Kreise auf kariertem Papier

von Zespri
GeschichteRomanze / P16
Edward Anthony Masen Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Tanya
06.02.2009
14.02.2010
16
73588
2
Alle Kapitel
660 Reviews
Dieses Kapitel
62 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Kreise auf karierten Papier, fein gezeichnet, fein sortiert, genau symmetrisch, alles geordnet.
Geordnet wie es sein sollte, geordnet so, wie es mein Leben wieder war und doch in wenigen Augenblicken nicht mehr sein sollte.

„Miss Swan…“

„Miss Swan!“

„MISS SWAN!“

Erschrocken ließ ich den Bleistift auf den Tisch fallen. Er titschte mit einem hölzernen Geräusch auf und rollte bis zum äußeren Tischrand, fiel aber nicht auf den schmuddeligen, verdreckten, gummierten Schulboden. Er stoppte kurz vorher und entblößte mir seine Art. 4H war in silberfarbenen Zeichen auf den ansonsten dunkelgrünen Bleistift gedruckt. Härte 4H- ein Bleistift für technische Detailpläne und graphische Darstellungen. Warum ich mir gerade diesen Bleistift gekauft hatte, konnte ich nicht genau sagen, aber mir gefiel seine Art, die Härte 4H, die meine Kreiszeichnungen ordentlicher aussehen ließ und nicht so leicht verwischte.
Ich hatte ihn schon lange, bestimmt schon ein halbes Jahr. Trotzdem sah er noch aus wie neu.
Ich benutzte ihn nur in den Schulstunden.
Ich benutzte ihn nur, um feine, geordnete Kreiszeichnungen auf mein kariertes Papier zu bringen anstatt dem Unterricht zu folgen. Es war nicht richtig. Ich sollte aufpassen. Aber ich konnte meine Gedanken nicht ordnen, konnte sie nicht auf den Unterrichtsstoff zustellen. Stattdessen drehten sie sich um alles Mögliche. Um meine Lieblingsbücher, wie Mansfield Park oder Stolz und Vorurteil. Ich versetzte mich in die Charaktere hinein, liebte Edmund ebenso abgöttisch wie Fanny , verabscheute Mr. Darcy mit derselben Intensität wie Elizabeth es tat und verdrückte ebenfalls wie sie ein paar Tränen als sie dann doch heirateten.

Es war eine Flucht aus der Wirklichkeit in die Welt der Fantasie. Ich mochte die Fantasie, man konnte tun und lassen was man wollte, der Realität entfliehen, in fremde Welten eintauchen. Die Wirklichkeit war nicht schlimm, ich hatte kein tragisches Leben. Ich lebte ein Leben in Forks bei Charlie, meinem Dad,  war ein typisches Scheidungskind, das den einen Elternteil immer nur in den Ferien sah. Es war nicht schlimm, ich hatte mich damit arrangiert. Mein Leben war geordnet, ebenso geordnet wie die Kreise auf meinem karierten Blatt. Es hatte eine Reihenfolge. Ich stand morgens auf, fuhr nach Seattle, um dort das College zu besuchen, machte meine Aufgaben, fuhr wieder nach Hause und fing an zu lesen.  Ja, mein Leben war geordnet. Keine wilden Partys, kein Alkohol, keine Drogen, keine unstetigen Liebschaften. Was nicht geordnet war, waren meine Gedanken, die sich um so viel drehten, nur nicht um die jetzige Vorlesung.

So bekam ich auch nicht mit, wieso Mr. Wilson, mein Soziologieprofessor,  mit einem Pappkarton vor mir stand, in dem kleine, zusammengefaltete, hellbraune Zettel lagen. Fragend sah ich den dicklichen Mann an und stellte dabei fest, dass sein dritter Hemdknopf von unten auf war. Man konnte das strahlend weiße, gerippte Unterhemd sehen. Entweder war es neu oder seine Frau nutzte ein gutes Waschmittel. Meine Finger zuckten nach vorne um den billigen Kunststoffknopf durch das verfranzte Loch zu führen, doch als ich seine dunkle, schroffe Stimme hörte, zog ich meine Hände eilig zurück und legte sie in meinen Schoß, der raue Jeansstoff rieb sich an meinen Händen.

