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Starlight Express -Die Abenteuer von Rusty und Casey Jones

von Veggie07
GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
07.02.2009
22.05.2009
23
163.145
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1 Review
 
07.02.2009 5.635
 
Ein kurzes Vorwort: Ich habe mich während ich zu schreiben begann, einiges technisches Buchmaterial besorgt. Zeitweise gibt es technische deltaillierte Beschreibungen, ich habe reale Technik und Phantasie miteinander vermischt. Ich hoffe, die Beschreibungen langweilen euch nicht....

Kapitel 2: Das Eisenbahn-Wunderland

Als er wieder zu sich kam, spürte er, wie jemand mit einem feuchten Lappen über sein Gesicht fuhr. Er schlug die Augen auf.
„Ah, Du bist wieder wach. Wie geht’s Dir?“
Casey hatte sich über Rusty gebeugt, in einer Hand hielt er sein Halstuch. Er mußte es ins Wasser des Flusses getaucht haben, denn es tropfte vor Nässe. Zum ersten Male konnte der Junge nun einen genaueren Blick auf das Gesicht dieses Wesens vor sich werfen und vor allem auf seine Augen. Sie waren von leuchtend blauer Farbe und hatten einen freundlichen und ehrlichen Blick voller Leben, wie die eines Menschen. Und als Casey in diese Augen blickte, war er sich sicher, das dieses Wesen eine Seele hatte.
Rustys Gesicht hatte dieselbe helle Hautfarbe wie die der Menschen, nur die Augenlider bis zu den Brauen waren weiß. Die unteren Lider zierten schwarze Ränder. Auf den Wangen befanden sich links und rechts je eine rote Signalmarkierung und unten um das Kinn konnte der Junge so etwas wie Nieten erkennen, das bestätigte, das Rusty trotz allem eine Maschine war. Eine besondere Maschine.
„Danke, das Du dich so für mich eingesetzt hast. Aber woher kennst Du meinen Namen? Ich habe dich hier noch nie gesehen.“
„Ich bin auch nicht von hier, sondern aus einer anderen Welt. Aber warum und wie ich hier gelandet bin, weiß ich nicht. Vielleicht, weil Du mich gebraucht hast, weil wir einander gebraucht haben. Ich hätte nicht gedacht, das es solche wie dich wirklich gibt! Ich habe von euch geträumt!“
„Eine andere Welt? Wo soll das sein?“
„Kann ich Dir auch nicht erklären. Aber Du wurdest von diesen Typen verfolgt und bei mir war es genauso, bevor ich irgendwie hierherbefördert wurde! Ich weiß nur noch, das ich in diesem alten Tunnel vor diesem George und seiner Bande geflüchtet bin und dabei fest an dich dachte! Und dann war plötzlich der Boden unter mir weg und ich fiel in ein schwarzes Loch! Weißt Du, ich wohne auch auf einem Bahnhof, allerdings ist der schon lange stillgelegt. Aber wir sind dabei, Zug wieder auf Vordermann zu bringen und dazu gehört auch eine alte Dampflok mit Namen Rusty. Ich habe sie so genannt. Aber es ist keine solche Dampflok wie Du. Sie ist eben ....eine normale Dampflok.“
„Das bin ich auch. Klopf einmal.“
Casey pochte mit der Faust gegen Rustys Arme und Beine, zuletzt gegen seine Brust.   Manchmal war ein metallisches Geräusch zu hören, manchmal nicht.
„Komisch. Du bist nicht ganz aus Stahl.“ meinte der Junge.
„Nur im Maschinenmodus. Im Humanoid-Modus haben wir an manchen Stellen eine Art lebendes Gewebe, sie ähnelt ein wenig eurer Haut.
„Echt?“
„Ich kann Dir nicht viel darüber sagen, ich bin kein Techniker oder Maschinenschlosser. Die kennen sich besser damit aus.“
„Aber Du fühlst dich warm an. Besonders am Rumpf.“
„Klar, hier befindet sich auch mein Kessel. Und diese Klappe ist die Öffnung für die Feuerbüchse.“ beantwortete Rusty die Caseys Feststellung. Ich brauche Feuer und Wasser, damit ich laufen kann. Glücklicherweise kann ich mich selber mit den nötigen Brennstoff und der Flüssigkeit versorgen. Ich bin eine Tenderlok, das bedeutet, mein Tender ist fest integriert und ich muss ihn nicht extra hinterherziehen.“
„Ist echt toll! Dann...dann bist Du so etwas wie ein biomechanisches Wesen!“
„Bio-was?“
„Du funktionierst teilweise wie eine Maschine, aber Du existierst auch als selbstständiges Wesen und bist von einem Art lebendem Gewebe umgeben.-Aber mein Rusty zuhause besteht nur aus Stahl und Eisen. Er hat keine Seele, so wie Du. Er ist nur eine Maschine. Alle Loks sind bei uns so. Aber in meinen Träumen wart Ihr alle lebendig! Ich habe zuerst auch gedacht, ich träume, aber Du bist echt und die blauen Flecken auf meinem Allerwertesten sind auch keine Einbildung.“
„Eure Züge haben keine Seele? Wie könnt Ihr sie dann verstehen? Bei uns hat jede Lok und jeder Wagen eine. Jeder ist ein Individuum.“
„Habt Ihr ein Glück!“
„Ja, für viele von uns ist es ein Glück, aber nicht für mich! Sieh mich doch an! Ich bin die letzte Dampflok, die in meinem fernen Heimatland gebaut wurde! Danach wurde das Werk stillgelegt!“
„Wo wurdest Du gebaut?“
