Keyla Spin-Off Nr. 6 "Keyla und Yousouf II"

von Dimanche
GeschichteAllgemein / P6
03.02.2009
03.02.2009
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Keyla stand mitten im Zentrum des Gebäudes umringt von mehreren Etagen, die scheinbar unendlich in die Höhe ragten. Als Keyla nach oben schaute, war es für sie vollkommen unmöglich die Decke auch nur ansatzweise zu erkennen.
Das Licht der Sonne drang sanft durch die verglasten Seitenwände der Bibliothek, so das Keyla auf den ersten drei Ebenen recht deutlich die Besucher sehen konnte, wie sie zwischen den Regalen streiften oder an den Tischen saßen und Bücher lasen.
„Beeindruckt?“, fragte sie Yousouf auf Basic.
Keyla nickte nur.
„Komm!“, forderte er sie auf.
Keyla riss ihren Blick los und trippelte verschüchtert ihren großen Freund hinterher.


Sie bestiegen einen der vier gläsernen Aufzüge. Die Tür schloss sich kaum hörbar.
„78“, gab Yousouf das gewünschte Stockwerk an.
Die Technik, die die Aufzüge antrieb, war extrem ausgereift.
Keyla spürte nicht im Geringsten, wie sich die Gondel erhob und nach oben stieg.
Lautlos und unglaublich schnell passierte sie ein Stockwerk nach dem nächsten.
Keyla schaute hinaus.
Vor ihren Augen verschwammen die einzelnen Ebenen zu Schlierestreifen, so das sie bei dieser rasenden Aufwärtsfahrt nicht einmal ansatzweise einen kurzen Blick auf einer der Etagen erhaschen konnte.
Ohne die Geschwindigkeit gedrosselt zu haben, und ohne eine Spur einer Erschütterung, war die Gondel zum Halten gekommen. Erst das Zischen, der sich öffnenden Tür, ließ Keyla bemerken, dass sie im 78. Stockwerk angelangt waren.


Yousouf trat als Erster aus der Gondel.
Keyla folgte ihm nur zaghaft.
Der Anblick der unzähligen Regale gefüllt mit dieser unfassbaren Menge an Büchern, Datenspeichern oder Tafeln brachte Keyla dazu ehrfurchtsvoll zu stutzen.
„Da kommt wohl meine Bibliothek zu Hause nicht mit!“, meinte Yousouf auf Basic und lächelte Keyla, die noch immer mit großen Augen dastand,  verschmitzt an.
„Bei weitem nicht!“, bestätigte Keyla auf Basic und warf Yousouf ein neckisches Grinsen zu.


Erstaunlich wie vieles für Keyla einfacher geworden war, seit sie die basische Sprache beherrschte.  Ohne Yousoufs Hilfe, hätte sie nie so schnell Basic lernen können. Yousouf war dabei in seiner Aufgabe als Lehrer geradezu aufgegangen, so das das Lernen auch für Keyla alles andere als quälend gewesen war.


Keyla war bereits soweit, dass sie Basic nicht nur verstand und sprechen, sondern auch lesen konnte. Dies wiederum bescherte ihr diesen, für sie nun abenteuerlichen, Ausflug in die Bücherei von Lourin.


Yousouf zog mit Keyla im Schlepptau an mehreren Regalen vorbei, gefolgt von einigen Augen der anderen extraterrestrischen Besucher, die ihnen erstaunt nachgafften oder beim Anblick dieses ungleichen Paares amüsiert schmunzeln mussten.


Hier, in der botanischen Abteilung der Bücherei kannte sich Yousouf  überaus gut aus. Zielsicher steuerte er mit festen Schritten die Regalwand an, die, wie er fand, für Keyla die passendste Auswahl an Büchern bot.


Mit einem „Tada!“, machte Yousouf vor dem gut bestücktem Regal eine ausladende Handbewegung.
„Grundlagen zur Urbarmachung von Landgut“, las Keyla mit einem gelangweilten Unterton von einem der Buchrücken ab.
Ihr Gesicht sprach Bände.
„Du bleibst am Besten hier! Ich muss noch zu einer anderen Stelle und hol dich gleich ab, wenn ich gefunden habe, was ich suche!“
Yousouf wuschelte ihr übers Haar, dann ging er und ließ Keyla alleine vor dem Buchregal stehen.
Mit einem missbilligenden Ausdruck auf ihren Gesicht, verschränkte Keyla die Arme vor ihrer Brust.
Jetzt waren sie schon in einer der größten Bücherein der Galaxis und Yousouf wollte sie nichts mehr lesen lassen als weitere botanische Abhandlungen?!
Genervt schüttelte sie ihren Kopf.


Sie lugte um das Regal herum.
Weder in den Gängen noch zwischen den Bücherregalen war irgendeine Spur von Yousouf zu sehen, was bei seiner überragend Größe schon fast komisch anmutete.
Keyla zog sich wieder hinter das Regal zurück und tippte nachdenklich mit ihrem Zeigefinger auf ihren Mund.  
Wer hinderte sie eigentlich daran, eine völlig andere Abteilung aufzusuchen?
Bis Yousouf wiederkam, konnte sie längst wieder zurück sein.
„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!“, ging es durch Keylas Kopf und schon riss sie sich von der Regalwand los und steuerte die Theke an, an der eine Bibliothekarin mit sechs Augen saß und gerade dabei war, ein Buch nach dem nächsten einzuscannen.


„Entschuldigen sie?“, fragte Keyla.
Die Bibliothekarin legte das Buch, das sie in der Hand gehalten hatte, beiseite und zeigte ihr mit einem „Ja?“, dass Keyla ihrer vollen Aufmerksamkeit galt.
„In welcher Abteilung finde ich Geschichtssachbücher?“  
„Im Stockwerk 45!“, antwortete ihr die Bibliothekarin und blinzelte Keyla freundlich mit ihren sechs Augen an.
„Danke!“, entgegnete Keyla und machte ihre ersten Schritte auf den Fahrstuhl zu, als sie plötzlich eine große Hand zurückhielt.
Erschrocken blickte Keyla auf und sah in Yousoufs verärgertes Gesicht.
„Ich habe doch gesagt, du sollst warten!“, ermahnte er sie.


*


Als sie sich kurze Zeit später auf den Nachhauseweg befanden, herrschte eisiges Schweigen zwischen Keyla und Yousouf.
Es war Keyla, die die anhaltende Stille nicht mehr länger ertragen konnte.
„Was wäre daran so schlimm gewesen, wenn ich alleine in die Geschichtsabteilung gegangen wäre?“, fragte sie zaghaft.
„Ich möchte es nicht...Ich meine, das wäre keine gute Idee, weil, weil...“
„Weil?“
Keyla legte ihren Kopf schief und schaute ihn mit ihren unschuldig dreinblickenden Augen eindringlich an.
„Du hättest verloren gehen können! Darum!“, antworte Yousouf barsch.
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