„Miss Swan, ziehen Sie jetzt endlich mal einen Zettel, damit wir heute noch wissen mit wem sie das Projekt durchführen? Hier sitzen noch 25 andere Frauen, die gerne ihren Partner ziehen würden.“

Partner? Projekt? Ich hatte keine Ahnung wovon er sprach und schalt mich innerlich für meine Unaufmerksamkeit. Ich hatte schon aufgehört während Vorlesungen, in meiner Fantasiewelt zu schwelgen und stattdessen mit dem geordneten Zeichnen kleiner Kreise auf kariertem Papier begonnen, nur um nicht peinlicherweise beim Träumen über Edmund oder Mr. Darcy  entdeckt zu werden. Zu Beginn des Colleges war ich öfters durch Reden aufgefallen, wenn ich meinen Traummännern Antwort auf ihre Fragen gab. Es war unerfreulich, beschämend, peinlich gewesen. Durch das Zeichnen der Kreise auf dem karierten Blatt hörte ich auf von ihnen zu träumen und ersparte mir somit jede Menge missliche Momente. Meine Gedanken dabei auf die Vorlesung zu lenken gelang mir dennoch nicht…

„Miss Swan!“

Ach ja, die Zettel, das Projekt, meine Ahnungslosigkeit.
Langsam glitt meine Hand in die kleine Pappschachtel mit den zusammengefalteten Zetteln. Meine kalten Finger umgriffen einen rauen Papierfetzen, schlossen ihn in meine Faust ein, bevor ich die Hand wieder aus der Schachtel entwand.
„Na endlich“, murrte Mr. Wilson, zog seine Hand mit der Pappschachtel zurück und tippelte mit seinen schwarzen Lackschuhen zur nächsten Kommilitonin, Hanna. Ich mochte sie. Sie war die Tochter eines Pfarrers und mir eine gute Freundin. Soweit man unsere Beziehung eine Freundschaft nennen konnte. Wir sprachen ab und zu miteinander, verstanden uns gut.
Sie zog innerhalb von 3 Sekunden ihren Zettel, lächelte mir kurz zu und entfaltete dann das kleine, graue Stückchen Papier. Ihre hellblauen, stechenden Augen überflogen den Zettel, entzifferten die Buchstaben. Dann hob sie ihren Kopf, die roten Locken zappelten dabei fröhlich, ihre Augen suchten nach irgendwem.

„He! Matthew!“ Ihre lachende Stimme schallte durch den Raum, erreichte nur ein paar Nanosekunden ihren Empfänger. Matthew drehte sich zu ihr um, seine Augen funkelten freudig. Die Sonne brach sich an seinen kurzen braunen Haaren, es sah kurz so aus, als würde ein Heiligenschein seinen Kopf umspielen.

Hanna winkte mit dem grauen Papierschnitzel, lachte ihn an.
„Dein Name steht drauf, wir machen das Projekt zusammen!“
Matthew nickte, hob seinen Daumen und drehte sich dann wieder seinen Freunden zu, offenbar froh über seine geloste Partnerin.

In der Zwischenzeit war Mr. Wilson schon drei Plätze weiter, ließ Elizabeth Sondey einen Zettel ziehen. Sie mochte ich nicht. Ihre braunen Haare hatte sie zu einem Bob geschnitten, die mattgrünen Augen entfalteten hoffnungsvoll den Zettel, nur um kurz danach enttäuscht drein zu blicken. Sie hatte offenbar auf einen anderen Partner gehofft. Gereizt schmiss sie das Stück Papier in ihre dunkle Ledertasche, die wohl einige Dollar wert war. Mich interessierte es nicht und so wanderte mein Blick weiter. Weiter über meine Kommilitonen, die gespannt alle anderen beobachteten, in Gespräche oder in ihre Zettel vertieft waren. Einige lachten, einige strahlten glücklich, andere wider rum starrten unglücklich und unzufrieden auf die vollgekritzelten Bänke. Sie waren wohl nicht sehr begeistert über ihr Losglück.

