Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Ein bisschen wie Sterben

von Maia
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P18 / MaleSlash
Draco Malfoy Harry Potter Hermine Granger Neville Longbottom Ronald "Ron" Weasley Seamus Finnigan
02.01.2009
10.03.2013
28
224.052
138
Alle Kapitel
413 Reviews
Dieses Kapitel
13 Reviews
 
02.01.2009 2.243
 
Anlage 1 zur Ersten Vorlesung


25. April 2013

Unsere große Sonderserie, das Slytherin-Spezial zu „Grün ist die Hoffnung“!
Diesmal im Gespräch mit unserer feurigen Reporterin Clarissa Pepper: Pansy Parkinson


Tagesprophet (TP): Miss Parkinson, vielen Dank, dass Sie uns heute empfangen und sich dazu bereit erklärt haben, uns ein Interview zu geben. In wenigen Tagen wird das neue Buch von Seamus Finnigan erscheinen, pünktlich zum 15. Jahrestag der Schlacht um Hogwarts. Er beschreibt darin die Ereignisse, die sich in Ihrem sechsten Schuljahr zugetragen haben und beschäftigt sich ausführlich mit dem sozialen Gefüge der Slytherins. Sie haben, gemeinsam mit Ihren ehemaligen Klassenkameraden, wesentlich zur Entstehung des Buches beigetragen. Wie kam es dazu?
Pansy Parkinson (PP): Nun, Seamus hat bereits vor sechs Jahren, als er sein erstes Buch begonnen hat, erzählt, dass er gerne irgendwann eines schreiben würde, das die Slytherinsicht der Geschehnisse beschreibt. Ich fand das ungeheuer wichtig und spannend, allerdings hat er es dann lange nicht mehr erwähnt. Und vor ungefähr zwei Jahren kam plötzlich eine Eule mit der Frage, ob ich bereit wäre, ihm bei der Recherche zu helfen. Natürlich habe ich Ja gesagt.
TP: Miss Parkinson, während Ihrer Schulzeit war das Verhältnis zwischen-
PP (unterbricht): Bitte, lassen wir diese alten Geschichten doch. Das weiß nun wirklich jedes Kind, dass Slytherins und Gryffindors nicht gerade die besten Freunde waren. Eine gewisse Rivalität herrscht schließlich auch heute noch zwischen den vier Hogwartshäusern und das ist gut so.
TP: Gewiss. Trotzdem wäre es interessant zu erfahren, warum Sie sich sofort dazu bereit erklärt haben, Mister Finnigan zu assistieren. Immerhin verarbeitet er in seinem Buch viele Ihrer persönlichen Erfahrungen. Hatten Sie keine Angst, diese privaten Erinnerungen mit der breiten Masse zu teilen?
PP: Ich kenne Seamus seit unserem ersten Schultag. Sicher, es hat über sieben Jahre gedauert, bis wir uns wirklich kennengelernt haben, aber ich vertraue ihm, als Mensch und als Autor. Er  schreibt hervorragend und ich wusste, dass ich nichts zu befürchten hatte. Er ist immerhin kein lausiger Klatschreporter.
TP: Ja. Selbstverständlich nicht. Vielleicht wären Sie ja bereit, uns ein wenig über Ihre gemeinsame Arbeit zu berichten? Wie sind Sie vorgegangen?
PP: Die meiste Arbeit hat Seamus geleistet. Seine Recherche war bereits äußerst umfassend, als ich dazu gestoßen bin. Er hat mir sein Projekt vorgestellt, mir erklärt, wie sich das Ganze entwickeln soll und ich habe geholfen, so gut es ging. Das bedeutet, ich habe hauptsächlich geredet. Geredet, geredet und nochmals geredet, während Seamus zugehört und mitnotiert hat.
TP: Miss Parkinson, wie schwer war es für Sie, diese Zeit nochmals gedanklich zu erleben? Es war gewiss nicht leicht...
PP: Sparen Sie sich Ihr Mitleid. Darauf kann ich getrost verzichten. Dass es leicht werden würde, hat Seamus nie behauptet. Er hat mir nichts vorgemacht, sondern von Anfang an gesagt, worauf er seinen Schwerpunkt legen wollte, und das waren nunmal persönliche Erfahrungen und Eindrücke. Ich habe mich darauf vorbereitet so gut es eben ging, aber geholfen hat das nicht viel. Dennoch – ich würde es immer wieder tun. Weil es wichtig ist, dass die Öffentlichkeit unsere Geschichte erfährt. Und Seamus kann sie am besten erzählen.
TP: Miss Parkinson, danke für dieses Interview.

oOo

Anlage 2 zur Ersten Vorlesung

Grün ist die Hoffnung – Seamus Finnigan

Vorbemerkungen


Als ich im August 2005 meine Doktorarbeit einreichte, hatte sich in meinem Kopf längst eine Idee niedergelassen, die langsam Gestalt annahm, während sich in meinem Wohnzimmer die Bücher zu einem ganz anderen Thema stapelten. Wenige Woche später begann ich mit den Vorarbeiten zu meinem ersten Buch, aber jene Idee hat mich seit damals nicht losgelassen. Und nun endlich habe ich Zeit und Muße gefunden, mich mit ihr zu befassen, gründlichst zu beschäftigen und auseinanderzusetzen.
Ich wollte mich ihr erst zuwenden, wenn ich sicher war, dass ich mich auf sie konzentrieren konnte. Ich wollte keine halben Sachen machen, schon gar nicht in dieser Beziehung. Ich wollte ausführlichst recherchieren und einen möglichst detailgetreuen Einblick gewährleisten. Was daraus geworden ist, halten Sie soeben in Ihren Händen.
Der Titel stand von Anfang an fest: Grün ist die Hoffnung. Daran hat sich auch nichts mehr geändert. Selbst mein Manuskriptgerüst ist mehr oder weniger gleich geblieben.
Ich wollte Eindrücke sammeln von der Zeit, die dem Zweiten Dunklen Krieg, wie er heute so schön genannt wird, unmittelbar vorausschritt. Jedoch nicht irgendwelche Eindrücke, sondern die Empfindungen derer, von denen jeder annahm, dass sie auf Seiten des Dunklen Lords kämpfen würden. Ich wollte ihre Geschichte erzählen, die Geschichte meiner Klassenkameraden, der Schlangen, weil sie mir vorkam wie eine Geschichte, die auf dem besten Weg war, verloren zu gehen.
Unmittelbar nach meiner ersten Idee begann ich, Stichpunkte zu notieren, Erinnerungsfetzen, die ich aus meinem Gedächtnis fischte, aber ich fing auch an, Freunden und Bekannten davon zu erzählen. Die Grenzen zwischen Gryffindor und Slytherin waren im Leben nach Hogwarts bereits derart verblasst, dass ich mich glücklich genug schätzen durfte, einige ehemalige Slytherins zu meinen Freunden zu zählen.
Ihr Enthusiasmus und ihre Begeisterung für meine Idee hat mich schier überwältigt. Auch später, als die ernsthafte, wissenschaftliche Arbeit bevorstand, drängten sie sich an meine Seite und erzählten mir bereitwillig ihre Geschichten.
Dafür kann ich ihnen kaum genug danken. Ohne ihre Unterstützung hätte ich dieses Projekt niemals begonnen, geschweige denn beendet. Ihre Bereitschaft, über innerste Gefühle mit mir zu reden, hat mich tief beeindruckt und verlegen und stolz zugleich gemacht. Die Freundschaft von Slytherins ist nicht leicht zu erringen, doch man behält sie ein Leben lang.
Dieses Buch handelt von den kalten Seiten des Kriegs, von störrischen Jugendlichen, die verzweifelt nach ihrem Weg suchten und manchmal hin und hergetrieben wurden wie Blätter im Wind, aber die sich wehrten, die sich in keine Kategorie stecken ließen, die stolz sind und leidenschaftlich, tief unter einem harten Kern, der unzerbrechlich ist.
Es ist nicht leicht, diese Jugendlichen lieben zu lernen, und noch schwieriger, sie zu verstehen, doch dieses Buch ist ein Versuch.
Es ist ihre Geschichte. Ich erzähle sie nur.
Mein Dank geht an die überlebenden Slytherins des Abschlussjahrgangs 1998. Allen voran danke ich Blaise Zabini, Pansy Parkinson, Draco Malfoy, Theodore Nott und Millicent Bulstrode, für Abende voller Rotwein und Gelächter und Zigarettenrauch, für Nachmittage voll besinnlicher Gespräche, für Vormittage voll Kaffee und Toast mit Bohnen, für Nächte voller Tränen und klammer Erinnerungen.
Für ihren Glauben an mich, für ihren Glauben an mein Buch. Dafür, dass sie niemals aufgegeben haben.
Grün ist die Hoffnung.

