Der Abschied

GeschichteHumor / P6
16.01.2009
16.01.2009
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Der Herbst war schon lange ins Land gezogen aber es war ein goldener Herbst und so waren die Kinder froh, dass sie trotz der kühleren Jahreszeit draußen spielen und toben konnten. Es gab unzählige Laubhaufen, die man als Hindernisse nutzen oder einfach hineinspringen konnte, wenn man Lust danach hatte. Die Kinder hatten im Park sich an die Arbeit gemacht und mehrere Haufen zusammengekehrt und nun sprangen sie über die Laubhaufen oder einfach mitten hinein, bis sie nicht mehr konnten und die Blätter wieder über den ganzen Rasen verteilt waren. Die Kinder setzten sich auf eine Mauer und ruhten sich eine Weile aus. „Bist du schon wieder am träumen?“, lachte Trixie und meinte damit Meini, der ruhig dasaß und die Augen geschlossen hatte. „Jaaaa....“; sagte der Junge und seufzte. „Ich sehe das Meer, ich spüre die Sonne....“
„Du siehst das Meer?“, fragte Ziggy ungläubig. „Ich wusste gar nicht, dass man von hier aus das Meer sehen kann! Wo ist es denn?“
„Na da vorne! Am besten du gehst immer geradeaus, immer deiner Nase nach“, sagte Trixie und kicherte. „Dann bist du schon am Strand. Na los, worauf wartest du noch?“
„So ein Quatsch!“, sprach Meini. „Hast du gerade nicht mitbekommen, dass ich träume?“
„Ne“, gab Ziggy verschämt zu. „Weil ich gerade von einem Haufen Schokolade geträumt habe....“
„Ich habe vom Meer geträumt und der Sonne und ihrer Wärme....und ich schmecke in Gedanken die exotischen Früchte...ach, ich kann es kaum erwarten.“ Was er damit meinte, war allen längst klar: In wenigen Tagen würden er und seine Eltern eine zweiwöchige Urlaubsreise in den Süden antreten und darauf freute er sich schon seit Tagen. „So wie ich deine Eltern kenne, werden die wohl Erster Klasse reisen. Ich beneide dich“, sagte Trixie und musste ebenfalls seufzen. „Ich wünschte, ich  könnte auch mit soviel Geld um mich schmeißen wie ihr. Selbst Stephanies Onkel könnte sich so eine Luxusreise kaum leisten, und er ist Bürgermeister!“
„Tja, der Eine hat's und der Andere nicht. Nicht wahr, Schweini?“, und Meinis Sparschwein klimperte zustimmend. „Aber du wirst uns doch nicht vergessen und uns etwas mitbringen?“, fragte  Trixie weiter. „Aber es muss etwas sehr schönes und teures sein!“
„Unsinn!“, sagte Stephanie schnell. „Das muss es gar nicht, falls du uns etwas mitbringen möchtest.“
„Ich werde euch schon nicht vergessen“, versprach Meini. „Ich werde für euch alle etwas finden. Aber wenn es zu schöne Andenken sind, dann könnte es sein, dass ich sie selbst behalte. Wenn ich sie erst gekauft habe, dann sind sie mein.
„Na, ich lasse mich mal überraschen“, sagte Pixel und Stephanie fügte hinzu: „Die Hauptsache ist, dass du erholt und gesund wiederkommst, Meini.“ Die nächsten Tage verflossen viel zu zäh für Meini und auch für seine Freunde wurde es eine harte Geduldsprobe. Meini kannte kein anderes Thema als die Reise und obwohl Stephanie und die anderen sich für ihn freuten, wurde es ihnen beinahe zu viel, wenn er sie fast stündlich – nein beinahe minütlich -  daran erinnerte. Man konnte ihn einfach kaum ablenken, denn immer war er in Gedanken beim Koffer packen. Er hatte Angst, irgendetwas zu vergessen.

Der Tag der Abreise war endlich gekommen. Gut vorbereitet machten er und seine Eltern sich auf den Weg zum Flughafen. Ihre große Limousine parkte vor dem Haus und ihr Chauffeur, der gleichzeitig der Butler des Hauses war, hatte das Gepäck bereits im Kofferraum verstaut. Es war stockdunkel und so früh am Morgen, dass von Meinis Freunden niemand anwesend sein konnte. Aber das machte nichts, denn sie hatten sich schon am Abend zuvor von ihrem Freund verabschiedet und ihm eine gute Reise gewünscht. Als Meini im Auto saß, warf er einen Blick in den dunklen Himmel und meinte das Luftschiff erspähen zu können. Um diese frühe Zeit schlief sogar Sportacus. Eine Woche später erhielt Stephanie endlich Post. Sie war gerade beim Mittagessen, als Meinhard eintrat und eine große Postkarte in der Hand hielt. „Ach Gottchen, rate mal wer dir geschrieben hat!“ Er legte ihr die Karte neben den Teller und Stephanie betrachtete darauf das Bild: Es war Meini, der am Strand auf einem Liegestuhl saß. Er trug Sonnenhut und Brille und hielt eine Kokosnusshälfte in der Hand, aus der er mit einem Strohhalm genüsslich Kokosmilch schlürfte. Neben ihm war Schweini, der ebenfalls auf einem kleinen Liegestuhl saß. Auch er trug einen kleinen Sonnenhut und eine Sonnenbrille und daneben lag sogar sein Getränk. Das Bild sah so putzig aus und war gleichzeitig so lustig, dass Stephanie sich beherrschen musste um den letzten Bissen, den sie im Mund hatte, noch herunter zu schlucken anstatt zu lachen. „Typisch Meini!“, sagte sie. „Wahrscheinlich war ihm eine normale Postkarte nicht gut genug“, und sie freute sich riesig darüber. „Die anderen werden ihre Karten auch schon erhalten haben. Ich werde sie danach fragen und ihnen meine zeigen.“ Stephanie räumte ihren Teller weg und war schon wieder auf dem Sprung. Es war genauso wie sie gedacht hatte. Die anderen hatten auch soeben ihre Post erhalten. Die Kinder begaben sich auf den Sportplatz und lasen sich gegenseitig vor. Die ersten zwei Sätze waren immer gleich: Wie geht es euch? Das Wetter ist herrlich und mein Strand ist wunderschön.
Auf Stephanies Karte stand weiter: Man hört Tag und Nacht Musik und wenn du hier wärst, dann würdest du bestimmt dazu tanzen wollen. Aber ich und Schweini liegen lieber im Liegestuhl. Der Zimmerservice ist prima. Grüße, Meini und Schweini.
Trixie las ihre Karte weiter: Hier im Hotel ist soviel Platz, da könntest du mit deinem Roller die Gänge entlang fahren. Das Bett ist riesig, ist prima zum herumspringen. Es ist fast so schön wie mein eigenes. Grüße, Meini und Schweini.

Bei Pixel lobte Meini, dass es eine Spielhalle für Kinder gab, in der man tolle Computerspiele spielen konnte und Ziggy las, dass es im Hotel die besten Süßigkeiten und Desserts gab, die man sich bestellen konnte. Schon der Gedanke daran ließ Ziggy das Wasser im Munde zusammenlaufen. „Ob Sportacus auch eine Karte gekriegt hat?“, wollte Stephanie wissen. Natürlich hatte Meini seinen sportlichen Freund nicht vergessen. Sportacus hatte, genau wie Stephanie, zuerst lachen müssen als er das Bild auf der Postkarte gesehen hatte. Meini berichtete von exotischen Früchten und war sich sicher, dass Sportacus sie noch nie probiert hätte.
Der Superheld machte sich sofort auf um seine Freunde zu suchen und ihnen davon zu erzählen. Sie alle waren sich einig: Meini ging es bestens und man brauchte sich keine Sorgen zu machen. Er und Schweini waren gut aufgehoben. Und doch hätten die Kinder niemals gedacht, dass sie ihren besitzergreifenden Freund so vermissen würden! Man konnte an ihm verzweifeln und doch fehlte er bei jedem ihrer Spiele. Aber sie trösteten sich damit hinweg, dass er bald wiederkommen würde und dachten hin und wieder darüber nach, was Meini jetzt gerade in diesem Moment machen würde. „Seht mal“, rief Ziggy und deutete auf die hinterste Ecke des Lazy Parks. „Da liegt Freddie Faulig!“ Sie alle wurden neugierig und schlichen sich in den Park. Freddie hatte es sich mal wieder richtig gemütlich gemacht. Er lag in einem Liegestuhl und hatte sich eine Schlafbrille aufgesetzt. Neben ihm stand ein Sonnenschirm und ein kleiner Tisch mit einer geöffneten Getränkedose. „Der träumt bestimmt auch vom sonnigen Süden“, kicherte Trixie.
„Da könntest du recht haben. Lassen wir ihn schlafen“, flüsterte Stephanie. Plötzlich erblickte sie eine Wespe, die sich auf die Limodose setzen wollte. „Ziggy, gib mir mal bitte deinen Lollipop.“
„Warum?“
„Ich will die Wespe damit weglocken.“
„Aber dann habe ich keinen Lolli mehr!“
„Du kriegst ihn ja wieder.“
„Wie denn, wenn die Wespe meinen Lollipop aufisst?“
„Ziggy, sei leise!“ Freddie schnarchte kurz auf, reckte sich, streckte seinen Arm aus und tastete nach der Limo. Er wollte gerade einen kräftigen Schluck trinken als Stephanie rief: „Nicht trinken! Eine Wespe!“
„Was? Wo? Ah!“ Entsetzt warf Freddie die Dose fort, so dass sich ihr voller Inhalt auf den Boden verteilte. Die Wespe ließ sich darauf nieder und naschte zufrieden aus der süßen Pfütze. Freddie schob seine Schlafbrille aus dem Gesicht und motzte die Kinder an. „Was fällt euch ein?! Habt ihr nichts anderes zu tun, als euch an harmlose, schlafende Bürger heranzuschleichen? Eine Unverschämtheit ist das!“ Er blickte wehmütig auf seine Limo. „Und jetzt habe ich nichts mehr zu trinken!“ Stephanie wollte etwas erwidern, kam aber nicht zu Wort.  „Hast du wenigstens schön geträumt?“, fragte Trixie.
„Warum soll ich dir sowas erzählen? Überhaupt glaube ich, dass ich Urlaub machen sollte damit ich euch Bälger eine Weile nicht sehen muss! Hier in dieser Stadt findet man schon lange kein ruhiges Plätzchen mehr.“
„Meini macht auch gerade Urlaub“, erzählte Trixie. „Der sitzt wahrscheinlich gerade jetzt am Strand.“
„Und warum seid ihr nicht mit ihm gefahren?“ Freddie packte seine Sachen zusammen und ging schimpfend davon. „Tut uns leid, dass wir dich geweckt haben“, rief Stephanie noch hinter ihm her,
„aber da saß eine Wespe...“. Sie brach den Satz ab, denn Freddie hörte gar nicht hin.
„Eigentlich“, meinte Pixel, „ist es keine schlechte Idee von ihm. Ich meine, dass er mal in Urlaub fahren könnte.“
„Ich glaube das wäre viel zu anstrengend für Freddie“, lachte Stephanie. „Es ist nur wirklich schade, dass wir nicht mit Meini fahren konnten.“
„Das stimmt“, gab Pixel zu, „Ich wäre nur zu gerne mitgereist. Ich hätte Meini vorschlagen können, dass ich mitkomme und nach der Reise den Urlaub mit meinem Taschengeld abzahle.“
„Pffff“, prustete Trixie vor Lachen, „Nur dann könntest du dir in deinem ganzen Leben nichts mehr kaufen, weil dann jeden Monat Meini zu dir kommt, dir das Taschengeld aus den Händen reißt und ruft: „Das ist meins!“ Hättest du das wirklich gewollt?“ Pixel schüttelte erschrocken den Kopf. „Nein, wirklich nicht! Und außerdem brauche ich doch das Geld für neue Software!“
„Na siehst du!“, grinste Trixie.

Nach einer weiteren Woche war der Urlaub vorbei und Meini und seine Eltern erreichten in der Nacht Lazy Town. Am nächsten Morgen konnten es seine Freunde kaum abwarten ihn zu begrüßen und sie erwarteten ihn freudestrahlend am Sportplatz. „Da ist ja unser Urlauber!“, rief Sportacus. „Willkommen zurück!“
„Los erzähl!“, rief Ziggy ungeduldig. „Wieviele Süßigkeiten hast du gegessen?“
„Hast du uns was mitgebracht?“, rief Trixie aufgeregt.
„Klar hab ich das!“, und Meini packte die Taschen aus, die er bei sich hatte. Stephanie erhielt einen rosa Bastrock und eine lange Kette mit bunten Steinen daran, die sie sich gleich um den Hals hing. Für Ziggy hatte er einige kleine Tüten dabei, gefüllt mit Süßigkeiten. „Die gibt es nur auf dieser Insel“, erklärte Meini. „Iss nicht alle auf einmal. Aber wenn sie dir schmecken, lasse ich dir etwas von der Insel zuschicken.“ Pixel bekam ein Poster, auf dem der Strand zu sehen war und er bekam einige Muscheln geschenkt. „Hier, bitte“, sprach Meini und hielt ihm eine besonders große und runde hin. „Man sagt, man hört in ihr das Meer rauschen.“
„Hä?“ Pixel drehte die Muschel nach allen Seiten. Meini erriet Pixels Gedanken.
„Da ist kein Knopf“, grinste er. „Einfach nur ans Ohr halten.“ Tatsächlich hörte Pixel etwas rauschen. Aber eigentlich war es nicht wirklich das Meer und Pixel wollte sich später darum bemühen, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Trixie bekam auch eine schöne Kette und dazu ein Armband. Und sie bekam noch etwas....„Hier ist ein Buch“, sagte Meini, „ich dachte, deinen Eltern würde es gefallen. Es ist ein Bildband von der Insel.“
„Da – danke“, stotterte Trixie und wusste nicht recht, was sie davon halten sollte. Das Mädchen hatte nämlich ein Geheimnis: Sie war ein Bücherwurm. Aber das hatte sie bis jetzt niemandem erzählt, nicht einmal Stephanie. Es war ihr einfach zu peinlich. Und eigentlich hätte auch Meini nichts davon wissen dürfen, aber er war von selbst darauf gekommen. Als Trixie bei ihm einmal zu Besuch gewesen war, da hatte sie wortlos das wohlgefüllte Bücherregal in seinem Zimmer angestarrt und ihre Augen hatten dabei so hell geleuchtet, dass Meini – ziemlich überrascht – gefragt hatte: „Magst du etwa Bücher?“ Doch Trixie hatte nur gemeint: „Bücher? Nein, das ist was für Streber!“ Aber das Leuchten in ihren Augen hatte Meini trotzdem nicht vergessen und damit er seine Freundin nicht in Verlegenheit brachte, hatte er die Ausrede mit ihren Eltern ausgedacht. Natürlich kam das für Trixie sehr überraschend. Sie wusste im ersten Moment nicht, ob sie sich ärgern oder freuen sollte und das dieses Buch für ihre Eltern gedacht sei, glaubte sie natürlich keinen Moment. Sie guckte auf das schöne Geschenk und entschied sich, nicht mit Meini zu streiten. Sie war sehr, sehr glücklich.