Mein Blick landete schlussendlich wieder an der grauweißen Wand, an der sich die Power Point Präsentation des Professors  widerspiegelte.  Ich lächelte leicht. Die Ehe. Wir hatten dieses Thema als eines der Unterpunkte des Semesters, ich fand es schlecht gewählt. Ich dachte nicht viel über die Ehe nach, wo ich doch kaum jemanden kannte, dessen Ehe gut verlief. Aber da es mit zum Soziologiestudium gehörte, arrangierte ich mich mit dem Thema, lernte zuhause die Geschichte der Ehe. Von der Polygamie zur Monogamie, die Ehe im Mittelalter bis hin zur heutigen Zeit. Ich lernte wie viele der Ehen scheiterten, lernte welche die häufigsten Ehekrisen waren.  Fehlende Vorbilder (sollte ich jemals heiraten, war meine Ehe dadurch zum Scheitern verurteilt. Die Ehe meiner Eltern war eine absolute Katastrophe), die Überlastung der Beziehung, zum Beispiel durch Kinder und/oder Arbeitslosigkeit, die zunehmende Individualisierung beider Ehepartner, die Treulosigkeit und die fehlende Ehevorbereitung. Dies war gerade bei jungen Paaren ein wichtiger Grund, warum ihre Ehen schnell scheiterten. Sie stellten sich die Ehe als hell rosa Paradies vor und landeten in der Hölle der Realität.

Ich war gespannt worum es im Projekt ging, an dem wir vermutlich in der vorlesungsfreien Zeit arbeiten mussten. Ich mochte solche Projekte nicht sonderlich, ich arbeitete nicht gerne mit anderen Leuten zusammen. Alleine kam ich besser klar, musste mich nur an mir orientieren.
Der zusammengefaltete Zettel wurde auf einmal tonnenschwer  in meiner Faust, ich öffnete meine Finger und das Stück Papier landete still auf dem DC von AC/DC, dass irgendwer auf den hölzernen Tisch gekritzelt hatte.
Langsam nahm ich es wieder zwischen die Finger, entfaltete es. Es knisterte leicht und die Linien, an denen es zusammengefaltet war, stachen fest hervor. Ich legte den Zettel zurück auf den Tisch, strich ihn mit meinen Fingerspitzen glatt. Die blauen Buchstaben, mit einem billigen Kugelschreiber drauf gekritzelt, offenbar von einem Mitarbeiter Mr. Wilsons, tanzten vor meinen Augen. Leise seufzte ich, strich noch einmal das Blatt glatt um, dann den Namen meines Projektpartners zu sehen.

Edward Cullen

Immerhin jemand, der vernünftig war und nicht nur auf Partys war und sich betrank. Ich konnte mit ihm reden und ihm lagen gute Noten auch am Herzen.
Erleichterung machte sich in mir breit, ich war froh über das gezogene Los.

Meine Augen suchten schnell den Raum ab, suchten den bronzenen Haarschopf, der so unerkennbar war. Nach wenigen Minuten hatte ich ihn gefunden. Er lehnte am milchigen Fenster, lachte im Kreise seiner Freunde. Ich beobachtete ihn einige Momente lang. Momente, die mein Herz schnell klopfen ließen, Momente, die mich zum Lächeln brachte, Momente, die alte Erinnerungen zurückbrachten.
Samuel, einer seiner Freunde, sagte ihm etwas, grinste dabei breit und augenblicklich wand sich Edwards Kopf und sein wunderschönes Gesicht war plötzlich mir zugewandt. Ich hob kurz die Hand, Edward lächelte sanft zurück.

Ich mochte sein Lächeln, hatte es schon immer gemocht. Es war sanft und liebevoll und brachte mein Herz jedes Mal aus dem Takt. Ich wusste, dass ich nicht die einzige war, die er damit aus der Fassung bringen konnte, aber ich wusste auch, dass es ihm egal war. Edward hätte ohne Probleme an jedem Finger zehn Frauen haben können, aber er hatte es nicht. Er war wohl einer der wenigen ehrenwerten Männer, die ihr gutes Aussehen nicht nutzen, um möglichst viele Frauen in ihr Bett zu kriegen. Im Gegenteil. Ich wusste, dass er Frauen respektierte, ich wusste, dass er manchmal auf Partys ging und mit Frauen tanzte, sie aber nur selten mit nach Hause nahm , ich wusste, dass ihm sein Studium sehr wichtig war, ich wusste, dass er gerne las, am liebsten Marc Twain, ich wusste, dass er liebend gerne Klavier spielte, selber komponierte, ich wusste, dass er ein miserabler Koch war und ich wusste, dass er drei kleine Muttermale an der rechten Hüfte hatte, die, wenn man sie miteinander verband, ein kleines Dreieck bildeten.

Ich blickte auf, als Mr. Wilson sich räusperte:
„Nun, da Sie jetzt alle ihre Zettel gezogen haben und die meisten sich schon mit ihren Partnern verständigt haben, möchte ich noch ein paar wichtige Kleinigkeiten anmerken. Natürlich verlange ich von ihnen nicht dafür zusammen zu ziehen, dennoch sollen sie so viel freie Zeit wie möglich miteinander verbringen, wenn möglich bis zu 4 Stunden am Tag. Mir ist natürlich bewusst, dass sie ihre Freizeit gerne mit ihren Freunden verbringen und das soll ihnen auch nicht verwehrt bleiben. Ebenso brauchen Sie auch ihren privaten Freiraum. Aber ich möchte das ganze so realitätstreu wie möglich, damit ich Ihnen später auch gute Noten geben kann. Sie sollen jegliche Facetten einer Ehe erleben, aufschreiben und auswerten.“

Sein Blick glitt langsam zu einer Gruppe, die eifrig miteinander tuschelte. Seine Stirn zog sich zusammen, bildete viele kleine Falten, seine Stimme hob sich als er weiter sprach: „Natürlich ist damit kein sexueller Faktor gemeint, meine Herren.“

Er deutete zum Pult.
„Hier liegen weitere Zusatzinformationen, die wichtig für Sie sind. Bitte nehmen Sie sich beim Verlassen der Vorlesung jeder ein Blatt. Ich und meine wissenschaftlichen Mitarbeiter sind für sie per E-Mail erreichbar, falls sie weitere Fragen haben. Ansonsten wünsche ich Ihnen eine schöne vorlesungsfreie Zeit und erwarte ihre Projektmappe in 12 Wochen. Ihre Seminare mit meinen Mitarbeitern finden alle zwei Wochen statt. Die genauen Termine finden sie im Internet.“
Er endete, offenbar erleichtert darüber, dass er für heute frei hatte. Er fuhr seinen Laptop herunter, die weiße Wand verfärbte sich blau, da der Laptop noch immer mit dem Beamer verbunden war. Es war ein schönes Blau. Dunkel, irgendwie einladend. Ich mochte es.

Ein leises Räuspern riss mich aus meinen Gedanken und ich wand meinen Blick ab und blickte sofort in eine andere, wunderschöne Farbe. Grün. Grüne Augen. Edwards grüne Augen.
Er lehnte an meinem Tisch, hatte meinen Rucksack in der Hand und lächelte sanft.
„Wieder am Träumen, Mrs. Cullen?“
Ich nickte nur stumm. Ja, träumen….Edward hatte mal gesagt, er fände es süß wenn ich so vor mich hin träumte. Ich saß zu dem Zeitpunkt auf dem Campus unter einer alten Linde und genoss ein paar warme Sonnenstrahlen. Er hatte damals gesagt er würde mich so gerne küssen, er müsste es einfach tun. Und er hatte es getan und es fühlte sich unglaublich an. Warm und kalt und gut und erregend und verlangend und unglaublich und zum Träumen.
Später hatte Edward dann gesagt ich würde zu viel Träumen…

Plötzlich durchfuhren seine Worte mein Gehirn und ließen mich augenblicklich aufschauen, hineinschauen in seine faszinierenden, hypnotisierenden Augen.
„Was hast du gerade gesagt?“
Irritiert blickte er mich an.
„Na, du bist doch meine Projektpartnerin. Das dachte ich zumindest, nachdem du mir zu gewunken hast.“
Er nahm den kleinen Zettel von meinem Block, registrierte kurz die Kreise auf kariertem Papier und schmiss dann den kleinen Zettel in meinen Rucksack.
„Ja, steht mein Name drauf. Edward Cullen.“
Ich nickte leicht, während ich mein Etui und den Block in den Rucksack steckte.
„Ja, ich weiß. Aber…ich verstehe dein Kommentar nicht. Ich bin weder verheiratet noch trage ich deinen Nachnamen.“ Meine Stimme musste sehr verwirrt geklungen haben, denn er lachte leise und schloss den Reisverschluss meines roten Rucksacks.
„Oh Bella….“
Seine Hand erhob sich langsam und kurz hatte ich das Gefühl er wolle mir über die Wange streichen. Er tat es aber nicht, er ließ seine Hand wieder sinken, versenkte sie in seiner Hosentasche. Mein Herz zog sich zusammen, obwohl ich stark dagegen ankämpfte. Es hatte sich immer gut angefühlt, wenn er mich berührte, wenn er mit seinen Fingern meine Wange berührte, mich aus Träumen riss, mich tröstete, mich liebkoste, kurz bevor seine Lippen, die meinen verwöhnten.

„Bella? Telefonieren wir mal? Ich hoffe wir sehen uns während der Semesterferien. Trotz dieses Projekts. Obwohl ich es irgendwie mag, ist doch ganz lustig mal das Eheleben zu erproben. Dad wird darüber begeistert sein. Er sagt eh immer, dass junge Leute mehr über das Eheleben aufgeklärt werden müssen, schließlich ist die Ehe etwas Heiliges und es ist schade, dass so viele Ehen wieder geschieden werden.  Und mit Matthew hab ich auch einen ganz guten Fang gemacht. Na ja, ich geh dann mal.  Ein paar Details mit Matt absprechen. Vergiss nicht, mich demnächst anzurufen, ich zähl drauf, Bella. Du musst mal ein bisschen unter Leute.“

Hanna drückte mir einen Kuss auf die Wange, winkte Edward und beugte sich zu ihm. Leise flüsterte sie ihm etwas ins Ohr. Etwas, was ich nicht verstand und doch so gerne wissen wollte. Er lächelte sie kurz an und nickte, bevor der rothaarige Lockenkopf endgültig aus dem Raum verschwand.

„Sie erinnert mich an Alice“, sinnierte Edward und schenkte mir eines meiner Lieblingslächeln. Oh ja…Alice…Edwards vollkommen durchgeknallte Schwester, die so schnell sprach und ebenso schnell Freundschaften schloss, wie andere Leute zwinkerten. Trotzdem hatte ich sie gemocht, hatte mich wohl in ihrer Gesellschaft gefühlt.
„Sie fragt übrings manchmal nach dir. Sie fragt wie es dir geht und ob du sie nicht mal treffen willst. Sie wird sich freuen, dass wir das Projekt zusammen machen“, hörte ich wieder seine samtene Stimme.
„Apropos Projekt…ich glaube ich hab immer noch nicht genau verstanden worum es geht…“, murmelte ich verlegen und ein sanfter Rotton legte sich auf meine Wangen. Vor Edward zuzugeben nicht aufgepasst zu haben war fast genauso schlimm wie es vor dem Professor zuzugeben.

Jetzt berührte seine Hand meine Wange. Sein Daumen fuhr langsam über meine Haut, berührte den Winkel meiner Lippen. Mein Herzschlag musste sich verzehnfacht haben….
„Du bist eben doch eine kleine Träumerin, Isabella“, flüsterte er leise und ich erschauderte leicht.  „Aber kannst du nicht wenigstens versuchen in der Vorlesung aufzupassen? Es ist wichtig für deine Zukunft.“
Seine Hand war wieder fort, Enttäuschung machte sich in mir breit.
„Was würdest du tun, wenn du nicht meinen Namen gezogen hättest sondern zum Beispiel Noahs?  Er würde dir nichts Genaues zum Projekt sagen, weil er es bestimmt nicht macht und die Projektmappe nur so hinschmiert. Die Semesterferien sind für ihn die Partytime…  Du wärst vollkommen aufgeschmissen. Du musst besser aufpassen, Bella. Nicht für mich oder für Mr. Wilson. Nur für dich, hörst du?“
Ich nickte leicht, wusste genau dass er recht hatte und war unglaublich froh, dass ich seinen Namen gezogen hatte.
„Ich versuche es“, murmelte ich, während ich meinen Rucksack hochhob und er leise lachte.
„Sehr gut. Darf ich Sie jetzt zum Essen einladen, Mrs. Cullen?“
Mit einem dumpfen Knallen fiel der Rucksack wieder auf den Tisch.
„Warum verdammt nennst du mich so?“
„Du weißt immer noch nicht, worum es in dem Projekt geht? Trotz Hannas Wortschwall?“
Ich schüttelte den Kopf.
„Wir testen das Eheleben aus, wir überlegen welche Schwierigkeiten es gibt, wie wir sie lösen können und was für positive Seiten das Leben hat. Ich bin ganz froh, dass du meinen Namen gezogen hast. Du bist vernünftig und ich mag dich. Wir sollten 4 Stunden am Tag miteinander verbringen, für insgesamt 6 Wochen und…“
Er wollte noch weiter sprechen, aber ich unterbrach ihn hastig.
„Warte, warte, warte. Das Projekt ist…wir sollen so tun als seien wir verheiratet? Wir sollen Ehekrisen durchleben, Lösungen finden, spüren wie eine Ehe abläuft? Aber das geht nicht.“

„Warum geht das nicht, Bella?“

„Wir sind nicht verliebt.“

„Aber wir waren mal ineinander verliebt“, antwortete er in seiner ruhigen Stimme “ und das ist mehr als die meisten anderen von sich behaupten können, die zusammengewürfelt wurden. Und Bella…es ist doch nicht so, dass wir uns im Bösen getrennt haben.  Niemand hat den anderen betrogen, niemand hat etwas Schlimmes getan. Wir verstehen uns noch gut, also wird das funktionieren. Und es sind nur 4 Wochen…“

„Aber…du wohnst in Seattle und ich wohne in Forks. Ich fahre jeden Tag 3 Stunden und ich hatte gehofft, ich könne wenigstens in den Semesterferien das Auto stehen lassen. Und ich will auch nicht, dass du jeden Tag extra nach Forks fährst…“

„Bella, das ist auch nicht nötig. Ich habe ein schönes Apartment, es ist hell, groß und hat ein Gästezimmer. Du könntest dort wohnen…für die 4 Wochen. Für die Zeit unserer Ehe“, antwortete Edward lächelnd und reichte mir meinen Rucksack.

„A-a-aber…ich dachte…ich dachte…4 Stunden pro Tag“, stotterte ich, während mein Herz vollkommen seinen Takt verlor. 4 Wochen mit Edward allein in einer Wohnung war das einzige,  was es gehört hatte.

„Aber wir wollen doch gute Noten, oder Bella? Und so wäre es sehr viel realitätsnäher. Bitte denk darüber nach. Es wäre am einfachsten für uns.“

Ja…am einfachsten…für ihn vielleicht…und für meinen Kopf.  Aber für mein Herz würde es eine Höllentour werden….eine chaotische, ungeordnete Träumerei….
Review schreiben