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Starlight Express -Die Abenteuer von Rusty und Casey Jones

von Veggie07
GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
07.02.2009
22.05.2009
23
163.145
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07.02.2009 9.808
 
Kapitel 17: Der Zorn des Flussvaters


Dustin mühte sich über den matschigen Untergrund. Durch sein Gewicht sanken seine Räder jedes Mal tief ein und er kam nur langsam vorwärts. Vor allem blieb die weiche Erde immer wieder zwischen seinen Rädern kleben. Bald konnte er nur noch stapfen und nicht mehr rollen.

Gerade suchte er in den bereits verlassenen Gehöften vor der Stadt und auf den Feldern.
„Oh je! Ich komme kaum noch vorwärts! Ohne Gleise bin ich auf diesem weichen Gelände aufgeschmissen....kleiner Lehrling! Wo bist Du?“
Er lehnte sich gegen die Schutzmauer, um ein wenig zu verschnaufen und versuchte, den gröbsten Schlamm von seinem Fahrgestell zu bekommen.
Besorgt sah er über den Schutzwall auf das unruhige Wasser hinaus. Nur etwas mehr als einen Meter trennte das Wasser von dem Sims. Immer wieder schlugen die Wellen gegen den Wall, als wollten sie mit aller Macht versuchen, ihn zu durchbrechen.
„Großer Flussvater, warum bist Du nur so verärgert? Bitte hilf mir, unseren kleinen Lehrling zu finden! Er ist sehr krank und hat sich irgenwo auf der Insel verirrt!“ bat er leise. „Wir haben uns nichts zu Schulden kommen lassen und Casey ist ein guter Junge. Ich will nicht, das ihm etwas geschieht! Aber ich bin so schwer und bleibe immer im Matsch stecken.“

„Ich habe deine Bitte gehört. Aus deiner Stimme spricht ein reines Herz. Ich werde Dir helfen, damit Du schneller vorwärtskommst.“ vernahm der Tender plötzlich eine weibliche sanfte Stimme, die vom Wind herangetragen wurde.
„Wer bist Du? Ich kann dich nirgends sehen.“
„Das kannst Du auch nicht, denn ich bin die große Mutter des Sana. Und Du brauchst keine Angst zu haben. Es ist kein Kind in die Fluten gefallen. Das hätte ich bemerkt.“
„Wie willst Du mir helfen?“
„Ich werde dir einen Wasserfilm schicken, damit Du schneller vorwärtskommst.“
Kaum waren ihre Worte im Wind verklungen, da schwappten zwei glänzende Pfützen über die Mauer, flossen über den Boden und legten sich um Dustins Fahrgestell.
„Ja, jetzt geht es viel leichter! Hab dank, große Flussmutter!“ freute sich der Tender.
„Mehr kann ich nicht für dich tun.“
„Das hilft mir schon sehr! So finde ich Casey bestimmt!“
Erleichtert über das Wissen, das Casey nicht in den Fluss gefallen war, setzte Dustin seine Suche fort.

„Ich wusste nicht, das diese Insel so groß ist...“ murmelte Rusty, während er auf dem Boden nach Fußspuren Ausschau hielt. Aber das Gras hatte deutliche Abdrücke verhindert und sich längst wieder auf gerichtet. Auch er hatte Schwierigkeiten, das Gelände war für sein Fahrgestell nicht der geeignetste Untergrund.
Kurz hinter der Stadt sah er plötzlich etwas im Gras liegen. Er bückte sich und hob es auf.
„Das ist doch der Verband von Caseys Fuß! Er muss hier langelaufen sein...ja, da in der Pfütze ist ein einzelner Fußabdruck der von ihm stammen könnte.-Casey! Antworte mir!“
Aber nur das ferne Rauschen des Wassers drang an sein Ohr.
Einige hundert Meter weiter entdeckte er plötzlich eine kleine Gruppe von Leuten, die etwas herbeitrugen und ablegten. Rusty rollte die leicht schräge Senke hinunter und erkannte bald darauf das die Leute dabei waren, Sandsäcke aufzuschichten. Eine schmaler Kanal durchzog die Senke, durch den sich gurgelnd das Wasser einen Weg bahnte.
„Nanu? Was tust Du hier? Du solltest besser bei den Anderen bleiben! Das Wasser dringt bereits an einigen Stellen durch die Schutzmauer und überflutet die tiefer gelegenen Teile unserer Insel! Wir versuchen, das eindringende Wasser durch diesen Kanal wieder in den Fluss zurückzuleiten. Unsere Vorfahren haben diese natürliche Rinne für solche Fälle angelegt!“ erklärte einer der Männer, seiner Kleidung nach offensichtlich ein Feuerwehrmann.
„Ich suche meinen Lehrling! Habt ihr ihn gesehen? Seine Spuren führen in diese Richtung.“ erklärte Rusty.
„Den kranken Jungen? Was macht er um des Starlight Willen hier draußen?“ fragte der Leiter der Gruppe.
„Dann habt ihr ihn nicht gesehen.“
Die zwölf Männer verneinten.
„Wir sind erst seit kurzem hier und wollen verhindern, das das Wasser über die Rinne tritt. Gleich kommt ein weiterer Trupp, um einen Übergang zu schaffen.“ erklärte Valentino, der Feuerwehrmann.
„Was befindet sich auf der anderen Seite?“
„Die Ruinen der alten Festung. Sie liegt hoch auf einem Hügel und ist die letzte Zuflucht, falls unsere Schutzmauer den Wassermassen nicht standhält. Wenn Du den Deich auf der anderen Seite überquert hast, kannst Du sie schon sehen.“
„Ich muss da rüber! Vielleicht ist Casey durch den Kanal gelaufen, bevor das Wasser gekommen ist.“
„Zu gefährlich!“
„Ich versuche es trotzdem.“
Entschlossen trat Rusty an das Ufer, blickte auf die schnell dahinfließenden braunen Fluten und schluckte. Die Erinnerungen an das schreckliche Hochwasser damals in Kommoran kamen wieder hoch. Doch Casey war vielleicht da drüben. Und er war krank und brauchte vielleicht Hilfe. Und das Wasser in der Rinne war nicht tief. Es würde ihm höchstens bis zum Bauch reichen.
„Ich kann das! Ich muss endlich aufhören, mich vor jedem Bach zu fürchten!“dachte er.
Also fasste er sich ein Herz und rollte langsam in die Fluten. Bald stand ihm das Wasser fast bis zur Hüfte, er hatte Mühe, das Gleichgewicht zu halten und auf dem rutschigen Grund vorwärtszukommen. Zudem spürte er den starken Sog, der an ihm zerrte. Aber er watete tapfer weiter.
„Vorsicht! Eine Flutwelle!“
„Oh nein! Valentino, sie wird die Lok mitreißen!“
Tatsächlich rollte eine braune Woge heran, bereit, über ihm zusammenzuschlagen!
Rusty verdoppelte seine Anstrengungen um vorwärtszukommen. Doch das Wasser war schneller.
„Bitte großer Flussvater, ich suche doch nur meinen Lehrling! Er ist sehr krank und ganz alleine da draußen!“ schickte Rusty als letzte Hoffung ein Stoßgebet zum Himmel.
Schon war die Welle heran! Doch zur großen Überraschung aller beschrieb sie einen eleganten Bogen um die Lok, die fast schon am anderen Ufer war und setzte ihren Weg fort.
„Habt ihr das gesehen? Die Welle hat ihn umrundet!“
Nun musste Rusty nur noch die Böschung hinauf. Aber diese war durch das nasse Gras und die aufgeweichte Erde schlüpfrig und er musste auf allen Vieren hinaufkriechen. Seine Finger krallten sich in das Gras und die weiche Erde, langsam zog er sich aus dem Wasser an das sichere Ufer.
„Geschafft! Ich bin durch! Aber die Welle....ich habe sie hinter mir vorbeirauschen gespürt...sie hat mich verschont...das ist echt unglaublich..“ dachte die Lok, als sie sich wieder auf die Beine zog.
„Viel Glück, Rusty! Hoffentlich findest Du deinen Lehrling!“ rief Valentino und winkte.
Die kleine Dampflok nickte und setzte ihren Weg fort.
„Ein tapferer kleiner Bursche. Das hat selbst der große Flussvater in seinem Zorn bemerkt und ihn verschont.“ meinte einer der Männer.
„Vielleicht weiß er etwas, vovon wir nichts wissen....“ murmelte Valentino.

Casey erwachte durch einen erschrockenen Schrei aus seinem Dämmerschlaf. Das Nymphenbaby hatte ihn ausgestoßen. Ein heller Lichtkegel strahlte in das Versteck, draußen riß jemand das Gestrüpp weg.
„Hier steckt ihr also! Jetzt werdet ihr mir nicht entkommen!“
Eine rot behandschuhte Hand fuhr durch die Öffnung, Casey ragierte zu spät und sein rechter Fuß wurde am Knöchel gepackt!
„Oh nein! Jetzt hat er uns doch noch gefunden! Der gibt wohl nie auf!“ rief Plitsch.
„Hab ich dich! Du hättest besser daran getan, deine Spuren richtig zu verwischen, Bengel!“ grinste Red Caboose böse und zerrte Casey an den Füßen aus dem Loch.
„Ah, nein, lass mich los!“ schrie der Junge und trat nach dem Bremswaggon, der auch den anderen Knöchel zu fassen bekam.
„Hör auf so herumzuzappeln, das bringt gar nichts!“
Caboose hielt Casey an den Beinen hoch bis er kopfüber hing.
„Lass das Balg fallen!“
„Niemals!“
Casey hielt die kleine Nymphe fest umklammert als er hin und hergeschüttelt wurde.
„Hör auf damit! So geht man doch nicht mit Kindern um!“ schimpfte Gloob.

