When you're gone

GeschichteDrama / P6
Coreen Fennel Henry Fitzroy Mike Celluci Vicki Nelson
06.01.2009
01.03.2009
5
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„Privatdetektei Viktoria Nelson“
Vor dem Schild, mit der ihm nur allzu bekannten Inschrift, hielt Henry inne. Sein Hand , die er tief in seiner Manteltasche verbarg, zuckte bereits, um mit dem Finger die Letter nachzuzeichen. Doch erlaubte er sich diese Gefühls – Duselei nicht. Kopfschüttelnd trat er einen Schritt zurück und ließ seinen Blick die Fassade des alten Gebäudes hinauf wandern. Im Büro brannte noch Licht.
Beinahe wünschte er sich dem wäre nicht so. Bei dem Gedanken an das bevor stehende zog sich sein untotes Herz zusammen. Es war schon Jahrzehnte her, dass er so empfunden hatte, aber nach so langer Zeit hatte der Schmerz sich nicht verändert. Noch immer war er unerbittlich und schneidend. Seine Füße gehorchten ihm nur widerwillig, als er sich auf die Tür zu bewegte. Vor der massiven Holztür der Detektei selbst hielt er erneut inne.
Er könnte einfach gehen. Ohne ein Wort. Das wäre sicherlich der einfachere Weg, aber wäre er wirklich schmerzloser?
Seufzend trat er ein. Coreen, die wie immer an ihrem schmalen Schreibtisch im Vorzimmer saß blickt vom Bildschirm ihres Computers zu ihm auf. „Henry!“
Ein erfreutes Lächeln erhellte ihr Gesicht, welches er aus Gewohnheit heraus erwiderte. „Hi. Ist Vicky in ihrem Büro?“
„Wo sollte sie sonst sein?“, lachte Coreen, während sie nach einer Schachtel mit gebratenen Nudeln auf der Ecke ihres Arbeitsplatzes griff. „Hast du wirklich geglaubt, sie würde vor Mitternacht Feierabend machen?“
Lächelnd schüttelte Henry den Kopf. Diese Szene ... so vertraut.
„Aber pass auf, was du sagst. Sie hat schrecklich schlechte Laune.“
„Wegen einem Fall?“, erkundigte er sich, wobei er seinen Mantel öffnete. Coreen folgte der Bewegung seiner Finger und hielt in der Bewegung, eine Portion Nudeln in ihren stark geschminkten Mund zu schieben inne. „Uhm .. ja. Nicht nur wegen einem.“
Sie riss sich von dem Anblick los und starrte stattdessen in ihre halb leere Packung, als sie weiter sprach. „ Wie es aussieht haben die Menschen in Toronto nichts besseres mehr zu tun, als sich gegenseitig beschatten zu lassen.“
Henrys Lippen verzogen sich zu einem Schmunzeln, wusste er doch nur zu genau, wie sehr Vicky diese Art von Arbeit hasste. Viel zu unterfordernd. Doch, da sie das Geld für Miete und andere Rechnungen brauchte, konnte sie es sich nicht leisten Aufträge ab zu lehnen. Er hatte ihr Angeboten sie finanziell zu unterstützen, aber darauf hin hatte sie nur geschnaubt und gemeint es wäre Unterstützung genug, dass er für seine Hilfe bei den Fällen keinen Lohn verlangte.
Der Gedanke an ihre gemeinsamen Fälle jedoch ließ sein Schmunzeln ersterben und versetzte seinem Herzen einen tiefen Stich. Mit einem kurzen Nicken in Coreens Richtung trat er zur Tür des eigentlichen Büros. Wie immer machte er sich nicht die Mühe anzuklopfen, sondern betrat unaufgefordert den Raum.
Ebenfalls wie gewohnt, saß Vicky über ein Dokument gebeugt an ihrem Schreibtisch, die Haare zu einem strengen Zopf zusammen gefasst, ihre Brille auf der Nase. Sie blickte nicht auf, als er ein trat, denn außer ihm und Mike gab es niemanden, der dreist genug wäre ihre Arbeit zu stören.
„Ein neuer Fall?“, fragte Henry höflich, als er mit vampirischer Geschwindigkeit hinter ihr auftauchte. Mit dem Vorwand etwas sehen zu wollen, beugte er sich über sie. Doch ehe er den Duft ihrer Haare inhalieren konnte, drehte sie sich auf ihrem Stuhl zu ihm um, dass er zurück weichen musste.
