Operation Santa Claus

von Dunno
GeschichteHumor / P12
Kaname Chidori Sosuke Sagara
14.01.2009
14.01.2009
1
5922
2
Alle Kapitel
9 Reviews
Dieses Kapitel
7 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Full Metal Panic! – Operation Santa Claus

“Was hast du dir nur wieder dabei gedacht?“, fragte sie, ohne sich umzudrehen.

Ihre langen blauen Haare, die kurz vor den Spitzen mit einem roten Band zusammengehalten wurden, wippten hin und her, während sie den Gang entlang ging. Sie hieß Kaname Chidori, war 16 Jahre alt und hatte ein Problem. Dieses lief ihr in diesem Augenblick hinterher und versuchte sich zu erklären.

„Ich hatte eine verdächtige Person an deiner Wohnungstür bemerkt…“, erwiderte er.

Mit seinen kurzen, braunen Haaren, dem stechenden Blick seiner Augen, der kreuzförmigen Narbe an seiner linken Wange und der straffen Haltung sah er nicht ohne Grund martialisch und wie ein Soldat im Einsatz aus. Tatsache war, dass er ein Soldat und im Einsatz war. Obwohl er nur ein Jahr älter war als Kaname, hatte er schon sehr viel erlebt und konnte ohne Zögern als Kriegsveteran eingestuft werden. Als Experte mangelte es ihm an nichts – außer vielleicht an einer Sache.

„Ach, und statt wie ein ganz normaler Mensch einfach hinzugehen und zu fragen, was diese Person dort zu suchen hat, wirfst du eine Blendgranate, drückst die Person zu Boden und bedrohst sie mit deiner Pistole, während du sie verhörst?“

„Genau. So steht es auch im Handbuch.“

„Im Handbuch für geistesgestörte Militärfreaks, oder was?“, fauchte sie ihn an, nachdem sie stehen geblieben war und sich umgedreht hatte. „Außerdem war deine ’verdächtige Person’ bloß der Postbote! Der arme Mann wird wohl den Rest seines Lebens brauchen, um dieses Trauma zu verarbeiten…“, seufzte sie.

„In dem Brief hätte eine giftige Substanz oder gar eine biologische Waffe sein können!“, erklärte er. Kurz darauf traf ihn Kanames berüchtigter weißer Fächer der Bestrafung.

„Vollidiot!“, bellte sie nur, drehte sich wieder um und ging weiter. Sousuke folgte ihr ohne Zögern.

„Morgen beginnen die Winterferien.“, sagte sie plötzlich. „Und du weißt ja bestimmt, was das heißt, oder?“

„Ehrlich gesagt, nein!“, antwortete er direkt.

„24. Dezember. Klingelt da was?“

„Ich kann dir nicht ganz folgen…“,

„Ich geb’s auf…“, seufzte sie und wollte gerade den Klassenraum betreten.

Sousuke schnellte plötzlich auf sie zu, warf sie seitlich zu Boden, wobei er sich schützend über sie beugte, bevor er sich zur Seite abrollte, seine Waffe zog und auf den oberen Türrahmen zielte. Eine Sekunde später wurde er erneut von Kanames Fächer getroffen.

„Bist du noch zu retten? Was sollte das?“, wollte sie umgehend wissen.

„Da hängt ein höchst verdächtiger Gegenstand über der Tür!“, antwortete er. „Könnte ein Auslöser für eine Mine sein oder…“

Und wieder gellte das Knallen des Fächers durch die Gänge.

„Das ist bloß ein Mistelzweig! Der ist völlig harmlos!“, erklärte sie.

„Oft sind es gerade die harmlos wirkenden Gegenstände, vor denen man sich in Acht nehmen sollte.“, widersprach er. „Terroristen sind bekannt für ihre hinterhältigen…

Und schon wieder hatte er sich einen Schlag mit dem weißen Fächer der Bestrafung eingefangen.

„Das tut weh.“, bemerkte er.

„Genau deswegen mache ich das ja!“


### Einige Tage später (24. Dezember) [1210] ###

Es kam nur spärlich Licht durch die dünnen Spalte, die die Vorhänge vor den Fenstern frei ließen. Ein kaum wahrnehmbares Rascheln ging von der Wohnungstür aus. Ansonsten herrschte Totenstille. Selbst der Lärm des Straßenverkehrs, der eigentlich selbst durch die geschlossenen Fenster drang, war in diesem Moment nicht zu hören. Das Schloss klackte.

Wenige Augenblicke später zog Kaname die Vorhänge auf und drehte sich um. Vor ihr lag Sousuke immer noch am Boden und hatte nicht verstanden, warum sie ihn mal wieder mit dem Fächer niedergestreckt hatte.

