Blutdurst

von aislingde
GeschichteAbenteuer / P12
Coreen Fennel Dr. Rajani Mohadevan Henry Fitzroy Kate Lam Mike Celluci Vicki Nelson
02.01.2009
07.03.2009
12
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02.01.2009 2.770
 
‚In Anwesenheit seines Anwalts gestand er, mit dem Küchenmesser auf das Opfer eingestochen zu haben und dass er erst von ihr abgelassen hatte, als sie leblos auf dem Boden lag.’
Eigentlich sollte Mike Celluci beim Niederschreiben solch tragischer Ereignisse nicht zufrieden lächeln. Doch er tat es. Schließlich bedeutete der Bericht das Ende seiner Ermittlungen.
Es war dieses Mal schnell gegangen, nur zwei Tage und er hatte den Mord an der Staranwältin aufgeklärt. Crowley hatte vermutet, dass es ein Racheakt eines enttäuschten Klienten war, doch sie hatte falsch gelegen. Es hatte nicht nur einen Ehemann, sondern auch einen Geliebten gegeben. Dieser hatte die Anwältin im Affekt getötet, weil sie für ihn ihren Mann nicht aufgeben wollte
Kein Dämon, nichts Mystisches, sondern Eifersucht. Endlich mal wieder ein leichter Fall.
Mike musste nur noch bei Dr. Mohadevan den endgültigen Obduktionsbericht abholen und danach war der Fall für ihn erledigt.
„Du siehst sehr zufrieden aus.“
Kate kam von einer Besprechung mit Crowley zurück und sah so aus, als ob sie kurz davor war, ihre Chefin umzubringen.
„Ausnahmsweise habe ich auch allen Grund dazu. Ich habe meinen Fall aufgeklärt und es war ihr Liebhaber.“
„Gratuliere.“ Mike konnte erkennen, wie Kate sich vergeblich bemühte, ihn anzulächeln.
„Was ist mit dir? Du solltest sie gut genug kennen, um dich nicht so aufzuregen.“
„Das sagt der Richtige. Du bist ja immer die Ruhe selbst, wenn sie mit ihren Vorträgen ankommt und dich drängt, Ergebnisse abzuliefern.“
Mike zuckte mit den Schultern.
„Schuldig. Sie ist der Boss, da müssen wir durch. Nun erzähl.“
„Ich verstehe nicht, was wir mit diesem Fall sollen. Gut, es wurden zwei Leichen gefunden, aber ich habe nicht die geringste Ahnung, ob es Morde sind oder nicht doch eine seltsame Krankheit. Aber Crowley verlangt von mir bis morgen erste Ergebnisse, obwohl die Laboranalysen noch einige Tage dauern werden.“
Kate hörte sich ziemlich verzweifelt an und Mike konnte sie nur zu gut verstehen.
„Willkommen im Club. Setz dich hin, ich hole dir einen Kaffee und dann erzählst du, was du hast. Vielleicht fällt mir ja was ein.“
Kate holte sich einen Stuhl und setzte sich zu Mike.
„Du wirst es mir nicht glauben. Dass das eine Mordserie sein soll, konnte nur Crowley einfallen. Um so was hinzubekommen, müsste der Täter übernatürliche Kräfte haben.“
Als er das hörte, sprangen bei Mike sämtliche Alarmglocken an. Seit Vicki ihn regelmäßig in ihre dunklen Fälle hineinzog, kamen ihm selbst seine spektakulärsten Mordfälle normal und unkompliziert vor.
Kate durfte nichts von seinem inneren Auffuhr mitbekommen – sie würde wie so oft Fragen stellen, die er nicht beantworten konnte.
„Wollte ich dir nicht einen Kaffee holen?“
Mike wartete gar nicht erst auf ihr Nicken und ging los. In der Cafeteria rang er sich dazu durch, Kate’s Bitte um Hilfe nicht abzuweisen. Falls es wirklich eine Mordserie mit paranormalem Hintergrund war, würde sie nicht in der Lage sein, dem Täter auch nur nahe zu kommen. Schlimmer noch, sie würde sich in große Gefahr begeben. Das konnte Mike nicht zulassen.
Er stellte die Tasse vor ihr auf den Schreibtisch und setzte sich hin.
Kate trank einen Schluck, bevor sie ihn nachdenklich ansah.
„Ich halte dich von nichts ab? Es ist lange her, dass du mal pünktlich Feierabend machen konntest.“
„Meine Wohnung müsste dringend aufgeräumt und der Kühlschrank gefüllt werden. Wenn ich dann noch Lust habe, besteche ich Vicki mit chinesischem Essen, damit sie mit mir ins Kino geht.“ Früher hatte Vicki zu solchen Einladungen nie nein gesagt. Aber da gab es auch noch keinen Vampir in ihrem Leben. „Aber für dich würde ich Punkt eins und zwei von meiner Liste streichen.“
„Vicki wäre die Richtige für den Fall. Mystische Morde sind doch ihr Spezialgebiet.“
Mike hatte schon einen Kommentar auf der Zunge liegen, schluckte ihn aber wieder hinunter. Ganz Unrecht hatte Kate ja nicht. Außerdem war sie aus irgendeinem unerfindlichen Grund auf Vicki eifersüchtig. Etwas das Mike überhaupt nicht verstand, aber Frauen waren nun einmal so. Sie starrte einen Moment auf die Wand, dann war sie wieder die professionelle Fahnderin.
„Würdest du mich in die Pathologie begleiten und dir meine Leichen ansehen? Vielleicht hast du ja eine Idee. Zudem muss ich mich immer überwinden dorthin zu gehen. Dr. Mohadevan ist mir manchmal unheimlicher als alle Toten zusammen.“
„Ich komme gerne mit. Ich muss mir auch noch ihren Abschlussbericht abholen.“
„Danke, Mike.“ Sie trank einen Schluck Kaffee, danach lächelte sie ihn an, aber es war ein sehr verkrampftes Lächeln. Mike wusste, dass es der bevorstehende Besuch in der Pathologie war, der ihr Schwierigkeiten bereitete.
„Es soll Leute geben, die sich strikt weigern, mit ihr zu kommunizieren, weil sie ihnen zu seltsam ist. Vor Jahren ist ein Neuling schreiend aus ihrer Abteilung gerannt, weil sie eine der Leichen angesprochen hat.“
„Dieser junge Herr hieß nicht rein zufällig Celluci?“ Jetzt kam ihr Lächeln von Herzen.
Mike schüttelte den Kopf.
„Nein, es war jemand, der zusammen mit Vicki seine erste Berufserfahrung sammelte. Nach diesem Vorfall entschied er, dass er sich den falschen Beruf ausgesucht hatte. Wollen wir los?“
Mike stand auf und zog sich sein Jackett an. Aus Rücksicht auf ihre Klienten sorgte Dr. Mohadevan dafür, dass es in der Pathologie recht kühl war.
„Danke, Mike. Ich weiß es sehr zu schätzen, dass du für mich deine Freizeit opferst.“
„Keine Ursache. Du hast mir schon so oft geholfen, ich wäre ein schlechter Kollege, wenn ich jetzt abhauen würde.“
Sie sagte nichts, aber Mike hatte den Eindruck, dass sie mit seinem Kommentar nicht zufrieden war. Er konnte nur nicht verstehen warum.

Als Mike und Kate die Pathologie betraten, saß Dr. Mohadevan vor ihrem Computer. Sie blickte hoch und lächelte.
„Hallo, wie kann ich helfen?“
„Hallo, Doktor.“ Mike erwiderte ihr Lächeln. „Haben Sie bei meiner Leiche noch irgendetwas gefunden?“
Dr. Mohadevan schüttelte den Kopf, nahm eine Mappe vom Schreibtisch und schlug sie auf. „Nur Kleinigkeiten. Man hat 24-mal auf meinen Kunden eingestochen. Der Täter hatte hatte vermutlich keine Anatomiekenntnisse oder schlecht gezielt: Nicht ein einziger Stich wäre für sich alleine tödlich gewesen, aber die Summe der Verletzungen hat zu großen Schaden am Brustkorb verursacht, als dass sie hätte überleben können. Was haben Sie rausbekommen?“
„Dass es eine Eifersuchtstragödie war. Wenn er einen guten Anwalt hat, wird er wohl nur mit Totschlag davon kommen. Ich brauche noch Ihren Abschlußbericht, dann kann ich den Fall an den Staatsanwalt übergeben.“
„Gratuliere. Dann kann ich sie frei geben?“
„Ja, ihr Ehemann hatte mich schon gefragt, damit er die Beerdigung planen kann.“
Mike vergrub seine Hände in den Hosentaschen und sah sich um. Im Raum verteilt standen mehrere Tische, auf denen Leichen lagen. Es war kühl und die Luft roch - wie immer - seltsam.