Für Sportacus gab es das gleiche Buch, denn er las auch sehr gerne und daraus hatte er kein Geheimnis gemacht. Er bekam auch viele schöne Muscheln. Zuguterletzt überreichte Meini allen ein kleines Tütchen mit echtem Sand vom Strand. „Das sind wirklich großartige Geschenke“, bedankte sich Sportacus, und die anderen waren gleicher Meinung. „Danke, Meini!“, sagten sie. „Und jetzt erzähl mal, wie war der Urlaub?“, fragte Stephanie. Seltsamerweise ließ Meinis Begeisterung ein wenig nach. „Na großartig“, antwortete er, aber ehrlich gesagt klang es ein wenig so, als wäre es eher das Gegenteil gewesen. „Was für Computerspiele gab es?“, wollte Pixel wissen. „Bist du geschwommen? Oder hast du lieber Eis gegessen?“, fragte Stephanie.
„Jetzt erzähle doch endlich mal!“, rief Trixie und Meini erzählte. Es fiel wirklich auf, dass er dabei nicht die gleiche Begeisterung zeigte wie vor der Abreise, obwohl der Urlaub wirklich perfekt gewesen zu sein schien. Oder war er einfach nur traurig, weil der Urlaub zuende war? Als Meini geendet hatte, fiel Stephanie noch etwas auf. „Du hast nicht einmal das Wort 'meins' benutzt.“ Meini sah sie an.
„Tatsächlich? Ist mir gar nicht aufgefallen.“
„Geht es dir wirklich gut?“, fragte Sportacus.
„Ich bin noch müde“, gab Meini zu. „Wir sind gestern sehr spät angekommen und die Reise war auch sehr anstrengend.“
„Dann ruhe dich Zuhause noch ein wenig aus“, meinte Sportacus, doch Meini zog es vor lieber bei seinen Freunden zu bleiben. Stephanie sah auf ihre Geschenke und auf die ihrer Freunde und schlug ein neues Spiel vor. „Wir könnten so tun, als wären wir auch am Strand!“ Sie streifte sich den Bastrock über und tanzte. „Hm, da brauchen wir die passende Musik“, grübelte Pixel und suchte an seinem Handcomputer nach einer Melodie. „Wir könnten Sandburgen bauen!“, schlug Ziggy vor und Sportacus musste lachen. „Eine tolle Idee, nur wo bekommen wir den Sand her?“
„Oh! Mal überlegen – ich könnte welchen aus dem Sandkasten nehmen, aber der würde für uns alle nicht reichen, oder?“
Sportacus schüttelte den Kopf. „Also den ganzen Sportplatz wirst du damit nicht bedecken können. Wir könnten aber zum Spielplatz gehen und uns an den Sandkasten setzen. Ihr könnt schon mal vorgehen und die Liegestühle aufbauen, ich komme gleich wieder.“ Die Kinder besorgten sich Sandspielzeug und Liegestühle und als sie diese aufbauten, kam Sportacus zurück. Er war schwer beladen: Er hatte einen Tisch samt Tischdecke besorgt und dann noch einen Korb, der bis obenhin mit Früchten gefüllt war. Er musste nur noch einmal zurück um einen Entsafter, ein Messer, ein Schneidebrett und die Gläser zu holen. Natürlich durften auch die Strohhalme nicht fehlen. Die Musik ertönte, Stephanie tanzte in ihrem Bastrock dazu, Ziggy spielte im Sandkasten und die anderen Kinder lagen im Liegestuhl. Sportacus jonglierte mit drei Orangen. „Einen Fruchtsaft für die Urlauber gefällig?“, fragte er lachend. So kam Urlaubsatmosphäre auf!
„Ach Gottchen, schon zurück?“, fragte der Bürgermeister der des Weges kam. „Wie die Zeit vergeht, sind schon die zwei Wochen rum? Hast du deinen Urlaub auch genossen, Meini?“
„War sehr schön“, antwortete dieser etwas kurz angebunden. Sportacus bot Meintsgut einen Fruchtsaft an. Der Bürgermeister setzte sich auch gleich in einen Liegestuhl und lauschte der Musik. „Ein Päuschen in Ehren kann niemand verwehren“, seufzte er zufrieden.

„MEINHARD! Ich suche Sie schon die ganze Zeit!“ Senta Senfdazu kam heran. „Sie sind der Bürgermeister, Sie können doch nicht einfach vor der Arbeit davonlaufen!“
„Himmel, nein, ich wollte mir nur die Beine vertreten. Den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen ermüdet doch ziemlich.“
„Die Beine vertreten – aha“, sagte Senta ungläubig. „Im Liegestuhl..!“
Ausstrecken wollte ich sagen. Ich strecke nur die Beine aus.“
„Dafür bleibt keine Zeit.Vorhin war jemand am Telefon für Sie, es ist äußerst wichtig. Er ruft gleich zurück.“
„Ach Gottchen, tatsächlich?“ Der Bürgermeister trank hastig seinen Fruchtsaft und sprang wieder vom Liegestuhl auf. Sentas Blick fiel auf Meini. „Ach, da bist du ja!“, rief sie und wirkte auf einmal sehr interessiert. „Kann ich dich mal etwas fragen?“
„Ja, natürlich. Einen Moment bitte, Freunde“, entschuldigte er sich und ging mit Senta einige Meter vom Spielplatz weg. Nach einigen Minuten kehrte er wieder mit einer ernsten Miene zu seinen Freunden zurück. „Was wollte sie denn?“, fragte Trixie. Meini zuckte mit den Schultern. „Nichts weiter. Sie hat sich nur für das Hotel interessiert.“
„Aha“, sagte Trixie nur. „Mir kam das eher so vor, als hättet ihr ein Geheimnis.“
„Sie hat mich nur ausgefragt, wie teuer der Urlaub war und wo wir gebucht hatten. Das Gespräch hätte euch sicher gelangweilt.“
„Wenn du meinst“, sagte Trixie und wollte sich damit nicht so recht zufrieden geben.
„Gefallen dir die Geschenke?“, fragte Meini und versuchte so, vom Thema abzulenken. „Auch das Geschenk für deine Eltern?“
„Ah – ja, sie gefallen mir sehr – und ich bin sicher, dass ihnen das Buch auch gefallen wird“, sagte Trixie und hätte am liebsten gesagt, dass ihr das Buch sehr gefiele, aber das behielt sie für sich. Damit hatte sie das heimliche Gespräch zwischen Senta und Meini schnell vergessen und das war auch Meinis Absicht gewesen.

Einige Tage vergingen und die Kinder mussten immer wieder feststellen, dass Meini einfach nicht mehr der Alte war, seitdem er aus dem Urlaub zurückgekehrt war. Zwar bestritt er es immer wieder, aber es gab für sie keinen Zweifel. Meini wirkte irgendwie ein wenig freudlos. Er war immer noch gerne mit seinen Freunden zusammen und beim Spiel schien er seine Sorgen zu vergessen, aber es gab Momente, in denen er nachdenklich und sogar richtig traurig wirkte. Auch Sportacus war das nicht entgangen. So kam es tatsächlich vor, dass sich wegen Meini sogar der Kristall meldete. Der Junge hatte sich von seinen Freunden zurückgezogen und saß in seinem Tretauto. Er schien über etwas gründlich nachzudenken. „Du hier?“, fragte er Sportacus ein wenig erschrocken, denn er war so sehr in Gedanken gewesen, dass er seinen Freund  zunächst nicht bemerkt hatte. „Wie du siehst. Habe ich dich gestört?“
„Nein, du störst nie“, sprach Meini und sah zu Boden. Sportacus setzte sich auf eine Mauer und sah sich um. Es schien wirklich keine Gefahr zu drohen, also musste Meini etwas auf dem Herzen haben. „Wo drückt denn der Schuh?“, wollte Sportacus wissen.
„Da drückt nichts. Weder der eine noch der andere Schuh. Sie passen mir ausgezeichnet.“
„Ich habe damit etwas anderes gemeint. Hast du Sorgen?“
„Nö. Bin total glücklich.“
„Aha?“ Die beiden schwiegen sich eine Weile an.
„Du musst es mir nicht sagen, wenn du nicht möchtest. Es ist nur so, dass wir alle besorgt um dich sind.“
„Aber mir geht es gut.“ Meini vermied es, Sportacus dabei anzusehen und sah stattdessen auf das Lenkrad. „Schweini geht es auch sehr gut. Ich habe ihn heute wieder gefüttert.“
„Das ist schön“, sagte Sportacus und überlegte, wie er das Gespräch voranbringen könnte. „Aber wenn du ernste Probleme hast – du und Schweini – dann würdet ihr es mir sagen? Oder auch den anderen?“
„Ganz bestimmt.“
„Das ist gut. Denn du weißt, dass du deinen Freunden alles sagen kannst.“
„Das weiß ich wohl...“, begann Meini. „Ich weiß nur nicht ob...“ Er musste schlucken. „Ob es was ändert.“ Er sah auf sein kleines Sparschwein, dass er im Arm hatte. „Ich glaube Schweini möchte nach Hause. Bis später, Sportacus.“ Dann fuhr Meini langsam davon und Sportacus sah ihm nach. „Wo fährt er denn hin?“, fragte Stephanie, die soeben angelaufen kam. „Ich wollte ihn fragen ob er mit uns spielen will.“
„Er fährt nach Hause.“ Stephanie sah ihrem Freund eine Weile hinterher bevor sie Sportacus anblickte. „Weißt du inzwischen was mit ihm los ist? Er sagt immer, es wäre nichts, aber...“
„Er hat mit Sicherheit Probleme, aber mir wollte er auch nichts sagen. Wahrscheinlich wird es eine Zeitlang dauern bis er uns sein Herz ausschüttet.“
„Aber wir sind doch seine Freunde. Er kann mit uns reden, das weiß er doch!“
„Ich habe ihm etwas ganz ähnliches gesagt. Er meinte, er wüsste nicht ob es an seinem Problem etwas  ändert, wenn er mit uns darüber spricht.“
„Das hört sich nicht gut an. Was könnte ihm nur solche Sorgen machen?“
„Ich weiß es nicht. Wir können nur hoffen dass er es uns sagt. Oder sein Problem löst sich von alleine. Wir müssen einfach abwarten.“ Es war sicher ein gut gemeinter Rat aber einfach abwarten – das war eine Sache die Stephanie schwer hinnehmen konnte. Am liebsten wäre sie hinter Meini her gelaufen und hätte ihn ausgefragt aber sie musste einfach darauf hoffen, dass ihr Freund von selbst sein Herz öffnete.

Stephanie musste heute früher nach Hause als sonst, denn ihr Onkel Meinhard hatte Senta zum Abendessen eingeladen und Meinhard hatte sie gebeten, ihm etwas zur Hand zu gehen. „Du weißt doch, wie ungeschickt ich bin, vor allem wenn Senta zum Essen kommt“, hatte er seiner Nichte erklärt. Während Meinhard den Tisch deckte, bereitete Stephanie den Nachtisch vor. „Ich weiß nicht ob sie zu so später Stunde noch etwas Süßes mag, aber zu einem Essen gehört auch ein Nachtisch“, sagte Meintsgut und sah zu, wie das Mädchen rosa Zuckerherzen über die Vanillecreme streute. Zehn Minuten später erschien Senta und Stephanie und ihr Onkel begaben sich zu Tisch. Sie redeten über dies und das und irgendwann wollte Senta von Stephanie beiläufig wissen, wie denn ihr Tag verlaufen sei. „Ganz gut“, meinte sie, „nur die Sache mit Meini...“
„Das kann ich verstehen“, sagte Senta schnell. „Der Junge tut mir auch leid, aber wenn seine Eltern sich das nun mal in den Kopf gesetzt haben...aber ich finde die Idee ausgezeichnet!“
„Was denn?“
„Na, ein Hotel zu eröffnen!“, sprudelte es aus Senta heraus. „Und zwar genau an ihrem Urlaubsort!“
„Wirklich?“, wollte jetzt auch Meinhard wissen. „Ach Gottchen!“
„Sie wollen ein kleines Hotel kaufen und etwas herrichten. Bis jetzt scheint nichts dagegen zu sprechen.“
„Ein Hotel, das ist ja wunderbar!“, sprach Meinhard begeistert. „Und wer wird es leiten?“
„Meinis Eltern! Sie und Meini verlassen Lazy Town und ziehen dafür in den sonnigen Süden!“
„Ach Gottchen!“
„Nein!“ Für Stephanie war das ein großer Schock. Das war es also, was Meini verheimlichen wollte: Er sollte Lazy Town und seine Freunde für immer verlassen!
„Seit wann wissen Sie davon?“
„Tags darauf nach Meinis Rückkehr kursierte schon ein Gerücht“, gab Senta zu. „Deswegen habe ich Meini danach fragen wollen, ob es denn auch stimme. Aber da konnte er mir noch nichts genaues zu sagen. Er bat mich auch, nichts weiter zu erzählen bis es Gewissheit wäre. Aber so wie es ausschaut, scheinen es seine Eltern mit ihren Plänen immer noch ernst zu meinen.“
Stephanie war todunglücklich. „Das ist ja schrecklich!“
„Naja, vielleicht überlegen sie es sich noch anders“, versuchte Senta das Mädchen zu beruhigen. „Und vielleicht stimmt auch nicht alles was ich gehört habe, denn du weißt ja, dass es meistens nur Gerüchte sind, die man so hört. Bei nächster Gelegenheit werde ich Meini wieder fragen.“
„Wann wollen sie denn abreisen?“, fragte Meinhard.
„Wenn alles schnell vonstatten geht, könnte es schon vor Weihnachten sein – habe ich zumindest gehört. Kann natürlich auch erst nächstes Jahr sein.“
„Ach Gottchen, ach Gottchen“, jammerte der Bürgermeister und tupfte sich mit seiner Serviette den Mund ab. „Wer hätte das gedacht. Und das sie vor allem so eine weite Reise auf sich nehmen!“
„Das ist keine Seltenheit mehr. Viele Familien suchen ihr Glück in der Ferne. Meine Cousine Tessy hat auch mit dem Gedanken gespielt auszuwandern. Letztendlich ist sie aber doch in ihrer Heimatstadt geblieben.“
„Zuhause ist es am schönsten!“, stellte Meinhard fest. „Ich könnte mir auch nicht vorstellen, meine Heimatstadt zu verlassen.“ Er sah zu seiner Nichte hinüber. „Magst du noch etwas essen oder möchtest du lieber in dein Zimmer?“, fragte er sie mitfühlend. Er wusste, wie traurig Stephanie jetzt war. Vielleicht wollte sie in diesem Moment lieber ein wenig alleine sein. „Ist schon okay. Ich bleibe bei euch“, sagte sie, denn im Moment war ihr Gesellschaft lieber, auch wenn ihr gerade tausend Gedanken durch den Kopf gingen.