„Ich hoffe du hast etwas interessanteres mitgebracht, als die Beschattung einer vermeindlich fremdgehenden Ehefrau“, bat sie, statt eine Antwort zu geben, wobei sie ihre Brille abnahm und sich die Augen rieb.
„Außer mir selbst?“ Henry warf ihr ein selbstsicheres Lächeln zu. „Nein, tut mir Leid, mit einem Fall kann ich dir nicht dienen. Aber da gibt es noch so viel anderes ....“
Er beugte sich vor, stütze die Hände rechts und links von ihr am Schreibtisch ab, bis sein Gesicht nur Zentimeter von ihrem entfernt war. Mit gewohnt ernster Miene erwiderte sie seinen Blick, doch in ihren Augen funkelte ein Lächeln.
„Wirklich?“, flüsterte sie. „Ich wünschte eine dieser „anderen“ Sachen  wäre ein heißer Kaffee.“
Henrys Lächeln wurde noch etwas breiter. „Für diese Bedürfnisse ist Coreen zuständig ... ich dachte da eher an die anderen Bedürfnisse ...“ Mittlerweile trennten nur Zentimeter ihre Lippen von einander. Sein Atem strich über ihre Wange, sein Blick hielt ihren gefangen.
„Also, wenn es darum geht ...“ Vicky senkte die Lider, so dass ihre dichten Wimpern Schatten auf ihre Wangen warfen. „ ... muss ich leider ablehnen.“
Sanft aber bestimmt schob sie ihn von sich, um aufzustehen. Seufzend ließ Henry es geschehen, obwohl der Vampir in seinem Inneren forderte sie zu halten. Er konnte ihren Herzschlag hören, der sich bei seinen Berührungen wesentlich verändert hatte. War gestolpert, dann schneller geworden. Ihre Augen sagten ihm, dass sie alles andere als abgeneigt war einen Kuss, eine Berührung von ihm zu kosten. Doch Vicky wäre nicht Vicky, wenn sie so leicht nach gegeben hätte.
Lässig lehnte er sich an das Regal in seinem Rücken, während er beobachtete, wie Vicky eine Akte zurück in den Schrank tat. „Also? Woran arbeitest du gerade?“
Seine Frage war mehr aus Höflichkeit gestellt, denn er wusste, wie gut es ihr tat, sich über ihre Arbeit auszulassen. Außerdem konnte er es so hinaus zögern, Zeit schinden. Aufgebracht wandte Vicky sich zu ihm um. „Als hätte Coreen dir das nicht bereits erzählt!“
Mit unschuldigem Lächeln zuckte Henry mit den Schultern. „Sie erwähnte lediglich du hättest jemanden zu beschatten.“
„Entweder wollen diese Männer ihre Frauen los werden, damit sie selbst mit der Blondine davon kommen oder aber, sie sind bermanent eifersüchtig. Meine Frau trifft sich alle zwei Tage mit ihrer Freundin, das kann nicht normal sein“, zitierte sie einen ihrer Kunden, wobei sie wild gestikulierte. „verbringen diese Männer überhaupt Zeit mit ihren Frauen?“
Henry musste zugeben, dass die folgenden Worte ungehört verklangen, als er sich ganz auf ihre Bewegungen konzentrierte. Der Schwung ihrer Hüfte, wenn sie auf und ab lief, die schlanken Hände, die durch die Luft flogen, ehe sie sich vorwurfsvoll in ihre schmale Taille stemmten. Er lauschte dem Rauschen ihres Blutes, welches nun vor Wut rasend schnell durch ihre Adern gepumpt wurde. Durch die Bewegung wurde auch ihr Duft zu ihm getragen. Ein Gemisch aus weiblichen Gerüchen, die er genussvoll inhalierte.
„Aber du bist nicht hier, um mich nach meinen Fällen zu fragen.“ Es war eine Feststellung, keine Frage. Unbemerkt zuckte Henry zusammen. Um dies zu kaschieren lächelte er, was jedoch selbst ihm aufgesetzt erschien. „Kann ich nicht einfach mal rein schauen?“
„Das tust du, aber heute bist nicht nur „einfach so“ da.“
Ihre Stimme hatte eine seltene Sanftheit angenommen, doch ihr Blick blieb auffordernd. Nervös wich Henry ihrem Blick aus. „Ich wollte mit dir reden.“
Anscheinend beunruhigte dies Vicky in keinster Weise, denn sie griff bereits nach einer neuen Akte, die sie zielsicher aus dem Schrank zog. Das sie den Blickkontakt gelöst hatte, machte es ihm einfach er weiter zu sprechen.
„Ich werde umziehen müssen.“
Mit zusammen gezogenen Brauen wandte sie sich zu ihm um, sah ihn jedoch nicht direkt an. Sie schwieg, in einer stummen Aufforderung er solle fort fahren. „Ich lebe seit 30 Jahren in Toronto“, erklärte er mit gedämpfter Stimme, als daraufhin noch immer keine Reaktion von Vicky kam, setzte er hinzu: „ Ich kann hier nicht bleiben.“
Nun blickte sie doch zu ihm auf, aber nichts in ihrem Gesicht verriet im geringsten, was sie dachte. Ihr Blick war ernst, ebenso ihre Züge. „ Ich werde Toronto verlassen müssen. Das beste wird es sein ... wenn ich Europa oder Asien gehe.“
Flehentlich sah er sie an. Zeig mir eine Reaktion! Vicky, zeig mir, dass es dir nicht egal ist!, bat er innerlich, doch seine Lippen blieben verschlossen. Nicht einmal ihr Körper verriet sie. War es eine Maske? Oder lag wirklich nichts dahinter?
„Es wird zu riskant für dich?“
Selbst ihre Stimme blieb neutral. Etwas schien Henry die Luft abzuschnüren. Eine Empfindung, die er verloren geglaubt hatte. „Ja. Die Leute werden bereits misstrauisch. Ich muss gehen, ehe sie etwas weitaus verdächtiges finden können.“
Vicky nickte verstehend. Wandte sich dann an den Schreibtisch, auf dem sie die Akte ablegte und aufschlug. „Das ist wirklich ... schade. Dann muss ich mir wohl einen neuen Partner im Kampf gegen das Übernatürliche suchen“, meinte sie sarkastisch, als sie sich über das Dokument beugte. Sie kniff die Augen zusammen, um etwas lesen zu können, war jedoch gezwungen nach ihrer Brille zu greifen. Da war etwas gewesen. In ihrer Stimme hatte ein bitterer Unterton gelegen ... oder hatte er sich diesen vielleicht nur herbei gehofft.
„Dann hast du mir nichts mehr zum Abschied zu sagen?“
Die Brille in der Hand, drehte sie sich erneut zu ihm um. Der Ausdruck ihrer Augen wirkte beinahe überrascht, als wisse sie nicht, was er von ihr erwartete. „Ich ... ich wünsche dir natürlich viel Glück und .. vielleicht kannst du dich trotzdem melden, wenn es nicht ... zu riskant ist.“
Wenn er geglaubt hatte den Höhepunkt der seelischen Qualen bereits erreicht zu haben, wurde er in diesem Moment eines besseren belehrt. Getroffen verzog er das Gesicht. Der betäubende Schmerz hielt selbst die schäumende Wut zurück, die ihn einerseits bei ihrer Reaktionslosigkeit überfiel. Er wusste, dass er sie nicht kalt ließ, warum also konnte sie ihm das nicht zeigen?
Das sollte es gewesen sein? Wollte sie ihn wirklich so ziehen lassen?
„Hör zu Henry, ich bin ... ich halte nichts von großen Verabschiedungs-Szenarien“, erklärte sie langsam,  wobei sie sich wieder ganz ihrer Akte zu gewandt hatte. Jedoch wusste er, dass sie diese nicht etwa gewissentlich durch arbeitete, denn schließlich trug sie ihre Brille nicht, weswegen sie nichts lesen konnte. Mit einer einzigen Bewegung stand er hinter ihr, so nah, dass er die Wärme ihres Körpers spüren konnte. Seine Hände legten sich auf ihre Schultern, um von dort ihre Arme hinab zu streichen. Er hatte den Kopf schief gelegt, inhalierte den Duft ihrer Haut in ihrer Halsbeuge. Einen Moment erlaubte er es sich, seine Lippen über ihren flatternden Puls gleiten zu lassen. Der Vampir kratze an seinem Gefängnis, forderte heraus gelassen zu werden, um sich zu nehmen, wo nach es ihm gelüstete, doch Henry hatte bereits getrunken und gab der Bestie nur so viel Raum, dass es ihm einen gewissen Kick gab, sie unter der Haut zu spüren, ohne sie hinaus zu lassen. Unter seinen Finger spürte er, wie sie erschauerte. Jede ihrer Empfindungen, die er wahr nahm genoss er, als sei es seine eigene.
Ebenso schloss Vicky – unbemerkt von ihm – ihre Augen. Als Henry schließlich zurück trat, wurde ihm bewusst, dass es ihm gleichermassen nicht recht gewesen wäre, hätte sie sich unter Tränen und mit einer überschwänglichen Umarmung von ihm verabschiedet. Sie war Vicky. Manchmal gesegnet mit dem Charm eines Kartoffelsacks. Und eben genau die Frau, in die er sich verliebt hatte. Eine einzelne Strähne ließ er zwischen seine Finger hindurch gleiten, ehe er jeglichen Kontakt löste.
„Dann bleibt es mir nur „Lebe ...“ Weiter kam er nicht, denn mit einer Geschwindigkeit, die sonst nur ihm eigen war, hatte Vicky seinen Kragen umfasst und schon im nächsten Moment spürte er ihre Lippen auf seinen. Ehe er den Kuss erwidern konnte, löste sie sich erneut einige Millimeter von ihm. „Mistkerl“, wisperte sie an seinen Lippen, bevor sie sie erneut versiegelte. Ihr Blut rauschte durch ihre Adern, ihr Herzschlag geriet ins Stocken. All das nahm Henry wahr, während er den Geschmack ihrer warmen Lippen kostete. Eine Hand lag auf ihrer Taille, mit der anderen strich er seicht über ihre Wange. „Du dreckiger ...“, nutzte sie die kurze Atempause. Noch einmal gaben sich beide dem Bedürfnis nach der Berührung  des anderen nach, dann löste Vicky sich gänzlich von ihm.
„Wenn es immer darauf hinaus läuft, könnte es mir gefallen deinen Zorn auf mich zu ziehen, doch womit habe ich diese harten Worte verdient?“ Er konnte nicht verhindern, dass ein selbst gefälliges Lächeln seine Züge erhellte.
Erneut rieb Vicky sich die Augen, als wüsste sie nicht, wie das soeben hätte passieren können. „Ich .. es tut mir Leid ...“  Ganz gegen ihre Art wirkte sie plötzlich nervös.
„Das braucht es keineswegs.“ Wieder beugte er sich vor, wurde jedoch von ihren Händen, auf seiner Brust gestoppt. Seufzend zog er sich auf einen Blick ihrerseits hin zurück.
Sein Blick wanderte über ihre Gestalt, als sie nun zu ihrer Brille griff, um diese fahrig aufzusetzen.
„Begleite mich Vicky.“
Mit einem ironischen Lächeln wandte sie ihm das Gesicht zu. „Du weißt, dass ich das nicht tun werde“, erwiderte sie mit einem Lächeln, das ihre Augen nicht erreichte.
Henry senkte den Blick, während er ein kurzes Lachen ausstieß, das ihn selbst als Tohr bezeichnen zu schien. „Ja ... und doch, mein Angebot gilt.“
Langsam schüttelte sie den Kopf. „Vielleicht kehrst du in 30 Jahren zurück, dann werde ich wahrscheinlich immer noch hier sein.“
Er blickte wieder zu ihr auf, Hoffnung lag in seinem Blick. „Du würdest warten?“
Dieses Mal war sie es, die ein Lachen ausstieß. „Ich würde es kein Warten nennen. Außerdem muss dir bewusst sein, dass falls du zurück kehrst, ich bereits eine alte Schachtel bin!“
Mit vampirischer Geschwindigkeit stand er plötzlich vor ihr, strich mit seinen Fingern eine verirrte Strähne aus ihrem Gesicht. „Für mich wirst du eine Schönheit bleiben“, flüsterte er.
Mit einem sanften Lächeln  sah sie zu ihm auf. „Pass auf dich auf, Henry.“
Sein Herz zog sich erneut zusammen. Noch einmal beugte er sich vor, strich mit den Lippen über ihre Schläfe, ehe er sich umwandte und mit langen Schritten das Büro verließ, ihren Blick auf sich spürend.
Überrascht sah Coreen ihn an, als er die Bürotür hinter sich schloss. „Du gehst schon?“
„Ich habe heute Nacht noch etwas zu erledigen.“
„Oh ... natürlich, entschuldige.“ Unter der Schicht Make-Up zierte ein zartes rosa ihre Wangen, welches er mit einem Lächeln quittierte. „Gute Nacht, Coreen“, verabschiedete er sich, als er aus der Tür schritt.
„Gute Nacht, Henry.“
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