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Darkwing Duck - Magic Arrows: Schattenkreatur

GeschichteAllgemein / P12
11.02.2009
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Disclaimer: Kiki, Nicky, Alfred und Flitzbogen Quack sind © Disney. Ebenso der Name Tri-City, wenn auch nicht die von mir beschriebene Stadt (Ich hatte einen Grund, diesen Namen zu verwenden). Die, in dieser Geschichte nur erwähnte, Jen Xianpu ist © Kim McFarland, auch wenn die Figur in Kims Werken eine andere Rolle hat. Desweiteren kommen Don Rosas „Pertwillaby Papers“ und der Comic „Ghosto“ aus „Monster Allergie“ vor. Der Rest gehört mir oder ist nicht rechtlich geschützt. Es werden allerdings weitere Charaktere, Orte und sonstige Namen erwähnt, die © Disney sind, insgesamt sind das: Wespenmumien, der Rollerminator, Kim Possible, My Fuzzy Unicorn, Monsters R Us, Quackerjack, Megavolt, Dagobert Duck, Gundel Gaukeley, Disneys Version von Beelzebub und die Hokus-Pokus-Akademie.

Schattenkreatur

Hallo Computer-Notizbuch,
Ich kann nicht sagen, dass ich seltsame Dinge nicht gewohnt bin, aber hier gibt es etwas, das mir langsam unheimlich wird. Und das, obwohl mir dieses Tier eigentlich nur hilft. Aber woher hat eine Katze einen Schlüssel, woher weiß sie damit umzugehen? Woher weiß sie, dass sie mir helfen soll und wie?

„Das ist zwar rätselhaft, aber nicht besonders unheimlich!“, befand Nicky, „Ich habe mal einen Koala dazu gebracht, sich in einem Eimer in einen Schacht herablassen zu lassen und ein Warzenschweinbaby zu sich hinein zu heben. Und Koalas tun normalerweise den ganzen Tag nichts anderes als herumzusitzen und Blätter zu fressen. Dagegen ist diese Katze gar nichts!“
„Aha. Du bist also auch der Meinung, dass die Katze nicht von sich aus handelt!“
„Deshalb ist es noch lange nicht unheimlich!“
Das Telefon klingelte.
Kiki nahm ab.
„Hier Kiki Erpel!“, meldete sie sich.
„Hier spricht… jemand. Kann ich bitte Nicky sprechen?“, fragte eine männliche Stimme.
„Nicky, ein gewisser jemand will dich sprechen!“
Nicky nahm den Hörer in Empfang.
„Hallo? O, Sie sind es. Nein, davon habe ich noch nicht gehört. Völlig weiß? Ich verstehe. Ja, das würde zu ihnen passen. Ja, ich sehe mich einmal um. Ja, ich habe ihre Adresse in meinem Notizbuch. Alles klar, Chef!“
Nicky legte auf.
„Dein Vorgesetzter?“, fragte Kiki.
„Ja!“, antwortete Nicky und holte ein Adressbuch hervor und schlug es auf, „Ich habe einen Fall. Mit dem Samstagskino wird das wohl diese Woche nichts!“
„Keine Sorge. Ich kann mich auch alleine beschäftigen!“
Nicky legte das Adressbuch offen auf ihren Schreibtisch und packte ein paar Sachen in die rosa Handtasche.
„Kann sein, dass es spät wird!“, sagte sie noch, ehe sich die Tür hinter ihr schloss.
„Geht schon in Ordnung!“
Kiki warf einen Blick auf die Zeitung mit dem Kinoprogramm für Samstag. Sie und Nicky hatten eine lange Diskussion über das Programm geführt. Kiki hatte einen Horrorfilm sehen wollen, Nicky eine Komödie mit Tieren in den Hauptrollen. Schließlich hatten die beiden einen Kompromiss geschlossen und sich auf „Wespenmumien“ geeinigt.
Und nun? Sollte Kiki alleine ins Kino gehen? Nein. Ihr Blick fiel auf ein Foto. Nun, es war Wochenende. Nicky würde über die Telefonrechnung nicht gerade begeistert sein, aber…

„Wir reden schon seit Stunden!“, stellte Alfred fest, „Ich muss jetzt wirklich Schluss machen!“
„Na gut!“, gab Kiki nach, „Ich liebe dich!“
„Ich liebe dich auch!“
Ein Piepen teilte Kiki mit, dass ihr Freund aufgelegt hatte. Sie legte ebenfalls auf und warf einen Blick auf die Uhr. Sie hatten tatsächlich stundenlang telefoniert. Und Nicky war noch nicht zurück. Nun, sie hatte ja gesagt, es konnte spät werden. Zeit, etwas zu essen.

Die Küche des Wohnheims war leer, am Samstagabend aßen die meisten vermutlich auswärts. Kiki setzte einen Topf Wasser auf, öffnete die Schublade die sie und Nicky gebrauchten, ignorierte die Tüte Nudeln mit der „Es tut mir so leid“-Karte von Jen und holte ein paar Scheiben Toastbrot heraus. Wenn jetzt noch Käse im Kühlschrank war, war das Abendessen gesichert.

Der Tag endete damit, dass Kiki alleine im Zimmer einschlief. Der nächste begann damit, dass Kiki alleine im Zimmer aufwachte.

Sonntag. Was fing Kiki hier in Tri-City mit einem Sonntag an.
Nicky wusste es sicher – aber die ließ sich nicht blicken. Frühstück in der Mensa gab es sicher nicht, aber zum Glück gab es ja den Cornflakes-Vorrat. Natürlich war die Milch im Kühlschrank in der Küche. Und die war jetzt sicher ziemlich voll.
Andererseits, vielleicht war Nicky bereits zurück und aß dort gerade. Nachsehen konnte ja nicht schaden.

Die Küche war längst nicht so voll, wie Kiki angenommen hatte. Tatsächlich war sie fast leer. Einzig ein übergewichtiger Panda saß am Küchentisch und aß schweigend ein Sandwich.
Kiki nahm sich eine Schüssel und begann, sie zu füllen. Aus irgendeinem Grund, wünschte sie sich, hier so etwas wie die Frühstückstrainingsanlage, die ihr Vater in seinem Versteck hatte. Eigentlich war das gar nicht so weit hergeholt. Wenn Kiki in dieser Stadt als Flitzbogen Quack agieren wollte, dann brauchte sie ein Versteck. Mal sehen, was kam dafür in Frage? Die Burg vielleicht? Dort gab es sicher den einen oder anderen Raum, in den nie jemand kam. Oder aber etwas unterirdisches. In der Kanalisation zum Beispiel.
„Entschuldigung, könntest du bitte zur Seite gehen? Du stehst vor meiner Schublade!“
Kiki drehte sich um und sah den Panda.
„Tut mir leid!“, entschuldigte sie sich, „Ich war ganz in Gedanken!“
„Wohl eher im Halbschlaf. Kann ich verstehen, ich konnte auch kein Auge zu tun!“
„Hm?“
„Na wegen dieses komischen Geheuls!“
„Ich habe nichts gehört!“
„Nicht? Diese Gejaule hat die ganze Nacht gedauert. Klang als wäre ein Wolf im Haus!“
„Ein Wolf?“
„Ja. Oder der Geisterhund von dem man sich erzählt!“
„Ein Geisterhund?“
„Jo. Soll gestern Nacht, also in der Nacht von Freitag auf Samstag ein paar Studenten angegriffen haben. Sie sind völlig unverletzt, aber ihre Haare sind seitdem weiß wie frisch gefallener Schnee!“
„Weiß…“
„Ja. Aber das muss man nicht ernst nehmen. Das waren alles Comics, die spinnen sich öfter was zusammen!“
„Comics?“
„Ja. Du weißt schon. Diese Typen die die ganze Zeit in Kostümen rumlaufen und über die Weisheit des Rollerminators predigen!“
Kiki musste lachen. Sie las die Rollerminator-Comics selber gern, aber von Weisheit hatte sie dort bisher nichts entdeckt. Aber auch Nicky hatte etwas von weiß gesagt und offensichtlich über etwas gesprochen, das nicht weiß sein sollte. Haare passten da irgendwie gut, besonders im Zusammenhang mit einem Geisterhund.
„Wo finde ich denn diese Comics?“
„Am Sonntag? Auf ihre CoCoCo natürlich!“
„Was?“
„Comic Cosplay Convention. Am See. Kann man gar nicht verfehlen!“
„Danke!“