„Ach, daran erinnere ich mich nicht mehr! Es ist schon so lange her! Aber der alte Pop stammt von hier, das hat er mir jedenfalls erzählt.-Ich wurde hierher nach Kommoran verkauft, weil in meiner alten Heimat schon kein Bahnhof Verwendung für mich hatte! Hier wurde ich noch anfangs im Personenverkehr eingesetzt, als es noch nicht so viele Dieselloks gab! Aber dann gab es für mich und Pop immer weniger zu tun, das meiste übernahmen die neuen Loks! Und in den letzten Jahren wird für meine Instandsetzung so gut wie gar nichts mehr getan! Nur das allernötigste! Deshalb habe ich mehr Rost an mir als schwarzen Anstrich! Und deshalb nennen mich alle nur noch Rusty! Meine Zeit ist vorbei, solchen Kerlen wie Greaseball, Steel und Copper gehört nun die Zukunft!“
„Ich kann dich gut verstehen.“ antwortete Casey traurig und wischte mit seinem nassen Halstuch die letzen Schlammspuren ab. „Warum war dieser schmierige Diesel nur so hinter Dir her?“
„Er kann mich nicht leiden! Genausowenig wie seine Kammeraden, die nun die ganze Arbeit auf dem Bahnhof und den Strecken machen! Ich darf nur noch die Güterwagen von und zu den Fabriken ziehen! Kurzstrecke! Etwas langweiligeres gibt es nicht! Und rangieren auf dem Güterbahnhof! Für die Personenwagen bin ich eben zu unansehnlich!“ klagte Rusty und versuchte, wieder aufzustehen. „Dabei bin ich eigentlich als Schnellzuglok konstruiert worden und nicht für den Güterverkehr!“
„Warte, ich helfe Dir!“ sagte Casey und griff seinem neuen Freund hilfreich unter die Arme. Als er dann wieder aufrecht stand, überragte er den Jungen um mehr als das das Doppelte.
„Und heute morgen hat er mitgekriegt, wie ich wieder vor mich hergesungen habe!“
„Was! Seit wann ist singen ein Verbrechen?“
„Er haßt nicht das Singen selbst, sondern das Lied, das ich gesungen habe.“
„Wie geht das?“
Rusty sah sich zuerst nach allen Seiten um, bevor er weitersprach. Casey spürte, das er sich vor der Rache dieses starken Diesels fürchtete.
„Es geht so: Woowoo, woowoo, keiner kann es besser als die Dampflok! Das hasst er mehr als alles andere!“
„Das gleiche habe ich auch gesungen, bevor mich George und seine Bande gestellt haben! Irre!“
„Wirklich?“
Der Junge nickte.
„Für mich hat sich noch nie jemand so eingesetzt. Weißt Du, als ich da so hilflos am Boden lag und Greaseball über mir thronte, habe ich auch für mich um Hilfe gefleht! Aber ich dachte an jemand anderen.“
„An wen?“
„An den Starlight Express. Das ist eine alte Legende bei uns. Es heißt, von der großen Sternenlok hätten wir unsere Seelen. In jedem von uns sei ein Teil von Ihm.“
„Das ist ja abgefahren! Bei uns gibt es ein Märchen vom Starlight Express, das die Eisenbahner Ihren Kindern erzählen! Er erscheint nur nachts, wenn man die Sterne sieht und zieht dann am Himmel seine Bahn. Wie gesagt, nur ein Märchen für Kinder. Vielleicht hat ein Komet jemanden zu dieser Geschichte inspiriert. Auf jedenfall ist es irre, wie viel wir doch gemeinsam haben! Wer weiß, vielleicht hat dein Starlight uns zusammengebracht! Wir sind sicher seelenverwandt!“
Auf einmal fiel Rustys Blick auf Caseys Plakette.
„Wo hast Du die her?“
„Von unserer alten Dampflok, die bei mir zuhause im Schuppen steht. Wieso?“
„Schau her.“
Rusty hockte sich vor dem Jungen nieder und deutete vorne auf seinen Hals.
„Warte mal...da ist noch etwas Schmutz drauf...“ er wischte über die angezeigte Stelle und erlebte eine Überraschung! „Die Plakette! Du hast die gleiche Plakette wie ich! Wir haben wirklich vieles gemein! Das muß etwas bedeuten! Sonst wären wir nicht zusammengekommen!“
„Das glaube ich langsam auch, Casey. Ich verstehe nur nicht, warum.“
„Ich schon. Auf uns warten sicher Abenteuer! Das ist immer so, wenn sich zwei aus verschiedenen Welten treffen! Um einander zu helfen und um etwas zu bewegen, was immer es auch sei! Jawohl!“
„Deinen Enthusiasmus möchte ich haben! -Aber vielleicht weiß der alte Pop Rat.“
„Der alte Pop? Wer ist das? Dein Lokführer?“
„Nein, Pop ist auch eine Dampflok. Unser Lokführer, der uns betreut, heißt Digger. Pop ist größer und die älteste noch arbeitende Lok von Kommoran. Außerden ist er äußerlich viel besser in Schuß. Jeder achtet und respektiert Ihn. Er hat mehr Kilometer auf dem Kessel als jeder andere von uns. Er ist auch sehr weise und kennt viele Geschichten, die er oft den Kindern erzählt. Selbst ich liebe es, Ihm zuzuhören. Ich wohne mit Ihm im alten Lokschuppen am Rand des Bahnhofs. Wenn einer mehr zu unserer Begegnung sagen kann, dann er.“
„Also los! Dann laß uns abdampfen!“
„Und wie?“
„Siehst Du die Ringe hinten an meinem Gurt? Halte dich einfach daran fest. Denn wie ich sehe, hast du auch Räder an den Füßen. Eigentlich ungewöhnlich für einen Menschen.“
„Läuft bei euch niemand Inline-Skates oder Rollschuhe?“
Rusty sah Casey verständnislos an.