- Februar, 2013
S.F.


oOo

Anlage Drei zur Ersten Vorlesung

Als ich ein kleiner Junge war – Neville Longbottom

Auszug aus Kapitel Eins

Einem Kind die Wahrheit zu erklären, kann manchmal schwierig sein. Vielleicht liegt es daran, dass so viele Erwachsene es vorziehen zu lügen, schließlich ist es einfacher für sie und wenn sie Glück haben, wird es Jahre dauern, bis dem Kind bewusst wird, dass seine Wahrheit eine falsche ist. Und bis dahin hat es vielleicht längst vergessen, wer ihm damals die Geschichten aufgetischt hat.
Meine Großmutter gehörte nicht zu den Erwachsenen, die Kinder anlog. Sie sagte immer, dass jeder das Recht habe, die Wahrheit zu erfahren, vor allem, wenn sie einen selbst etwas anging, wenn es seine eigene, ganz persönliche Wahrheit war.
Als ich klein war, hatte ich Angst vor meiner eigenen Wahrheit. Ich traute mich nie, meine Großmutter nach ihr zu fragen, weil sie mich manchmal mit seltsamem Blick musterte und dann schwer seufzte. Heute weiß ich, wie schwer es ihr gefallen sein muss, nochmal alles zu erleben. Ein Kind großzuziehen, das ihr Enkelsohn war; ein Kind aufwachsen zu sehen, ein Privileg, das ihrem Sohn und seiner Frau hätte gehören sollen und das nun ihr zugefallen war.
Sie trug schwer an ihrer Bürde. Warum hatte es meine Eltern treffen müssen, die neue, die junge Generation, warum nicht sie, die alten Reihen, die doch sowieso am Aussterben waren?
Wir haben das damals nie besprochen. Nicht, weil sie mir die Wahrheit vorbehalten wollte, sondern weil sie der Ansicht war, es sei ihre Angelegenheit und sie müsse mit ihren Schuldzuweisungen und Selbstvorwürfen auch selbst zurechtkommen.
Irgendwann habe ich es doch getan und sie nach gefragt, nach meiner Wahrheit.
Es war ein Abend im Dezember, ich saß, eingewickelt in eine bunte, alte Patchworkdecke, auf dem Sofa neben dem Kamin und schaute den Flammen beim Tanzen zu. Ich weiß nicht mehr genau, wie alt ich war. Vielleicht sieben, vielleicht älter, vielleicht jünger.
Meine Großmutter saß mir gegenüber, auf dem zerschlissenen, roten Sessel, und hat gestrickt. Ihre Augen waren zusammengekniffen und konzentriert auf ihr Strickzeug gerichtet, sie hatte die Stirn in tiefe Falten gelegt und zählte halblaut Maschen. Ich glaube, es wurden Socken für mich.
Der Winterwind trieb Hagelkörner prasselnd gegen die Fensterscheiben, es klopfte und klirrte und ich versank tiefer in meiner Decke. Ich mochte den Winter nicht, als Kind. Er machte mir Angst. Ich stellte ihn mir vor als einen großen, alten Mann mit kaltem Lächeln und langen Armen und klammen Fingern, mit denen er nach allem greifen konnte, was er wollte.
„Neville“, sagte meine Großmutter gereizt, „Das ist doch nur der Wind! Hier drin passiert dir nichts...“
Ich reckte mich trotzig auf und murmelte etwas von wegen, das wüsste ich doch und ich hätte gar keine Angst, aber sie wusste es besser und ihre Adleraugen blickten mich prüfend an. „Natürlich hast du Angst“, stellte sie fest und strickte weiter, „Merlin nochmal. Du hast Angst vor Sturm und Angst vor Gewitter und Angst vor ich weiß nicht was noch. Als dein Vater so alt war wie du...“
Sie unterbrach sich selbst und ich konnte fühlen, wie meine Wangen brannten. Ich kannte die Heldengeschichten meines Vaters. Ich wusste, wie sehr sie ihren Sohn liebte, was für ein guter Mensch er war, ich konnte all die Streiche aus seiner Kindheit nacherzählen, aber da war ein blinder Fleck, irgendwo nach seiner Hochzeit und meiner Geburt, wo die Geschichten meiner Großmutter stets endeten.
„Oma“, machte ich vorsichtig, jedoch wild entschlossen, diesmal alles hören zu wollen, „Oma, was ist passiert mit Mama und Papa?“