Der Panda hatte recht gehabt: Man konnte es nicht verfehlen. Schon von weitem sah Kiki die bunte Masse am Seeufer. Bei näherem Hinsehen waren mehrere farblich unterscheidbare Bereiche zu erkennen, offenbar hatten sich Fans derselben Comics in Gruppen zusammengefunden. Ein lila Abschnitt erinnerte sie daran, dass auch ihr Vater mittlerweile seine Comicreihe bekommen hatte. Ob wohl auch Leute als Flitzbogen Quack herumliefen?
Als sie noch näher heran kam, entdeckte Kiki, dass, obwohl fast nur Superheldencomics auf dem Markt waren, einige Gestalten aus ganz anderen Genres stammten. Tatsächlich waren die ersten Fans, denen sie begegnete ganz normal gekleidet.
„Wen stellst du denn da?“, fragte einer von ihnen.
„Ich bin Ki…“
Kiki wollte zunächst sagen, dass sie kein Kostüm trug und nur jemanden suchte, doch dann entschied sie, sich einen kleinen Spaß zu erlauben. Mal sehen, sie brauchte einen Namen. Ein paar Gruppen weiter schwenkte jemand ein „Dr. Impossible“-Banner.
„Ki?“, hakte der Fan nach.
„Kim Possible!“, improvisierte Kiki einen Namen.
„Dann bist du hier falsch. In den Pertwillaby Papers gibt es keine Figur dieses Namens!“
„Ich weiß, ich möchte auch nur durch. Ach übrigens, habt ihr von der Sache mit dem Geisterhund gehört?“
„Klar. Aber darauf würde ich nichts geben. Diese Ghosto-Fans sehen ständig komische Sachen, wahrscheinlich haben sie ihre Haare selbst gefärbt!“
„Und wo finde ich diese Leute?“
„Diese Richtung, gleich hinter ‚My Fuzzy Unicorn’ und ‚Monsters R Us’!“
„Danke!“
Kiki bemühte sich, im Bereich von „My Fuzzy Unicorn“ niemanden anzusprechen und von niemandem angesprochen zu werden. Sie fand die Serie ohnehin furchtbar und es kam noch hinzu, dass sie sie an eine Welt erinnerte, die sie dank Quackerjack und Megavolt einmal besucht hatte.
Im Bereich von „Monsters R Us“ sah das schon anders aus. Diese Comicreihe wurde von Dagobert Duck produziert und war inspiriert von der Horrorfilmreihe, die er in seinen Kinos gezeigt hatte. Die Autoren behaupteten, echte Monster zu sein, was nicht unmöglich aber doch recht unwahrscheinlich war. Helden in den Comics waren legendäre Gruselgestalten wie Quakensteins Monster oder das Ding aus dem Sumpf. Dementsprechend sahen die Fans auch aus. Kiki sah Werwölfe, Vampire, Schlammmonster und einen Krakenmenschen. Hinter letzterem verbarg sich tatsächlich William Squid.
„Tag Bill!“, begrüßte ihn Kiki, „Sehr originelles Kostüm!“
„Ha ha, ja ich weiß. Ich mag den Krakenmenschen eben, kann ich etwas dafür, dass ich zufällig Squid heiße?“
„Nein, eigentlich nicht!“
Kiki musste zugeben, dass er einen guten Krakenmenschen abgab. Seine beweglichen Arme machten sich gut als Tentakel und seine hervorquellenden Augen wirkten vor der gräulichen glatten Haut deutlich passender als vor den üblichen grünen Schuppen.
„Wer ist die Dame?“, fragte ein Schwan, der nun hinzukam.
Er trug einen Umhang, der an den Ärmeln des Kostüms befestigt war sodass er nach Flügeln aussah und einen Schwanz mit einem Stachel. Sein Hals wies Kiemenspalten auf und das ganze Kostüm glänzte feucht. Zweifellos stellte er ein weiteres Meeresungeheuer aus den Comics dar, den Teufelsrochen.
„Das ist Kiki!“, stellte Bill sie vor, „Kiki, das ist Ray!“
„Raymond Sting!“, vervollständigte Ray und hielt Kiki die behandschuhte Hand hin.
Kiki ergriff sie und stellte fest, dass sie sich tatsächlich nach Fischhaut anfühlte. Dann fiel ihr etwas auf.
„Raymond Sting? Tut mir leid, aber solche Zufälle gibt es doch gar nicht!“
„Das habe ich auch gedacht, als wir uns das erste Mal begegnet sind!“, meinte Bill.
„Wen stellst du dar?“, fragte Ray.
„Kim Possible!“, antwortete Kiki.
„Aus welchem Comic?“
„Sie hat ihren eigenen. Aber offenbar bin ich die einzige, die den kennt, deshalb bin ich jetzt auf dem Weg zu den Ghosto-Leuten!“
„Immer geradeaus!“, sagte Bill.

Im „Ghosto“-Bereich fand sich eine beeindruckende Mischung aus Superhelden und Gruselgestalten, auch wenn Kiki nicht immer sagen konnte, wer was darstellte. Sie kannte diesen Comic nicht und er erschien ihr auch nicht sehr interessant.
„Entschuldigung, ich suche nach denen, die von dem Geisterhund angegriffen wurden!“, wandte sie sich an eine Frau in einem grünen Superheldenkostüm, das eine Brille mit roten Gläsern trug.
„Gleich dort!“, sagte die Frau und zeigte auf ein paar Kostümierte, die alle Kostüme trugen, die die Haare verdeckten.
„Hallo. Seid ihr die, die von diesem Geisterhund angegriffen wurden?“
„Wer will das wissen?“
Die Frau, die diese Frage stellte war eine Ente und trug ein lilablaues Kostüm mit einem stahlgrauen Helm, der zur Farbe der Augen passte.
„Kiki Erpel!“, antwortete Kiki, „Ich dachte nur…“
„Du dachtest nur, dass du uns unbedingt sehen musst, ja? Dass jemand, dessen Haar plötzlich weiß ist, eine unglaubliche Attraktion sein muss, ja?“
„Beruhige dich Greta!“, griff ein Mann in einem rotblauen Kostüm ein, der ein Zeichen auf der Brust trug, das wie eine Kreuzung aus einer Spinne und einem Smilie aussah. Sein Haar war unter einer zum Kostüm gehörenden Kapuzen verborgen.
„Der Hund ist direkt durch sie hindurch gesprungen!“, erklärte er Kiki, „Seitdem sind nicht nur ihre Haare weiß sondern auch ihre Augen grau. Und sie ist etwas empfindlich!“
„Ich bin nicht empfindlich. Ich habe es nur satt, dass mich alle nach meinen Haaren fragen!“
„Nun, ähm, wie sah der Hund den aus?“
„Wie schon? Wie ein Hund!“
„Er sah aus wie ein sehr großer Dobermann oder so!“, meinte ein Mann in schwarz mit einem Totenkopf auf der Brust und einem Helm, der einmal ein Eimer gewesen zu sein schien, „Aber er war durchsichtig. Und in der Mitte war so eine Art Kugel aus leuchtendem Nebel!“
„Und wie hat er euch angegriffen?“
„Das geht dich nichts an!“
„Wir waren in der Stadt im Farbigen Verlies und kamen gerade zurück, als er plötzlich hinter uns war. Und das, wo wir gerade am Friedhof vorbeigekommen waren, du kannst dir vorstellen, dass wir gewaltig erschrocken sind. Zunächst konnten wir uns nicht rühren, aber als er dann durch Greta gesprungen ist, sind wir gelaufen wie irre. Wenn ich mich richtig erinnere, ist da auch erst die leuchtende Kugel aufgetaucht. Vor dem Sprung war da nichts.
Jedenfalls hat er uns verfolgt und ab und an einen zu fassen gekriegt. Zu fassen stimmt eigentlich nicht ganz, als er mich erwischt hat, habe ich keinen Biss gespürt, nur so ein seltsames Ziehen. Und dann war er plötzlich weg!“
„Einfach weg?“
„Als hätte er sich in Luft aufgelöst. Und unsere Haare waren weiß!“
„Das klingt wirklich gruselig!“
„Schön. Und jetzt lass uns in Ruhe!“

Kiki wusste nicht so recht, wie viel sie von der Geschichte glauben konnte. Es war nicht sehr wahrscheinlich, in Tri-City einem Geisterhund zu begegnen. Trotzdem war das ganz offensichtlich der Fall, an dem Nicky arbeitete. Und das wiederum bedeutete, dass jemand verdächtigt wurde, für die Sache verantwortlich zu sein, denn wozu sollte sonst eine verdeckte Ermittlung gut sein? Und wenn Nicky verdeckt in dieser Sache ermittelte, war es wohl besser, wenn sie sich nicht einmischte. Und außerdem war Nicky vielleicht schon zu Hause.

Sie war nicht zu Hause. Konnte Sie nicht weg, ohne sich zu verraten? Oder steckte sie in Schwierigkeiten? Was, wenn sie diesen komischen Hund unterschätzt hatte? Moment, hatte der Typ in der Küche nicht gesagt, das Viech sei im Haus gewesen? Womöglich hatte Nicky versucht zurückzukommen und der Hund war ihr gefolgt. Einmal zufällig vorbeischlendern konnte ja nicht schaden. Nicky hatte doch das Adressbuch aufgeschlagen liegen lassen… Ah, da war es ja. Bellinda Gaukeley. Gaukeley? Woher kannte Kiki diesen Namen? Nun, sie wohnte im Wohnheim gegenüber, es konnte wohl nicht schaden, mal unter einem Vorwand vorbei zu sehen.

Eine verschlafen aussehende Ente im Nachthemd öffnete. Ihr schwarzes Haar sah aus, als hätte sie einen Zusammenstoß mit Megavolt gehabt und sie wirkte nicht, als sei sie über den Besuch besonders erfreut.
„Hat man nicht einmal am Sonntag seine Ruhe?“, fragte sie mürrisch.
„Ich mache eine Umfrage!“ behauptete Kiki, „Haben Sie eine Sekunde Zeit?“
„Nein!“
Die Ente schlug die Tür zu.
Kiki klopfte erneut.
„Was denn noch?“
„Sie sind doch Bellinda Gaukeley?“
„Ja. Und?“
„Nun, Ihr Name wurde zufällig von unserem Computer augewählt, es ist wichtig für uns, dass Sie…“
„Dann haben Sie Pech gehabt. Ich habe heute Nacht zu tun, ich muss jetzt schlafen!“
Und wieder knallte die Tür.
Also gut. Heute Nacht also. Da war ja noch etwas Zeit für… was auch immer sie tun könnte. Vielleicht noch einmal zur CoCoCo zurückgehen und nach der Rollerminator-Gruppe suchen. Auf dem Weg nach draußen fiel Kiki etwas auf.
„Wie lange folgst du mir schon?“, fragte sie.
„Miau?“
„Also gut, du hast mir in der Sache mit den Federlesern sehr geholfen und dafür bin ich auch dankbar. Dürfte ich jetzt erfahren, was hier los ist?“
Die Katze kam zu Kiki und rieb sich schnurrend an ihrem Bein.
„Ja gut, ich folge dir!“
Die Katze rieb sich am anderen Bein.
„Du willst mich nirgendwo hin führen? Bringst du mir etwas?“
Offenbar auch nicht.
„Irgendwas musst du doch wollen. Oder beobachtest du mich und ich sollte dich eigentlich gar nicht entdecken? Bist du vielleicht verwanzt? Hallo, wenn mich jemand hören kann soll er bitte antworten!“
Keine Reaktion.
„Na gut. Ich gehe jetzt in die Küche und trinke etwas. Lust auf ein Schälchen Milch?“

Die Katze trank ihre Milch und Kiki ihre Cola. Das Tier würde vermutlich nicht zu seinem Besitzer zurückkehren, solange Kiki es sah und ihm folgen konnte. Derzeit schien es das aber auch nicht vor zu haben. Vermutlich sah es umgekehrt genauso aus: Kiki konnte nirgendwo hingehen, ohne dass die Katze ihr folgte. Die Frage war: Wollte sie sie denn loswerden? Vielleicht war das Tier nützlich. Ein Auftritt als Flitzbogen Quack war mit diesem Anhängsel allerdings undenkbar. Also gut. Bellinda wollte schlafen und hatte in der Nacht etwas zu tun. Wann würde sie ungefähr losgehen? Sicher nicht vor sechs. Um noch einmal zur CoCoCo zu gehen war es etwas zu spät, aber vielleicht lief ja etwas Gutes im Fernsehen.
Oder vielleicht war es eine gute Idee, im Internet nach dem Namen Gaukeley zu suchen.

Es war. Zweihunderteinunddreißig Treffer. Kiki wählte den erstbesten. Eine Nachrichtensite. „Gundel Gaukeley wieder einmal entkommen. Kriminelle Hexe weiterhin auf der Jagd nach dem Glückszehner“. Natürlich. Gundel Gaukeley. Nicky hätte ihr das sofort sagen können. Tatsächlich sah Bellinda der Frau auf dem Foto ein wenig ähnlich, allerdings war Gundel deutlich älter und hatte ihre Haare besser unter Kontrolle. Hm… Eine Verwandte von Gundel Gaukeley und ein Geisterhund. Doch, das passte zusammen. Aber das konnte wohl nicht der einzige Grund sein, Bellinda zu verdächtigen. Mal sehen, wie viele Treffer gab es bei „Bellinda Gaukeley“?
Drei. Einer davon war die Homepage der Omega-Kirche.
Omega?
Kiki sah sich die Page an. Bellinda Gaukeley, seit Januar 2002 Oberhaupt der Omega-Kirche, oberste Priesterin und ausersehene Archisposa…
„Was ist denn das nun wieder?“
Die Katze sprang auf die Tischplatte und schmiegte sich an Kikis Maushand, wobei sie diese auf das Startfeld verschob.
„Du meinst ich soll ein neues Fenster öffnen und danach auch noch suchen? Na meinetwegen!“
Da war es ja. Archisposa: Bevorzugte Geliebte des Teufels. Aha. Zurück zu Bellinda.
Viel stand auf der Seite nicht mehr über sie, dafür aber über die Omega-Kirche als ganze. Diese ging davon aus, dass Gott Luzifer aus Neid auf dessen Freiheit in die Hölle verbannt hatte. Ihr Ziel war es, ihm durch Opfer und in seinem Namen vollbrachte „Heldentaten“ die nötigen Mittel zu geben um einen Aufstand zu führen und Gott zu stürzen. Kiki hatte schon von seltsameren Religionen gehört. Auf der nächsten Unterseite ging es plötzlich darum, Macht von Luzifer zu empfangen und die Welt zu erobern. Und dann wollten sie auf einmal selbst in die Hölle kommen, weil man dort angeblich freier war als im Himmel. Zweifellos waren sie nie in der Hölle gewesen. Oder der Himmel war tatsächlich noch schlimmer, was wusste Kiki schon.
Alles in allem wirkte die Kirche jedenfalls recht unentschlossen.
Na gut. Gaukeley, Satanisten, Geisterhund, das war schon nahe liegend, aber es konnte doch nicht der Grund sein… Der Friedhof. Natürlich, der Angriff hatte beim Friedhof stattgefunden. Das war tatsächlich ein Grund, sich bei den Omegas umzusehen. Jetzt war sich Kiki sicher: Sie würde Bellinda folgen.

Um acht Uhr abends verließ Bellinda Gaukeley das Haus. Sie trug eine Jack und darunter irgendetwas Schwarzes. Ihr Haar stand nicht mehr hoch, sondern hing glatt herunter, auch wenn es ab und zu Wellen zu werfen schien. Kiki heftete sich unauffällig an ihre Fersen. Da es langsam kalt wurde, hatte sie sich selbst eine Jacke angezogen, zudem trug sie für den äußersten Notfall einen Bogen bei sich.
Und die Katze war noch immer dabei. Und hatte aus irgendeinem Grund den Schlüssel ins Maul genommen, den sie Kiki im Keller der Federleser mitgebracht hatte. Wo hatte sie den Schlüssel für die Fesseln eigentlich hergehabt? Egal.
Bellinda ging tatsächlich zum Friedhof. Jetzt wurde es schwierig. Auf dem leeren Friedhof fiel eine Verfolgerin auf. Kiki musste vorsichtig sein. Sie war gerade zwei Reihen von Grabsteinen weit gekommen, als sie feststellen musste, dass sie eine Möglichkeit übersehen hatte.
„Was machst du hier?“, hörte sie plötzlich eine Stimme hinter ihrem Rücken. Sie drehte sich um.
Greta stand direkt hinter ihr, in einem schwarzen Abendkleid, das für das Wetter absolut unangemessen war. Jetzt war auch ihr Haar gut zu erkennen. Lang, glatt und schneeweiß.
„Das selbe könnte ich dich fragen!“, antwortete Kiki.
„Und ich könnte es euch beide fragen!“, mischte sich Bellinda ein.
Natürlich. Sie hatte alles gehört.
„Du weißt genau warum ich hier bin!“, zischte Greta, „Gib doch zu, dass du mir dieses Höllenbiest auf den Hals gehetzt hast!“
„Ich wünschte ich hätte es, aber leider war es reiner Zufall, dass du gerade in der Nähe warst!“
Bellindas Haare begannen, heftigere Wellen zu werfen, und ein paar Strähnen stellten sich auf.
„Aber du bist dafür verantwortlich, dass diese Kreatur nun hier herumläuft!“
„Wer sonst?“
„Gib mir meine Farben zurück!“
„Zwing mich dazu!“
„Das kannst du haben!“
Kiki hörte ein leises elektrisches Knistern und warf sich gerade noch rechtzeitig auf den Boden, ehe ein Blitz von einer der Frauen auf die andere übersprang. Sie kroch unter den beiden hervor und stand wieder auf. Es ließ sich nicht sagen, von welcher der Kontrahentinnen der Blitz ausgegangen war, doch er stand noch immer zwischen ihnen und es sah so aus, als würde er auch so schnell nicht verschwinden.
„Was geht denn hier vor?“, fragte die Rothaarige.
„Das wüssten wir auch gerne!“
Kiki sah sich um. Während sie durch die beiden abgelenkt gewesen war, hatte sie eine Gruppe von Leuten in schwarzen Kapuzenmänteln mit dem Buchstaben Omega darauf eingekreist. Es waren ungefähr zehn und sie hatten sich die Kapuzen tief in die Gesichter gezogen.
„Ich weiß es ganz sicher nicht. Ich habe nur gesehen, wie die beiden plötzlich Funken gesprüht haben. Was seid ihr überhaupt für Gestalten?“
„Wir sind die Omega-Kirche. Und nachts gehört dieser Friedhof uns!“, erklärte eine Kapuze.
„Verstehe. Dann kann ich ja gehen!“
„Nicht so schnell!“, widersprach eine andere Kapuze, „Du weißt bereits mehr, als du wissen solltest!“
„Und was? Dass ihr euch nachts auf einem Friedhof herumtreibt? Wo bleibt überhaupt der Friedhofswärter, oder steckt der auch unter einer Kapuze?“
„Das genügt!“, erklärte die erste Kapuze, „Wir können dich nicht gehen lassen!“
„Und was wollt ihr machen? Mich Satan opfern?“
„Wir werden sehen. Packt sie!“
Das war dann wohl der Notfall. Kiki legte einen Pfeil auf die Sehne und spannte den Bogen.
„Ich bin bewaffnet!“, erklärte sie überflüssigerweise.
Die Satanisten zögerten. Offenbar waren sie Konfliktsituationen dieser Art nicht gewohnt.
Ein lauter Knall durchbrach das Schweigen und Bellinda Gaukeley flog rückwärts gegen einen Grabstein. Greta brach ohnmächtig zusammen. Kiki war nur für einen kurzen Moment abgelenkt, doch drei Kapuzen genügt das. Ehe die Studentin reagieren konnte, hatte ihr die erste den Bogen aus der Hand gerissen, während die zwei anderen ihre Arme packten. Wahrscheinlich hätte sie ohne weiteres mit ihnen fertig werden können, doch mittlerweile waren die übrigen auch kampfbereit und wer weiß, ob nicht eine von ihnen mit einem Bogen umgehen konnte.
„Ich ergebe mich!“, erklärte Kiki zähneknirschend.

Es gab eine Gruft auf dem Friedhof von Tri-City, die gänzlich anders war als die anderen. Laut der nicht näher zu definierenden Metallplatte am Eingang gehörte sie einer Familie Stine und offenbar war es einmal eine große Familie gewesen. Von einer großen Eingangshalle zweigten drei Gänge ab, von denen jeder etliche Metalltüren aufwies und durch Fackeln an den Wänden beleuchtet war. Kiki wurde durch einen der Gänge in eine zweite Halle geführt, von der wieder drei neue Gänge abzweigten und von da aus weiter in die nächste, und die nächste und die nächste. Dann ging es eine Treppe hinab und weitere Flure entlang und schließlich eine Treppe hinauf. Was nun kam, hatte wenig mit einem Grab zu tun. Die Treppe führte in eine weitere große Halle, auf deren gegenüberliegender Seite eine Statue stand. Besagte Statue stellte einen Engel dar, dessen Gesichtszüge jedoch nicht sehr freundlich wirkten. Auf seinem Sockel standen Unmengen schwarzer Kerzen und vor ihm war mit Kreide ein großes Pentagramm auf den Boden gemalt.
„Wo sind wir hier?“, fragte Kiki, „In einem billigen Horrorfilm?“
Sie hatte genug billige Horrorfilme gesehen, um das zu erkennen.
„Ruhe!“, befahl Bellinda und ihre Haare stellten sich komplett auf, „Schlüsselmeister, öffne die Tür zum Kerker!“
Ein Satanist begab sich zu einer kleinen Tür in der Wand, die Kiki noch gar nicht aufgefallen war. Sie bestand aus Holz mit Eisenbeschlägen und hatte ein großes Schlüsselloch in das ein entsprechend großer altmodischer Schlüssel gehörte.
Der Schlüsselmeister öffnete sie und gab damit den Blick auf einen kleinen, kargen und dunklen Raum frei.
„Sperrt beide ein!“
Die Kapuzen gehorchten und ziemlich schnell fand sich Kiki im Dunklen wieder. Abgesehen von dem Lichtkegel, der durch das Schlüsselloch fiel.
Was tat man wohl in einer solchen Situation? Durch das Schlüsselloch sehen natürlich. Draußen saßen die Kapuzenträger mittlerweile auf dem Boden. Nur Bellinda, die ihre Jacke ausgezogen und ihre eigene etwas kürzere und mit roten Flammen verzierte Robe offenbart hatte, stand vor der Statue.
„Brüder und Schwestern, die Messe ist hiermit eröffnet. Schriftführer, das Protokoll der letzten Messe!“
„Wir haben Luzifer geopfert und beschlossen ihm zu huldigen und zu sündigen und zwar ganz viel!“
„Aha. Gut. Dann kommen wir nun zum ersten Tagesordnungspunkt: Die verschwundene Novizin!“
Ein unverständliches Flüstern erfüllte die Halle.
„Ruhe. Da Moloch in der letzten Nacht nicht in der Lage war, sie zu finden, schlage ich vor, ihn erneut auszuschicken!“
Zustimmendes Gemurmel.
„Wer hat einen Vorschlag, wo er suchen kann?“
„Wenn sie sich nicht in ihrer Wohnung versteckt, dann vielleicht bei einem Freund oder so. Wir sollten uns vielleicht einfach mal erkundigen!“
„Abgelehnt. Wir erkundigen uns nicht. Wir haben andere Mittel!“
„Dann… lassen wir Moloch heute Nacht einfach ein anderes Wohnheim durchstreifen!“
„Schon besser. So machen wir es. Kommen wir zum zweiten Punkt: Die Finanzkrise. Kassenwart?“
„Unser Vermögen beläuft sich derzeit auf gerade mal fünfhundertdrei Taler und dreiundsechzig Kreuzer. Wenn wir nicht bald neue Geldquellen auftun, werden wir unseren Verbrauch an Kerzen reduzieren müssen. Und mit den neuen Roben aus Baumwolle sieht es auch schlecht aus!“
„Das kommt nicht in Frage. Vorschläge für neue Geldquellen?“
„Hier unten liegt jede Menge altes Zeug rum. Verscherbeln wir doch etwas davon!“
„Grabraub. Klingt gut. Kämen wir denn damit durch? Rechtsbeistand!“
„Einige Teile des Gebäudes liegen, wie auch dieser Raum, streng genommen nicht mehr auf dem Friedhof sondern sind öffentlicher Grund. Dennoch sind die Eigentümer der Grabbeigaben zweifellos die Erben der Beigesetzten. Sollten Sie Stücke erkennen, dann haben wir ein Problem!“
„Andere Vorschläge?“
„Wir erhöhen die Beiträge für Novizen!“
„Und wer soll dann noch zu uns kommen? Wenn, dann für alle!“
„Bist du verrückt, ich bin doch nicht hier um arm zu werden!“
„Ruhe. Das bringt uns nicht weiter. Vielleicht schickt uns Satan eine Erleuchtung, wenn wir das Opfer darbringen!“
„Das Opfer! Das Opfer!“
Bellinda zog einen Dolch.
„Legt das Opfer an seinen Platz!“
Schweigen.
„Ich sagte: Legt das Opfer an seinen Platz!“
Noch immer Schweigen.
„Wer ist dieses mal an der Reihe, das Opfer mitzubringen?“
„Finger glaube ich!“
„Ja, Finger!“
„Nun, Finger, wo ist das Opfer?“
„Ich… nun, ich hatte mir schon eins ausgesucht, ein richtig schönes Meerschweinchen, aber… Dann hat mein Mitbewohner es verschenkt!“
„Du wolltest das Meerschweinchen deines Mitbewohners mitbringen?“
„Ich dachte, besser als die Kröte beim letzten Mal!“
„Also gut. Hat jemand ein Ersatzopfer?“
„Ich hätte ein Ei!“
„Kurz vor dem Schlüpfen?“
„Nein, eher.. gekocht und in Scheiben!“
„Glaubst du, der Teufel nimmt uns ernst, wenn wir ihm ein gekochtes Ei opfern?“
„Beelzebub würde euch nicht einmal ernst nehmen, wenn ihr ihm die Bevölkerung der ganzen Stadt opfern würdet!“, murmelte Kiki.
„Da hast du Recht!“, stimmte Greta zu.
Kiki hatte noch gar nicht bemerkt, dass die weißhaarige Frau wieder aufgewacht war.
„Alles was sie über Satanismus wissen, stammt aus alten Horrorfilmen. Die tun das nicht, weil sie daran glauben, sondern weil sie es ‚cool’ finden. Und sie ziehen es nicht einmal richtig durch, sonst wären sie längst auf den Gedanken gekommen, eine von uns dort auf den Boden zu legen und aufzuschlitzen. Und sich nackt in ihrem Blut zu wälzen und…“
„Das klingt nicht nach einem Horrorfilm den ich kenne!“
„Nein, der Teil mit dem Wälzen ist aus einer Parodie. Aber er gefällt mir. Rein theoretisch!“
„Und du meinst, sie kommen nicht auf die Idee?“
„Bellinda hatte sie sicher schon, aber sie wird diesen Kindsköpfen keinen Mord vorschlagen. Und aus derart nichtigen Gründen auch selbst keinen begehen!“
„Du scheinst sie gut zu kennen!“
„Sie ist meine Zwillingsschwester!“
„So ähnlich…“
„Zweieiig!“
„Ah. Sag mal, kannst du nicht mit einem Blitz das Schloss schmelzen oder so?“
„Nein. Das ist so eine Sache, die Blitze entstehen durch die unterschiedliche magische Ladung von mir und meiner Schwester. Lass es mich erklären: Als wir noch Kinder waren, war Bellindas einziges Ziel, eine mächtige Zauberin zu werden, doch die Hokus-Pokus-Akademie lehnte sie wegen völligen Fehlens jeglichen Talentes ab. Auch Großcousine Gundel wollte sie nicht ausbilden, doch sie gab nicht auf. Sie stahl ein paar Seiten aus einem ihrer Bücher und wollte das dort dargestellte Ritual durchführen, dass ihr mächtige magische Kräfte verleihen sollte. Allerdings brauchte man dazu zwei Personen und dumm wie ich war ließ ich mich darauf ein. Irgendwo war wohl der Wurm drin, ich vermute mal, dass eine wichtige Information auf einer der fehlenden Seiten gestanden hat, aber Bellinda gibt mir die Schuld. Jedenfalls haben wir gewissermaßen gewaltige magische Kräfte, aber sie kommen nicht raus. Nur wenn wir nahe beieinander sind… blitzt es. Wir können das bis zu einem gewissen Grad kontrollieren, die Ladung zurückhalten, verzögern, gleichmäßig oder ungleichmäßig fließen lassen, aber es läuft darauf hinaus, dass es blitzt. Bellinda ist dabei die stärkere von uns beiden, meistens hält sie länger durch. Außerdem hat sie seit damals gewaltige Schwierigkeiten, ihre Haare zu bändigen. Man sollte meinen, dass sie nach diesem Desaster vorerst genug von der Magie gehabt hätte, aber nein. Ganz im Gegenteil. Sie suchte nach neuen Methoden, ihre schlummernde Macht zu nutzen. Jetzt versucht sie es eben mit dieser Gruppe. Als mich der Hund direkt am Friedhof angriff, wusste ich, dass nur sie dahinter stecken  konnte, und heute Abend hatte ich schließlich den Schnabel voll und beschloss, sie zur Rede zu stellen!“
„Das klingt wie eine von diesen ‚wie ich zum Schurken wurde’-Geschichten, die mein… die man in den Comics liest!“
„Passt ja!“
Kiki sah wieder durch das Schlüsselloch. Die schwarzen Kerzen brannten nun und in der Mitte des Pentagramms lag ein sehr kleiner heller Haufen. Alle knieten auf dem Boden. Es war Bellinda, die sich als erste wieder erhob.
„Erhebt euch!“, befahl sie.
Die Kapuzen gehorchten.
„Und nun schicken wir Moloch auf seine Suche!“
„Moloch! Moloch!“
Bellinda griff in ihre Robe und holte eine Halskette mit einem Medaillon daran hervor. Das Medaillon schien aus Gold zu bestehen und soweit es Kiki aus der Entfernung erkennen konnte hatte es ungefähr die Form einer Fledermaus.
Bellinda räusperte sich, dann begann sie zu sprechen:
„Hund von der anderen Seite, Wächter der Stätte der Toten, Diener des Wappens der Stine, komme aus den Schatten!“
Und der Hund erschien. Er erschien nicht auf irgendeine spektakuläre Weise, er war einfach plötzlich da, ohne dass Kiki hätte sagen können, wann genau er erschienen war. Es war ein großer Hund. Er ähnelte einem Dobermann ein wenig, aber eigentlich sah er mehr aus wie ein Wolfshund, ja eigentlich schon fast wie ein Wolf auch wenn sein Fell dunkelbraun und kurz war. Er wirkte ein wenig durchsichtig und in seinem Inneren glühte eine große Kugel aus reinem weißem Licht. Soweit Kiki es beurteilen konnte, bedachte er die Satanisten mit hungrigen Blicken.
„Sitz!“, befahl Bellinda und der Hund gehorchte. Dann griff sie in eine Tasche und holte scheinbar gar nichts heraus. Sie hielt dem Hund die Hand unter die Nase.
„Du kennst diese Feder. Du weißt, wem sie gehört. Bring sie hierher, unverletzt!“
Offenbar war das Nichts eine weiße Feder, die auf die Entfernung in der weißen Hand nicht zu sehen war. Der Hund schien auf weitere Anweisungen zu warten und Bellinda zeigte ihm einen Stadtplan.
„Heute Nacht durchsuchst du diesen Bereich!“, erklärte sie und kreiste mit dem Finger ein Gebiet ein, „Such!“
Der Hund eilte davon, ohne sich von Wänden aufhalten zu lassen.
„Damit ist die heutige Sitzung beendet!“
Jemand meldete sich.
„Ja?“
„Was ist mir den Gefangenen?“
„Um die werde ich mich später kümmern. Geht jetzt!“
Die Gruppe zerstreute sich. Bellinda zog ihre Jacke wieder an und ging ebenfalls.
„Die lassen uns hier zurück!“, stellte Kiki fest, „Wir müssen hier raus!“
Ein Miauen drang durch die Dunkelheit.
„Ach, du bist auch hier. Warum habe ich etwas anderes erwartet?“
„Ist dir deine Katze gefolgt?“
„Kann man sagen. Du hast nicht zufällig den Zellenschlüssel zur Hand, oder?“
Tatsächlich legte das Tier einen Schlüssel im Lichtkegel ab, doch Kiki sah sofort, dass es derselbe war, den sie ihr schon einmal gebracht hatte. Trotzdem hob sie ihn auf.
„Das ist der falsche Schlüssel. Dieser hier ist viel zu klein, siehst du?“
Sie steckte ihn ins Schlüsselloch um ihn demonstrativ frei darin zu drehen, und spürte, wie er wuchs.
„Echt irre!“, war ihr einziger Kommentar, als sich die Tür tatsächlich öffnen ließ.
„Ein Zauberschlüssel!“, staunte Greta, „Woher hat die Katze so etwas?“
„Keine Ahnung!“, antwortete Kiki und steckte den Schlüssel ein. Dann sah sie Greta an und erschrak.
„Was ist?“, fragte diese.
„Na ja, es ist so… dein Schnabel und deine Beine sind grau!“
„Was? Nein. Nein! Dafür wird sie bezahlen!“