Am nächsten Tag versuchte sie sich das Gesicht ihrer Freunde vorzustellen, wenn sie ihnen die schlechte Nachricht überbringen würde. Aber durfte sie das überhaupt? Oder sollte sie Meini lieber erst vorher fragen? Eigentlich stand es nur ihm zu, über diese Neuigkeit zu berichten. Sie hoffte, ihren Freund wie sonst auch an ihrem Treffpunkt vorzufinden, aber diesmal war Meini nicht erschienen. Stattdessen saßen die anderen zusammen auf einer Bank und spekulierten – wie so oft in letzter Zeit – über Meinis Verhalten. „Wenn ich ehrlich bin, dann weiß ich schon lange warum er so rumspinnt“, fing Trixie an. „Sicher hat er im Urlaub mit jemandem Freundschaft geschlossen und nun vermisst er ihn. Bestimmt hat er eine Freundin!“
„Nie im Leben! Mit der müsste er doch alles teilen!“, sagte Pixel. „Trotzdem ist es der einzig wahre Grund, der mir einfallen würde. Wenn ich nicht bald weiß was mit ihm los ist, beiße ich in meinen Laptop!“
„BÄH!“, ekelte sich Ziggy. „Beiß doch lieber in einen Toffee!“ Er kramte einige Süßigkeiten aus seiner Tasche hervor. „Möchtest du einen, Pixel? Und du Stephanie?“
„Nein danke.“ Sie sah sich suchend um. Statt Meini erblickte sie jedoch Sportacus, der ihnen gleich eine Nachricht überbrachte. „Ich soll euch von Meini ausrichten, dass er heute leider nicht kommen kann.“
„Wie hat er denn ausgesehen? Ich meine, sah er normal aus oder hat er wieder so eine Gesicht gezogen als müsste er seine ganzen Spielsachen mit uns teilen?“, fragte Trixie. Sportacus seufzte.
„Wenn ich ehrlich bin, dann Letzteres.“
„Wisst ihr was? Am besten wir gehen alle zu ihm und dann soll er uns endlich sagen was Sache ist!“
„Ihr müsst Geduld haben, er hat es wirklich nicht leicht“, sagte Stephanie beschwichtigend zu Trixie und jetzt hatte sie mehr gesagt als sie eigentlich wollte. Trixies Neugier und die der anderen war geweckt. Nur Sportacus blieb gelassen. „So Pinkie, du weißt also mehr als wir? Dann raus damit!“
„Also ich weiß jetzt auch, worum es geht“, sagte Sportacus, „denn Meini hat mir vorhin alles erzählt und mich darum gebeten noch nichts zu sagen.“
„Tja“, meinte Stephanie, „dann kann ich es wohl auch nicht sagen. Obwohl ich es eigentlich nicht von ihm selbst weiß.“
„Das ist ja wohl die Höhe!“, rief Trixie entrüstet. „Ihr könnt uns doch nicht im Ungewissen lassen!“
„Ist es denn was ganz Schlimmes?“, hakte jetzt auch Ziggy nach.
„Das müsst ihr Meini fragen“, beharrte jetzt auch Sportacus.
Trixie bebte am ganzen Körper. „Das halte ich nicht aus! Wer weiß ob er uns überhaupt mal die Wahrheit sagt? Hey, wir machen uns Sorgen! Jetzt redet schon, ich nehme auch alles auf meine Kappe und sage, ich hätte euch bis zum geht – nicht – mehr genervt!“
„Das ist auch die Wahrheit,“, sagte Pixel. „Aber ich will es natürlich auch wissen.“ Sportacus und Stephanie sahen sich beide an. Unter diesen Umständen war es vielleicht doch das Beste. Stephanie entschied sich anzufangen und sie erzählte, was sie von Senta gehört hatte. Sie hoffte inständig, dass es wirklich nur Gerüchte waren und nichts von dem stimmen würde. Leider bestätigte Sportacus den Bericht und Stephanie wirkte geknickter als je zuvor. Die anderen waren fassungslos. Und jetzt war es ausgerechnet Meini, der die stille Runde aufschreckte. „Hallo Freunde. Hat Sportacus euch schon gesagt, dass ich eigentlich nicht kommen wollte? Nun ja, ich habe mich anders entschieden. Ich wollte doch nicht Zuhause rumsitzen. Außerdem muss ich euch was sagen...und das hätte ich schon lange tun sollen.“ Er sah von einen zum anderen. „Oder wisst ihr etwa schon Bescheid?“
„Es tut mir leid“, sagte Stephanie, „aber ich habe es gestern von Senta gehört.“
„Hab ich mir fast gedacht. Aber es hätte sich ohnehin herumgesprochen, auch wenn Senta gar nichts gesagt hätte. Ich wollte nur nicht, dass ihr es sofort erfahrt. Es hätte auch sein können, dass es nur falscher Alarm ist.“
„Deine Eltern wollen also ein Hotel eröffnen?“, bohrte Pixel weiter.
„Sie wollen es kaufen und neu eröffnen. Aber nicht das Hotel in dem wir waren, sondern ein anderes. Es ist kleiner und auf der anderen Seite der Urlaubsinsel. Der Besitzer möchte es verkaufen und das praktisch für ein Schnäppchen.“
„Da muss doch was faul sein!“
„Das haben wir zuerst auch gedacht“, gab Meini Pixel Recht. „Aber es scheint alles okay zu sein. Jedenfalls spielen meine Eltern seitdem mit dem Gedanken, dieses Hotel zu kaufen und es zu leiten. Sie reden von nichts anderem mehr.“
„Und du und deine Eltern werden dann von hier weg ziehen?“, fragte Ziggy besorgt. „Was wird denn mit eurem schönen Haus?“
„Das wird verkauft. Meine Eltern haben außer dem Hotel noch ein kleines Häuschen entdeckt, dass sie für sich haben wollen. Ob da allerdings alle unsere Möbel reinpassen...naja. Und wir brauchen das Geld zusätzlich für die Renovierung des Hotels.“
„Da habt ihr euch eine Menge vorgenommen“, sagte Pixel.
„Allerdings. Bzw. meine Eltern haben sich viel vorgenommen. Wenn es aber nach mir ginge...“
„Was wäre dann?“, fragte Pixel weiter.
„Ich würde natürlich hier bleiben wollen. Bei meinen Freunden." Meini konnte ein Schluchzen nicht unterdrücken.

„Ja aber warum sagst du denn nicht einfach was du möchtest?“, wollte Stephanie erfahren.
„Eben!“, fügte Trixie hinzu. „Wenn du etwas willst dann bekommst du es doch sofort.“
„Das dachte ich auch. Aber diesmal ist es etwas anders. Jetzt wollen meine Eltern etwas haben und leider haben sie mehr Mitspracherecht als ich. Sie meinen auch, ich bräuchte nicht traurig sein, denn später dürfte ich das Hotel selbst leiten wenn ich alt genug wäre. Aber einen kleinen Trost gibt es. Wenn das Geschäft gut läuft, dann darf ich euch vielleicht schon im nächsten Jahr zu einem kleinen Urlaub einladen.“
„Das ist wirklich nett von deinen Eltern“, meinte Sportacus.
„Na, mal abgesehen davon, dass wir unseren Freund für den Rest des Jahres nicht wieder sehen!“
Trixies Wut entlud sich. „Das ist typisch Erwachsene! Nie denken die mal an uns! Die fahren in Urlaub wohin sie wollen, die wandern aus wohin sie wollen – die interessiert überhaupt nicht was wir Kinder denken! Sag bloß, deine Eltern haben dir auch gesagt: Wenn du älter bist, dann wirst du es verstehen!“
„So in etwa“, bestätigte Meini. Nach einer kleinen Pause sprach er weiter: „Ich selbst würde es noch nicht mal so schlimm finden, wenn – wenn es nicht so weit weg wäre.“
„Können die das Hotel nicht hier eröffnen?“
„Wie soll denn das gehen, Ziggy? Hier in Lazy Town müssten sie eines bauen, nicht kaufen. Und ein Hotel lohnt nicht in so einer kleinen Stadt. Da sollen auch nur reiche Leute Urlaub machen.“
„Dann ist es also beschlossene Sache“, stellte Pixel fest.
„Beinahe. Es muss noch einiges geprüft werden und meine Eltern werden bald noch mal hin fahren. Dann wird es sich wohl entscheiden. Aber das sie zu dem Angebot 'nein' sagen – viel Hoffnung habe ich da leider nicht.“ Seine Freunde sahen jetzt genauso bekümmert aus; wie es Meini zuvor gewesen war. „Genau deswegen wollte ich zuerst nichts sagen. Jetzt seid ihr alle traurig und ich wollte, dass wir alle zusammen sind als wäre nichts gewesen. Hätte ich mich mehr zusammen gerissen, dann hättet ihr von meinen Sorgen gar nichts gemerkt.“
„Wenn man so etwas schweres auf dem Herzen hat“, sagte Sportacus mitfühlend, „dann kann man nicht immer so tun, als wäre gar nichts geschehen.“
„Ich hatte ständig so ein Gefühl, als würde es mich innerlich zerreißen“, gab Meini zu. „Aber es ist genauso wie ich es dir zuerst gesagt hatte, Sportacus: Jetzt, wo ihr es alle wisst, ändert es nichts daran. Ich werde wohlmöglich Lazy Town und euch verlassen müssen.“
„Noch besteht immerhin ein kleine Chance“, versicherte Stephanie. „Deine Eltern entscheiden sich noch. Und wenn es wirklich dazu kommt, dass du weggehst, dann werden wir die verbliebene Zeit so gut nutzen wie möglich.“
„Und natürlich werden wir dich nie vergessen und dir schreiben“, versprach Ziggy. „Obwohl – ich glaube ich male dir lieber ein paar Bilder. Das ist leichter für mich.“
„Oder wir sehen uns über Webcam! Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Freundschaft auseinander geht“, machte Pixel klar. Meini sah seine Freunde an und obwohl ihm seine Worte im Halse stecken blieben, wussten die anderen ganz genau was er sagen wollte: „Ihr seid die besten Freunde, die man haben kann!“
„Ist es denn wirklich wahr?“, unterbrach eine höhnische und altbekannte Stimme diesen Moment. Freddie Faulig erschien auf der Bildfläche. „Unser Heini will uns wirklich verlassen?“
„Meini! Er heißt Meini!“, stellte Trixie richtig.
„Ist mir doch wurscht“, gab Freddie unfreundlich zurück und sah Meini hämisch an. „Du gehst also weg und kommst nie wieder? Stimmt das denn auch?“
„Freddie, höre bitte auf damit“, bat Sportacus.
„Es könnte gut sein“, antwortete Meini und sah zu Freddie auf.
„Das du mir ja keine falschen Hoffnungen machst. Mir wäre es zwar lieber, wenn Sportadingsbums verschwinden würde, aber wenigstens gäbe es eine Nervensäge weniger.“
„Da fällt mir etwas ein, warte mal einen Moment, Freddie.“ Meini lief zu seinem Tretauto und kam mit einer großen Tüte zurück. Seine Freunde sahen ihn erwartungsvoll an.
„Ich habe auch an dich gedacht, nur wusste ich nicht recht, was ich dir schenken könnte.“ Meini hielt Freddie die Tüte hin und überreichte sie ihm.
„Was soll denn das jetzt?“
„Schau einfach rein.“ Freddie öffnete sie und fand verschiedenes: Einmal einen ungeheuren Hut mit künstlichen Früchten verziert, ein Paar große bunte Ohrringe, einen violetten Bastrock und eine Kette aus bunten, künstlichen Blumen.
„Jetzt hast du ein neues Kostüm. Ich hoffe es gefällt dir. Übrigens habe ich noch ein Buch für dich. Es lautet: „Die schönsten und ruhigsten Paradiese der Welt.“ Jetzt wusste Freddie überhaupt nicht mehr was er sagen sollte. Meini hatte ihm mit seinen Geschenken den Wind aus den Segeln genommen. „Tja, die Ohrringe sind sehr hübsch – aber der Hut! Mussten es unbedingt Früchte sein?!“
„Was anderes habe ich nicht gefunden“, sagte Meini trocken. Er seufzte. „Es gibt so vieles was mir in Lazy Town fehlen wird. Sogar du!“
„Also jetzt werde mal nicht sentimental! Ich glaube ich verschwinde hier, das ist ja zum....“
„Heulen“, sprach Meini. „Du hast ganz recht, es ist zum Heulen.“
„Überhaupt nicht!“, rief Freddie und klang jetzt tatsächlich, als würde er gleich losheulen. „Und deinen Hut kannst du dir an den Hut stecken – ich meine – ach du weißt schon was ich Meini, meine – AHHHRR! Ich meinte: Du weißt schon was ich damit meine, Meini!"
Die Augen des Jungen leuchteten. „Jetzt kennst du sogar meinen Namen!"
„AAAAHHHH!!! Lass mich zufrieden! Geh dahin wo die Bananen wachsen und bleibe auch da!“ Freddie eilte mit seinen Geschenken davon. Sogar den angeblich so verhassten Hut hatte er mitgenommen. Meinis Freunde hatten dem Bösewicht schmunzelnd hinterher gesehen und doch waren sie sehr gerührt gewesen. Meini stieß abermals einen tiefen Seufzer aus. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es ohne euch alle wäre....“ Pixel legte seinen Arm um ihn. „Stephanie hat recht, jetzt ist es noch zu früh um sich zu sorgen. Warten wir erst einmal ab.“

