An Tagen wie diesen

von Keyla
GeschichteAbenteuer / P12
Iceman / Roberto "Bobby" Drake Rogue / Mary D'Arcanto Shadowcat / Kathrin "Kitty" Pryde Storm / Ororo Munroe Wolverine
07.01.2009
28.02.2010
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Titel: An Tagen wie diesen
Autor: Keyla
Anmerkung: Die Idee sitzt mir seit einigen Wochen im Kopf und hat langsam Gestalt angenommen.
Disclaimer: Mir gehört nix...

Vita

Mein Name ist Vita. Ein komischer Name, nicht? Es ist auch nicht mein richtiger Name. Ich gab ihn mir selber. Eigentlich heiße ich Kate. Meinen Nachnamen werde ich euch nicht nennen. Es wäre zu gefährlich und ich weiß schließlich nicht, wo ihr steht. Auf der Seite der Menschen oder auf unserer Seite. Auf der Seite der Mutanten.
Eigentlich war ich früher mal ein ganz normales Mädchen. Jedenfalls bis kurz nach meinem zwölften Geburtstag. Denn ab da begann ein grausamer und realer Albtraum.

Ich war glücklich. Insgesamt hatte ich fünfzig Dollar geschenkt bekommen, dazu mein erstes Handy und ein paar Bücher. Das Handy sollte vor allem für Notfälle sein, doch ich hatte schon die Nummer meiner besten Freundin eingespeichert und wir schrieben uns begeistert SMS’, obwohl wir nur wenige Blöcke voneinander entfernt wohnten.
Jedenfalls spielte ich gerade im Garten mit meinem kleinen Bruder Ritter. Nun ja, eigentlich bin ich dafür doch etwas zu alt gewesen, aber wenn Benjamin mich mit diesen Augen ansieht, kann ich nicht nein sagen.
Er hatte es gerade geschafft mir seinen Stock in den Bauch zu rammen und ich war ergebend auf die Knie gefallen und hatte spielerisch um Gnade gebeten. Plötzlich machte es Boff. Ich blickte auf und sah noch, wie ein kleiner Vogel vom Dach stürzte und auf die Fliesen unserer Terrasse fiel. Klatsch.
„Kate, der Vogel hat sich wehgetan“, sagte Benjamin, der zu dem Vogel gerannt war. „Und er rührt sich nicht mehr.“
„Geh rein und hol einen Verband. Wahrscheinlich ist er nur bewusstlos“, meinte ich und mein kleiner Bruder rannte los.
Der Vogel war tot. Ohne Zweifel. Doch Benjamin war grade mal fünf Jahre alt und noch zu klein, um zu verstehen, dass es etwas Normales war, wenn kleine Vögel von großen Vögeln angegriffen werden. Eine klaffende Wunde hatte den rechten Flügel fast komplett abgerissen. Eine Wunde, die eindeutig von einem Raubvogel stammte.
Vorsichtig hob ich den armen Vogel auf. Kurz blickte ich zur Seite, als Benjamin aus der Tür gerannt kam, in der rechten Hand Moms Erste-Hilfe-Paket.
„Du hattest ja recht!“, rief er. Fragend sah ich ihn an. „Na guck doch! Er hüpft ja schon wieder.“
Verwirrt sah ich auf meine Hände und tatsächlich! Der Vogel lebte. Er sprang auf meinen beiden Händen, plusterte sein Gefieder auf und breitete beide Flügel aus. Und – ich schwöre, dass das die Wahrheit ist – flog davon, als wäre nie etwas passiert.
Ich konnte mir das nicht erklären. Hatte ich mich verguckt? War der Vogel tatsächlich nur benommen gewesen? Ich wusste es nicht. Und als Benjamin davon dann beim Abendessen erzählte, erwähnte ich die Wunde mit keinem Wort.
Das nächste Mal, wo es passierte, war bei meinem Dad in der Tierarztpraxis. Jeden Freitag komme ich nach der Schule zu ihm, weil Mom dann nicht da ist und ich nicht alleine zu Hause sein darf. Das war schon seit dem zweiten Schuljahr so und ich genoss die Zeit bei meinem Dad und half immer wieder bei Kleinigkeiten aus.
So auch an diesem Freitag. Vier der sechs Arzthelferinnen waren krank oder hatten Urlaub. Eine saß an der Empfangstheke und die andere half Dads Kollegen.
„Halt ihn mal ruhig“, sagte Dad, während er eine Spritze auffüllte.
Der Hund, den wir auf dem Behandlungstisch liegen hatten, war von einem Auto angefahren worden und hatte einen angebrochenen Knochen davongetragen. Damit er, während Dad das Bein schiente, sich nicht bewegte, bekam er etwas Beruhigungsmittel.
Fünf Minuten später sah Dad noch einmal kurz zu dem Röntgenbild und machte sich dann daran, den Teilbruch am Vorderlauf ausfindig zu machen.
„Was…?“, sagte Dad und guckte erstaunt zu dem Hund. „Seltsam, ich bin wir sicher, dass es sich um den rechten Lauf gehandelt hat.“ Er zuckte mit den Schultern und drehte mit mir vorsichtig den Hund auf die andere Seite, doch auch dort befand sich der Bruch nicht.
„Das ist doch total verrückt“, sagte Dad am Abend. „Auf dem Röntgenbild war eindeutig ein Teilbruch zu sehen und zehn Minuten später ist er weg. Niemand konnte sich das erklären. Roger – so heißt der Hund – lief ausgelassen durch die Praxis, als wäre nichts passiert.
„Vielleicht war ja das Röntgengerät kaputt“, meinte Mom und schob sein eine Gabel voller Kartoffelbrei in den Mund.
„Das haben wir sofort überprüfen lassen, doch nichts. Die Maschine war vollkommen in Ordnung. Es gab keinen Kurzschluss oder irgendeinen Fehler“, erklärte er.
Ich erinnerte mich wieder an den Vorfall mit dem Vogel und mich beschlich ein unheimliches Gefühl. Noch häufig kamen solche Fälle in der Tierpraxis vor und mit jedem Mal wurde mir bewusster, dass ich es war. Ich begann, in meiner Freizeit Insekte zu verletzen und nachdem ich es ein paar Sekunden in der Hand gehalten hatte, war es wieder gesund. Der Flügel, das Bein war nachgewachsen und das Tier flog oder lief weg, als wäre nichts geschehen. Genauso war es mit Pflanzen. Ich konnte eine Blume ausreißen und mit ein klein wenig Konzentration sprossen unten am Stiel Wurzeln.
Einige Monate nach dem Vogelvorfall hörte ich zum ersten Mal von so genanten Mutanten, die verschiedene, übermenschliche Fähigkeiten entwickelten. Es kam in den Nachrichten, in Dokumentationen, in Talkshows.
Abends lag ich im Bett und fragte mich immer wieder warum. Warum? Warum? WARUM? Ich wollte wie jedes normale Mädchen leben und nicht wie irgendeine Figur aus einem unrealem Irrencomic. Ich wollte keine Fähigkeiten, die mich zu einer von denen machte. Ich hasste sie. Und gleichzeitig hasste ich auch mich. Meine Eltern, meine Verwandten, meine Nachbarn, meine Freunde, sie alle hassten diese seltsamen Mutanten. Und jedes Mal, wenn sie dieses Wort aussprachen, klang es wie ein Fluch.
Würden sie je erfahren, dass ich zu denen gehörte, dass auch ich ein Mutant bin, sie würden… Ja, was würden sie tun? Mich bei ihnen behalten, es vielleicht akzeptieren? Oder mich verjagen und verfolgen? Mich vielleicht der Regierung ausliefern, damit die mit mir Experimente machen konnten?
Ich hatte Angst. Geradezu Panik. Und so beschloss ich, diese Fähigkeit zu verdrängen, sie zu verstecken und niemals zu erwähnen oder zu zeigen.
Und dies hielt ich mehr als drei Monate durch.
Doch dann musste dieser dumme Autounfall passieren. An diesem wundervollen Samstagnachmittag, nach einem gemütlichen Picknick mit meiner Familie im Stadtpark. Gerade waren noch einige Autos ruhig an der Ampel vorbeigefahren, als wir Reifenquietschen hörten. Dann brauste er um die Ecke. Mit hundert Sachen fuhr er dem Wagen hinten hinein, der gerade an der roten Ampel gehalten hatte. Alles ging unglaublich schnell, doch erschien es für mich wie in Zeitlupe.
CRASH! Das Blech wurde eingedrückt. KLIRR! Die Scheiben zersprangen. Und durch den Aufprall wurde das vordere Fahrzeug in den fließenden Verkehr gestoßen. QIETSCH! Vollbremsungen und hastige Ausweichmanöver. BUMM! KRACH! Ba-BUMM! Der Wagen wurde gestreift, herumgeschleudert und überschlug sich einige Male, bis es auf der gegenüberliegenden Seite liegen blieb.
Jetzt, wo der Verkehr zum Erliegen gekommen war, hörte ich Schreie. Schreie, die durch Mark und Bein gingen. Ich drehte mich zu Mom um, die Benjamin an ihren Körper gepresst hielt und weinend versuchte seine Ohren zuzuhalten. Dad tippte hastig auf sein Handy ein. Überall standen Leute rum, sahen aus Fenstern, kamen aus Läden gerannt. Einige fotografierten oder filmten diese Szenerie. Keiner half dem Mann in dem Auto, das auf dem Dach lag. Ich konnte eine Hand sehen, die schlaff aus dem zersplitterten Seitenfenster hing. Warum half niemand? Er könnte gerettet werden!