„Ich verstehe. Ihr kennt so etwas wohl nicht. Und deine Roller sind fest integriert.“
„Natürlich. Menschen laufen, Züge rollen. So ist das nun mal. Aber es geht auch noch anders. Tritt etwas zurück.“
Casey trat drei Schritte zurück. Rusty verschränkte die Arme vor der Brust und rief: „Transformation!“
Im nächsten Moment wurde aus der humanoiden Gestalt eine richtige Dampflok, die fast wie jene Lok aussah, die zu Hause in Caseys Welt im alten Schuppen stand. Nur waren die roten Treibräder größer.
„Ja! Genau! So sehen bei uns Dampfloks aus! Du siehst beinahe wie der alte Rusty bei mir zu Hause aus!“rief der Junge.“Nur deine Treibräder sind anders. Der Größe und Bauart nach bist Du wirklich eine Schnellzuglok.“
„Genau. Das, was Du nun siehst, ist unser Maschinenmodus. In diesem Zustand können wir Menschen und Güter transportieren. Und wir waren zuerst nichts anderes als Maschinen, bis der Starlight uns allen eine Seele schenkte. Seitdem können wir uns verwandeln.“ vernahm Casey weiterhin Rustys Stimme.
„Abgefahren! Und das kann jede Lok von euch?“
„Jede Lok und jeder Wagen.“
Rusty wechselte wieder in seine menschliche Gestalt zurück.
„Für eine Transformation muß man sich sehr konzentrieren, sonst klappt es nicht. Neue Loks und Waggons müssen das erst ein wenig üben, bis sie jederzeit eine Transformation durchführen können.“
„Aha-aber was ist, wenn Ihr transformiert und es sind gerade Menschen in den Waggons oder Loks? Oder Ladung in den Güterwaggons?“
„Keine Sorge. Die Menschen stehen dann eben neben uns im Freien! Genauso ist es mit der Fracht. Es kann euch also gar nichts passieren!“
„Oh Mann, ich kann es kaum erwarten, die anderen zu sehen!“
„Dann halt dich fest!“
„Okay!“
Casey ergriff die beiden Halteringe am Gurt seines neuen Freundes und ließ sich von Ihm ziehen. Mit leichten, geschmeidigen Bewegungen pflügte Rusty durch das Gras. Im Hummanoid –Modus konnte er scheinbar jedes Gelände bewältigen. Als er beschleunigte, wechselte sein lautloser, normaler Atem in einen geräuschvollen, stoßweisen, er klang nun genauso wie eine Dampflok. Und aus seinem Mund traten bei jedem Ausatmen kleine, weiße Dampfwolken. Also über nahm der Mund im Humanoid-Modus die Funktion des Kamins.
Dem Jungen fuhr der Fahrtwind über das Gesicht und durch das Haar und er genoß die rasche Fahrt.
„Rusty?“
„Ja?“
„Dieser Greaseball sprach vorhin von einem Rennen, das er gegen einen Typen namens „Krokodil“ gewinnen will! Bei uns gab es eine Lok-Baureihe, die Krokodil genannt wurde.“
„Krokodil ist auch hier eine Lok. Er hat Greaseball herausgefordert! Er stammt aus Rätina. Sein Bahnhof gehört zur Hauptstadt Emmenthal. Die Emmenthaler sind bekannt für Ihre Krokodil-Lokomotiven.“
„Erzähl mir mehr über dieses Rennen.“
„Es gibt eine richtige Meisterschaft für Lokrennen. Sie werden nur in Humanoid-Modus gefahren, also in der Form, die ich jetzt angenommen habe. Aber es ist nicht nur ein reines Wettrennen, nein, jede Lok hat einige besondere Attacken, die sie während dem Wettlauf einsetzen kann, um die Gegner am Überholen zu hindern! Ein richtiger Kampf auf Schienen bei vollem Tempo!“
„Wow! Hoffentlich kommen wir noch rechtzeitig! Das will ich sehen! -Bist Du auch schon mal so ein Rennen gefahren?“
„Machst Du Witze? Sieh mich doch an! Ich habe meine besten Tage schon hinter mir und keine richtige Kondition! Außerdem beherrsche ich nur die Dampfstoßattacke und die richtet nicht viel aus! Und für die Pfeiffattacke fehlt mir die nötige Puste!“
„Hey, mach dich nicht schlechter, als Du bist! In meinen Träumen warst Du der Sieger! Wir sind allen davongefahren!“
„In deinen Träumen! Doch gegen all die neuen Loks habe ich keine Chance! Ich stehe mit einem Bein schon auf dem Abstellgleis! Du hast es ja selbst gesehen! Ich werde von jedem untergebuttert! Würde ich auch nur eine Lok herausfordern, würde mich jeder auslachen!“
„Ein bischen mehr Selbstvertrauen würde Dir nicht schaden, Kumpel. Aber jetzt bin ich ja da. Ich werde Dir helfen. Und für einen neuen Anstrich werde ich auch sorgen, versprochen. Ich weiß, wie das geht. Mein Dad und ich restaurieren ja zu Hause unseren eigenen Rusty. Aber sag einmal, könnt Ihr auch im Maschienenmodus ohne Gleise fahren?“
„Nein, da sind wir auf sie angewiesen. Unsere Räder sind dafür zu groß und zu schwehr. Auch jetzt habe ich Mühe, vorwärtszukommen. Am liebsten bin ich auf den Gleisen unterwegs.“
„Klar, dazu sind sie auch da.“
„Da vorne beginnt übrigends eine der Schienenstraßen, die nach Kommoran führen.“
„Kommoran?“
„Ja, so heißt mein Heimatbahnhof. Kommoran ist die Hauptstadt unseres Landes Ruthia.“
Mann, ich bin wirklich ganz woanders gelandet. Solch ein Land und eine Stadt mit diesem Namen gibt es auf der ganzen Erde nicht, dachte sich Casey.