„Du hast doch nicht im Ernst geglaubt, dass sich hier irgendwelche Terroristen oder was auch immer verschanzt haben könnten und nur darauf gewartet haben, dass jemand unvorsichtig die Tür aufmacht, um über diesen jemand dann herzufallen?!“, sagte sie in einem beängstigend ruhigen Ton.

„Es war so verdächtig still…“

„Verdächtig, verdächtig, verdächtig! Ich kann es nicht mehr hören!“

„Kaname, beruhig dich doch.“, beschwor ein ebenfalls anwesendes Mädchen sie.

Sie war etwas kleiner als Kaname aber genauso alt, hatte zwei braune Zöpfe, die von grünen Bändern zusammengehalten wurden und eine Brille auf. Ihr Name war Kyoko Tokiwa und sie war die beste Freundin von Kaname.

„Ich bin die Ruhe selbst!“, donnerte sie ihr entgegen und lachte anschließend so, wie sie immer lachte, wenn sie offensichtlich gelogen hatte.

„Sicher…“, murmelte Kyoko unhörbar für andere.

„Und hier wollt ihr wirklich Weihnachten feiern? Was soll eigentlich dieser ganze Kram dort?“, fragte ein weiteres Mädchen.

Sie hieß Mizuki Inaba, hatte kurze, etwas wild aussehende orange-braune Haare und konnte durchaus als attraktiv beschrieben werden. Auch sie war im selben Alter wie Kyoko und Kaname und war nach einiger Zeit eine recht gute Freundin der beiden geworden.

„Das ist kein Kram!“, mischte sich nun ein weiterer Junge ein.

Es war Shinji Kazama, ein Klassenkamerad von Sousuke, Kyoko und Kaname. Er war zudem ein guter Freund von Sousuke und ein richtiger Militärfreak. Sein Wissen über Waffen und militärische Fahrzeuge konnten sich locker mit dem von Sousuke messen.

„Das ist…“, wollte er gerade etwas von seinem Wissen preisgeben.

„Offenbar ein sehr großes Funkgerät.“, beendete Kaname seinen Satz und blickte dann zum Besitzer. „Ich hatte dich doch gebeten hier aufzuräumen!“

„Das habe ich doch.“, protestierte Sousuke.

„Und warum stehen da immer noch diese riesige Funkanlage und die ganzen Waffen in der Ecke?“

Die Hälfte des großen Wohnzimmers, das das größte Zimmer der Wohnung darstellte, war ausgefüllt mit einer ganzen Reihe an verschiedensten Waffen plus der dazugehörigen Munition, die in dafür vorgesehenen Kisten auf dem Boden standen. Dazu gesellte sich die große Funkanlage, mit der Sousuke ständig in Kontakt mit Mithril stand, der Geheimorganisation, für die er arbeitete.

„Ähm…zur…Sicherheit…“, zögerte er. Er hatte ein ganz mieses Gefühl.

„Ja, aha, und weiter?“

„…falls…wir…“

„Ich höre.“

„…angegriffen werden.“, sagte er schließlich und schluckte.

„An Weihnachten? Du denkst also, wir könnten, von wem auch immer, angegriffen werden und deswegen hast du noch den ganzen Kram da stehen, richtig?“

Sousuke nickte einfach nur. Kaname lächelte ihn an, was ihn erst recht unruhig machte.

„UND WIE SOLLEN WIR DANN HIER FEIERN, WENN KEIN PLATZ IST?!“, schrie sie, als sie ihm eine Munitionskiste ins Gesicht knallte.


### Eine halbe Stunde später [1240] ###

„Wir gehen jetzt einkaufen und ihr bleibt schön hier und wartet.“, sagte Kaname, als sie alle bei ihrem Apartment angekommen waren.

„Worauf sollen wir warten?“, fragte Sousuke.

Kaname hielt sich die Hand an die Stirn, seufzte und schüttelte den Kopf. Sie hatte mittlerweile genug von ihm. Sie hatte sich zwar schon mehr oder weniger daran gewöhnt, dass er ständig alles auf seine verdrehte Art und Weise machte, aber sie konnte nicht fassen, dass er seine Wohnung in ein Waffendepot verwandelt hatte und das auch noch so kurz vor Weihnachten. Er hatte irgendwas von Rabatt beim Waffenhändler erzählt und geglaubt, das wäre eine vernünftige Entschuldigung dafür.

„Auf den Weihnachtsmann natürlich.“, erwiderte Kaname zum Abschied und verließ die Wohnung mit ihren beiden Freundinnen.

„Wer ist das, dieser Weihnachtsmann, und wann wird er eintreffen?“, wandte sich Sousuke derweil an Shinji.


### Drei Stunden später [1545] ###

„Und, was wirst du Sagara schenken?“, fragte Kyoko neugierig.

„Das siehst du dann schon.“, wich Kaname der Frage aus.

Sie waren nun fast wieder beim Apartmentgebäude angekommen. Sie hatten eine dreistündige Tour durch die Stadt hinter sich und wollten sich jetzt erstmal in Kanames Wohnung aufwärmen. Doch sie konnten nicht ahnen, wie schwierig es werden würde, dieses Ziel zu erreichen.

„Drei Personen an Gebäudefront entdeckt.“

„Sichtkontakt bestätigt. Leite Defensivmaßnahmen ein. Urzu-7 Ende.“

Kaname wollte gerade die Eingangstür des Gebäudes aufschließen, doch aus irgendeinem Grund passte der Schlüssel nicht mehr. Etwas verwirrt versuchte sie einige andere aus, doch ohne Erfolg. Sie bemerkte nun auch den kleinen Bildschirm mit einem Ziffernblock, der neben der Tür angebracht war.

„Was zum…“, murmelte sie und hatte schon so eine Ahnung. „Er wird doch nicht…“

„Was ist los?“, wollte Mizuki wissen.

Doch bevor jemand antworten konnte, erschien auf dem kleinen Bildschirm ein vertrautes Gesicht und schien sie zu mustern. Aus einem für sie nicht nachvollziehbaren Grund sah Sousuke sie ziemlich skeptisch an.

„Um ins Gebäude zu kommen, müsst ihr den korrekten Sicherheitscode eingeben. Alle Versuche, das Sicherheitssystem zu umgehen, sind zwecklos.“, erklärte er.

„Bist du nun völlig durchgedreht?“, fauchte Kaname. „Nun lass mich schon rein, damit ich dich töten kann!“

„Drohungen haben keine Auswirkungen auf das Sicherheitssystem. Bitte gebt den Code ein, dann könnt ihr auch rein.“

„Woher sollen wir den Code für ein System kennen, dass vor drei Stunden noch gar nicht existiert hat?“, stellte Kaname diese durchaus berechtigte Frage.

„Ich gebe zu, dass das Sinn macht…dennoch kann ich euch ohne richtigen Code nicht einlassen. Tut mir leid.“, blieb Sousuke stur.

Der Bildschirm wurde wieder schwarz. Kaname kochte vor Wut. Kyoko und Mizuki konnten es nachvollziehen und versuchten gar nicht erst, sie zu beruhigen, da dies eh sinnlos war. Genauso sinnlos erschien es ihnen, in das Gebäude kommen zu wollen. Irgendwie hatte es Sousuke in den drei Stunden geschafft, die Eingangstür absolut einbruchssicher zu machen. Als sie die Hoffnung schon aufgeben wollten ging der Bildschirm wieder an und zeigte dieses Mal Shinji.

„Ich lass euch rein.“, sagte er nur, bevor das Bild wieder verschwand.

Ein kurzes Summen ertönte und die Tür ließ sich anschließend problemlos öffnen. Endlich waren sie im Gebäude. Doch Kaname ahnte schon, dass dies wohl nicht die einzige Hürde sein würde. Es wunderte sie also nicht, als sie vor ihrer Wohnungstür standen und sich wieder mit einem Sicherheitssystem konfrontiert sahen.

„Es reicht.“, sagte Kaname mit einer Stimme und einem Blick, mit dessen Kombination sie selbst eine Naturgewalt hätte bezwingen können.

Bevor Kyoko und Mizuki wussten, was geschah, hatte Kaname die Wohnung schon gestürmt. Sie überwältigte den überraschten Sousuke und fesselte ihn. Shinji, den er wegen Beihilfe eingesperrt hatte, wurde von ihr befreit.

„So, und nun will ich wissen, was das Ganze sollte?!“, fauchte sie die beiden an.

„Er hat mich gefragt, wer der Weihnachtsmann ist…und da hat er wohl mal wieder etwas falsch verstanden.“, erzählte Shinji.

„Was gibt es denn da falsch zu verstehen?“, wollte Kaname wissen und sah Sousuke an.

„Es stimmt doch, dass dieser legendäre Verbrecher jedes Jahr am gleichen Tag zahllose Einbrüche begeht und doch nie geschnappt wird, oder? Deswegen wollte ich die Sicherheitsmängel dieser Wohnung und dieses Gebäudes auf ein Minimum reduzieren…“, erklärte sich der in einem Kriegsgebiet aufgewachsene Söldner.

„…und deswegen hast du uns da draußen in der Kälte stehen lassen?“

„Ja, weil-“

Der ultimative weiße Fächer der Bestrafung kam mal wieder zum Einsatz. Kaname schlug sogar so fest zu, dass Sousuke, der an einem Stuhl gefesselt war, seitlich umkippte.

