Love Roller Coaster

von Columbia
GeschichteRomanze / P16
12.02.2009
12.02.2009
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„Britt? Kelly Britt?“
Lynettes Blick war alles andere als erfreut. Tom nickte mit einem verwirrten Lächeln. „Ja, Kelly Britt. Edies Nichte!“
Tom Scavo hatte seiner Frau gerade eröffnet, wer den 16jährigen Söhnen der Scavos von nun an Deutschnachhilfe geben würde, und die Antwort gefiel seiner Frau Lynette nicht im Geringsten.
„Warte, warte, warte mal. Tom, du meinst, eine kleine Version von Edie, -ich meine wir reden hier von Edie Britt!- wird sich zweimal die Woche ganz alleine mit unseren Söhnen treffen und eine Stunde lang machen, was immer sich ihre jugendlichen Gehirne gerade ausdenken, und das findest du gut?“
Tom nickte heftig. „Ja, warum denn nicht? Sie hat lange in Europa in der Gegend gelebt, das ist doch perfekt!“
Lynette schüttelte den Kopf. „Oh nein, oooh nein! Tom, ich mag Edie, ich mag sie wirklich, aber jeder weiß, dass sie eine nymphomane Männerfresserin ist. Und ihr Neffe hat Danielle Van De Kamp damals geschwängert! Es liegt in der Familie, Tom! Porter und Preston sind zu jung für so was, viel zu jung! Ich... nein!“
Tom sah Lynette mit zweifelndem Blick an. „Ich könnte mit ihr reden, wenn es dich beruhigt.“
Wenige Blocks weiter, gegenüber vom Wisteria Lane Park, verließ gerade Edie Britt gemeinsam mit ihrem Gatten David das Haus, um Edies Nichte aus der Stadt abzuholen. Sie hatte sich dort mit einigen Nachbarskids getroffen und dann nicht mehr genug Geld gehabt, um den Bus zurück zur Wisteria Lane zu zahlen.
“Sei ihr nicht so böse, Edie. Sie ist ein gutes Mädchen.“, bemühte sich Dave, seine wutschäumende Gattin zu besänftigen. „Sei leise und lass mich in Ruhe wütend sein!“, gab Edie bissig zurück und stöckelte auf ihren Kork-Plateausandalen zu Daves Cabriolet.
Dave bemerkte die zwei Scavo-Zwillinge, die vor ihrem Haus auf dem Gehweg lungerten, Limonade tranken und verstohlen herüberstarrten. Als der blonde Mann ihre Blicke auffing, errötete Preston und drehte sich weg, Porter dagegen zog bloß seinen Hut tiefer in die Stirn und blickte weiterhin ungeniert auf Edies Po, der unter einer weißen Shorts beim Gehen aufreizend hin und her wackelte.
Dave schüttelte den Kopf und seine Mundwinkel zuckten kurz, doch die Anspannung wich sogleich wieder seinem gewöhnlichen charmanten Lächeln, als er sich zum Wagen umwandte.
Im Auto dann begann Edie, von Karen McClusky zu erzählen, die noch auf Demenz untersucht wurde, und sich in der Klinik fürchterlich danebenbenahm.
Dave hörte ihr geduldig zu und brachte immer, wenn Edie eine Pause machte und ihn erwartungsvoll ansah, brav ein „Oh!“ oder „Ja, das stimmt wohl.“ und hob Edies Laune damit wieder an, denn sie hatte gerne Recht.
Als das Cabrio an der Mall hielt, stand Edies Nichte Kelly bereits an einem Fahrradständer gelehnt mit einer Tüte Eis in der Hand. Mit einem weit ausgreifenden Winken lief sie auf das Auto zu, verabschiedete sich mit einem allgemeinen „Ich ruf euch an!“ bei den anderen, die noch vor der Mall standen, und öffnete die Autotür, wobei sie am Türgriff Vanilleeis-Spuren hinterließ.