Rusty fuhr auf einen erhöhten Damm zu und hinauf.
„Und eure Schienen sehen auch anders aus als unsere! Seit wir auf Ihnen fahren, sind eure Gleise in Asphaltbahnen eingelassen! Bei uns nur auf Bahnübergängen!“
„Die Gleise benutzen wir nur im Maschinenmodus. Unsere Räder sind da auch anders. Aber jetzt benutze ich die asphaltierte Bahn, wie eine Straße.“
„Wow! Du bist echt vielseitig! Eine All-Terrain-Lok!“rief der Junge. “Nur schwimmen kannst Du sicher nicht.“
„Schwimmen? Im Wasser? Erinnere mich nicht daran! Ich bin viel zu schwer, würde untergehen wie ein Stein und elend ertrinken! Wir brauchen genau wie Ihr, Luft zum Atmen! Nur funktionieren unsere „Lungen“ ein wenig anders. Deshalb fahre ich nie gerne über Brücken, die über einen Fluss führen!“ Rusty schüttelte sich. “Ich habe einmal mitansehen müssen, wie eine Brücke vor mir während eines Hochwassers zusammenstürzte und eine Lok samt Waggon mit Ihr! Man konnte sie zwar bergen und sie haben überlebt, weil sie sich im Maschinenmodus befanden! Wären sie in meinem jetzigen Zustand gewesen, wären beide ertrunken und Ihre Seelen hätten sie verlassen und wären in den Himmel zum großen Sternenzug zurückgekehrt, dahin, woher Sie einst zu uns kamen! Deshalb habe ich solchen Bammel vor Brücken!“
„Ihr könnt also genauso irgendwann sterben wie ein Mensch? Das ist echt krass!“
„Aber auch im Maschinenmodus droht uns Gefahr! Werden wir durch einen Unfall zu schwer beschädigt, können wir ebenfalls unsere Seele verlieren! Zurück bleibt dann eine leere Metallhülle ohne Leben.“
„Verstehe.“ nickte Casey ernst. Er hielt seine Beine zusammen und ließ sie über den Asphalt laufen. “Ihr müsst also wie wir gut aufpassen!“
„Schau, da vorne ist bereits Kommoran!“
Bald tauchten am Horizont die ersten Häuser auf. Die Stadt lag in einem weitläufigen Tal, das von sanften Hügeln umgeben war, auf der gegenüberliegenden Seite begann ein großer Wald. Rechts davon, etwas außerhalb der Stadt, konnte Casey einen Steinbruch und Industrieanlagen erkennen, darunter auch die Fördertürme eines Bergwerks. Ganz in der Nähe lief ein Arm des Flusses vorbei, an dessen Ufer sich Casey und Rusty begegnet waren.
In der Stadt selbst gab es ein weit verzweigtes Gleissystem, das am großen Bahnhof von Kommoran zusammenlief. Er erinnerte Casey an die Bahnhöfe, die im Stil des vorigen Jahrhunderts bei Ihm zuhause in seiner Welt gebaut worden waren. Ebenso wirkte die Bauweise der übrigen Gebäude. Eine Art Jugendstil. Und dann entdeckte der Junge auch die ersten Einheimischen. Menschen, die so aussahen, wie er, deren Kleidung allerdings wie die Gebäude altmodisch wirkte. Auch gab es keine Autos, sondern Wagen, Kutschen und Karren, die von pferdeähnlichen Tieren gezogen wurden. Aber er konnte doch in dem Verkehrsgewimmel ein-zwei altmodische Automobile erkennen. Casey schätzte den motorisierten Entwicklungsstand auf die Zeit der zwanziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts. Aber es gab Elektrizität, das sah er an der Straßenbeleuchtung. Und an den Oberleitungen im Bahnhof für die elektrischen Loks.
Rusty und Casey waren auf einer nicht elektrifizierten Nebenstrecke nach Kommoran gelangt.
„Irre! Das ist wirklich eine andere Welt! Aber sie gefällt mir!“ dachte Casey, als er mit Rusty in den Bahnhof einfuhr.
Der Hauptbahnhof war ein prachtvoller Bau, der Casey an die Bahnhöfe aus dem vorigen Jahrhundert erinnerte, die es in seiner Welt gab. Eine gewölbte Kuppel aus Stahl und Glas überragte die Gleise, dazwischen gab es Öffnungen, damit der Dampf und die Abgase der Loks abziehen konnten.
„Da vorne in der Halle findet der eigentliche Reiseverkehr statt.“ erklärte Rusty.
„Und wofür ist der Teil, wo wir uns gerade befinden?“
Auch hier gab es Gleise mit überdachten Bahnsteigen.
„Gleis 1-9 sind für den Fernverkehr und enden in der Halle, die Gleise 10-16 sind für den Verkehr innerhalb der Nebenbahnhöfe von Kommoran und für den Fracht- und Güterverkehr. Die dahinterliegende Gleisanlage mit den Lokschuppen gehört dann uns. Hier halten wir uns auf, wenn wir keinen Dienst haben. Es ist quasi unser Zuhause. So ist es im Grunde genommen auf jedem großen Haupt-Bahnof hier auf dem Kontinent.“ fuhr Rusty fort.“Und das Gleis 16a und 16b sind die Gleise für die Wettrennen. Bei drei Teilnehmern können auch die Weichen für Gleis 15 dementsprechend gestellt werden.“
Auf dem Bahnsteig zwischen Gleis 16a und 16b hatte sich bereits eine große Menschenmenge eingefunden, die sich auf den Bahnsteigen um zwei nebeneinanderlaufende Schienen versammelt hatte.
„Da, alle warten schon auf den Start des Rennens, siehst Du? Das ist immer ein großes Ereignis, im jeden Hauptbahnhof eines Landes!“ erklärte Rusty und hielt etwas außerhalb der Menge. „Und da drüben siehst Du nun meine Kollegen.“
Rusty wies nach vorne, wo neben dem Ende der Bahnsteige auf jeder Seite zwei Gruppen von Wesen standen, die Casey voller Staunen betrachtete.
„Die Gruppe da vorne sind die Personenwagen. Da haben wir zuerst Ashley, den Wagen für die Raucher.“
„Hey, das sind ja alles Mädchen!“
„Dann verstehst Du sicher auch, warum jede Lok lieber gerne Personenwagen angekuppelt hat.“
„Klar.“ grinste der Junge. “Oh mann! Diese Ashley macht Ihrem Namen alle Ehre! Sie qualmt selber wie ein Schlot!“
„Tja, sie hat im Humanoid-Modus immer einen Glimmstengel im Mundwinkel. Sie kann eben nicht anders, obwohl es ungesund ist.“
„Die da neben Ihr ist Sugar, ein normaler Zweiter Klasse Wagen. Davon haben wir fünfundzwanzig, die zum Hauptbahnhof hier gehören. Die Meisten sind immer irgendwo unterwegs. Genauso ist es mit den Erste-Klasse Waggons. Davon gibt’s hier nur fünf. Die mit dem goldfarbenen Anstrich da ist Buffy, eine Art fahrbare Imbissbude mit Bar. Aber nenne sie bloß nicht so in Ihrer Gegenwart, das hört sie nicht gerne! Sie ist einfach ein Buffetwaggon. Mit einer sehr überschwenglichen Art. Du wirst das noch merken! Tja, und dann gibt’s da noch Dinah, den Speisewagen, aber die ist gerade nicht da, weil sie mit Greaseball das Rennen fahren wird. Es fahren nämlich immer Lok und ein Waggon.“
„Verstehe. Dinah ist seine Freundin, seine Braut!“
„Kann man wohl sagen! Ich darf nicht mal in Ihre Nähe! Sie wohnt mit Greaseball in seinem Lokschuppen zusammen. Für die übrigen Waggonmädchen gibt es einen extra Waggonschuppen, die Güterwaggons bleiben immer im Freien.-So, und die da auf der anderen Seite sind die Güterwaggons, die Jungs, mit denen ich meist zu tun habe. Die drei da mit den eckigen Helmen sind die Rocky-Drillinge, geschlossene Güterwagen. Rot ist RockyI, grün RockyII und gelb Rocky III. Der Dicke mit dem glänzenden Helm auf dem Kopf ist Dustin, dient zum Transport von allerlei Massengut, wie Steinen, Kohlen und ähnlichem. Er und seine Ladung sind am schwehrsten, darum ziehe ich Ihn nicht so gerne mit mir herum. Und der mit dem zylindrischen Rumpf ist Tank, ein Tankwagen. Sein Bruder Barrel ist gerade unterwegs. Dann gibt es noch Plattformwaggons, Kühlwaggons, Postwaggons.....Im ganzen gehören zu meinem Heimat-Bahnof hier hundertzwanzig Personenwaggons und sechsundsechzig Güterwaggons. Die meisten von Ihnen sind ständig unterwegs oder in den kleinen Teilbahnhöfen untergebracht. Unser Güterbahnof liegt im Norden von Kommoran. Wir Lokomotiven, sieben hier im Hauptbahnhof und neun weitere auf den Außenbahnhöfen, teilen uns die Arbeit. Zwei Dampfloks, ich und Pop, Greaseball, seine sechs Dieselkumpane Steel, Copper, Lead, Brass, Iron und Pewter und sechs Elektro-Triebwagen, die vor jeder Fahrt immer aufgeladen werden müssen. Eine richtige E-Lok haben wir noch nicht, da erst ein Streckenabschnitt elektrifiziert wurde. Und über allem steht der Bahnhofsvorsteher und sein Assistent, unsere Chefs.“ erzählte Rusty.
„Toll! Und wo ist dein Kumpel Pop?“
„Entweder unterwegs oder in unserem alten Lokschuppen. Er steht dort hinter den drei großen Bäumen, wohin das alte Gleis führt. Ein Aussenseiter-Zuhause für zwei Aussenseiter-Loks!“
„Ach, Rusty, Du bist ein richtiger Schwarzseher! Versuche, das Beste aus allem zu machen!“
„Leicht gesagt, mit so einem Rivalen wie Greaseball, der einem das Leben zur Hölle macht!“
„Hey, und wer ist der schnieke Rote da? Der mit der Mütze!“
Rustys Blick verfinsterte sich.