„Haben Sie Zeit gefunden, sich um meine Leichen zu kümmern?“ Kate hatte die Akte mitgenommen und hielt die Mappe fest umklammert. Dr. Mohadevan schien ihr Unbehagen nicht zu bemerken. Sie stand auf und ging zu einem der Tische.
„Ja, und alles ist sehr rätselhaft.“ Sie schlug das Tuch zurück.
Mike sah einen ausgemergelten Körper. Es erinnerte ihn an eine Reportage über den zweiten Weltkrieg. Die Leichen aus den Konzentrationslagern hatten ähnlich ausgesehen.
„Als Todesursache habe ich Unterernährung festgestellt. Der Todeszeitpunkt war gestern Nacht gegen drei Uhr. Er muss sich über einen sehr langen Zeitraum mangelhaft ernährt haben. Die Nahrung hatte er nicht komplett verweigert, denn sowohl im Magen als auch im Darmtrakt waren Überreste von seinen letzten Mahlzeiten zu finden.“
Selbst im Halogenlicht konnte Mike sehen, wie Kate erblasste. Aber sie hatte sich unter Kontrolle. „Gibt es denn eine Möglichkeit, dass er innerhalb von 48 Stunden so viel Gewicht verloren hat?“
„Nein.“ Dr. Mohadevan schüttelte den Kopf. „So etwas ist einfach nicht möglich. Wenn jemand die Nahrungsaufnahme verweigert, dann kann es Wochen und Monate dauern, bis er daran stirbt. Im Gegensatz dazu stirbt man innerhalb von zehn Tagen, wenn man keine Flüssigkeit zu sich nimmt. Aber das ist hier nicht der Fall.“
Kate schlug ihre Mappe auf.
„Ich habe hier den Beweis, dass der Tote, Peter Fritzman, zwei Tage vor seinem Tod so aussah.“
Sie reichte der Ärztin ein Bild. Neugierig schaute Mike über ihre Schulter.
Auf dem Bild war ein leicht übergewichtiger Mann zu sehen, der mit einem Sektglas in der Hand dem Fotografen zuprostete.
„Irgendwoher kenne ich ihn“, stellte Mike fest.
„Bestimmt aus der Presse. Sein letztes Buch war ein Bestseller und vorige Woche ist das Nachfolgewerk heraus gekommen, das sich auch gut verkauft. Aber das erklärt noch nicht, wie er innerhalb von zwei Tagen  ungefähr sechzig Kilo abnehmen konnte.“
Mike zuckte mit den Schultern. Er hoffte, dass Coreen es erklären konnte. Allerdings befürchtete er, dass ihm ihre Erklärung nicht gefallen würde. „Was ist mit dem anderen Toten? Du sprachst von einer Mordserie.“
„Crowley behauptet, dass es eine ist“, verbesserte Kate ihn. „Wie sollen wir einen Täter finden, wenn wir noch nicht einmal wissen, wie die Opfer gestorben sind?“ Bevor Mike antworten konnte, sprach Kate weiter. „Ich weiß: Finde ein Motiv und du findest den Täter.“
Dr. Mohadevan ging zu einem anderen Tisch und schlug das Tuch zurück. Auch dort lag ein ausgemergelter Körper.
„Michael Keeper. Single und lebte in einer kleinen Mietwohnung. Seine Nachbarn haben ihn heute Morgen tot in seiner Küche aufgefunden. Der Kühlschrank war gut gefüllt. Er arbeitete als Reporter bei einem Magazin. Spezialgebiet Lifestyle und Modetrends. Ich war gegen Mittag in seiner Redaktion. Dort konnte man mir nichts Besonderes berichten. Er war bei seinen Kollegen recht beliebt und man hat ihn zuletzt Anfang der Woche bei der Besprechung für die aktuelle Ausgabe gesehen. Da sah er noch ganz normal aus. Er war ein begeisterter Jogger. Typ sportlich/schlank.“
Kate hatte ihre Hausaufgaben gemacht.