„Kalter Hauch!“
„He, was ist das, ich kann auf einmal meine Räder nicht mehr bewegen!-Ah, sie sind festgeeist!“ fluchte Red Caboose und sah zu Boden. Tatsächlich umgab sein Fahrgestell ein Eisklumpen, er war am Boden festgefroren. Überrascht hatte er Casey losgelassen, der auf den Rücken fiel und sich schnell außer Reichweite des Roten brachte.
„Frigida!“ rief Casey erleichtert. Das Waggonmädchen stand einige Schritte hinter Caboose, die Arme ausgestreckt. Einer unguten Ahnung folgend war sie auf direktem Wege hierher zur Festung gerollt.
„Wer immer Du bist, wage es ja nicht, dem Jungen noch etwas anzutun!“ knurrte sie. Dann entdeckte sie das fremdartige Wesen in Caseys Armen.
„Großer Starlight! Ist das etwa eine kleine Flußnymphe?“
„Ja, Frigida. Red hat das Ei gestohlen. Ich hab ihn von meinem Fenster aus herumschleichen gesehen und bin ihm gefolgt. Und das Kleine ist vor kurzem erst geschlüpft.“
„Du Wahnsinniger! Du bist also schuld, das der Sana alles überflutet hat! Willst Du, das der Flussvater die ganze Insel unter einer riesigen Flutwelle begräbt? Das ist schon einmal geschehen!“
„Was, wirklich?“ schluckte Casey, welcher aufgestanden war und sich an Frigidas Seite geflüchtet hatte.
„Eine alte Sage erzählt es. Ein Lord, der an der Küste auf einer Halbinsel sein Schloss hatte, stahl das Ei der großen Mutter des westlichen Meeres. Alles Flehen der Untertanen nutzte nichts. Er behielt es bei sich und als die kleine Meeresnymphe geschlüpft war, hielt er sie weiterhin in einem Becken im Schlosshof gefangen. Da schickte der Meeresvater in seinem Zorn eine riesige Flutwelle, die das Schloss und die ganze Halbinsel unter sich begrub und mit in die Tiefe riss!So konnte er seine Tochter befreien, doch der Lord und seine Schergen bezahlten ihre Habgierund ihren Hochmut mit dem Leben! Bei Ebbe kann man noch heute die Ruinen im klaren Wasser sehen, wenn das Meer ruhig ist!“
Casey hatte die ganze Zeit atemlos zugehört.
„Da hast Du wieder mal was schönes angerichtet, Red! Du machst nichts als Ärger!“ knurrte er.
„Ich glaube nicht an Kindergeschichten!“ grollte der Bremswaggon. Es gelang ihm, die Eisfesseln zu zerbrechen und er ging auf Frigida los.
„Eisatem!“
Im nächsten Moment war Cabooses ganzer Körper von einem Eispanzer umgeben.
„Hehe, Caboose tiefgekühlt.“ grinste der Junge.
„Casey schnell! Du musst die kleine Nymphe hinunter an das Wasser bringen! Mein Eispanzer wird ihn nicht ewig aufhalten!“
„Ist gut.“
„Bist Du noch in der Verfassung zu laufen? Es ist ein Wunder, das Du es in deinem Zustand überhaupt bis hierher geschafft hast.“
„Es geht schon wieder. Die kleine Verschnaufpause im Versteck hat mir geholfen.“
„Dann lauf. Ich versuche diesen Bremser hinzuhalten!“

Casey begann, so schnell es ging aus der Festung und den gewundenen Pfad hinabzulaufen. Die Sumpfkobolde folgten.
„Die Mauer wird nicht mehr lange standhalten! Ich muss mich beeilen!“
Aber der schlammige Boden bot nicht genug Halt und Casey rutschte aus, fiel auf seinen Hosenboden und schlitterte auf dem Hintern weiter!
„AUA!-Na ja, so gehts auch.“
Das Baby stieß einen jauchzenden Laut aus.
„Das gefällt Dir wohl? Ne Rutschpartie mit deinem großen Bruder.“ grinste Casey.

Auf einmal wurde es unter seinem Hinterteil ungangenehm kalt. Den Grund dafür sah er sofort. Frigida hatte das Wasser gefrieren lassen den Pfad in eine Eisbahn verwandelt. Nun ging es noch schneller hinunter. Mückenschnapper und Algenkauer quakten angstvoll, solch eine Schlitterpartie hatten sie noch nie gemacht. Die Kröten drehen sich mehrmals um sich selbst, während sie den Hügel hinunterrutschten.
„Haalt! Hiergeblieben!“ rief Red Caboose. Mit seinen Fäusten und Füßen zertrümmerte er den Eispanzer und machte sich an die Verfolgung. Aber er machte den Fehler, nur auf seine fliehende Beute zu achten.
„Verfolg sie doch!“ grinste Frigida, rollte hinter einer Mauer hervor und versetzte Red Caboose von hinten einen Stoß! Dieser verlor den Halt, stürzte bäuchlings auf die Eisbahn und schlitterte hinterher.
„AUA! Mann, ist das hart!“
Frigida folgte, schlitterte seitlich mit ihren Rädern, hielt dabei geschickt die Balance. Sie konnte sich auf vereisten Flächen am besten bewegen. Rutschige Eisbahnen waren ihre Spezialität.
Fluchend stieß sich der Bremswaggon mit seinen Händen vorwärts, um die Fliehenden einzuholen.
„Gleich hab ich dich! Da vorne ist die Rutschpartie zu Ende!“
„Nicht so schnell, Bremser!-Eisatem!“ rief Frigida.
Wieder gefror das Wasser durch ihren Atem, die Eisbahn bekam eine Abzweigung. Frigida hatte Caboose fast eingeholt, ein Tritt -und er schlitterte nach rechts-auf die dicke Schutzmauer zu!
„Für dich ist hier Endstation!“ grinste das Waggonmädchen.
„Oooaah! Bremssand!“
Aber Red hatte bereits zu viel Schwung. Und so war es unvermeidlich, das er mit der harten Mauer kollidierte.

„Ooah! Wir sind zu schnell!“ rief Casey. Wenn sie nicht langsamer würden, krachten sie auch noch irgendwo dagegen. Casey beugte sich zur Seite, beschrieb eine Kurve und rutschte von den Bäumen weg, bis einer der unzähligen kleinen kleiner Bäche, die über die Wiese in die Senke liefen, sie stoppte.
„Geschafft!“ keuchte Casey und zog sich auf die Beine. Eine neue Schwindelattacke überkam ihm, er musste kurz warten, bis sich sein Blick wieder geklärt hatte. Die ganze Aufregung zehrte immens an seinen Kräften.
„Keine Sorge, Kleines, geht schon wieder.“ murmelte er als er den besorgten Blick des Nymhenkindes bemerkte.
„Ist mit euch alles in Ordnung?“
„Ja, danke für die Eisbahn, Frigida und das Du Red „umgeleitet“ hast.“
„Dann komm.“
Frigida hob Casey mit seiner wertvollen Fracht auf die Arme und rollte los.
Aber nach hundert Metern blieb sie plötzlich stehen und ging in die Knie.
„Frigida! Was hast Du?“
„Mein Akku ist fast leer. Dieser Eisatem.... hat mich zu viel Energie gekostet...tut mir leid, Casey....“
„Du hast schon mehr als genug getan. Ich schaffe das schon alleine.“
Frigidas Blick wurde leer, ihre Augenlider schlossen sich. Sie brauchte als Kühlwaggon ständig die Energie ihres Akkumulators. War diese aufgebraucht, verfliel sie in eine Art Starre.

Fluchend zog sich in der Zwischenzeit der Bremswaggon wieder auf die Beine.
„Ich wusste gar nicht, wie hart Mauern sein können..“ knurrte er. „Was sehe ich da! Der coolen Lady ist der Saft ausgegangen! Tja, ist echt blöd, wenn man von nem Akku abhängig ist!“
Grinsend sah er sich um. Dann entdeckte er Casey zwischen den Bäumen.
„Hab keine Angst, er wird dich nicht bekommen! Ich bringe dich dahin, wo Du hingehörtst!“ sagte der Fliehende und hielt das Baby an sich gepresst.
„Folge uns, Du hast es gleich geschafft!“
Der Junge rannte die restlichen Meter auf den Schutzwall zu. Dabei bemerkte er, das das Wasser bereits an einigen Stellen durch Löcher in der Mauer sprudelte und in die Senke floss.
„Langsam wird’s brenzlig! Hier ist in Kürze „Land unter“, wenn nichts geschieht!“
Der Junge hastete mit seiner kostbaren Fracht weiter, bis er eine geignete Stelle gefunden hatte. Mit letzter Kraft erreichte er die Mauer.
„So, gleich bist Du in Sicherheit. Spring in das Wasser, dahin kann Dir der böse Red nicht folgen! Es ist hier zu tief.“
Das Baby sah ihn an und stieß einen fragenden Laut aus.
„Da draußen warten sicher deine Eltern auf dich! Hab keine Angst! Der Fluss ist dein Zuhause! Ich wünsche Dir alles Gute...kleine Schwester.“
Ein letztes Mal umarmte Casey das Wesen, dann setzte er es auf die Mauer.
„Was machst Du da, Bengel!“ schrie Caboose und stapfte heran.
„Schnell! Spring! Mach Dir um mir keine Sorgen, Kleines!“
„Spring, Kleine Prinzessin! Du brauchst nichts zu fürchten!“ rief Globb, welcher hinzugekommen war.
Zuerst zögerte das Baby. Doch als es den wütenden Caboose heranrasen sah, sprang es mit einem Satz von der Mauer und in die Fluten! Mit einem leisen Glucksen verschwand es im trüben Wasser.  
„Geschafft! Jetzt kannst Du ihr nicht mehr folgen, Red! Das Wasser ist zu tief.“
„Neiiin!“ heulte Red. „Das wird Dir noch leid tun, Bengel! Gleich liegst Du auch am Grund des Flusses!“
Casey wollte davonlaufen, doch er war am Ende seiner Kräfte. Keuchend knicken seine Beine ein, er sank neben der Mauer zu Boden.
„Verdammt, ich bin völlig alle! Das Fieber hat alle Kraft aus mir herausgezogen....Aber wenigstens ist die Kleine in Sicherheit.“

„Das wirst Du noch bitter bereuen!“ grollte Caboose, sein Arm schoß vor und packte zu! Ein eiserner Griff schloß sich um Caseys Hals und er wurde in die Luft gehoben!
„Uuarrg! Du erwürgst mich! Lass mich runter, Du Irrer!“ röchelte Casey.
„Du hast mir das letzte Mal in meine Pläne gefunkt!“ knurrte Red und hielt Casey vor sich am ausgestreckten Arm in die Höhe.
„Dieser miese Streuner! Der arme Junge! Er bringt ihn noch um!“ rief Plitsch.

