Blutdurst

von aislingde
GeschichteAbenteuer / P12
Coreen Fennel Dr. Rajani Mohadevan Henry Fitzroy Kate Lam Mike Celluci Vicki Nelson
02.01.2009
07.03.2009
12
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02.01.2009 3.506
 
Im Studio

„Wissen Sie, meine Aufgabe ist es, die Menschen zu unterhalten und eine Quote zu erfüllen. Dies schafft man heutzutage nicht, indem man lieb und nett ist. Man muss Position beziehen und seine Meinung manchmal auch drastisch äußern. So auch bei der von Ihnen angesprochenen Sendung über Religionsfreiheit. Ich bin es gewohnt, angefeindet zu werden. Fragen Sie meine Sekretärin, wie viele Morddrohungen ich in den letzten zwei Jahren bekommen habe und dann wissen Sie Bescheid.“
Mike schaffte es so gerade eben, nicht genervt die Augen zu verdrehen. Hank Petri war ein Schwätzer. Anstatt jede Frage kurz und knapp zu beantworten, erzählte er Geschichten.
„Gibt es denn eine Person, die Sie wegen der Sendung persönlich angegriffen hat?“ Kates Lächeln war eisig.
„Wissen Sie, da stellt sich mir immer die Frage, ob es nicht ein Fan ist, der mich so angeht. Diese Frauen sind manchmal sehr seltsam. Sie haben noch seltsamere Internetseiten über mich und meinen Assistenten. Glauben Sie mir, die Bilder sind Fotomontagen, ich bin niemals mit ihm ins Bett gestiegen. Nicht, dass Sie ein falsches Bild von mir bekommen. Und bei Autogrammstunden fragt man mich ganz seltsame Dinge. Einige Fans machen mir auch Vorwürfe, wenn ich Dinge sage, mit denen sie nicht einverstanden sind.“ Hank Petri lehnte sich in seinen Sessel zurück und lächelte Kate liebenswürdig an.
„Bitte beantworten Sie mir meine Frage, Mr. Petri: Hat man Sie wegen der Sendung angegriffen? Ja oder Nein?“
Kate hatte verärgert ihre Stirn gerunzelt und Mike wusste, dass sie kurz davor war, Petri einfach mit aufs Revier zu nehmen, um ihn zu einer Aussage zu bewegen.
Der Moderator setzte sich aufrecht hin und legte seine Stirn in Denkerfalten. Mike fragte sich, wie lange er diesen Gesichtsausdruck vor dem Spiegel geübt hatte.
„Da war eine Frau. Heute, bevor ich das Studio betreten habe. Ich dachte, dass sie betrunken war, weil sie etwas über Zeus’ Rache faselte. Bevor sie mir zu nahe kommen konnte, kümmerte sich der Sicherheitsdienst um sie.“
„Sah sie so aus?“
Kate zeigte Petri das Bild von der Harpyie. Er nahm es, sah es sich an und zuckte mit den Schultern.
„Es könnte sein. Ich habe nicht wirklich auf sie geachtet, da ich mit meinen Gedanken schon bei der Aufzeichnung war.“
Das Klingeln von Mikes Handy unterbrach das Gespräch.
Er blickte aufs Display. Vicki.
„Entschuldigt mich.“ Er stand auf und verließ den Raum.
„Was ist?“, nahm er den Ruf an.
‚Wir sind vor dem Studio’, ertönte Vickis Stimme. Auch sie hielt sich nicht mit Förmlichkeiten auf. ‚Henry hat die Harpyie gewittert und ist im Jagdmodus. Sorge bitte dafür, dass außer dir niemand das Gebäude verlässt.’
Mike fuhr sich mit seinen Fingern durchs Haar.
Was machte der verdammte Bastard für Extratouren? Er hatte gegen die Harpyie doch keine Chance.
„Ich komm raus. Halte ihn fünf Minuten davon ab, etwas Unüberlegtes zu tun, dann bin ich bei euch.“
Bevor Vicki etwas entgegnen konnte, legte Mike auf.
Er ging wieder rein und fühlte als erstes Kates fragenden Blick. Er lächelte sie entschuldigend an.
„Entschuldigt mich bitte, ich muss mich für eine halbe Stunde ausklinken. Kate, du kommst doch auch ohne mich klar?“
„Ich habe keine Fragen mehr. Ich werde dich begleiten.“
„Das halte ich für keine gute Idee. Bitte bleibe hier und notiere dir von Mr. Petri die Adressen von den Sicherheitsbeamten, die die Frau identifizieren können.“
Er blickte sie durchdringend an, doch statt zu nicken, stand sie auf.
„Ich muss mit dir reden.“
Gleichzeitig stand auch Petri auf.
Mike starrte ihn böse an. „Sie bleiben sitzen. Wenn Sie sich rühren, bevor wir Ihnen die Erlaubnis dazu erteilen, verbringen Sie die Nacht im Knast. Ich habe genug Grund, um Sie aufgrund dieser Show wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses und Beleidigung zu verhaften.“ Als Petri den Mund auf machte, um sich zu wehren, wurde Mike sauer. Er hatte keine Zeit sich mit ihm zu streiten. „Ich werde diese Sendung meiner Großmutter zeigen und sie wird Sie garantiert anzeigen, denn sie ist italienischstämmige Katholikin!“
Ohne auf eine Antwort zu warten, ging er raus. Kate folgte ihm.
„Was soll das?“, herrschte sie ihn an, kaum dass die Tür geschlossen war.
Er erwiderte den Blick, ohne mit der Wimper zu zucken und sie war es, die zuerst zur Seite blickte.
„Das ist der Augenblick, vor dem ich dich gewarnt habe, Kate. Ich muss das jetzt auf meine Art und Weise stoppen, oder das Morden hört nicht auf. Bleib bei Petri und sorge dafür, dass er das Gebäude nicht verlässt, bis ich Entwarnung gebe.“
Sie sah ihn enttäuscht an.
„Du hast mir also die ganze Zeit etwas vorgespielt. Es ist also doch einer dieser mystischen Fälle und du machst jetzt einen Alleingang. Wer sichert deinen Rücken? Vicki?“
Mike zuckte mit den Schultern.
„Vicki ist nachtblind. Sie ist keine Hilfe. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Es tut mir leid, Kate, aber ich muss jetzt los.“
Er drehte sich um, um zu gehen.
„Mike?“
Ihre Stimme hatte einen verzweifelten Unterton und er drehte sich um.
„Ja?“
„Pass auf dich auf.“
Mit diesem Kommentar hatte er nicht gerechnet, doch Mike sah, dass es ihr ernst war und er schaffte es, Kate anzulächeln.
„Das werde ich.“
„Ich würde dir gerne den Rücken decken, aber da du das nicht zulässt, erwarte ich, dass du heil zurück kommst.“
„Danke.“
Dann drehte Mike sich endgültig um und joggte zum Ausgang. Unterwegs wechselte er die Munition und legte das Magazin mit den Silberkugeln in seine Waffe ein.

Vor dem Studio

Henry verschmolz mit dem Schatten und wurde eins mit der Nacht. Eine leichte Brise brachte den Geruch der Harpyie mit. Sie konnte nicht mehr als 100 Meter entfernt sein und wartete wohl darauf, dass Petri das Gebäude verließ.
Sie hatte es anscheinend vorerst aufgegeben, einen Vampir jagen zu wollen und sich ein leichteres Opfer gesucht.
Henry lächelte bei dem Gedanken. Es erreichte nicht seine Augen und war mehr das Fletschen seiner Zähne, als eine nette Geste. Es würde das letzte Mal sein, dass sie auf die Jagd ging. Heute würde sie das Opfer sein. Er würde sich nicht weit vom Haupteingang entfernen und sich gedulden, bis sie kam, um ihre vermeintliche Beute zu schlagen.

Es dauerte nicht lange, da roch Henry, dass die Harpyie sich dem Gebäude näherte. Er wich zurück, um nicht von ihr gewittert zu werden.
Dann sah er einen Schatten auf dem Asphalt und blickte hoch. Ein riesiger Vogel flog über den Parkplatz und landete auf dem Pförtnerhaus. Der Wind stand ungünstig und trug Henrys Geruch zu ihr.
Henry nutzte seine Vampirkräfte und rannte schnell zur Seite, um sich an die Hauswand zu pressen. Er konnte es sich nicht leisten, dass sie vorgewarnt wurde und wegflog, bevor er sie fassen konnte.
Er blieb still stehen und beobachtete die Silhouette des Vogels. Nichts deutete darauf hin, dass die Harpyie seine Witterung aufgenommen hatte. Es bestand Hoffnung, dass ihr Geruchssinn dafür nicht stark genug war.
Henry holte aus seiner Jackentasche Handschuhe und zog sie an, dann schlug er den Kragen seines Mantels hoch. Je weniger nackte Haut sie berühren konnte, umso sicherer war er vor ihren auszehrenden Kräften.
Schritt für Schritt näherte Henry sich der Harpyie, bis er fast unter dem Pförtnerhaus stand. Nah genug, dass jeder Hund ihn gewittert hätte, aber sie blickte noch nicht mal in seine Richtung. Riechen gehörte also nicht zu ihren herausragenden Fähigkeiten.
Jetzt musste Henry nur noch darauf warten, dass Mike das Gebäude verließ und er würde hochspringen und den Vogel vom Dach reißen. Was er danach machen würde, wusste er noch nicht. Aber er rechnete fest damit, dass der Cop seine Silbermunition mit hatte und sein Gewissen ihm keine Probleme bereiten würde, einzugreifen.

Henry brauchte nicht lange zu warten, bis Mike durch die Halle stürmte und vom Pförtner aufgehalten wurde, um seinen Besucherausweis abzugeben. In dem Moment, wo Mike durch den Haupteingang schritt, sprang Henry.
Es war leichter als gedacht. Die Harpyie hatte ihren Kopf neugierig über das Dach gestreckt, um zu sehen, wer das Gebäude verließ.
Henry griff mit seinen behandschuhten Händen ihre Flügel und ließ sich mit ihr seitlich vom Dach fallen.
Er wollte sich im Fall drehen, aber die Harpyie wehrte sich.
Dabei fiel das Schwert, das er nur locker in dem Mantel eingehakt hatte, herunter. Henry blickte seiner Waffe hinterher, aber bevor er sah, wo sie landete, presste ihm der Aufprall auf dem Boden die Luft aus seiner Lunge. Er hatte Glück gehabt und war außerhalb des Lichtkreises vom Pförtner gelandet. Als die Harpyie auf ihm landete, verwarf er die Idee vom Glück.
Während er versuchte, die Harpyie von sich zu stoßen, verwandelte sie sich in eine Frau zurück.
„Kann ich den Moderator nicht haben, dann nehme ich doch zu gerne den Vampir.“
Sie streckte ihre Hand aus, um Henry im Gesicht zu berühren. Das durfte er nicht zulassen. Er setzte seine Vampirkräfte ein, um sie abzuschütteln, doch auch sie verfügte über übernatürliche Kräfte und hielt sich oben.
Henry blickte sich um und suchte nach seinem Schwert, doch das lag außerhalb seiner Reichweite.
Kurz bevor ihre Fingerspitzen seine Wange berührten, umfassten seine Finger ihren Unterarm. Er schaffte es, sie daran zu hindern, ihn zu berühren.
„Lass von ihm ab, sonst muss ich schießen.“
Was Henry wie eine Ewigkeit vorgekommen war, war für Mike nur ein kurzer Augenblick gewesen.
Die Harpyie lachte nur verächtlich und beugte sich vor. Immer tiefer, so dass ihr Kinn Henrys Stirn berühren würde. Keine Chance, sie davon abzuhalten. Henry konnte nur auf sie starren und darauf warten, dass sie ihm seine Kräfte entziehen würde.
Als ein Schuss durch die Nacht peitschte, zuckte die Harpyie zusammen und schrie auf.
Erneut bäumte Henry sich auf und schaffte es, sie abzuschütteln.
Sie fiel rücklings auf den Asphalt, stand mit unheimlicher Geschwindigkeit wieder auf und begann, sich zu verwandeln.
Statt nach seinem Schwert zu greifen, sprang Henry sie an. Sie drehte sich zur Seite, um wegfliegen zu können, aber er war schneller und packte ihren Hals.
Ein weiterer Schuss ertönte und Henry fühlte den Einschlag oberhalb seiner rechten Hüfte.
Er hielt eisern fest. Doch als sie mit den Krallen nach seinen Beinen trat, wich er zurück.
Ein weiterer Schuss ertönte. Dann noch einer und noch einer.
Die Harpyie kreischte auf, doch ihre Gegenwehr wurde schwächer.
Instinktiv wusste Henry, dass sie tödlich getroffen war. Aber erst als ihre Bewegungen ganz schwach wurden und er merkte, wie ihr Körper erschlaffte, ließ er sie los, trat zwei Schritte zurück und griff nach seinem Schwert.
Sie torkelte und versuchte nach Henry zu hacken. Ein Schlag mit dem Schwert und ihr Kopf kullerte mehrere Meter entfernt über den Boden.
Der Leib krachte auf den Asphalt.
Vorsichtig näherte Henry sich dem Kopf. Die Augen waren kalt und starr und einige Tropfen Blut rannen aus dem Schnabel.
Die Harpyie war tot. Gestorben in ihrer tierischen Gestalt.
Henry trat einen Schritt zurück. Jetzt spürte er den brennenden Schmerz an seiner Seite.
Er blickte an sich herab und sah, dass sein Hemd voller Blut war. Er presste seine Hand auf die Wunde, um die Blutung zu stoppen.
„Henry, es tut mir leid. Ich wollte dich nicht treffen. Ihr habt euch auf einmal so schnell bewegt, dass es zu spät war.“
Henry blickte hoch. Mikes Gesichtsausdruck war schockiert und die Hand mit der Waffe hing schlaff hinunter.
Bevor Henry etwas sagen konnte, wurde die Eingangstür aufgerissen und Mikes Partnerin stürmte mit gezogener Waffe hinaus.
Henry beobachtete, wie ihr Blick von Mike zu seiner Verletzung und zu seinem Schwert glitt, dann richtete sie die Waffe auf ihn.
„Hände hoch.“
„Kate, nicht“, griff Mike ein. „Du weißt nicht, was hier passiert ist. Er hat mir geholfen und braucht Hilfe.“
„Aber du hast auf ihn geschossen, also kann er nicht unschuldig sein. Oder ist es dein mystischer Kram?“
„Ich habe auf den Vogel geschossen, der ihn angegriffen hat, Kate.“ Mike ging auf Kate zu und legte seine Hand auf ihr Handgelenk. Er drückte es hinunter, so dass die Waffe nicht mehr auf Henry zeigte. „Leider haben die beiden sich zu hektisch bewegt und ich habe den Falschen getroffen.“
„Du hast…“
Wäre seine eigene Situation nicht so prekär gewesen, hätte Henry angesichts ihres ungläubigen Blickes gelächelt.
Er hörte das Hämmern ihrer Schritte und ihren Herzschlag lange bevor Mike und Kate Vicki sahen.
„Warum verdammt noch mal, steht ihr hier rum und diskutiert? Henry ist verletzt. Mike, ich brauche deine Hilfe.“
Henry spürte, wie Vicki seinen Arm berührte und ihn nötigte, sich hinzusetzen. Dann zog sie das Hemd aus einer Hose, um seine Wunde zu untersuchen. Henry sah ihr dabei zu. Es blutete immer noch. Der Verlust war sehr hoch und er brauchte dringend Nachschub, um die Verletzung heilen zu können.
Vicki nahm aus dem Verbandskasten, den sie wohl aus dem Auto mitgebracht hatte, eine Kompresse und versuchte, die Blutung zu stillen.
„Mike, ich brauch dich.“ Henry hörte die Ungeduld in ihrer Stimme. „Ich würde es gerne selber machen, aber damit würde ich meine Gesundheit gefährden.“
„Ich kann das nicht. Vicki, es tut mir leid.“
Henry blickte hoch und sah Mike an. Wie der Cop seine Finger um die Waffe krampfte und der schnelle Herzschlag. Er roch die Angst. Alles nahm er in dem Bruchteil einer Sekunde wahr, dann hockte sich Kate neben Vicki.
„Wobei brauchst du Hilfe?“
Henrys Augen verdunkelten sich. Er konnte es sich nicht leisten, auf ihre Zustimmung zu warten.
„Komm näher!“, befahl er Kate. „Und reich mir deine Hand.“
Er beobachtete, wie ihre Augen ausdruckslos wurden und sie seiner Anweisung folgte. Henrys Finger tasteten über ihr Handgelenk und er seufzte leise auf. Ihre Venen lagen falsch. Nicht nah genug an der Oberfläche, keine Chance in kurzer Zeit das benötigte Blut zu saugen, ohne größere Verletzungen zu verursachen.
Er zog Kate noch näher heran, bis sie halb über ihm lag. Dabei achtete er darauf, dass sie nicht in die Nähe seiner Verletzung kam und Vicki genug Raum zum Arbeiten ließ.
Die Vene an ihrem Hals pulsierte bei jedem Herzschlag. Henry konnte es mit all seinen Sinnen wahrnehmen. Zärtlich strich er mit den Fingerkuppen über ihre Haut und ertastete die beste Stelle, um von ihr zu kosten. Er hob seinen Kopf, gleichzeitig kam Kate ihm entgegen und legte ihren Kopf in den Nacken, bot sich ihm an.