Wir waren sie oft besuchen gegangen im St. Mungo's. Jeden Sonntag, mindestens. Meine Großmutter zog mir meine besten Kleider an, kämmte mir die Haare und nahm mich resolut an die Hand, bevor wir apparierten und dann mit dem Aufzug fuhren. Ich mochte den Aufzug nicht. Die Menschen, die in ihm standen, waren niemals fröhlich.
Wenn wir im Zimmer meiner Eltern ankamen, räusperte sich meine Großmutter stets auf ganz eigenartige Weise und drückte meine Hand so fest, dass es wehtat. Ich sagte nie etwas.
Ich verstand, dass etwas mit meinen Eltern nicht in Ordnung war, dass sie nicht waren wie andere Eltern. Ich verstand nur nicht, warum das so war. Was mit meinen Eltern nicht stimmte. Ich mied das Thema, vielleicht, weil ich intuitiv Angst hatte vor der Wahrheit, von der ich wusste, dass meine Großmutter sie mir sagen würde, wenn ich nach ihr fragte. Also tat ich es nicht.
Mir ging es so vielleicht nicht gut, aber ich war mir sicher, dass es mir schlechter ginge, würde ich die Wahrheit erfahren.
Ich verstand, dass meine Eltern im Krankenhaus waren und dass man sich dort um sie kümmerte. Ich verstand, dass sie nicht richtig mit mir reden konnten, doch das störte mich nicht so sehr. Ich setzte mich zwischen ihre Betten, mit beiden Händen nach den ihren greifend, und erzählte ihnen etwas von mir. Sie hörten zu.
Sie schimpften nicht mit mir. Das habe ich mir immer vorgesagt, wenn mich jemand mit Trauerblick bedachte und etwas von „Der arme Junge...“ murmelte. Ich begriff nicht, warum sie mich mit ihrem Mitleid überschütten wollten. Ich wusste nur, dass es mit meinen Eltern zu tun hatte und dass es besser war, nicht an der Oberfläche zu kratzen.
Warum ich es an jenem Abend doch tat – ich weiß es nicht. Vielleicht störte es mich, dass meine Großmutter mir immer erzählte, wie ängstlich ich war im Gegensatz zu meinem Vater, wo ich genau wusste, dass er im Krankenhaus lag, während ich nachts alleine über den dunklen Gang zum Badezimmer musste. Vielleicht wollte ich ihr wehtun. Ihr zeigen, sie erzählen lassen, dass ihr perfekter Sohn nicht perfekt war, obwohl ich meinen Vater liebte und verehrte und mich hasste für dieses Gefühl.
Kinder können unendlich grausam sein.
Natürlich erzählte es mir meine Großmutter. Sie log nicht. Hatte sie mir gegenüber noch nie getan und würde es nicht tun.
Sie berichtete mir von Dingen, die ich nicht verstand. Sie sprach über Prophezeiungen und böse Menschen und einem, dem die bösen Menschen folgten, der der Schlimmste von ihnen allen war. Und dann gab es Andere, die gegen die Bösen kämpften. Es war leicht, die Welt in Gut und Böse zu unterteilen, damals.
Sie erzählte mir, dass es eine Gruppe dieser bösen Menschen gegeben hatte, die meinen Eltern sehr wehgetan hatte. Die sie verletzt hatte. So sehr, dass etwas in ihnen kaputtgegangen war. Etwas, was man nicht mit einem Zauberspruch reparieren konnte, so wie die vielen Tassen, die ich wöchentlich herunterwarf.
Ich war verwirrt und traurig. Warum würde jemand meinen Eltern wehtun wollen?
Meine Großmutter sagte, es würde daran liegen, dass meine Eltern an etwas Anderes glaubten als diese Menschen. Dass diese Menschen jedes noch so kleine Detail zum Anlass nehmen würden, um zu rechtfertigen, jemandem wehzutun.
Dass man an etwas Anderes glaubte als sie.
Dass man gerne glücklich war und in Ruhe und Frieden leben wollte.
Dass man eine Familie hatte und zufrieden war.
Dass man in Hogwarts in einem anderen Haus gewesen war als sie.
Ich kannte die Häuser. Das war etwas, was ich verstand.
An diesem Abend begann ich, Slytherins zu hassen, mit all der Inbrust, die ein Siebenjähriger nur aufbringen kann.
[...]

tbc
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast