Ameco

GeschichteAbenteuer / P16
Bill Conolly Jane Collins John Sinclair Sir James Powell Suko
18.02.2009
02.05.2010
4
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1. Der seltsame Brief

Es war eigentlich ein ganz normaler Tag in London. Es regnete wie aus Eimern und dicker Nebel hüllte Englands Hauptstadt ein. Wahrlich kein schöner Tag, aber das war nun mal das typische Londonerwetter. Da konnte man nichts ändern.
Dennoch war ich froh in meinem Büro zu sitzen. Den Papierkram hatte ich so eben fertig bekommen und wartete nun auf meinen Partner Suko, der sich gerade einen Kaffee holte. Wir hatten zwar noch den halben Arbeitstag vor uns, aber nichts mehr zu tun, deshalb wollten wir unseren Chef Sir James Powell bitten uns ein bisschen auf Patrouille zu schicken. Es war zwar abscheuliches Wetter, aber das zog ich dem Nichtstun vor.
Ich war schon seit Tagen schrecklich nervös. Mir war als würde die andere Seite etwas aushecken und dass mich ihr Angriff  jeden Augenblick treffen würde.
Ich wusste nicht was sie plante seid wir Matthias, Luzifers rechte Hand vernichtet hatten. Naja, eigentlich war das wohl eher der Engelssohn Gabriel gewesen, aber wir standen immerhin auf der selben Seite.
Wie gesagt, war ich sehr nervös deswegen, was normalerweise gar nicht meine Art war, aber ich spürte einfach, dass etwas Größeres im Anzug war.
Dazu kam, dass mein berühmtes Kreuz ab und an anschlug, ich aber keinen Feind entdecken konnte. Und dann verschwand die warnende Nähe genauso plötzlich, wie sie gekommen war.
Suko kam mit seiner Kaffeetasse zurück und warf mir einen fragenden Blick zu, doch ich winkte ab.
„Ich brauche echt keinen Kaffee. Ich bin auch ohne Koffein schon genug aufgekratzt.“ Er grinste.
„Du machst dich wahrscheinlich ganz umsonst verrückt, John.“
Natürlich hatte ich Suko meine Befürchtungen mitgeteilt. Er wäre früher oder später selbst darauf gekommen, wieso ich mich so seltsam benahm. Er war ja nicht umsonst beim Scotland Yard.
„Das glaube ich nicht. Ich bin mir ganz sicher, dass etwas auf uns zukommt mit dem wir noch größere Probleme haben werden.“
Wie als wären meine Worte der Startschuss gewesen, glühte mein Kreuz unter meiner Jacke auf.
Die Wärme die es ausstrahlte war enorm. Es war viel Schlimmer, als die letzten Male.
Meinem alten Freund entging natürlich mein erschrockenes Gesicht nicht.
„Was hast du?“
„Das Kreuz.“
Er nickte stumm und sein Blick verfinsterte sich. Auch ich riss mich wieder zusammen und holte es hervor.
„Ist es wieder ein falscher Alarm?“
„Es ist nie ein falscher Alarm“, erwiderte ich, „Aber ich habe das Gefühl, dass es stärker als sonst ist.“
Wir warteten, dass es aufhörte zu glühen, aber es ging immer weiter. Zusätzlich wurde sein Glühen auch noch stärker und die Wärme stieg.
Zusammen mit meiner Nervosität.
„Verdammt, Suko, aber ich glaube dieses Mal ist es wirklich ernst.“
„Aber wir sind hier im Scotland Yard. In London und es ist helllichter Tag.“
„Na und? Das muss nichts heißen. Wer weiß, wozu unsere Feinde mittlerweile in der Lage sind oder muss ich dich an Matthias erinnern?“
„Du hast ja Recht, aber ich finde das doch ziemlich unwahrscheinlich. Es sind hier sehr viele Zeugen und du weißt genauso gut wie ich, dass das Böse eher im Verborgenen arbeitet und von dort aus zuschlägt.“
Suko hatte Recht. Das wäre fast so als würden sich unsere Feinde in die Höhle des Löwen begeben. Es war einfach Schwachsinn, so etwas anzunehmen, aber meine Vermutung ließ sich nicht aus meinem Kopf verbannen.
Genauso wenig wie das Glühen und die Wärme des Kreuzes, die ich sah und spürte.
Ich sprang auf.
„Ich gehe zu Sir James“, verkündete ich und machte mich auch gleich auf den Weg. Suko stellte seinen Kaffee auf seinen Schreibtisch und folgte mir.
„Ach komm schon, John. Ich weiß, dass niemand die andere Seite besser kennt, als du, aber das ist doch-“
Ich schnitt ihm das Wort ab.
„Ich weiß es selbst, aber ich verlasse mich auf meinen Instinkt und mein Kreuz. Wann haben ich und es uns denn je geirrt?“
Er wollte etwas erwidern, kam aber nicht mehr dazu, da eine Stimme hinter uns erklang.
„Wo wollen sie hin?“
Wir blieben sofort stehen und drehten uns zu unserem Chef um.
„Zu ihn, Sir. Ich muss mit ihnen reden.“
Sir James runzelte die Stirn.
„Das trifft sich gut, denn ich habe selbst ein Wörtchen mit ihnen zu reden, Sinclair.“
Verwundert sahen wir ihn an. Er wirkte angespannt und als sein Blick auf mein leuchtendes Kreuz fiel, dass ich immer noch offen vor meiner Brust trug, wurde sein Blick noch ernster. Da stimmte etwas nicht. Schon deshalb, dass er persönlich nach uns suchte.
„Kommen sie mit in mein Büro, dort erkläre ich ihnen alles.“
Wir nickten bloß und folgten ihm.
In seinem Büro deutete er uns zu setzen und wir nahmen auf den zwei Stühlen vor seinem Pult platz, während er sich auf seinen Schreibtischstuhl setzte und uns über die Tischfläche fixierte.
„Um was geht es?“, fragte ich auch gleich, worauf er schweigend eine Schublade öffnete und mir einen Briefumschlag reichte.
In roten, fein geschwungenen Buchstaben stand dort:
An John Sinclair, den Geisterjäger
Verwirrt sah ich Sir James an.
„Was ist das hier?“
Auch Suko war verwirrt.
„Wer schreibt dir einen Brief? Und dann auch noch in rot und so adressiert.“
Da hatte Suko Recht. Diese verschlungene Handschrift war mir bis jetzt unbekannt und neben der roten Tinte verwirrte mich, dass nur mein Name und kein Absender darauf standen.
Etwas war komisch an dem Brief.
„Das Selbe habe ich mich auch gefragt. Der Brief lag heute Morgen auf meinem Schreibtisch und  niemand will ihn dort hingebracht haben. Lesen sie, John.“
Ich nickte stumm und öffnete den Briefumschlag und zog ein gefaltetes, weißes Blatt Papier hervor.
Auch auf diesem standen die Buchstaben in rot.
Ich warf Suko und Sir James noch einen Blick zu, bevor ich anfing zu lesen.

Mein lieber Geisterjäger John Sinclair,
Nun wir kennen uns zwar nicht, aber ich möchte Ihnen erst einmal meinen Respekt aussprechen.
Kein Mensch meines Wissens nach, hat so viele bedeutende Siege gegen das Böse, wie man es im Allgemeinen bezeichnet, errungen wie Sie.
Etwas, was wirklich sehr beeindrucken ist und sie in alle Munde gebracht hat. Selbst bei einigen Ihrer dummen und naiven Rasse.
Aber nun genug des Lobes. Kommen wir zum wichtigen:
Zu dem Grund, warum ich Ihnen schreibe.
Ich möchte Sie gerne besuchen, was ich auch heute tun werde.
Ich würde lügen, wenn ich schreiben würde, dass mir diese kurzfristige Ankündigung und die damit verbundenen Schwierigkeiten Leid tun würden.
Um ehrlich zu sein, amüsiert es mich zu sehen, wie Sie und ihre Kollegen in Panik geraten und mit meiner außergewöhnlichen Persönlichkeit konfrontiert werden.
Der Besuch wird mir sicherlich viel Spaß bereiten und auch Sie werden einiges davon haben. Ob das für Sie gut oder schlecht ist, liegt an Ihnen, wobei ich aber wohl eher auf Letzteres schließe.
Wir werden es ja bald sehen.
Ich werde also um Punkt 12. Uhr Sie mit meiner Gegenwart beehren, Mister Sinclair.
Seien Sie bitte gut vorbereitet, denn ich will von dem berühmten Geisterjäger nicht enttäuscht werden.

Ich freue mich auf unsere Begegnung.

Ihr
Reantmino


       
Schweigend sehe ich auf das letzte Wort hinab.
Reantmino…dass musste wohl der Name des Schreibers sein, aber von so einem Namen hatte ich noch nie etwas gehört.
Suko, der mitgelesen hatte, schnaubte neben mir verächtlich.
„Was soll das Geschwafel von einem Besuch? Und was bildet der Kerl sich ein?“
Ich nickte nur und ließ meine Augen noch einmal über den Brief wandern.
„Aber was hältst du davon, dass er weiß, wer ich bin?“
„Das gefällt mir ehrlich gesagt nicht. Und auch nicht, wie er so abfällig über die Menschen schreibt. Dumm und Naiv?“
„Er scheint kein Freund von uns Menschen zu sein. Da stellt sich doch die Frage, ob er selbst etwa keiner ist.“
Sir James nickte.
„Diese Befürchtung habe ich ebenfalls. Und nach der Schreibweise glaube ich nicht, dass er uns gut gesonnen ist.“
„Sie haben den Brief schon gelesen?!“ Wütend sah ich meinen Chef an. Auch er hatte kein Recht in Dingen zu schnüffeln auf denen eindeutig mein Name stand! Was wäre gewesen, wenn er privat gewesen wäre? Von einer Verehrerin oder so etwas in der Art?
Abwehrend hob Sir James die Hände.
„Beruhigen Sie sich. Ich weiß, dass das nicht in Ordnung ist, aber der Brief lag immerhin auf meinem Schreibtisch.“
Schöne Entschuldigung.
Apropos, warum lag der Brief, der an mich war, nicht auf meinem sondern auf dem meines Chefs?
„Außerdem kam es mir merkwürdig vor, dass kein Absender drauf stand und diese rote Tinte…“
Er stoppte und was die Tinte anging, keimte ein schrecklicher Verdacht in mir auf.
„Sagen Sie bloß, dass ist Blut?!“
Er nickte und trotz unserer Erfahrung hielten Suko und ich für einen Augenblick die Luft an.
„Ich habe eine Probe ans Labor geschickt und bekam die Antwort, dass es sich bei der Tinte um Menschenblut handelt.“
Der Brief fiel mir aus der Hand und landete auf meinem Schoß. Da leuchtete mein Kreuz plötzlich grell auf.
Ich fluchte und schob den Brief schnell Sir James zu.
Augenblicklich verebbte das Strahlen und ein angenehmes Glühen blieb zurück.
„Also wenn du mich fragst, John, haben wir es hier eindeutig mit den Mächten der Finsternis zu tun.“
„Sieht ganz danach aus. Es bleibt nur die Frage, wer oder was Reantmino ist und was er genau will.“
„Da bin ich auch gespannt.“
Der Chef des Scotland Yards stand auf und sah auf seine Armbanduhr.
„Wir haben in einer Minute 12. Uhr mittags.“
Sofort sprangen wir auf.
„Verflucht. Und was jetzt? Warum haben sie uns nicht eher bescheid gesagt?“
„Ich habe noch auf den Bericht gewartet und wollte sie nicht noch mehr in Aufregung versetzen. Davon haben Sie bereits genug.“
„Das hier ist aber auch nicht viel besser!“, kam mir Suko zur Hilfe.
Immerhin tauchte jede Sekunde ein Diener des Bösen hier auf! Ich kam gar nicht mehr dazu, mir weitere Gedanken über diese Katastrophe zu machen, da mein Kreuz wie zuvor bei dem Brief aufleuchtete. Es war nicht so stark, aber es war mir mehr als Zeichen genug, dass er oder es kam.
Und dann hörten wir den Schrei und den Schuss.
Alarmiert sahen wir uns an und rannten los.
Reantmino war da…
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