Das taten sie und in den nächsten Tagen versuchten sie alles, um ihre trüben Gedanken zu verscheuchen. Es war jetzt Mitte November und Meinis Eltern machten sich für die nächste Reise bereit. Sie hatten ihren Sohn gefragt, ob er denn vielleicht mitkommen wolle – wahrscheinlich um ihn letztendlich doch noch für ihr Vorhaben zu begeistern – aber er wollte nicht mit. Als der Zeitpunkt der Abreise nahte, hatte sich Meini in den Kopf gesetzt, unbedingt in seinem Haus zu übernachten. Denn er wusste ja nicht, wie lange es noch sein Zuhause sein würde. Da Meini nicht vollkommen alleine in diesem großen Haus war – es gab schließlich noch das Hauspersonal, das sich um sein leibliches Wohl kümmerte – gaben die Eltern seiner Bitte nach. Dafür hatten seine Freunde große Bedenken. Ob es so gut für Meini war, dass er in der Nacht so alleine seinen Gedanken nachhing? Jetzt brauchte er seine Freunde mehr denn je.
„Übernachte doch bei einem von uns“, schlug Pixel vor. „Das wird bestimmt lustig.“ Meini lehnte dankbar ab. „Oder wir übernachten alle zusammen irgendwo, das wird noch lustiger“, schlug diesmal Stephanie vor. „Wir könnten bei mir wieder zelten, wie damals.“ Aber auch dazu hatte Meini keine rechte Lust.
„Oder wir übernachten zusammen bei dir!", rief Ziggy und Meini wurde fast panisch bei dem Gedanken. „Meine Eltern wollen das Haus eventuell verkaufen! Wie sollen sie das tun, wenn bei ihrer Rückkehr alles in Trümmern liegt?!“
„Hm, ich glaube du übertreibst ein bisschen“, fand Trixie. „Schließe doch einfach ein paar Zimmer ab, wenn du Angst davor hast, dass Ziggy alles kaputt macht.“
„Meine Eltern würden es ohnehin nicht erlauben und ich kann sie ja schlecht anlügen. Das Hauspersonal würde es ihnen sowieso erzählen.“
„Deine Eltern scheinen keine große Meinung von uns zu haben“, bemerkte Trixie.
„Naja, es gibt einige wertvolle Sachen, die sogar ichnicht berühren darf“, versuchte Meini Trixie ein wenig zu besänftigen, obwohl diese Behauptung nicht stimmte. „Willst du denn wirklich keine Gesellschaft haben?“, hakte Stephanie nach.
„Ich habe doch Schweini“, versicherte Meini. „Mit ihm fühle ich mich in der Nacht sicher. Und ansonsten sind wir doch immer zusammen.“
Damit Meini aber nicht nur beim Spielen, sondern auch beim Essen Gesellschaft hatte, luden seine Freunde ihn abwechselnd zum Mittag oder Abendessen ein und Sportacus oder Meinhard begleiteten ihn anschließend nach Hause. Je näher der Tag der Rückkehr der Eltern nahte, umso nervöser wurden die Kinder und vor allem Meini. Sie alle empfingen seine Eltern herzlich, wagten sich aber nicht sie sofort zu fragen, wie sie sich  entschieden hatten. Erst Stunden später brachte Meini es über sich, seine Freunde anzurufen und die niederschmetternde Nachricht zu verkünden. Der November ging vorüber und doch schien der Herbst noch immer nicht dem Winter weichen zu wollen. Hartnäckig blies der Herbstwind um die kahlen Bäume, als wisse er nicht, dass er bereits die letzten kümmerlichen Blätter davon geweht hatte. So ging es auch weiter und die Bewohner von Lazy Town fürchteten schon beinahe, dieses Weihnachten ohne Schnee auskommen zu müssen. Was bis jetzt noch nie geschehen war. Immer war Schnee gefallen, das war immer so gewesen. Das könne man sogar in dem Geschichtsbuch von Lazy Town nachlesen, behauptete der Bürgermeister.
„Es wäre kein Wunder, wenn dieses Jahr keine einzige Flocke fallen würde“, sagte Trixie. „Das passt zu all dem Unglück, finde ich.“ Mehr sagte sie nicht, aber alle wussten wie das gemeint war. Die Freunde saßen zusammen in Sportacus' Luftschiff. Da es für sie alle nicht genug Sitzgelegenheiten gab, saßen sie einfach mit Strümpfen auf dem weichen Bett und warteten ab, bis der großen Regen vorübergezogen war. „Das wird ein trauriges Weihnachten werden, sage ich euch. Und ein trauriges Silvester. Und überhaupt wird danach alles traurig werden“, klagte Ziggy. Sportacus hatte Mühe, seine Freunde bei Laune zu halten. Das Einzige was die Kinder ein bisschen aufheiterte, war, dass das Weihnachtsfest diesmal in Meinis Haus stattfinden würde. Das war etwas ganz besonderes und festliches, denn bis jetzt hatten sie das prachtvolle Gebäude nur sehr, sehr selten betreten dürfen. Da es aber das letzte Weihnachtsfest unter Freunden wäre, hatte Meini seine Eltern breitschlagen können. Mit sehr viel Geduld, Bitten und Betteln – und sogar einigen Tränen. Letzteres überzeugte seine Eltern, denn sie waren es nicht gewohnt, ihren Sohn weinen zu sehen.

Obwohl alles im Moment mehr als trostlos wirkte, so war das Weihnachtsfest ein großer Höhepunkt für sie alle. Am Nachmittag des 24. Dezember trafen sich alle bei Herrn Meintsgut, um dann gemeinsam zu dem großen Anwesen zu gehen, auf dem Meini wohnte. Zu diesem Anlass hatten sich alle besonders schick gemacht. „Das ist das erste Mal, dass ich einen Anzug trage“, stöhnte Pixel, „aber es ist garantiert auch das letzte Mal! Wenn es nicht für Meini und seine vornehmen Verwandten wäre...“ Trixie klagte über ihr Kleid und fragte sich allen Ernstes, wie Stephanie sowas nur gefallen würde. „Hosen sind doch viel praktischer und vor allem bequemer!“
„Jetzt stellt euch nicht so an!“, bat Senta und sah Sportacus ein wenig vorwurfsvoll an. Der trug nämlich als Einziger seine normale Kleidung. Sportacus verstand sehr wohl, was Senta mit ihrem Blick meinte. „Es geht nicht anders“, entschuldigte er sich. „Wenn ich jemandem retten muss, dann würde der Anzug sicher darunter leiden oder sogar kaputt gehen.“ Senta schien das gerade noch als Entschuldigung zu gelten. So machten sie sich auf den Weg und Meini öffnete ihnen die Tür. Er führte sie durch eine große Halle, reich geschmückt mit Bildern, Statuen und äußerst zerbrechlichen Vasen, wie Meini betonte. In einem geschlossenen Raum konnte man die Festgesellschaft hören, die sich gut amüsierte, auch wenn sie es nicht zu sehr hören lassen wollte. Reiche, vornehme Leute feierten eben anders als andere. Vornehm eben und das hieß, nicht zu laut. Man hörte im Hintergrund weihnachtliche Musik und das Klirren von Besteck oder Gläsern. Manchmal hörte man auch jemanden halblaut sprechen. Meini geleitete seine Freunde in eine andere Halle. „Soll das heißen“, wollte Trixie wissen, „dass wir mit den reichen Typen nicht zusammen feiern? Na schön, ist mir auch recht. Nur wozu bitte sollten wir uns alle so fein machen? Wo gehen wir denn überhaupt hin?“
„Das hier ist der kleine Saal“, erklärte Meini. „Hier können wir feiern.“
„Ach, das ist also klein ?? Für mich reicht es vollkommen!“, staunte Trixie. Wahrlich, in diesem Raum hätte Sportacus bequem seine Turnübungen machen können! Meinis Freunden gingen bei dem Anblick die Augen über. Aber nicht nur wegen der Größe des Raumes: Alles war reich geschmückt mit glitzernden Girlanden und Weihnachtskugeln in Rot und Gold und mit duftenden Tannenzweigen, nicht zu vergessen der große Tannenbaum der nicht weniger prächtig geschmückt war. Er stand am Ende des Raumes und zwar fast ganz rechts in der Ecke am Fenster und im Kamin prasselte ein gemütliches Feuer. In der Mitte des Raumes stand eine reich gedeckte und geschmückte Tafel. Es gab zwei große Truthäne und allerlei Beilagen. Es gab nur eines was zu fehlen schien. Meini erriet Ziggys Gedanken sofort. „Der Nachtisch wird danach gereicht.“ Staunend setzten sich alle an den Tisch. Es war wie ein unbeschreiblich schöner Traum. So etwas hatte noch keiner zuvor gesehen, außer Meini natürlich. Er schien sehr zufrieden zu sein. Stephanie besah sich den Tannenbaum genauer und ihre Blicke wanderten zu den Geschenken, die darunter lagen. Es war ein ganzer Haufen davon. Nur Meini hatte seine Freunde gebeten, dass sie ihm bitte nichts schenken dürften. Er wollte das einfach nicht. Stattdessen wollte er lieber seine Freunde beschenken. Anscheinend hatte Meini begriffen, dass Geben seliger denn Nehmen war. Und das ausgerechnet zu einem traurigen Zeitpunkt. So prachtvoll alles war, so war es doch das Wichtigste, dass sie gesund und zusammen waren. Selbst wenn sie zukünftig vielleicht nicht mehr zusammen sein konnten, war das Band der Freundschaft enger um sie geschlungen als jemals zuvor. An diesem Abend saßen sie sehr lange zusammen und als krönender Abschluss fiel sogar endlich Schnee.
„Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, Meini hat den Schnee extra für uns bestellt!“, sagte Trixie. Der Junge strahlte über das ganze Gesicht und er und seine Freunde sahen noch lange den tanzenden Flocken hinterher. Das ganze Anwesen erstrahlte im weihnachtlichen Lichterglanz, der Zaun war mit Lichterketten umspannt und auf dem Rasen leuchteten die Umrisse eines Weihnachtschlittens, komplett mit Weihnachtsmann und Rentieren. Eines davon hatte eine leuchtend rote Nase. Alles in Lebensgröße. Und man konnte sogar bis in die Stadt sehen, wo jeder Bewohner sein Häuschen liebevoll mit Lichterketten dekoriert hatte. So ein Anblick bot sich wirklich nicht alle Tage. „Meini,“, sagte Meinhard gerührt, „Ich habe weiß Gott schon viele Weihnachtsfeste erlebt, aber das hier übertrifft alles. Wie können wir dir nur dafür danken?“
„Das müsst ihr wirklich nicht. Das alles wäre ohne euch gar nichts wert. Ohne die Menschen die man liebt, ist jedes Fest bedeutungslos.“ Meini hatte ein wahres Wort gesprochen. Der Bürgermeister wischte sich mit seinem Taschentuch über die Augen, denn er musste gerade selbst an alle lieben Menschen denken, mit denen er in der Vergangenheit Weihnachten gefeiert hatte und die jetzt nicht mehr an seiner Seite waren. Dafür waren jetzt andere liebe Menschen um ihn. Er nahm Senta und Stephanie an den Händen und wünschte sich, dass dieser Moment nie vergehen würde. Genau das wünschten sich auch alle anderen. Besonders Meini.

Nach einer Woche folgte natürlich Silvester. Diese Nacht fand allerdings diesmal bei Meinhard statt. Es war nicht weniger festlich. Als sie alle zusammen standen und sich ein frohes neues Jahr wünschten, war immer noch dieser Stein auf dem Herzen, der sehr schwer lag. Und doch gab es wieder eine kleine Hoffnung. „Meine Eltern haben Schwierigkeiten das Haus zu verkaufen. Es meldet sich einfach kein Käufer“, verkündete Meini eines Abends als die Kinder bei Trixie zusammen saßen. „Ist ja auch kein Wunder. Sie verlangen ziemlich viel. Aber es wäre auch ein Jammer, das Haus zu einem Spottpreis zu verkaufen.“ Die Augen seiner Freunde schienen sich nach langer Zeit wieder etwas aufzuhellen. Meini grinste sie an. „Das wäre natürlich prima, wenn sie das Haus nicht verkaufen könnten! Und meine Eltern sind harte Geschäftspartner, so schnell werden die mit dem Preis nicht runtergehen. Also wenn wir Glück haben - wenn wir großes Glück haben, dann...aber das wage ich nicht mal zu träumen.“
Trixie sah Meini sehr bestimmt an. „Sag mal – hast du für den Fall jemals daran gedacht, etwas dran zu drehen?“
„Wie soll ich das jetzt verstehen?“
„Na, ob du einen Plan hast! Einen Trumpf! Falls sich doch ein Käufer findet! An sowas hast du natürlich nie gedacht, oder?“ Meini sah seine kesse Freundin ziemlich ratlos an.
„An was hast du denn gedacht?“, wollte Ziggy von Trixie wissen.
„Naja, wer kauft schon ein Haus in dem es spukt. Nur als Beispiel.“
„Also, ich ganz bestimmt nicht!“, rief Ziggy erschrocken und zitterte schon bei dem bloßen Gedanken.
„Meini, du musst deinem Glück ein bisschen nachhelfen!“, riet Trixie. „Ich weiß gar nicht, warum du bis jetzt so lange gewartet hast. Wenn ich ehrlich bin, kann ich es selber kaum glauben. Wir hätten doch selbst schon etwas unternehmen können! Wir könnten doch alle....“
„Einen Moment“, mischte sich Stephanie ein und erriet Trixies Gedanken. „Du meinst wir sollen in Meinis Haus einbrechen und Gespenst spielen?“
„Du nimmst mir die Worte aus dem Mund, Pinkie!“ Stephanie blickte ihre Freundin entsetzt an.
„Ich würde ja alles für Meini tun, aber das können wir wirklich nicht machen! Ich habe von einbrechen gesprochen, Trixie! Wir wären Einbrecher!“
„Mal abgesehen davon, dass dein Plan sowieso nicht funktionieren würde“, erklärte Meini. „Die Käufer gucken sich das Haus am Tag an. Wollt ihr am hellichten Tag spuken?“
Trixie senkte traurig ihren Kopf. „War auch nur so 'ne Idee.“
„Aber es hat mich auf eine andere Idee gebracht und dafür danke ich dir. Vielleicht haben wir ja doch ein bisschen Glück.“ In den nächsten Tagen wollten sich zwei Käufer vorstellen. Der Junge hatte mit seinen Eltern darüber gesprochen und gemeint, dass er ihnen unbedingt helfen wolle und da sie ihm vertrauten, war dies keine große Sache. Meini zeigte in Abwesenheit seiner Eltern den Käufern alle Räumlichkeiten und erwähnte so nebenbei, dass man keine Angst haben müsse wegen der paar Termiten. Die würden in ein paar Tagen verschwinden, darüber würden sich seine Eltern schon kümmern. Nur sollte man es trotzdem nicht überall rumerzählen. Es mache sonst einen schlechten Eindruck bei der Nachbarschaft. Oder was den Schimmel in einigen Räumen anginge. Jetzt sehe man zwar nichts mehr davon, weil renoviert wurde. Trotzdem könne es dennoch wieder durchschimmeln, denn Schimmel sei hartnäckig.
Das alles war natürlich glatt gelogen. Die zwei Käufer bedankten sich für die Führung und ließen nichts mehr von sich hören. Nun waren Meinis Eltern schon so weit, dass sie die Kaufsumme nicht mehr so hoch ansetzten wie zuvor. Das Haus musste schließlich verkauft werden! Die Zeit drängte und das kleine Hotel auf der Südseeinsel wartete auch nicht ewig auf einen Käufer. Aber der Handel musste sehr bald stattfinden. Nur wie sich die Sache verhielt, würde sich wahrscheinlich überhaupt kein Interessent für das prächtige Gebäude in Lazy Town finden. Warum das so war, konnten Meinis Eltern überhaupt nicht verstehen. Irgendjemand musste ein Gerücht in die Welt gesetzt haben, dass mit dem Haus etwas nicht stimme. Und Senta Senfdazu hatte es mit Sicherheit aufgeschnappt und verbreitet, so vermuteten sie.

Je länger die reiche Familie in Lazy Town blieb, umso größer war die Hoffnung von Meini und seinen Freunden. Und doch geschah eines Tages, gegen Ende Januar, das Schreckliche und unverhoffte: Nach langem bangen und hoffen war alles umsonst gewesen. Als Meini eines Abends nach Hause kam, offenbarten ihm seine Eltern die angeblich so freudige Nachricht. „Wir haben das Haus endlich verkauft, dem Himmel sei Dank!“, rief seine Mutter erleichtert und wedelte mit dem Kaufvertrag. Nur sein Vater zog ein leicht säuerliches Gesicht. „Weit unter dem Preis, den wir veranschlagt haben. Wir können das Hotel vorerst nicht renovieren, aber was soll's. Dafür können wir getrost die Koffer packen, meine Junge!“ Meinis Eltern kümmerten sich um alles was nötig war und so war die Familie nach ein paar Tagen startklar. Ihre Möbel waren bereits abtransportiert, in einen Container gepackt und auf ein Schiff verfrachtet worden. Jetzt luden sie ihre letzten wichtigen Habseligkeiten in die Limousine. Das war ein Moment, in dem sogar dem Butler die Augen feucht wurden. Er versuchte es aber so gut es ging zu verbergen. Eigentlich hätte er keinen Grund gehabt traurig zu sein, denn er kam sogar mit auf die Insel, was man ihm hoch anrechnete. Die anderen Bediensteten hatten sich dagegen entschieden und sich bereits eine Stellung in einem anderen reichen Haus gesucht. Aber traurig war der treue Butler trotzdem, weil er hier viele Jahre verbracht hatte. Aber ihm lag nicht nur dieser Ort am Herzen, sondern auch die reiche Familie. Deswegen hatte er sich letztendlich entschieden, mitzukommen. Die Sonne ging gerade auf und Meinis Freunde hatten sich am Rathaus versammelt. Die Limousine fuhr vor und Meini stieg aus. Er hatte Tränen in den Augen. „Du weißt, dass wir in Gedanken immer bei dir sind. Egal wie weit du weg bist“, sagte Sportacus.
„Denk daran, dass du sofort deinen Computer anschließt, wenn du da bist! Vergiss ja nicht E– Mails zu schreiben!“, erinnerte Pixel.
„Keine Sorge, ich werde alles tun sobald ich erst einmal da bin.“ Meini lächelte tapfer. „Ich und Schweini werden uns immer bei euch melden.“
„Meini, beeile dich“, hörte man seine Mutter aus dem Auto rufen. „Wir haben nicht viel Zeit!“
Jetzt spürten sie erst richtig, dass der Abschied unweigerlich näher rückte. Meini umarmte einen nach dem anderen und wenn er fertig war, dann fing er wieder beim Ersten an. Er wollte überhaupt nicht weg aus Lazy Town. Warum konnte ihn niemand zurückhalten? Aber es half nichts. Er musste, brav wie er war, seinen Eltern folgen. So, wie er es immer getan hatte. Er war ja auch ein vorbildliches Kind. Und es blieb ihm auch nichts anderes übrig. Seine Freunde hatten ihm kleine Geschenke der Freundschaft in die Hände gedrückt und jetzt stand er da, seine Arme vollbeladen mit Päckchen und Blumensträußen. Einen Strauß wollte Meinhard auch den Eltern überreichen. Auch sie durften nicht vergessen werden. Er trat an die offene Autotür und hüstelte verlegen.
„Sie sind uns jederzeit willkommen. Es ist schade, dass Sie unser kleines Städtchen verlassen.“ Der Vater stieg aus und gab Meinhard die Hand. Soviel Zeit musste doch noch sein. „Wir sind auch sehr bedrückt“, sprach er, „aber mein Vater lehrte mich, dass man nicht immer auf den selben Fleck treten sollte. Man muss sich weiterentwickeln und nach vorne sehen. Unsere Zukunft liegt jetzt ganz woanders.“ Es hörte sich wie eine einstudierte Rede an und es klang ganz und gar nicht danach, als wäre er bedrückt. Es war ein Glück, dass niemand auf Trixie achtete: In ihren Augen war soviel Wut und Ablehnung gegen diesen Mann, dass jeder Mensch hätte erschauern müssen. Meinis Vater nahm den Blumenstrauß entgegen, drückte allen höflich die Hand und legte seinen Arm um die Schulter seines Sohnes. „Jetzt müssen wir aber wirklich gehen.“ Meini nickte. Er lächelte den anderen zu und stieg als Letzter ein. „Darf ich den anderen noch einmal winken?“, fragte er im Auto seine Mutter.
„Ja, aber danach schnallst du dich bitte an.“ Meini drehte sich auf dem Rücksitz um und schaute zurück. Das Auto fuhr bereits an. Wie seine Freunde dort standen und winkten! Jeden Einzelnen würde er in ewiger Erinnerung behalten. Er sah, wie Senta sich in ihr Taschentuch schnäuzte und der Bürgermeister sie tröstete. Er sah, wie seltsam starr Trixies Miene war und trotzdem zuckte es hin und wieder um ihre Mundwinkel. Ziggy winkte mit seinem großen Lollipop und rief irgendetwas. Was es war, konnte er nicht mehr hören. Sportacus stand neben ihm und lächelte traurig, genauso wie Stephanie. Ach, jetzt wusste er wie sie sich gefühlt hatte, als sie zuerst auch meinte, Lazy Town wegen der Tanzschule verlassen zu müssen. Gottlob war das nur ein gemeiner Streich von Freddie gewesen. Freddie? War er hier irgendwo? Nein, um diese frühe Zeit bestimmt nicht. Er hatte ihn in den letzten Wochen nur hin und wieder herumschleichen sehen. Manchmal hatte er Meini auch gefragt, warum er denn immer noch hier wäre und nicht längst auf seiner Insel. Nun gut, dachte Meini. Jetzt bin ja weg.
Erst als die schwarze Limousine am Horizont verschwand, rührte sich die Gruppe. „Jetzt ist er fort“, hörte man Ziggy traurig sagen und er knabberte ein wenig lustlos an seinem Lollipop.
„Sportacus!“ Der Held fuhr herum und blickte auf Trixie. „Sportacus!“, rief sie wieder und Tränen kullerten ihr über die Wangen. „Hol ihn zurück! Bitte!“ Sportacus sagte nichts. Er beugte sich zu ihr hinunter und schlang tröstend seine Arme um sie. Die anderen kamen näher und taten es ihm gleich. Sie umarmten Trixie, die so lange versucht hatte, ihren Gefühlen nicht nachzugeben. Manchmal glaubte sie, dass es besser wäre, wenn man keine Gefühle zeigte. Als sie umarmt wurde, kam ihr aber der Satz in den Sinn, den Sportacus einmal zu Meini gesagt hatte: „Wenn man so etwas schweres auf dem Herzen hat, kann man nicht immer so tun, als wäre gar nichts geschehen.“
Und dann war ihr, als hörte sie Meini, der darauf antwortete: „Ich hatte ständig so ein Gefühl, als würde es mich innerlich zerreißen.“ Genauso fühlte sich Trixie. Aber jetzt brach alles aus ihr heraus und sie schluchzte laut auf. „Ach Meini!“

Noch lange standen sie zusammen, bis Stephanie vorschlug, dass sie alle zu ihr nach Hause gehen könnten. Denn alleine wollte jetzt niemand sein. Stephanie nahm Trixie bei der Hand. Wie eine Trauergemeinde zogen sie von dannen. Es war ein klarer und schöner Wintertag. Man hätte den ganzen Tag draußen sein und sich die Zeit mit Spiel und Spaß vertreiben können. Aber heute hatte niemand Lust dazu und selbst Sportacus sah man heute selten an der frischen Luft. Stattdessen saß er mit seinen Freunden zusammen. Sie erzählten sich Geschichten und hatten gemeinsam darüber nachgedacht, wie sie Meini eine Freude machen könnten. Denn eigentlich war er es, der sich ziemlich einsam fühlen musste. Ehe sie sich versahen, hatten sie den halben Tag damit zugebracht, Ideen zu sammeln. Die nächsten paar Stunden wollten sie damit verbringen, die ersten ellenlangen Briefe für Meini zu schreiben. Als es dämmerte, verabredeten sie sich für den morgigen Tag. Sie verabschiedeten sich von Stephanie, die noch am Küchentisch saß und bereits die dritte Seite ihres Briefes fertig geschrieben hatte. Fast alle Besucher waren nun fort, bis auf Senta. Aber auch sie war bereits vom Stuhl aufgestanden und hatte nach ihrer Handtasche gegriffen.
„Dann werde ich auch mal gehen. Vielen Dank für das gute Mittag – und Abendessen, Meinhard. Es war wie immer köstlich! Auf Wiedersehen Stephanie. Ich wünsche euch eine gute Nacht.“ Doch gerade als sie die Tür geöffnet hatte, klingelte ihr Handy. Schnell wie immer nahm sie den Anruf sofort an. „Ach, Sie sind es“, rief sie freudig, dann lauschte sie erwartungsvoll und - erstarrte. „DAS IST JA SCHRECKLICH!“, rief sie aus, „EINFACH SCHRECKLICH!“ Stephanie fiel der Stift aus der Hand und Meinhard beinahe der abgespülte Teller. Senta zitterte am ganzen Körper. „Wir brauchen Sportacus!“ Der kam wie auf's Stichwort, das war dem Kristall zu verdanken. Aber höchstwahrscheinlich wäre Sportacus auch so gekommen, denn er hatte sich noch nicht allzuweit vom Haus entfernt und Sentas Aufschrei an der Türschwelle hätte jeden alarmiert. Sportacus trat schnell ein und schloss die Tür, durch die zuvor ein eisiger Wind geweht hatte. Dann brachte Senta mit Mühe hervor, was sie eben erfahren hatte: Meini war verschwunden!
Alle sahen sich schockiert an. „Wie – verschwunden?“, fragte Meinhard.
„Seine Eltern sitzen im Flugzeug und Meini ist nicht drin! Er war drin, aber  jetzt ist er es nicht mehr!“
„Das klingt ziemlich verwirrend“, gab Meinhard zu. Wer war denn eben am Telefon? Seine Eltern?“
„Himmel nein, die würden nie mit mir reden. Die haben vermutlich nicht einmal meine Nummer! Aber eine sehr gute Freundin von seiner Mutter war es. Die hat es eben von ihr selbst erfahren. Mein Gott, sie haben keine Ahnung wo der Junge ist! Er war mit ihnen eingestiegen und irgendwann war ihnen aufgefallen, dass er gar nicht mehr im Flugzeug sitzt!“ Stephanie sah zu Sportacus hinüber und er erwiderte ihren ängstlichen Blick. Meinhard wollte noch immer an einen Irrtum glauben. Das Meini einfach verschwand – unmöglich! Das er weggelaufen sein könnte war zu bezweifeln. Meintsgut suchte nach Erklärungen. „Wahrscheinlich haben sie sich nach der Landung aus den Augen verloren.“
„Sie sind ja noch gar nicht gelandet, das habe ich doch vorhin schon gesagt! Sie sitzen doch noch im Flugzeug! Sie haben sofort die Stewardess und den Piloten verständigt, als sie es gemerkt haben! Allerdings haben sie das erst nach ein paar Stunden.“
„Also ich kann das immer noch nicht so recht verstehen, ach Gottchen. Ich hätte es sofort gemerkt, wenn Stephanie verschwunden wäre. Noch dazu in einem Flugzeug! Wahrscheinlich sitzt Meini gerade – äh – auf der Toilette?“
„Wenn sie sagen, dass er verschwunden ist, dann ist er das wohl auch. Wie das zugegangen ist, weiß ich auch nicht. Tatsache ist, dass er weg ist!“, sagte Senta und seufzte auf. Sportacus geleitete die aufgeregte Dame zu Tisch. Nach dieser Nachricht war es besser, wenn sie sitzen würde, meinte er. Danach herrschte betretenes Schweigen. „Hat denn niemand eine Idee?“, flehte Senta. „Sportacus! Was sollen wir tun? Wir müssen Meini suchen!“
„Er kann doch eigentlich nur am Flughafen sein“, äußerte sich Sportacus und Meinhard gab ihm Recht. „Und ich bin sicher, dort suchen sie ihn bereits oder haben ihn schon gefunden“, sprach der Bürgermeister weiter. „In der Großstadt wird er wohl kaum herumirren, wo es doch schon dunkel wird. Und hier in Lazy Town kann er wohl schlecht sein.“ Stephanie überlegte kurz. „Und wenn er doch...“, sagte sie zögernd. „Wir könnten uns zumindest in der Villa umsehen. Der neue Besitzer ist noch nicht eingezogen, glaube ich. Vielleicht hat Meini noch einen Schlüssel und hat sich dort versteckt?“

Ihr Onkel fand, dass das eine ziemlich gewagte Vermutung sei. Wenn man sich das nur vorstellte: Meinis Eltern saßen im Flugzeug und waren ganz krank vor Sorge, während ihr Sohn nach Lazy Town zurückgekehrt war und vollkommen alleine in seinem alten Zuhause saß. Trotzdem wäre es immerhin eine Möglichkeit, fand Sportacus und wollte sich dort einmal umsehen. Stephanie wollte unbedingt mitkommen und ihr Onkel erlaubte es. Sie zog sich schnell eine warme Jacke und ihre Winterstiefel an und ging mit Sportacus die fast dunkle Straße entlang. Sie brauchten eine Weile bis sie an das etwas abgelegene Ziel kamen. Schon von außen wirkte das verlassene Grundstück ziemlich unheimlich. Ohne jemanden an ihrer Seite hätte sich Stephanie ganz bestimmt nicht herangetraut. Sie öffneten das Tor und traten ganz nahe an das Haus heran. Sie blickten in die Fenster und hofften auf irgendein Lebenszeichen oder einen Hinweis, aber vergebens...Stephanie war der Verzweiflung nahe. „Wenn er nun nicht hier ist? Wo sollen wir Meini bloß suchen?“
„Warte mal!“ Sportacus horchte auf. „Hörst du das?“
Das Mädchen spitzte die Ohren. „Da schnarcht ja jemand!“, rief sie überrascht. Sie nahm jetzt allen Mut zusammen. „MEINI!“, rief sie, „BIST DU HIER? WIR SIND ES, DEINE FREUNDE!“ Das Schnarchen brach nicht ab, erst als Sportacus rief. Man hörte ein Grunzen, dann einen kurzen Aufschrei – aber der klang ganz und gar nicht nach Meini. Stephanie zuckte erschrocken zusammen und suchte Schutz bei Sportacus. Als sie Schritte hörten, liefen sie schnell um die Hausecke um abzuwarten. Sie hörten ein Stolpern, dann ein Schimpfen und schließlich machte jemand in der Empfangshalle Licht. Die Tür wurde aufgerissen, aber sonst hörte man gar nichts. Es herrschte eine bedrohliche Stille. Stephanie und Sportacus drückten sich an die Hauswand und warteten einfach ab. Die Tür wurde wieder zugeschlagen und nach einer Weile ging das Licht aus und die Schritte im Haus verhallten. „Ich hatte wirklich gedacht, dass hier noch niemand wohnt“, wunderte sich Stephanie. „Dann habe ich mich wohl geirrt.“
„Wir sollten besser gehen“, beschloss Sportacus und nahm Stephanie an die Hand. Sie schlichen einige Schritte über den schneebedeckten Weg und Stephanie hatte jetzt große Sorge, dass man sie entdeckte. Selbst das Knirschen des Schnees unter ihren Schuhen empfand sie schon beinahe als verräterisch, ganz zu schweigen von den Fußspuren...Plötzlich schrillte eine laute Alarmsirene auf! Offenbar hatte der neue Besitzer gerade das Sicherheitssystem aktiviert. „Was jetzt?!“, rief Stephanie.
„Spring auf!“ Sportacus deutete auf seinen Rücken. „Und halt dich gut fest!“ Er nahm Stephanie Huckepack und rannte los. Jetzt ging es so schnell voran, dass das Mädchen fast meinte, sie würde fliegen. Noch bevor der Besitzer auch nur einen Blick auf die zwei erhaschen konnte, waren sie in sicherer Entfernung und in der Stadt. Jetzt plagte Stephanie das schlechte Gewissen. „Er hält uns sicher für Einbrecher! Hoffentlich bekommen wir keinen Ärger!“
„Er hat uns ja nicht gesehen, oder?“, sagte Sportacus und lächelte ein wenig verschmitzt.
„Ich will es hoffen“, gab Stephanie besorgt zur Antwort. „Aber wo hätten wir Meini sonst suchen sollen? Ich hätte keinen anderen Ort gewusst.“
„Jetzt wissen wir wenigstens, dass er nicht dort ist. Vielleicht weiß der Bürgermeister inzwischen mehr.“ Oh, der wusste inzwischen tatsächlich mehr und Senta auch. Als Sportacus und Stephanie eintraten, mussten sie sich erst einmal die Augen reiben: Am Küchentisch saß ihr Freund, den sie so vermisst hatten! „MEINI!“, riefen sie und stürzten auf ihn zu. „Ein Glück, dir ist nichts passiert“,sagte Sportacus erleichtert und Stephanie fragte: „Aber wie bist du....“
„Mit dem Bus“, antwortete Meini trocken. Man sah ihm an, dass er viel durchgemacht haben musste. Vor ihm auf dem Tisch lag ein Teller mit einem Berg Butterbrote den Meinhard für ihn geschmiert hatte, aber der Junge hatte bis jetzt noch keinen Bissen hinunterbringen können. Schweini, das kleine Sparschwein, stand neben dem Teller und sah ganz so aus, als würde es sich nur zu gerne darauf stürzen. Meinhard stellte eine große Tasse dampfenden Kakao auf den Tisch. „Nimm wenigstens einen Schluck, das beruhigt die Nerven“, meinte er und bevor auch nur einer fragen konnte was eigentlich geschehen war, erzählte Meini die ganze Geschichte. „Eigentlich war es nur ein prompter Einfall gewesen“, berichtete er. „Ich stieg mit meinen Eltern ins Flugzeug und als wir uns zu den Plätzen begaben, fiel mir auf, dass woanders noch welche frei waren. Da ich für mich allein sein wollte, fragte ich, ob ich mich auf einen dieser freien Plätze setzen dürfte. Man erlaubte es mir, da sie ohnehin nicht gebucht waren. Ich setzte mich und irgendwann überkam mich diese verrückte Idee. Meine Eltern saßen etliche Reihen vor mir. Sie konnten mich also nicht sehen und waren wohl sowieso mit etwas anderem beschäftigt. Ich beobachtete den Eingang und als niemand auf mich zu achten schien, bin ich ganz langsam und unauffällig...“, er stockte einen Moment. „Und als ich draußen war, bin ich gerannt.“

Meini schlug die Hände vor das Gesicht. „In diesen Momenten habe ich nicht darüber nachgedacht, ob es richtig oder falsch war“, jammerte er. „Ich bin durch den Flughafen gelaufen und draußen wartete schon der Bus. Er wollte gerade losfahren, da bin ich schnell eingestiegen.“ Stephanie legte ihren Arm um seine Schulter. Meini sah seine Freunde an. „Was ich getan habe, tut mir so leid. Was machen wir denn jetzt nur?“
„Zunächst müssen wir den Flughafen anrufen damit deine Eltern beruhigt sind“, sagte Senta. „Und einen neuen Flug müssen wir natürlich auch für dich buchen.“
„Ich werde dann ganz alleine im Flieger sitzen, ohne meine Eltern“, seufzte Meini. „Geschieht mir auch ganz recht.“
„Die Hauptsache ist, dass du gesund bist“, beruhigte ihn Senta. „Wir hatten eine Angst, dass kannst du dir nicht vorstellen! Wir hätten auch niemals gedacht, dass du so etwas machen würdest!“
Meini seufzte ein weiteres Mal. „Ich konnte es selbst kaum glauben.“
„Wir wollten dich sogar in der Villa suchen“, erzählte Stephanie, „dort – äh – haben wir dich aber nicht gefunden. Da war schon jemand eingezogen“, sagte sie wahrheitsgemäß. Nur was genau passiert war, das wollte sie doch lieber nicht erzählen. Schließlich musste ihr Onkel nicht unbedingt wissen, dass sie und Sportacus eventuell für Einbrecher gehalten worden waren. Da Stephanie nicht weitersprach, zog es auch Sportacus vor, zu schweigen. „Dann werde ich mal eben schnell den Flughafen anrufen und die Geschichte aufklären“, sagte Senta. Sie seufzte auf. „Eigentlich müsste ich auch meine Freundin anrufen – aber die würde wiederum Meinis Mutter anrufen.“
„Wäre denn das so schlimm?“, wollte Stephanie wissen.
„Naja“, druckste Senta herum, „meine Freundin müsste natürlich sagen, von wem sie die gute Nachricht hat und zugeben, dass sie mich kennt. Ich habe es vorhin schon kurz angedeutet: Meinis Eltern sind nicht gut auf mich zu sprechen.“
„Hauptsache ist, die Leute am Flughafen wissen Bescheid“, riet Meinhard, „sie werden die Nachricht schnell weitergeben.“ Senta nickte zustimmend.
„Warum sind denn Meinis Eltern böse auf Sie, Senta?“, fragte Stephanie weiter.
„Nun, sie sind nicht direkt böse auf mich. Aber sie haben eben keine gute Meinung von mir. Sie halten mich für eine nervende Plappertasche, die außerdem ständig Gerüchte verbreitet! Kannst du dir sowas vorstellen? Einfach absurd!“
Senta verschwand mit ihrem Handy im Flur und man hörte sie kurz darauf telefonieren. Sportacus setzte sich zu Meini an den Tisch und auch Stephanie nahm Platz. „So, jetzt wird aber gegessen“, sagte Meinhard sehr bestimmt und schob Meini den vollen Brotteller ein Stück näher. Gerade als der Junge herzhaft in ein Schinkenbrot beißen wollte, erhob sich ein lautes Sirenengeheul über der Stadt. Alle sahen erschrocken auf und liefen zum Fenster, das hieß, alle außer Senta, die gerade mitten im wichtigen Telefongespräch war. Sie warf einen schnellen Blick ins Wohnzimmer während sie sprach. „Ach Gottchen, ach Gottchen – das klingt ja beinahe wie Großalarm!“, meinte der Bürgermeister aufgeregt. Es war so laut, dass er beinahe rufen musste, damit man ihn verstand.
„Aber in Lazy Town ist doch nichts passiert, das sollte ich doch wissen. Oder zumindest Sportacus. Haben Sie eine Ahnung, was da los ist?“ Sportacus schüttelte den Kopf. Er, Meini, Stephanie und Meinhard liefen hinaus. Sie sahen sich um und blickten auf Meinis Haus, das auf einmal von strahlenden Lichtsäulen umgeben war. Von dort kam auch das entsetzliche Sirenengeheul. „Da hat wohl jemand an der Alarmanlage herumgespielt“, vermutete Meini, „oder eine vollkommen neue Anlage installiert.“ Das konnte gut sein, dachten sich auch Stephanie und Sportacus, denn als sie noch vor kaum einer halben Stunde an der Villa gewesen waren, war die Anlage längst nicht so laut gewesen wie jetzt und Scheinwerfer hatten sie auch keine entdecken können. „Hoffentlich hört das auf, bevor die ganze Stadt taub davon wird“, rief Meini. An den beleuchteten Fenster der anderen Häuser sah man deutlich die Silouhetten der aufgeregten Bewohner. Niemand konnte sich erklären was geschehen war und die Sirenen hörten nicht auf zu heulen.

So machten sich die vier zur Villa auf um das Problem zu lösen. „Haaalt, wartet auf mich!“, rief Senta, die gerade ihren Anruf erledigt hatte und jetzt angelaufen kam. „Wenn so etwas aufregendes passiert, könnt ihr mich doch nicht alleine lassen!“ Auf dem Weg blinkte Sportacus' Kristall und es sah ganz so aus, als hätte der neue Besitzer mehr Probleme als gedacht. Im ganzen Haus brannte Licht und man sah die Silouhette eines Mannes, der aufgeregt hin und her lief. Er versuchte gerade ein Fenster zu öffnen – jedoch erfolglos – blickte hinaus und sah Sportacus. Der Mann klopfte mit beiden Händen gegen die Scheibe und rief Sportacus etwas zu. Man konnte keinen Ton verstehen, aber man brauchte kein Detektiv zu sein, um herauszufinden, dass der Mann gefangen war und hinaus wollte. Sportacus lief auf den Eingang zu und wollte die Tür öffnen. Er griff schnell nach dem Türknauf. „AUTSCH!“ Er zog die Hand zurück und schüttelte sie.
„WAS IST PASSIERT?“, brüllte Meini, der das Sirenengeheul zu übertönen versuchte.
„MICH HAT WAS GEZWICKT!“
„VIELLEICHT EIN KLEINER ELEKTROSCHOCK?“
„ICH WEIß ES NICHT! WÄRE MÖGLICH!“
„DAS WIRD JA IMMER SCHÖNER!“ Jetzt rüttelte von innen jemand an der Tür und Sportacus konnte gerade noch verstehen, wie jemand rief: „ICH KOMME NICHT RAUS! HELFT MIR!“ Der Superheld sah im Moment keine andere Möglichkeit, als die Tür aufzubrechen. Er testete allerdings zuerst die Tür und berührte sie kurz mit der Hand – diesmal spürte er kein Zwicken – und dann rief er mit aller Kraft: „TRETEN SIE VON DER TÜR ZURÜCK! HABEN SIE VERSTANDEN?“
„JA!“ Mit einigen kräftigen Tritten hatte der Held sie aufgestoßen. Der Mann stürmte hinaus und Meini hinein. Der Krach war ohrenbetäubend. Einige Meter rechts neben der Eingangstür befand sich etwas, was wie ein Sicherungskasten aussah. Sportacus musste Meini hochheben, damit er an den Kasten gelangen und ihn öffnen konnte. Eine Tastatur kam zum Vorschein und Meini tippte schnell eine Zahlenkombination ein, und sofort herrschte im ganzen Haus vollkommene Ruhe und die Lichtsäulen erloschen. Senta seufzte befreiend und sagte: „Was für eine herrliche Stille.“
„WAS MEINTEN SIE? SIE SUCHEN IHRE BRILLE?!“, brüllte Meinhard, der von dem Lärm inzwischen halb taub war.
„Um Himmels willen, schreien Sie nicht so! Ich stehe doch direkt neben Ihnen!“ Meini schritt aus dem Haus und ging auf den unbekannten Mann zu. Der neue Besitzer- ein gut gekleideter Mann mit dunkelblondem geschwungenem Schnäuzer und Monokel am Auge - steckte sich beide Zeigefinger in die Ohren und rüttelte darin, um auch endlich etwas hören zu können. „Also diese Anlage ist zwar wirkungsvoll, aber trotzdem verbesserungswürdig“, sprach Meini. „und ein stiller Alarm hätte es auch getan. Wenigstens war die Zahlenkombination die alte. Ansonsten hätten wir Pixel um Hilfe bitten müssen.“ Der Besitzer erlangte schließlich sein Gehör wieder.
Wie ich meine Alarmanlage installiere, ist ja wohl meine Sache. Und auch, was ich daran installiere. Schließlich ist das jetzt mein Haus! Und das muss vor Räubern geschützt werden. Vorhin sind nämlich ein paar Strolche um meinen Besitz geschlichen – warum bist du eigentlich noch hier? Solltest du nicht mit deinen Eltern längst auf und davon sein?“ Meini wurde ein bisschen stutzig, weil ihn der Besitzer offenbar kannte. Aber das musste nichts bedeuten. Wahrscheinlich hatten seine Eltern voller Stolz von ihm erzählt. Sie sprachen sehr gerne über Meini und erzählten allen (reichen) Leuten, wie wohlerzogen er doch war. „MEINI! MEINI!!“ Drei bekannte Personen kamen angelaufen und noch bevor Meini überhaupt wusste was eigentlich geschah, wurde er promt umarmt. „Wir wollten sehen, was los ist. Ganz Lazy Town ist von dem Lärm aufgeschreckt!“, rief Pixel aufgeregt.
„Warum bist du überhaupt hier? Hast du das Flugzeug verpasst?“, fragte Ziggy, der übrigens statt seiner Winterstiefel nur seine Hauspantoffeln trug. „Ja, so ähnlich“, antwortete Meini. „Aber morgen muss ich leider wieder fort.“
„Oh, wie schade. Ich hatte schon gedacht, du bleibst hier“, sagte Trixie enttäuscht und sprach den anderen aus dem Herzen. Der Besitzer wurde jetzt sehr ungehalten. „Auf meinem Grund und Boden befinden sich eindeutig zu viele Leute! Und Kinder kann ich erst recht nicht leiden!“
„Schon verstanden, wir verschwinden“, murrte Trixie. „Also wenn ich ehrlich bin, hat sich hier nicht viel verändert. Nichts für ungut, Meini.“ Die Gruppe setzte sich in Bewegung, nur Meini stand noch da wie angewachsen. Er sah den Besitzer mit großen flehenden Augen an. „Darf ich Sie um etwas bitten?“
„NEIN!“
„Ich möchte mich so gerne ein letztes Mal umschauen. Es dauert auch nicht lange“, bat Meini. Der Mann seufzte ergeben. „Also schön, wenn dann endlich Ruhe ist. Aber beeile dich!“ Meinis Augen glänzten vor Freude. „Ich bin gleich zurück“, rief er den anderen zu, trat sich die Füße ab und ging ehrfürchtig durch alle Räume. Es standen noch keine neuen Möbel darin, dass hieß, bis auf einen orangenen Plüschsessel.
Manche Leute haben einen komischen Geschmack, dachte Meini.
Er ging weiter und besah sich besonders lange den Raum, in dem er zuletzt mit seinen Freunden Weihnachten gefeiert hatte und sein Kinderzimmer, das in der obersten Etage lag. „So ein schönes Zimmer werde ich nie wieder haben“, sagte er zu Schweini. „Darin lebte ich ganze acht Jahre und ein paar Monate. Und so eine schöne Stadt wie Lazy Town gibt es auch kein zweites Mal.

„WO BIST DU, DU NASEWEISER BENGEL?“, hallte es durch den kahlen Flur. Der neue Besitzer war die Treppe hinaufgestürmt und suchte bereits nach dem Jungen. Er wäre dabei beinahe über den orangenen und besonders flauschigen Läufer gestolpert den er ausgelegt hatte. Eine von den Türen öffnete sich und Meini trat heraus.
„Na, dass wurde aber auch langsam Zeit. Mach das du verschwindest, du hast lang genug geguckt!“ Der Mann konnte es kaum erwarten wieder allein zu sein. Er lief als Erster voran und trat abermals auf den Läufer, aber diesmal kam er ins Rutschen. So schlitterte er samt Läufer über den spiegelglatten Boden auf das Treppengeländer zu. Laut schreiend versuchte der Mann das Geländer zu ergreifen, aber er hatte soviel Schwung, dass er darüber fiel und sich gerade noch mit den Händen daran festhalten konnte. Nun hing er mehrere Meter in der Luft. „Haben Sie keine Angst, ich fange Sie auf!“, hörte er Sportacus unter sich rufen. Der Kristall und das Schreien hatten ihn längst alarmiert. Der Mann blickte entsetzt in die Tiefe und wendete sich Meini zu. „Zieh mich hoch, Junge!“
„Wie soll ich das denn machen? Sie sind doch viel zu schwer für mich!“ Jetzt kamen die Kinder mit Meinhard und Senta die Treppen hochgelaufen. Da der Mann keine Anstalten machte sich fallen zu lassen, wollten sie Meini wenigstens helfen. Sportacus blieb mit erhobenen Armen dort stehen wo er jetzt stand. Er durfte sich nicht rühren für den Fall, dass der Mann den Halt verlieren würde. „Bitte, zieht mich hoch!“, bettelte der Mann und sie alle taten ihr Bestes, aber es war nicht viel zu machen. Schließlich verließen den Mann die Kräfte und er stürzte laut schreiend und mit Händen und Füßen zappelnd in die Tiefe. Stephanie und die anderen vernahmen nur noch ein dumpfes Geräusch und sahen bang über das Geländer. Dort lag Sportacus auf dem Boden und auf ihm saß der Mann.
„Ach Gottchen, ist euch was passiert?“, rief der Bürgermeister und lief die Treppe hinunter. Die anderen folgten ihm.
„Mir selbst ist nichts geschehen“, meinte Sportacus und rappelte sich auf, „ich habe nur das Gleichgewicht verloren. Aber wie steht es mit Ihnen?“, fragte er. Der neue Hausherr war auch schon wieder auf den Beinen, aber er hatte allen den Rücken zugewandt und wankte ein wenig unsicher durch die Halle. Sein Hut lag auf dem Boden, genau wie sein Monokel, dessen Glas leider zersplittert war. Der Mann bückte sich schnell nach dem Hut und setzte ihn sich auf - und zwar so heftig, dass er ziemlich zerbeult auf dem Kopf lag. Der Mann schien jetzt sein Gesicht zu betasten. „Haben Sie sich verletzt?“, fragte Sportacus abermals und ging besorgt auf ihn zu. Der Mann drehte sich um und sah ihn erbost an. „RAUS!“, brüllte er und Sportacus wich zurück. „MACHT ALLE, DASS IHR RAUS KOMMT!“ Er scheuchte die Leute aus dem Haus und schlug mit Schwung die Tür zu.
„Hee, ich bin noch hier!“, hörte er eine Kinderstimme rufen. Er drehte sich um und sah zu Ziggy hinunter. Der Mann öffnete nochmals die Tür, hob Ziggy hoch und setzte ihn draußen wieder ab. Er vergewisserte sich, dass er kein Kind vergessen hatte und schloss ein zweites Mal schwungvoll die Tür. „Wirklich seltsam“, sagte Meini.
„Ja, ein seltsamer Mensch“, gab Meinhard zu. „Wie auch immer, wir sollten wirklich nach Hause gehen. Es ist ziemlich spät geworden.“
„Nein, das meine ich gar nicht. Guckt mal hier!" Meini hielt Schweini in die Höhe, der plötzlich einen Schnauzbart trug.
„Hihi, das sieht ja niedlich aus!“, meinte Trixie. „Ist mir vorhin gar nicht aufgefallen.“
„Da hatte er auch keinen“, erklärte Meini. „Na, merkt ihr was?“
Stephanie ging zuerst ein Licht auf. „Das ist ja sein..."
„...Schnauzbart!“, beendete Pixel den Satz. „Der gehört dem Mann!“
„Ganz recht“, sagte Meini. „Er hat ihn eben erst verloren.“
„Das ist ja unfassbar!“, rief Senta. „Pscht!“, machte Sportacus und legte seinen Zeigefinger auf die Lippen. „Er darf uns nicht hören“, flüsterte er. Sportacus und alle anderen entfernten sich von der Haustür und schlichen zum Fenster. Die Erwachsenen drückten sich an die Hauswand und die Kinder gingen unterhalb des Fensters in die Hocke. Sie warteten einen Moment ab und Senta warf einen vorsichtigen Blick durch das Fenster. Dort sah sie gerade, wie der verärgerte Hausherr seinen zerbeulten Hut vom Kopf nahm um ihn einigermaßen zu glätten. Senta riss vor Erstaunen Mund und Augen auf! „Ich glaube es nicht! Das ist ja..!“ Sportacus trat ein weiteres Mal die Tür ein und alle riefen: „FREDDIE FAULIG!“
„WIE – WAS – der wohnt hier nicht!“, rief Freddie erschrocken und setzte sich seinen verbeulten Hut wieder auf. Er hatte gar nicht mehr damit gerechnet, dass seine ungebetenen Besucher noch vor der Tür standen. Wäre er doch nur auf Nummer sicher gegangen! Und jetzt erst fiel Freddie auf, dass er auch ohne Schnauzbart war. Dabei hatte er, als er vom Geländer gestürzt war, diesen gerade erst wieder ankleben müssen. Sportacus riss ihm den Hut vom Kopf und jetzt konnte sich Freddie überhaupt nicht mehr rausreden. Die Erwachsenen und die Kinder, sie alle waren wütend auf ihn. Aber am wütensten war Meini. „RAUS AUS MEINEM HAUS!“, rief er. Der Bösewicht zuckte zwar zusammen, meinte aber:
„Ich habe den Vertrag unterschrieben, das Anwesen gehört mir. Ich bleibe hier!“
„Stell dich nicht dümmer als du bist, Freddie“, rief Senta. „Du hast mit falschem Namen unterschrieben, der Vertrag ist ungültig!“ Das Senta im Recht war, wusste der Gauner. Nur hatte er bis jetzt natürlich gehofft, dass niemand hinter seine Verkleidung kommen würde. Er wollte sich unbedingt als reicher Snob ausgeben. So war er auch mit Leichtigkeit an das Haus gekommen. Ehrlich gesagt, hatten Meinis Eltern ihm das Haus beinahe mit Handkuss überreicht. Wer konnte einem so reichen und vornehmen Herren schon widerstehen?