Kiki hängte die Katze ab indem sie schnell durch die Zimmertür schlüpfte und sie dann zuschlug. Das reichte wohl vorerst. So, das Kostüm war ganz unten im Koffer und ein Abstieg aus dem Fenster war wohl kein Problem. Gut.

Flitzbogen Quack duckte sich zwischen den Grabsteinen. Wie sie erwartet hatte kam Bellinda zurück. Und sie hatte eine Flasche mit einer grünen, trüben Flüssigkeit dabei.
Flitzbogen folgte ihr unauffällig in die Gruft. Durch die Gänge. Bis zum offenen Kerker.
„Wie konnte das passieren?“
„Ich glaube, ich bin an der Reihe, Fragen zu stellen!“, sagte Flitzbogen laut.
Bellinda drehte sich um und sah sich einem Pfeil gegenüber.
„Wer bist du und was willst du?“
„Ich sagte doch, ich bin mit dem Fragen dran. Aber damit du es weißt: Ich bin Flitzbogen Quack!“
„Nie gehört!“
„Ich bin neu in der Stadt. Nun zu dir: Was hattest du mit dieser Brühe vor?“
„Das ist ein Zaubertrank. Er löscht das Gedächtnis. Je nach Konzentration Tage, Wochen, Monate oder sogar Jahre. Dieser hier reicht gerade mal für zwei Tage!“
„Willst du ihn auch der verschwundenen Novizin geben, wenn sie wieder auftaucht?“
„Das kommt ganz darauf an, warum sie verschwunden ist. Hat sie dich gerufen? Oder war es meine Schwester?“
„Berufsgeheimnis. Und nun verrate mir, was es mit dem Geisterhund auf sich hat!“
„Mit dem? Wir haben ihn gefunden. Er war hier gefangen, in einem Grab. Als wir es aufbrachen, kam er heraus, noch blass und schwach. Er wollte sich uns stürzen, doch ein Wort von mir genügte, und er lief durch die Wand davon. Am Morgen, vor Sonnenaufgang kam er wieder und verschwand einfach. Ich fand in dem Grab eine Inschrift, die erklärt, wie ich ihn zurückrufen kann, und auch, warum er mir gehorcht!“
„Wegen des Medaillons, das du aus einem anderen Grab gestohlen hast!“
„Du bist wirklich gut informiert!“
„Und dann hast du ihn auf deine Schwester angesetzt!“
„Nein. Sie und ihre Freunde wurden in der ersten Nacht angegriffen, als der Hund unkontrolliert unterwegs war. Es war reiner Zufall, dass sie gerade in der Nähe des Friedhofs waren. Wahrscheinlich hat er die Magie in ihr gespürt und wollte etwas davon haben!“
„Hm… Und die verschwundene Novizin, wann ist die gekommen?“
„Am nächsten Tag. Sie hat dich also nicht geschickt. Du suchst sie auch!“
„Niemand hat mich geschickt. Ich bin hier um deinen Verbrechen Einhalt zu gebieten!“
„Welchen Verbrechen?“
„Freiheitsberaubung, Hausfriedensbruch, Diebstahl, Tierquälerei…“
„Ich habe ein Recht darauf, meine Religion zu praktizieren!“
„Welche Religion? Ihr spielt doch nur alberne Spiele!“
„So lange es nach außen hin so aussieht, als wäre es eine Religion, muss man uns respektieren. Aber versuch es nur. Zeige mich an. Schlepp mich in Ketten zur Polizei, wir werden ja sehen, was dann passiert!“
„Erstmal will ich wissen, wo dieser Hund gerade unterwegs ist!“
„Und wenn ich es dir sage, was willst du dann tun? Er ist ein Geist. Du kannst ihn nicht festhalten, du kannst ihn nicht töten und du kannst ihn nicht einsperren ohne Magie anzuwenden!“
Bellinda schien den ersten Schreck überwunden zu haben und wirkte nun eher überlegen. Offenbar reagierten ihre Haare darauf, indem sie sich zu einer Art Hörnern aufstellten.
„Wo ist er?“
„Er durchsucht das Studentendorf und die umliegenden Gebäude!“
Das Studentendorf war, wie Kiki wusste, eine Ansammlung von kleineren Wohnheimen nahe dem See.
„Glaub nicht, dass du davon kommst. Wir sprechen uns noch!“
„Ich freue mich darauf!“
Flitzbogen Quack eilte davon. Zeit, sich diese Kreatur näher anzusehen. Draußen vor dem Eingang stieß sie mit Greta zusammen.
„Wer bist du?“, fragte Greta, „Ein Flitzbogen-Quack-Fan? Verschwinde!“
„Knapp daneben. Ich bin das Original!“
„Und was führt dich hierher?“
„Was führt dich hierher? Nach allem was ich weiß, bist du vor nicht einmal einer Stunde von hier geflohen!“
„Ich will meiner Schwester etwas sagen. Das letzte Mal bin ich nicht dazu gekommen und in ihrem Zimmer ist sie nicht, also komme ich wieder hierher. Woher weißt du denn, dass ich geflohen bin?“
„Ich habe Bellinda im Auge. Was ist es denn, was du ihr sagen willst?“
„Das geht dich nichts an!“
„Dann sage es mir!“, meinte Bellinda, die nun ebenfalls herauskam.
Greta knurrte nur.
„He, was ist denn mit dir passiert? Hatte deine Begegnung mit Moloch ein paar Spätfolgen?“
„Moloch, hm?“
„Der Namensvorschlag kam von Spiegel!“
„Na gut. Hör zu, du billige Ausrede für eine Hexe: Ich habe eine deiner kleinen Spinnerinnen. Gib mir meine Farben zurück, und ich verrate dir, wo sie ist!“
„Du verrätst es sofort!“, verlangte Flitzbogen Quack, die plötzlich begriff, was Nicky zugestoßen sein musste.
„Diese Schnüfflerin hat dich gerufen, oder? Ich wusste doch, dass die nur Ärger bringt!“
Elektrisches Knistern erfüllte die Luft und Bellindas Haare ballten sich zur Faust, was sagenhaft lächerlich aussah.
„Wenn du mir so kommst – vergiss es!“
Greta drehte sich im Sprung um und rannte davon.
„Bleib stehen!“, rief Bellinda und lief hinterher.
Flitzbogen Quack griff in ihren Köcher und erwischte den Bumerangpfeil mit Angelschnur. Sie spannte den Bogen und schoss. Der Pfeil bewegte sich wie geplant an den laufenden Schwestern vorbei, dann um die Kurve und schließlich zurück. Bis der Widerstand durch die Beine der Flüchtenden ihn zwang, erneut umzudrehen. Schließlich waren die beiden wie geplant verschnürt.
„Wo ist sie?“, wiederholte Kiki.
„In der großen Comicbibliothek im Leseraum hinter dem Ghosto-Regal. Am Wochenende schließe ich den immer ab, da kann ich machen, was ich will!“
„Da habe ich Moloch ja in die richtige Gegend geschickt. Die Bibliothek liegt gleich neben dem Studentendorf!“
„Schlüssel?“
„Nicht dabei!“
„Egal!“
Flitzbogen Quack lief los.
„He!“, rief Bellinda, „Was wird aus uns?“
„Keine Sorge. Die Polizei wird sich darum kümmern!“

Die Bibliothek hatte um diese Zeit natürlich nicht geöffnet, doch dank eines gewissen Schlüssels war das kein Problem. Eine bessere Frage war: Wo fand man in einem dreistöckigen Gebäude voller Comics das eine Regal für „Ghosto“?
Und das, wo sie keine Ahnung hatte, nach welchem System die Comics sortiert waren. Moment, wie war das gewesen? Von den „Pertwillaby Papers“ immer geradeaus durch „My Fuzzy Unicorn“ und „Monsters R Us“. Zugegeben, eine merkwürdige Idee, aber nach irgendeinem System musste wohl auch die CoCoCo organisiert sein, und mit etwas Glück war es das gleiche wie das der Bibliothek. Und die „Pertwillaby Papers“ waren mit ihren drei Fluren kaum zu übersehen.

Der Leseraum war viereckig und war eingerichtet mit einem Tisch und fünf Stühlen. Auf einen der Stühle war tatsächlich Nicky gefesselt.
Ihr Gesicht war von der Tür abgewandt, doch sie musste wohl etwas gehört haben, denn sie versuchte durch den zugebundenen Schnabel zu sprechen. Flitzbogen eilte zu ihr und löste die Paketschnur.
„Wer sind Sie?“
„Flitzbogen Quack. Aber wichtiger ist, was Sie hier machen. Und dass Sie für die Campussicherheit arbeiten weiß ich bereits!“
„Flitzbogen… die Superheldin?“
„Ebendie. Sie hatten sich in die Omega-Kirche einschleusen lassen…“
„Das war gar nicht nötig, ich bin einfach zu Gaukeley gegangen und habe gefragt ob ich mitmachen kann. Wir waren dann zusammen bei der Nachmittagsbesprechung und ich wurde nominell aufgenommen. Besiegelt werden sollte es bei der Messe!“
„Aber als Sie vom Friedhof kamen hat Ihnen Greta aufgelauert!“
„Genau!“
„Und Bellinda hat sich gefragt, warum sie nicht kommen und den Hund losgeschickt!“
„Kein Problem. Ich hatte schon mit einem Geisterhund zu tun, selbst wenn dieser hier noch so viele zusätzliche Effekte hat, es ist trotzdem nur ein Hund!“
Nicky war jetzt völlig frei und schüttelte ihre Gliedmaßen aus.
„Nach allem was ich gehört habe ist der hier eher ein Geist!“
„Du hast richtig gehört, Superheldin!“
In der Tür stand Bellinda, zusammen mit dem Hund und der bewusstlosen Greta, die sie hinter sich her schleifte.
„Wie konntest du dich befreien?“
„Weißt du nicht, was passiert, wenn ich und meine Schwester uns zu nahe kommen?“
Blitz. Natürlich.
„Moloch? Lass nichts von ihnen übrig!“
Und damit rannte Bellinda davon. Der Hund richtete seinen hungrigen Blick auf Greta.
„Verschwinde, du Bestie!“, befahl Flitzbogen und richtete ihren Bogen auf das leicht transparente Tier.
Das ignorierte sie. Es sprang zu Greta und versenkte seine Schnauze in ihrer Brust.
„Du hast es nicht anders gewollt!“
Flitzbogen Quack schoss. Der Pfeil traf. Er traf zweifellos auf Widerstand, doch nicht auf besonders festen. Er flog durch den Hund hindurch… nur sehr, sehr langsam. Eigentlich hatte Kiki auch nicht erwartet, mehr zu erreichen als die Kreatur abzulenken. Und das war ihr gelungen. Das geisterhafte Geschöpf wandte sich nun ihr zu.
„Ich stelle gerade fest, dass ich eigentlich keine Ahnung habe, was ich jetzt machen soll!“, stellte sie fest.
„Das wäre aber besser!“, stellte Nicky fest.
In der Tat. Wieder sprang der Hund und diesmal verschwand die Schnauze in Kiki. Ihr wurde übel, als die Kreatur irgendetwas Leuchtendes aus ihr herauszog und verschlang.
„Sind meine Haare jetzt weiß?“, fragte sie.
„Ja. Aber der Hund hat sich auch verändert!“
Tatsächlich. Der Hund war deutlich massiver als zuvor.
„Er wird fest. Wenn er noch mehr bekommt, können wir uns gegen ihn wehren!“
„Probieren wir es aus!“, entschied Nicky – und sprang durch den Hund hindurch.
„Uh. Das war vielleicht keine so gute Idee!“, stellte sie fest.
Ihr Haar war völlig weiß.
„Das befürchte ich auch!“
Der Hund war jetzt vollständig fest. Aber nicht weniger aggressiv.
„Ganz ruhig!“, versuchte es Nicky, „He, jetzt wo du körperlich bist, hast du doch bestimmt Hunger, oder? Ich habe ein paar Würstchen in meiner Tasche… die hier irgendwo sein muss!“
Der Hund knurrte.
Flitzbogen Quack versuchte, einen Pfeil auf die Sehne zu legen, doch ihre Hände zitterten so sehr, dass sie ihn fallen ließ.
„Es wäre jetzt sehr gut, wenn völlig unerwartete Hilfe käme!“
Und die unerwartete Hilfe kam.
Mit einem lauten Klacken sprang ein zweites Geschöpf in den Raum.
Es war genauso groß wie der Hund und schien aus vielen eckigen schwarzen Steinen zusammengesetzt zu sein, die fast genau zusammen passten und das Abbild einer Katze bildeten. Das Steinwesen fauchte. Der Hund knurrte. Dann gingen sie aufeinander los.
Die beiden Frauen sahen verblüfft zu, wie die Tiere miteinander rangen. Zunächst schienen beide gleichermaßen gut zu sein. Die Krallen des Hundes konnten den Stein nicht zerstören, doch die Wunden, wie ihm die Katze zufügte bluteten nicht, und schienen ihn auch nicht zu schwächen.
„Wir müssen irgendetwas tun!“, entschied Nicky.
„Und was?“
„Wer ist denn hier die Superheldin?“
Doch es gab nichts mehr zu tun. Der Kampf war entschieden, als es der Katze gelang, die Bauchdecke des Hundes zu zerbeißen. Er versuchte sich zu wehren, ihre Kiefer aus seinem Inneren, das nahezu leer zu sein schien, herauszubekommen, doch die Katze nagelte ihn mit ihren Pfoten am Boden fest. Dann kam ihr Kopf wieder hervor. Im Maul trug sie eine Kugel aus hellem, weißem Licht.
Der Hund verschwand.
„Und jetzt?“, fragte Nicky.
Flitzbogen Quack konnte es ihr nicht sagen. Die Absichten der Katze waren nicht zu erkennen, und sie begriff jetzt, dass es an den Augen lag: Diese waren nämlich ebenfalls nicht zu erkennen.
Das Steintier ließ die Lichtkugel fallen. Diese teilte sich auf. Ein großer Teil traf Greta, ein kleinerer Flitzbogen, ein weiterer Nicky, die ihre Haarfarbe zurückerhielt. Die anderen Teile schwirrten davon.
„Sind meine Haare wieder normal?“
„Ja, und meine…“
„Auch. Aber Greta sieht noch immer aus wie ein Schwarzweiß-Cartoon!“
„Ich sage es nicht gerne, aber…“
„Sie hat es verdient?“
„Irgendwie schon!“
Die Katze sah die beiden Frauen vermutlich an. Dann drehte sie sich um und ging. Zwischen zwei Steinen ihre Hinterkopfes steckte etwas Rosafarbenes.
„Ist dir das jetzt unheimlich genug?“
„Ich wusste doch, dass du das bist!“
„O!“

Nicky zeigte sich wie üblich großmütig, indem sie auf eine Anzeige gegen Greta Gaukeley verzichtete. Diese, so wie auch Kiki, waren bei Bellinda weniger gnädig, doch…
„Das kann nicht sein. Ich habe diese Tunnel gesehen. Ich war dort!“, wiederholte Kiki.
„Tut mir leid, aber dort waren keine Tunnel. Es war eine ganz normale Gruft!“
„Dann untersuchen Sie die Wände, fragen Sie die Stines!“
„Haben wir. Es gibt keine Tunnel, Gänge, Flure oder auch nur verborgene Türen. Außerdem bezeugen elf andere Studenten, dass Bellinda Gaukeley zur fraglichen Zeit mit ihnen bei einem von ihnen zu Hause war!“
„Natürlich tun sie das. Die stecken doch mit drin!“
„Sie haben gesagt, alle außer Bellinda hatten ihre Gesichter mit Kapuzen verdeckt!“
„Ja!“
„Das heißt, sie können nicht bezeugen, dass sie mit den Zeugen identisch sind!“
„Das ist doch…“
„Tatsache. Wir können nichts für Sie tun!“
Der Polizist ging. Kiki schloss grummelnd die Tür.
„Mach dir nichts draus!“, versuchte Nicky sie aufzuheitern, „Der Hund ist weg!“
„Ja, aber was war das überhaupt? Was hat es mit und angestellt? Und warum ist Greta die einzige, die ihre Farben nicht zurückbekommen hat?“
„Sei doch froh, dass wir es überstanden haben!“
„Aber nur weil die Katze eingegriffen hat. Die offensichtlich keine Katze ist. Irgendwo hier gibt es einen Magier und ich meine einen richtigen Magier!“
„Und er steht offenbar auf unserer Seite. Was willst du mehr?“
„Ich will wissen, wer er ist. Und was er über mich weiß!“
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