Geschichte: Freie Arbeiten / Prosa / Liebe / Young Adult / Mel

 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Mel

von Leda
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama / P18 / MaleSlash
15.01.2009
07.11.2009
31
161.939
58
Alle Kapitel
398 Reviews
Dieses Kapitel
40 Reviews
 
 
15.01.2009 1.508
 
Prolog


Mein Herz schlägt mir immer noch bis zum Hals, als ich in meine Boxershorts steige, wobei ich versuche möglichst leise zu sein. Mel döst auf dem Bett vor sich hin und ich will ihn nicht wecken. Nicht weil ich besonders rücksichtsvoll bin, sondern einfach, weil ich keine Lust habe mir das übliche Drama anzutun.
Er würde mich nur wieder bitten zu bleiben und ich würde wie jedes Mal gehen. Ich mag es nicht, wie er sich an mich klammert. Nicht weil er es ist, sondern weil ich es grundsätzlich nicht ausstehen kann. Ich bin siebzehn, hatte aber noch nie eine Beziehung, dabei hat es mir wirklich nicht an Gelegenheiten gemangelt.

Leise vor mich hin grummelnd ziehe ich meine Jeans an, wobei mein Blick aus Versehen auf das Bett und somit auf Mel fällt. Das hatte ich eigentlich vermeiden wollen.
Wie immer lässt sein Anblick meinen Mund trocken werden und obwohl wir vor nicht mal einer halben Stunde Sex hatten, kann ich dennoch fühlen wie Erregung in mir aufwallt.
Verdammt, warum muss er auch so unwahrscheinlich gut aussehen. Klar wenn er das nicht täte, wäre er mir an erster Stelle wahrscheinlich gar nicht aufgefallen und ich wäre nun nicht hier. Aber trotzdem. Übertrieben ist übertrieben. Er ist einfach perfekt. Von den zierlichen Füßen bis zu seinen blonden Haaren, die selbst noch im halbdunkeln wie Gold schimmern. Seine Lippen sind leicht geöffnet und laden mich richtig dazu ein ins Bett zurück zu kommen, sie zu küssen und dann da weiter zu machen, wo wir aufgrund von Erschöpfung aufgehört haben.

Energisch schüttele ich den Kopf und bücke mich nach meinem Hemd. Als ich es anziehe fällt mir auf das zwei der Knöpfe abgerissen sind und ein weiterer ziemlich locker ist. Typisch Mel. Ich grinse in mich hinein, als ich daran denke wie er regelrecht über mich hergefallen ist und begebe mich dann auf die Suche nach meinen Schuhen.


„Bleibst du über Nacht?“ Vor Schreck lasse ich meinen gerade erst gefundenen Schuh fallen und drehe mich zu Mel um, der mich durch halb geschlossene Augenlider verschlafen anblinzelt.

„Nein“, sage ich, wobei ich kälter klinge als eigentlich beabsichtigt.
„Meine Eltern würden sich nur unnötig wundern wo ich bin“, füge ich noch erklärend hinzu, schließlich will ich ihn ja nicht ganz so hart abfertigen. Auch wenn es nicht den Anschein hat, ich mag Mel. Irgendwie. Er kann echt nett sein, zumindest glaube ich das. Viel reden tun wir nämlich nicht gerade. Meistens haben wir Sex und danach verschwinde ich so schnell wie möglich.

„Du könntest ihnen ja die Wahrheit sagen“, schlägt Mel halbherzig vor. Er versucht seine Stimme scherzhaft klingen zu lassen, doch ganz kann er den vorhandenen Ernst nicht verbergen. Er ist wirklich leicht zu durch schauen, ist er immer schon gewesen. Zumindest für mich.

„Das ich die Dorfschwuchtel ficke?“ Ich lache kurz und hart.
„Wohl kaum.“ Ich bücke mich nach meinem Schuh, um Mels Blick entgehen zu können. Er öffnet den Mund um etwas zu sagen, zuckt dann jedoch nur mit den Schultern und lässt sich wieder auf das Bett zurück sinken.

„Du bist ganz schön frech, Kleiner!“, bemerkt er mit einem Gähnen, wobei er sich lasziv auf den Laken räkelt.
„Ich bin mindestens `ne Kleinstadtschwuchtel.“

Manchen würde das vielleicht schlagfertig erscheinen, ich jedoch kann darüber nur den Kopf schütteln. Ich kann einfach nicht verstehen, wie jemandem sein Ruf so egal sein kann.
Mir persönlich ist es sehr wichtig, was andere von mir sagen und denken, im Gegensatz zu Mel.
Der sieht locker über alles hinweg. Über die Häme und die Verachtung seiner Mitmenschen. Er lacht darüber, wenn ihm jemand auf der Straße, etwas wenig schmeichelhaftes, hinter herruft und mehr als nur einmal hat er dafür schon eine blutige Lippe oder ein blaues Auge kassiert.
Schließlich hat man sich hier bei uns in Oberfeld dafür zu schämen anders zu sein und niemand passt es, dass Mel immer mit hoch erhobenem Kopf durch die Straßen geht.
Manchmal beneide ich ihn darum, dass er so mutig und stolz ist, denn ich weiß genau, dass ich das Leben, welches er führt, keinen Tag ertragen könnte.


Mel unternimmt keine weiteren Versuche mich zum Bleiben zu bewegen und ich bin mehr als nur dankbar dafür. Ich bin oft hier, na ja relativ oft. Aber nur am Tag. Bis jetzt bin ich noch nie über Nacht geblieben und ich habe auch nicht vor damit anzufangen. Das was zwischen Mel und mir ist, ist keine Beziehung und ich will dem Ganzen auch nicht den Anschein geben. Doch vor allem will ich Mel nicht auf dumme Gedanken zu bringen.

