Blutdurst

von aislingde
GeschichteAbenteuer / P12
Coreen Fennel Dr. Rajani Mohadevan Henry Fitzroy Kate Lam Mike Celluci Vicki Nelson
02.01.2009
07.03.2009
12
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02.01.2009 1.891
 
Eigentlich wollte ich euch nicht so lange warten lassen, aber das letzte Wochenende ist sehr chaotisch verlaufen, dass ich zu nichts gekommen bin. Kommentare zu euer Feedback kommt auch noch, aber zuerst der nächste Teil, das ist wichtiger.

Im Berufsverkehr brauchte Mike auf der für ihn ungewohnten Strecke zum Präsidium länger als gedacht.
So konnte er vorher Dr. Mohadevan keine Beweismittel mehr geben, sondern ging direkt zu seinem Arbeitsplatz. Dort fand er einen Becher Kaffee und ein Donut. Von Kate war aber nichts zu sehen.
Mike platzierte die Tüte mit der Handtasche gut sichtbar auf dem Tisch, zog seinen Mantel aus, setzte sich hin und frühstückte.
Währenddessen las er seine Mails.
Aber mehr als Spam und einige Informationen über das interne Tischtennis Turnier hatte er nicht bekommen.
Als er sich mit einem Tuch die Krümel vom Finger wischte, kam Kate ins Büro.
Ihr Gesichtsausdruck sagte alles.
„Guten Morgen“, begrüßte Mike sie. „Was wollte Crowley?“
„Ergebnisse. Was sonst? Und dann hat sie mir das vorgelegt“, Kate warf Mike ein Exemplar des Toronto Star auf den Schreibtisch. Auf der Titelseite war ein Bericht über den Torwart der Maple Leafs – nichts, das Mike beunruhigen würde. „Schlag Seite acht auf.“
Er folgte Kates Anweisung. Der Artikel an sich war weniger als eine halbe Spalte lang, aber er war mit schwarz umrahmten Bildern von Peter Fritzmann und Michael Keeper aufgemotzt worden. Die fette Überschrift lautete: ‚Wurden sie von religiösen Fanatikern ermordet?’
Mike überflog den Artikel. Dort wurde von mysteriösen Todesumständen berichtet, dass die Leichen von den beliebten Autoren noch nicht von der Polizei freigegeben worden waren und dass beide Opfer religionskritische Schriften publiziert hatten.
Allerdings wurde in der Zeitung gemutmaßt, dass Islamisten für die Todesfälle verantwortlich waren.
Der Artikel endete mit der Spekulation, wer das nächste Opfer des Fanatikers sein könnte und fragte, ob ein Priester, der sich schon mehrfach kritisch geäußert hatte und der Moderator einer Talkshow, der am Vortag eine sehr religionsfeindliche Sendung moderiert hatte, Hank Petri, in Gefahr waren.
„Da hat sich jemand Gedanken gemacht“, kommentierte Mike den Artikel. „Wo ist das Problem?“
„Crowley!“ Kate lehnte sich an die Schreibtischkante. „Ich hatte noch nicht mal meine Jacke ausgezogen, da zitierte sie mich in ihr Büro und fragte nach Ergebnissen. Die konnte ich nicht vorweisen. Dann legte sie mir den Artikel vor und als ich ihr sagte, dass wir ähnliche Vermutungen hätten, fragte sie mich, warum ich das nicht vorher gesagt hätte. Mit diesem verkniffenen Gesichtsausdruck und dem vorwurfsvollen Tonfall.“
„Wenn du ihr von den Vermutungen erzählt hättest, hätte sie auch einen Grund gefunden, dir Vorwürfe zu machen. Du kennst sie. War das alles?“
„Sie will, dass wir den Priester und Petri befragen und wenn nötig auch schützen.“
Wieso musste sich Crowley immer in ihre Arbeit einmischen?
Mike seufzte.
„Dann werden wir ihr doch den Wunsch erfüllen. Sagt dir dieser Petri etwas? Ich höre den Namen gerade zum ersten Mal.“
Kate zuckte mit den Schultern.
„Es ist eine von den unzähligen Talkshows, die nachmittags laufen. Eine meiner Freundinnen ist in Petri vernarrt, daher weiß ich es. Sie weiß sicher auch, wann er das Thema Religion in seiner Show hatte. Bestimmt kann sie mir die passende Folge auf Tape besorgen, so dass wir nicht beim Sender anfragen müssen.“
„Das würde uns viel Zeit sparen. Mach das bitte. Ich versuche den Sender zu erreichen und einen Termin mit Petri zu bekommen. Vielleicht hat er ja schon heute Zeit dafür. Gut wäre, wenn ich schon vorher weiß, was in der Show abgelaufen ist.“
Kate blickte auf ihre Uhr.
„Nancy, meine Freundin, bringt morgens immer die Kinder zur Schule. Wenn sie danach Zeit hat, haben wir schon vor Mittag das Tape.“ Kate stand auf und deutete auf die Plastiktüte. „Was ist eigentlich da drin?“
Mike grinste breit. Er hatte lange gewartet, dass Kate es bemerken würde.
„Das ist mit etwas Glück der erste Schritt zur Lösung unseres Falls.“
Kate blickte hinein und sah Mike neugierig an. „Schicke Tasche, nicht jeder kann sich Gucci leisten. Woher hast du sie?“
„Henry Fitzroys Stalkerin hat gestern versucht, ihn anzugreifen.“
„Und? War Vicki nicht bei ihm? Sie dürfte doch mit so einer zierlichen Person schnell fertig werden.“
„Zierlich ist sie – aber wohl auch eine hervorragende Kampfsportlerin. Vicki hatte eine kurze, heftige Auseinandersetzung mit ihr und war sehr sauer, dass die Verdächtige es schaffte sich loszureißen. Nur ihre Handtasche musste sie zurücklassen.“
„Gibt es dazu einen Polizeibericht?“
„Nein“, Mike schüttelte den Kopf. „Fitzroy wollte es nicht. Er hat Sorge, dass die Presse davon Wind bekommt und sieht sein Privatleben in Gefahr. Dem Wunsch ihres Klienten musste Vicki sich beugen.“
„Du hast schon nachgesehen, was drin ist?“ Ihr Tonfall war neckend.
„Sicher doch. Mit Handschuhen, wie es sich gehört. Aber es war enttäuschend. Keine Ausweispapiere, keine Schlüssel, noch nicht mal ein gebrauchtes Taschentuch. Dafür ein Prepaid Handy. Mit etwas Glück bekommen wir einige Nummern.“
Kate nickte.
„Die wir abtelefonieren, bis wir diesem Gesicht einen Namen zuordnen können.“ Kate deutete auf Henrys Zeichnung, „Dann werden wir ihr einen Besuch abstatten.“
„Wir sollten aber zweigleisig fahren“, ergänzte Mike ihre Tagesplanung. „Ich kümmere mich um die Stalkerin und du besorgst das Tape.“
„Unser Boss wird begeistert sein.“ Kate deutete spöttisch zur Tür. Crowley verließ gerade ihr Büro und ging Richtung Cafeteria. „Aber egal was sie sagt, ohne einen Bericht von Dr. Mohadevan sind uns die Hände gebunden.“
„Da hast du Recht. Ich hoffe ja immer noch, dass dies natürliche Todesfälle sind. Diese Todesursache mit Mord in Beziehung zu bringen wird schwierig.“ Mike schüttelte sich. „Das ist, wie man hier schon sieht, sowohl ein gefundenes Fressen für die Presse, als auch ein Stoff, den ich noch nicht mal in meinen Albträumen haben möchte.“
„Das stimmt. Mich wundert nur, dass der Fall absolut nichts Mystisches mehr an sich hat. Auch wenn mir ein religiöses Motiv unheimlich ist, ist das besser, als einem Täter übernatürliche Kräfte zuzuordnen, wie ich das anfangs getan habe. Ich bin froh, dass du darauf nicht eingegangen bist.“ Kate lächelte Mike an.
„Wie die beiden gestorben sind, ist nicht normal.“ Mike bemühte sich, so nahe wie möglich an der Wahrheit zu bleiben. „Aber entgegen all der Gerüchte, die es über mich gibt, glaube ich nicht an Geister, Dämonen und Vampire.“ Schließlich wusste er, dass es sie gibt. „Ich suche immer nach einer rationalen Lösung. Nur spielen die Fälle da nur selten mit und deswegen habe ich so eine miese Statistik. Und das verübelt mir Crowley.“
Kate blickte ihn skeptisch an, widersprach aber nicht.
„Nicht nur dir. Wenn das hier wirklich natürliche Todesursachen sein sollten, dann freu ich mich schon auf ihren Gesichtsausdruck, wenn wir ihr den Bericht vorlegen.“ Sie wurde ernst. „Aber was ist mit unserer Stalkerin?“
„Trittbrettfahrerin.“ Mike zuckte mit den Achseln. „Bisher hat sie Fitzroy zwei Mal angegriffen und ihre Drohung hat sich nicht erfüllt.“
Dass es daran lag, dass sie sich mit einem Vampir angelegt hatte, war etwas, was Mike verschweigen musste, um Kate nicht in den ganzen mystischen Kram hineinzuziehen.
„Das wäre eine Erklärung.“ Kate nickte. „Aber genug gegrübelt. Ich ruf jetzt meine Freundin an, vielleicht kann ich direkt zu ihr.“
„Und ich erfreue die Spurensicherung mit der Handtasche.“ Mike stand auf und zog sich sein Jackett an. „Ich schau auch noch bei Dr. Mohadevan  vorbei. Vielleicht hat sie schon neue Informationen.“
„Dass du freiwillig zu ihr gehst…“ Kate schüttelte den Kopf.
„Jahrelange Übung. Sie ist nur ein wenig seltsam, aber nicht furcht erregend.“
„Wenn sie mit den Leichen spricht, ist es mehr als nur seltsam.“
Kate ging zu ihrem Schreibtisch und hob den Telefonhörer ab.

Die Handtasche hatte Mike schnell abgegeben. Dann ging er weiter zur Gerichtsmedizin.
Mike betrat nach kurzem Klopfen den Raum. Dr. Mohadevan war allein. Sie stand über ein Mikroskop gebeugt und machte sich dabei Notizen.
„Ein Moment noch, ich bin gleich soweit.“ Sie blickte dabei nicht hoch.
„Kein Problem, Doc, ich habe keinen Zeitdruck.“
Während die Ärztin ihre Untersuchung fortführte, ging Mike von einer Bahre zur nächsten. Ihn interessierte, was es sonst noch für ungeklärte Todesfälle in Toronto gab. Es waren insgesamt drei Leichen, die auf eine Untersuchung warteten, alle laut Angaben der Spurensicherung auf den Karteikarten eines gewaltsamen Todes gestorben, zwei erschossen, eine erstochen. Nichts außergewöhnliches, was vielleicht mit seinen Morden in Zusammenhang gebracht werden konnte.
„Die Blutprobe, die Sie mir gebracht haben, war sehr interessant.“
Mike legte die letzte Karteikarte zurück und blickte Dr. Mohadevan fragend an. „Nur interessant, oder konnten Sie damit etwas anfangen?“
Die Ärztin lächelte. „Sie kennen mich schon sehr gut. Anhand der Blutanalyse habe ich einiges herausgefunden, weiß aber noch nicht, wie ich es einsortieren soll.“
„Dann erzählen Sie es mir. Vielleicht können wir beide Licht ins Dunkel bringen.“
Mike ging zu ihr und setzte sich auf einen Hocker.
Dr. Mohadevan nahm eine schmale Akte und schlug sie auf.
„In dem Blut wimmelt es von Antikörpern. Ob Pest, Cholera, TBC oder einige andere Krankheiten, die ich nur aus meinen Büchern kenne: Derjenige von dem das Blut stammt, hat nicht nur all diese Krankheiten gehabt, er hat sie erstaunlicherweise sogar überlebt.“
„Das ist interessant“, stimmte Mike ihr zu. „Aber wie Sie schon vermuten, hilft es in unserem Fall nicht weiter. Haben Sie schon die DNA analysieren können?“
„Mr. Celluci. Wie Sie sehen, ist meine Kollegin nicht da und ich habe drei Klienten, die auf eine Untersuchung warten, wo mir Ihre Kollegen im Nacken hängen, dass sie Ergebnisse wollen. Ich kann keine Wunder vollbringen. Wenn ich herausfinden soll, ob in dem Blut etwas ist, was dieses plötzliche Verhungern bewirkt, brauche ich einen Hinweis, wonach ich suchen soll. So bin ich auf der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen und das kann sehr lange dauern.“
„Entschuldigung, Doc.“ Mike wusste, dass sie bei den mysteriösen Fällen viel mehr Zeit investierte, als sie eigentlich hatte. Trotzdem war es unbefriedigend, keine Ergebnisse zu bekommen. „Ich habe da etwas, was wahrscheinlich noch mehr Rätsel aufwirft.“ Er griff in die Jackentasche und holte den Beutel mit den Federn heraus.
Sie hob eine Augenbraue, nahm die Federn in Empfang und hielt sie gegen das Licht.
„Gehe ich recht in der Annahme, dass es sich nicht um einen normalen Vogel handelt?“
Mike nickte. „Wenn Sie die DNA mit dem Blut vergleichen, werden Sie erstaunliche Übereinstimmungen finden.“
„Als ich den ersten verhungerten Klienten auf meinen Tisch bekam, wusste ich sofort, dass es kein normaler Fall werden würde. Ich werde mich nach Dienstschluss damit befassen, das verspricht eine interessante Untersuchung zu werden.“
„Ich wünsche mir nichts mehr, als dass es sich als natürliche Todesursache herausstellt.“ Mike blickte Dr. Mohadevan an. Wenn er die Harpyie ausschalten wollte, brauchte er ihre Hilfe, um einen möglichst unverfänglichen Bericht schreiben zu können.
Sie blickte auf die Akte, sah die Federn an und nickte.
„Das ist nicht auszuschließen. Vielleicht hilft mir dies, um einen entsprechenden Virus zu finden. Ich brauche nur die richtigen Hinweise.“
Mike lächelte. Auf sie war Verlass.
„Die werden Sie bekommen, Doc. Danke dass Sie so viel Zeit investieren.“
„Für so eine spannende Untersuchung immer. Bestellen Sie Ms Nelson viele Grüße.“
Ihr Lächeln war sehr mysteriös, doch Mike hinterfragte es nicht. Er nickte ihr zu und verließ den Raum. Er war froh, in ihr eine Verbündete zu haben.
Crowley würde toben, wenn Dr. Mohadevan eine natürliche Todesursache attestieren würde.
Ein grimmiges Lächeln umspielte Mikes Mundwinkel. Sein Boss hatte nicht die geringste Ahnung, was wirklich in Toronto vor sich ging. Noch nicht einmal, was die ‚normalen’ Dinge betraf. Ein Dämpfer würde ihr gut tun.
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