Plötzlich schoß eine schwarze Gestalt heran und stieß Caboose zu Boden! Beide rollten ins Gras, Casey entfiel dem Würgegriff.
„Rusty!“
„Dir werd ich helfen, einem kranken Kind wehzutun!“
„Hah! Du willst es mit mir aufnehmen?“
„Du hast meinem Lehrling schon zu viel angetan! Das kriegst Du jetzt zurück!“ knurrte Rusty und stürzte mit erhobener Faust auf seinen Gegner zu. Dieser wich dem ersten Fausthieb lässig aus.
„Ist das alles, was Du kannst, Teekessel? Du bist wirklich ein erbärmlicher Kämpfer! Pass mal auf!“
Red Caboose schoss auf Rusty zu und seine Faust traf voll ihr Ziel! Rusty ging zu Boden und schlitterte über den matschigen Grund. Fluchend hielt er sich die rechte Backe, da wo der Bremswaggon ihn getroffen hatte.
„Oh nein, Rusty!“ rief Casey.
“Steh auf, Großer! Du wirst dich doch nicht von dem fertigmachen lassen!“ rief Plitsch, der mit seiner Kröte plötzlich vor ihm stand.
„Wer seid ihr denn?“
„Oh-pass auf, er kommt!“
Red Caboose rollte herbei und hob ein Bein um nach Rusty zu treten. Die Damplok konnte sich noch rechtzeitig zur Seite rollen. Bisher hatte sie sich noch nie gewehrt, wenn sie Prügel von den Dieseln bekommen hatte. Rusty hatte einfach immer nur abwehrend die Arme vor das Gesicht gehalten und gehofft, es würde schnell vorbei sein. Aber nun wollte er sich das nicht mehr bieten lassen!
„Dampfstoß!“
„Uarrg!“
Fluchend wischte sich Caboose über die Augen, um die Rußpartikel loszuwerden, die mit dem Dampf in sein Gesicht geraten waren. Dies verschaffte Rusty Zeit, um wieder aufzustehen.
„Verdammter Matsch! Meine Räder sinken zu tief ein, Caboose ist leichter und kommt besser vorran!“
„Ich mach dich alle, Teekessel!“ knurrte der Bremswaggon.
Wieder wich er einem Schlag der Dampflok aus, dann drehte er sich so, das er Rusty seine Fäuste in den Rücken rammen konnte.
Die Lok krachte bäuchlings zu Boden, Red Caboose warf sich auf ihn, schob seine Arme unter die seines Gegners, verhakte die Finger seiner Hände hinter Rustys Genick und drückte dessen Gesicht zu Boden. Nun konnte die Dampflok Kopf und Arme nicht mehr heben, sie war am Boden festgenagelt.
„Friss Matsch, Teekessel!“ knurrte er.
„Verdammt, wenn ich ihm doch nur helfen könnte! Aber mein Körper will einfach nicht mehr!“ dachte Casey, der nur hilflos zusehen konnte.
„Friss selber Matsch!“ rief Plitsch. Er hatte eine Schleuder hervorgeholt, eine Handvoll der weichen Erde eingelegt.
„Mückenschnapper! Peitschenzunge!“ rief Globb gleichzeitig. Beide Koblode nickten sich kurz zu und-
„Feuer frei!“
Die Schlammladung klatschte genau in Red Cabooses rechtes Auge, Mückenschnappers Zungenspitze traf das Linke.
„YIIAH! Ihr kleinen Monster!“
Der Bremswaggon löst seineen Griff, um sich die Augen zu reiben und Rusty gelang es, ihn vom seinem Rücken zu stoßen.
„Lass unsere Freunde in Ruhe, Du Mistkerl!“ schimpfte Globb.
„Das macht ihr nicht mochmal!-Bremssand!“
Sofort wurden beide Koblode mit einem Schauer feinen Sandes überschüttet.
„Meine Augen! Ich kann nichts mehr sehen!“ rief Plitsch. „ Und das kratzt so schrecklich auf der Haut!“
Die Kröten samt ihrer Reiter ergriffen die Flucht in eines der nahen Rinnsaale.

„Grrr! Diesmal werde ich nicht mehr kneifen!“ grollte Rusty, warf sich auf seinen Gegner, noch bevor dieser wieder aufstehen konnte und setzte sich rittlings auf seinen Bauch. Er holte mit seiner rechten Faust aus-und traf diesmal auch. Red Cabooses Kopf flog zur Seite und Rusty schüttelte seine schmerzende Hand.
„Rauch und Schlacke! Tut das weh!“
„Hehe, das kommt davon, wenn mans nicht richtig kann!“ grinste Caboose hämisch und schon hatte die Dampflok seine Rechte gegen ihr Kinn bekommen! Rusty kippte zur Seite und fluchte. Man merkte wirklich, das Red Caboose wohl öfters von seinen Fäusten Gebrauch machte.
„Du bist wirklich ein erbärmlicher Gegner! Und weißt Du auch warum? Weil Du einfach zu liebenswert bist! Du wirst nie richtig kämpfen können! Ich habe schon früh gelernt, mich gegen die Diesel und ihre Triezereien durchzusetzen! Und deshalb akzeptieren sie mich auch! Du aber bleibst immer ein heulendes Weichei!“ höhnte der Bremswaggon.
„Ich bin kein Weichei!“
„Bist Du doch! Soll ichs Dir beweisen?“
Reds Fuß fuhr vor und die Spitze traf Rusty in den Bauch.
„Das war unfair!“ röchelte die Dampflok, und klappte zusammen.
„Hast Du es immer noch nicht kapiert, dummer Teekessel? Das Wort „fair“ existiert nicht in meinem Wortschatz! Wer sich mit mir anlegt, muss mit allem rechnen!“ lachte der Bremswaggon höhnisch. „Und jetzt kannst Du gleich dem Flussvater Guten Tag sagen! Und dein Lehrlingsbengel folgt gleich hinterher!“
Red packte seinen paralysierten Gegner und schleppte ihn zur Mauer. Dort warf er ihn wie einen nassen Sack über das Sims.
„UAH! Nein! Nicht ins Wasser! Das überlebt meine Lebensflamme nicht!“
„Ich bin endlich froh, wenn ich dein Geschwafel nicht mehr ertragen muss!“
Immer weiter schob Caboose Rusty über die Mauer, welche durch den Wasserdruck und nun auch noch durch zusätzlichen Gewichtsdruck von oben Risse bekam. Der Bremswaggon schien in seiner Wut über seine vereiltelte Chance, reich zu werden, zu allem fähig zu sein.

„Rusty...nein...“ keuchte Casey schwach. Er lag auf der Seite nur wenige Schritte entfernt und hatte nicht mehr die Kraft auch nur einen Finger zu rühren. „Starlight Express, bitte hilf ihm!“
„Red, das geht jetzt wirklich zu weit, verdammt!“ rief Rusty, begann mit den Füßen zu zappeln und dabei traf er mit einer Ferse Red genau zwischen die Beine!
„OOUW! Idiot! Auch wenn da unten nicht das selbe wie bei einem Menschen ist, bin ich da voll empfindlich!“
Red taumelte etwas zurück und hielt sich die schmerzende Stelle.

„Schädelwumme!!“
Red fuhr herum.
Da kam doch tatsächlich Dustin die Senke hinuntergerast, den Kopf mit dem glänzenden Helm zum Rammstoß gesenkt.
„Was ist denn das für ein Ungetüm? Und was der für´n Tempo draufhat!“ staunte Plitsch.
„Das ist Dustin, unser Tenderwaggon.“ erklärte Casey. Verdammt, er hatte nicht mal mehr genug Kraft zum laut sprechen.
„Oh...nein...“ konnte der Bremswaggon nur noch murmeln. Wie konnte sich der schwehre Tender nur so schnell über den aufgeweichten Boden fortbewegen? Dann erfolgte auch schon der Aufprall.
„UUUWWWOOOOAAAAAHHH!!“
Der Stoss-ausgeführt mit voller Wucht-katapultierte Caboose in hohem Bogen über die Mauer und in das Wasser, eine Fontäne spritzte auf. Dustin beschrieb eine scharfe Kurve, das der Matsch fast bis über die Mauer spritzte und kam zum Stehen,
Prustend tauchte Red wieder auf und schüttelte sich. Das Wasser reichte ihm nur bis etwas über die Knie. Er war wohl an einer seichten Stelle gelandet.
„Na warte, Du Fettsack! Du stößt mich nicht nochmal in diese Flörre!“
„Wen nennst Du hier fett?“ grollte Dustin, welcher Rusty von der Mauer auf sicheren Boden zog.
„Danke, Kumpel Du kamst gerade richtig.“

Plötzlich spürte Red Caboose, das sich etwas um seinen rechten Knöchel schlang und im nächsten Moment wurde sein Bein zurückgerissen und er klatschte abermals in das trübe Wasser.
„Hey! Was zum Starlight-“
Aber weiter kam er nicht, denn im nächsten Moment wurde er immer weiter  in das tiefere Wasser gezogen, dann plötzlich in die Höhe geschleudert-und wieder zurück.