„Tatsache ist aber, dass er genau so verhungert ist wie mein anderer Klient. Es wird einige Tage dauern, bis ich alle Analyseergebnisse habe.“ Dr. Mohadevan deckte die Leiche wieder zu. „Ich kann Ihnen im Moment nicht weiterhelfen. Ich werde noch einen Kollegen kontaktieren und recherchieren, aber das dauert.“ Die Ärztin ging zu ihrem Schreibtisch zurück. „Detective Celluci, ihr Bericht.“
„Danke, Sie melden sich, wenn Sie etwas erfahren?“
„Dann arbeiten Sie mit an dem Fall?“
Mike sah von Dr. Mohadevan zu Kate.
„Ich weiß es noch nicht. Kommt darauf an, was Crowley mit mir vor hat.“
„Dann viel Glück.“
Mike nickte nur. Er wusste nicht, in welcher Richtung er sich Glück wünschen sollte. Wollte er nun den Fall, oder wollte er ihn nicht?
Was er garantiert nicht wollte, war, dass Kate in Gefahr geriet.

Sie hatten gerade die Pathologie verlassen, als Kate mitten im Gang stehen blieb.
„Mike, ich muss mit dir reden.“
„So wie sich das anhört, sollten wir es besser unter vier Augen machen. Im Besprechungsraum gibt es außerdem Kaffee.“
„Mein Magen verträgt erst mal gar nichts, aber du hast Recht, wir sollten uns ungestört unterhalten.“
Kate ging weiter und Mike folgte ihr mit einem mulmigen Gefühl. Er ahnte, was sie von ihm fordern wollte.

Kaum hatte Mike sich einen Kaffee eingeschüttet, als Kate mit dem herausrückte, was ihr auf dem Herzen lag. „Ich habe Crowley gesagt, dass ich ohne Pete nicht arbeiten kann und einen Partner brauche, um den Fall zu lösen.“
Pete hatte sich beim Sport das Bein gebrochen und schaute alle paar Tage im Präsidium vorbei, weil er sich langweilte, aber helfen konnte er Kate nicht.
Mike spürte ihren fragenden Blick, stellte sich aber dumm.
„Eine vernünftige Frage. Wie hat sie reagiert?“
„Du wirst es nicht glauben, sie hat zugestimmt.“
Mike hatte sich hingesetzt und spielte mit seinem Kaffeebecher und sah zu, wie Kate unruhig auf und ab lief. Er ließ sich durch ihr Verhalten nicht aus der Ruhe bringen und wartete ab. Dann kam sie auch schon, Kates Frage.
„Mike, du weißt, dass Crowley dich dazu verdonnern kann, aber ich weiß, dass ich dann eine vernünftige Zusammenarbeit mit dir vergessen kann, weil du dann dein eigenes Ding machst – und mich bestenfalls Akten sortieren lässt. Dann verzichte ich dankend auf unsere Zusammenarbeit. Trotzdem möchte ich dich bitten, mein Partner zu werden? Wenigstens vorübergehend? Dave hat doch noch zwei Wochen Urlaub und in der Zeit könnten wir viel erreichen.“
Mike stand auf und blickte durch das Fenster in der Tür. Er sah nur den leeren Gang, dafür drehte er Kate den Rücken zu, so dass sie seine Mimik nicht mitbekam.
„Du weißt, dass Crowley mich schikaniert, wo es nur geht?“
„Ich weiß, besonders Vicki ist ein rotes Tuch für sie.“
„Alte Feindschaften. Du weißt auch, dass meine ehemals so fantastische Aufklärungsquote hundsmiserabel ist, eben weil ich ständig so seltsame Fälle bekomme?“
„Auch das ist mir bekannt.“ Ihre Stimme war ruhig und gelassen.
„Warum sollte ich mich also auf diesen Deal einlassen? Die Todesursache ist absolut rätselhaft. So seltsam, dass noch nicht einmal Dr. Mohadevan eine Idee hat, was passiert sein konnte. Und sie hat eine sehr rege Phantasie.“
„Oh, ja, sie hat mich mehr als nur einmal damit erschreckt. Erstaunlicherweise lag die Wahrheit immer nur ein winziges Stück von ihren Theorien entfernt.“
Mike wusste, dass die Wahrheit so manches Mal noch viel unheimlicher war als Dr. Mohadevans Vermutungen. Dafür musste man aber an Dämonen und Ungeheuer glauben.
„Kate, ich helfe dir gerne, ich werde auch meine Quellen kontaktieren, aber das ist dein Fall, nicht meiner.“
Es würde ein Balanceakt werden, Kate gerade so viele Informationen zu geben, wie sie brauchte, ohne sie in Gefahr zu bringen, aber Mike hoffte, dass er es schaffen würde. Er musste es schaffen.
„Glaubst du wirklich, dass es reicht, wenn du mir hilfst? Mike, dreh dich um und sieh mich an. Schotte dich nicht so ab. Wenn wir schon keine Partner sind, dann sind wir doch Freunde und mir gegenüber kannst du ehrlich sein.“
Mike bezweifelte, dass sie seine Ehrlichkeit schätzen würde. Bestenfalls würde sie ihn für einen Lügner, schlimmstenfalls für verrückt halten. Trotzdem drehte er sich um.
„Was erwartest du von mir?“
„Mehr als deine Hilfe. Dass du an meiner Seite stehst, wenn es hart auf hart kommt. Inzwischen weiß ich ja, dass du mir nicht sagen wirst, was wirklich vor sich geht. Du bist in den letzten Monaten ein Geheimniskrämer geworden. Die Aufklärungsstatistik ist mir egal.“ Kate atmete durch. „Falls es einen Serienkiller geben sollte, muss er gestoppt werden. Und so wie ich die Situation im Moment einschätze, bist du der einzige, der das kann. Das zählt, sonst gar nichts.“
Mike kratzte sich im Nacken. Ihr Argument hatte etwas für sich. Aber bevor er ihr etwas versprach, wollte er eine Nacht darüber schlafen. Solche Entscheidungen traf er nicht aus dem Bauch heraus.
„Gib mir etwas Bedenkzeit. Ich werde heute Abend die Akte durcharbeiten und dir morgen früh sagen, ob ich dein Partner werde oder nicht. Mehr kann ich dir im Moment nicht versprechen.“
Kate sah ihn einen Augenblick an, dann nickte sie. „Gut, das ist mehr, als ich erhofft habe. Wirst du die Akte Vicki zeigen?“
Mike nickte nur, seine Expartnerin hatte nicht nur einen Hang zu mystischen Fällen, sie war auch die beste Ermittlerin, die er kannte. Ohne ihre Tipps wäre seine Aufklärungsrate noch schlechter – ohne sie hätte er aber auch wesentlich weniger 'unaufklärbare' Fälle gehabt.
„Die Daten sind vertraulich. Crowley wird dir ein Disziplinarverfahren anhängen, wenn sie es herausbekommt.“
„Es wäre weder das erste und ganz bestimmt nicht das letzte Mal, dass sie das bei mir versucht. Bisher hat sie keinen Erfolg gehabt.“
„Ich mache mir Sorgen.“
Langsam verstand Mike, warum Vicki sich wehrte, wenn er sich seine Gedanken über ihr Leben machte und ihr Ratschläge gab.
„Aber du wirst es nicht ändern können. Entweder du akzeptierst, dass ich es auf meine Art und Weise mache, oder die Diskussion endet hier und jetzt. Dabei wirst du aber nicht nur Akten sortieren, sondern wie Dave deine eigene Verantwortung haben.“
Seltsamerweise fühlte er schon jetzt, wie sehr er sich mit dem Fall identifiziert hatte. Es würde schwer werden, nicht weiter zu recherchieren, sollte er Gründe finden, sich dagegen zu entscheiden.
Sie seufzte, verschränkte ihre Arme vor der Brust, dann nickte sie. „Wie du willst“, sagte sie mit einem resignierten Unterton und reichte Mike die Akte.
Er schlug das Deckblatt auf. Die Akte enthielt die üblichen Unterlagen. Einige Fotos und mehrere Berichte, nicht viel, aber ein Anfang. Er hatte sich gerade in den ersten Polizeibericht eingelesen, als Kate sich räusperte.
Mike blickte hoch.
„Soll ich dir morgen Früh einen Kaffee mitbringen?“
Mike wusste das Angebot zu schätzen. Auf ihrem Weg zur Arbeit lag Torontos bester Kaffeeladen.
„Danke, gerne.“
„Gut, bis morgen.“
„Bis morgen.“
Mike sah Kate hinterher. Es war nicht mehr die Frage, ob er den Fall übernehmen wollte. Die würde er klar mit ’ja’ beantworten. Die Frage war, ob er mit Kate zusammenarbeiten konnte. Er fühlte eine seltsame Spannung, die zwischen ihnen war. Dabei war es nur ein Gefühl, nichts mit Beweisen. Seufzend trank Mike seine Tasse leer.
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