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Starlight Express -Die Abenteuer von Rusty und Casey Jones

von Veggie07
GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
07.02.2009
22.05.2009
23
163.145
1
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07.02.2009 7.529
 
Hallo,
es hat zwar gedauert, aber hier ist das letzte Kapitel des ersten Buches. Für jedes Lehrjahr von Casey, also deren drei, werde ich eine extra FF anlegen, in der die Abenteuer der Freunde erzählt werden.
An etwaige Leser: würde mich über einen abschließenden Komentar freuen.

23. Ein stimmungsvoller Jahresausklang

“Hallo, Jungs! Ich hoffe, ich störe nicht?” Mr. Kelmon, der Betriebsmeister, betrat den Lokschuppen.
“Hallo, Joey! Nein, Du störst nicht.” lächelte Digger. "Wir sind gerade mit dem Mittagessen fertig."
“Das soll ich Dir von Mr. Corell geben.” sagte der Betriebsmeister und reichte Casey einen Beutel.
“Hey, meine neuen Abzeichen! Die sind jetzt alle rot.”
“Genau. Und das ist auf dem ganzen Kontinent gleich. Egal aus welchem Land ein Lehrling kommt. So erkennt man sofort, in welchem Lehrjahr er gerade ist.”
“Dinah näht sie Dir bestimmt später an deine Uniformen, wenn sie von ihrem Dienst zurückkommt.” bemerkte Digger.
"Ich werde sie nachher fragen gehen."
“Bist Du nur gekommen um die neuen Lehrlingsstreifen vorbeizubringen, Joey?” fragte Pop. “Nein, ich bin aus eigentlich aus einem ganz anderen Grund hier. Es ist mal wieder Zeit für Rustys “HU”.
“HU”?” wurnderte sich der Junge.
“Hauptuntersuchung.”
Im selben Moment ertönte aus der ganz rechten Box ein missmutiger Laut. “Maaannnn!!”
“Dem Kleinen scheint das nicht so zu gefallen.” grinste Digger.
“Das kenne ich. Bei mir zu Hause müssen auch alle Loks und Waggons irgendwann den grossen Check-up machen.” bemerkte Casey.
“Vorschrift ist alle drei Jahre. Wegen der Sicherheit.”
“Und wann sollen wir uns im Betriebswerk einfinden?”
“Morgen um 9 Uhr. Die HU erfolgt im Maschinen-und Hummanoid-Modus.”

“Oh Mann! Das letzte Mal bin ich mit Ach und Krach durchgekommen! Sonst wäre ich ausser Dienst gestellt worden!” erzählte Rusty später am Abend, während Dinah auf einem Hocker sass und die neuen Streifen auf die Kleidung nähte.
“Aber jetzt siehst Du doch viel besser aus. Dein neuer Anstrich ist fast vollständig. Nur noch im oberen Bereich. Und den machen wir so bald wie möglich fertig. Ich werde gleich morgen mit Mr. Kelmon darüber reden. Er hatte bis jetzt immer so viel zu tun und die Werkstatt war immer voll. Aber in unsere nächste Reise startest Du vollständig lackiert.”

Pünktlich um neun Uhr fanden sich Lok und Lehrling in der Werkstatt ein.
"Schön siehst du jetzt aus mit deinen neuen Streifen."lächelte der Werkstattmeister.
"Gestern konnte ich auch meine neuen Uniformsätze abholen. Und meine alten Klamotten werden mir tatsächlich langsam zu klein. Auch meine Inliner musste ich größer stellen. Zum Glück ist das möglich, aber wenn ich über Schuhgröße 38 hinauswachse wirds schwierig."
"Rusty, komm her, wir wollen anfangen. Transformiere in den Maschinenmodus." sprach Mr. Kelmon. "Und zwar hier über dem Untersuchungskanal."
"Kann ich ihnen irgendwie zur Hand gehen, Mr. Kelmon?"
"Sollst Du auch. Ich muss dich auch in einige neue Dinge einweisen. Du sollst in Zukunft auch anspruchsvollere Reparaturen durchführen können, nicht nur an Dampfloks. Und nenn mich Joey."
"Alles klar."
"Jeder Lokführer muss ein gewisses Maß an Fertigkeiten erwerben, um Schäden selbst beheben zu können, wenn er unterwegs ist. Das gillt besonders für dich, da Du ja wieder auf Reisen gehen willst."
Beide stiegen die Stufen hinunter in den Untersuchungskanal.
"Jetzt kannst Du Rusty auch mal von unten sehen." erklärte Mr. Kelmon.
"Wow...sieht echt verwirrend aus."
"Das ist nur am Anfang. Mit der Zeit kriegst Du ein Gefühl für die ganzen Teile. Nimm Dir deshalb öfters auch mal die Pläne zur Hand. Ich habe hier eine Kopie des Originals, in die du immer wieder Einsicht nehmen kannst. Außerdem werde ich dafür sorgen, das Du auch eine Kopie von Rustys Plan bekommst, wenn Du wieder auf Reisen gehst. Dann haben es die anderen Werkstattmeister einfacher."
"Stimmt."
"So und nun fangen wir an."

Gut eine halbe Stunde dauerte die Inspektion der Unterseite von Rusty.
"Sieht gut aus. Achsen und Räder sind noch okay, ebenso die Treibstangen. Aber von unten müsste er auch mal gereinigt werden. Es gibt da ein paar Stellen, wo man von der Seite schlecht hinkommt."
"Oh nein..." war Rustys Kommentar zu vernehmen.
Mit einem Hochdruckreiniger wurden die schwer erreichbaren Stellen gesäubert. Dabei ging immer wieder ein Ruck durch die kleine Dampflok.
"Das gibts doch nicht! Der ist da unten kitzelig." grinste Casey kopfschüttelnd.
"Das sind die meisten Loks und Waggons. Aber nur eine gründliche Reinigung erhält oder erhöht sogar die Laufleistung."
Nach der Spezialreinigung ging es oben weiter. Mr. Kelmon nahm wirklich jedes Teil der Lok genau in Augenschein. Vier Muttern, eine Druckluftanzeige und sechs Schrauben mussten erneuert werden, außerdem ein Scharnier der Rauchkammertür, da es schon zu sehr verrostet war.
"Wär ja schlecht, wenn während der Fahrt die Tür abfallen würde." meinte Mr. Kelmon, als er zusammen mit Casey die Reparatur durchführte.
Zwei Stunden später war dann die Begutachtung der Außenhülle dran.
“Für den Anstrich müssen noch die kleinen Flächen hier vorne noch bearbeitet und grundiert werden. Aber hier-“Mr. Kelmon zeigte auf ein Stück im hinteren Bereich-“hat sich der Rost schon zu sehr durch die Verkleidung gefressen. Dieses Stück müssen wir erneuern.”
“Und das bedeutet?”
“Das defekte Stück Stahlblech wird enfternt und durch ein Neues ersetzt. Und das bedeutet Schweiss-und Nietarbeiten.”
“Oh-oh! Das wird Rusty gar nicht gefallen!”
“Schweissen? Vergesst es! Und schon gar nicht da unten! Ich bin da sehr empfindlich!”
“Rusty! Im Maschinenmodus spürst Du doch so gut wie gar nichts!” Also stell dich nicht so an!” meinte Mr. Kelmon. "Wir reparieren das gleich und dann sind wir mit der Untersuchung im Maschinenmodus fertig. -Doch zuerst wollen wir uns stärken. Es ist bereits Mittag."
Das Mittagessen nahmen sie zwischendurch kurz in einem Nebenraum der Werkhalle ein. Einer von Mr. Kelmons Lehrlingen übernahm immer wieder die Aufgabe des Essenholens aus der großen Kantine. Rusty harrte brav aus, bis die Arbeiten an ihm forgesetzt werden konnten.
"Und fertig. Bald hat der Rost bei Dir keine Chance mehr." sagte der Werkstattmeister schließlich und schaltete das Schweißgerät aus.

Rusty transformierte wieder in den Humanoid-Modus, drehte seinen Oberkörper und sah von hinten an sich herab.
“Was hast Du denn, Rusty?-Moment mal, das was wir ersetzt haben...sitzt das Teil etwa da wo ich denke?”
Rustys Gesicht lief dunkel an und er drehte sich schnell wieder nach vorne.
Casey musste sich sehr zusammennehmen um nicht laut loszuprusten.
“Heisst das, das kaputte Teil sass an deinem....Hintern?”
“Casey!” fauchte Rusty gereizt.
“Schon gut. Sorry, Kumpel. Das ist so, als hättest Du ein Loch im Hosenboden gehabt.”
"Oh mann, Kleiner, das muss Dir doch nicht peinlich sein." meinte Mr. Kelmon kopfschüttelnd.
"Mrm!" knurrte Rusty nur und verschränkte die Arme.

Dann kam der Check-up im Humanoid-Modus.
“Mach deinen Mund auf, Rusty...noch etwas mehr...”
“Mähr gneth nich” nuschelte die kleine Lok. Mr. Kelmon leuchtete in den Rachen.
“Zähne ok....Rachen ok. –Die Augen....ist alles gut verheilt. Keine Narben. Jetzt testen wir deine Sehkraft. Und dann das Gehör.”
Auf einer Tafel musste Rusty nun wie beim Augenarzt Symbole, Buchstaben und Ziffern benennen.
"Sehr schön. Alle Sinne okay. Jetzt noch deine Gelenke und dein Fahrgestell."

Rusty war heilfroh, als die Untersuchung abgeschlossen war.
"Bravo! Du bist in viel besserem Zustand als beim Letzen Mal! Eine Verbesserung um fast siebzig  Prozent! So viel ist bei Dir schon lange nicht mehr instand gesetzt worden!"
"Das meiste hat Casey unterwegs gemacht. Zusammen mit den Werkstattmeistern."
"Ich habe die Berichte gelesen. Diese Reise hat Dir sehr gut getan, mein Kleiner. Und zum Abschluss will ich noch sehen, wie schnell Du jetzt fahren kannst."

Gemeinsam fuhr Rusty im Maschinenmodus mit Mr. Kelmon und Casey hinaus auf eine freie Strecke, wo die kleine Dampflok mit voller Leistung beschleunigen konnte. Dabei beobachtete der Meister genau jedes Messintrument und jede Anzeige im Führerhaus.
"Er läuft viel ruhiger als früher. Und sogar leiser. Und schnell und ausdauernd ist er geworden. Man merkt wirklich, das jetzt viel mehr Kraft hinter seinen Bewegungen steckt. Früher ist er manchmal einfach immer wieder langsamer geworden oder sogar stehengeblieben, weil er keine Puste mehr hatte." erklärte er.
"Hörst Du, Rusty? Du hast dich gewaltig gesteigert." lobte Casey.
"Und nun halten wir hier. Ich will sehen, was Du im Humanoid-Modus leistest. Der ist ja für die Rennen wichtig."

Zischend kam die kleine Lok zum Stehen und ließ Dampf ab. Casey und der Werkstattmeister stiegen aus und Rusty transformierte.
"Okay, Kleiner. Du läufst jetzt die gerade Strecke bis zum nächsten Signal und wieder zurück. So schnell Du kannst. Ich will dich jetzt richtig rennen sehen! Zeig mir, wie Du deine bisherigen Plaketten errungen hast!"
Rusty nickte.
"Auf mein Zeichen. Achtung-Los!!"
Mr. Kelmon betätigte die Stoppuhr und die kleine Dampflok spurtete los.
"Hey, wie der abzischt! Unglaublich! Bin ich gar nicht von ihm gewöhnt!"
"Sie werden staunen, was Rusty für Fortschritte gemacht hat."
In kürzester Zeit hatte Rusty die Strecke zum Signal zurückgelegt, wendete und flitzte zurück.

Keiner ahnte, das sie von einem dunklen Augenpaar beobachtet wurden.
Red Caboose lag oberhalb der Gleise auf der Böschung im Gras und hatte gefaulenzt, als er die Stimmen erkannt hatte.
"Ich fass es micht! Der Bengel mit dem Werkstattmeister- und der Rosteimer! Grr..und rostig ist er so gut wie gar nicht mehr! Und wie schnell der geworden ist! Wenn der so weitermacht, kommt der noch in die Oberliga!" knurrte er, während er hinter den Stäuchern auf der Lauer lag und das Gleis unter sich beobachtete. Dann fiel ihm etwas ein. Rechts von ihm lagen einige Baumstämme aus dem nahen Wald aufgestapelt. Einer davon lag daneben am oberen Rand der Böschung und war nicht durch Pfähle gesichert. Ein böses Grinsen stahl sich auf Red Cabooses Gesicht.
"Dann wollen wir dich mal ein wenig abbremsen..."
Rusty jagte im vollen Lauf auf Casey und Mr. Kelmon zu. Der Wind zauste seine Haare und der kleinen Lok machte es inzwischen keinerlei Mühe, solch ein hohes Tempo länger zu halten. Plötzlich erfüllte ein Poltern die Luft. Ein dicker Baumstamm rollte und sprang die Böschung hinunter! Und er würde auf ihn prallen, wenn er nicht sofort abbremste.
"Rusty! Pass auf!" schrie Casey warnend.
"Zu spät! Er wird mit dem Stamm zusammenstoßen!"
Doch plötzlich geschah etwas Unerwartetes. Rustys Augen wurden plötzlich für Sekunden leuchtnd weiß und pupillenlos. Der Stamm unterdessen rollte über einen Felsen und flog auf die kleine Dampflok zu! Rusty stieß einen Schrei aus, riß den rechten Arm, Puffer voran hoch und vor das Gesicht und ballte die Fäuste. Ein berstendes Krachen ertönte, Holz splitterte. Der Stamm brach mitten durch, beide Hälften stürzten neben das Gleis, Holzsplitter regneten durch die Luft. Und Rusty rollte unversehrt weiter!
Casey und Mr. Kelmon konnten nur noch sprachlos starren.
"Er...er hat..."
"Den Stamm mit einem Puffernschlag und seinen Fäusten durchgehauen! Das Ding war mindestens vierzig Zentimeter dick!"
Rusty hatte inzwischen abgebremst und war in die Knie gegangen. Die kleine Lok sah zurück und verstand selbst nicht, was gerade geschehen war.
"Hab..ich...gerade....den..Stamm durchgeschlagen..?"
"Rusty! Bist Du verletzt?" rief Casey besorgt und kam atemlos neben seinem Lokpartner zum stehen.
"Ich glaube nicht...." murmelte die Dampflok verwirrt.
"Kleiner, seit wann bist Du so stark geworden? Deine Arme sind blitzschnell hochgeschossen, Du hast nur einmal ausgeholt und das Ding war entzwei! Und der Schrei den Du ausgestoßen hast, war kein Angstschrei... er klang wild und entschlossen."
"Ich...ich weiß gar nicht, was ich gemacht habe...das ging so schnell... Bestimmt ist der Stamm innen total morsch."
"Das werden wir gleich haben." meinte Mr. Kelmon. Rusty erhob sich und folgte ihm.
"Und Dir tut wirklich nichts weh?"
"Nein, Casey." schüttelte Rusty den Kopf.
Der Werkstattmeister untersuchte die beiden Teile des geborstenen Baumstammes.
"Da ist nichts vermodert oder morsch. Wenn der dich getroffen hätte, hättest Du jetzt eine ganz schöne Beule! Und Du hast so schnell zugeschlagen...zeig mal deine Arme."
Mit geübten Griffen tastete Mr. Kelmon die Arme der Lok ab. Rusty zuckte nicht einmal zusammen.
"Kleiner, Du versetzt mich nur noch in Erstaunen! Du willst wohl Greaseball einholen?"
"Unsinn! Das war sicher nur Zufall..."
"Rusty! Hat Dir das etwa Espresso beigebracht?" fragte Casey.
"Hat er nicht! Ich..ich weiß nicht, was das war...als hätte sich irgendeine verborgene Kraft plötzlich in mir aktiviert...."
"Das ist vielleicht eine reine Schutzreaktion. Sie tritt wohl nur in höchster Gefahr zu Tage." meinte der Werkstattmeister.
"Aber warum erst jetzt? Warum nicht schon früher?"
"Vielleicht liegt es an deinem neu gewonnenen Selbstvertrauen."
"Oder in Rusty schlummert wirklich was Größeres..."

Fluchend hieb Red Caboose mit seiner Faust in den Boden.
"Arragh! Bremssand und Altöl! Ich hatte ihn fast! Und seit wann ist der so stark geworden?-Besser ich kratze die Kurve, bevor die mich noch sehen!"
Langsam zog sich der rote Bremswaggon kriechend rückwärts zurück bis er nicht mehr gesehen werden konnte und eilte dann zu seinem Versteck zurück.

"Der Stamm muss sich da oben gelöst haben. Vielleicht durch die Vibrationen, die Rusty beim Fahren erzeugt hat." bemerkte Mr. Kelmon und sah die Böschung hinauf, wo der Stapel Stämme teilweise zu sehen war. "Überprüfen wir das besser mal, nicht das sich noch mehr lösen."
Oben auf der Böschung fanden Mr. Kelmon und Casey sehr schnell heraus, warum der Stamm ins Rollen gekommen war.
"Der lag gar nicht auf dem gesicherten Stapel. Sondern daneben. Im Gras sind noch deutlich Spuren zu sehen. Auf jeden Fall droht vom Rest keine Gefahr. Lass und zurückfahren."

Zurück im Betriebswerk, füllte Mr. Kelmon noch die Untersuchungsunterlagen aus.
"Gratuliere Rusty! Du hast keine Mängel mehr, alles in bester Ordnung."
"Danke, Meister. Wenigstens muss ich jetzt keine Angst mehr haben, außer Dienst gestellt zu werden." seufzte die kleine Lok.
"Das wirst Du sicher nicht. -Und was den restlichen Anstrich betrifft, kommt in zwei Tagen vorbei, dann machen wir ihn fertig."
"Alles klar." nickte Casey.

Pop und Digger staunten nicht schlecht, als Casey ihnen von dem Zwischenfall erzählte.
"Sein Reaktionsvermögen muss sich ganz schön verbessert haben. Ich hätte das zu gerne geshen!" sagte Digger.
"Und ich möchte dich auch mal so richtig rennen sehen! Du hast mir nämlich noch gar nicht gezeigt, wie schnell Du geworden bist, mein Kleiner." lachte Pop.

Zwei Tage später war es dann soweit. Die letzten rostigen Stellen wurden bearbeitet und lackiert. “Und nun...” Casey vollführte den letzten Pinselstrich wie ein Ritual.” ...bist Du endlich fertig.”
Er trat zurück und ging langsam um die Lok herum.
"Er ist wieder so wie am ersten Tag, als er zu uns kam. Ein prächtiger Anblick, ihn wieder in tadellosen Anstrich zu sehen." lächelte Mr. Kelmon." Dann transformiere mal, Kleiner."
Rusty folgte der Aufforderung und rollte vor eine spiegelnde Fläche.
“Toll! Wieder überall glänzend schwarz und mein rotes Fahrgestell....So kann ich mich jetzt wenigstens überall sehen lassen. Vor allem nach Elektanis hätte ich mich nicht halbrostig getraut. Ich danke euch beiden, aber vor allem Dir, Casey, für die Mühe, die Du dir mit dem Anstreichen gegeben hast.”

Zwei Gleise weiter stand Greaseball in der großen Halle. Teile an seinem Fahrgestell mussten erneuert werden und ein Abluftgitter, das sich halb gelöst hatte.
"Grmbl! Jetzt ist er wirklich kein Rosteimer mehr! Aber glaub nicht, das mich das beeindruckt, Teekessel!" grollte er in sich hinein. "Rußige Dampflok bliebt rußige Dampflok!"

Am meisten freute sich natürlich auch Pop, das sein Schützling nun wie am Tag seiner Ankunft aussah.
"Jetzt musst Du dich für nichts mehr schämen! Und ich habe gehört, Mr. Corell will dich jetzt auch mehr für den Personenverkehr einsetzen. Viele Leute mögen es noch immer, mit einer Dampflok zu fahren." sagte er.
"Das wäre toll! Das ewige Rangieren hängt mir schon zur Feuerbüchse raus!"

