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Darkwing Duck - Magic Arrows: Die weiße Feder

GeschichteAllgemein / P12
11.02.2009
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Disclaimer: Kiki und Nicky sind © Disney. Ebenso der Name Tri-City, wenn auch nicht die von mir beschriebene Stadt (Ich hatte einen Grund, diesen Namen zu verwenden). Jen Xianpu ist © Kim McFarland, auch wenn die Figur in Kims Werken eine andere Rolle hat. Kikis zweiter Vorname ist ihr amerikanischer Originalname, ich habe ihn verwendet, damit eine Bemerkung passt, die auch auf Englisch funktionieren würde. Der Rest gehört mir. Es werden allerdings weitere Charaktere erwähnt, die © Disney sind, insgesamt sind das: Trick Duck, Track Duck, Tick Duck, Flitzbogen Quack, Morgana Makaber und Alfred Wirrfuß.

Die weiße Feder

Hallo Computer-Notizbuch,
Heute steht die erste Vorlesung an und ich kann sagen, dass ich froh bin, dass sie erst am Nachmittag stattfindet. Auf diese Art hatte ich die Möglichkeit auszuschlafen und werde zudem noch in der Mensa zu Mittag essen können – und das Essen hier ist erstaunlicher Weise tatsächlich essbar.

„Wenn du noch etwas essen willst, sollten wir uns aber beeilen!“, meinte Nicky.
„He, du sollst doch mein Notizbuch nicht lesen!“, wies sie Kiki zurecht.
„Und du sollst meine Fotos nicht durcheinanderbringen!“
Kiki musste grinsen, als Nicky auf das Regal mit den gerahmten Fotos diverser Jungs zeigte.
„Ich wollte nur sehen, ob die Drillinge wirklich ununterscheidbar sind. Warst du wirklich mit allen drei zusammen?“
„Ich war mal mit Trick zusammen. Und später mit Track. Und… Strenggenommen auch mit Tick, aber nur ganz kurz!“
„Also ja. Und sind sie wirklich überall gleich?“
„Was?“, fragte Nicky.
Kiki musste laut auflachen, als sie das ratlose Gesicht ihrer Mitbewohnerin sah.
„War nur ein Scherz!“, sagte sie, „Das interessiert mich doch nicht!“
„Ach das meinst du. Keine Ahnung!“
„Wie, keine Ahnung?“
„Ich weiß es einfach nicht!“
„Du hast nie mit ihnen…“
Nicky kicherte.
„Nein!“
„Und mit all den anderen…“
„Auch nicht!“
„Mit keinem? Noch nie?“
„Nein. Und du?“
„Ich auch nicht, aber… Ich hatte auch nicht so viele… Gelegenheiten!“
Nicky kicherte wieder.
„Jetzt müssen wir aber los!“

Die Mensa war voll und innerhalb kürzester Zeit fanden sich die Mädchen mit leeren Tabletts in einer langen Schlange wieder. Ein Stoß irgendwo hinter ihnen löste eine Kettenreaktion aus, in Zuge deren Kiki gegen ihren Vordermann prallte.
Der riesige Erpel drehte sich um.
„Was erlaubst du dir?“, fragte er.
„Glaub bloß nicht, dass ich mir mit Absicht den Schnabel angehauen habe!“, „entschuldigte“ sich Kiki.
Der junge Mann kniff die Augen zusammen.
„Du bist eine Ente, oder?“
„Sieht man das nicht?“
„Du wirkst ein wenig gelb. Sind deine Eltern auch Enten?“
„Soll das ein Witz sein?“
„Enten sind nicht gelb, außer in europäischen Zeichentrickserien. Du musst irgendwo einen anderen Vogel in der Familie haben!“
„Kann sein. Ja und?“
„Und? Wie ist dein Name!“
„Wie ist denn dein Name?“
„Ach, auch noch frech werden!“
„Sagt der Fremde, der persönliche Fragen stellt!“
„Kiki…“, versuchte Nicky einzugreifen, „Du…“
„Ich bin eine echte Ente. Ich kann dich fragen was immer ich will und bin dir keinerlei Rechenschaft schuldig!“, bestand der Mann.
„Ach ja? Wer sagt das?“, fragte Kiki.
„Die Biologie!“
„Das wäre mir neu!“
„Kiki, das ist…“, versuchte Nicky erneut zu unterbrechen.
„Kiki, hä? Und weiter?“
„Erst dein Name!“
„Wie du willst. Ich bin Patrick Thaddäus Narr III.!“
Gegen ihren Willen musste Kiki kichern.
„Findest du meinen Namen etwa lustig?“
„Ehrlich gesagt ja!“
Sie dachte einen Moment lang daran, eine Entschuldigung hinzuzufügen, kam aber zu dem Schluss, dass dieser Kerl sie nicht verdiente.
„Das Lachen wird dir noch vergehen!“
Der Erpel drehte sich wieder um und versuchte, zum Rest der Schlange aufzuholen.
„Was war das denn?“, fragte Kiki.
„Erinnerst du dich an die Federleser, die ich erwähnt habe?“
„Ja. Du hast mir nicht geantwortet als ich dich danach gefragt habe!“
„Sie selbst nennen sich ‚Die weiße Feder’. Eine Studentenverbindung. Politisch sind sie irgendwo am rechten Ende, aber wie du gesehen hast, beschränken sie sich nicht auf Politik!“
„Kann man sagen!“
„Der eben war ihr Anführer!“
„Oh!“
„Entschuldigung!“, bemerkte ein Schwein hinter Nicky, „Gehört das hier noch zur Schlange oder kann ich außen rum gehen?“

Die erste Vorlesung war mäßig interessant. Einführung in das Studium des Journalismus. Kiki war sich gar nicht sicher, ob sie wirklich Journalismus als Hauptfach wählen wollte. Die Alternativen waren allerdings auch nicht toll. Nun, das würde sie im nächsten Semester entscheiden. Zunächst galt es, dieses zu überleben.

Die Schwierigkeiten dabei zeigten sich auf dem Rückweg auf einem einsamen Flur des Hörsaalgebäudes.
„Kiki Gosalyn Erpel!“
Kiki drehte sich um und sah den jungen Mann vom Mittagessen.
„Woher kennst du meinen vollen Namen?“, fragte Kiki.
„Wir haben unsere Quellen!“
Beim Wort „wir“ hörte Kiki Schritte hinter sich und drehte sich erneut um. Zwei entenähnliche Schränke standen auf dem Flur.
„Gosalyn… das klingt nach Gans, findest du nicht?“, fuhr Narr fort.
„Ich habe den Namen von meiner Großmutter. Und die war eine Ente!“
„Na gut. Wir werden deinen Stammbaum durchsuchen und herausfinden, wo das Problem angefangen hat!“
„Wenn es euch Spaß macht!“
„Und dann werden wir entscheiden, ob du noch zu retten bist!“
Jetzt hatte Kiki endgültig genug.
„Ihr seid ja verrückt!“, rief sie, „Ich habe kein Problem und wenn ich eins hätte ginge euch das gar nichts an!“
„Die Erhaltung unserer Art geht uns sehr wohl etwas an!“
„Und wenn ich nicht zu ‚retten’ wäre?“
„Dann müssten wir dafür sorgen, dass sich das Übel nicht weiter verbreitet!“
Bildete Kiki es sich nur ein oder wurde es tatsächlich kälter im Flur?

„Und dann haben sie gesagt: ‚Dann müssten wir dafür sorgen, dass sich das Übel nicht weiter verbreitet!’!“, beendete Kiki ihren Bericht.
„Haben sie auch gesagt, wie sie das tun wollen?“, fragte Nicky.
„Nein. Nach diesem Satz sind sie gegangen. Alles was recht ist, aber die haben echt ein Rad ab!“
„Leider nicht nur die. Die Studentenverbindung ‚Die weiße Feder’ ist nur ein Ableger einer gleichnamigen politischen Organisation in dieser Stadt. Geführt von…“
„Lass mich raten: Patrick Thaddäus Narr II.?“
„Genau. Sie finden in dieser Stadt kaum Gleichgesinnte, also haben sie sich darauf verlegt, den Leuten Angst zu machen!“
„Klingt als wären die Burschen richtig gefährlich!“
„Man sollte vermeiden, ihnen an einsamen Plätzen zu begegnen!“
„Gibt es noch andere… Organisationen von denen man wissen sollte?“
„Nein. Obwohl… Die Omegas vielleicht!“
„Omegas?“
„Du kennst den Satz: Ich bin das A und das O, ich bin der Anfang und das Ende?“
„Habe davon gehört!“
„Sie sagen, das Ende, also das O beziehungsweise Omega, wäre eigentlich der Gegenspieler des Anfangs, bzw. A oder Alpha!“
„Ah. Satanisten!“
„Genau. Früher haben sie entführte Haustiere geopfert. Als das letztes Jahr herauskam hat man den Verein aufgelöst. Seit der Neugründung unter neuer Leitung scheinen sie sich korrekt zu verhalten!“
„Sie haben Haustiere geopfert? Kanarienvögel und Meerschweinchen und so?“
„Vor allem Katzen und Hunde!“
„Uh…“

Der Rest des Tages verging ohne weitere Zwischenfälle. Der erste Zwischenfall des nächsten Tages war eine menschliche Siamkatze, die aus einem offenen Fenster direkt vor Kikis Füße fiel.
Kiki war gerade unterwegs zu ihrer zweiten Vorlesung, als sie den Schrei hörte. Sie blickte nach oben, zu den Fenstern des Wohnheims, in dem auch sie untergebracht war und sah einen schwarzen Körper aus einem Fenster im ersten Stock fliegen. Die Flugbahn ließ nur eine mögliche Ursache für den Flug zu – der Körper war geworfen worden. Bei der Landung stellte er sich als der einer jungen weiblichen Siamkatze heraus.
„Alles in Ordnung?“, fragte Kiki.
„Glaube schon!“, antwortete die Katze und richtete sich auf. Sie schüttelte ihr schwarzes Haar.
Kiki hielt ihr eine Hand hin. Die Katze ergriff sie und zog sich hoch.
„Wer war das?“
„Federleser!“, antwortete die Katze, „Ich fürchte, sie haben etwas über mich gehört, was ihnen nicht gefallen hat!“
Kiki musste grinsen.
„Irgendwo einen Tiger in der Familie?“, fragte sie scherzhaft.
„Nein, es geht in eine andere Richtung!“
Ein CD-Ständer samt Inhalt verfehlte die Katze nur knapp.
„Die werfen all meine Sachen raus!“
Nicht zum ersten Mal, seit sie Narr begegnet war, wünschte sich Kiki, sie hätte das Flitzbogen-Quack-Kostüm schon ausgepackt. Aber dann hätte Nicky es sicher gesehen und so gut kannte sie ihre Mitbewohnerin auch noch nicht.
Also blieb nur die zweitbeste Möglichkeit. Sie griff in ihre Tasche, holte ihr Handy hervor und wählte eine Nummer.
„Campuspolizei, Notruf!“, meldete sich eine Männerstimme.
„Im Wohnheim beim Hörsaalgebäude wird gerade ein Zimmer verwüstet!“
„Wir sind unterwegs!“
Ein CD-Player folgte dem Weg seiner Software und seiner Besitzerin.
Dann kam nichts mehr.
Dafür verließen drei Erpel, Kiki kannte keinen von ihnen, kurz darauf das Haus und machten, dass sie wegkamen. Kiki erwog, ihnen zu folgen, entschied sich dann aber dagegen.
Bald darauf erschien die Campuspolizei.
„Wer hat uns gerufen. Welches Zimmer ist es?“, fragte ein Polizist.
„Ich!“, antwortete Kiki, „Das da!“
„Ist das Ihr Zimmer?“
„Nein, es gehört…“
„Jen!“, half die Katze aus, „Jen Xianpu!“
„Xianpu. Gut, Fräulein Xianpu, dann führen sie uns doch mal dorthin!“

Das Zimmer war eine einzige Katastrophe. Es war genauso aufgebaut, wie das, das Kiki und Nicky bewohnten, doch es machte den Eindruck, als würde nur eine Person darin wohnen. Vor allem, weil nur eines der Betten über eine Matratze verfügte. Diese war mit einer großen Klinge mehrfach aufgeschlitzt worden. Von Postern, die die Wände geziert hatten, verrieten übriggebliebene Ecken lediglich die Hintergrundfarbe (leuchtend violett). Der Kleiderschrank war geöffnet und Jeanshosen und -jacken lagen überall verstreut. Die Unterwäscheschublade schien nicht angerührt worden zu sein, was Kiki angesichts der Täter nicht überraschte. Der Teppich war ebenso bearbeitet wie die Matratze und das Bettzeug, ein Haufen Bücher lag auf dem Boden. Der Computer war eingeschaltet und es war deutlich zu sehen, dass ein Löschprogramm gerade dabei war, die ganze Festplatte zu leeren.
Das hatte auch Jen bemerkt.
„O nein!“, rief die Katze, „Nein, nein, nein, nein das darf nicht…“
Sie setzte sich an den PC und begann wie wild auf die Tastatur einzutippen. Als das nicht half bückte sie sich zum Boden und zog den Stecker.
„Würde etwas gestohlen?“, fragte ein Polizist.
Jen sprang ruckartig auf, lief zum Kleiderschrank, öffnete eine Schublade und durchwühlte ihre Unterwäsche. Erst als sie ein kleines Holzkästchen hervorgeholt und einen kurzen Blick hineingeworfen hatte, atmete sie aus.
Sie sah sich im Zimmer um.
„Nein. Es scheint alles da zu sein, bis auf das, das sie aus dem Fenster geworfen haben!“
„Also nur Vandalismus!“
„Und versuchte Körperverletzung!“, mischte sich Kiki ein, „Sie haben sie aus dem Fenster geworfen!“
„Stimmt, das auch!“, bestätigte Jen und verstaute das Kästchen wieder.
„Kannten Sie die Täter?“
„Nein. Aber sie gehörten zur weißen Feder!“
„Haben sie das gesagt?“
„Nein!“
„Haben sie entsprechende Kennzeichen getragen?“
„Nein!“
„Woher wissen Sie dann, dass sie zu dieser Organisation gehörten?“
„Sie… haben sich so ausgedrückt. Sprachen von Schande, Verrat an meiner Spezies und so weiter!“
„Haben Sie eine Ahnung, warum sie Sie als Ziel ausgesucht hatten?“
„Nun ja… Nein, eigentlich nicht!“
„Also nein. Können Sie die Täter beschreiben?“
„Sie waren zu dritt. Erpel. Schon älter, bestimmt viertes oder fünftes Semester. In Sportkleidung…“
„Welche Art von Sportkleidung? Trikots?“
„Jogginganzüge!“, erinnerte sich Kiki.
„Ja, genau. Und einer hatte ein großes Messer dabei!“
„Haarfarbe, Augenfarbe?“
„Keine Haare. Auf die Augen habe ich nicht geachtet!“
„Irgendwelche besonderen Kennzeichen?“
„Nein. Nein, da ist mir nichts aufgefallen!“
„Na gut, dann müssen wir jetzt noch Ihre Personalien aufnehmen!“

Und so kam es, dass Kiki zu spät zu ihrer Vorlesung kam.
Diesmal war die Vorlesung vormittags, so dass sie anschließend in die Mensa ging um dort zu Mittag zu essen. Es war nicht schwer, Jen Xianpu zu entdecken, die allein an einem Tisch saß und an einem Haufen Zettel verzweifelte.
„Was ist los?“, fragte Kiki.
„Die haben mir einen Haufen Zeug gelöscht!“, erklärte Jen, „Ich sehe gerade nach, was ich davon noch auf Papier habe!“
„Hast du schon eine neue Matratze?“
Es war eine bescheuerte Frage, aber Kiki fiel einfach keine bessere ein.
„Nein, aber bis heute Abend soll ich eine bekommen!“
Kiki setzte sich.
„Du… Du weißt doch, warum sie bei dir waren, oder?“
„Ja!“
„Warum hast du es den Polizisten nicht gesagt?“
„Ich… Ich weiß ja, diese Gegend gilt als tolerant, und die einzigen, vor denen ich mich fürchten müsste wissen ohnehin bescheid, aber… Ich muss mich erst daran gewöhnen, darüber sprechen zu können!“
„Ich verstehe!“

„Das sind deine Eltern?“, fragte Jen.
„Mehr oder weniger!“, antwortete Kiki, „Morgana ist nur meine Stiefmutter. Na ja… Mehr oder weniger!“
„Mehr oder weniger?“
„Paps ist auch nicht wirklich mein Vater. Ich bin adoptiert!“
„O. Was ist mit deinen Eltern passiert?“
„Genau weiß ich es nicht. Irgendeine Art von Unfall. Ich kann mich nicht an sie erinnern. Ich bin bei meinem Großvater aufgewachsen!“
„Und dann ist er gestorben!“, vermutete Jen.
„Ja!“, antwortete Kiki, obwohl es nicht ganz der Wahrheit entsprach.
„Und wer ist der Typ da?“
„Unser Mitbewohner. Bevor Paps und Morgana geheiratet haben war etwas Hilfe im Haushalt unumgänglich!“
„Und etwas sagt mir, dass du daran nicht ganz unschuldig warst!“
Kiki musste lachen.
„Stimmt!“
„Und das ist deine kleine Schwester?“
„Ja!“
Mehr oder weniger, dachte Kiki beim Anblick des retuschierten Fotos. Das dritte Auge hatten sie wirklich gut verdeckt.
Und das vierte sogar noch besser.
„Und wer ist das hier?“
„O, das ist Alfred. Mein Freund!“
Jen betrachtete das Bild.
„Die Federleser wären gar nicht glücklich, wenn sie das sehen könnten!“
„Nein, mit Sicherheit nicht!“
Beide lachten.
„Was ist denn hier los?“, fragte Nicky, die gerade hereinkam.
„Nicky, das ist Jen, Jen, das ist meine Mitbewohnerin Nicky!“
„Angenehm!“
„Angenehm!“
„Jen hatte heute Morgen einen ziemlich üblen Zusammenstoß mit unseren Farbexperten!“
„O, das tut mir leid!“
„Mir ist nichts passiert. Nur mein Zimmer ist hin!“
„Schlimm genug. Kümmert sich die Polizei bereits darum?“
„Natürlich. Aber es wird eine Menge Arbeit kosten, die gelöschte Festplatte zu restaurieren!“
„So lange du nichts neues speicherst bleibt alles da!“, erklärte Kiki, „Mit Computern hatte ich schon öfter zu tun. Man braucht nur einen Experten, der es wieder sichtbar macht. Zuhause hat das Alfred gemacht!“
„Da wüsste ich schon jemanden!“, meinte Nicky, „Aber seit wann löschen die Federleser denn Festplatten?“
„Wahrscheinlich wollten sie die Beweise vernichten!“, vermutete Jen, „Sie haben mir Droh-E-Mails geschickt!“
„Warum hast du das nicht der Polizei erzählt?“, fragte Kiki, „Die lassen sich doch sicher zurückverfolgen!“
„Ich… ich hatte Angst, dass die Polizisten sie lesen. Sie sind sehr… detailreich!“
„Unser Experte kann auch das Zurückverfolgen übernehmen. Und wenn du es nicht willst, wird er sie nicht lesen!“

Möglich, dass es am Nachnamen lag, aber wer William Squid ansah, hatte unweigerlich das Gefühl, einen Tintenfisch zu sehen. Vielleicht waren es die Arme des Warans, die einen gelenklosen Eindruck machten, vielleicht waren es die Glubschaugen, oder auch die Kleidung, die kaum von seiner Haut zu unterscheiden war.
Auf jeden Fall, war er gut.
„Fertig!“, verkündete er.
„Schon?“, fragte Jen begeistert, „Du hast schon alles wiederhergestellt?“
„Nein!“
„Nein?“
„Nein, ich habe alles wiederhergestellt, und herausgefunden, dass sich hinter der Adresse unbedingtöffnen@kmf.com der Computer der Weißen Feder verbirgt!“
„Damit haben wir den Beweis!“, sagte Kiki zufrieden.
„Allerdings nützt uns das nichts, wenn wir ihn nicht vorlegen!“, gab William kühl zu bedenken, „Und dann wird die Polizei alles lesen, das ich nicht lesen durfte. Nun, das ist euer Problem, meine Pflicht ist getan!“
„Ja, danke Bill!“, meinte Nicky beiläufig, „Was machen wir denn nun?“
„Vielleicht findet die Polizei Fingerabdrücke!“, schlug Kiki vor.
„Die sucht gar nicht!“, widersprach Jen, „Der Fall ist angeblich zu banal um die Spurensicherung zu rufen!“
„Banal?“, fragte Kiki, „Sie haben dich aus dem Fenster geworfen!“
„Aber mir ist nichts passiert. Außerdem sind zumindest auf der Tastatur wohl keine Abdrücke mehr zu finden!“
„Das stimmt!“
William hatte inzwischen das Zimmer verlassen. Draußen begann es, dunkel zu werden.
„Die neue Matratze ist auch noch nicht da!“, stellte Kiki fest.
„Dann schlafe ich heute Nacht wohl auf dem Boden!“
„Oder du drehst die Matratze einfach um. Bequemer als der Boden ist das bestimmt!“
„Ja, das ist auch eine Idee!“
„Hast du keine Angst, dass sie heute Nacht wieder kommen?“, fragte Nicky.
„Daran hatte ich noch gar nicht gedacht. Das ist der Nachteil eines Einzelzimmers. Es ist niemand da, der aufpasst!“
„Du schläfst bei uns!“, entschied Nicky.

Kiki schlief tief und fest. Als Tochter eines maskierten Verbrechensbekämpfers hatte sie gelernt, sich durch Drohungen nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Trotzdem erwachte sie, als sie ein lautes Scheppern hörte.
Und sah Jen, die an der offenen Tür stand, umgeben von ein einem Eimer und einigen Konservendosen.
„Ups!“, meinte Nicky, „Das sollte uns eigentlich wecken, falls jemand hereinkommt. Ich habe vergessen, euch zu warnen, oder?“
„Sieht so aus!“, antwortete Jen, „Wenn man bedenkt, dass ihr hier drinnen keine Toilette habt, ist das schon wichtig!“

Dieser nächtliche Zwischenfall war der letzte seiner Art, doch er gab Kiki zu denken. Wenn Nicky den Federlesern zutraute, hier nachts einzudringen, dann sicher nicht grundlos. Und immerhin hatten sie Jen aus dem Fenster geworfen. Na gut, Jen war eine Katze und Katzen gingen aus solchen Stürzen meist unverletzt hervor, aber es zeugte von einer gewissen Brutalität. Ja, es wurde Zeit, etwas zu unternehmen. Ob mit Flitzbogen-Quack-Kostüm oder ohne.

„Das hier ist also das Hauptquartier der weißen Feder?“, fragte Kiki.
„Der Studentenverbindung!“, antwortete Nicky, „Die große weiße Feder sitzt woanders!“
„Und was ist das für ein Gebäude?“
„Es sieht seltsam aus, nicht wahr? Patrick Thaddäus Narr I. hat es bauen lassen. Die viereckige Form steht für Rationalität, die rote Farbe für Blut und das weiße Dach… Ihr könnt es euch vorstellen!“
„Woher weißt du so viel darüber?“, wollte Jen wissen.
„Von Professor Mac. Er hat letztes Jahr noch eine zweite Führung im Semester gemacht und dabei sind wir auch hier vorbeigekommen. Bei der Gelegenheit bezeichnete er die Federleser als ‚Gehirnprothesenträger, die ihre Prothesen vergessen haben’!“
„Der Mann wird mir immer sympathischer!“, stellte Kiki fest.
„Ich glaube am Freitag hast du eine Vorlesung bei ihm. Ethik im Journalismus!“
„Und ist das Gebäude irgendwann mal leer?“
„Die Federleser sind über alle Fächer verteilt. Kann sein, dass irgendwann alle weg sind, aber das weiß ich nicht. Du hast doch nicht vor, dort einzubrechen, oder?“
„Na hör mal. Traust du mir das etwa zu?“
„Um ehrlich zu sein, ja. Ich persönlich habe ja nichts dagegen, wenn sich da drin mal jemand umsieht, aber… Du weißt schon!“
„Ja. Aber mal rein theoretisch, wenn jemand dort einbrechen wollte, wann könnte er das am besten anstellen?“
„Während der Mittagszeit sind die Federleser meist in der Mensa, sie haben so etwas wie einen reservierten Tisch, der…“
„He!“
Drei Erpel, zwei davon erkannte Kiki als Narrs Begleiter, hatten sich dem Gebäude genähert.
„Was macht ihr hier?“, fragte einer.
„Wir… sehen uns die Stadt an?“, versuchte es Kiki.
„Dich kenne ich doch, du bist doch die Schmutzfeder, mit der wir neulich zusammengerasselt sind!“
„Und die Katze kennen wir auch!“
„Und die Puppe da… Irgendwo habe ich die schon mal gesehen!“
„Lasst uns verschwinden!“, schlug Nicky vor.
„Warum?“, fragte Kiki, „Ich habe doch keine Angst vor denen!“
„Trotzdem. Wir gehen einfach weg, ja?“
„Na gut, wenn du meinst…“

„Kannst du mir jetzt mal erklären, warum wir vor denen geflohen sind?“, fragte Kiki zurück im Zimmer.
„Weil ich befürchtet habe, dass mich der eine erkennt!“, gab Nicky zu.
„Ja und?“
„Sie haben mal versucht…“
„Dich anzuwerben?“
„Das nicht, sie nehmen nur Männer auf. Aber sie wollten, dass ich mit einem von ihnen gehe!“
„O. Und du hast abgelehnt, nehme ich an!“
„Nicht nur das. Ich fürchte, ein paar von ihnen werden sich noch in Jahren an mich erinnern!“
„Ach so… Sag mal, Jen, wollten wir nicht nach der Matratzen sehen?“
„Nein!“, antwortete Jen.
„Doch, ich bin mir ganz sicher, das wollten wir!“

Kurz darauf in Jens Zimmer:
„Die Matratze ist noch immer nicht da!“
„Egal!“, befand Kiki, „Die brauchen wir nicht!“
„Du willst bei den Federlesern einbrechen, oder?“, fragte Jen.
„Ja!“
„Und deine Mitbewohnerin soll das nicht wissen!“
„Zumindest soll sie es nicht absolut sicher wissen!“
„Und was willst du dort?“
„Was man als Journalist macht: Eine Story suchen. Und ein paar Fotos machen!“
„Hattest du schon eine Vorlesung in Ethik im Journalismus?“
„Nein!“
„Presserecht?“
„Nein. Machst du nun mit oder nicht?“
„Wann und wo?“

Am nächsten Mittag trafen sich Kiki und Jen in einer kleinen Gasse zwischen dem Hauptquartier der weißen Feder und dem Nachbargebäude.
„Wie siehst du denn aus?“, fragte Kiki.
Jen trug eine Art enges schwarzes Kostüm und eine Flieger- oder noch eher Taucherbrille.
„Ich dachte, bei einem Einbruch trägt man schwarz!“
„Ja. Nachts. Nicht am Mittag!“
„Immerhin bin ich getarnt!“
Kiki atmete einmal kräftig durch.
„Ja. Na gut, an die Arbeit!“

Der Plan stand bereits. Mit einem simplen Wurfanker gelangten die beiden auf das Dach. Das Dachfenster, das Kiki schon beim ersten Auskundschaften entdeckt hatte, stand auf Kipp, sodass sie hineingreifen und es ganz öffnen konnte.
„Hereinspaziert!“, sagte sie und Jen glitt hinab in den Treppenflur.
Kiki folgte.
„Sehen wir uns erst oben oder unten um?“, fragte Jen.
„Erst oben, dann ist unser Fluchtweg kürzer. Runter gehen wir erst, wenn wir sicher wissen, dass niemand da ist!“
Vorsichtig öffnete Kiki die nächst beste Tür. Sie gehörte zu einer Art Bibliothek. Es war keine große Bibliothek, nur ein kleiner Raum mit ein paar Regalen voller Bücher und einem Buchständer, an den ein weiteres gekettet war.
„Das ist sicher interessant, aber nichts, für das man jemanden anklagen kann!“, stellte Kiki fest.
„Hm… Kiki?“, fragte Jen zögerlich.
„Ja?“
Hinter der nächsten Tür befand sich ein völlig unverdächtiger Fitnessraum.
„Vielleicht sollten wir wieder gehen!“
„Warum denn das?“
Der nächste Raum war ein Badezimmer.
„Vielleicht ist das hier eine Falle!“
Kiki lachte.
„Wie kommst du denn darauf?“
Eine Küche.
„Ehrlich gesagt, ich bin der Köder!“
„Was?“
Kiki brauchte ein paar Momente, um zu begreifen, was Jen da gerade gesagt hatte.
„Ich wollte das nicht, ehrlich, ich meine, sie haben mich gezwungen, sie haben mir gedroht…“
„Offenbar haben unsere Drohungen nicht ausgereicht!“
Kiki drehte sich um und sah ein paar Erpel die Treppe hinaufsteigen.
Sofort sprang sie in Richtung Dachfenster, nur um zu sehen, wie es ihr ein weitere Erpel vor dem Schnabel zuschlug.
„Jen, du…“
„Es tut mir Leid, ehrlich!“
„Das“, begann Narr, der nun hinzukam, „wird dir noch viel mehr leid tun!“

Ein paar Minuten später fanden sich Kiki und Jen in einer unangenehmen Situation wieder. Sie befanden sich im Keller. Jede von ihnen lag auf einer harten hölzernen Bank, die nur durch eine dünne, abwaschbare Tischdecke gepolstert war. Die Ketten, die sie hielten, zerrten ihre Gliedmaßen in vier verschiedene Richtungen.
„Was soll das?“, fragte Jen ängstlich, „Ich habe getan was ihr wolltet, ihr habt Kiki, was wollt ihr denn noch?“
„Du hast versucht, sie zu warnen!“, antwortete Narr.
„Aber da war es doch schon zu spät!“
„Trotzdem hast du es versucht. Unser Geschäft ist gescheitert!“
Die Erpel grölten zustimmende Kommentare.
„Lasst uns allein!“, wies Narr an.
Alle Männer außer Narr und einem weiteren Erpel verließen den Keller.
„Was geht hier vor?“, wollte Kiki wissen, „Warum hast du… diese Person auf mich angesetzt!“
Jen wandte das Gesicht ab.
„Eigentlich hat es schon angefangen, als wir dich gesehen haben. Unser Zusammenstoß war kein Zufall, den haben wir arrangiert. Als wir feststellten, dass diese Schnüfflerin Nicky mit einer Schmutzfeder zusammenlebt, haben wir geahnt, dass das nichts Gutes bedeuten konnte!“
„Schnüfflerin?“, fragte Kiki.
„Sie war mit mir zusammen, nur um uns auszuspionieren!“, rief der zweite Federleser, der noch anwesend war.
Jetzt begriff Kiki. Nicky hatte bei der weißen Feder verdeckt ermittelt, aber das hatte sie vor Jen natürlich nicht sagen können.
„Jen berichtete uns, dass du offenbar nicht mehr gegen uns hast, als andere Schmutzfedern!“, fuhr Narr fort, „Aber sie erzählte uns auch von deinem Freund. Und als wir dann durch sie von deinem Plan, hier einzubrechen erfuhren, stand unser Plan fest!“
„Du… du miese Verräterin, du feige…“
„Ja, genau das ist sie. Sie ist unzuverlässig. Wir werden uns auch um sie kümmern müssen!“
„Warum interessiert es euch denn, wer mein Freund ist? Ist es euch so wichtig, welche Farbe die Federn irgendwelcher Leute haben, die mit euch sowieso nichts zu tun haben wollen?“
Narr lachte.
„Es geht doch nicht um die Farbe!“, erklärte er, „Die ganzen Sprüche sind für die Fußtruppen da draußen. Nein, es geht um Demokratie!“
„Um Demokratie?“
„Genau. Demokratie bedeutet Herrschaft des Volkes. Herrscht in unserem Land das Volk? Nein. Es herrschen gewählte Vertreter, die, einmal gewählt, machen was sie wollen. Es gibt verschiedene Gruppierungen im Parlament, denen in ihren Machtkämpfen jeder Sinn für den Inhalt der Debatte verloren geht. Versteht ihr das?“
„Ich verstehe nicht, was es mit euch zu tun hat!“
„Dafür müssen wir einen Schritt weiter gehen. Eine logische Folgerung aus dem Problem wäre der Umstieg auf Volksentscheide. Dann würde das Volk über alles herrschen. Würde es das? Nein. Die Mehrheit würde über alles herrschen. Die Minderheit würde unterdrückt. Die Herrschaft des Volkes kann nur funktionieren, wenn das Volk mit einer Stimme spricht. Echte Demokratie ist nur möglich, wenn alle gleich sind. Nur so wird niemand unterdrückt!“
„Aber das ist nicht möglich. Die Menschen sind nun einmal verschieden. Das könnt ihr nicht ändern!“
„Nein. Aber wir können dafür sorgen, dass wenigstens alle in diesem Land gleich sind. Die Mehrheit, also die Enten, wird sich selbst beherrschen. Die Minderheit wird es nicht mehr geben!“
„Die Enten sind nicht die Mehrheit!“, widersprach Kiki.
„Nicht absolut, aber relativ. Wir sind die größte Gruppe. Und wenn alle anderen Gruppen verschwunden sind…“
„Dann sind noch immer nicht alle gleich. Nur weil alle Enten sind, müssen sie nicht alle dasselbe wollen!“
„Natürlich nicht. Und da setzt die eigentliche Arbeit ein. Sie müssen begreifen, dass sie zusammen gehören. Begreifen, dass die Gemeinschaft wichtiger ist, als der einzelne. Wenn jeder das weiß, dann sind sie alle gleich. Die Entfernung der anderen Rassen dient nur dazu, die Einheitlichkeit zu verdeutlichen und zu erleichtern!“
„Du willst keine Demokratie. Du willst, dass alle deinem Weg folgen!“
„Aber genau darum geht es doch. Wenn man alle vereinen will, dann am besten durch eine Ideologie der Einheit -  nach innen wohlgemerkt, nach außen müssen wir uns abgrenzen, damit es funktioniert. Wenn dann erst einmal alle das gleiche wollen, kann man auch wieder Volksvertreter einsetzen. Denn dann vertreten sie wirklich das Volk!“
„Aber ich bin keine Ente!“, rief Jen verzweifelt, „Ich habe mit der ganzen Sache nichts zu tun. Ich meine… Meine Ausrichtung wäre doch sogar hilfreich um die Katzen loszuwerden, oder? Mich zu töten wäre völlig widersinnig!“
„Mag sein. Aber hier geht es ums Prinzip. Außerdem wollen wir euch nicht töten!“
„Nicht?“, fragte Jen überrascht.
„Nein. Frank hier ist Medizinstudent. Hauptfach Gynäkologie, Nebenfach Veterinärmedizin. Er kann das Problem ganz einfach lösen!“
Kiki sah entsetzt zu, wie sich der Student die Gummihandschuhe überstreifte.
Plötzlich schrillte die Türklingel.
„Die anderen werden nachsehen, was los ist!“, befand Narr, „Fang an!“
Frank öffnete eine Tasche und holte eine Art Zange heraus.
„Bekommen wir denn keine Betäubung?“, fragte Jen.
„Erst hinterher. Aber die wird dann ausreichen, damit von euren Erinnerungen an diesen Tag nichts übrig bleibt!“
Die Kellertür öffnete sich.
„Da draußen ist die Campus-Sicherheit. Die wollen dich sprechen!“, rief jemand.
„Ich komme. Frank, pass so lange weiter auf!“
„Wir sind hier!“, rief Kiki, „Im Keller!“
Schnell schlug Narr die Tür von außen zu.
Aber nicht schnell genug, um die Katze aufzuhalten. Dieses Mal war es eine tierische Katze. Schwarz und geschmückt mit einer rosa Schleife.
„Was willst du hier, du blödes Vieh?“, fragte Frank.
Die Katze rollte sich auf den Rücken und schnurrte.
„Egal. Der Raum ist ohnehin nicht steril!“
Der Medizinstudent wandte sich wieder seiner Tasche zu. In dem Moment handelte die Katze. Sie lief zu Kikis Bank, sprang hinauf und legte den Kopf in ihre rechte Hand.
„Ähm… Das ist vielleicht nicht der richtige Moment um…“
Die Katze drehte ihren Hals, so dass Kiki die Schleife zwischen den Fingern spürte. Und etwas darin. Etwas aus Metall.
„An die Katze wirst du dich auch nicht mehr erinnern!“, bemerkte Frank.
Kiki zog das Objekt aus der Schleife. Es fühlte sich an wie ein Schlüssel. Es konnte nicht der Schlüssel zu den Ketten sein, oder? Und selbst wenn – sie kam an keines der Schlösser heran. Vielleicht an das der rechten Hand, wenn sie den Schlüssel so zwischen die Finger klemmte… Ja, das ging. Aber konnte sie den Schlüssel auch umdrehen?
Nein. Unmöglich. Jetzt rieb die Katze ihren Kopf an dem Schlüssel. Das Tier wollte doch nicht etwa… Nein, völlig unmöglich. Doch. Es drehte den Schlüssel um. Kikis Hand war frei.
„Noch einen Moment!“, sagte Frank.
Was nun? Wenn Frank sah, dass sie die Hand bewegte, würde er sie einfach wieder fest ketten. Sie musste ihn außer Gefecht setzen. Ihn mit etwas bewerfen… Aber sie hatte nichts. Außer…
„Tut mir Leid, Kätzchen!“
„Hm?“, fragte Frank und drehte sich zu Kiki. Diese packte die Katze und warf.
„Aaahh!“
Mit der fauchenden Katze im Gesicht stolperte der Federleser rückwärts, während Kiki erst ihre linke Hand und dann die Beine befreite. Jen, die die letzten Minuten damit verbracht hatte, die Augen krampfhaft geschlossen zu halten, öffnete diese nun. Erst sah sie Kiki erstaunt an, dann fiel ihr Blick auf Frank, von dem sich die Katze nicht mehr löste, obwohl sie sich beruhigt zu haben schien.
„O!“, sagte sie leicht enttäuscht, „Du hast sie gemeint!“
„Bei dir entschuldige ich mich bestimmt nicht!“
Ein Schlag in die Magengrube und einer in den Nacken genügten, um den Angehörigen der weißen Feder außer Gefecht zu setzen. Die Katze hatte Kiki den Wurf offenbar verziehen und strich schnurrend um ihre Beine.
„Woher kommst du, hm?“, fragte die Rothaarige und begann, Jens Ketten aufzuschließen.
„Danke!“, begann Jen, „Ich…“
„Ich will kein Wort hören. Offenbar ist Narr noch immer beschäftigt. Wir sollten hier heraus kommen, ehe er zurückkommt!“
„Da ist ein Fenster!“
„Stimmt. Wenn wir eine Bank darunter stellen und sich eine auf die Schultern der anderen stellt, können wir es öffnen!“
„Ich passe leichter durch!“, sagte Jen, „Ich stehe oben!“
„Und dann haust du ab, ja?“
„Nein!“
„Aber wenn Narr im falschen Moment zurückkommt!“
„Nein. Ehrlich nicht!“
„Na gut!“
Die beiden Studentinnen schoben Jens Bank an die Wand und Kiki stellte sich darauf. Jen stieg auf ihre Schultern und öffnete das Fenster.
„Hier seid ihr!“, hörte Kiki Nickys Stimme sagen, „Kommt rauf, ich weiß nicht, wie lange wir Narr noch beschäftigen können!“

Bald darauf waren Kiki und Nicky wieder in ihrem Zimmer.
„Dann hat die Katze dich befreit?“, fragte Nicky.
„Es klingt seltsam, aber so war es!“
„Woher wusste sie, wo ihr seid?“
„Ganz ehrlich: Das ist die letzte Frage, die ich mir stelle. Aber woher wusstest du, wann wir dort waren?“
„Sagen wir so, ich habe Jen im Auge behalten. Als sie dieses bizarre Kostüm trug, wusste ich, wohin sie wollte. Ich bin hingegangen, und als ihr nach einiger Zeit noch immer nicht aufgetaucht seid, habe ich das Team gerufen. Das hat Narr abgelenkt, während ich um das Haus geschlichen bin und durch die Fenster gesehen habe. Und ganz aus Versehen haben sie die Katze rein gelassen!“
„Du hast Jen beobachtet, weil du geglaubt hast, wir würden erwischt?“
„Eigentlich habe ich sie beobachtet, weil ich ihr nicht traute. Auch die Dosenfalle war eigentlich für sie!“
„Warum hast du ihr nicht getraut?“
„Zunächst kam mir nur der Zufall verdächtig vor. Dass die Federleser dir jemanden vor die Füße werfen, nachdem du kurz zuvor mit ihnen zu tun hattest. Als Jen sagte, sie habe der Polizei nichts von den Drohungen gesagt, schöpfte ich ernsthaft Verdacht. Der entscheidende Hinweis war dann, dass die Polizei nicht nach Fingerabdrücken suchte. Ich erkundigte mich und erfuhr, dass Jen den Einbruch gar nicht angezeigt hatte!“
„Nun, es hat trotzdem funktioniert. Was ich jetzt über die Federleser weiß…“
„Hast du nur durch einen Einbruch bei ihnen erfahren!“
„Ja gut, aber… Sie wollten doch, dass ich bei ihnen einbreche!“
„Das wusstest du aber nicht. Wenn du meinen Rat hören willst, behalte dein Wissen in der Hinterhand. Dann bist du vielleicht eine Weile vor ihnen sicher!“
„Was hast du eigentlich der Campussicherheit erzählt?“
„Nur, dass Narr im Einbruchsfall befragt werden muss!“
Ein zaghaftes Klopfen verriet, dass jemand vor der Tür stand.
Kiki öffnete.
Vor der Tür stand Jen Xianpu. Kiki schloss sie wieder.
„Kiki?“, hörte sie gedämpfte Stimme der Katze, „Kiki, bitte verzeih mir. Es tut mir wirklich leid. Sie haben mich bedroht!“
„Verschwinde, oder sie sind nicht mehr die einzigen!“
„Aber…“
„Verschwinde!“
Eine halbe Minute herrschte Schweigen.
Dann öffnete Kiki die Tür. Niemand war mehr da.
„Ich glaube, es tut ihr wirklich leid!“, sagte Nicky.
„Ja. Aber das reicht nicht!“
„Immerhin hat sie versucht, dich zu warnen, auch wenn es zu spät war!“
„Aber nur, weil sie mich zufällig mag!“
Kiki schloss die Tür wieder und erneut herrschte Schweigen
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