Die Chronik der anderen Welt

GeschichteAbenteuer / P18 Slash
Harry Potter Severus Snape
14.02.2009
05.04.2009
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Tadaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa! Hier bin ich wieder! LEider etwas später, als geplant, aber leider ist mir mein alter PC - mal wieder - vollkommen abgeschmiert. Er war so was von töter. Daher konnte ich nicht gewohnt schnell weiter machen, aber ich hoffe mir wird verziehen *große Augen macht*

Na ja, hier auf jeden FAll die enächste Geschichte

Viel Spaß beim LEsen!



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Es war vorbei, er hatte es geschafft, stellte Harry wieder fest, er saß am Fenster der kleinen Wohnung die er sich genommen hatte. Er hatte Voldemort besiegt, es war nur wenige Wochen her. Aber er war nicht glücklich, im Gegenteil, er fühlte sich zerrissen und vollkommen fehl am Platz.    

Das sechste Schuljahr war abgebrochen worden, eigentlich hätte es noch zwei Monate dauern müssen, aber es war für die Feierlichkeiten verkürzt worden. Ja, alle Welt feierte, als gäbe es kein Morgen mehr, so, wie sie es schon das erste Mal getan hatten. Der einzige Unterschied war, dass sie sich dieses Mal sicher sein konnten, dass der Irre nicht zurückkam.

Nur er feierte nicht. Harry starrte dumpf aus dem Fenster. Die Gardinen, die Molly ihm gemacht hatte, lagen immer noch über dem Sessel, einem Geschenk von Ginny und Hermine. Er saß schon hier, seit man ihn aus dem Krankenhaus entlassen hatte, wo er mit schweren Verletzungen gelandet war. Eigentlich hätte er zu seinen Verwandten gehen sollen.

Ja, Albus Dumbledore hatte tatsächlich gefordert, dass er ein weiteres Mal zu ihnen ging, da er da sicher vor den restlichen Todessern wäre, die auf Rache aus waren. Er hatte das gesamte Büro zertrümmert und den Alten bedroht. Er hatte geschrieen, dass er einen Dunklen Lord bezwungen habe und sicher mit einigen einsamen Todessern fertig werden würde, sollte er das müssen. Nichts und Niemand würde ihn je zurück zu seinen Verwandten bringen. Nichts.

Er starrte auf den Lastwagen, der vorbei fuhr.

Der Streit hatte Stunden angedauert. Da in der letzten Schlacht auch Remus gefallen war, hatte er keinen anderen Erwachsenen gehabt, um ihm zu helfen. Bis er seine letzte Karte ausgespielt hatte. Er sei Lord Potter und Black. Das habe ihn schon vor einem Jahr volljährig gemacht und Dumbledore habe kein Recht mehr darauf, ihn herumzukommandieren. Der Alte war schneeweiß geworden, ob vor Wut oder Schreck wusste er nicht aber Harry war einfach gegangen.

Kaum Jemand wusste, wo er sich verbarg. Er war nach dem, was Dumbledore abgezogen hatte, einfach weggerannt, weg von den Reportern und den Fragen, weg von all den Blicken. Mit Charlies Hilfe hatte er schließlich eine Wohnung in der Muggelwelt gefunden, in Norwegen, weit weg, dahin, wo er den Leuten kein Begriff war. Nur die Wesleys, Hermine – und sein neuer, unerwarteter Freund wussten, wo er sich aufhielt. Na ja, nicht ganz, seine Adresse hatte nur Draco...

Er verließ die Wohnung kaum, Essen bestellte er per Internet oder Telefon, dem Boten legte er das Geld hin, der dafür die Lebensmittel da ließ. Er tat tagein, tagaus nur das Eine – er starrte aus dem Fenster, oft, ohne wirklich etwas wahr zu nehmen.

Er verstand nicht, wie Menschen überhaupt feiern konnten. So Viele, so viele waren gestorben, er hatte das Gefühl, den Geruch von Blut nie wieder aus der Nase zu bekommen und all die Leichen über die er gefallen war, auf seinem Weg zu dem letzten Duell, selbst schon hinkend und blutend.

Bill war von Fenrir zum Werwolf gebissen worden, Fred hatte ein Auge verloren, George um ein Haar sein Leben. Ron würde dank seiner Verletzungen nicht, wie er es gewollt hatte, Auror werden können. Hermine hatte es mit nur einigen heilbaren Brüchen recht gut überstanden, als eine der Wenigen.

Und es gab so viele, die es noch schlechter erwischt hatten.  Er konnte nicht mehr schlafen, jedes Mal, wenn er die Augen schloss, sah er Remus, der sich vor ihn warf, um den Avada abzufangen, der für ihn gedacht gewesen war.

Der Letzte, dem er so rückhaltlos vertraut hatte, war damit gefallen, der letzte Erwachsene. Der, der ihn hatte zu sich und seiner Frau nehmen wollen, nun, wo Sirius ...

Harry biss sich auf die Lippen. Es war fast genau ein Jahr her, dass der Andere durch den Vorhang in die Geisterwelt gefallen war. Er sah kurz in die Wohnung, dahin, wo sein Feuerblitz lehnte. Der Besen, den der Andere ihm geschenkt hatte. Unbenutzt seit dessen Tod. Harry schaffte es nicht, sich wieder auf ihn zu setzen, er konnte einfach nicht.

Der leere Blick wandte sich wieder der Straße zu. Er beobachtete, wie die alte Dame aus der Wohnung gegenüber die Haustür aufschloss, eine Einkaufstüte in der Hand. Erst dann klappte sie den Schirm zu. Regnete es? Harrys Blick fokussierte sich. Tatsächlich. Es regnete. In Strömen. Er hatte es nicht mal bemerkt.

Wie in der Schlacht. Da hatte es auch gegossen. Als würde der Himmel über das weinen, was sich unter ihm abspielte. Als würde er sich dafür schämen, wie dumm die Menschen sich benahmen, er auf jeden Fall tat es jetzt immer noch.

Es war ganz zu Beginn geschehen, auf ein Mal war Nagini bei ihm gewesen, die Schlange hatte ihn beißen wollen, stattdessen aber Snape erwischt. In dem Moment hatte er gedacht, er würde auch sterben. Er hatte vor diesem Ereignis oft mit dem Älteren trainiert, auf Dumbledores Befehl hin und was als pure Folter begonnen hatte, war irgendwann zu gegenseitigem Verständnis und sogar zu einer vorsichtigen Freundschaft geworden. Harry hatte nach jeder der harten Stunden, die oft mit blauen Flecken verbunden gewesen waren, einen Tee mit dem Tränkemeister getrunken, sie hatten manchmal gar nicht geredet, aber es war eigenartig beruhigend gewesen. Und selten, wenn das Training wirklich hart gewesen war, hatte der Ältere ihm die Schultern massiert und ihm wortlos einen Trank gegeben, der ihm half, einzuschlafen.

Er hatte geschrieen, als Severus in die Knie gegangen war. Der hatte ihn direkt angesehen, mit diesen dunklen, unergründlichen Augen. „Geh!! Tu, was du tun musst!“ Das waren seine letzten Worte gewesen. Harry hatte nur noch beobachten können, wie die Augen in den Kopf gerollt waren.

Der Tod des früher so gemeinen Mannes hatte ihn aus irgendeinem Grund sogar schwerer getroffen, als der von Remus. Weswegen er auch noch Schuldgefühle hatte. Remus, sein Ersatzpate, hätte er nicht um diesen mehr trauern müssen? Um den letzten der Herumtreiber und den Einzigen, der noch da gewesen war, um mit ihm über Sirius zu reden? Aber jedes Mal, wenn er an Severus dachte, war es, als würde sein gesamter Körper schmerzen, schlimmer als jeder crucio-Fluch es je gekonnt hatte. Aber es war ihm nicht möglich, den Gedanken an den Anderen zu verbannen und bei Merlin, er hatte es versucht. Die Schmerzen waren so schlimm geworden...

Harry blickte auf den Dolch mit der blutverschmierten Klinge, der vor seinen Füßen lag. Er hatte einmal Sirius gehört, in dem Griff war das alte Wappen der Blacks zu erkennen, nun hatte er ihn. Er trug ihn schon seit kurz vor der Schlacht mit sich herum. Der Dolch, nicht sein Zauberstab, hatte den Irren getötet. Harry hatte auf den Schlangenmenschen eingestochen, immer und immer wieder, bis er umgekippt war. Nun benutzte er ihn, um diese dumpfen Schmerzen zu betäuben.

Er wusste, wenn Molly oder einer der Anderen das herausfinden würde, würden sie alles tun, um Harry dazu zu bekommen, zu ihnen in den inzwischen ausgebauten Fuchsbau zu ziehen, aber das war unmöglich. Es fiel ihm schon schwer genug, zu tun, als wäre alles in Ordnung, wenn die Anderen zu Besuch kamen. Würde er das immer tun müssen, würde er wahnsinnig werden. Er ertrug kaum noch andere Menschen und wenn dann nur in sehr, sehr kleinen Dosen. Weswegen er auch kaum aus dem Haus ging. Allein der Gedanke, angerempelt zu werden, bereitete ihm Schmerzen.

Hier, in der Einsamkeit der kleinen, stillen, spartanisch eingerichteten Wohnung hatte er mehrere Entscheidungen getroffen. Er würde nicht, niemals, wieder nach England zurückkehren, oder in die magische Welt. Einst hatte diese neue Welt Hoffnung für ihn bedeutet, bis er erfahren hatte, was von ihm erwartet wurde, bis er begriffen hatte, dass er auch dort keine Hilfe und keine Ruhe finden würde. Etwas, das die Anderen nie verstehen würden.

Als er das erste Mal mit elf in diese Welt gekommen war, war sie Alles gewesen, was er sich je erträumt hatte, aufregend, anders, da war er kein Freak mehr gewesen, auch Andere hatten seltsame Dinge geschehen lassen können und niemand hatte sie dafür angeschrieen. Er hatte Freunde gefunden, gute Freunde, die auch jetzt noch zu ihm standen, und eine Familie. Sirius, Remus...

Aber dann hatte er das wahre Gesicht dieser Welt gesehen, all ihre Grausamkeiten, ihre Rückständigkeit, eine Prophezeiung hatte ihm alles wieder genommen, weil die Erwachsenen der magischen Welt zu feige waren, selbst zu kämpfen, das hatten sie lieber einem Kind überlassen. Sirius war gefallen, Cedric vor seinen Augen umgebracht worden, Remus hatte sich geopfert – und Severus war auch noch tot. Nein, er wollte nicht zurück, nie, nie wieder! Da waren nur schlechte Erinnerungen und Menschen, die selbst jetzt noch etwas von ihm forderten. Nach Allem, was er getan hatte, wollten sie noch mehr! Er...!

„Harry!“

Die Stimme riss ihn aus den trüben Gedanken. Hastig und mit einer Handbewegung, ohne einen Laut, legte er einen Zauber auf den Dolch und seine Wunden, bevor er aufstand, zur Tür ging und sie so weit öffnete, wie die Kette es zuließ. Dann schloss er sie, hakte die Kette auf und öffnete sie, lächelte etwas. Das war vielleicht die einzige Person, die in Etwa wusste, wie es ihm wirklich ging. Er hatte es nie über sich gebracht, das Ron und Hermine zu erzählen. „Hi, Dray...“ Manchmal kam es ihm selbst vor, wie ein Traum, dass sie keine Feinde mehr waren. Er wusste nicht, wann und wie es passiert war, aber irgendwann zu Beginn des fünften Schuljahres hatten sie einfach aufgehört, sich gegenseitig anzubrüllen und es war Draco gewesen, der ihn oft tröstend im Arm gehalten hatte, als Sirius gefallen war.

„Na, Narbengesicht?“, fragte Draco nur und trat an dem Dunkelhaarigen vorbei in die Wohnung. Er runzelte kurz die Stirn. Sie war noch immer so weiß, dass es einem in den Augen wehtat. Warum hatte Harry denn nicht gestrichen? Immerhin wusste Draco, dass der Junge die Farbe Weiß eigentlich nur schwer ertrug, da er sie immer mit der Krankenstation und mit Schmerzen verband. Auch die wenigen Kisten waren bestenfalls halb ausgepackt und statt im Schrank lagen die wenigen Sachen, die Harry anzog, in wild durcheinander gewürfelten Haufen auf dem Boden herum. Immer noch die übergroße Kleidung seines fetten, unerträglichen Cousins, die oft auch schon kurz vor dem zerfallen stand. „Ich dachte, du wollest dir endlich neue Klamotten kaufen.“

Harry lächelte nur etwas, ohne, das es die Augen erreicht hätte. „Ich... bin noch nicht dazu gekommen, “ wich er dem Thema aus. Die Wahrheit war, dass er nichts Anderes wollte. Es war wie eine Strafe gegen sich selbst, diese Kleidung zu behalten, die ihn daran erinnerte, wie sehr viele Menschen ihn immer noch hassten und das er das auch verdient hatte.

„Nicht dazu gekommen? Har, was bitte, machst du den ganzen Tag?? Du hast die Wohnung nicht weiter eingeräumt, die Wände nicht gestrichen und vermutlich pennst du immer noch auf dieser wurmstichigen Matratze auf dem Boden!“ Wo genau Harry die gefunden hatte, wollte Draco auch nicht wirklich wissen.

Der Grünäugige zuckte hilflos mit den Schultern. „Bitte, “ flüsterte er nur. „Bitte, lass es. Willst du vielleicht einen Tee?“

Draco runzelte die Stirn, nickte aber dann und sah Harry hinterher, wie er in die winzige Küche verschwand, in der kaum mehr, als ein uralter Herd mit gerade mal zwei Platten und ein Tisch mit einem Stuhl Platz gefunden hätte. Bevor er in den Raum ging, der wohl mal ein Wohnzimmer werden sollte. Im Moment war da noch nichts, nur ein Kamin, ein einzelner Sessel und ein wackelig wirkender Klapptisch. Rasch zog er seinen Zauberstab und hexte die Gardine vor das Fenster, die über einer der Kisten lag, bevor er sich in den Sessel sacken ließ. Er machte sich Sorgen um Harry.

Er hatte erst nach dem Tod von dessen Patenonkel gelernt, hinter die Maske des ewigen Grinsens zu sehen. Kurz vor Ende des fünften Schuljahres hatten sie sich dann angefreundet und Draco hatte ihm anvertraut, dass sein Vater zwar die rechte Hand Voldemorts zu sein schien, in Wirklichkeit aber für das Ministerium arbeitete. Er war es gewesen, der Harry von seiner Volljährigkeit und den ihm zustehenden Titeln erzählt hatte, nicht verstehend, wie Harry nichts davon wissen konnte und warum man ihm solche wichtigen Details nicht von Anfang an erklärt hatte.

Er hatte Angst um seinen neuen Freund, er wusste nicht, warum, aber jedes Mal, wenn er Harry besuchte, schien es ihm wieder etwas schlechter zu gehen. Er nahm einfach nicht zu, im Gegenteil, auch, wenn er es unter diesen lächerlichen Walfetzen versteckte, schien er mit jedem Mal knochiger zu werden, er war bleich, als würde er die Wohnung nie verlassen und schwer krank sein und oft bekamen seine Augen einen komischen Ausdruck.

Auch er tat sich hart mit Allem was geschehen war, aber er hatte es leichter, als Harry. Seine Familie war nicht tot. Sie hatten Alle überlebt. Sein Vater würde zwar künftig wirklich auf seinen Stock angewiesen sein, aber sonst hatte er keinen Schaden genommen, seine Mutter hingegen war vollkommen gesund. Sie hatten ihr Vermögen dank der Stellung seines Vaters im Ministerium behalten können und der Einfluss seiner Familie war sogar noch gestiegen.

Die Weasleys hatten zu viele eigene Probleme, um sich wirklich um Harry zu kümmern und vor allem Ginny würde es dem Anderen schwer machen. Die wollte immer noch was von dem Grünäugigen, aber der merkte das nicht mal. Außerdem wusste Draco, dass der Rotschopf nicht die Richtige für Harry war, wenn der überhaupt auf Frauen stand. Manchmal hatte Draco sogar das Gefühl, dass sein bester Freund asexuell war, schon allein durch sein immer noch so kindliches Aussehen. Dazu kam, dass Harry Jemanden brauchen würde, der in der Lage war, sich auch um ihn zu kümmern und das war die rote Furie nicht, die verlangte alle Aufmerksamkeit für sich selbst.

Er würde auch nie den markerschütternden Schrei vergessen, den Harry ausgestoßen hatte, als Nagini Severus gebissen hatte. Er war selbst schockiert gewesen, aber er hatte weiter gemacht. Er hatte von Anfang an gewusst, dass Viele, die noch am Morgen mit ihnen gefrühstückt hatten, den Abend nicht mehr erleben würde und er hatte auch in Betracht gezogen, dass es Jemanden aus seinem Umfeld treffen konnte.

Aber er wusste, dass Harry sich erst kurz zuvor mit seinem Patenonkel angefreundet zu haben schien und es war eben wieder eine Person mehr, der er vertraut und die er verloren hatte. Zwei wichtige, zwei erwachsene Menschen an einem Tag. Lupin war ja auch noch gefallen. Als einer der Letzten und um ein Haar hätte einer der rothaarigen Zwillinge das Zeitliche gesegnet und Dumbledore, der widerwärtige, alte Sack, hatte sein Vertrauen in die Menschheit generell schon durch seine Taten zutiefst erschüttert.

Darum versteckte Harry sich ja auch hier in diesem... Loch.

Weit weg von Allem, was er je gekannt hatte, im Ausland, wo er noch nicht mal die Sprache verstand, wo der Alte ihn nicht vermuten oder finden würde, nachdem er bei Gringotts alles erledigt hatte. Immerhin gab es ja auch hier eine Filiale, aber etwas sagte ihm, dass Harry die von innen noch nicht gesehen hatte. War der Junge überhaupt schon einen Schritt vor die Haustür gegangen?

Draco war sogar so weit gegangen, seinen Vater um Rat zu fragen, aber der hatte nur hilflos mit den Schultern gezuckt und gemeint, dass ihnen Allen nicht viel übrig bliebe, als dem Jungen Zeit zu geben, Zeit zu heilen. Nur schien die Zeit die Wunden nicht zu schließen, sondern sie nur schlimmer zu machen. Vor allem, wenn man tagein, tagaus nichts Anderes tat, als über das Geschehene nachzudenken.

„Der Tee, “ unterbrach Harry die Gedanken des Blonden und stellte ihm einen einfachen, weißen Porzellanbecher hin. Er selbst setzte sich auf den Boden, seine eigene Tasse fest umklammert. Kaba, stellte Draco wenig überrascht fest. Etwas, wovon Harry in Hogwarts manchmal so viel getrunken hatte, dass ihm schon vom zusehen schlecht geworden war.

„Bleibst du dabei?“

„Bei was?“, fragte Harry leise, während er auf die Oberfläche des Getränks sah, als wolle er die Ringe zählen, die die Oberfläche teilten.

„Dass du nicht zur Schule zurück kommen wirst.“

„Ja,“

„Aber... deine Ausbildung!“

Harry zuckte nur mit den Schultern. „Und?“, fragte er nur. „Was bringt sie mir? Sie macht die Anderen auch nicht wieder lebendig...“

Graue Augen bohrten sich in die zusammengesackte Gestalt, die da auf dem Boden kauerte, ein kleines Häufchen Elend. „Harry, meinst du, das ist es was die Anderen für dich wollten? Dass du dich so gehen lässt?“

„Ich kann nicht zurück! Ich werde nie, nie wieder zurück nach England oder Hogwarts gehen!“, Harry biss sich auf die Lippen: „Bitte, Dray, frag nicht noch mal.“

„Hasst du es Granger und den Weasleys schon gesagt?“

Harry schüttelte nur den Kopf. „Ron und Mine machen einen kleinen Urlaub bei Charlie und Ginny hilft Molly bei der Versorgung der Anderen, sie waren schon seit drei Wochen nicht mehr da. Ich werde es ihnen schon noch sagen.“

Draco hob eine seiner elegant geschwungenen Augenbrauen. „Sprich, du traust dich nicht.“

„Das spielt keine Rolle, “ gab Harry nur zurück. „Es ändert nichts an meinem Entschluss, ich gehe nicht mehr zurück.“ Es war nicht so, dass Harry sich nicht traute, aber er hatte das Gefühl, die Anderen damit zu enttäuschen und das wollte er erst tun, wenn die ihre Ferien gehabt hatten.

Der Blonde war kurz davor, frustriert zu stöhnen, Harry machte es sich selbst so schwer und er war nicht bereit, darüber zu reden, was in ihn gefahren war. Aber er würde es wohl noch herausbekommen. Er war nicht umsonst der Prinz von Slytherin.

Schnell griff er nach dem Rucksack, den er bei sich hatte und kramte einen Stapel Zeitungen, Bücher und einige Kleinigkeiten hervor, darunter auch ein Brief von seinem Vater der sich persönlich bedankte, das Harry sich für die Malfoys stark gemacht hatte, sowie einige Süßigkeiten. „Ich hab dir ein paar Kleinigkeiten mitgebracht, “ erklärte er. „Auch die Zeitungen.“

„Wozu?“, fragte Harry nur leise. „Was hab ich davon?“

„Ich weiß es nicht, “ gab Draco nur zurück. „Aber in Einigen stehen wirklich schöne Artikel über dich und dein Verschwinden. Du könntest was zu Lachen vertragen.“

„Ah...“

Draco blieb nicht lange. Er musste zurück, denn zu Haus wartete sein Vater. Sie mussten auf den großen Ball, wo sie einen Orden des Merlin erhalten würden. Auch Harry hatte einen bekommen, sogar ersten Grades, kaum, das er aus seinem magischen Koma erwacht war, wenige Tage nach der Schlacht, aber der lag vermutlich entweder im Müll oder unter anderen Dingen in dieser Wohnung begraben.

„Harry – tu dir selbst einen Gefallen und geh wenigstens wieder auf

eine Muggelschule, “ schlug er schließlich vor. „Black, Lupen, deine Eltern und Sev würden sich in ihren Gräbern umdrehen, wüssten sie, wie du dein Leben ruinierst.“ Er umarmte den Dunkelhaarigen, drückte ihn noch mal an sich. „Ich bin bald wieder da und ich würde es bevorzugen, wenn du dich bis dahin nicht zu Tode gehungert hättest, du siehst so schon elend genug aus.“

Harry nickte nur halbherzig und sah zu, wie Draco ging, er hakte die Kette wieder ein, setzte sich an das Fenster. Der Blonde aber kam nicht aus dem Haus, er hatte wohl einen Portschlüssel dabei gehabt.

Die Worte des Älteren hatten ihn zwar getroffen, aber das tat nichts zur Sache, er konnte sich nicht aufraffen. Eine Muggelschule besuchen? Wie denn? Alle Fächer, die er beherrschen müsste, um angenommen zu werden, hatte er nie gehabt! Sozialkunde, Wirtschaft, Mathe, Chemie...  Und da war das ‚winzige’ Problem, dass er die Sprache nicht beherrschte. Sicher gab es hier auch magische Schulen, aber da wollte er sicher nicht hin. Es wäre ihm lieber gewesen, er wäre nie ein Zauberer geworden, oder man hätte es ihm nie gesagt, dann hätte er all diese Dinge nie durchmachen müssen.

Aber wer kümmerte sich schon um ihn?

Alle hatten über seinen Willen bestimmt, seine Verwandten, Dumbledore. Manchmal auch seine Freunde, auch, wenn sie ihm nur hatten helfen wollen. Damit war Schluss, das hier war seine Entscheidung und er würde zu ihr stehen, auch, wenn er damit vermutlich viele enttäuschte, allen voran Molly Weasley und Severus Snape, aber das war ihm in dem Moment auch gleich. Der Tränkemeister war ja noch nicht mal da, um ihn für seine Dummheit anzuschreien...

„Warum verstehen sie nicht, dass ich einfach nicht mehr kann?“, flüsterte er leise und hob den Dolch wieder auf. Er spielte aber nur damit herum – im Moment. „Sie können weiter machen, sie haben etwas, wofür es sich lohnt zu kämpfen, und was habe ich?“

Natürlich, er hatte seine Freunde, er wusste, Molly liebte ihn, wie einen Sohn, aber er war nicht ihr Sohn, seine Eltern waren tot, sein Pate war tot, sein Ersatzpate war tot, gestorben in einem für ihn vollkommen sinnlosen Krieg, der nur dazu diente, Anderen zu beweisen, wer nun mächtiger war. In dem er nicht mal wirklich je eine Wahl gehabt hatte und dessen Gründe er bis heute nicht verstanden hatte.

Zu Beginn der Schlacht hatte er noch für Remus gekämpft und ... für Severus...

Ihm war nichts geblieben. Ja, er wusste, Draco liebte ihn, wie einen Bruder und vermutlich würde Lucius ihn sogar in Malfoy Manor wohnen lassen, aber das konnte er nicht, er gönnte dem Blonden das Glück, dass seine Familie überlebt hatte, aber er würde es nicht ertragen, das die gesamte Zeit über sehen zu müssen und immer zu wissen, dass er irgendwo nie mehr als das dritte Rad am Wagen sein würde.




„...kommt zu sich...“

Oh Himmel! Er fühlte sich erschlagen, durch die Mangel genommen, wieder zusammengesetzt, durch den Fleischwolf gedreht und anschließend den wilden Löwen zum Fraß vorgeworfen stellte Severus frustriert fest, als er merkte, wie sein Bewusstsein zurückkehrte. Jeder einzelne Knochen in seinem Leib schien zu protestieren und sein Hals fühlte sich an, als habe man ihn ihm aufgeschlitzt und anschließend schlecht wieder aufgenäht.

Vorsichtig öffnete er die Augen und sah sich um. Nur langsam kam seine Welt wieder in den Fokus und die erste Erleichterung durchströmte ihn, als er merkte, dass er nicht in Hogwarts oder St Mungos war. Das Zimmer war mit hellem Holz getäfelt und mehrere Tücher gaben ihm eine weiche Form. Auch das Bett war um Längen bequemer, als das, was er inzwischen gewohnt war, nach etwas über dreißig Jahren in der verdammten Schule.

„Mylord?“

Oh, das klärte die Frage, wo er sich aufhielt, endgültig, stellte er für sich fest und er wandte seinen Kopf der Stimme zu. Eine Frau. Dunkle Haut, dunkle Haare. „Thea?“, krächzte er heiser.

Die Heilerin lächelte ihren Schützling an, verbeugte sich kurz. „Ja, Herr. Ich habe Euch so gut wie wiederhergestellt, “ erklärte sie. „Noch ein, zwei Wochen und Ihr seid wieder fit.“

„Wie.. bin ich…hierher...?“

„Wir waren besorgt, “ erklärte Thea sanft. „Ihr habt lange gebraucht, zu erfühlen, was getan werden muss, ich ging von Problemen aus und habe Eure Leibgarde zu Euch geschickt. Sie kamen rechtzeitig, sie fanden Euch im Zustand des Scheintodes und brachten Euch hierher, ohne sich in die Schlacht einzumischen.“

Schlacht.

In Severus’ innerem Auge zogen Bilder vorbei. Draco, Lucius, Narcissa, seine Slytherins – und stechend grüne Augen. Ein schier unmenschlicher Schrei voller Schmerz und Verzweiflung. Er hob seine Hand, legte sie über seine Augen. „Harry...?“, fragte er schwach. Der Junge war das Erste, was durch seine Gedanken schoss.

„Wer, Mylord?“

Oh, verdammt... hastig versuchte Severus, sich aufzusetzen, aber es war hoffnungslos, er knickte sofort wieder in sich zusammen. „Ich muss...!“

„Gesund werden, Herr, “ gab Thea mit einer Stimme zurück, die die Befehle von Poppy wirken ließ, wie eine freundliche Bitte. Ja, er wusste wieder, warum er Heiler generell nicht mochte, wenn er krank war... „Alles Andere könnt Ihr später immer noch klären, “ fügte sie entschlossen hinzu. „Ihr kämt auf eigenen Beinen noch nicht mal aus Eurem Bett!“

Der Tränkemeister wollte zurückbellen, aber er spürte, wie schwach er war, seine Stimme hätte dabei nicht mal mitgemacht. Er würde wirklich nicht weit kommen – noch nicht und er war sich ziemlich sicher, dass nach dem Desaster vom letzten Mal kaum ein Pepper-up Trank herumstehen würde. Er hatte erst mal keine Wahl, als sich zu fügen. Also nahm er den Kelch an, den die Heilerin ihm hinhielt und trank daraus. Reines Quellwasser. Herrlich. So etwas Unverdorbenes hatte er schon lange nicht mehr getrunken. „Wie... ist es hier gegangen?“, fragte er schließlich, während er vorerst versuchte, diese grünen Augen und den Schrei auszublenden. Und das, was sie bedeuteten.

„Es steht noch Alles, Mylord, “ gab Thea milde amüsiert zurück. „Eure Schwester ist froh, dass Ihr wieder hier seid und Euren Platz wieder einnehmen könnt, sie freut sich schon, wieder ihre alten Freiheiten zu haben.“

„Und... sonst?“

„Leider noch keine Neuigkeiten über den Trasskrieg, “ gab die Heilerin traurig zurück. „Und kein Ende in näherer Aussicht, die Idioten bringen sich weiterhin mit Freuden gegenseitig um. „Vielleicht ist es an der Zeit mit Rebana zu reden, um eine Lösung zu finden.“

Dem Anderen fuhren Schauer über den Rücken. Rebana. Die Cassandra seines Reiches. Die Vorherseherin der Zukunft, Kennerin des Schicksalsteppichs. Nun, wenigstens war die Frau keine Schwindlerin, wie Trelawney. Was sie ja auch zu so einer Pest machte, die dumme Frau behielt einfach immer Recht. Aber er vermutete, dass Thea Recht hatte.

„Aber Mylord, mit derlei Dingen solltet Ihr Euch erst wieder befassen, Wenn Ihr auf den Beinen seid, “ kam die Stimme der Heilerin an sein Ohr, die Decke um ihn herum wurde neu gerichtet. „Ruht und Ihr werdet bald wieder auf dem Damm sein, ich benachrichtige Serena über Euren neuen Zustand.“

Severus schloss nur die Lider. Seine Gedanken kreisten wieder um die grünen, schmerzverhangenen Augen, als er gebissen worden war. Ja, er erinnerte sich wieder, er hatte sich zwischen die verdammte Schlange und Harry geworfen, im Wissen, dass er eine Chance haben würde, zu überleben, der Jüngere aber nicht. Er hatte Recht behalten, er hatte es geschafft und er war auch wieder da, wo er hingehörte, weit weg von Leuten, die Kinder zu Kriegsmaschinen ausbildeten. Hier beschränkten sie die Gehirnwäsche wenigstens auf Erwachsene.

Es war schwer gewesen, so zu tun, als würde er Harry hassen und er war froh gewesen, als er einen Weg gefunden hatte, das zu ändern, stattdessen eine Freundschaft mit ihm aufzubauen, auch, wenn er sich wunderte, warum er das getan hatte. Lucius war eine Sache gewesen, immerhin waren die Malfoys über mehrere Generationen reinrassige Veela und langlebiger, als einfache Zauberer. Aber Harry?

Er wusste nicht, warum er dem Jüngeren hatte helfen wollen. Vielleicht wegen der Bilder des Hundes, der den Jüngeren unter dem Spott der Verwandtschaft mitten im Winter in einen Baum gejagt hatte. In seiner Erinnerung hatte Harry ewig da oben gesessen, gefroren, gezittert und geweint. Er war sich sicher gewesen, dass er hätte mehr entdecken können, aber er hatte nicht weiter gesucht und stattdessen die Stunden abgebrochen. Harry würde Okklumetik nicht meistern, das war für ihn klar gewesen. Der Junge hatte keinerlei Begabung, irgendwas zu verstecken. Also war er zu Kampftraining übergegangen und danach hatte er dem Kind erlaubt, zu bleiben, für eine Tasse Tee oder so. Es hatte ihm gut getan und Severus hatte sich an der Gesellschaft nicht gestört. Manchmal hatte er das Gefühl gehabt, der Junge wäre der einzig Vernünftige in dem gesamten, verdammten, verfluchten Schloss gewesen.

Nun aber konnte er kaum still liegen, seine Gedanken kreisten um den Grünäugigen. Ob er überlebt hatte? Nun, da Thea nichts Gegenteiliges erwähnt hatte, war es wohl recht sicher, dass Tom tot war. Ein langwieriger Prozess, da sie sich nicht hatten entblößen können, sie hätten eine Entdeckung riskiert und vielleicht neue Verfolgungen. Also war er allein gegangen, getarnt als gewöhnlicher Zauberer und im Körper eines Kindes, künstlich durch einen Trank herbei geführt.

Er hätte nie damit gerechnet, dass der Kampf so lange dauern würde. Gute zwanzig Jahre. Aber nun war zumindest dieser Krieg vorbei. Merlin, wenn Voldemort gewusst hätte, wie nah er seinem Ziel die gesamte Zeit über gewesen war, was hätte er wohl gesagt? Unsterblichkeit hatte vor seiner Tür gestanden, jahrelang. Aber man sah ja meist den Wald vor Bäumen nicht. Das war nichts Neues.

Doch eine Sache hatte er noch zu erledigen, einmal musste er noch zurückgehen. Ohne Illusionen. Nur wie er eben war, er sah gute zehn Jahre jünger aus, ohne all die Falten und was seine Nase betraf – das ließ sich nicht ändern, dass war der Fluch seiner Familie. Alle männlichen Mitglieder der direkten Blutlinie waren damit geschlagen.

Er war sich sicher, Harry würde ihn nicht erkennen, wenn er vor dem Jüngeren stehen würde. Er musste aber noch ein Mal nach seinem Schützling sehen, sicherstellen, dass dieser schreckliche Ausdruck aus den tiefgrünen Augen gewichen war. Außerdem musste er ja auch noch Lucius erklären, wie der mit seiner Familie für Besuche zu ihm gelangen konnte.

Und dann war da noch ein Krieg, der darauf wartete, ausgefochten zu werden.

Wie bitte stellten seine Leute sich eigentlich vor, wo er dann Kinder her bekommen sollte? Ganz zu schweigen von einer Gefährtin oder einem Gefährten, der sie trug? Ja, er hätte gern jemanden an seiner Seite, aber verdammt noch mal – wo sollte er denn die Zeit für so etwas her nehmen??

Erschöpft rollte Severus sich in eine angenehmere Position. Nun, er würde sich erst mal um die anderen Dinge kümmern. Kurz sah er wieder diese schrecklichen Augen vor sich, er gelobte sich, dass der Besuch Vorrang hatte, dann glitt er selbst in einen heilsamen, aber nur bedingt angenehmen Schlaf ab.