„Halt dich bloß von Ihm fern, Casey! Das ist Red Caboose, unser Bremswagen! Ein intriganter Kerl, der nur versucht, anderen eins auszuwischen! Ein Trickser, ein hinterhältiger Kerl, der zu Greaseball hält! Trau´ Ihm niemals, Casey! Ich habe schon oft schlechte Erfahrungen mit Ihm gemacht! Er kann mich genausowenig leiden wie Greaseball und die anderen Diesel!“
„Ich merk´s mir, Rusty!“
„Er hat noch einen Bruder, den blauen Cablu, der ist ganz anders. Ein liebenswerter und netter Kerl. Aber der hat seinen Standort im Nebenbahnhof am anderen Ende der Stadt.“
An einem der Bahnssteige ging plötzlich ein Großbildschrim an und das Gesicht eines Mannes wurde sichtbar.
„Das ist Mr. Corell, unser Bahnhofsvorsteher!“ erklärte Rusty.“Ihm unterstehen wir alle, er ist unser großer Boß!“
„Guten Tag, meine Damen und Herren! Ich begrüße sie auf dem Hauptbahnhof von Kommoran zu einem neuen Rennen um die begehrte Greenhill-Plakette unserer Stadt! Wie sie wissen, ist diese Plakette eine wichtige Trophäe, um sich für die große Meisterschaft, die jedes Jahr auf dem großen Central-Platteau stattfindet, zu qualifizieren! Der heutige Herausforderer ist Krokodil aus den Hauptbahnhof von Emmental!“ tönte es aus den Lautsprechern.
Als Casey seinen Freund fragend ansah, erklärte dieser: „Um sich für das Finalrennen zu qualifizieren, mußt Du als Lok ersteinmal mindestens zwölf Plaketten gewinen! Das bedeutet, Du mußt die zwölf stärksten Loks der verschiedensten Neben-und Hauptbahnhöfe auf dem Kontinent herausfordern! Dann bist Du in der A-Klasse und trittst beim großen Finale gegen die anderen A-Ligisten an! Insgesamt gibt es etwa zwanzig Hauptbahnhöfe, die einen Favoriten haben und etliche kleinere Bahnhöfe der Ligen F-D, die solche Rennen austragen, Kommoran ist der Hauptbahnhof mit dem zur Zeit einzigem Superior-A Ligisten: Greaseball.- Je nachdem wie viele Plaketten Du erringst, steigst du immer eine Liga weiter auf. Es fängt mit der F-Liga an und die höchste ist die Superior - A-Liga, zu der auch Greaseball mit vierzehn Plaketten gehört! Aber ich könnte Ihn niemals herausfordern, weil wir zum selben Bahnhof gehören! Ich könnte nur in der großen Meisterschaft gegen Ihn antreten! Und das würde ich sowieso nie!“
„Verstehe. Man braucht also mindestens zwölf Plaketten, um am großen Meisterschaftsrennen teilnehmen zu können!“
„Eine Lok der höheren Liga hat natürlich viel mehr Renn-und Kampferfahrung als eine der niedrigeren Liga! Deshalb wird es schwierig für Krokodil werden! Greaseball steht auf einem sehr hohen Level! Und ich auf dem allerniedrigsten! Besser gesagt, auf gar keinem!“
„Ist jeder Loktyp für die Liga erlaubt?“
„Jeder.“
„Auch Dampfloks?“
„Casey, worauf willst Du hinaus?“
„Sag schon!“
„Natürlich können auch Dampfloks mitmachen! Bloß haben die so gut wie keine Chance, schnellste Lok des Kontinents zu werden! Es gibt keine Dampflok, die ein A-oder Superior-A-Level erreichen kann!“
„Ist das bewiesen?“
„Nein, aber es ist Tatsache!“
„Wieso bist Du Dir da so sicher, wenn es noch keine Dampflok versucht hat? Mit dem richtigen Training kann man es zumindest versuchen! Oder ist eure Leistung begrenzt?“
„Pop sagt, selbst wir Dampfloks können unser Leistungslevel noch erhöhen! Aber nicht in meinem halbrostigen Zustand!“
„Du traust dich bloß nicht! Dir fehlt wirklich ne´Menge Selbstvertrauen!“
„Diese Meisterschaften gibt es erst, seit es verschiedene Loktypen mit verschiedenen Antriebsarten gibt!-Greaseball hat den Titel bereits zwei Mal gewonnen! Und er wird auch beim Dritten Mal sicher den Sieg einheimsen! Du solltest mal seine Stellbox da drüben im neuen Lokschuppen sehen! Da stehen unzählige Auszeichnungen und er hat von den zweiundvierzig möglichen A-F Plaketten unseres Kontinents bereits achtzehn! Der absolute Rekord! Einige trägt er sogar auf seiner Brust wie Orden! Du kannst von den Plaketten der Unterliga mehrere verschiedene gewinnen, aber weiter kommst Du nur, wenn Du einen Ligisten über Dir schlagen kannst. - Für das Paradepferd von Kommoran wird natürlich alles getan und unser alter Lokschuppen verfällt langsam! Digger hat Mühe, das Dach instandzuhalten, damit es nicht durchregnet!“

„Und hier kommt der Herausforderer, Krokodil aus Emmenthal, Rätina! Wird er es schaffen, die begehrte Plakette zu erringen? Greaseball hat es seinen Gegnern bisher nicht leichtgemacht und er wurde bisher noch nie geschlagen!“tönte es aus den Lautsprechern. Rusty hob Casey auf seine Schultern, damit er einen besseren Überblick hatte. Aber er hielt sich etwas abseits seiner Waggon-Kollegen, die aufgeregt in die Richtung starrten, aus der sich nun zwei Gestalten näherten.
Vorneweg glitt Caboose in seiner lackroten, glänzenden Aufmachung, die den Jungen an eine Lieutenant- Uniform erinnerte. Nur die Schulterstücke waren viel wuchtiger und sahen wie die Nachbildung von kleinen Waggons aus, die auch die anderen seiner Art auf Ihren Schultern trugen. Ein flacher, quadratischer Vorbau aus rotlackiertem Holz bedeckte seine Brust. Unter seiner Schildmütze lugte ein struppiger, blonder Haarschopf hervor. Auch er besaß zwei große ovale Signalpunkte auf seinen Wangen und weiße Augenlider.
„Bitte zurücktreten, hier kommt der Herausforderer Krokodil! Vorsicht auf den Bahnsteigen, der Herausforderer fährt ein!“ meldete er und unterstrich seine Worte mit entsprechenden Gesten seiner Arme. Die Menschen auf den Bahnsteigen wichen etwas zurück und begrüßten den Ankömmling mit Beifall.
Hinter Caboose erschien dann Krokodil. Seine ganze Rüstung war grün und ähnelte in der Form tatsächlich etwas einem Krokodil. Casey wußte, wie diese Lok im Maschinenmodus aussah, er hatte sie in einem Fotobuch seines Vaters gesehen, sie war in seiner Welt auch längst ein Relikt aus vergangener Zeit. Aber sie fuhr bereits mit Elektrizität, davon zeugten die Stromabnehmer auf seinem grünen Helm, den er unter dem rechten Arm trug. Grün waren auch seine Haare, die Augen grau. Hinter Ihm folgte ein zierliches Waggonmädchen in einem grün-weißen kurzen Kleidchen, das sich an den Halteringen, die jede Lok und jeder Wagen im Humanoid-Modus trug, festhielt und sich ziehen ließ.
„Krokodil fährt mit Bella, einem erste-Klasse-Wagen der Högli-Bahngesellschaft. Er ist eine Lok aus der C-Liga und will es gegen unseren Champion versuchen!“
„Oh Mann, die Kleine wirkt so zerbrechlich!“ meinte Casey. „Ob die das richtige Anhängsel für so ein Rennen ist?“
„Auf jedenfall hat sie kaum Gewicht. Und das ist ein wichtiger Faktor. Man braucht weniger Kraft.“ erklärte Rusty.“ Zu jedem Rennen gehört immer eine Lok und ein Wagen.“
„Du weißt ganz schön viel über diesen Renn-Wettbewerb und seine Tips und Tricks! Gibs zu, Du würdest am liebsten selbst mitmachen!“
„Wenn ich besser in Schuß wäre-vielleicht. Aber dann auch nur, um es diesem Angeber Greaseball zu zeigen!“
Plötzlich entdeckte Casey einen brünetten Jungen, vielleicht ein oder zwei Jahre älter als er, der auf dem Bahnsteig neben Krokodil herlief und dann, als er vor dem Prellbock stehenblieb, ebenfalls hielt und auf Ihn und Bella einsprach. Er trug eine grüne Uniformjacke mit Abzeichen und eine dunkelgrüne Schildmütze auf dem Kopf.
„Hey, wer ist denn das?“
„Das wird sein Betreuer sein. Vieler solcher Loks, die von Hauptbahnhof zu Hauptbahnhof ziehen, um Plaketten zu erringen, haben meist junge Betreuer. Es sind Lokführer-Lehrlinge, das siehst Du an den Abzeichen auf der Uniformjacke des Jungen.“ erklärte Rusty. „Denn ohne Lokführer oder Lehrling darf man eine solche Reise gar nicht antreten! Nur beim Rennen darf er nicht mitfahren. Das tragen wir unter uns selbst aus.“

„Der Betreuer von Krokodil und Bella ist der fünfzehnjährige Loisel, ein Lokführer - Lehrling im zweiten Lehrjahr!“ tönte es aus dem Lautsprecher.
„Was? Der hat mit vierzehn schon angefangen?“
„Bei uns fangen die Kinder von euch Menschen bereits früh mit einer Lehre an. Nach Beendigung der Schulausbildung beginnt sie und kann bei manchen Berufen bis zu sechs Jahren dauern! Für den Lokführer dauert die Lehrzeit drei Jahre. Entweder lernt der Lehrling an einem Ausbildungsplatz oder er geht auf Wanderschaft, wie zum Beispiel der Junge von Krokodil hier.“
„Klar. Auf diese Weise kann man noch viel mehr lernen. Aber kann ein Junge in seinem Alter schon alleine eine Lok fahren? Diese Tätigkeit erfordert große Verantwortung und Konzentration!“
“Auf diese Weise lernt er diese Eigenschaften am besten. Und keine Sorge. Auch im Maschinenmodus ist ein Lokführer nie alleine. Wir können immer auch von selbst fahren. Der Lokführer unterstützt und betreut uns eigentlich mehr. Aber bei einem Lehrling unterstützen und betreuen wir uns gegenseitig, am Anfang bilden wir sie meistens zusammen mit anderen Bahnmitarbeitern aus. Das stärkt die Bindung zwischen euch Menschen und uns und den Lernprozess. Über Generationen hat sich dieses System bisher am besten bewährt!“
„Verstehe.“
„Jeder Meister ist stets bereit, jedem Schüler etwas von seinem Wissen zu vermitteln, wenn dieser es wünscht. So wird es von Generation zu Generation weitergegeben, egal woher man kommt oder wo man ist. Je mehr Wissen man erwirbt, desto besser.“
„Wow! Echt stark! Das würde mir auch gefallen! Von den besten Lokführern der Welt zu lernen! Und Du könntest von den besten Loks der Welt lernen!“
„Ach, wer würde mir schon etwas beibringen? Ich bin ein Schwächling! Jede andere Lok kann die Pfeiffattacke besser als ich! Die haben viel mehr Puste!“
„Dann mußt Du eben besser deine Lungen trainieren! Arbeite an Dir!“
„Wozu denn? Das bringt doch nichts!“
Plötzlich erscholl ein tiefer und lauter Sirenenton. Rusty fuhr zusammen. Er kannte dieses Signal zu gut!
„Und hier kommt nun unser Favorit! Applaus für den Champion von Kommoran und Ruthia! Aus der Superior A-Liga! Greaseball! Und seine charmante Partnerin Dinah!“ wurde Krokodils Gegner angekündigt.
Auf dem Paralellgleis lief nun der protzige Greaseball ein. Seine Chrom -und Messing beschlagene Rüstung glitzerte und funkelte im Sonnenlicht und seine von Casey geplättete Haartolle hatte er wieder in Form gebracht. Hinter sich zog er seine Partnerin, die Casey am ehesten an eine Kellnerin erinnerte. Sie trug ein blau-weiß kariertes Kleid mit einem Petticoat-Minirock, darüber eine weiße Schürze und ein weißes Spitzenhäubchen in Ihrem blonden Haar. Das war also Dinah.
Die beiden wurden mit kräftigem Applaus begrüßt.
„Sieh nur wie sie Ihm zujubeln! Ich könnte jedesmal in die Luft gehen!“ knurrte Rusty und ließ geräuschvoll aus einem Ventil an seiner rechten Schulter Dampf ab.
„Klar, bei solch einem Typ wird jeder neidisch!“ bemerkte Casey. „Hey, der Mann in der hellblauen Uniform, ist das der Lokführer von Greaseball?“
„Stimmt. Das ist Mr. Francis Loghead.“
„Mann, der Typ sieht genauso geschniegelt aus wie Greaseball! Und sein Brustkasten! Wie n´Bodybuilder! Ein Glück, das er nicht auch noch so ne´Schmalz-Tolle hat!“
Greaseballs Lokführer sah wirklich wie einer dieser Bodybuilder aus, sein welliges Haar war pechschwarz, ordentlich gekämmt und hinten zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Seine Frisur hatte tatsächlich etwas Ähnlichkeit mit der des Diesels, aber zum Glück nur etwas. Francis gebräuntes Gesicht mit den rehfarbenen Augen machte einen sanften, aber auch etwas melancholischen Eindruck. Auf jedenfall schien er einen besseren Charackter zu haben, als sein Lokpartner.
„Loghead sieht zwar toll aus und hat jede Menge Muskeln, aber im Kopf ist er nicht besonders hell. Doch er hat ein gutes Herz und liebt es, mit Kindern zu spielen und sich um sie zu kümmern. Und er läßt sich von Greaseball herumkommandieren wie ein Dienstbote! Und weil Loghead unbedingt bei Ihm blieiben will, versucht er diesem chromierten Protz all seine Wünsche zu erfüllen!“
„Der Kerl ist also ein Arschkriecher!“
„Wo hast Du denn diese Ausdrücke her, Casey?“
„Tschuldige, Rusty.“
Gerade gaben sich die beiden Lokführer die Hand.
Gleichzeitig erscholl ein durchdringendes Sirenengeheul aus den Lautsprechern. Auf dem großen Bildschirm waren nun die beiden Kontrahenden zu sehen,wie sie sich für den Start bereitmachten.
„Jetzt geht’s los! Mann, ist das spannend!“ rief Casey.
„Achtung! Bitte zurücktreten! Der Start erfolgt in zehn Sekunden!“ tönte es aus dem Lautsprechern.

„Viel Glück, Krokodil und Bella! Gebt euer Bestes! Dann ist uns die nächste Plakette sicher!“ sprach der Lokführerlehling zu seinen beiden Schützlingen. Die grüne Lok nickte setzte Ihren Helm auf und fuhr Ihren Stromabnehmer, der sich darauf befand, aus. Aber sie reichten nicht ganz bis zur Oberleitung. Doch das machte nichts. Die Energie sprang trotzdem in hellen Blitzen über.

Und Loghead auf dem gegenüberliegenden Bahnsteig bat Greaseball: “Nimm die beiden nicht zu hart ran! Dein Gegner ist nur aus der C-Liga! Und vor allem: Kämpfe fair! Gib deinem Gegner eine Chance!“
„Hey, ich bin doch kein Wohtätigkeitsverein! Wer die Plakette von Kommoran verdienen will, muß zeigen, das er Ihrer würdig ist! Ich lasse doch keinen mit Absicht gewinnen! An unsere Plakette sind bisher nur die Allerbesten herangekommen!“ schnauzte der große Diesel zurück.
„Okay, okay...“ beschwichtigte Loghead seinen schwierigen Partner. “Dann sei wenigstens fair!“
Der gutaussehende Lokführer hatte es noch nie gewagt, mit Greaseball zu schimpfen und ließ seine Stimme immer freundlich klingen. Bedingungslos schluckte er alle Demütigungen und ließ sie auch nie an anderen aus.
„Fünf, vier, drei, zwei, eins-und Start!!“
Vorne am Ende der Bahnsteige, schalteten zwei rote Signale gleichzeitig auf Grün! Das war für Greaseball und Krokodil das Zeichen zum lossputen!

Fortsetzung folgt....
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