„Rusty! Schau nur!“ rief Dustin, während die Dampflok ihren Lehrling auf den Arm hob.
„Gütiger Starlight! Was geschieht da?“ schluckte Casey.

An der Stelle, wo sich Red Caboose befand, brodelte das Wasser. Dann formten sich mehrere längliche Gebilde, die wie die Tentakel eines Kraken aussahen.
Einer dieser aus Wasser geformten Tentakel hielt Cabooses rechtes Bein umklammert und schlenkerte den Übeltäter wie eine Lumpenpuppe hin und her und immer wieder in das brodelnde Wasser hinein und heraus.
„UUUAARRG-glubb-Hilfäääh-gluckgluck-“
„Der Flussvater!“ wisperten Plitsch und Globb leise. „Mann, der ist wirklich sauer! Und jetzt hat er den Übeltäter direkt an der Angel!“
Und wieder wurde das Opfer in die Luft geschleudert. Dann begannen sich die Tentakel zu drehen und wurden zu einem Strudel, in den Caboose hineinstürzte.
„Heeeellllft miiiir!“ heulte der Bremswaggon. Doch es war zu spät.
Fassungslos mussten Casey,Rusty und Dustin mitansehen, wie Caboose in die Tiefe gerissen wurde und nicht mehr auftauchte. Der Strudel verschwand und nur der Wind trieb einzelne Wellen über die Oberfläche.
„Beim Starlight! Ist er...?“
Minuten verstrichen, doch der Bremswaggon tauchte nicht mehr auf.
„Er hat es nicht besser verdient! Wir hatten ihn gewarnt, nicht den Zorn der Flusseltern heraufzubeschwören!“ rief Plitsch. „In solchen Dingen kennt ein Flussvater kein Pardon! Jetzt hat er ihn zu sich geholt!“
„Aber was sagen wir nur Mr. Corell? Wir müssen es ihm auf jeden Fall melden, was passiert ist.“ murmelte Rusty betreten.
„Wir werden ihm die Wahrheit erzählen.“ murmelte Casey, der sich an Rustys Arm angelehnt hatte.
„Es tut mir leid um euren Anhänger, aber wenn ein Flussvater richtig sauer wird, kann ihn nicht einmal seine Gefährtin besänftigen. Er hat seine ganze Wut zu spüren gekriegt.“ meinte Globb.
„Ja, die Suppe hat er sich selbst eingebrockt!“ nickte Plitsch.
Rusty konnte es nicht glauben. Würde er seinen alten Widersacher nie wiedersehen? War dies das Ende von Red Caboose?

„Da kommt Serafin! Ich kann sie sehen!“ riß Plitsch die Lok aus ihrem Grübeln.
Es war das letzte, was der Junge noch mitbekam. Dann wurde ihm entgültig schwarz vor den Augen und er sank in Rustys Armen zusammen.
„Oh Casey!“
Der Atem des Jungen ging schwer, das Fieber schien wieder gestiegen zu sein.
„Hab keine Angst. Der Kleine ist zäh wie ein Sumpfpanther. Und Serafin hat das Heilmittel gebracht. Gib es ihm und das Fieber wird morgen weg sein.“
„Wirklich?“
„Du kannst uns vertrauen.“
„Du hast mir noch nicht verraten, wer ihr seid. Und was war hier eigentlich los? Und was hatte Red Caboose damit zu tun?“
„Das erzählen wir Dir noch. Ersteinmal muss dem Jungen geholfen werden.“ erklärte Globb.
Mit zwei Sätzen war Serafins Kröte über der Mauer und hielt auf Rusty zu.
Die Dampflok kniete auf dem Boden und hielt Casey in den Armen, als die Koboldin ihre Kröte vor ihm zum Halten brachte.
„Hier ist das Heilmittel. Langflosse ist so schnell geschwommen, wie sie nur konnte. Und ich glaube, die große Flussmutter hat uns ein wenig geholfen.“
Die Kröte stieß zwei quakende Laute aus und blähte dabei ihren Kehlsack.
„Ich danke euch.“
Rusty nahm das Bambusrohr entgegen und entfernte den Verschluss.
„Casey! Hier, trink das! Das wird Dir helfen!“ sagte er und rüttelte seinen kleinen Lehrling vorsichtig. „Komm, wach auf!“
Der Junge begann sich wieder zu regen und öffnette die Augen einen Spalt. Rusty setzte die Öffnung an Caseys Mund und achtete darauf, das er alles schluckte.
„Uaah....scheußlich...schmeckt wie Brackwasserbrühe!“
„Medizin schmeckt meist schrecklich. Aber sie hilft auch.“ erklärte Serafin.
„Ich...danke euch.“ murmelte Casey leise und schloss wieder die Augen.
„Er wird jetzt schlafen und morgen hat er das Schlimmste überstanden.“ erklärte Serafin.
„Verratet ihr mir jetzt, wer ihr eigentlich seid?“
„Wir sind Sumpfkobolde, kleine Dampflok.“
„Aha. Und was war hier eigentlich los?“

Plötzlich begannen die Kröten aufgeregt zu quaken.
„Menschen kommen! Schnell weg!“ rief Plitsch und die drei Kobolde verschwanden mit ihren Reittieren zwischen die Wurzeln einer alten Eiche.
„Na toll!“ brummte Rusty und erhob sich. Tatsächlich bewegte sich eine große Gruppe von Menschen auf sie zu. Ein Teil machte sich daran, den gewundenen Weg zur Festung hinaufzusteigen.
„Da ist Dinah! Hallo! Wir haben Casey gefunden!“ rief Dustin und winkte.
„Rusty! Dustin!“ rief das Waggonmädchen und rollte, so gut es ging, den beiden entgegen.“Beim Starlight, ich habe mir solche Sorgen gemacht!“
„Seht nur! Sie haben den Jungen gefunden!“ rief Remi und lief Rusty entgegen. Zwei von Valentinos Leuten stützen die starre Frigida, welche sie unterwegs gefunden hatten.
„Der großen Flussmutter sei Dank!“ seufzte der Bürgermeister erleichtert. Auch die übrigen Bewohner waren froh, das der Vermisste wieder aufgetaucht war. Vor allem Dinah. Sie eilte durch die Menschenmenge zu der kleinen Dampflok.
„Wie geht es ihm?“ fragte sie.
„Ich glaube, er ist über dem Berg. Zwei Sumpfkobolde haben ein Heilmittel gebracht. Und es scheint zu helfen. Casey geht es besser, sein Atem ist viel ruhiger geworden.“
„Sumpfkobolde?“
„Ich weiß, es kling verrückt, aber da waren drei Wesen auf großen gefleckten Kröten.“
„Dann hast Du wirklich Sumpfkobolde gesehen. Manchmal, wenn wir in den Sümpfen unterwegs sind, hören wir ihre Stimmen. Sie spotten aus ihren Verstecken gerne ein bischen, aber wir nehmen das nicht ernst. Das haben Kobolde nun mal so an sich. Und nur ganz wenige von uns haben jemals einen solchen Kobold zu Gesicht bekommen.“

„Seht nur! Das Wasser geht zurück!“ riefen die Leute. Tatsächlich hatte das Wasser begonnen, auf geheimnisvolle Weise, jeder physikalischen Natur zum Trotz, rückwärts aus der Senke über die Mauer in das Delta zurükzufließen. Und nicht nur hier, überall auf der Insel zog sich das Wasser zurück.
„Das kann nur das Werk des Flussvaters sein.“ erklärte Remi.“Valentino, lauf los und sag den Anderen Bescheid, sie können wieder herunterkommen, die Gefahr ist gebannt!“
„Schön. Dann...ist er wohl nicht mehr...sauer...“ murmelte Casey. Der Junge hatte die Augen halb geöffnet und blinzelte in die Sonnenstrahlen, die gerade durch die Wolkendecke brachen.
Remi sah Rusty fragend an.
„Was hat den Vater des Sana nur so erzürnt, das er das Wasser so hoch steigen ließ? Jetzt auf einmal scheint er wieder versöhnt zu sein.“
„Ich weiß nicht genau, was passiert ist. Casey hat nur etwas von einer Wassernyphe und Red Caboose erzählt.“
„Wir erzählen euch, was passiert ist!“ rief plötzlich Plitsch, der mit seiner Kröte auf dem Sims der Schutzmauer aufgetaucht war. Serafin und Globb lenkten ihre Kröten neben ihn.
„Seht nur! Sumpfkobolde!“ riefen alle aufgeregt durcheinander.
„Hört uns gut zu! Wir zeigen uns Menschen normalerweise nicht, doch weil Ihr bisher immer in Einklang mit dem Delta und seinen Geschöpfen gelebt habt, werden wir euch berichten, was sich zugetragen hat.“
Und die drei Kobolde erzählten den staunenden Bewohnern, was sie in den letzten Stunden erlebt hatten.
„Ich glaube es nicht! Ein fremder Bremswaggon hat das Ei der großen Flussmutter gestohlen?“ rief der Bürgermeister.
„Jetzt wird mir einiges klar.“ murmelte Rusty. Dustin nickte bestätigend.
„Genau. Und nur durch den Einsatz dieses tapferen Lehrlings ist die kleine Nymphe jetzt bei ihren Eltern. Er hat sie mit seinem Leben beschützt!“ erklärte Plitsch nicht ohne Stolz. „Wenn er nicht gewesen wäre, wer weiß, ob wir jetzt hier alle stehen könnten. Und der Dieb hat seine verdiente Strafe erhalten! Der Vater des Sana kannte kein Pardon!“
„WAS? Red Caboose ist....“ Dinah sprach das unvermeidliche Wort nicht aus.
„Er wurde von einem Wasserstrudel in die Tiefe gezogen und ist nicht mehr aufgetaucht.“ murmelte Rusty. Dustin nickte bestätigend.
„Er hätte nicht so böse sein dürfen.“ bemerkte er.
„Ich hätte nicht gedacht, das Red Caboose zu so etwas fähig sein konnte!“
„Oh doch! Er hätte mich auch fast in den Fluss geworfen!“ knurrte Rusty.

Die Wolken wichen immer mehr zurück, ein schillernder Regenbogen zog sich über den Himmel.
„Jetzt wird alles gut.“ lächelte der Bürgermeister.
„Ja. Der Schuldige wurde gefunden und bestraft!“ nickte Plitsch.
„Sehr hart bestraft...“ murmelte Rusty.
„Für uns wird es Zeit, in die Sümpfe zurückzukehren. Machs gut, kleiner tapferer Lehrling und vielen Dank für deine Hilfe.“ lächelte Plitsch und strich dem schlafenden Jungen mit seiner Flossenhand über die Wangen.
„Ja, der kleine Lehrling ist ein Held! Er hat uns vor einer Katastrophe bewahrt.“ nickte der Bürgermeister.
Drei dicke Platscher-und die Sumpfkobolde verschwanden zwischen den Wellen des immer weiter stetig zurückgehenden Wassers.
„Die Fluten weichen noch immer zurück. Wir können wieder nach Hause zurückgehen!“ rief Valentino. Lauter Jubel brandete auf.

Während des Rückweges begannen die Bewohner zu singen, um zu zeigen, wie sehr sie sich freuten, das alles noch einmal gut ausgegangen war. Darunter war auch eine Dankeshymne an die Flußeltern. Rusty mit Casey in den Armen, bildete mit seinen Freunden das Schlusslicht. Immer wieder sah er anfangs noch zurück, in der Hoffnung, Red Caboose würde vielleicht doch noch auftauchen. Doch der Fluss gab ihn nicht mehr frei.
„Was mach ich mir eigentlich Gedanken? Er hat es sich selbst eingebrockt.“ murmelte er.

Schweigend rollten sie eine Weile nebeneinader her, überquerten die nun trockene Abflussrinne über die errichtete Behelfsbrücke. Und wieder einmal hatten die Torroner ihr meisterlichen Baufähigkeiten unter Beweiß gestellt. Die schnell errichtete Brücke hielt sogar das Gewicht der Lok und Waggons statt. Es musste nur jeder einzeln darüberrollen.
„Dustin?“
„Mh?“
„Wie konntest Du dich eigentlich mit deinem Gewicht so schnell über den aufgeweichten Boden bewegen?“
„Ich habe Hilfe bekommen. Die große Flussmutter hat mir einen Wasserfilm geschickt, auf dem ich ohne Probleme vorwärtskomme.“
Tatsächlich konnte Rusty zwischen Dustins Rädern immer wieder eine glitzernde Flüssigkeit gleiten sehen.
„Unglaublich!“
„Ich habe einfach um Hilfe gebeten und sie hat mich gehört.“
„Mir scheint, Du hast einen guten Draht zu den Göttern. Dir hören sie zu.“
Dustin errötete und kratzte sich verlegen unter seinem Helm.
Kurz vor der Stadt lösten sich die beiden glitzernden Pfützen plötzlich von Dustins Fahrgestell, glitten durch das Gras und über die Mauer in den Fluss zurück.
„Danke, große Flussmutter.“ lächelte der Tender.
„Beim Starlight, auf dieser Reise gibt es immer wieder unglaubliche Erlebnisse! Pop wird staunen, wenn ich ihm das alles erzähle!“ dachte Rusty und warf einen leibevollen Blick auf seinen schlafenden Lehrling.

Im Lokschuppen war alles unversehrt, das Wasser war nicht bis zu den Gebäuden gedrungen. Dinah packte Caseys Sachen wieder aus, während Rusty den Schlafenden in sein Zimmer zurückbrachte.
„Halt, Rusty! So schmutzig kannst Du ihn doch nicht ins Bett legen!“ rief das Waggonmädchen entrüstet, als sie die Absicht der Lok bemerkte.
„Dinah, mach doch mal ne Ausnahme! Ich weiß, er ist über und über mit Matsch vollgespritzt,
aber er braucht jetzt nur eines. Viel Ruhe. Waschen kann er sich, wenn es ihm wieder gut geht.“ sagte Rusty. Dinah seufzte.
„Du hast recht. In Ordnung.“ nickte das Waggonmädchen. Rusty legte den schlafenden Casey in das Bett und deckte ihn zu.
„Schlaf dich gesund, mein kleiner Held.“ lächelte die Dampflok und verließ das Zimmer.
„So, aber wir machen uns jetzt aber sauber.“ erklärte Dinah.“Seht euch nur an! So macht ihr nur die ganzen Matratzen schmutzig! Und es sind ja nicht eure Eigenen.“
„Oh Mann!“ maulten Rusty und Dustin synchron.
Aber es half alles nichts. Dinah war gnadenlos und schob beide in den Hof hinaus. Dort drückte sie Dustin den Wasserschlauch in die Hände.
„So, Du spritzt jetzt Rusty ab und dann er dich. So geht’s am schnellsten. Und achtet darauf, das ihr keine Stelle vergesst.“
„Jaja, schon gut.“ brummte die Lok und stellte sich auf den betonierten Waschplatz. Dinah machte inzwischen vor und im Lokschuppen den Boden sauber.
„Seid ihr fertig? -Gut.“
„Und jetzt bist Du dran.“ grinste Rusty und zielte mit dem Schlauch auf Dinah.
„IIIH! RUSTY!!“
Ein Wasserstrahl hatte ihr Gesicht getroffen.
„Ups, sorry!“
„Das hast Du mit Absicht getan!“ zeterte das Waggonmädchen und warf den Putzlappen nach der Dampflok, die den Schlauch fallen ließ und sich schnell in das Innere des Gebäudes flüchtete.
Da stand sie nun, mit tropfnassem, aufgelösten Haar, ihr Häubchen hing schief herunter.
„Brauchst Du Hilfe, Dinah?“ fragte Dustin.
„Nein, nur ein Handtuch.“
„Ich hol Dir eins.“
„Danke, Dustin, das ist lieb von Dir. Du bist wenigstens ein Gentelman. -Haarrch, dieser Rusty! Manchmal benimmt er sich richtig kindisch!“

Als Casey wieder erwachte, blinzelte er in helles Sonnenlicht, das durch das Fenster schien. Er setzte sich auf.
„Uuuaaahhh......Oh, es hat geholfen! Ich fühl mich wieder gut....kein Fieber mehr. Spitze!“ lächelte er. Er schlug die Decke zurück, reckte seine steifen Glieder und stand auf.

Im Lokschuppen schliefen noch alle nach dem ausgestandenen Abenteuer. Leise schob der Junge das Tor einen Spalt auf und schlüpfte hindurch. Warmer Sonnenschein empfing ihn, der Boden war nicht mehr schlammig und aufgeweicht.
„Wow, das ging aber fix. Der Boden ist nur noch ein wenig feucht. Mal sehen, ob die Gleise schon wieder frei sind.“
Auf seinem Weg entdeckte Casey eine Menschenmenge bei der Schutzmauer, die auf das Delta hinaussahen. Neugierig kam er näher-und erlebte eine Überraschung!
„Oooh! Die Gegend hat sich ja völlig verändert!“ staunte Casey, als er über das Delta blickte. Vor ihm lag nun keine graubraune Wasserwüste mehr, sondern sonnendurchflutete Auwälder mit weitverzweigten, blau schimmernden Flußarmen. Vögel zogen über den Himmel, an dem sich nur wenige weiße Wolken zeigten. Ein herrlicher Sommertag, nichts deutete mehr auf die Gefahr hin, in der sich die Insel gestern noch befunden hatte. Es war, als hätte die große Flut nie stattgefunden.
Jetzt erkannte der Junge auch, das die Insel sogar noch höher lag als das Delta zu seinen Füßen, unterhalb der Mauer verlief noch eine Böschung, Pfade und Stufen führten hinunter und an den Ufern entlang.

„Seht nur! Da ist ja der tapfere kleine Lehrling!“rief eine der Frauen. Sofort war der Junge von einer Menschenmenge umringt.
„Remi, sieh, es scheint ihm wieder gut zu gehen.“
„Casey! Du bist schon wieder auf den Beinen?“
„Ja, ich fühl mich gut.“
Der Stationsvorsteher befühlte die Stirn des Jungen.
„Du hast wirklich kein Fieber mehr. Den Sumpfkobolden sei Dank!“
Casey lächelte dankbar, als er sah, wie sich die Leute für ihn freuten.
„Mama, warum ist der so schmutzig?“ fragte plötzlich ein kleines Kind. Die Anwesenden lächelten. Casey sah an sich herab und wurde rot.
„Stimmt, sollte vielleicht zuerst mal unter die Dusche. Gut, das Du mich daran erinnert hast, Kleine.“

„Casey!-Dem Starlight sei Dank, wir dachten, Du wärst schon wieder irgendwohin verschwunden.-Oh mann, und so kannst Du doch nicht hier herumlaufen! Was sollen denn die Leute denken!“ rief Dinah, welche angerollt kam.
„Daran hat mich schon jemand erinnert.“ lächelte der Junge.
Auch das Waggonmädchen hielt plötzlich inne, als es die landschaftliche Veränderung bemerkt hatte.
„Ich glaube es nicht! So sieht es hier normalerweise aus? Es ist wunderschön....“
„Das stimmt, Dinah. So wie es sein soll.“
„Dinah, Casey ist wieder-ach da seid ihr!“ Rusty kam atemlos angerollt. Dann sah er sich verwundert um. „Hey, sind wir eigentlich noch am selben Ort? Hier ist auf einmal alles so...anders...“
„Wir sind immer noch auf der Insel. So sieht es hier aus, wenn alles in Butter ist.“

„Jetzt aber ab mit Dir ins Badezimmer! Ich koche derweil etwas Gutes für dich, du brauchst jetzt etwas anständiges in deinen Magen.“ erklärte Dinah, als sie in den Lokschuppen zurückkehrten. Dustin schlief immer noch friedlich in seiner Box.
„Ist gut. Wird zeit, den ganzen Dreck loszuwerden.“ nickte Casey. Er holte sein Waschzeug aus seinem Zimmer und begab sich nach nebenan. „Äh-was machst Du denn hier?“
„Nach was siehts denn aus?“ lächelte Rusty und schob den Duschvorhang zur Seite.
„Rusty, Du brauchst mir nicht zu helfen. Ich bin wieder okay! Und Ich habe bisher immer alleine geduscht!“ murrte Casey, streifte seine Hose ab und warf sie auf die Bank. Dann ging er Rusty entgegen, der kurz die Wassertemeratur prüfte.
Als er zu seinem Lehrling hinübersah, merkte er, wie dieser plötzlich zu schwanken begann. Er konnte den Jungen gerade noch auffangen.
„Wieder okay, ja? Und was war das? Du wärst beinahe wieder zusammengeklappt!“
„Mist, bin noch etwas wackelig auf den Beinen.“
„Du hast dich vorgestern in deinem Zustand überanstrengt! Man rennt auch nicht mit hohem Fieber in der Gegend herum!“
„Das war ne irre Schlammschlacht vorgestern.“
„Ja, man sieht es. Dinah war nur schwer zu überzeugen, dich so zurück ins Bett zu legen.
„Hehe, das glaube ich.-Hey, schau mich nicht so an. Mir geht es gut. Ich brauche nur etwas anständiges in meinen Bauch und dann ist alles wieder okay. Hab ja seit zwei Tagen nichts mehr gegessen.“
„Der Arzt hat Dir auch geraten, heute noch das Bett zu hüten. Du brauchst noch Ruhe.“
„Okay. Ich esse etwas und dann lege ich mich wieder hin.“ versprach Casey, rutschte von Rustys Armen und kletterte in die gefüllte Duschwanne. Rusty zog ihn sanft in eine sitzende Position und begann seinen Lehrling zu säubern.
„Und jetzt vorne. Setz dich etwas auf. -Casey?“
Der Junge hatte den Kopf zwischen die Schultern, die Arme, mit denen er sich auf dem Boden der Wanne abstützte, rutschten langsam nach vorne.
„Und jetzt ist er sogar eingenickt. Kleiner Lehrling, nicht einschlafen.“
„Mh? -“Mann, jetzt bin ich sogar eingenickt! Bin wohl doch ausgelaugter als ich dachte.“
„Lehn dich zurück...“
„Oh mann, ich bin doch kein Baby mehr! Gib her, das mach ich jetzt alleine!“
„Wie Du willst, kleiner Dickkopf.-Ich möchte aber noch vor Dir hören, was gestern los war.“
„Gut, ich erzähls Dir. Aber nur einen Kurzbericht.“
„Geht klar.“
Und der Junge berichtete, wie er dem Bremswaggon gefolgt war und was er in der alten Festung erlebt hatte.
„Ne Rustschpartie mit Red und Frigida?“
„Ja, sie kann tolle Eisbahnen zaubern! Wie es ihr wohl jetzt geht?“
„Sie lädt noch ihren Akku drüben in der Werkstatt auf. Ich gehe sie nachher besuchen um mich bei ihr für ihre Hilfe zu bedanken.“
„Was wohl aus Red Caboose geworden ist...er liegt wohl jetzt auf dem Grund des Sana...“ murmelte Casey und rubbelte gedankenverloren mit dem Schwamm an seinem Arm.
„Mr. Corell wird nicht gerade erfreut sein, wenn er davon erfährt. Vor allem, das Red uns seit Monaten bereits verfolgt hat. Wir hätten es schon längst melden sollen.“
„Das stimmt.“
Für die Haare brauchten sie am Längsten. Vier Mal musste Casey spülen, bis der ganze Dreck herauswar.
“Endlich fertig. Gib mir mal das Handttuch.“
„Komm zuerst raus.“
„Bin schon-hey!“
Schon fand sich Casey eingewickelt auf Rustys Armen wieder.
„Ruuuuusssstyyy! Lass mich doch selber machen!“ maulte Casey, als die Lok ihn zur Bank hinübertrug, dort absetzte und trockenrubbelte.
„Ich mach das aber gerne.“ lächelte die Dampflok.
„Also schön.“
„Dinah hat Dir dein Lieblingsessen gekocht, damit Du schnell wieder auf die Beine kommst.“
„Aber zuerst würde ich mir gerne noch was überziehen, wenns recht ist.-Hm, die Hose hier ist echt nur noch für den Müll.“ meinte Casey und blickte auf die vor Schmutz starrenden und an mehreren Stellen eingerissenen Shorts.
Auch diesmal begnügte sich der Junge mit nur mit einer kurzen Hose, es war ja angenehm warm.

„Hier, lass es dir schmecken.“
„Danke, Dinah.“
Während sich Casey mit Heißhunger über das Essen hermachte, sah der Stationsvorsteher vorbei.
„He, Du hast ja einen guten Apetitt. Dann geht es Dir also wirklich schon viel besser.“
Der Junge nickte mit vollem Mund. Als er heruntergeschluckt hatte, fragte er:“Wie sieht es mit den Gleisen aus?“
„Sie werden bald wieder passierbar sein.“
„Prima.“ gähnte Casey und schob den leeren Teller von sich.“Puh, ich bin satt.“
„Und jetzt ab mit Dir zurück ins Bett. Du brauchst noch Ruhe, dein Körper verlangt danach.“ sprach Dinah und räumte das Geschirr ab.
„Schlaf gut, kleiner Lehrling.“ lächelte Remi.
Casey nickte müde, erhob sich von seinem Stuhl und trottete Richtung seines Zimmers.
„Ich muss jetzt auch los. Bei den Aufräumarbeiten wird jede Hilfe gebraucht.“
„Wir können auch zur Hand gehen, wenn sie noch Helfer brauchen.“ bot Dinah an.
„Ihr habt schon mehr als genug für uns getan.“
„Aber ich habe einen großen Ladebauch! Ich mag nicht mehr hier herumsitzen! Ich kann helfen, den angeschwemmten Unrat wegzuschaffen!“ rief Dustin, welcher inzwischen aufgewacht war und gelangweilt auf seiner Matraze saß.
„Dann komm mit.“ lächelte Remi und Dustin grinste über das ganze Gesicht. Endlich konnte er sich wieder nützlich machen.

Casey krabbelte zurück in sein Bett, das Dinah natürlich frisch bezogen hatte und blickte aus dem Fenster. Das Waggonmädchen zog etwas die Vorhänge zu.
„Schau Dinah....und schon ist er eingeschlafen.“ lächelte Rusty.
„Wir lassen ihn jetzt ganz in Ruhe. Er wird sich schon melden, wenn er ausgeschlafen hat.“ erklärte sie und beide verließen leise das Zimmer.

Casey konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal so gut geschlafen hatte. Er setzte sich auf, gähnte und reckte sich -und verspürte als erstes ein dringendes Bedürfnis. Wie der Blitz war er aus dem Bett und auf dem Klo verschwunden.
„Huuh....das war echt nötig!“ seufzte er und schloß die Tür wieder hinter sich.
Im ganzen Lokschuppen war es noch still. Casey sah auf die Uhr an der Wand.
„Sieben Uhr früh. Die pennen wohl alle noch.“
Tatsächlich schliefen die Lok und beide Waggons noch friedlich in ihren Boxen. Bei Dinah blieb der Junge stehen.
„Wenn sie so friedlich daliegt und schläft, sieht sie wie ein Engel aus.“
Das Waggonmädchen hatte ihr Häubchen abgenommen und ihr offenes Haar umrahmte ihr feingeschnittenes Gesicht. Er verstand wirklich nicht, wie Greaseball so ein anmutiges und kluges Wesen verstoßen konnte.