„Keiner hilft ihm! Lasst ihn einfach da liegen, damit er über seine Taten nachdenken kann!“, sagte Kaname streng. „So, und nun können wir endlich die Feier vorbereiten.“


### Eine Stunde später [1650] ###

„Ich glaub’ es immer noch nicht…“, murmelte Kaname.

Sie hatten alles vorbereitet. Ein kleiner, künstlicher und geschmückter Weihnachtsbaum stand in einer Ecke des Wohnzimmers. An der Decke und den Fenstern waren bunte Lichterketten angebracht und der Tisch mitten im Raum war auch schon gedeckt. Es passte alles wunderbar, da die Wohnung sowieso westlich eingerichtet war. Nur über eine Sache wunderte sich Kaname noch immer.

„Ist doch schön. Dann haben wir nachher als Krönung sogar ein beschauliches Kaminfeuer.“, sagte Mizuki.

„Aber wie hat er es in drei Stunden geschafft, einen funktionierenden Kamin in den Raum einzubauen?“

„Das musst du ihn wohl selbst fragen.“

Kaname entfesselte den immer noch am Boden liegenden Sousuke und stellt den Stuhl an den Tisch. Danach sah sie ihn an. Er schien sofort zu wissen, was sie wollte.

„Shinji hat mir erzählt, dass dieser Weihnachtsmann genannte Einbrecher meist durch den Kamin in die Wohnung kommt, daher habe ich über einige meiner Kontakte eine Spezialanfertigung angefordert und einbauen lassen, um diesem Verbrecher eine Falle stellen zu…“, war er mitten in der Erklärung.

„Ist gut.“, sagte Kaname. „Da es zur Abwechslung mal etwas Nützliches ist, lass ich dich damit durchkommen. Ach, und noch etwas…“

„Ja?“

„Der Weihnachtsmann ist kein Verbrecher, sondern…“

„Ein Terrorist? Das hatte ich bisher gar nicht in Erwägung gezogen. Hm, dann begeht er also gar kein Diebstahl sondern schmuggelt stattdessen Bomben oder andere tödliche Waffen in unschuldige Haushalte und…“, bevor er zu Ende fantasieren konnte, hatte ihn Kaname mithilfe ihres Fächers gestoppt.

„Es gibt ihn nicht! Das ist nur eine Geschichte für Kinder!“, versuchte sie ihm klar zu machen.

„Aber warum sollte man Kinder damit verängstigen?“

„Du verstehst aber auch gar nichts…“, seufzte sie.

„Hey, schaut mal nach draußen!“, rief Kyoko ihnen zu.

Sie stand mit Mizuki und Shinji an der Glastür, die zum Balkon führte. Alle drei starrten nach draußen. Irgendetwas ging da vor sich. Sousuke eilte zu ihnen, doch er entdeckte nichts Ungewöhnliches.

„Da ist doch nichts. Weder ein feindlicher Arm-Slave*, ein Scharfschütze, noch irgendeine andere Bedrohung.“, sagte er mit einem Hauch von Enttäuschung.
(* = Ein Arm-Slave ist ein durch einen Piloten gesteuerter Mecha)

„Oh, es schneit.“, sagte Kaname überrascht, als sie nach draußen blickte.


### Zwanzig Minuten später [1710] ###

Drei Geschosse, geworfen von drei verschiedenen Personen, schnellten aus drei unterschiedlichen Richtungen auf den einsamen Shinji zu. Er konnte sich noch so gerade retten, doch da traf ihn ein viertes Geschoss.

„Und wieder gewonnen!“, jubelte Kyoko.

„Aber drei gegen einen wird langsam langweilig.“, bemerkte Mizuki.

„Wo steckt nur dieser Sousuke wieder?“, fragte sich Kaname laut.

„So macht eine Schneeballschlacht wirklich keinen Spaß.“, jammerte Shinji. „Kann nicht noch jemand von euch in mein Team kommen?“

Bevor sie antworten konnten, tauchte plötzlich Sousuke aus. Er hatte ein komplettes Wintertarnset an, ein seltsam anmutendes Gerät auf dem Kopf, das wie ein Nachtsichtgerät aussah, aber wohl eher auf Wärmesuche ausgerichtet war, und eine Waffe in der Hand, die an seinen Granatenwerfer erinnerte.

„Sergeant Sousuke Sagara meldet sich bereit für den Kampf!“, bemerkte er.

Alle starrten ihn an und fragten sich, was er nun wieder falsch verstanden hatte. Er sah ganz danach aus, als ob er in einen arktischen Krieg ziehen würde. Oder als ob er im nächsten Moment im Alleingang Moskau stürmen wollte.

