach einem Blick in den Spiegel erschrak sie. Gott, sah sie schrecklich aus! Sie war schrecklich blass, und außerdem hatte sie rote, verheulte Augen. Lilly schnitt eine Grimasse. Sie musste unbedingt mal raus, an die frische Luft, doch sie konnte sich einfach nicht aufraffen. Seit Tagen, seit Jack ihre gemeinsame Wohnung verlassen hatte, trug sie nur noch alte Schlabberklamotten und war nicht mehr außer Haus gewesen. Nun ja, verbesserte sie sich in Gedanken, sie war einmal kurz zum Bäcker die Straße hinunter gelaufen. Allerdings hatte sie sich dafür auch nicht umgezogen.

Lilly seufzte erneut. Zu dem Zeitpunkt hatte sie aber auch noch etwas akzeptabel ausgesehen. Jetzt, mit fettigen Haaren und ungepflegter Haut konnte sie sich wohl kaum auf die Straße trauen. Langsam schlurfte sie wieder zurück ins Wohnzimmer. Nachdenklich kaute sie auf ihrer Unterlippe. Sie hatte Hunger. Wo könnte sie diesmal etwas bestellen? Vielleicht beim Italiener? Oder beim Chinesen? Im gleichen Augenblick, als sie an den Chinesen dachte, bei dem sie so gerne aß, tauchten Bilder vor ihrem inneren Auge auf, Bilder von ihr und Jack, wie sie im Bett saßen und  sich gemeinsam mit chinesischen Nudeln fütterten…
Tränen traten ihr in die Augen, und diesmal konnte sie sie nicht zurückhalten. Einen Augenblick später saß sie zusammengekauert in ihrem Sessel, ein Kissen im Arm und heulte. Hunger hatte sie nicht mehr, und auch ihren Vorsatz, wegen Jack nicht mehr zu weinen, hatte sie vergessen.

Das plötzliche, schrille Klingeln ließ sie hochschrecken. Verwirrt brauchte sie einen Moment, um das Geräusch zuzuordnen. Schließlich stand sie auf, und ging in Richtung Tür. Wer könnte das sein? Sie erwartete niemanden, und Jack hatte sich bereits Sachen geholt, um ein paar Tage bei einem Freund schlafen zu können. Lilly machte sich nicht die Mühe, ihre Haare zu ordnen oder sich etwas Wasser ins Gesicht zu spritzen. Ihr war in diesem Augenblick völlig egal, wie sie wohl aussehen würde.

Es klingelte erneut, und Lilly löste die Sicherheitskette an ihrer Tür. „Ja, ist ja schon gut“, murmelte sie genervt. Schließlich öffnete sie die Tür.
„Oh nein“, seufzte sie kraftlos, als sie sah, wer ihr gegenüberstand.
„Oh doch, Lilly, oh doch“, rief ihr die Frau entgegen, die sich innerhalb einer Sekunde in ihrer Wohnung befand.
„Was willst du hier, Miriam?“, fragte Lilly und machte sich gar nicht erst die Mühe, ihre Freundin aufzuhalten. Nachdem sie die Tür wieder geschlossen hatte, ging sie zurück zu ihrem Sessel und setzte sich. Sie bat ihrer Freundin nichts an, sondern beschloss, sie einfach zu ignorieren. Vielleicht würde sie dann einfach wieder gehen…

„Was ich hier will?“, fragte Miriam in diesem Augenblick mit erhobener Stimme. „Na das ist ja wohl sonnenklar, oder? Dich aufmuntern!“ Teilnahmslos hob Lilly den Kopf und blickte ihre Freundin an. Diese trug eine weiße Stoffhose, ein schwarzes, glänzendes Top und hatte ihre braunen langen Haare hochgesteckt. An ihren Füßen trug sie schwarze, hochhackige Schuhe.
„Ich muss nicht aufgemuntert werden“, protestierte Lilly schwach, doch Miriam hob nur eine Augenbraue.
„Ach nein? Ich will dir mal was sagen.“ Sie trat einen Schritt auf Miriam zu. „Wir beide – du und ich – werden heute Abend feiern gehen. Feiern, und trinken, und Spaß haben.“
„Muss das sein?“, fragte Lilly. Ihre Stimme klang kläglich, wusste sie doch, dass sich Miriam nicht aufhalten ließ, wenn sie erst einmal etwas beschlossen hatte. „Ich bin ehrlich gesagt nicht in der Laune, um zu feiern. Das mit Jack…“

„Das mit Jack, meine Liebe, kannst du auch morgen noch weiter beweinen. Heute Abend wird gefeiert. Alles klar?“
„Hab ich überhaupt eine Wahl, du Sadistin, du?“
„Nein, eigentlich nicht“, erwiderte Miriam ungerührt und strahlte ihre Freundin an.  „So“, sagte Miriam langsam. „Womit fangen wir denn mal an…“ Sie überlegte einen Moment, dann nickte sie. „Ja, natürlich. Als erstes gehst du unter die Dusche. Weißt du, Lilly, ich will dir ja nicht zu nahetreten, aber wann hast du das letzte Mal geduscht? Du ähm“, sie räusperte sich, „du müffelst etwas.“
„Ja? Das kann sein“, sagte Lilly langsam und hob einen Arm. Mit der Nase roch sie an ihrem T – Shirt und nickte dann. „Mmh, wann hab ich das letzte Mal geduscht? Ich glaube, als Jack noch hier gewohnt hat…Wir haben zusammen geduscht…“ Ihr Blick wurde erst verträumt und dann wütend, als ihr wieder einfiel, was vorgefallen war. Sie knirschte mit den Zähnen.
„Jaja, ist ja gut“, sagte Miriam da ungeduldig. „Weinen kannst du später. Und auch wütend sein“, fügte sie hastig hinzu, als sie den wütenden Blick ihrer Freundin sah.
„Jetzt wird erst einmal geduscht“
„Och nö“, jammerte Lilly. „Ich will nicht.“ Miriam ignorierte den schwachen Protest und zerrte Lilly energisch aus dem Sessel. Kraftvoll schob sie sie ins Badezimmer.

Lilly wehrte sich nicht und ließ sich einfach schieben. Als sie keine Anstalten machte, aus ihrer Kleidung zu steigen, verdrehte Miriam nur ihre Augen und fing an, erst das T – Shirt, dann die Hose ihrer Freundin auszuziehen. Schließlich stand Lilly nur noch in Unterwäsche vor ihr und schlang zitternd die Arme um ihren Leib. „Herrjemine,  Lilly“, rief Miriam und gab ihr einen Klaps auf den Arm. „Den Rest wirst du doch wohl alleine schaffen, oder?“ Als diese nicht reagierte, seufzte Miriam. Einen Moment überlegte sie, schließlich packte sie ihre zierliche Freundin und schob sie in die Dusche. Dann betätigte sie den Duschknopf und ließ das eiskalte Wasser auf ihre Freundin hinunter prasseln.

„Miriam, du Biest“, schnappte Lilly nach Luft. Innerhalb von wenigen Sekunden waren ihr BH und ihre Unterhose durchnässt, und vor Kälte standen ihre Brustwarzen steif empor. Der Stoff klebte eng an ihrer Haut und halbherzig verdeckte Lilly die Stellen, an denen die durch das Wasser getränkte Kleidung mehr zeigte, als von ihr verdeckt wurde.
„Das hab ich doch alles schon gesehen“, sagte Miriam schelmisch, drehte sich dann aber um. Hoch erhobenen Hauptes verließ sie das Bad. „Und schön saubermachen, Lilly, klar? Ich such dir in der Zeit passende Klamotten raus!“ Lilly seufzte, fing dann aber an, sich die klitschnasse Kleidung auszuziehen. Dann drehte sie das Wasser wärmer, und schloss die Augen. Mmh, das tat gut. Langsam spürte sie wieder Leben in ihren Knochen und sie merkte, wie etwas von ihrem alten Elan zurückkam.
Vielleicht hatte Miriam recht, und es wäre ganz gut, mal etwas auszugehen. Ein bisschen feiern, ein bisschen Spaß haben. Mit etwas Duschgel auf der Hand strich Lilly sanft über ihren flachen Bauch und kreiste dann um ihre Brüste. Ein Schauder durchfuhr ihren Körper, als ihre Hand wieder zurück zu ihrem Bauch und dann in tiefere Regionen stieß. Vorsichtig strich sie über ihre Öffnung, und massierte sanft ihren Körper. Schließlich lehnte sie ihre warme Wange an die Kacheln in ihrer Dusche und ließ das heiße Waser auf ihren nackten Körper prasseln. Einen Moment verharrte sie so und genoss das Gefühl des heißen Wassers auf ihrer Haut, und ihrer Hände, die zart über ihren Körper strichen.

Ein Klopfen unterbrach Lilly in ihren Gedanken und sie schrak hoch. Röte schoss ihr ins Gesicht, als sie die Stimme ihrer Freundin hörte. „Alles klar, Lilly? Bist du bald mal fertig? Deine Kleidung liegt schon bereit.“
„Ja, ich bin so gut wie fertig“, sagte sie hastig. Oh mein Gott! Sie war so in Gedanken gewesen, dass sie fast vergessen hatte, dass sie nicht alleine war…

Einige Minuten später hatte sie sich ein Handtuch um den Körper geschlungen und verließ das Bad. Verblüfft betrachtete sie, was Miriam in der kurzen Zeit, in der sie geduscht hatte, geschafft hatte. Das Chaos in ihrem Wohnzimmer war verschwunden, stattdessen herrschte nun eine völlige Ordnung in diesem Raum, und sogar das Bett hatte ihre Freundin neu bezogen.
„Ich hab auch mal gelüftet“, sagte Miriam da, als sie dem Blick Lillys folgte. „Es stank hier nämlich ziemlich.“ Lilly nickte nur und lächelte schwach.
„Danke“, sagte sie. „Und hast du mir jetzt was zum Anziehen herausgesucht?“  
„Ja“, erwiderte Miriam energisch. Dann sah sie Lilly streng an. „Hast du dich auch rasiert?“, fragte sie.

Lilly antwortet nicht, sondern streckt nur ihre Beine aus. Nach einem kurzen Blick nickte Miriam zufrieden und reichte Lilly dann eine rote Strumpfhose, einen schwarzen Minirock, ein weit ausgeschnittenes rotes Top und schwarze, hochhackige Stiefel.
„Diesen Rock hab ich noch nie getragen“, sagte Lilly skeptisch. „Der ist wirklich sehr kurz.“
„Ich weiß“, erwiderte Miriam nur.
„Na gut“, seufzte Lilly und gab sich geschlagen. Dann nahm sie die Klamotten und ging zurück ins Badezimmer. Kurze Zeit später rief sie: „Ich nehme mal an, ich darf meine Haare nicht offen lassen und ungeschminkt losgehen?“
„Nein“, antwortete Miriam energisch. Mit zwei Schritten war sie bei ihrer Freundin und eine Viertelstunde später war Lilly topgestylt. Sie hatte ihre Haare, ähnlich wie Miriams, hochgesteckt und unauffälliges, aber ihren Gesichtszügen schmeichelndes Make – up aufgelegt. „Na dann auf in den Kampf“, murmelte Lilly zu sich selbst, als die beiden Frauen die Wohnung verließen.
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...und, wie gefällts euch?  =)
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