„Dad! Hilf ihm!“, rief ich hysterisch. Doch irgendwie hörte er nicht. Er sprach immer noch schnell ins Telefon. „Daddy! Nun mach schon!“ Er schüttelte kurz den Kopf.
Warum ich das, was ich als nächstes tat, gemacht habe, weiß ich nicht? Vielleicht wollte ich nicht, dass hier vor den Augen meiner Familie ein Mann starb. Vielleicht hatte ich Mitleid. Ich wusste nur, dass ich die Fähigkeit besaß, diesem Mann da im Auto zu helfen.
Ich rannte los. Erst nachdem ich die Hälfte der Strecke hinter mich gebracht hatte, bemerkten es Mom und Dad.
„Kate! Komm zurück! Katie!“, rief Mom ängstlich.
„Was? Wie? Kate! Nein, nicht!“, schrie Dad.
Doch ich hörte nicht auf sie. Als ich neben dem Auto angekommen war, kniete mich hin. Der Mann hing kopfüber in seinem Anschnallgurt. In seinem Gesicht war überall Blut. Auch an den Händen. Ich griff durch das Fenster, wobei ich den Körper des Mannes streifte. Mit der Fingerspitze erreichte ich die Schnalle und drückte drauf. In dem Moment zog mich eine kräftige Hand aus dem Auto raus.
„Katie! Was machst du da?“, fragte mein Dad halb wütend, halb besorgt.
„Ihm helfen! Los zieh ihn raus!“, rief ich wütend.
Dad überwand sich und zog den Blut überströmten Körper heraus. „Kate, geh zu Mom! Ich will nicht, dass du das mit…“ Er verstummte. Kaum dass er ihn auf dem Asphalt liegen hatte, presste ich meine Hände auf seine Brust und versuchte mich zu konzentrieren. Die kleinen Wunden der Insekten waren ein Klacks für mich gewesen, doch dieser Mann war so gut wie tot.
Wieder zerrte Dad an meiner Schulter und für einen Moment verlor ich den Kontakt zum Körper.
„Kate! Was machst denn da?“ Mein Dad klang hysterisch. Etwas, das ich bei ihm noch nie vorher erlebt hatte.
„Ihn retten“, presste ich zwischen den Zähnen hervor und drückte meine Handflächen wieder auf die Brust. Dad zog an mir, doch ich wehrte mich so gut es ging. Dann packte er mich an der Hüfte und schaffte es, mich vom Körper wegzuziehen.
„Nein! Dad, lass mich los!“, schrie ich wütend und schlug um mich. Und tatsächlich ließ er mich los. Denn der Mann, der dem Sterben nahe gewesen war, hatte sich aufgesetzt. Die klaffende Wunde an seinem Kopf war weg und nur das Blut zeugte noch davon, dass da eine Wunde gewesen war. Verwirrt blickte er mich um.
Ich rappelte mich auf und sah zu Mom. Mit weit aufgerissenen Augen sah sie immer wieder von mir zu dem Mann und zurück.
„Mom“, rief ich und rannte auf sie zu. „Ich wollte es…“
„Geh weg! Rühr mich nicht an“, schrie sie hysterisch und presste Benjamin so fest an sich, dass er aufheulte. „Nein! Nicht meine Tochter! Sie haben meine Tochter zu einem Monster gemacht!“
Ich war entsetzt. Mom hielt mich für ein Monster? Hatte ich gerade nicht dem Mann das Leben gerettet? War ich jetzt nicht eine Heldin?
Ich trat näher zu ihr, doch Mom wich immer weiter zurück. Zwei Männer packten mich. „Ein Mutant!“, rief der eine.
„Lasst mich los!“ Ich strampelte wütend und ängstlich. Plötzlich geschah etwas Unheimliches. Die beiden Männer begannen zu röcheln, ihr Gesicht wurde weiß und ihre Lippen blau. Sie ließen mich fallen und endlich bekamen sie wieder Luft.
Ich weiß nicht, was danach dort passiert ist. Ich bin jedenfalls gerannt. Nach Hause, wo ich meinen Rucksack mit Kleidung und anderen Dingen füllte. Einen zweiten bepackte ich mit Essen und einigen Flaschen. Dann rannte ich ins Esszimmer, schmetterte das Besteck aus der Schublade und öffnete ein geheimes Fach, in dem etliche Geldscheine lagen. Die eiserne Notreserve.
Mit dem Fahrrad fuhr ich zum Bahnhof, wo ich den erstbesten Zug nahm und weg fuhr. Ich war nicht mehr willkommen. Alle würden Angst vor mir haben. Denn ich hatte eine zweite Fähigkeit. Ich konnte töten.


@all: Dies ist mein erster Entwurf und ich würde mich freuen, wenn ich mir schreibt, ob es euch gefallen hat oder nicht, ob ihr gewisse Dinge verbessern oder auslassen würdet.
PS: Anonyme Reviews sind auch erlaubt ;)
LG Eure Keyla
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