Als seine Zähne die Haut durchbrachen, stöhnte Kate auf und rieb sich an ihm.
Ihr Blut war süß und Henry bedauerte, es so hastig trinken zu müssen. Am liebsten hätte er immer weiter getrunken, doch er beherrschte sich und stoppte, bevor er zu viel Blut nahm.
Er hörte auf zu saugen, löste seine Zähne aus ihrem Fleisch und leckte über die Bisswunde, bis das Blut gerann und die Heilung einsetzte. Danach lehnte er sich erschöpft zurück und sah Kate an.
Sie hatte ihre Augen geschlossen und atmete schwer. Ihr Geruch verriet Henry, dass sie sehr erregt war, aber keinen Orgasmus erlebt hatte. Er massierte ihre Brüste und seine Hand glitt tiefer, nur wenige Berührungen reichten aus und Kate erbebte. Wenn sie schon unfreiwillig Blut spendete, sollte sie wenigstens Befriedigung dabei erleben.
Als sie ihre Augen wieder öffnete, setzte Henry seine Vampirstimme ein.
„Hier waren nur einige randalierende Jugendliche, die einen ungewöhnlich großen Vogel erschossen haben. Geh zurück und schick den Pförtner raus, damit er sich die Sauerei anschaut und sie beseitigt. Danach lenkst du Petri für eine halbe Stunde ab und machst Feierabend. Es war ein langer, harter Arbeitstag und du sehnst dich nach einem heißen Bad.“
Erschöpft schloss Henry die Augen. Es war noch lange nicht genug Blut gewesen. Er musste auch noch vom Pförtner trinken, damit die Heilung überhaupt einsetzen konnte.
Er fühlte, wie Kate sich von ihm löste und blickte sie an. Ihre Augen waren verschleiert, zeugten von seiner Beeinflussung. Sie richtete ihre Kleidung, dann ging sie mit energischen Schritten zurück ins Studio.
„Henry?“
Er lächelte. Vicki war noch immer an seiner Seite. Ihre warme Hand berührte seinen Bauch.
„Ja?“
„Kannst du dich aufrichten, damit ich einen vernünftigen Verband anbringen kann? Ich habe die Blutung zum Stoppen gebracht, aber wenn du dich bewegst, wird alles wieder von vorne losgehen.“
Henry sah auf ihre Hand, sie war rot von seinem Blut. Er nickte und ließ sich von Vicki hoch helfen.
Schnell und routiniert legte sie einen Verband an. Er war fest genug, um die Wundränder zusammen zu pressen, locker genug, dass er sich bewegen konnte.
Sie war gerade fertig, als der Pförtner das Gebäude verließ. Zögernd und vorsichtig waren seine Schritte. Als er den ausgeleuchteten Bereich verließ, benutzte er eine starke Taschenlampe.
Er ging in die falsche Richtung.
„Wir sind hier! Können Sie bitte zu uns kommen?“
Mikes Stimme war ruhig und gelassen, verströmte genau die Autorität, auf die fast jeder Mensch automatisch reagierte. So auch der Pförtner. Er blieb stehen.
Henry blickte Mike an. Seine Lippen bildeten eine harte Linie  und sein ganzer Körper war angespannt. Sein Geruch war eine Mischung aus Angst und Erregung. Dass er es trotzdem schaffte, dem Pförtner gegenüber professionell aufzutreten, war eine Leistung, die Henry bewunderte.
Der Pförtner drehte sich um und leuchtete mit seiner Taschenlampe direkt in Henrys Augen. Geblendet schloss er sie.
„Was ist hier passiert? Hier ist ein Verletzter!“
„Keine Sorge, wir kümmern uns darum.“ Mike steckte seine Waffe weg. „Haben Sie auch die Polizei angerufen?“
Der Mann blieb stehen und sah Mike misstrauisch an.
„Sollte ich das? Das hat mir keiner gesagt. Sind doch schon genug Beamte hier. Sie und ihre Kollegin.“
„Nein, das brauchten Sie nicht. Es ist alles in Ordnung.“
Auch Henry war beruhigt, so brauchten sie nicht ganz so schnell zu verschwinden.
„Was ist hier passiert?“
Der Mann sah misstrauisch vom Tierkadaver zu Henry.
„Der Vogel ist urplötzlich hier aufgetaucht und hat einen Menschen angegriffen und verletzt. Können Sie bitte zu mir kommen und mir bei der Erstversorgung helfen?“ Vicki strahlte Selbstsicherheit und Autorität aus und Henry beobachtete, wie der Mann näher kam.
Als er die Blutlache sah, schnappte er entsetzt nach Luft und blieb stehen.
Bevor er weglaufen konnte, griff Henry ein.
„Bleib hier!“, befahl er ihm. „Setz dich zu mir und dann gib mir die Hand.“
Der Mann hatte keine andere Wahl. Unter Henrys Einfluss war er eine willenlose Marionette.
Henry brauchte die Hand nur zu berühren, um zu wissen, dass der Pförtner krank war. Dann roch er die Medikamente.
Von diesem Mann konnte er nicht trinken.
Frustriert seufzte Henry auf. Dann löschte er die Erinnerung.
„Hier hat es Unruhe gegeben, weil ein Vogel einen Menschen angegriffen hat. Die Polizei hat das Biest getötet, aber da es nur ein totes Tier ist, gehört es nicht zu ihren Aufgaben, den Kadaver zu entsorgen. Man überlässt es dir, ein Unternehmen zu suchen, das das Vieh entsorgt und du ärgerst dich über die Beamten. Jetzt geh.“
Der Mann stand auf und ging.
Henry fühlte Vickis fragenden Blick.
„Er ist krank. Und ich trinke nicht von Kranken.“ Er zuckte mit den Schultern und bereute sofort die Bewegung, als er den Schmerz spürte. Das war keine gute Idee gewesen. Vicki gegenüber ließ er sich nichts anmerken, er schaffte es sogar, sie anzulächeln.
„So schlimm ist es nicht. Kates Blut hat geholfen. Ich muss nur nach Hause kommen und tagsüber wird die Wunde heilen.“
„Ich fahre dich.“ Mikes Miene war entschlossen.
„Vorher setzt du Vicki ab“, stimmte Henry zu. Mike würde er leichter dazu bringen, ihn alleine zu lassen und dann könnte er jemand anrufen, um mehr Blut zu bekommen.
„Das kommt nicht in Frage, Henry. Ich bleibe bei dir! Du bist schwer verletzt und brauchst Hilfe.“
„Ich brauche Blut. Das bekomme ich aber nicht von dem Pförtner, sondern werde eine spezielle Nummer anrufen. Und wenn die Dame kommt, möchte ich nicht, dass du dabei bist. Dein Cop wird sich aber sicher gerne um mich kümmern. Schließlich hat er mich auch angeschossen.“
Henry hob seine Hand und berührte ganz sachte Vickis störrisch nach vorne geschobenes Kinn. Sie lächelte ihn traurig an, dann nickte sie und ging zur Seite, um für Mike Platz zu machen.
Mike half Henry aufzustehen. Diese Hilfe hatte er auch sehr nötig. Der Schmerz in der Seite war nicht nur sehr stark, nein, seine Beine fühlten sich wie Pudding an.

Zum Auto war es nicht weit, aber als Henry endlich im Wagen saß, wusste er, dass die Wunde wieder blutete. Er schlug den Mantel zusammen, damit Vicki es nicht sah.
Wie durch einen Schleier bekam er mit, dass Mike sich bei Kate abmeldete. Während der Heimfahrt biss er mehr als nur einmal die Zähne zusammen, weil ein Schlagloch eine Schmerzenswelle durch seinen Körper jagte.
Er bekam so gerade eben mit, dass Vicki ausstieg und schaffte es irgendwie, seinen Zustand vor ihr zu verheimlichen.
Auf dem letzten Stück blickte er immer wieder zu Mike. Er brauchte Blut, um sich zu regenerieren. Die Ader am Hals pulsierte verführerisch, verstärkte seine Blutgier. So nah an einer Nahrungsquelle zu sein und nicht kosten zu können, war eine Folter. Wenn Mike anhielt, dann brauchte er nur seine Hand auszustrecken und ihn zwingen, sich hinzugeben. Doch anschließend… Er hatte Mike schon einmal brutal gezwungen, ein weiteres Mal würde jede Zusammenarbeit unmöglich machen. Auch mit Vicki.
Henry wollte sie nicht verlieren.
Es kostete ihn all seine Kraft, die Gier zurückzudrängen und die Bedürfnisse seines Körpers zu ignorieren.
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