„Sousuke?“, wandte sich Kaname an ihn. „Du weiß schon, was eine Schneeballschlacht ist, oder?“

„Positiv.“

„Und was soll dann dieser Aufzug?“

„Der Anzug gewährt optimale Tarnung in beschneitem Gebiet. Durch die Spezialbrille mit Zoom kann ich nicht geblendet werden. Außerdem spüre ich damit deutliche Wärmeunterschiede auf und kann so leichter Feinde ausschalten. Um diese Auszuschalten, habe ich diesen speziell angefertigten Prototyp einer neuartigen Eisgeschoss-Waffe. Schnee kann dafür als Munition genutzt werden.“, erklärte er lang und breit.

„Also wirklich…“, seufzte sie.

„Was genau verstehst du unter Schneeballschlacht?“, fragte Kyoko neugierig nach.

„Schneeballschlacht ist ein Codewort für einen Guerillakampf in Schneelandschaften.“, antwortete er.

„So etwas hatte ich mir schon gedacht.“, murmelte Shinji.

„Nun, wo sind die Feinde, die ich ausschalten soll?“, fragte Sousuke.

„Dafür musst du nur in den Spiegel gucken.“, erwiderte Kaname, bevor sie ihm einen großen Eiszapfen, den sie irgendwo abgebrochen hatte, über den Kopf zog.


### Kurze Zeit später [1720] ###

„Hey, Sagara.“, sprach Shinji ihn flüsternd an.

Sie hatten sich zum Aufwärmen wieder in die Wohnung begeben. Die drei Mädchen waren in der Küche und versuchten wohl etwas Essbares hervorzubringen. Währenddessen saßen Sousuke und Shinji im Wohnzimmer und langweilten sich.

„Hast du ein Geschenk für Kaname besorgt?“, fragte er ihn.

„Wieso das denn?“

Shinji seufzte. „An Weihnachten schenkt man den Menschen, die einem nahe sind, immer etwas!“, erklärte er knapp.

„Ah, jetzt verstehe ich.“, sagte Sousuke. „Das war also der Grund dafür, dass mir dieser Mann in Südafrika auf seinem Sterbebett diese seltsame Kette überreicht hat.“

„Nein...das war bestimmt etwas anderes…“


### Fast eine Stunde später [1810] ###

„Guten Appetit!“, wünschten sich alle, bevor sie sich über das Weihnachtsessen hermachten.

Es war zwar nichts besonderes, aber man sah, dass sich die drei Mädchen Mühe gemacht hatten. Sousuke und Shinji war dies im Grunde egal, denn sie interessierte nur, ob es auch schmeckte. Und das tat es. Besser als erwartet sogar.

Nach dem Essen wurde das Geschirr und die Rest weggeräumt. Während alle ihre Geschenke unter den künstlichen Baum stellten, verschwand Sousuke für eine kurze Zeit. Niemand wusste, wo er  gewesen war, als er wieder kam, aber sie hatten etwas gehört, dass so geklungen hatte, als ob auf dem Dach des Gebäudekomplexes ein Helikopter gelandet wäre.

Schließlich verteilten sie die Geschenke. Die gesamte Bescherung verlief eher ruhig und unspektakulär. Als alles verteilt war, blickten alle zu Sousuke. Die Geschenke, die für ihn gedacht waren, lagen immer noch unberührt unter dem Weihnachtsbaum, während von seinen Geschenken keine Spur zu finden war.

„Und was ist mit dir?“, fragte Mizuki.

„Tut mir wirklich leid. Bis vor einer Stunde habe ich nichts von diesem Ereignis gewusst, daher konnte ich auf die schnelle nur etwas für Chidori besorgen.“, erwiderte er.

„Da bin ich aber mal gespannt.“, murmelte Kaname.

Er verschwand kurz im Flur und kam mit einem ziemlich großen Paket zurück. Wobei man es nicht wirklich als Paket bezeichnen konnte, eher als eine übergroße Metallbox ohne jegliche Verpackung. Er übergab sie Kaname, die über das geringe Gewicht sichtlich erstaunt war.

„Und das ist wirklich für mich?“, fragte sie sicherheitshalber nach.

„Natürlich.“

„Dann werd’ ich mal reinschauen…“, kündigte sie an und stellte die Box auf den Boden.

Sie hatte zwar einige Schwierigkeiten mit dem Öffnen, bekam es aber letztendlich doch noch irgendwie hin. Langsam und voller Spannung hob sie den Deckel und legte ihn beiseite. Jede Menge kleinster Schaumstoffkügelchen versperrten ihr den Blick auf den wahren Inhalt. Sie wühlt ein wenig herum und fand schließlich etwas. Sie hob es heraus und starrte es an. Ihr Blick zeigte, wie irritiert sie war.