Freddie nahm seinen verbeulten Hut und ging mit gesenktem, aber dennoch wütendem Blick hinaus. „Mein Geld will ich trotzdem wieder haben!“, blaffte er Meini an und sah danach ein wenig überrascht auf Schweini, weil dieser jetzt seinen Schnauzbart trug.
„Nun – was das angeht, da musst du dich schon mit meinen Eltern in Verbindung setzen. Die werden dir ohnehin einiges zu sagen haben, wenn sie die Neuigkeit erfahren.“ Freddie schnaufte einmal tief durch. Er empfand dies als Drohung, obwohl es eigentlich nur die gerechte Strafe für das war, was er wieder angerichtet hatte. Und das ausgerechnet Meini – der in seinen Augen nichts weiter als ein unbedeutendes, hochnäsiges Kind war – diese Drohung aussprach, kam ihm wie blanker Hohn vor. Dazu kam, dass der Bürgermeister und vor allem Sportacus dies mitanhörten und dem Jungen Recht gaben. Aber Freddie konnte darauf nichts erwidern. Es gab nur noch eines, was zu tun war. „HEEE! Wieso gehst du wieder ins Haus? Das ist mein Haus!“
„Und das ist mein Läufer und mein Sessel!“, schrie Freddie zurück und kam kurz darauf mit seinen Sachen wieder. Er schob seinen Sessel über den Boden und und schubste ihn über die Türschwelle.
„Moment!“, rief Meini und streckte die Hand aus. „Die Hausschlüssel, bitte!“
Freddie kramte in der Hosentasche und warf dem Jungen verächtlich die Schlüssel zu, bevor er sich wütend entfernte. „Soll ich dir helfen?“, fragte Sportacus höflich, denn Freddie hatte mit seinem schweren Sessel alle Mühe. Aber der zog es lieber vor, sein geliebten Plüschsessel alleine durch Lazy Town zu schleppen und entfernte sich schimpfend. „Typisch Freddie“, meinten die Kinder sowie Sportacus und der Bürgermeister setzte hinzu: „Meini, du musst deine Eltern benachrichtigen, sobald sie gelandet sind. Sie müssen unbedingt von all dem erfahren!“
„Das wird sie aus den Socken hauen“, meinte Trixie.
„Das fürchte ich auch“, sagte Meini. „Meine armen Eltern! Erst verschwindet ihr Sohn, dann müssen sie erfahren, dass Freddie Faulig unser Haus gekauft hat! Das wird die ganze Sache schlagartig ändern!“
„Glaubst du wirklich?“, fragte Trixie hoffnungsvoll.
„Du wirst es erleben.“ Stephanie hegte jedoch Zweifel.
„Ja, aber wenn Freddie sich anders entscheidet und zurück kommt“, sagte sie, „und er will wirklich das Haus haben und unterschreibt mit richtigen Namen...“
„Das kann er gern versuchen und soviel Geld hinlegen, dass es für drei Villen reicht“, erklärte Meini feierlich, „das würden meine Eltern nie zulassen! Freddie Faulig hat bei ihnen einen schlechteren Ruf als - “, er unterbrach sich gerade noch rechtzeitig, als er 'Senta Senfdazu' sagen wollte,  „als – äh – irgendjemand anderen, den ich kenne.“
„Das ist schön“, sagte Ziggy und gähnte lang und herzhaft. Sportacus nahm den Jüngsten auf seinen Arm und Senta nahm nochmals ihr Handy aus der Tasche um sich zu erkundigen, ob die Eltern schon gelandet seien. Sie blieben aber nicht auf der Stelle stehen, sondern gingen langsam in die Stadt zurück.

Meini sollte Recht behalten. Seine Eltern beschlossen zurück zu kommen, sobald sie alles geregelt hatten. Auf das Hotel und ihr neues kleines Häuschen mussten sie leider verzichten, denn jetzt war es unmöglich von heute auf gleich einen neuen Käufer für die Villa in Lazy Town zu finden. Und noch länger wollte der Hotelbesitzer auf sein Geld natürlich nicht warten. Es war wirklich ein ziemliches Schlamassel in das Freddie sie gebracht hatte und sie waren richtig wütend auf ihn. Bei Meini hielt sich die Wut in Grenzen, aber das verheimlichte er natürlich. Wenn er ganz ehrlich zu sich selbst war, hätte er Freddie am liebsten laut dafür gedankt, dass er in Lazy Town bleiben konnte. Aber das war eigentlich ein absurder Gedanke: Erstens taten ihm seine Eltern doch ein wenig leid und Zweitens hatte sich Freddie eigentlich nicht verraten wollen. Meini saß auf seinem Bett und schaute sich zufrieden um. Alles stand wieder an seinem gewohnten Platz: Die großen Spielzeug – und Bücherregale, die zwar sehr voll aber ordentlich eingeräumt waren, der große Kleiderschrank, sein großer und ebenfalls sehr ordentlicher Schreibtisch und neben seinem Bett stand ein Nachttisch, auf dem sein liebstes Sparschwein sein Bettchen hatte. Nun wäre Meini rundum glücklich gewesen, aber er fühlte noch immer, dass ihn etwas bedrückte. Bis jetzt hatte er seine Eltern nicht getraut zu fragen, ob sie denn auch wirklich für immer in Lazy Town bleiben würden. Vielleicht hatten sie schon im nächsten Jahr wieder eine neue Geschäftsidee?

Es klopfte an der Tür und der Vater trat ein. Meini hielt den Atem an. Höchstwahrscheinlich würde jetzt die lang erwartete Standpauke wegen seines Verschwindens folgen. In der Tat wirkte sein Vater etwas ärgerlich. Aber nicht wegen Meini. „Vorhin war dieser Freddie Faulig an der Tür“, meinte er verächtlich. „Der wollte doch tatsächlich sein Geld wieder haben! Nun, ich habe ihm das gegeben, was von der Summe übrig war. Schließlich mussten wir unsere Möbel wieder holen, neue Flugtickets buchen...das hab ich ihm alles erklärt und ihm sogar schriftlich gegeben.“
„Und?“
„Er sah aus, als hätte er vor Wut platzen wollen! Ich habe ihn höflich gebeten zu gehen und das tat er. Der soll sich so eine Frechheit nicht ein zweites Mal erlauben. Deine Mutter ist immer noch ganz aufgeregt. Alleine die Tatsache, dass wir beinahe diesem Faulig das Haus überlassen hätten – sie glaubt, das würde unserem Ruf schaden, weil wir so einem Betrüger aufgesessen sind.“
„Das tut mir leid.“
„Das muss es nicht, dafür kannst du nun wirklich nichts.“ Meini senkte den Kopf. „Du, Vati? Für eine Sache muss ich mich aber doch entschuldigen. Es tut mir leid, dass ich einfach abgehauen bin und euch so eine Angst gemacht habe. So etwas tue ich nie wieder, das schwöre ich.“
„Das will ich hoffen. Wir hatten schon gedacht, man hätte dich entführt! Als du weg warst, Meini, war uns alles egal: Das Hotel, das neue Haus – wir hätten unser gesamtes Vermögen für dich hergegeben!“
„Bleiben wir denn jetzt in Lazy Town, Vati? Oder habt ihr schon wieder andere Pläne?“
„Deine Mutter und ich haben uns entschieden, hier zu bleiben. Unsere besten Geschäftspartner sind hier in der Nähe. Ich bedaure zwar ein wenig, dass wir das Hotel nicht bekommen haben, aber hier haben wir es auch nicht schlecht. Und natürlich sind unsere Freunde auch nicht fern von hier. Deine Mutter telefoniert gerade wieder mit ihrer besten Freundin.“
„Aha“, sagte Meini und fühlte sich bestätigt. „Freunde sind also wichtig?“
„Durch sie kann man wichtige Informationen und Meinungen einholen, wenn es ums geschäftliche geht.“
„Das natürlich auch. Aber vor allem kann man mit ihnen Spaß haben. Oder meinst du nicht?“
Durch die geschlossene Tür hörte man Meinis Mutter am Telefon laut lachen. Offenbar musste ihre Freundin eine besonders komische Geschichte erzählt haben. Meinis Vater lächelte. „Du hast ganz recht, mein Sohn. Das natürlich auch. Da fällt mir ein...ich sollte vielleicht auch meinen besten Freund anrufen und ihn einladen. Die Frage ist nur, wann. Wir haben immer so viel zu tun...wir telefonieren zwar hin und wieder, aber wir müssten uns unbedingt mal wieder sehen. Du hast ihn sogar einmal kennen gelernt. Aber da warst du noch sehr klein.“
„Schade, wenn man seine Freunde so selten sieht.“
„Allerdings. Dabei kennen wir uns schon seit Kindesbeinen an.“ Meinis Vater sah zum Fenster und hing seinen Gedanken nach. „Er wohnte auch hier in der Stadt, weißt du? Aber dann hat er eine Firma gegründet und ist weggegangen. Ach Meini...Eigentlich sollte ich mich für dich freuen. Jetzt bist du wieder hier bei deinen Freunden. Aber es könnte der Tag kommen...“
„Es könnte, Vati. Aber das muss es nicht.“ Sein Vater nickte und er lächelte, wenn auch ein wenig traurig. Wer konnte schon wissen, was die Zukunft bringen würde? Sein Sohn würde vielleicht in Lazy Town bleiben können, aber was war mit seinen Freunden, wenn es einmal so weit war? Aber das wollte er seinem Sohn nicht sagen. Er hatte in den letzten Monaten soviel Angst ausgestanden. Wenn er jetzt sagen würde, dass seine Freunde vielleicht weggehen könnten, dann würde Meini auch diesen Gedanken ständig mit sich herumtragen und nie mehr froh werden. Aber auch die Befürchtung, dass seine Freunde einmal weggehen könnten, musste nicht unbedingt eintreten.

„Ein herrlicher Wintertag ist das“, fand Meinis Vater. „Du solltest rausgehen und mit deinen Freunden spielen. Ich dagegen muss mich leider an den Schreibtisch setzen. Es wartet genug Arbeit auf mich, auch ohne das Hotel.“ Meini nickte und zog sich seine warmen Wintersachen an. Auch Schweini bekam seinen kleinen Schal und seine Wintermütze übergezogen. Der Junge nahm sein Sparschwein liebevoll unter den Arm und ging hinaus. Es war Februar und überall lag tiefer Schnee, so dass Meini sein Tretauto in der Garage lassen musste. Aber das machte ihm überhaupt nichts aus. Momentan gab es nichts, was ihm die Laune trüben konnte. Er war hier in Lazy Town, in der Stadt, in der er zur Welt gekommen war, zur Schule ging, seine Freunde kennen gelernt hatte und in der er für immer bleiben wollte. Momentan konnte er sich nicht einmal mehr vorstellen, auch nur für eine Woche in den Urlaub zu fahren. Dafür liebte er diese Stadt zu sehr!
Es ist meine Stadt, dachte Meini bei sich, es ist meine Stadt und das soll auch so bleiben! „AUA!“
Jemand hatte ihn von hinten so hart angestoßen, dass er beinahe der Länge nach in den Schnee gefallen wäre. „Du schon wieder!“, keifte Freddie und sah von seinem Buch auf, in dem er gerade las. Es war übrigens das Buch, was ihm Meini geschenkt hatte: „Die schönsten und ruhigsten Paradiese der Welt.“
„In letzter Zeit sehe ich dich wirklich zu oft!“, meckerte der Fiesling, „Aber das wird sich ändern, weil ich Lazy Town verlassen werde!“
„Du willst was?!“ Meini konnte es kaum glauben.
„Ja, das werde ich! Ich war gerade im Reisebüro und habe einen langen Urlaub gebucht – das heißt, er hätte noch länger werden können, wenn dein Vater mir nicht beinahe mein gesamtes Geld abgeknöpft hätte!“
Meini war erleichtert. „Ach so. Und ich dachte schon...“
„Ohhhh nein“, sagte Freddie und beugte sich zu dem Jungen hinunter, „du glaubst doch nicht, dass ich das Feld räume und Sportahopplahopp die Stadt überlasse? Aber einen Urlaub habe ich bitter nötig. Ich muss neue Kräfte sammeln!“
„Na, dann erhole dich gut!“, sagte Meini. „Du kannst uns ja eine Karte schreiben.“
„Damit ihr wisst wo ich bin und mir Sportadings wohlmöglich hinterher kommt? Ne danke!“
„Dann eben nicht. Mach es gut!“, rief Meini und lief weiter.
„Das werde ich nicht! Wenn, dann mache ich es schlecht, weil ich ein schlechter – ein böser – ein ganz gemeiner...“ Er atmete einmal tief durch. „Ich bin ein ganz gemeiner Schurke, der aber dringend Urlaub benötigt!“ Freddie klemmte sich sein Buch unter den Arm und stapfte durch den tiefen Schnee. Er ging geradewegs auf sein Versteck zu. Meini hielt nach seinen Freunden Ausschau und musste nicht lange suchen. Trixie kam ihm schon entgegen. „Ich wollte dich gerade abholen“, sagte sie, „Sportacus macht mit uns eine Schneeballschlacht und danach bauen wir einen Schneemann. Und vielleicht fällt uns später auch noch etwas anderes ein.“
„Da mache ich doch mit!“, sagte Meini. „Was bin ich froh, dass ich hier bin! Auf der Insel hätte ich zwar viele Sandburgen bauen können, aber niemals einen echten Schneemann!“
„Ich bin auch froh, dass du hier bist“, sagte Trixie und sah ihn ein wenig schüchtern an. „Ach ja, nochmals danke für das Buch. Es hat meinen Eltern sehr gut gefallen und - äh - mir übrigens auch.“
„Das freut mich wirklich.“
„Dann lass uns schnell gehen, bevor sie ohne uns mit der Schneeballschlacht anfangen.“
„Das werden sie nicht“, sagte Meini. „Aber wir beeilen uns trotzdem. Wir müssen nur aufpassen, es könnte glatt sein.“
„Macht nichts, dann rutschen wir eben“, lachte Trixie. „Du kannst dich aber gern an mir festhalten.“ Sie hielt ihm ihre Hand hin und Meini griff danach.
„Du kannst dich aber auch an mir festhalten“, meinte er. „Aber wenn wir beide hinfallen?“ Trixie zuckte mit den Schultern.
„Tja, dann  haben wir eben beide Pech gehabt. Aber das macht nichts, ich helfe dir schon hoch.“
„Und ich dir.“
„Na, dann komm mit!“ Sie zog an seinem Arm und sie liefen los und rutschen auf ihrem Weg über die glatten Eisflächen. Wahre Freunde sind wirklich etwas wunderbares. Sie geben einem Sicherheit, Geborgenheit und Trost. Egal wo man sich befindet, sie sind in Gedanken und im Herzen immer bei dir. Aber am besten ist es doch, wenn man sie ganz nah um sich hat.

ENDE

Lazy Town © by Magnus Scheving
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