Das Jahr neigte sich langsam dem Ende zu und es war noch frostiger geworden. Beinahe jeden Morgen lag nun Rauhreif auf dem Gras und den Bäumen. Und Rustys Dampfwolken traten nun in der kalten Luft besonders imposant zu tage. Manchmal war er fast gänzlich in seinen weißen , wabernden Dampf eingehüllt. Rusty tat nun vermehrt seinen Dienst auf einer Nebenstrecke mit unzähligen kleinen Bahnhöfen. Am Haken hatte er meistens vier oder fünf Personenwaggons, manchmal begleitete sie auch ein Rocky oder ein anderer Güterwaggon, wenn auf den Bahnhöfen Stückgut abzuholen war. Neben dem Personenverkehr gab es auch immer wieder Frachttransporte zu erledigen.
Mit Freude stellte Casey fest, das die kleine Dampflok mit der Zeit immer mehr Fans bekam, die lieber mit ihm als Zuglok fahren wollten, als mit einem der Diesel. Denn Rusty war genauso püntktlich und schaffte die zulässige Höchstgeschwindigkeit für die Nebenstrecke ohne Probleme. Das wurmte natürlich Steel und die anderen.
"Und wir können gar nichts dagegen machen! Mr. Corell hat neuerdings ein Auge auf uns geworfen! Wenn wir den Teekessel noch mal ärgern, könnten wir ne Menge Ärger kriegen!" knurrte Steel.
"Das ist wahr. Sollte dem Dampfeimer was passieren, fällt der erste Verdacht gleich auf uns!" grollte Greaseball.
"Dann dürfen wir nicht mal unsere Freunde anstiften, dem Dampfer einen Streich zu spielen?" fragte Pewter.
"Nicht mal mehr das!"
"Oh menno!" maulten die Zwillinge.

Eines Abends nach getanem Dienst rief der alte Pop den jungen Lehrling in seine Stellbox.
“Schau mal, Casey. Das wollte ich Dir zeigen.”
In einer Ecke hing ein altes eingerahmtes Foto in der Wand, daneben eine Plakette.
“Erster Sieger beim grossen Finalrennen? Du bist selber auch mal Rennen gelaufen?”
“Ja, aber das war vor langer langer Zeit. Über achzig Jahre ist das schon her. Damals gab es diesen ganzen Ligakram noch gar nicht. Es wurde einmal die schnellste Dampflok des Kontinennts gesucht. Ich habe mitgemacht und alle anderen hinter mich gelassen. Man nannte mich damals den “Rasenden Pop McCoy”. Johnson McCoy war der Mann, der mich konstruiert hat.”
“Cool! Hät ich nicht von Dir gedacht. Weiss Rusty davon?”
Der alte Pop nickte. “Aber er hat es sicher wieder vergessen.” meinte er.
“Nein, habe ich nicht.”
“Rusty!”
Die kleine Lok war im Eingang der Stellbox erschienen.
“Ich habe dich dafür immer bewundert, Pop. Ich wollte einmal so werden wie Du. Auch gegen andere meiner Art ein Rennen laufen. -Doch dann kam dieser Unfall und es gab ja auch fast keine Dampfloks mehr. Wie sollte ich da noch eine Chance haben? Mein Zug war abgefahren.”
“Aber wir sind nun auf einen anderen Zug aufgesprungen. Einem Erfolgszug.” meinte Casey.
"Na hoffentlich bleibt das auch."
"Immer noch Pessimist, wie?"
"Vor allem, um weiterzukommen, müssen wir noch mal gegen Espresso antreten."
"Du hast doch nicht etwa Angst vor ihm?"
"Das nicht, aber der Unfall hat sich in mein Gedächtnis gebrannt."
"Dann suchen wir einen anderen D-Ligisten, wenn Du nicht gegen ihn laufen willst. Ich werde dich zu nichts zwingen."
"Nein, Casey. Trotz allem, kneifen werd ich nicht! Ich versuche es noch einmal. Aber ob ich gegen Espresso gewinnen kann, weiß ich nicht."
"Das werden wir nächstes Jahr sehen. Das Du aber neuerdings Baumstämme zertrümmern kannst, gibt mir Anlass zu guter Hoffung. Du bist stark, aber Du kannst diese Kraft noch nicht bewusst einsetzen."

Als Casey am nächsten Morgen die Bahnhofshalle betrat, erlebte er eine Überraschung. Auf Gleis 1 stand eine elegante stromlinienförmige Lok mit einem dazu passenden Waggon.
"Wow, wo kommt denn die Lok her? So eine habe ich auf meinen Reisen noch nie gesehen. Obwohl...die Bauart kommt mir irgendwie bekannt vor...."
Im selben Moment glitt die Tür des Waggons auf.
Casey blieb stehen und glaubte seinen Augen nicht zu trauen. Aus dem Waggon stiegen gerade zwei Menschen, ein Mann und eine Frau in exotischer Kleidung. Der Mann trug eine perfekt sitzende dunkelblaue Lokführeruniform mit weißen Handschuhen.
“Ich fass es nicht! Japaner? Dann kann der Zug nur ein Shinkansen sein! Das es den hier auch gibt..."
Bei den beiden Neuankömmlingen handelte es sich wirklich um Asiaten. Casey überlegte, ob er zu ihnen gehen sollte, um sie zu begrüßen, doch dann entdeckte er zwei Gleise weiter Buffy und Ashley, die sich für die Abfahrt bereitmachen wollten. Er lief auf sie zu.
“Hallo Buffy! Habt ihr auch die weiss-blaue Lok gesehen? Ist das ein neuer Herausforderer?”
“Ja, Schneckchen. Das ist Honda Hashamoto aus dem Kaiserreich Edo.” lächelte das Waggonmädchen.
“Genau. Und-kch-kch-sein Waggon heisst Suzukiku. Auch der Kaiserwaggon genannt. Kch!” antwortete Ashley mit ihrer kratzigen Stimme.
"Da, schau! Jetzt transformieren Beide gerade."
“Edo....so heißt das Land aus dem sie stammen? In meiner Welt gibt es ein Land in dem es fast die gleichen Leute und Züge gibt. Das ist echt interessant. Aber ich hätte es ahnen sollen. Schon der Name. Hashamoto...er ist in der B-Liga." erinnerte sich Casey an die Daten im Ligahanndbuch. "Na ja...warum soll es nicht auch Gemeinsamkeiten zwischen meiner und dieser Welt geben..."
“So Zuckerstückchen, wir müssen! Hier, für dich.” lächelte Buffy und steckte Casey schnell einen Schokoladenriegel in die Brusttasche. Ein verschmitztes Augenzwinkern, dann war sie auch schon mit den anderen Waggons transformiert.
“Danke, Buffy!”

Die beiden Fremden besprachen sich mit der Lok und begannen sich dann umzusehen. Casey entschied sich nun doch, die Neuankömmlinge zu begrüßen, da gerade kein anderer Lokführer in der Nähe war. Denn das gehörte auch bereits zu seinen Aufgaben. Also ging er noch etwas verunsichert auf die kleine Gruppe zu und versuchte eine Verbeugung.
"Ich heiße sie in Kommoran herzlich willkommen. Mein Name ist Casey Jones. Kann ich Ihnen irgedwie behilflich sein?"
Die Anwesenden lächelten und erwiderten die Verbeugung.
"Wir danken Dir für die freundiche Begrüßung, junger Lehrling. Du scheinst die Gepflogenheiten bei uns in Edo zu kennen."
"Ein bischen." lächelte Casey verlegen.
“Mein Name ist Yoshimoto Kazuga und das ist Shika. Sie ist eine Miko. Eine Priesterin, die bei uns die heiligen Schreine hütet.”
Casey nickte verstehend. Er hatte zu Hause schon viele Fernsehberichte über Japan gesehen. Es gab wirklich viele Gemeinsamkeiten.
"Kannst Du uns sagen, wie wir zum Büro des Stationsvorstehers kommen? Wir wollen gegen den Favoriten von Kommoran antreten.” sprach Mr. Kazuga "Honda Hashamoto ist unser Favorit. Und Suzukiku Inabi ist seine Waggonpartnerin."
"Es freut mich, euch beide kennenzulernen." sagte Casey höflich.
Lok und Waggonmädchen verneigten sich lächelnd.
"Ich werde sie jetzt zum Büro des Stationsvorstehers bringen."
"Wir folgen Dir, junger Lehrling."

Honda und Suzukiku sahen den dreien nach.
"Ich habe selten einen solch höflichen und ehrenwerten jungen Lehrling außerhalb unseres Reiches gesehen." sprach das Waggonmädchen.
"Das ist wahr." nickte Honda.

Nach den üblichen Formalitäten beauftragte Mr. Corell Casey, den Gästen Ihr Quartier zu zeigen.
"Ich fahre mit meiner Lehrlok auch Ligarennen."
"Darf ich fragen, wie viele Plaketten ihr schon errungen habt, Casey-san?" fragte Honda.
"Sechs."
"Ho! In deinem ersten Lehrjahr? Und was für eine Lok ist dein Partner?"
"Eine Dampflok. Ihr Name ist Rusty."
Honda zog eine erstaunte Miene.
"Du hast einen ehrenwerten alten Samurai als Partner?"
"Hehe, so alt ist Rusty gar nicht. Er ist eine der jüngsten Dampfloks. Aber ein Kämpfer ist er." lächelte Casey verlegen.
"Ich würde deine Lehrlok gerne kennenlernen."
Man einigte sich darauf, das Casey mit Rusty am Abend vorbeisehen würde.

Später, als er und Rusty auf ihrer Strecke unterwegs waren, erzählte der Junge der Lok von seiner neuen Bekanntschaft.
"Aus Edo? Na hoffentlich schlägt der Greaseball! Er hätte es mal wieder verdient! Die Schmalzlocke hat in letzter Zeit zu oft keinen Herausforderer gewinnen lassen, hab ich von Happy gehört!"
"Honda hat gute Chanchen. Ein Shinkansen ist ziemlich schnell."
"Shinka-was?"
"So nennen wir die Hochgeschwindigkeitszüge aus Japan in meiner Welt."  
"Ich hoffe nur, er wischt Grease eins aus!"

Am Abend machten sich Rusty und Casey auf dem Weg hinüber zum Gäste-Lokschuppen.
"Und sei ja höflich! Blamier mich nicht!" zischte der Lehrling.
"Hey, ich weiß, wie man sich benimmt!"
"Shhht!"
Gerade wurde eines der Tore von Honda aufgeschoben. Die weiß-blaue Lok verbeugte sich und sprach:" Sei gegrüßt, Casey-san."
"Guten Abend, Honda. Das hier ist Rusty, meine Lehrlok."
"Es freut mich, dich kennenzulernen."
"Ganz meinerseits."
Rusty versuchte, Hondas Verbeugung zu erwiedern.
"Tretet ein, meine Freunde."
Nachdem Rusty allen vorgestellt wurde, nahm man gemeinsam am Tisch platz.
Shika hatte Tee gekocht und man begann zu erzählen. Honda und die anderen staunten nicht schlecht, als Casey von seinen Reisen mit Rusty erzählte.
"Ihr Beiden habt bereits eine Menge in deinem ersten Lehrjahr erlebt." bemerkte Mr. Kazuga.
"Das stimmt. Und ich habe vor, nächstes Jahr nach Edo und Elektanis zu reisen."
"Es wäre eine Freude, wenn Du uns besuchen würdest."
"Und wir werden gegeneinander laufen." lächelte Honda zu Rusty.
"Uh-kein Problem. Wann ist eigentlich dein Rennen gegen Greaseball?"
"Morgen nachmittag um 14 Uhr."
"Wir werden da sein und euch anfeuern." sagte Casey.
"Nimm dich nur vor Grease in acht! Er hat ein paar üble Tricks auf Lager." mahnte Rusty.
"Ich auch." lächelte Honda.
"Echt? Es wäre nämlich toll, wenn Du dem Angeber eins auswischen könntest."
"Ihr beide seid wohl nicht gerade die besten Freunde."
"Kann man wohl sagen! Spinnefeind sind wir!"
"Dampf-und Dieselloks stehen hier etwas auf Kriegsfuß." lächelte Casey verlegen.
"Weil Greaseball immer anfängt!" knurrte Rusty.
"Danke für den Tipp. Aber ich mache mir keine Sorgen." lächelte Honda.

Zehn Minuten vor vierzehn Uhr lief Rusty mit seinem Zug im Hauptbahnhof ein.
"Wir sind noch rechtzeitig. Drüben auf dem Bahnsteig von Gleis 16 a und b haben sich schon alle versammelt!" sagte Casey, als die kleine Dampflok transformiert hatte.

Unter den Zuschauern befanden sich auch Dinah und Dustin.
"Hallo, Freunde! Lange nicht mehr gesehen!" rief Casey.
"Rusty! Casey! Geht es euch gut?" fragte das Waggonmädchen.
"Alles Bestens." nickte der junge Lehrling.
Dinah musterte die kleine Dampflok von oben bis unten.
"Es stimmt also wirklich, was ich von den Dieseln gehört habe. Du siehst phantastisch aus mit deiner vollständigen Lakierung." lächelte sie.
"Ich fühl mich so auch viel wohler."
"Das merkt man. Du siehst gesund und kräftig aus."
Rusty lächelte verlegen über das Kompliment.
"Und wie gehts euch so?" fragte Casey.
"Wir verrichten unseren Dienst wie gehabt. Grease zeigt mir immer noch die kalte Schulter und das ist mir auch recht so!" antwortete Dinah.
"Wenn man vom Teufel spricht...da kommt er gerade." bemerkte Rusty grimmig.

In seiner wie immer großspurigen Art, rollte der Diesel ein. Happy war hinter Ihm angekuppelt, aber ihr Lächeln wirkte etwas gequält, fand Casey. Cablu machte die Einweisung.
"Bitte zurücktreten, der Favorit von Kommoran und Champion des Kontinents fährt ein-Greaseball! Mit seiner bezaubernden Partnerin Happy!" rief der blaue Bremswaggon.
Dinah wandte sich ärgerlich ab.
"Red Caboose ist immer noch nicht zurückgekommen. Deshalb macht sein Bruder jetzt die Ansagen." bemerkte Dustin.
"Stimmt. Mr. Corell hat bis jetzt auch keine Rückmeldung von anderen Bahnhöfen bekommen. Der Kerl ist wie vom Erdboden verschluckt! Ich wette, er versteckt sich. Und warts nur ab, wenn wir wieder auf Reisen gehen, taucht er hunderprozentig wieder auf!" erklärte Casey.
"Dann werden wir ihn erwischen! Ich setz mich einfach auf ihn drauf und dann kann er nicht mehr weg!"rief der Tender enthusiastisch. Casey grinste.

"Auf Gleis 16b fährt nun ein, der Herausforderer aus Edo! Honda Hashamoto mit seiner Partnerin Suzukiku! Der Favorit Edos aus dem Hauptbahnhof von Nara hat es bisher auf 11 Siege gebracht und der Gewinn der Kommoran-Plakette würde Ihn in die A-Liga bringen! Wir dürfen also gespannt sein!" erklärte Cablu.
Honda kam mit seinem Waggonmädchen auf dem Gleis daneben angerollt und vor dem Prellbock zum Stehen. Dann verneigten sich Lok und Waggonmädchen in Richtung des Stationsvorstehers.
"Seid gegrüßt, Reisende aus Edo. Ich wünsche euch viel Glück." erklärte Mr. Corell.
Honda und Suzukiku wendeten und kamen neben Greaseball zum Stehen.
Nun reichte die Miko der blau-weißen Lok eine hölzerne Kelle, mit der sie aus einem hölzernen Bottich Wasser geschöpft hatte. Den Inhalt leerte Honda mit einer fliessenden, eleganten Bewegung auf das Gleis und in das Kiesbett rechts und links von sich.
“Was macht er da?” fragte Casey neugierig Mr. Kazuga.
“Er bringt ein Opfer für die Götter und mit dem Salz reinigt er den Startplatz. Das macht er immer vor einem Rennen, Casey-san.”
Als nächstes streute Honda Salz auf die Gleise vor sich.
“Hehe, es ist doch gar nicht glatt, was soll das?” grinste Greaseball zu Happy. Die zuckte nur mit den Schultern.
“Verstehe. Das hab ich schon mal bei einem anderen Wettkampf gesehen. Beim Sumo-Ringen.” bemerkte der Lehrling.
Der Lokführer aus Edo nickte. Aha, Sumo ist auch bei denen bekannt, dachte Casey.
Greaseball beobachtete den Fremden abschätzend bei seinen kultischen Handlungen. Er hatte auch mehr Augen für die Miko-Priesterin, welche die Schale mit dem geweihten Salz hielt.
"Bitte bereitmachen für den Start!" rief Mr. Corell dann in sein Megaphon. "Wenn die Siganale auf Grün schalten, gehts los!"
Tingle, Mr. Corells Lehrling, hielt die Fernbedienung zum Umschalten der Signale in den Händen und wartete auf das Zeichen seines Chefs. Man konnte mit ihr nur die beiden Signale steuern, alle Anderen wurden über die zentrale Leitstelle des Hauptbahnhofs bedient.
"Achtung...fertig...-LOS!"
Bei "Los" schaltete Tingle die Signale auf Grün und die beiden Kontrahenden sputeten vorwärts. Greaseball übernahm sofort die Führung, während sich Honda Zeit zu lassen schien.
"Schau genau zu, Junge. Ich glaube, von dem kannst Du noch was lernen."
"Pop? Du auch hier?"
"Hoho, ich wollte mir den weitgereisten Burschen doch nicht entgehen lassen!" lachte die alte Dampflok.
"Was soll ich von Honda lernen? Der Abstand zwischen den Beiden wird immer größer!" bemerkte Rusty.
"Klar. Weil er nich wie ein Irrer gleich mit voller Geschwindigkeit fährt. Er teilt sich seine Kraft sehr genau ein, das sehe ich."
"Pop hat recht, Kumpel." nickte Casey, den die alte Lok auf seine Schultern gehoben hatte.

Auch Greaseball wunderte sich.
"Hey, Grease, der Kerl bleibt immer weiter zurück!" rief Happy.
"Ts, da sieht manns mal wieder! Erst so groß tun und dann nicht mithalten können!-Hey, Edorianer! Mir wird das ganze langsam langweilig! Willst Du nicht um deine Plakette kämpfen?" höhnte der Diesel.
"Honda-chan, er fordert dich heraus." sagte Suzukiku.
"Ich habe es gehört. Wollen wir?"
Das Waggonmädchen nickte.

"Und jetzt holt Honda mit seiner Partnerin auf! Der Abstand wird immer geringer, noch ein bischen und er hat Greaseball eingeholt!" kommentierte Cablu das Rennen, während er den großen Monitor beobachtete.
Auch Hondas Lokführer und die Miko waren die Ruhe selbst. Als wüssten sie bereits über den Ausgang des Rennens Bescheid.

Bald liefen beide Gespanne auf gleicher Höhe.
"Alle Achtung! Ich dachte schon, Du holst nie mehr auf." grinste Greaseball. "Chromfaust!"
Honda reagierte auf diesen Angriff blitzschnell und blockte die Faust mit seinem Unterarm ab.
Der Diesel versuchte, noch weitere Schläge zu landen, doch Honda blockte sie jedes Mal ab und landete selbst einen gezielten Hieb gegen Greaseballs Helm.
"Tritt des blauen Kranichs!"
Suzukikus linkes Bein fuhr ausgestreckt seitlich hoch und traf die Wade von Happy. Die quietschte erschrocken auf.
"Grease! Die hat mich getreten!" kreischte das Waggonmädchen und rieb sich die Wade.
"AH!-Pass halt auf! Ich hab genug mit diesem Honda zu tun! Du kannst dich doch selber wehren, oder? Der Anhänger ist immer deine Sache, klar?"knurrte der Diesel, welcher überraschend von seinem Gegner im Genick getroffen worden war.
Wütend versuchte Happy, Ihre Kontrahendin mit der Faust zu treffen. Doch Suzukiku blockte ihre Hiebe einfach ab.
"Grr..das hat noch keiner gewagt!" grollte Greaseball.
"Einmal ist immer das erste Mal, ehrenwerter Champion!" erklärte Honda. Plötzlich entdeckte er neben dem Gleis eine Öllache. Ein verstohlendes Lächeln erschien auf seinem Gesicht. Er streckte seinen rechten Arm aus, schloß die Augen und schien sich auf etwas zu konzentrieren.
Casey glaubte seinen Augen nicht zu trauen, als er plötzlich zwei kleine, rundliche Ölkugeln wie Seifenblasen durch die Luft schweben sah, knapp hinter Hondas Hand.
"Rusty! Rusty! Siehst Du das! Ich weiß nicht wie ers gemacht hat, aber er hat Öl aus einer Lache zu Kugeln geformt, die er jetzt an seiner Hand hinter sich herzieht! Durch die Luft!-Da! Jetzt schleudert er sie nach vorne!" rief der Lehrling aufgeregt.
"Ich hab nichts gesehen. Wie soll er das denn gemacht haben? Er hat das Öl sicher aus seinem Tank in seine Hände geleitet. Einige Loks können das."
"Nein, ich-"
Eine Ölkugel klatschte auf das gegnerische Gleis, die andere traf das Visier seines Helms. Der Diesel stieß einen saftigen Fluch aus und wischte mit dem Handrücken über das verschmierte Visier. Als nächstes rollte er über die Lache auf dem Gleis, geriet dank seines Gewichts aber nur leicht ins schlingern.
Happy aber geriet stärker ins Schleudern, da sie um einiges leichter war, ihr rutschten die Füße weg, sie fiel nach vorne und gegen Greaseballs Rücken.
"Pass doch auf, Du dumme Gans!" fauchte der Diesel und stieß sie mit dem Ellenbogen zurück. Happy ließ erschrocken die Kuppelringe los und landete auf ihrem Hinterteil im Kiesbett des Gleises.
"Ha, Happy hats auf den Hintern gehauen!" freute sich Rusty.

"Das darf doch nicht wahr sein! Steh sofort wieder auf und komm her, dumme Pute!"
Ziemlich uncharmant packte Greaseball Happy am Arm und zerrte sie auf das Gleis zurück.
"Tut mir leid, ich bin auf dem Öl ausgerutscht, das der Kerl aufs Gleis hat fallen lassen! Aih! Sei doch nicht so grob!"

Honda hatte inzwischen den Wendepunkt erreicht, die Weiche davor sprang um und Lok und Waggonmädchen traten den Rückweg an. Zähneknirschend folgte Greaseball.
"Von dem lass ich mich nicht zum Narren halten! Jetzt gibts Beulen in seiner Hülle!" grollte der Diesel.
Schnell hatte der Champion wieder aufgeholt, faltete beide Hände über den Kopf, drehte seinen Oberkörper und ließ sie auf Hondas Schulter niedersausen.
"Doppelschlag!"

"Und da fällt Honda zurück! Greaseballs Doppelschlag hat ihn wohl ganz schön durchgeschüttelt." kommentierte Cablu.
"Oh nein! Er wird langsamer! Komm schon Honda!" rief Rusty. "Bitte lass nicht wieder Schmalzlocke gewinnen!"

"Alles in Ordnung, Honda-chan?" fragte Suzukiku unterdessen.
"Hai! Der letzte Schlag hat mich zwar voll erwischt, aber wir haben ja noch eine Überraschung."
"Hai!" nicke das Waggonmädchen lächelnd. "Er ist zwar stark, doch Stärke ist nicht alles."

"Mann, jetzt kriechen die Beiden nur noch! Was soll das? So schlimm kanns ihn doch nicht erwischt haben!" maulte Rusty.
"Oder er hat noch ein As im Ärmel.-Schau nur, Mr. Kazuga und Shika sind immer noch die Ruhe selbst."

"Nur noch etwa zweihundert Meter trennen Greaseball vom Ziel! Ich glaube, es ist jetzt schon abzusehen, wer als Erster durchs Ziel rollen wird!" erklärte Cablu. "Es ist für Honda unmöglich, jetzt noch aufzuholen!"

"Junbi ga dekita, Suzukiku-san?-Bereit, Suzukiku?"
"Hai!-Ja!" nickte diese.
"Turbo-Beschleunigung!"
Lok und Waggon umgab plötzlich eine helle Aura, im nächsten Moment rasten beide mit unglaublicher Geschwindigkeit vorwärts, die Räder der Lok sprühten Funken. Die Herausforderer rauschten an Greaseball vorbei-und durchs Ziel!
"Wawawas war den...das?!" rief Greaseball verwirrt. "Der ist einfach vorbeigerauscht wie ein Blitz!"
"Hast Du gesehen, Iron? Der kann nen Turbo zuschalten! Mist! Der hat "Big G" ganz schön gelinkt!" fluchte Steel, der mit seinem jüngeren Bruder dienstfrei hatte und zusah.
"Es ist unglaublich!" rief Cablu aufgeregt."Mit einer wahnsinnigen Beschleunigung hat Honda im letzten Moment Greaseball überholt und ist als erster durchs Ziel gegangen! Somit gewinnt er die Plakette von Kommoran! Meinen herzlichen Glückwunsch! Ein phantastisches Finish!"

"Hehe, darum hat er sich Zeit gelassen. Er hat all seine Kraft für den Schlussprint aufgespart. Sehr schlau." grinste Casey.
"So ist es, Casey-san. Deine Folgerungen sind genau richtig. Aber er braucht dafür sehr viel Energie, deshalb wendet er ihn nicht immer an. Außerdem besteht die Gefahr, das seine Stromabnehmer verglühen."
"Ich kanns nicht glauben! Den hol ich ja niemals ein, wenn der den Turbo einschaltet, sollte ich mal gegen ihn antreten!" stöhnte Rusty leise.
"Na wer weiß? Wer Baumstämme kleinkriegt, hat vielleicht auch noch irgendwo nen Turbo unter den Zylindern." lächelte Dinah und ruffelte der kleinen Lok durch das Haar.
"Sehr witzig Dinah!"

Greasball hatte ziemlich üble Laune, doch er musste dem Sieger gratulieren. Dann aber trollte er sich sofort in seinen Lokschuppen. Seit langer Zeit war er wieder einmal geschlagen worden. Und dies passte ihm gar nicht! Niemand durfte es wagen, ihn zu schlagen, er war der Champion!
"Ich bin reingelegt worden! Und das mir! -Und Du musst auch noch entgleisen!" wetterte er.
"Was kann ich dafür, wenn der Öl auf die Gleise sprizt? Du bist viel schwerer und kannst es kompensieren, aber ich-" klagte Happy.
"Oh, shut up! Ich will nichts mehr hören!"
Mit Tränen in den Augen verzog sich das Waggonmädchen in ihre Stellbox. Greaseball warf sich auf seine Liege und schmollte.

Honda bekam unterdessen seine zwölfte Plakette überreicht und war nun in die A-Liga aufgestiegen.
"Nun hast Du dich ebenfalls für das nächste Finalrennen qualifiziert." erklärte Mr. Corell.
"Ich danke Ihnen, Mr. Corell. Und ich freue mich darauf, dann gegen die Besten des Kontinentes anzutreten."

Am Abend gab es eine kleine Feier.
"Das war erste Sahne, Honda! Wie konntest Du so schnell am Schluss beschleunigen?"
"Durch das richtige Sammeln und freisetzen meiner Kräfte."
"Meinst Du...Rusty könnte so etwas auch lernen?"
"Das ist sehr schwierig. Man braucht einige Jahre, um solch einen Erergieschub in die richtigen Bahnen lenken zu können, Casey-san."
"Jetzt habe ich einen Grund mehr, nächstes Jahr nach Edo zu reisen. Ein Training mit Dir würde sich bestimmt für ihn lohnen."
"Ihr seid jeder Zeit herzlich willkommen."
"Ich danke Dir, Honda. "

Bereits am nächsten Morgen machten sich Honda und Suzukiku mit ihrer Begleitung auf die lange Rückreise.
"Bis nächstes Jahr also, Casey!" rief Honda und winkte.
"Abgemacht! Gute Heimreise!"
„Ein Finalist mehr...“ seufzte Rusty. „Und ich muss erst mal so weit kommen.“

Zwei Tage später...
Casey blätterte in der neuesten Ausgabe der Eisenbahnerzeitung, als er auf einen interessanten Artikel stieß.
"Rusty, hör mal. Die schreiben hier, das in Technopolis mit dem Bau einer neuen hochmodernen E-Lok und der dazugehörigen Waggons begonnen wurde. "
"Na toll, noch ein neumodischer Typ! Der fährt wohl am Ende noch selbst ohne Lokführer, was?" schnaubte Rusty verächtlich aus seiner Box.
"Diese Lok und ihre Waggons, genannt Components, sollen mit neuester Technologie ausgestattet werden, steht hier. Sie sind das Modernste, was Elektanis je hervorgebracht hat und werden den Bahnverkehr revolutionieren." zitierte Casey.
"Sag ichs nicht? Am Ende gibts keine Lokführer mehr!"
"Red doch keinen Unsinn, mein Kleiner! Eine Lok braucht immer einen Lokführer." sprach Pop, welcher in den Lokschuppen rollte.
"Richtig. Die Beiden müssen immer zusammenarbeiten. So war es schon immer gewesen und so wird es auch bleiben, egal, wie viel hochmodernen Schnickschnack die da reinbauen!" nickte Digger. "Der Eine kann einfach nicht ohne den Anderen. Es ist quasi wie eine Art Symbiose. Nimm Casey als Beispiel. Die Arbeit mit Zügen liegt ihm einfach im Blut. Glaub mir, aus ihm wird einmal ein toller Lokführer. Nur wenige wie er verstehen Loks und Waggons so gut."
"Du gehörst auch dazu, Digger. Für uns seid ihr nicht einfach Maschinen, sondern Partner-und Freunde." erklärte Rusty.
"Ein wahres Wort, mein Sohn!" dröhnte Pop.
"Wann habt ihr eigentlich wieder vor, auf Reisen zu gehen? Schon Pläne gemacht?" fragte Digger.
“Das weiss ich noch nicht. Ich möchte noch einige Zeit mit euch zusammen verbringen. Ich denke, nächstes Jahr im Frühling machen wir uns wieder auf den Weg. Ich habe vor, nach Elektanis und Edo zu reisen. Doch zuerst gehts nochmal nach Torrone, wir brauchen die siebte Plakette.”
“Dieser Hashamoto Honda hat es Dir wohl angetan, wie?”
Casey nickte. "Ich spüre, das von ihm irgendetwas Mysteriöses ausgeht. Ihr erinnert euch doch noch an die Attacke, mit der er Greaseball und vor allem Happy ganz schön ins Schleudern gebracht hat. Und dann dieser Turbo...und ich könnte schwören, er hat diese Oelkugeln zum Schweben gebracht.” meinte Casey. "Irgendwie."
“Aber Edo ist ziemlich weit weg. Ihr werdet lange unterwegs sein.”
“Aber ich bin sicher, die Reise lohnt. Ich hoffe, Mr. Corell erlaubt Dinah wieder, uns zu begleiten. Es war so toll mit ihr. Sie weiß über Vieles bescheid. Und sie kocht natürlich super.”
"Ja, sie ist ein heller Kopf unsere Dinah. Nur ein gewisser Greaseball weiß das nicht zu würdigen." nickte Pop.
"Auf jeden Fall ist in fünf Wochen das Jahreswechselfest."
"Jahreswechselfest?"
"Man nennt die Nacht in der das neue Jahr beginnt, auch die Nacht der fallenden Sterne, weil der Starlight Express in dieser Nacht überall seine Sterne auf die Erde niedergehen läßt."
"Wow! Da bin ich aber gespannt!"
"Nach Dienstschluss treffen wir uns alle mit unseren Freunden in der großen Bahnhofshalle und feiern gemütlich."

Casey hatte herausgefunden, das Weihnachten hier gänzlich unbekannt war. Aber das machte ihm nichts aus. Und am letzten Tag des Jahres wurden hier immer die Kinder beschenkt.
"Und wer weiß, vielleicht bekommt auch Mancher von uns etwas." lächelte Digger.

Schließlich war der Abend gekommen. Alle Loks und Waggons hatten sich mit dem Personal in der großen, festlich mit Wimpeln und Flaggen geschmückten Bahnhofshalle versammelt. Wer Famile hatte, hatte diese mitgebracht.
Nur Einer aus Kommorans gesammten Waggonpark konnte nicht dabei sein. Red Caboose. Der hockte niedergeschlagen und wütend zugleich in seinem Versteck und starrte in den Nachthimmel.

Zu Caseys Überraschung gab es doch eine Bescherung -für die Lehrlinge. Casey, Tingle und alle anderen Auszubildenden bekamen eine kleine Anerkennung für ihre gute Arbeit.
"Na, hab ichs Dir nicht gesagt? Für unsere Frischlinge gibt es immer etwas." grinste Digger.

Greaseball stand mit seinen Brüdern ein wenig abseits zusammen.
"Mann, das ist wieder mal so öde wie jedes Jahr!" maulte Steel.
"Wir harren noch ein bischen aus und dann verschwinden wir."

Je später es wurde, desto mehr zerstreute sich die Gesellschaft, Digger und Casey zogen sich mit ihren Freunden in den Lokschuppen zurück. Dinah, Dustin und Buffy begleiteten sie, wobei Letztere ein Tablett mit Kuchen und Süssigkeiten anbrachte. Casey fühlte sich wie in einer großen, glücklichen Familie. Das er dabei hin und wieder von Buffy gedrückt und geknuddelt wurde, störte ihn nicht.

Casey! Rusty! Kommt alle raus, es ist soweit!" vernahmen sie plötzlich von draußen Dinahs Stimme.
"Auf gehts!" rief Digger und erhob sich der alten Couch.
Pop schob das Tor auf und alle traten oder rollten nach draußen. Was Casey dann erblickte, würde er sein Leben lang nicht vergessen.Vom sternenklaren, nächtlichen Himmel regneten unzählige, winzige helle Lichtpunkte und verglühten, noch bevor sie den Boden erreichten. Sie erinnerten ihn an Sternschnuppen, doch diese bewegten sich langsam und träge, aber auch sprialförmig drehend nieder.
"Ich..ich habe noch nie so etwas wunderschönes gesehen. Wie leuchtende Schneeflocken." seufzte Casey.
"Bei uns schneit es nur sehr selten. Aber dieses Phänomen kannst Du überall auf dem Kontinent beobachten, egal wo Du bist." erklärte Digger. "Und es passiert nur einmal im Jahr und zwar genau dann in der Nacht des Jahreswechsels um Mitternacht. Casey riß die Arme hoch.
"Yaah! Auf ein frohes, neues Jahr! Mit genauso viel Erfolg und weiteren Siegen!" rief er. Buffy verteilte die warme Neujahrsbowle und alle hoben ihre Gläser.
"Viel Glück und Erfolg im neuen Jahr für uns alle!"

Ende.

Ende des Ersten Buches.
22.05.2009
Dieser erste Band ist somit abgeschlossen. Aber-Fortsetzung folgt....
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