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Darkwing Duck - Magic Arrows: Tri-City

GeschichteAllgemein / P6
11.02.2009
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Disclaimer: Kiki und Nicky sind © Disney. Ebenso der Name Tri-City, wenn auch nicht die von mir beschriebene Stadt (Ich hatte einen Grund, diesen Namen zu verwenden). Der Rest gehört mir. Es werden allerdings weitere Charaktere und Orte erwähnt, die © Disney sind, insgesamt sind das: Quack, Morgana Makaber (es geht aus der Geschichte nicht hervor, aber sie hat ihren Mädchennamen behalten), Alfred Wirrfuß, St. Erpelsburg, Dagobert Duck, Entenhausen, Megavolt, Fiesoduck, Torro Bulba und Darkwing Duck.

Tri-City

Hallo Computer-Notizbuch,
Ich nenne dich Notizbuch, weil ich Tagebücher nicht ausstehen kann und es für eine gute Idee halte, alles festzuhalten, was mir hier passiert.
Mein Name ist Kiki Erpel und ich bin seit wenigen Tagen eingeschriebene Studentin an der Universität von Tri-City. Paps hat es umgehauen als die positive Antwort auf meine Bewerbung kam, aber nicht so sehr wie mich. Was er nämlich nicht wusste ist, dass ich mich gar nicht in Tri-City beworben hatte. Oder an irgendeiner Universität. Ich hatte mich nur an Colleges beworben und die Ablehnungen vor meinem Vater versteckt.  Und hinterher habe ich ihm natürlich auch nichts gesagt.
Ich ließ  mich also von Quack herfliegen und schrieb mich ein. Für Journalismus. Nun, warum nicht? In der Schule habe ich das schließlich ganz gut hingekriegt.
Kaum waren die Formalitäten erledigt kam die nächste Überraschung: Ich bekam ich sogar ein Zimmer in einem der Wohnheime der Uni. Groß, fertig eingerichtet, in den Regalen ist genug Platz für meinen Krempel und dieser Computer stand auch von Anfang an bereit.
Nicht mehr zu Hause zu wohnen ist nicht so seltsam, wie es zuerst klingt. Wahrscheinlich werde ich sie nach einiger Zeit alle vermissen.  Meinen Vater, meine Stiefmutter (Ich nenne sie hier Stiefmutter, weil das das Beste ist, was mir einfällt. Du musst wissen, dass mein Vater mich adoptiert hat, bevor er sie überhaupt kannte. Außerdem könnte ich Morgana nie als meine Mutter betrachten.), Quack, unseren… Mitbewohner, Alfred, meinen Freund (das heißt, derzeit ist er nicht mein Freund, aber morgen oder übermorgen nehme ich die Beziehung wieder auf, oder spätestens nächste Woche) und sogar Maya, meine, nun, ich kann wohl sagen Schwester.
Aber derzeit bin ich eigentlich ganz froh, sie alle los zu sein. Außerdem  gefällt es mir hier. Die Stadt ist großflächig aber geräumig, wahrscheinlich weil sie aus drei zusammengewachsenen Städten besteht, und sie ist nicht von Wasser umgeben, ja liegt nicht einmal direkt an der Küste. Zwei Dinge, die sie von St. Erpelsburg unterscheiden. Und auch sonst ist sie anders.  Keine Vorstadthausreihen, keine Häuserschluchten, dafür Labore und Forschungszentren überall. Alles in allem wirkt sie sehr viel heller. Nicht dass ich besonders auf Helligkeit stehen würde, aber es ist mal was anderes.
Einen Haken hat die ganze Sache natürlich: Weder das Zimmer, noch dieser Computer gehören mir allein. Ich muss beides teilen mit einer Soziologiestudentin im zweiten Jahr, Nicky Wasweißich. Ein rosa gekleidetes, tiervernarrtes, blondes Küken, das tatsächlich ein ganzes Jahr älter ist als ich. Und eine ganze Galerie von Exfreunden in ihren Regalen stehen hat – hauptsächlich Pfadfinder. Sie versucht, nett zu sein (leider mit Erfolg)  und mich nicht zu stören (leider mit weniger Erfolg), aber manchmal strapaziert sie wirklich meine Ge

„Was schreibst du da?“, fragte Nicky.
„Streng geheime Akten!“, antwortete Kiki und schloss das Arbeitsfenster, „Wolltest du nicht irgendwo hin?“
„Ich war dort. Jetzt bin ich wieder hier!“
„Und wann willst du wieder gehen?“
„Wir gehen in zehn Minuten, wie geplant. Was dachtest du denn?“
Wir? Geplant? Natürlich! Die Stadtführung!
Kiki speicherte ihren Text und meldete sich am Computer ab. Das war auch eigentlich schon alles, was zu tun war, denn Schuhe trug sie bereits und eine Jacke brauchte sie bei diesem Wetter sicher nicht.
Für diesen Nachmittag war eine von der Studentenvertretung geplante Stadtführung vorgesehen, die von Erstsemestern und ein paar älteren Betreuungspersonen (wie Nicky) besucht und einem schon länger in der Stadt beheimateten Professor durchgeführt wurde. Es war keine Pflichtveranstaltung, aber erstens würde es keinen guten Eindruck machen, zu fehlen und zweitens konnte es ja nicht schaden, über Tri-City bescheid zu wissen. Zumindest hatte sich Kiki das einreden lassen und hoffte, dass sie es nicht bereuen würde.
„Ich bin so weit!“, sagte Kiki.
„Ich auch!“, meinte Nicky. Sie trug eines ihrer rosa Kleider. Und dazu eine rosa Handtasche. Und eine rosa Schleife im offenen Haar. Natürlich.
Kiki hingegen hatte sich am Morgen für eins der üblichen T-Shirts entschieden (genau genommen war es diesmal ein schlichtes rotes) und das rote Haar zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, weil das die einfachste Lösung gewesen war. Anstelle einer Handtasche hätte sie einen Rucksack gewählt, aber was sollte sie auf die Führung schon mitnehmen?

Das Wohnheim war ein rechteckiges dreistöckiges Gebäude, das zumindest eine Fassade aus Ziegelsteinen hatte und direkt auf dem Unigelände stand. Obwohl zur Universität noch weitere Gebäude in der ganzen Stadt gehörten, befand sich hier doch das Zentrum – mit der Verwaltung, den Büros der Professoren, der Hauptbibliothek, dem großen Hörsaalgebäude und der Uniklinik. Und hier begann die Führung.
Während Nicky die übrigen Erstsemesterstudenten suchte, die ihr zugeteilt waren, ließ Kiki ihren Blick über die Menge schweifen. Einige der jungen Leute hier hatte sie schon gesehen, andere nicht, aber im Grunde war ihr das auch egal. Schließlich waren es ohnehin zu viele, um sie alle namentlich zu kennen. Und das waren nur die Erstsemester in den Medienwissenschaften.
„Interessieren Sie sich für das antike Rom?“, ertönte plötzlich eine Stimme hinter der Ente.
Diese drehte sich um und sah einen Hund, der in Tunika und Toga gekleidet war.
„Ich bin Aedile Marcus und hier im Auftrag der Patrizier. Wir sind eine Gruppe von kulturell bewanderten Studenten, die nach den Traditionen der Römischen Republik leben und uns gegenseitig im Studium unterstützen. Als Frau könnten Sie zwar kein Mitglied im Senat werden, aber durchaus aus dem Hintergrund heraus Macht ausüben…“
„Mark Gant!“
Kiki drehte sich erneut um und sah einen ziemlich kleinen älteren Erpel in einem Nadelstreifenanzug.
„Dies hier ist eine Führung und kein Rekrutierungsbüro für lächerliche Verbindungen. Und wenn mich nicht alles täuscht sind Sie nicht eingeladen!“
„Barbar!“, schimpfte der Hund, trollte sich aber.
„Lächerliche Verbindungen?“, fragte Kiki.
„O ja. Wir haben hier die üblichen, also Freigeister, Rassisten, Tierschützer, Möchtegern-Wohltäter, Intellektuelle, Sportler und High-Society-Huren, ohne das ich jetzt sagen möchte oder dürfte, welche Verbindung in welche Kategorie fällt, aber auch ein paar sehr skurrile!“
„Und welche…“
„Finden Sie es selbst heraus, ich habe eine Führung zu machen!“
Bevor Kiki wirklich über das nachdenken konnte, was gerade geschehen war, war Nicky mit dem Rest der Gruppe zurück.
„Damit wären wir komplett!“, verkündete sie.
„Können mich alle hören?“, ertönte die Stimme des kleinen Erpels, der ein Stück abseits der Gruppe stand.
Alle sahen in seine Richtung.
„Gut. Ich bin Professor Mac und werde Ihnen nun Tri-City zeigen. Falls Sie es vergessen haben sollten, das ist diese Stadt hier!“

Die Stadt war tatsächlich ganz interessant. Der Professor führte die Gruppe natürlich an den vielen verstreuten Universitätsgebäuden vorbei und erklärte, was sich darin befand, doch sehr viel interessanter schienen für ihn andere Dinge zu sein: Ein geschlossener Zoo, der nach heftigen Attacken durch Tierschützer mit Sack und Pack umgezogen war, ein kleines verstecktes Kino, das nur Horrorfilme zeigte, die Gräber berühmter Wissenschaftler auf dem Friedhof, der Spuren einer Schwarzen Messe zeigte, der botanischen Garten, der zu neunzig Prozent aus fleischfressenden Pflanzen bestand, einen riesigen Supermarkt und schließlich seine Lieblingsbrücke, die sich vor allem durch fantasievolle Graffiti auszeichnete. Und natürlich die Burg.
„Diese Burg wurde von einem Mann gebaut, den man für wahnsinnig hielt!“, erzählte Professor Mac, „Die dicken Steinmauern dienen nicht zur Abwehr von Kanonenkugeln und Granaten sondern zum Schutz vor Schwarzer Magie. Er glaubte, böse Magier würden hier ihr Unwesen treiben und hätten es auf ihn abgesehen!“
„Er dachte, böse Magier wollen ihn umbringen?“, fragte jemand.
„Nein. Er dachte, böse Magier wollen ihn in den Wahnsinn treiben!“
Jetzt spürte Kiki etwas an ihrem linken Bein. Sie sah hinunter und erblickte eine schwarze Katze. Eine kleine, flauschige schwarze Katze, die um ihre Beine strich.
Nicky hatte sie auch bemerkt.
„Hallo Kätzchen!“, sagte sie und kniete sich hin, „Wo kommst du denn plötzlich her? Willst du auch die Führung mitmachen?“
Sie begann, das Tier zu streicheln und dieses begann, zu schnurren.
Zwei andere Mädchen folgten ihrem Beispiel.
Kiki kam sich irgendwie lächerlich vor und sah wieder die Burg an. Es war keine wirklich große Burg, eher ein Haus um das man eine Burgmauer gebaut hatte, aber sie wirkte dennoch beeindruckend. Die Mauern sahen nicht nur massiv sondern geradezu massig aus und die Türme waren nicht sehr hoch, aber aus schweren Steinen gebaut. Um die Burg hatte der Erbauer tatsächlich einen Graben gezogen, um eine Zugbrücke verwenden zu können.
„In diesem Graben schwammen früher Hechte, die durch Drogen gereizt wurden, sodass sie alles angriffen, das mehr Lärm machte, als einer von ihnen. Als man ihnen nach dem Tod ihres Besitzers nichts mehr gab, starben sie entweder am Entzug oder an Hunger. Innen befindet sich die Folterkammer, in der aus Verdächtigen herausgequetscht werden sollte, ob sie Teil der Verschwörung sind und wo die Zauberer ihr Versteck haben, aber so weit ich weiß, ist es nie dazu gekommen!“
„Aua!“, rief Nicky.
Kiki sah nach unten und stellte fest, dass die Katze gerade mit Nickys Haarschleife davonlief. Sie unterdrückte ein Lachen.
Zu ihrer Überraschung kicherte Nicky.
„Sie scheint die Schleife zu mögen!“, kommentierte sie.
Meine Güte. Dieses Mädchen konnte auch gar nichts aus der Ruhe bringen.
Die Katze verschwand um die Ecke der Burg.
„Dieses Tier ist auf deinen Kopf gesprungen, hat dir die Schleife aus dem Haar gerissen und ist damit weggelaufen!“
„Ich habe noch mehr Schleifen. He, sie kommt zurück!“
Kiki schlug sich die Hand vor die Stirn. Dieses Küken würde sich wahrscheinlich von einem Tiger das Gesicht ablecken lassen und sich dabei freuen, dass es kitzelt.
Die Katze kam tatsächlich zurück, blieb aber an der Ecke sitzen. Demonstrativ ließ sie die Schleife fallen und spielte damit.
„Ich glaube, sie will, dass wir ihr folgen!“, vermutete Nicky.
„Sie will uns wohl ihre Schleifensammlung zeigen!“, kommentierte Kiki.
„Hier am Schloss bleibt Professor Mac immer eine Weile stehen. Ich gehe zu ihr!“
Nicky ging los und die Gruppe folgte ihr, abgesehen von Kiki.
Die Katze verschwand wieder hinter dem Gebäude und die Gruppe kehrte ohne Betreuerin zurück.
„Sie folgt der Katze!“, sagte eines der beiden Mädchen, die sich wie Nicky hingehockt hatten.
„Sie sagt, die Katze will ihr etwas zeigen!“, fügte die andere hinzu.
Kiki stöhnte auf und machte sich auf den Weg. Nicky war nicht auf dieser Seite des Gebäudes.
Sie ging weiter. Hier auf der Rückseite war sie. Außerdem waren da ein Brett über den Graben und eine Leiter an der Mauer. Oben auf der Mauer saß die Katze.
„Sie will, dass ich rauf komme!“
„Nicky, diese Katze will nur spielen. Sie führt dich nicht zu einem Schatz oder so!“
„Als ich mal in Australien war haben mir ein paar Tiere eine Opalmine gezeigt!“
„Und seitdem musst du dir keine Sorgen mehr um Haarschleifen machen, was?“
„Die Mine gehört mir nicht. Ich habe sie auf dem Grundstück von Onkel Dagobert gefunden!“
„Ein reicher Onkel in Australien!“
„Nein, er wohnt in Entenhausen!“
Moment. Reicher Onkel Dagobert? Entenhausen? Doch nicht… Hatte Quack nicht sogar von einer Nicky erzählt?
„Kommst du mit, oder willst du da stehen bleiben?“
Nicky stand schon oben auf der Leiter. Die Katze war nicht mehr zu sehen. Kiki zuckte mit den Schultern und prüfte, ob das Brett sie hielt.

Im Burghof angekommen stellte Kiki fest, dass sie sich getäuscht hatte. Es war nicht nur ein Haus mit einer Mauer darum. Es gab außerdem einen geräumigen Hinterhof und ein zweites kleines Gebäude. Dieses bestand, wie auch das Haus und eigentlich alles hier, aus großen Steinen, doch die Tür war aus Holz und sowohl der Riegel daran, als auch das ihn festhaltende Vorhängschloss sahen verblüffend neu aus.
„Die Katze ist auf das Dach von diesem Ding gestiegen und unter den Ziegeln hindurch hineingekommen!“, erklärte Nicky, „Was sie mir zeigen will ist da drin!“
„Ja und? Willst du jetzt das Schloss aufbrechen oder was?“
„Muss ich nicht!“
Sie öffnete ihre Handtasche und holte etwas hervor, das ganz nach einem Satz Dietriche aussah.
„Was wird denn das?“
„Das hier ist öffentlicher Grund, ich darf mich hier frei bewegen und nach allem was ich weiß, gehört dieses Schloss nicht hierher!“
Sprachlos sah Kiki zu, wie ihre Mitbewohnerin das Schloss mühelos öffnete. Die Tür schwang auf. Und offenbarte, neben einer Katze mit einer rosa Haarschleife im Maul, eine Menge Fahrräder.
„Die gestohlenen Fahrräder!“, staunte Nicky, „Die suchen wir schon seit Wochen!“
„Aber… Wie konnte die Katze wissen… Moment Mal, wer ist ‚wir’?“
„Das würde uns auch interessieren!“
Beide junge Frauen drehten sich um mund sahen drei geringfügig älteren, aber sehr viel massigeren Männern in die Augen.
„Was machen wir mit denen?“, fragte der linke, ein Gorilla, den es offenbar doch nicht so sehr interessierte.
„Hier gibt es doch einen Kerker!“, fiel dem mittleren, einem Bären, ein, „Sperren wir sie da rein!“
„Ihr wollt uns einsperren?“, fragte Kiki eher verblüfft als erschrocken, „Für ein paar Fahrräder?“
„Für ein paar Fahrräder? Nein!“, antwortete der linke, ein Stier, „Für einen Haufen Fahrräder? Ja!“
„Die nehmen wir auseinander, lackieren sie um, bauen sie neu zusammen und verkaufen sie!“, verkündete der Gorilla stolz.
„Und dann klauen wir sie wieder!“, ergänzte der Stier, „Das hat schon ein paar Mal funktioniert!“
„Und eure Werkstatt ist hier in der Burg?“, fragte Nicky.
„Drüben im Hauptgebäude. Würdet ihr uns nun bitte nach unten begleiten?“
Kiki überdachte die Situation. Eine Katze hatte sie und ihre leicht merkwürdige Mitbewohnerin zu einem Haufen gestohlener Fahrräder in der Burg eines Wahnsinnigen gelockt und nun wollten die Diebe sie in den Kerker sperren. Sie konnte nicht anders.
Kiki brach in lautes Gelächter aus.
„Was gibt es da zu lachen?“, fragte der Bär schnaubend.
„Was es da zu lachen gibt? Ich habe Megavolt, Fiesoduck und sogar Torro Bulba gegenübergestanden und jetzt wollt ihr mir Angst machen. Und ihr fragt, was es da zu lachen gibt?“
„Megavolt und Fiesoduck?“, fragte Nicky, „Dann bist du die Kiki…“
„Von der Quack erzählt hat? Ja. Und du bist die Nicky, von der Quack erzählt hat!“
„Ja!“
Beide Mädchen grinsten sich an.
„Kapierst du das?“, fragte der Gorilla.
„Ich glaube schon!“, meinte der Bär, „Erinnerst du dich an den Bericht im Fernsehen über Dagobert Ducks kleine Familie?“
„Ne!“
„Und an das Interview mit Darkwing Ducks dämlichem Gehilfen, der von seinen Mitbewohnern erzählt hat?“
„Ne!“
„Die beiden kennen Dagobert und Darkwing Duck!“
Der Gorilla und der Stier sahen sich an. Dann begriffen sie.
„Jackpot!“, riefen beide gleichzeitig.
Wow. Drei Fahrraddiebe hatten in weniger als einer Minute begriffen, was alle Ganoven von St. Erpelsburg bis heute nicht bemerkt hatten.
„Entschuldigung?“, bemerkte Nicky.
„Was ist?“, fragte der Bär und sah sie direkt an.
„Ich muss da widersprechen!“
Unbemerkt von allen, selbst von Kiki, hatte Nicky eine kleine Spraydose aus ihrer Handtasche geholt. Jetzt sprühte sie ihrem Gegenüber damit einen weißen Nebel direkt ins Gesicht.
„Aaahh!“, rief der Dieb und wich ein paar Schritte zurück, wobei er die Hände schützend vor die Augen hielt, „Meine Augen!“
„Zwiebelspray. Ganz nützlich, wenn man Federlesern begegnet. Gehört zur Standardausrüstung!“
„Standardausrüstung wofür? Jagd auf Leute mit empfindlichen Augen? Und was sind Federleser?“, fragte Kiki.
„Steht nicht so rum, schnappt sie euch!“, rief der Bär.
Der Gorilla und der Stier erwachten aus ihrer Erstarrung. Nun reagierte auch Kiki. Mit voller Wucht sprang sie gegen den Gorilla und riss ihn wie geplant zu Boden. Was Nicky mit dem Stier machte, bekam sie nicht mit, aber auch dieser kippte um, offensichtlich für eine Weile außer Gefecht gesetzt.
Ganz im Gegensatz zu den anderen beiden.
„Jetzt bist du dran!“, versprach der Gorilla.
„Die Leiter!“, rief Nicky, bereits laufend.
Kiki rappelte sich auf und lief ebenfalls los.
Nicky war bereits auf der Mauer, als Kiki die Leiter erreichte.
„Schnell!“
Kiki stieg hinauf, Nicky holte eine Schachtel aus der Handtasche und warf sie. Der Gorilla wurde am Kopf getroffen und die Schachtel sprang auf und verteilte mehrfarbiges Pulver über sein Gesicht, ehe sie zu Boden fiel. Das verlangsamte ihn deutlich.
„Und was war das jetzt?“, fragte Kiki, „Knoblauchpulver?“
„Nö, bloß Schminkzeug!“
Der Gorilla versuchte, sich das Pulver aus dem Gesicht zu wischen, wodurch etwas davon in seine Augen geriet und sich in der Tränenflüssigkeit zu einer breiigen Masse auflöste.
„Ich bin blind!“, rief der Fahrraddieb, „Ich bin blind!“
„Blödsinn!“, widersprach der Bär und nahm die Hände von den roten Augen, „Du bist nur blöd!“
Die beiden Frauen sahen den Bären, der auf die Leiter zulief. Dann sahen sie sich an. Und begannen gleichzeitig, die Leiter hochzuziehen.
Der Bär beeilte sich, doch er kam zu spät.
„Lasst sofort die Leiter wieder runter, oder es passiert was!“, drohte er.
„Es passiert ohnehin etwas!“, kommentierte Nicky und holte wieder etwas aus ihrer Handtasche hervor. Dieses Mal war es ein Walkie-Talkie.
„Zentrale bitte kommen, hier ist V, over!“
„Hier ist die Zentrale, sprechen Sie V, over!“
„Ich bräuchte die Polizei in der Burg. Die Fahrraddiebe sind dort!“
„Roger und over!“
„Over und aus!“
„Na gut… Wer war das eben?“
Nicky sah nach unten. Der Stier lag noch am Boden, der Gorilla tastete sich an der Wand entlang und der Bär war nicht zu sehen.
„Eigentlich soll es ja nicht jeder erfahren, aber jetzt weißt du ohnehin fast alles. Und außerdem kann ich einer Mitstreiterin von Darkwing Duck wohl vertrauen!“
„Na dann raus damit!“
„Ich mache verdeckte Ermittlungen für die Campussicherheit!“
„Was? Hier?“
„Nein, bei der Führung bin ich wirklich nur als Betreuerin. Aber ich bin auf alle Eventualitäten vorbereitet!“

Als die Polizei eintraf, war die Führung noch immer nicht weiter gekommen, denn nach seinem Vortrag über die Burg, hatte Professor Mac eine Pause angeordnet. Der Bär hatte es gerade irgendwie geschafft, die Zugbrücke herunterzulassen und stand nun den Beamten gegenüber – und floh zurück in die Burg, nur um kurz darauf mitsamt seinen Komplizen herausgeführt zu werden.
„Was wird denn den dreien vorgeworfen?“, fragte der Professor.
„Diebstahl. Sie haben gerade gestanden, für die meisten Fahrraddiebstähle der letzten Wochen verantwortlich zu sein!“, antwortete ein Polizist.
„Ich habe gar nichts gestanden!“, widersprach der Stier, „Die beiden waren das ganz alleine!“
„Warte bloß ab, bis wir alleine sind!“, drohte der Bär.
„Fahrraddiebe also!“, kommentierte der Professor, „Ach ja, sieh mal an!“
Er blickte zur Ecke der Burgmauer. Kiki folgte seinem Blick und sah die Katze, die nun auf sie und Nicky zukam.
„Da bist du ja wieder, Kätzchen!“, grüßte Nicky, „Woher wusstest du denn, dass die Fahrräder gestohlen sind?“
Die Katze antwortete nicht. Stattdessen legte sie die Schleife vor Nickys Füße.
„Behalte sie ruhig. Ich habe noch mehr davon!“
Die Katze nahm die Schleife wieder auf und lief davon.
„Kommt sie dir gar nicht verdächtig vor?“, fragte Kiki.
„Mir sind schon einige merkwürdige Tiere begegnet!“, antwortete Nicky.
„Mir auch!“
Aber bei mir steckte immer ein Mensch dahinter. Oder etwas Ähnliches.
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