Nur mal für das Protokoll. Ich bin schwul, doch das wissen nur zwei Menschen. Ich und jetzt Mel.
Genau genommen ist er derjenige, der mir klar gemacht hat, warum es mir nie Spaß gemacht hat die Mädchen beim Umziehen in der Umkleide zu beobachten oder warum ich auch mit sechzehn bei einem Mädchen noch nie übers Küssen hinaus gekommen war.
Mein erstes Mal hatte ich schließlich erst mit siebzehn, um Längen später als jeder von meinen Freunden und außerdem mit einem Mann. Genau genommen mit Mel.


Ich hab mir nie die Mühe gemacht ihn darüber aufzuklären, dass er der erste war mit dem ich Sex hatte und bislang auch der einzige.
Wer weiß, vielleicht steigt ihm das noch zu Kopf oder er bildet sich am Ende sogar ein ich wäre an mehr interessiert als nur an Sex. Denn eine Beziehung kommt ganz bestimmt nicht in Frage.
Es ist schon schwer genug unsere kleine "Fick-Affäre" geheim zu halten, an eine feste Beziehung ist da gar nicht zu denken. Ich habe mich nämlich bislang noch nicht vor meinen Eltern geoutet und ganz ehrlich, ich habe auch nicht vor das überhaupt jemals zu tun. Wieso auch? Man musste sich das Leben ja wirklich nicht unnötig schwer machen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie mein Vater reagieren würde, wenn er erfahren würde, dass sein einziger Sohn sich eher zu dem eigenen Geschlecht hingezogen fühlt. Wahrscheinlich würde er mich erst verprügeln, dann enterben und zum Schluss film reif auf die Straße setzen, wo ich dann meinen Lebensunterhalt damit verdienen würde meinen Arsch an irgendwelche perversen alten Säcke zu verkaufen.

Ganz ehrlich, da ist mir die Geheimniskrämerei doch lieber. So habe ich zumindest Eltern, die stolz auf mich sind, Freunde und einen hübschen Arsch, den ich jederzeit ficken kann. Was will man denn mehr?


`Es ist besser für das was man ist gehasst, als für das was man nicht ist geliebt zu werden´,
hat Mel einmal zu mir gesagt, als wir in seinem Bett lagen und gerade Kraft für die zweite Runde schöpften. Ich tat einfach so als hätte ich keine Ahnung wovon er redet und küsste ihn, um ihn daran zu hindern weiter zu sprechen. In diesem Augenblick schien mir Verdrängung eben noch die beste Lösung zu sein. Es tat weh darüber nachzudenken.


„Wann kommst du wieder?“, fragt Mel, als ich endlich fertig angezogen bin. Ich will mich einfach nur möglichst schnell verkrümeln, da ich keine Lust auf eine längere Diskussion habe. Wieso fragt er überhaupt? Langsam müsste er die Antwort doch kennen, schließlich gebe ich jedes Mal dieselbe.

„Weiß nicht“, brumme ich und selbst an der Tür, der winzigen Wohnung, kann ich noch Mels Seufzen hören. Vielleicht würde ich Mitleid für ihn empfinden, wenn er nicht so verdammt anstrengend wäre.

„Schön, ruf mich an ja.“ Ich gebe einfach vor ihn nicht gehört zu haben und ziehe mit einem `Rums´ die Haustür hinter mir ins Schloss. `Vielleicht sollte ich besser aufhören hier her zu kommen´, überlege ich, während ich das Haus verlasse und auf die dunkle Straße trete. Irgendwann wird mich noch mal jemand sehen, wie ich aus diesem Haus komme, er wird seine Schlüsse ziehen und mich dann in die Scheiße reiten.

Ok, jetzt bin ich ein bisschen paranoid. In diesem Klotz gibt es mindestens zwei dutzend Wohnungen. Wieso sollte jemand darauf kommen, dass ich ausgerechnet zu Mel gehe? Mal ganz davon abgesehen, das niemand den ich kenne sich in diese Gegend verirren würde.
Ein letztes Mal blicke ich an der Fassade des Hauses, zu den schwach erleuchteten Fenstern, von Mels Wohnung, empor.
Dann stecke ich meine Hände in die Jackentaschen und mache mich auf den Weg zur Bushaltestelle. Ich sollte mich wirklich beeilen, wenn ich noch rechtzeitig zum Abendessen kommen will.


Die Busfahrt ist lang und dröge, ich frage mich nicht zum ersten Mal, warum ich mir das eigentlich antue. Mit dem Rad bräuchte ich bestimmt nicht mal zehn Minuten bis zu Mel. Stattdessen sitze ich in diesem stinkenden, überheizten Bus, der fast eine dreiviertel Stunde durch die Gegend kurvt, ehe er an meiner Haltestelle ankommt.

So bleibt mir viel zu viel Zeit zum Nachdenken und meine Gedanken schweifen zu dem Tag, an dem ich Mel zum ersten Mal begegnet war und das ganze Drama seinen Anfang nahm.




Also gut, das war der ziemlich kurze Prolog meiner ersten Story hier. Die Kapitel werden in der Regel etwas länger werden.
Über Feedback, jeglicher Form würde ich mich freuen, auch gerne Kritik solange sie konstruktiv ist. Liebe Grüße Leda
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast