Der falsche Feind

GeschichteDrama, Angst / P12
17.01.2009
23.01.2009
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17.01.2009 1.268
 
Hier kommt meine zweite 24-Story, die ich schon vor längerem geschrieben habe und jetzt posten möchte. Sie hat nichts mit „An drei Nächten kommt der Tod“ zu tun und hat auch nur fünf Kapitel.
Hoffe, sie gefällt Euch. Möchte nicht zuviel verraten, nur soviel, daß mich diese 24-Folge (3x18) so geschockt hat, daß ich sie zu einer FF verarbeitet habe mit einem Alternativ-Ende. Spannend wird es auf jeden Fall!
Also viel Spaß nun beim Lesen und über ein kleines Kommentar würde ich mich natürlich sehr freuen.



Kapitel 1: Schlechte Nachrichten


Donnerstag, 6:10 Uhr

Ryan Chappelle war bereits seit 22 Stunden im Dienst. Die ständige Anspannung in seiner verantwortungsvollen Führungsposition und die zu erbringende Hochleistung forderten ihm alles ab. Mit viel Kaffee gelang es ihm, den Anforderungen gerecht zu werden. Er war Anfang vierzig und stolz darauf, sich in diesem Beruf noch keinen größeren Fehler geleistet zu haben. Dies hätte bei der Leitung einer Zentrale für Terrorbekämpfung auch fatale Folgen. Ryan wäre sicherlich auch nicht so weit aufgestiegen in seiner beruflichen Laufbahn. Gerade deshalb galt er unter seinen Kollegen als sturer Bürokrat. Doch auch er hatte seine Anweisungen, an die er sich strikt halten mußte.

Vor einigen Wochen war ihm etwas passiert, von dem er hundertprozentig sicher gewesen war, daß es ihm niemals passieren würde. Auch hatte er bisher für andere in einer solchen Situation kein Verständnis entgegen gebracht.

Er hatte sich in eine Kollegin verliebt.

Sie war noch nicht lange im Team, machte ihre Arbeit aber äußerst gewissenhaft und war eher schüchtern. Sie hatte ihm immer ein paar Sekunden zu lange in die Augen geschaut, wenn sie sich begegnet waren und irgendwann hatten sich auch in ihm gegen seinen Willen Gefühle für sie geregt. Jillian, so hieß sie, war über zehn Jahre jünger als er, doch daran störte sie sich nicht.

Eigentlich wollte Ryan so etwas niemals zulassen, doch auch er hatte diesen Grundsatz über Bord werfen müssen. Daß Tony und Michelle sich auf der Arbeit kennengelernt hatten und nun verheiratet weiterhin zusammen arbeiteten, konnte er nicht verstehen.

Nun war alles anders, doch er wußte, welche Gefahren das in ihrem Job mit sich brachte. Als Regierungsbeamte durften sie in einem Notfall auf den Einzelnen keine Rücksicht nehmen und schon gar nicht aus Befangenheit handeln. Und wenn man es doch tat, weil man einen Menschen, den man liebt, schützen will, drohten Gefängnisstrafen. Aus diesem Grund hatten er und Jillian vereinbart, ihre Beziehung absolut geheim zu halten. Es war nicht einfach, denn die Sehnsucht nagte an beiden, wenn sie sich sahen, doch bisher war es ihnen gelungen.

Ryan war in seinem Beruf sehr erfahren und er hoffte inständig, daß er niemals in die Situation kommen würde, das Leben eines seiner Mitarbeiter, insbesondere Jillian, aufs Spiel setzen zu müssen.

An diesem Morgen war Ryan gerade auf dem Weg in sein Büro, als ihm sein bester Außendienstmitarbeiter Jack begegnete. Dieser hatte gerade mit dem Präsidenten telefoniert, denn dieser war stets über die aktuelle Arbeit des Squads informiert. Jack war dessen erste Kontaktperson und ein enger Mitarbeiter.

Seit einigen Tagen beschäftigten sie sich mit einem heiklen Fall; der Terrorist Saunders drohte damit, ein tödliches Virus in Umlauf zu bringen, wenn man seine Forderungen nicht erfüllte. Mit Hochdruck wurde daran gearbeitet, ihn zu finden, bisher ohne Erfolg, denn Saunders schien seinen Verfolgern stets einen Schritt voraus zu sein.

Jacks Gesicht war angespannt, als er seinem Chef begegnete und Ryan fragte ihn sofort, worüber der Präsident mit ihm gesprochen hatte. Jack sah ihm in die Augen. „Über Sie!“

„Mich?“ fragte Ryan erstaunt, „wieso über mich?“

„Kommen Sie bitte mit“ bat Jack und führte seinen Chef in einen Besprechungsraum. Er schloß die Tür hinter ihnen und Ryan erwartete eine sofortige Erklärung. „Was hat das zu bedeuten, Jack?“

„Saunders hat sich wieder gemeldet.“

„Mit einer neuen Forderung?“

Jack zögerte und zog die Luft tief ein.

„Jack?“ fragte Ryan ungeduldig.

„Er verlangt… Ihren Tod!“

Ryan starrte ihn entsetzt und ungläubig an, wußte nicht was er erwidern sollte. Sollte er das ganze für einen schlechten Scherz halten? Immerhin war er bei den ihm untergebenen Mitarbeitern nicht sonderlich beliebt.

Nach einigen Sekunden fragte er ärgerlich: „Soll das etwa ein Scherz sein?“

„Ganz sicher nicht, Ryan“ erwiderte Jack, „er hat gedroht, das Virus in Umlauf zu bringen, wenn wir ihm nicht bis punkt sieben Ihre Leiche übergeben!“

Das war in weniger als einer Stunde. Ryan öffnete sprachlos den Mund. „Und… und Palmer ist bereit, darauf einzugehen?“ Seine Stimme wurde lauter, von offensichtlicher Panik ergriffen.

Sein Gegenüber schwieg, bedachte ihn nur mit einem mitleidsvollen und vielsagenden Blick.

„Mein Gott, Jack!“ Plötzlich spürte Ryan, daß es Ernst war.

„Er wird dieses Virus weiterverbreiten, der Präsident hat keine Wahl“ sagte Jack mit fester Stimme, obwohl ihm alles andere als wohl zumute war.

„Also schickt er Sie, mich umzubringen?“ Ryan konnte es kaum glauben.

Jacks Stimme wurde leiser. „Nicht, wenn wir Saunders vor sieben Uhr finden!“

„Aha wie schön“ antwortete sein Chef, die Stimme von bitterer Ironie erfüllt, „dann haben wir natürlich noch massenhaft Zeit!“

Ein Schweigemoment entstand, in dem sich beide Männer in die Augen blickten. Dann erhob Ryan wieder die Stimme: „Das… das ist doch Irrsinn! Warum ich?“

„Das wissen wir auch nicht. Ryan, jetzt denken Sie bitte genau nach! Hatten Sie in der Vergangenheit Kontakte zu Saunders?“

„Nein! Das erste Mal, daß ich diesen Namen höre ist heute!“

„Ihre Ermittlungen über seine Bankgeschäfte haben das vermutlich ausgelöst“ sagte Jack.

„Aber ich habe Saunders noch nichts Konkretes nachweisen können!“ Ryans Stimme wurde vor Nervosität immer lauter, so daß auch Jack seinen Tonfall erhöhen mußte, um von ihm Gehör zu finden. „Seine Forderung, Sie zu liquidieren beweist, daß Sie auf der richtigen Spur waren!“

„Soll das heißen, Sie glauben ernsthaft, daß wir ihn bis sieben Uhr zu fassen kriegen?“ Ryan sah darin keinerlei Hoffnung, doch wollte er sich an diesen Strohhalm klammern.

„Wir können Sie nur retten, wenn wir es schaffen, ihn vor sieben Uhr zu finden. Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, das verspreche ich Ihnen! Doch das geht nur, wenn Sie mir helfen! Sie müssen Chloe Ihre gesamten Dateien übergeben, damit sie sie auswerten kann.“

Wieder starrten sie sich einige Sekunden schweigend an. Dann sank Ryan langsam auf einen Stuhl und begann den Laptop zu bedienen. Sein Gesicht hatte jegliche Farbe verloren. Jack legte ihm die Hand auf die Schulter. „Es tut mir leid Ryan, wir finden diesen Typen!“

Als Jack den Raum verließ, saß Ryan unbeweglich da und starrte in den Bildschirm vor ihm. Was er gerade gehört hatte, konnte er nicht fassen. Er hatte immer gehofft, sein Team keiner Gefahr aussetzen zu müssen und nun betraf es ihn selbst. Im Augenblick konnte er keinen klaren Gedanken fassen, in weniger als einer Stunde sollte sein Leben beendet sein. Das konnte nicht wahr sein! Was bewegte Saunders dazu, solch eine Forderung zu stellen. Er wußte es wirklich nicht. Seine Gedanken überschlugen sich, während er sich fragte, ob er es Jillian erzählen sollte. Würde Jack es schaffen, diesen Terroristen innerhalb dieser kurzen Zeit zu finden? Die Lage erschien aussichtslos.

Ryan rieb sich mit den Händen über das Gesicht und atmete tief durch. Die Extremsituation machte ihn handlungsunfähig und Panik drohte ihn zu erfassen. Es mußte irgendeinen Ausweg geben.
Er blickte auf seine Armbanduhr, es war

6.20 Uhr

Seine Mitarbeiter Jack und Tony arbeiteten fieberhaft daran, den momentanen Aufenthaltsort von Saunders zu finden, aber wie sollten sie das innerhalb von vierzig Minuten schaffen? Es war nahezu unmöglich, deshalb beschloß Ryan, seine Freundin Jillian zu informieren. Damit würde ihre Beziehung sicherlich auffliegen, doch er hatte nichts mehr zu verlieren.

Er stand auf und verließ den Raum.


tbc
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