Auf dem Tisch in der Küche stand ein Korb mit Früchten. Casey griff sich einen Apfel und ging nach draußen. Das Wetter war immer noch warm und sonig. Langsam schlenderte er kauend über den stillen Bahnhof, sah in der Werkstatt vorbei, doch Frigidas Platz neben der Ladestation war leer. Offensichtlich war das Waggonmädchen wieder unterwegs.
„Wie lange hab ich wohl geschlafen? Hab jedes Zeitgefühl verloren.“ dachte er und machte sich auf den Weg zum Schutzwall.
Tasächlich waren die Schienen und der Deich, auf dem sie gebaut waren wieder passierbar, die Reise nach Via Coronna konnte also bald weitergehen. Casey schlenderte weiter, genoss die Stille des frühen Morgens.
Auf der Mauer saß ein einsamer Angler.
„Oh, guten Morgen, kleiner Lehrling. Geht es Dir wieder besser?“ fragte der ältere Mann.
„Guten Morgen. Ich fühl mich wieder topfit.“
„Das ist sehr gut.“
„Haben sie schon etwas gefangen?“
Als Antwort zeigte ihm der Angler seinen Korb. Acht Fische lagen darin.
„Der Flussvater meint es heute gut mit mir. Aber wir nehmen niemals mehr, als wir benötigen. Das haben wir ihm versprochen. Jeder Angler oder Fischer, der neu mit seinem Handwerk hier beginnt, legt diesen Schwur im Angesicht des Deltas ab.“ erklärte er.
„Das ist sehr weise. So sollte es überall sein.-Führen eigentlich diese Wege weit in die Auwälder hinein?“
„Du kannst ein wenig am Ufer spazieren gehen, wenn Du willst. Nimm dich aber vor den Sumpfpanthern in Acht, wenn Du einem begegnest.“
„Sumpfpanther?“ schluckte Casey.
„Keine Angst.“ lächelte der Angler.“ Sie gehen uns Menschen aus dem Weg und laufen sofort weg, wenn sie einen von uns begegnen. Sie würden nur im Notfall angreifen, wenn sie sich bedroht fühlen. In die Nähe unserer Insel trauen sie sich eh nicht. Ihr Gebiet ist weiter draußen und in den Sümpfen.“
„Alles klar.“ nickte der Junge, trat durch eine Öffnung in der Mauer und folgte den steinernen Stufen hinunter in den Auwald. Eine ganze Weile folgte er dem Pfad, bis die Insel nicht mehr zu sehen war, lauschte dem Wind, der im Schilf rauschte und den Vögeln. Einem neugierigen Eichhörnchen schenkte er den Rest seines Apfels, welches die Frucht zutraulich annahm und damit in den Bäumen verschwand.
Immer wieder führten Stege vom Ufer in den Flussarm, dem der Kiespfad folgte. Kleine Boote waren an ihnen festgemacht, Casey fragte sich, wo sie wohl während des Hochwassers gewesen waren. Offensichtlich hatte der Flussvater den Bewohnern auch ihren verlorenen Besitz wiedergegeben.
Das Wasser des Flussarmes glitt träge dahin, man konnte im flacheren Teil bis auf den Grund sehen.
„Wenn man bedenkt, wie es noch bei unserer Ankunft hier aussah.... Jetzt ist es richtig paradiesich. Und das klare Wasser sieht verlockend aus. Ich denke, die Flusseltern werden nichts dagegen haben, wenn ich eine kleine Morgen-Schwimmtour mache.“
Da niemand sonst in der Nähe war, warf er seine Hose auf den Steg und sprang lachend in das Wasser.
Eine ganze Weile zog er ruhig seine Kreise.
„Oh, unserem tapferen kleinen Lehrling scheint es wieder gut zu gehen.“
„Äh-wer spricht da?“
Plötzlich tauchte vor ihm im Wasser das Bild einer wunderschönen Nymphe auf. Sie sah genauso aus wie jenes steinerne Standbild und Casey wusste augenblicklich, wer ihm zusah.
„Uaaah! Tut mir leid, ich hätte wohl lieber meine Hose anlassen sollen.“ lief der Junge rot an und versuchte seine Blöße zu bedecken.
Ein helles Lachen ertönte.
„Glaubst Du ich habe noch nie einen Menschen ganz ohne Kleider gesehen? Du brauchst dich nicht zu schämen.“
„Oh-Na gut.“
Casey nahm seine Hände wieder hoch.
„Du bist doch die große Flussmutter, nicht wahr? Und Du zeigst dich mir so einfach?“
„Ich habe einen Spiegel, durch den ich jeden beobachten kann, der sich im und auf dem Wasser bewegt.“
„Oh, ich verstehe.“
„Ich wollte Dir gerne persönlich dafür danken, das Du meine Kleine so fürsorglich beschützt und verteidigt hast. Plitsch und Globb haben mir alles erzählt.“
„Hab ich gern gemacht. Sie ist ja schließlich noch ein Baby.“
Plötzlich teilten sich die Fluten vor Casey und mit einem Jauchzer sprang ein kleines, blaues Wesen mit orangefarbenen Augen direkt in die Arme des überraschten Jungen, der sie gerade noch auffangen konnte.
„He, hoppla! Kleines, Du hast mich nicht vergessen!“
„Als sie dich gesehen hat, war sie nicht mehr zu halten. Du bist wirklich so etwas wie ein großer Bruder für sie. Sie wird dich immer wiedererkennen.“
„Hat sie eigentlich schon einen Namen?“
„Ja, ihr Name ist Lau.“
„Kleine Lau...“
„Sie hat etwas für dich.“
Das Nymhenkind streifte Casey ein Armband über das rechte Handgelenk und gab einen fröhlichen Laut von sich. Es war aus wasserblauen, rechteckigen Steinen
„Das ist für mich? Hab vielen Dank, Kleines.“ freute sich der Junge.
„Dieses Armband zeigt jedem, das Du ein Freund von uns Wassergeistern bist.“ erklärte die große Flussmutter. „ Und ich wünsche Dir und deinen Freunden alles gute für eure weitere Reise.“
„Danke, große Flussmutter.“
Das Nyphenbaby stieß einen frohen Laut aus und sprang mit einem Satz aus Caseys Armen und wieder in das Wasser.
„Leb wohl, kleine Lau. Ich komme auf jeden Fall wieder und besuche dich...kleine Schwester.“ rief Casey und winkte. Dann war er wieder alleine, das Spiegelbild im Wasser und die kleine Nymphe verschwunden.
„Was für ein Abenteuer! Von so etwas habe ich immer geträumt.“ seufzte der Junge.

„Casey!“
Die kleine Dampflok war zwischen den Bäumen aufgetaucht.
„Rusty, ich bin hier!“
„Endlich hab ich dich gefunden! Ein Angler hat mir gesagt, das Du in den Auwald spazierengegangen bist.“
„Wie bist Du eigentlich die engen Stufen heruntergekommen?“
„Hab den Weg über den Bahndamm genommen. Dabei hats mich einmal auf den Hintern gehauen!“ brummte die Dampflok. „Der Boden ist schon wieder trocken und verdammt hart!“
„Warte, ich komm raus.“
Casey watete an das Ufer und Rusty warf ihm seine Hose zu, die er auf dem Steg gefunden hatte.
„Wo hast Du denn das schöne blaue Armband her?“ fragte die Lok, während Casey sich anzog.
„Von meiner kleinen Schwester.“ grinste der Junge.
„Du meinst...“
„Genau.“
„Auf jeden Fall scheinen Dir die zwei Tage Schlaf gut getan zu haben.“
„Ich hab zwei Tage durchgeschlafen?“ staunte Casey.
„Das hattest Du auch bitter nötig! Jetzt siehst du wieder frisch und munter aus. -Na ja...einmal bist Du aufgestanden und aufs Klo geschlichen. Wie ein Schlafwandler rein und wieder raus.“
„Hehe, muss komisch ausgesehen haben.“
„Und Du fühlst dich gut?“
„Jep, kein Schwindel mehr und keine wackeligen Beine.“

Plötzlich sprang etwas mit einer geschmeidigen Bewegung vor den beiden Freunden auf den Pfad.
„Uah! Ein Sumpfpanther!“schluckte Casey und erstarrte.
Die gefleckte Raubkatze mit der goldbraunen Rückenmähne verharrte ebenfalls reglos und musterte die beiden Fremdlinge.
„Ganz ruhig, Rusty. Keine hastigen Bewegungen. Vielleicht verschwindet er wieder. Der Angler, den ich vorhin getroffen habe, hat gesagt, Sumpfpanther würden Menschen aus dem Weg gehen.“
„Er kommt aber auf uns zu!“ zischte Rusty.
„Er hat aber weder die Ohren angelegt, noch faucht oder knurrt er. Und die Krallen sind auch nicht ausgefahren. Er zeigt keinerlei Aggression. Vielleicht ist er nur neugierig.“
Die Raubkatze brummte und trottete gemächlich näher. Sie strich um Casey herum, rieb ihren Kopf an seinen Beinen und begann zu schnurren.
„So wie er sich verhält, weiß er anscheinend, das wir die kleine Nymphe gerettet haben.“
„Du hast recht. Flußgötter wachen nicht nur über die Natur, sondern auch über die Bewohner ihres Reiches.“
Auf einmal lief der Sumpfpanther ein Stück vorraus, blieb stehen und sah zurück.
„Ich glaube, er will, das wir ihm folgen.“
Die Raubkatze führte Casey und Rusty immer tiefer in die Auwald hinein. Leichtfüßig trabte sie den Pfad entlang, bis sie an einer Stelle des Ufers stehenblieb. Beim Näherkommen entdeckte der Junge etwas Unförmiges, mit Algen und Wasserpflanzen bewachsen, im seichten Wasser liegen.
„Was ist denn das? Sieht komisch aus.“ meinte Rusty.
„Ich seh mir das mal an. Ich glaube, das wollte uns der Panther zeigen.“
„Sei aber vorsichtig!“
„Keine Angst. Er hätte uns sonst wohl kaum hergeführt.“
Casey rutschte die Uferböschung hinab und watete in das flache Wasser. Dann begann er an einer Stelle vorsichtig die Algen zu entfernen. Eine leuchtend rote Holzkonstruktion kam darunter zum Vorschein.
„Aber...sollte etwa....“
Hastig riß Casey immer mehr Wasserpflanzen ab und fand bald darauf seine Vermutung bestätigt.
„Red Caboose!“
„Ich glaubs nicht!“ brummte Rusty.

