Blutdurst

von aislingde
GeschichteAbenteuer / P12
Coreen Fennel Dr. Rajani Mohadevan Henry Fitzroy Kate Lam Mike Celluci Vicki Nelson
02.01.2009
07.03.2009
12
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02.01.2009 872
 
Als die Stadt nur noch von künstlicher Helligkeit erleuchtet wurde, erwachte Henry. Er fühlte das Laken auf seiner nackten Haut, spürte den leichten Luftzug, den die Klimaanlage durch den Raum wirbelte. Er atmete tief ein, registrierte, dass er nicht die einzige Person in seiner Wohnung war. Es war Vicki. Sie war allein und Henry fühlte sich ein wenig sicherer, weil Mike nicht in seiner Nähe war. Er wusste, dass er dem Cop Unrecht tat und seinen Verrat in der Vergangenheit sehr bereute. Trotzdem.
Henry stand auf, duschte und zog sich an. Dann ging er ins Wohnzimmer.
Vicki stand an seinem Schreibtisch, hatte den Computer hochgefahren und tippte. Ihr Handy hatte sie zwischen Ohr und Schulter eingeklemmt.
„Okay, jetzt funktioniert es. Danke, Coreen, du bist ein Schatz.“
Neugierig stellte Henry sich hinter Vicki. Er wollte sehen, was sie mit seinem Computer machte.
Sie schaute ein Youtube Video.
Als Henry die blasphemischen Kommentare des Moderators über seinen Gott hörte, verdunkelten sich seine Augen. Tief aus der Kehle kam ein Grollen. Es war egal, dass kurz darauf auch noch andere Religionen verspottet und verhöhnt wurden, der Mann ging überall zu weit.
Vicki drehte sich darauf um, wich aber nicht zurück, sondern musterte ihn mit einem Lächeln.
„Dir geht es besser?“
Henry schaffte es, seine Wut hinter einer Maske zu verstecken und lächelte sie an.
„Viel besser, ich habe zwar ein wenig Appetit, aber der rasende Hunger ist verschwunden. Gibt es etwas Neues?“
Vicki reichte ihm die Tageszeitung.
„Die Presse hat Wind von den Morden bekommen und einige potenzielle neue Opfer rausgesucht. Du bist übrigens nicht auf der Liste.“
„Manchmal ist es ganz nett, dass man als unwichtig angesehen wird, wenn man nicht der schreibenden, sondern nur der zeichnenden Zunft angehört. Steht er auf der Liste?“
Henry deutete auf den Bildschirm und lächelte.
„Ja.“ Vicki schob sich ihre Brille hoch. „Hank Petri moderiert eine Nachmittagsshow. Die hier ist vorgestern gelaufen. Mike glaubt, dass unsere Harpyie spätestens durch den Artikel auf ihn aufmerksam gemacht worden ist und hat einen Termin mit ihm ausgemacht. Er will überprüfen, ob sie schon versucht hat, ihn zu bedrohen. Ihre Identität haben wir jetzt auch.“
„Und die wäre?“ Henry vertiefte sein Lächeln und näherte sich Vicki. Gerade soweit, dass er in ihren persönlichen Sicherheitsabstand eindrang. Sie bemerkte es, blickte hoch und lächelte zurück. Dann sah  sie, wie nah er war.
Ihre Überlegungen konnte Henry von ihrem Gesichtsausdruck ablesen. Zurückweichen konnte sie nicht, da stand der Schreibtisch. Sie wollte aber auch nicht, dass er ihr so nah war. Sie runzelte die Stirn und sah ihn an.
„Henry!“
„Shhh.“ Er trat noch einen Schritt näher und berührte mit dem rechten Zeigefinger ihre Lippe. „Du bist einfach nur wunderschön, wenn du dich auf deine Arbeit konzentrierst.“
Ihr Herzschlag beschleunigte sich und Henry konnte ihre Erregung riechen.
Doch wie so oft atmete Vicki ein Mal tief durch und ignorierte ihre eigenen Gefühle, dann kam sie auf das eigentliche Thema zurück.
„Sie heißt Aphelion Smith, Amerikanerin und arbeitet als Model. Sie hat aber keinen festen Wohnsitz und weder ihre Agentur, noch ihre Kolleginnen wissen, wo sie sich im Moment aufhält. Mike hat aber von der Agentur eine Liste mit den Buchungen der letzten Monate bekommen und hat über Interpol Kontakt mit den regionalen Behörden aufgenommen. Die prüfen jetzt, ob es dort irgendwelche rätselhafte Todesfälle gegeben hat.“
Henry trat zwei Schritte zurück. Es hatte jetzt keinen Zweck, weiter mit Vicki zu flirten, sie würde nicht darauf eingehen.
„Hast du eine Adresse, wo Mike sich mit dem Moderator trifft?“
„Ja, willst du dort hin?“
„Wenn sie wirklich durch den Zeitungsartikel auf ihn aufmerksam gemacht wurde, braucht Mike Unterstützung. Wenn die Harpyie sich auf ihn konzentriert, wird er zu langsam sein, um sich wehren können.“
Henry zog seinen langen Mantel an und nahm sein Schwert. Währenddessen nahm Vicki ihre Jacke und hängte sich die Handtasche um. Sie war schwer, enthielt aber alles, was sie für den Fall der Fälle brauchte.

Vor dem Studio angekommen, stellte Henry fest, dass Mikes Wagen auf dem Gästeparkplatz stand. Er stieg aus und sah sich um.
Der Parkplatz war für Menschenaugen nur spärlich beleuchtet. Nur wenige Autos standen auf dem Gelände.  Einzig vor dem Haupteingang, der aus einer Pförtnerloge bestand, brannte eine Lampe. Es arbeiteten nur noch wenige Angestellte, denn nur in vereinzelten Büros brannte Licht.
„Kümmerst du dich um den Pförtner, damit wir ins Gebäude kommen?“
Vickis Vorschlag war vernünftig und Henry wollte zustimmend nicken, hielt aber inne, als er etwas Vertrautes roch.
Er blieb stehen und atmete tief ein. Den Geruch kannte er.
„Sie ist hier draußen. Geh zurück ins Auto und ruf Mike an. Informiere ihn, dass er seine Partnerin und Petri und im Gebäude lassen soll und selbst heraus kommt. Bitte setz dich ins Auto und bleib auch dort. Dann kann dich die Harpyie nicht wittern und ich muss mir keine Sorgen machen, dass sie dich angreift.“
Henry blickte zur Seite und sah Vicki an. Auf dem Gelände war sie durch ihre Augenkrankheit fast blind. Sie würde mehr ein Hindernis als eine Hilfe sein und er hoffte, dass sie es einsehen würde.
Sie seufzte tief auf, dann nickte sie.
„Sei vorsichtig, Henry!“
„Sicher.“
Henry verbannte jeden Gedanken an Vicki aus seinem Kopf und konzentrierte sich auf seine Beute.
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