Weiße Lilien zum Valentinstag

von liramia
GeschichtePoesie / P6
Lex Luthor
14.02.2009
14.02.2009
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Tja - es ist Valentinstag. Was liegt da näher, als darüber eine Geschichte zu schreiben.

~.~

Titel: Weiße Lilien zum Valentinstag
Pairing: Lex/?
Warning: keine, außer vielleicht Kitsch-Alarm;-)
Summary: ich mache in der Geschichte einen Zeitsprung von etwa 8 Jahren nach dem Ende der 6. Staffel, ohne die Originalhandlung von CW der Staffeln 7 und 8, es besteht also keine Spoilergefahr.

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Nach einem langen Rückflug aus Europa kehrt der millionenschwere Enddreißiger Lex Luthor zurück nach Metropolis. Auf der Fahrt vom Flugplatz zu seiner Wohnung, gelegen Downtown in einem aus Glas und Stahl gebauten Wolkenkratzer, lenken blinkende Herzen auf einer Leuchtreklametafel die Aufmerksamkeit auf sich.

Richtig, es war Valentinstag, der Tag der Pralinenhersteller und Floristen, die angeblich im Namen der Liebe einen zusätzlichen Festtag zelebrierten.
Für Lex bedeutet dieser Kitsch nichts. Weder glaubt er nach drei gescheiterten Ehen an die große Liebe noch ist er überhaupt ein Mann für solche vordiktierten Termine.
Trotzdem spürt er einen Hauch von erwartungsvoller Anspannung, als er die Empfangshalle betritt. Und tatsächlich erwartet ihn ein Gesteck mit weißen Lilien.

Betont gleichgültig nimmt er das Bukett vom Portier entgegen, steigt in den Fahrstuhl und betritt kurz darauf seine Wohnung. Er stellt den Strauß auf den nächstbesten Platz, zieht den kleinen Umschlag hervor und entnimmt die Karte.
Beim Öffnen erklingt eine wohl vertraute Melodie. Eigentlich findet er solche Musikkarten nervig, aber sie gehören genauso  zum anonymen Strauß wie die wenigen Worte. Ein Lächeln huscht über seine ernste Miene, als er den Sinnspruch liest.

„Als ich gestern an heute dachte, war mir nicht klar, wie sehr ich heute an gestern denken würde.“

Automatisch dreht er die Karte um, aber wie bei den vorangegangenen Karten gibt es weder eine Grußformel noch einen Absender.
Der intensive Lilienduft umgibt ihn, Bilder aus der Vergangenheit steigen vor ihm auf. Seine Mutter liebte diese Blumen über alles, aus diesem Grund mochte auch er diese Blumen. Davon wusste allerdings niemand etwas, weshalb er keine Ahnung hat, wem er diesen alljährlichen Strauß verdankt. Mittlerweile ist es der sechste dieser Art, immer zum Valentinstag und immer mit einem Text der zum nachdenken anregt.

Mit der Karte in der Hand geht er zu seiner Musikanlage, legt eine CD ein. Bald darauf ertönen die ersten Takte von Beethovens 'Für Elise'. Nachdem er sich einen Schluck seines Lieblingswhiskeys eingeschenkt hat, setzt sich Lex auf die Couch. Gedankenversunken lauscht er der bekannten Tonfolge, ruht sein Blick auf den Lilien.

Den ersten Strauß hatte er erst drei Tage nach Valentinstag wahrgenommen, da er in jenem Jahr gerade seinen Wohnsitz von Smallville nach Metropolis verlegte. Es war die logische Konsequenz, nachdem seine Ehe mit Lana gescheitert und er mit seinem ehemals besten Freund Clark unversöhnbar zerstritten war. Wahrscheinlich gehörte er damals zu den am meisten gehassten Menschen, deshalb glaubte er an eine zynische Geste seines Vaters, warf Blumen und Karte achtlos weg.