„Aber das ist doch…“, sagte sie.

„…eine ganz normale Uniform unserer Schule.“, beendete Kyoko für sie.

„Falsch!“, erwiderte Sousuke. „Dies stammt direkt aus einer experimentellen Reihe neuartiger Schutzkleidung. Diese Schuluniform ist nicht nur kugelsicher, feuerfest, wasserdicht und Strahlen geschützt, sondern auch mit hochmoderner Elektronik ausgestattet, die es dem Träger erlaubt, ohne Handy zu telefonieren, Radio zu empfangen und auch problemlos per integriertem Display aufs Internet zuzugreifen.“

„Unglaublich!“, war alles, was Shinji dazu einfiel.

Auch Kaname und ihre beiden Freundinnen waren ehrlich begeistert. Sie hätten nie gedacht, dass so etwas überhaupt möglich sei und sie fragten sich, wie viel Sousuke wohl dafür ausgegeben haben muss. Es musste ein halbes Vermögen gewesen sein.

„Allerdings…“, wurde er nun etwas leiser.

„Die Sache hat einen Haken, oder?“, erriet Kaname.

„Es ist nicht unbedingt ein Nachteil.“

„Nun sag schon!“, forderte sie.

„Es darf kein anderes Kleidungsstück darunter getragen werden, da es sonst zu statischen Reibungen kommen könnte, die die gesamte Elektronik in Mitleidenschaft ziehen würde, was ungeahnte Konsequenzen haben könnte.“, erklärte er, wobei die Worte so schnell aus seinem Mund kamen, wie Kugeln aus einem Schnellfeuergewehr.

„Und du willst, dass ich damit aber ohne Unterwäsche in die Schule gehe? Wie hast du dir das denn vorgestellt? Ein Windstoß und…“, redete sie wütend auf ihn ein. „Ah, ich hab genug von dir!“

Bevor Sousuke reagieren konnte, war Kaname schon aus der Wohnung gestürmt. Kyoko lief ihr direkt nach, während die anderen in der Wohnung blieben.

„Was hat sie denn?“, fragte Sousuke verwirrt.

„Idiot! Hast du wirklich geglaubt, sie würde sich über so ein Geschenk freuen?“.

„Darum geht es dabei nicht.“

„Ach, und worum dann?“

„Es sollte lediglich ihrem Schutz dienen.“, antwortete er ernsthaft.


### [1835] ###

Kyoko fand Kaname auf einer Stufe im Treppenhaus sitzen. Sie setzte sich zu ihr und blickte sie eine Weile stumm an. Sie erkannte sofort, dass sie nicht wirklich wütend war, sondern vielmehr enttäuscht. Und Kyoko kannte auch den Grund dafür.

„Du weißt doch, wie er ist.“, sagte sie.

„…“

„Er hatte bestimmt gute Absichten.“

„…“

„Äh…ich werd’ ihn einfach zu dir schicken, damit er sich entschuldigen kann…oder so.“, schlug Kyoko vor, als ihr die schlechte Stimmung zu viel wurde.


### Einige Minuten später [1840] ###

„Chidori?“, machte sich Sousuke bemerkbar.

Er stand einige Stufen auf der Treppe höher hinter ihr. Sie saß noch immer so da, wie Kyoko sie dort vorgefunden hatte. Sousuke näherte sich etwas und sprach sie erneut an. Wieder zeigte sie keine Reaktion. Sie hatte offenbar momentan keine Lust, mit ihm zu reden.

Allerdings konnte er sie auch nicht so einfach da sitzen lassen. Mizuki und Kyoko hatten ihm klar gemacht, dass er wieder etwas falsch gemacht hatte. Würde er ohne Kaname in die Wohnung zurückkehren, würde es für ihn die Hölle auf Erden werden. Manchmal hatte er wirklich Angst vor den Schulmädchen, dessen Wesen er zu verstehen aufgegeben hatte.

„Chi…“, wollte er sich gerade wiederholen, als er etwas hörte. „Sie ist eingeschlafen.“, stellte er überrascht fest.


### Weitere Minuten später [1845] ###

„Stimmt ja, sie hat erwähnt, dass sie nicht viel Schlaf gehabt hatte, weil sie sich noch einige Actionfilme angesehen hatte.“, erzählte Kyoko.

Sousuke hatte Kaname zurück in die Wohnung getragen und sie dann in ihr Bett gelegt. Sie schlief seelenruhig. Er hatte zuerst versucht, sie aufzuwecken, doch vergeblich. Selbst die Detonation eines nahen Sprengkörpers hätte sie wahrscheinlich nicht aus diesem Zustand gebracht. Er hätte es beinahe ausprobiert, es dann aber doch lieber gelassen.

„Wir werden dann mal gehen.“, sagte Mizuki nach einer Weile. „Und wage es ja nicht, auch einfach zu gehen! Du bleibst hier, bis sie wieder wach ist und du dich entschuldigt hast!“, fügte sie noch drohend hinzu.

„Jawohl, Ma’am!“, nahm Sousuke den Befehl reflexartig entgegen.


### Zwei Stunden später [2055] ###

Langsam wurde Kaname wach. Zuerst hatte sie keine Ahnung, wo sie war, doch schnell erkannte sie, dass sie in ihrem Schlafzimmer war. Ganz in der Nähe bemerkte sie die Anwesenheit eines gewissen Mitschülers. Er war auf einem Stuhl eingenickt.

Als sie sich aufrichtete, startete plötzlich ein Höllenlärm. Sousuke wurde wach und schaltete den Lärm ab. Er hatte eine Alarmvorrichtung für den Fall eingerichtet, dass Kaname aufwachen würde, er aber aus irgendeinem Grund körperlich oder geistig nicht anwesend wäre.

„Was…ach, vergiss es.“, sagte Kaname, die keine Lust drauf hatte, ihn mal wieder zurechtzuweisen.

„Die anderen sind schon vor einiger Zeit gegangen.“, berichtete er.

„Und warum bist du noch hier?“, fragte sie leicht argwöhnisch.

„Äh…“, zögerte er. „Ich wollte mich entschuldigen.“

„Schon gut. Ich hab’s schon so gut wie vergessen.“, erwiderte sie.

Sie stand auf und verließ das Zimmer. Sousuke folgte ihr, nachdem er sich vergewissert hatte, dass sie ihren Fächer nicht dabei hatte. Er wusste, wann immer sie ihm nicht direkt böse war, würde sie ihn mit einer Attacke überraschen. Doch dieses Mal schien das nicht der Fall zu sein.

Er folgte ihr ins Wohnzimmer. Der künstliche Weihnachtsbaum leuchtete rötlich im flackernden Licht des Kaminfeuers. Durch die große Glasbalkontür glitzerte der fallende Schnee im blassen Mondlicht. Der ganze Raum war von einer winterlichen und weihnachtlichen Stimmung überflutet, dessen Intensität schon an ein Märchen grenzte.

Kaname hockte sich vor den Kamin hin und wärmte sich an dem Feuer. Es kam ihr immer noch etwas seltsam vor, dass sie nun plötzlich so etwas in der Wohnung hatte. Sousuke blieb einige Schritte hinter ihr stehen und sah ins Feuer. Auch er konnte sich der Stimmung, die den ganzen Raum bedeckte, nicht gänzlich entziehen.

„Danke.“, sagte Kaname plötzlich und blickte ihn über ihre Schulter hinweg an.

„Wofür?“

„Für den Kamin.“

„Aber…“

„Ich weiß, trotzdem danke.“, unterbrach sie ihn und wand sich wieder dem Kaminfeuer zu.

Einige Minuten verstrichen ohne dass etwas passierte. Es war, als ob beide einfach nur erstarrt wären. Schließlich machte Sousuke einige Schritte nach vorne, bis er neben Kaname stand. Diese bemerkte es, reagierte jedoch nicht.

„Danke.“, sagte er nun und blickte ein wenig verlegen zur Seite.

„Wofür?“

„Für den Tag.“

„Also hat es dir gefallen?“, fragte sie.

„Ja.“, antwortete er ehrlich. „Ich verstehe nun, warum Zivilisten dieses Weihnachten so gerne feiern.“

„Du wirst dich wohl nie ändern.“, sagte Kaname, stand auf und sah ihn etwas belustigt an.

Die Blicke der beiden trafen sich. Für einen Moment sahen sie sich einfach nur an. Das Kaminfeuer knisterte. Kaname bemerkte plötzlich, dass etwas über dem Kamin angebracht war. Es überraschte sie etwas, allerdings war die Situation geradezu perfekt dafür.

„Da hängt ja ein Mistelzweig.“, bemerkte sie.

„Korrekt.“, erwiderte Sousuke. „In westlichen Staaten wie der USA küssen sich Menschen zur Weihnachtszeit, wenn sie unter einem Mistelzweig stehen.“

„…“ Kaname starrte ihn überrascht an. „Woher weißt du das?“

„Aufgrund meiner Fehleinschätzung in der Schule vor einiger Zeit habe ich einige Recherchen diesbezüglich angestellt. Ich darf schließlich nicht nachlässig sein, wenn es um deinen Schutz geht.“

„Weißt du denn auch, dass dieser Brauch durchaus auch hier in Japan praktiziert wird?“

„…“ Nun war Sousuke überrascht.

Stille kam auf und die beiden sahen sich nur an. Doch die leicht unangenehme Stille konnte der nun aufkommenden romantischen Stimmung nicht standhalten. Die beiden Schüler kamen sich näher. Sie hatten das Gefühl, je näher sie einander kamen, umso langsamer verging die Zeit und umso schwieriger wurde es, noch näher zu rücken. Es war, als ob sie beide in einer Art Traum gefangen waren, der die Sinne beeinträchtigte.

Sie waren fast so weit. Nicht mehr viel fehlte und ihre Lippen würden sich berühren. Es wäre der erste Schritt in eine Beziehung, die sich schon lange vorher angedeutet hatte. Doch meist hatten seine Unerfahrenheit in Bezug auf Frauen und ihre Sturheit dafür gesorgt, dass jegliche Annäherung im Keim erstickt wurde. Nun aber schien es endlich so weit zu sein.

Sousuke legte seine Hände behutsam auf ihre Schultern. Kanames Puls raste wie verrückt. Aber auch Sousuke war deutlich angespannt. Er hatte zwar schon öfter dem Tod ins Gesicht gesehen und viele aufregende Situationen erlebt, aber sein Herz hatte noch nie derartig laut gepocht wie in der aktuellen Lage.

Ihre Gesichter bewegten sich wie in Zeitlupe aufeinander zu. Beiden war unglaublich warm, was aber wohl weniger an der Nähe zum Feuer als an der Situation selbst lag. Sousuke begann zu verstehen, welchen Wert ein Kuss hatte. Er hatte es vorher immer als belanglos angesehen und seine Nützlichkeit nur in Bezug auf CPR (Wiederbelebung) verstanden. Nun aber war er kurz davor zu entdecken, was wirklich dahinter steckte.

Nur noch wenige Zentimeter trennten sie voneinander. Sousuke bewegte seinen Kopf noch etwas nach vorne, als plötzlich ein Geräusch ertönte. Für einen kurzen Moment hörten beide einen deutlichen Piepston.

„Was ist das?“, wollte Kaname gerade fragen, als sie ein gleißender Blitz blendete.


###

Als sie wieder etwas sehen konnte, bemerkte sie, dass Sousuke gerade dabei war, die Überreste des Mistelzweigs aufzusammeln. Ein vertrautes Gefühl machte sich bei ihr breit.

„Was war das?“, knurrte sie förmlich.

„Eine hochpräzise Blendgranate. Es war ein Prototyp, den ich nach dem Vorbild heimtückischer Terroristen entworfen habe. Die Idee dazu hatte ich vor einigen Tagen.“, antwortete er. „Ich habe es allerdings nicht angebracht, daher habe ich es auch nicht erkannt.“

„Dann hat es wohl jemand gefunden…Wie konntest du so ein Teil einfach so herumliegen lassen?!“, warf sie ihm Fahrlässigkeit vor.

„Es tut mir leid.“

„Passiert ist passiert.“, war sie überraschend gnädig mit ihm.

„Wollen wir dort weitermachen, wo wir aufgehört haben?“, fragte er plötzlich.

Kaname wurde vor Verlegenheit rot. Sie wusste natürlich, in welcher Situation sie sich noch vor wenigen Augenblicken mit ihm befunden hatte, aber nun war ihr das einfach nur peinlich.

„Ich…ich weiß nicht, wovon du redest.“, erwiderte sie und wich seinem Blick aus.

„Aber…“

„Vergiss es einfach!“

„Okay…“

Sousuke verstand nur Bahnhof. Weder wusste er, warum sich Kaname nun plötzlich so seltsam verhielt, noch wusste er, warum sie nicht wollte, dass er sie daran erinnerte, was kurz vor dem Zwischenfall passiert war oder vielmehr was hätte passieren sollen. Es war ihm ein Rätsel. Eines, das er unmöglich lösen konnte.

Nun entstand eine sehr unangenehme Stille, während sich die beiden einfach nur gegenüber saßen. Es gab kein Thema, einfach nichts, worüber sich die beiden unterhalten konnten. Die komplette romantische Stimmung war mit der Blendgranate verschwunden und auch die weihnachtlich-winterliche Stimmung hatte sich aus dem Staub gemacht.

„Wollen wir…“, unterbrach Kaname die Stille. „Wollen wir uns an Sylvester das Feuerwerk gemeinsam ansehen?“

„Gerne.“, erwiderte Sousuke, der sie nun noch weniger verstand. „Aber was ist Sylvester?“



Status der Operation: -ABGESCHLOSSEN-
Copyright 2009 by Dunno
Review schreiben