„Na, hattest du Spaß?“, fragte Edie spitz. „Deinetwegen habe ich meinen Massagetermin verpasst.“ – „Dann lass dich doch von Carlos massieren. Die genüsslichen Schreie jeden Nachmittag deuten drauf hin, dass er seine Sache gut macht!“
Dave schenkte Kelly einen gespielt strengen Blick, jedoch nicht ohne ein Augenzwinkern. Die Diskussion war damit beendet, bevor sie begonnen hatte. Edie war dafür bekannt, nicht sonderlich verklemmt zu sein und Sex geradezu wie ein Fest zu zelebrieren. Dave dagegen sah es als die gemeinsame heilige Pflicht an, dafür zu sorgen, dass Edies unschuldige Nichte in der Wisteria Lane nicht als erstes verdorben wurde. Kelly nutzte dies mittlerweile zu ihrem Vorteil aus – sie hatte gemerkt, dass sie unangenehme Gespräche vermeiden konnte, indem sie einfach wahllos kleinere Anzüglichkeiten fallen ließ, denn dann unterbrach Dave sie für gewöhnlich sofort und sprach ein Machtwort des Friedens aus.
Zurück in der Wisteria Lane lungerte noch immer Preston Scavo auf der Straße herum, er spielte mit Maynard Delfino und dem dicken Solis-Balg irgendein Ballspiel, dessen Regeln keiner der drei wirklich kannte oder gar befolgte. Es ging im Großen und Ganzen darum, einander abzuwerfen, was insbesondere Juanita Schreie des Entzückens entlockte.
Das Cabrio fuhr vor und der durch Sonne und Herumrennen verschwitzte Preston, der sich gerade die Stirn an seinem T-Shirt-Saum abgewischt hatte, fuhr unelegant herum, als Kelly ihm „Hi!“ zurief und ihn mit einem schelmischen Zwinkern angrinste.
Prestons Mom, Lynette, stand auf der Veranda, Geschirrtuch und einen Teller in Händen. Und als Preston sich hektisch umsah, um zu überprüfen, ob jemand die kleine Geste von Vertrautheit gesehen haben könnte, starrte er direkt in das in tiefe Falten gelegte Gesicht seiner geradezu allwissenden Mom.

Als der Nachmittag dem Abend wich, wurde es erneut geschäftig auf den Straßen. Katherine und Bree gaben ein traditionelles Barbecue, auf dem natürlich auch Edie und Dave eingeladen waren. Kelly begleitete die zwei; sie war erst vor vier oder fünf Tagen in der kleinen Stadt angekommen, lebte eigentlich mit ihrer Familie in Europa und plante nun, in die USA zu ziehen. Bereits jetzt gab es schon mehr als genug über sie, um die Gerüchteküche zum Brodeln zu bringen.
„Sie ist ordinär“, stimmte Bree Hodge Lynettes Vermutung zu, als diese ihr von ihrer Sorge über die Zwillinge erzählte. „Sie macht dieselben Fehler wie Edie. Dabei war es gerade so weit, dass wir nicht mehr um unsere Männer bangen mussten, weil eine Britt auf Männerfang in der Gegend war.“
Lynette lachte grunzend. „Oh, um Tom mach ich mir keine Sorgen. Wenn ich ihn erwische, wie er diesem... Kinderkörper nachguckt, kann er was erleben! Ich hab nur Angst um meine Jungs. Die sind gerade dabei, sich zu entwickeln, Porter schreibt diese, diese wunderbaren Gedichte und Parker hat seinen Sport- ich will nicht, dass sie von Sex und Mädchen abstumpfen. Sie sind emotional noch einfach nicht so weit. Und Tom... kümmert es einfach nicht, er sagt ständig nur, ich soll sie nicht so einschränken.“
Bree lächelte geziert. „Zumindest kannst du froh sein, dass die Jungs anscheinend nicht homosexuell sind.“
Andrew war glücklicherweise außer Hörweite.
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