Als im nächsten Jahr jedoch wieder weiße Lilien eintrafen, war seine Neugier geweckt und er setzte alle Hebel in Bewegung, um den geheimnisvollen Absender zu enttarnen. Leider ohne Erfolg, weder in jenem Jahr, noch in den darauf folgenden.
Nun, er war ruhiger geworden und nicht mehr so verbissen in seiner Suche nach unerklärlichem.

Rückblickend stellt er einen Zusammenhang mit seinem wieder gefundenen inneren Frieden und den ungewöhnlichen Blumengrüßen fest. Mit geschlossenen Augen genießt er die leichtfüßige Klaviermusik und erlaubt sich für diesen Augenblick die Vorstellung, dass irgendwo irgendwer tatsächlich an ihn denkt und nicht nach seinem Leben trachtet.

Derart entspannt gleitet er in eine Art Halbschlaf, nimmt nur noch von fern die Musik wahr, als ein Gesicht aus längst vergangenen Tagen vor seinem inneren Auge auftaucht. Augenblicklich ist er hellwach. Ein triumphierendes Lächeln auf den Lippen geht er zum Telefon. Einige Anrufe später hat er die benötigten Daten.

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Am nächsten Tag steigt Lex am frühen Nachmittag in seinen silbernen Benz. Knapp eine halbe Autostunde später hält er vor einem alten Mietshaus.

Obwohl sein letzter Besuch etliche Jahre her ist, erscheint alles unverändert wie er es in Erinnerung hat. Zielstrebig betritt er das Haus, dessen Fassade ohne schützenden Putz den sowieso ärmlichen Eindruck noch verstärkt. Erstaunt stellt er fest, dass ihm der Geruch des Treppenhauses genauso vertraut ist wie das Knarren der Stufen. Im vierten Stock wendet er sich nach links, an der zweiten Tür klopft er.

Schritte nähern sich, die Tür wird schwungvoll aufgerissen. Ein etwa fünfzehnjähriger Junge blickt ihn neugierig an.

„Guten Tag, ich möchte zu Cornelia Bruckner.“

Bedauernd schüttelt der Junge den Kopf „meine Mutter arbeitet noch, sie kommt erst in zwei Stunden nach Hause.“

Lex nickt verstehend „dann komme ich nachher noch mal wieder. Tust du mir einen Gefallen und erzählst ihr nicht, dass ich hier war. Ich möchte sie gerne überraschen.“

Nach kurzem Zögern nickt der Junge zustimmend.

Lex geht nachdenklich zu seinem Auto. Ein Blick auf die Uhr und er entscheidet sich, die Wartezeit zu nutzen. Langsam fährt er durch die Straßen, ist bald fündig geworden und parkt vor dem alten Friedhof. Suchend geht er die Grabreihen entlang, steht schließlich vor dem verwitterten Grabstein seiner Großeltern.

Seine Gedanken schweifen zurück, beschwören die Bilder von einst herbei. Verwundert fragt er sich, warum sie nun so deutlich sind, hat er doch solange nicht mehr daran gedacht.
Wie alt war er seinerzeit? Sechs Jahre? Damals war seine Welt noch in Ordnung, seine Mutter am Leben und er fühlte sich geliebt. Jeder Besuch bei den Großeltern war eine willkommene Abwechslung. Was sicher auch an Conny lag.

Sie wohnte in der Nachbarwohnung, war zwei oder drei Jahre älter als er. Völlig ungezwungen wie es wohl nur Kinder können freundeten sie sich an. Wenn er mit Conny über die Hinterhöfe tobte war er glücklich. Ihr gelang es jedes Mal allein mit ihrer Fröhlichkeit, dass er seinen Vater und dessen distanzierte, unnachgiebige Erziehung vergessen konnte. Nur mit Conny konnte er seine kindliche Seite ausleben. Es waren kostbare Stunden, wertvoller als er damals ermessen konnte. Wie viel sie ihm bedeuteten hatte er genauso verdrängt wie den plötzlichen Tod seiner Großeltern.

Seinen Nachforschungen zufolge ist sie wie sie es als Kind plante Ärztin geworden, arbeitet seit Jahren im Krankenhaus hier in den Suicide Slums von Metropolis. Er ist mehr als gespannt auf das Wiedersehen und auf die Erklärung, weshalb sie ihm die Lilien schickt.

Daran hat er seit gestern keinen Zweifel mehr. Schließlich hatte Conny ihm seinerzeit geholfen, eben diese edlen, weißen Blumen für seine Mutter zu kaufen. Das war das einzige Mal, dass sie ihn in seinem Elternhaus besuchte. Voller Stolz hatte er ihr auf dem Klavier vorgespielt, und zwar ‚Für Elise‘.

All das hatte er vergessen, völlig unbegreiflich geht ihm durch den Sinn.  Fröstelnd zieht Lex die Schultern hoch, kehrt er in die Gegenwart zurück. Es dämmert bereits, als er sich auf den Rückweg macht.

Diesmal bleibt er im Wagen sitzen und wartet dort auf Connys Heimkehr. Seine Gedanken machen sich selbständig, konfrontieren ihn mit den dunklen Schatten seiner Vergangenheit.
Nach dem Tod seines Bruders und seiner Mutter schickte ihn sein Vater von einer Eliteschule zur nächsten, es schien, als ob er Lex‘ Anwesenheit nicht ertragen würde. Wie oft hatte Lex versucht, die Liebe und Anerkennung seines Vaters zu gewinnen, es war vergebens. Kaum volljährig geworden lehnte Lex sich gegen ihn auf und war später sein ärgster Konkurrent, hatte ihn mehr als einmal überflügelt und sogar den Familienbetrieb übernommen. Mit einer müden Geste streicht Lex sich über sein kahles Haupt. Auf all das hätte er liebend gern verzichtet.

Eine näher kommende Gestalt reißt ihn aus seinen Erinnerungen. Im schwachen Licht der altersschwachen Laternen kann er vage erkennen, dass eine Frau das Wohnhaus betritt.

Er lässt noch einige Minuten verstreichen, dann steigt er aus und folgt ihr.

Erneut klopft er an die Tür, die augenblicklich aufgeht.

„Hallo Conny“, begrüßt er sie, als ob sie sich erst gestern gesehen hätten.

„Lex!“

Die Überraschung ist weder zu überhören noch zu übersehen.

„Darf ich reinkommen?“, fragt er belustigt.

Sie gibt die Tür frei. Er betritt die Wohnung, bleibt abwartend stehen.

„Mom, du siehst aus, als ob du einen Geist gesehen hättest.“

Lex zwinkert ihrem Sohn verschwörerisch zu „danke dass du nichts gesagt hast.“

Fragend geht ihr Blick von einem zum anderen „ihr kennt euch?“

Ihr Sohn schüttelt den Kopf „er war vorhin schon mal hier.“

Mit einem wachen Blick zu Lex fährt er fort „aber Lex Luthor kennt doch jeder, Mom.“

Der vorwurfsvolle Ton lässt Lex amüsiert schmunzeln „ich wusste gar nicht, dass sich Jungs in deinem Alter für alte Geschäftsleute interessieren….“

Ein breites Grinsen erscheint auf dem Gesicht des Jungen „ich heiße Patrick Mr Luthor. Mom, wenn du Besuch hast, kann ich doch zu Emily gehen, ja? Ich bin um zehn zurück, versprochen!“

Noch immer sprachlos nickt Conny. Stürmisch umarmt Patrick seine Mutter und gleich darauf fällt die Wohnungstür ins Schloss.

Stumm stehen sie sich gegenüber, mustern sich, registrieren die Spuren, die das Leben beim jeweils anderen hinterlassen hat.

Dann besinnt sich Conny auf ihre Gastgeberrolle „möchtest du etwas trinken Lex?“

Leicht neigt er den Kopf. Sie geht voran in die Küche, stellt Getränke und Gläser auf ein Tablett. Er folgt ihr in ein behaglich eingerichtetes Wohnzimmer, nimmt auf ihre einladende Geste auf dem Sofa Platz. Conny reicht ihm ein Glas, setzt sich ihm gegenüber. Ihm fällt auf, wie sie sich die Haare hinter ihr Ohr schiebt, eine Geste, die sie schon als junges Mädchen genauso ausführte, wenn sie unsicher war.

Gleichzeitig sagen beide „du siehst gut aus!“

Erst zucken nur die Mundwinkel, dann fängt sie an zu lachen, dasselbe ansteckende Lachen wie aus Kindertagen. Er stimmt mit ein und dabei wird ihm bewusst, dass er schon seit Ewigkeiten nicht mehr gelacht hat.

Wieder ernst geworden stellt sie fest „du bist also dahinter gekommen.“

Ein Nicken ist seine Antwort.

Sie blickt in ihr Glas, fragt leise „und du findest es albern und lästig, deshalb bist du hier, oder?“

„Nein“, seine Antwort kommt so rasch, dass sie aufblickt.

„Aber ich hätte gerne den Grund gewusst“, setzt er nach.

Nervös dreht sie das Glas in den Händen.

„Der erste Strauß war eine spontane Idee, als ich gelesen habe, dass du nach Metropolis zurückziehst. Dann habe ich dich ein paar Mal gesehen und du wirktest immer so….ernst und freudlos. Einmal hast du dich mit deinem Vater auf offener Straße gestritten….“

Mit einem schmunzeln unterbricht er sie „du hast dich nicht verändert, du willst noch immer alle trösten.“

Forschend blickt sie ihn an „und -hatte ich Erfolg?“

Entspannt lehnt er sich zurück „ja“, antwortet er schlicht.

Schweigend sehen sie sich an, er merkt gar nicht, dass er ihr strahlendes Lächeln die ganze Zeit schon erwidert. Aber er fühlt sich wohl in ihrer Gegenwart, als ob er nach langer Zeit endlich nach Hause gekommen wäre. Die anfängliche Befangenheit ist verschwunden und als sie ihre Lebensgeschichten austauschen ist die alte Vertrautheit wieder da. Auch sie ist geschieden, hat aber noch Kontakt zu Patricks Vater. Obwohl sie sichtlich traurig über das Scheitern der Ehe ist, hat sie ihre Warmherzigkeit nicht verloren wie Lex anerkennend registriert.

Als Patrick nach Hause kommt, unterhalten sie sich noch immer angeregt. Lex beobachtet interessiert, wie liebevoll Patrick seine Mutter umarmt, ihr eine gute Nacht wünscht.

Höflich verabschiedet er sich von Lex, sagt verschmitzt im Hinausgehen „ich glaube, wir werden Sie noch öfter hier sehen.“

Lex stellt schmunzelnd fest „du hast einen aufgeweckten Sohn, Conny.“

Ihr stolzes Lächeln lässt ihr Gesicht strahlen.

Widerwillig steht Lex auf „es ist spät, ich sollte jetzt gehen.“

Sie nickt mechanisch, begleitet ihn zur Tür. Aus einem Impuls umarmt er sie, schließt kurz die Augen und atmet ihren Duft ein. Das ist zu Hause denkt er wieder bei sich.

„Komm bald wieder“, murmelt sie leise.

Er nickt ihr noch einmal zu, dann verlässt er die Wohnung, steigt mit einem unerklärlichen Glücksgefühl die Stufen hinab. Voller Zuversicht lenkt er seinen Wagen zu seinem Wohnhaus, schickt im Stillen ein Stoßgebet zum Himmel. Als er an einer Ampel warten muss, fallen ihm blinkende Herzen in einem Schaufenster auf. Vielleicht wäre der nächste Valentinstag doch ein Anlass zum feiern….

~ENDE~