Kurze Zeit später hatte der Junge alle Wasserpflanzen entfernt. Der Bremswaggon lag auf dem Bauch im seichten Wasser und rührte sich nicht. Unter einem Busch dümpelte seine rote Mütze auf den kleinen Wellen.
„Der Sumpfpanther hat ihn wohl gefunden. -Wo ist er auf einmal hin?“
Lautlos wie ein Schatten war die große Raubkatze wieder im Dickicht des Auwaldes verschwunden.
„Ob er das überlebt hat?“
„Du musst nach seinem Lebensfunken schauen. Aber der Kerl ist unverwüstlich. Und außerdem wäre nur noch seine leere Hülle da, wäre er bereits beim Starlight Express.“
„Wo sitzt sein Lebensfunke?“
„Dreh ihn auf den Rücken.“
„Okay.“
Casey wuchtete den schweren Körper herum.
„Siehst Du die kleine Klappe da vorne? Öffne sie und sieh hinein.“
Der Junge zog sie auf. Tief im Innern konnte er umgeben von schwarzer Dunkelheit einen kleinen, hellen Funken sehen, der wie ein kleiner Stern leuchtete.
„Der Lebensfunke brennt noch. Zwar klein, aber konstant.“
„War ja klar. Der Halunke übersteht selbst den Zorn des Flußvaters!“ knurrte Rusty.
„Oder vielleicht wollte er ihn gar nicht umbringen. Vielleicht hat sogar der Starlight Express Einhalt geboten.“
„Kann sein.“
„Wie kriegen wir den Kerl aus dem Wasser?“
„Lassen wir ihn doch einfach liegen. Irgendwann wacht er schon wieder auf. Hoffentlich hat sich dann seine Holzhülle total verzogen von dem ganzen Wasser!“
„Rusty, ich weiß, das Du ihn nicht ausstehen kannst, aber wir sollten eher dafür sorgen, das er zurück nach Kommoran kommt!“
„Na schön. Holen wir ihn eben da raus. Hier, mit meiner Abschlepp-Kette.“ antwortete Rusty und zog sie vorne aus seinem Gürtel.
„Ach dafür ist das komische Ding da vorne an deiner Gürtelschnalle.“
„Das wurde mir in Kommoran eingebaut für Abschlepparbeiten.“
Also bekam Cabosse das eine Ende um die Handgelenke geschlungen und Casey kletterte zurück an das Ufer. Dann zogen sie gemeinsam den Körper aus dem Wasser hinauf auf den Pfad.
„Geschafft!“ schnaufte Rusty.
Zu dumm, das wir kein Seil dabei haben, um ihn richtig zu fesseln. Hoffentlich hält die Kette. Damit er nicht wieder-Halt, Rusty! Was machst Du da?“
Die Dampflok verpasste ihrem Rivalen einen kräftigen Tritt in die Seite!
„Endlich kann ich es diesem Mistkerl heimzahlen, was er uns angetan hat!“ knurrte die Lok und trat abermals zu. „Und das ist dafür, das Du Casey fast erwürgt hast!“
„Nein, hör auf! Es ist feige, gegen einen Wehrlosen zu treten. Du bist dann nicht besser als Red! Das ist deiner nicht würdig!“
„Aber er hätte dich-„
„Ich weiß, er ist ein riesen Mistkerl, aber ich finde, er hat Strafe genug erhalten. Beinahe ertränkt zu werden ist schlimm genug. Hab Geduld. Eines Tages wirst Dus ihm zeigen! In einem fairen Kampf.“
„Fair? Der weiß gar nicht, was das ist!“ Red war noch niemals fair!“
„Aber wir sind jedesmal schlauer. Und Red kriegt doch meistens eins drauf, wenn er abhaut.“
„Trotzdem! Dieses eine Mal vergesse ich meine gute Kinderstube!“ knurrte Rusty und verpasste Caboose noch einen letzten Tritt gegen den Brustkasten.
„Rusty! Es ist genug!“
Diesmal stöhnte Caboose laut auf, sein Körper zuckte,er hustete und spuckte das geschluckte Wasser aus.
Sofort sprang Rusty einen Schritt zurück, Casey stellte sich auf seine Seite.
„AAAOOOWW!-Uuuhhh....Bremssand und Altöl...ich lebe noch....ich bin ihm entkommen...Äh?--Ihr schon wieder!“
„Du solltest und danken, wir haben dich aus dem Wasser gefischt! Verdient hast Dus eigentlich nicht!“ knurrte Rusty.
„Ich geb Dir einen guten Rat. Roll auf dem schnellsten Weg zurück nach Hause! Dann ersparst Du Dir ne Menge Ärger, Red! Und wir sehen von einer Meldung bei Mr. Corell ab.“
„Du hast mir nichts zu befehlen, dummer Bengel!“ knurrte der Bremswaggon.
„Rede nicht so mit meinem Lehrling!“ rief Rusty und ruckte an der Kette.
„Aua! Ihr habt mich gefesselt!“
„Genau! Und jetzt nehmen wir dich mit und erzählen den Leuten, was Du angestellt hast!“
„Was? Ihr wollt mich der Wut des Menschenmobs aussetzen? Die zerlegen mich in meine Einzelteile!“
„Wäre nicht schade darum!“ knurrte Rusty.
„Das kannst Du vergessen, Teekessel! Ich wäre da drin beinahe abgesoffen, die Flußkrabben haben mich schon angeknabbert!“
„Selbst schuld!-Mir reichts jetzt! Wir werden Mr. Corell melden, was Du alles angestellt hast!“ knurrte Rusty und ruckte abermals an der Kette.
„Nichts da!“ rief Red Caboose, sprang auf Rusty zu und rammte der Dampflok seinen Ellenbogen in den Brustkasten! Rusty blieb die Luft weg, er taumelte zurück und krachte zu Boden. Dabei riß er Casey mit um. Rasch war die Kette abgeschüttelt und Caboose beugte sich zu Casey herunter.
„Und was dich betrifft, Bengel-“
Aber weiter kam er nicht, denn plötzlich sprang der Sumpfpanther zwischen ihn und den Jungen! Das Fell der Raubkatze war gesträubt, ein drohendes Fauchen drang aus ihrer Kehle.
„UAH! Hau ab, Du Biest!“
Aber der Panther ließ sich nicht beirren, sprang vor und schlug mit seinen Tatzen nach dem Übeltäter. Da hielt es der Halunke für besser, Fersengeld zu geben.
„Red Caboose kratzt wieder mal die Kurve! So schnell er kann!“ rief er und rollte, so schnell ihn seine Räder trugen, den Pfad zurück. Der Panther blieb ihm dicht auf den Fersen.

„Rusty? Alles in Ordnung?“
Die kleine Dampflok hustete und hielt sich die schmerzende Stelle.
„Mir ist für einen Moment die Luft weggeblieben! Verdammter Puffernschlag! Tut höllisch weh! Obwohl unsere Puffern gefedert sind.“ keuchte sie.
„Er ist uns wieder entwischt! Wir haben nicht aufgepasst!“ fluchte Casey.
„Wir sollten Mr. Corell endlich von seinen Umtrieben berichten! So kann das nicht weitergehen! Das hätten wir schon längst tun sollen!“
„Was wird dann mit Red passieren?“
„Es wird eine Nachricht an alle Bahnhöfe ausgegeben, das er gesucht wird. Er kann sich dann auf keinem Bahnhof des Kontinents mehr blicken lassen! Sonst wird er festgesetzt und wieder nach Kommoran zurücküberführt! Dann erwartet ihn eine saftige Strafe!“
„Wird er eingesperrt?“
„Vielleicht. Aber er wird wohl auch den Bahnhof fegen und bei der Müllbeseitigung helfen müssen. Das ist die erniedrigendste Arbeit für eine Lok oder einen Waggon!“
„Komm, lass uns nachsehen, ob der Panther Red erwischen wird.“ grinste Casey und beide liefen den Pfad zurück, bis sie den roten Bremswaggon zwischen den Bäumen ausmachen konnten.
„Er ist oben auf dem Bahndamm. Schau, der Panther jagt immer noch hinter ihm her! Er treibt ihn die Strecke zurück, die wie gekommen sind!“ rief Rusty.
„Gut, dann kommt er uns in Via Coronna nicht mehr in die Quere. Dafür sorgt unser Freund schon.“ grinste Casey.

Und nicht nur der Panther. Auf dem Rückweg durch die Sümpfe musste Caboose sich abermals den Spott der Sumpfkobolde anhören.
„Hey, Leute! Da ist der Streuner wieder!“ rief Plitsch, welcher mit seiner Kröte auf einem Seerosenblatt hockte.
„Er ist ein Streuner und ein Eierdieb!“ rief ein anderer Kobold. Red Caboose presste die Hände auf die Ohren und rollte weiter, immer noch verfolgt von dem Sumpfpanther, zu dem sich nach einer Weile noch zwei Weitere gestellten.
„OH NEIN!“ heulte Red und begann noch schneller zu rollen. Er wollte jetzt nur noch eins: raus aus diesen Sümpfen und möglichst weit weit weg von dieser Gegend. Um Flussdeltas würde er in der nächsten Zeit einen riesen Bogen machen, das schwor er sich.

Fortsetzung folgt....
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