Die Nacht danach

von aislingde
GeschichteDrama / P12 Slash
Henry Fitzroy Mike Celluci
25.12.2008
28.12.2008
2
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Titel: Die Nacht danach
Fandom: Blood Ties
Autor: Aisling
Personen: Mike Celluci, Henry Fitzroy
Spoiler: 1.07 + 1.08 Heart of Ice & Heart of Fire (Inquisitor Teil 1+2)
Kategorie: Drama, Pre-Slash, Missing Scene
Inhalt: Die erste Begegnung nach dem Biss.
Disclaimer: Blood Ties gehört Tanya Huff & Kaleidoscope Entertainment Inc. Ich habe nur ein wenig Spaß mit den Jungs und verdiene nicht einen einzigen Cent.
Beta & Unterstützung: Birgitt und Yukai



Mike wachte auf, als es an seiner Haustür klingelte. Er sah auf seinen Radiowecker und es war noch nicht einmal neun Uhr abends.
Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte er pünktlich Feierabend gemacht und sich zu Hause sofort hingelegt. Er war fertig mit der Arbeit, der Welt, den Dämonen und überhaupt.
Mike beschloss, nicht zu öffnen und zog sich die Bettdecke über den Kopf. Er brauchte den Schlaf.
Es klingelte immer wieder; erst nach etwa zehn Minuten wurde es still. Endlich hatte sein Besucher aufgegeben.
Er wartete ein paar Minuten und als es ruhig blieb, rollte er sich wieder in seine gewohnte Position und schlief ein. Er wurde wach, als das Licht in seinem Schlafzimmer angeschaltet wurde. Er kniff die Augen zu.
„Was zum Teufel soll das? Vicki, mach das Licht aus.“
Sie war die Einzige, die einen Schlüssel zu seinem Apartment hatte und unverschämt genug war, um einfach so rein zu kommen.
„Ich bin nicht Vicki.“
Die leise, sanfte Stimme ließ Mike erstarren. Henry.
„Ich hab dir was mitgebracht.“
Irgendwie bezweifelte Mike, dass es etwas Gutes sein konnte. Schließlich war es seine Schuld gewesen, dass Henry gefoltert worden war.
Da Mike geschwächt vom Blutverlust keine Chance hatte, dem Vampir zu entkommen, versuchte er, Zeit zu schinden. Wenn er realistisch war, dann musste er zugeben, dass er nie auch nur den Hauch einer Chance hatte.
Aber vielleicht geschah ja noch das Wunder und er konnte Henry so lange hinhalten, bis Vicki zum Krankenbesuch vorbeikam und ihn rettete. Die letzten Tage waren verrückt genug gewesen, dass er auf ein Wunder hoffen durfte.
„Was? Die menschliche Version der Iluminación del sol? Brauchst du nicht. Du hast mir genug Blut ausgesaugt, dass ich mich kaum auf den Beinen halten kann.“
„Ich habe etwas vom Chinesen mitgebracht.“
Ungläubig sah Mike Henry an. Tatsächlich, er hielt eine Papiertüte in der Hand und es roch genau so wie von seinem Lieblingschinesen.
Aber er konnte – wollte – Henry nicht trauen.
„Warum?“
„Weil ich von dir mehr Blut genommen habe, als gut für dich ist. Nenn es Verantwortung gegenüber meinem Essen.“
Dabei zeigte Henry seine Zähne. Die Vampirzähne.
„Toll, jetzt werde ich zur Mahlzeit degradiert. Das mit der Verantwortung … Soll ich dir das ernsthaft glauben?“
Jetzt, da er wach war, machte sich der Hunger bemerkbar. Er hatte heute nur ein Sandwich gehabt.
„Nein.“ Henry lächelte liebenswürdig, dieses Mal ohne seine Zähne zu zeigen. „Aber ich bekomme Ärger mit Vicki, wenn es dir nicht innerhalb weniger Tage besser geht. Du musst essen, damit dein Körper neues Blut bilden kann. Komm.“
Henry machte eine einladende Bewegung, doch Mike schüttelte den Kopf.
„Geh schon mal vor, ich muss mir was überziehen.“
„Du schläfst nackt?“
Es war mehr eine Feststellung, doch Henrys anzüglicher Blick bewirkte, dass Mike sich auf einmal sehr verletzlich fühlte.
„Ja. Ich bevorzuge es allerdings, dass ich mich anziehe, ohne dass mich jemand anstarrt.“
„Wie du möchtest.“
Henry verschwand. Nur das Licht und der Geruch nach asiatischem Essen überzeugten Mike, dass er nicht geträumt hatte.
Er schlug die Bettdecke zur Seite und setzte sich hin. Der Arbeitstag hatte ihm gelehrt, sich nur langsam und vorsichtig zu bewegen, wollte er sich keinen Schwindelanfall einhandeln. So dauerte es fast fünf Minuten, bis er sich seine Jeans und ein Shirt angezogen hatte. Er betastete seinen Halsansatz. Das Pflaster wurde vom Shirt nicht verdeckt. Aber das machte nichts, schließlich war Henry derjenige, der die Wunde verursacht hatte.
Langsam ging er in die Küche und kam sich wie ein sehr alter Mann vor.
In Henry saß an dem kleinen Küchentisch und hatte die Tüte ausgepackt.
Mike setzte sich auf den anderen Stuhl und beäugte seinen Gegenüber. Nichts deutete darauf hin, dass Henry eine Falle für ihn aufgebaut hatte.
„Wie bist du eigentlich hier rein gekommen?“
Henry zuckte mit den Schultern.
„Das Wohnzimmerfenster war offen.“
„Wir sind im fünften Stock und du bist ein Vampir.“
„Eben weil ich ein Vampir bin, komme ich in den fünften Stock. Das ist kein Widerspruch.“
„Aber ein Vampir…“ Mike massierte seine Schläfen. Wo war seine Logik geblieben? Sonst schaffte er es doch auch, Verdächtige erfolgreich zu verhören.
„Du meinst, ein Vampir darf nicht ohne Erlaubnis des Besitzers seine Wohnung betreten?“
Henry stand auf, holte eine Cola aus dem Kühlschrank und stellte sie vor Mike hin.
„Ja, so in etwa.“
Mike kam sich selten dämlich vor. Er hatte bis vor wenigen Wochen nicht an Dämonen, Vampire und Ähnliches geglaubt und dann verließ er sich auf die Sagen seiner Kindheit, ohne eigene Recherchen anzustellen.
„Iss, dann beantworte ich deine Fragen.“
Henry schob Mike eines der Gerichte und Stäbchen rüber. Er öffnete die Packung. "Sind das wirklich nur die gebratenen Nudeln? Oder hast du in deiner Fürsorge für zusätzliche... Nährstoffe gesorgt?"
Henry sah aus, wie die Unschuld selbst. Selbst sein Grinsen war nicht anzüglich.
Mit einem resigniertem Seufzer fing Mike an zu essen. Er hatte keine Ahnung, was in dem Kopf des anderen vorging.
„Ich esse. Was stimmt von den alten Sagen?“
„Fast gar nichts.“ Henry lehnte sich entspannt zurück und verschränkte die Hände hinter seinem Kopf. „Ich brauche keine Einladung, um eine Wohnung zu betreten. Knoblauch stinkt und schmeckt mir nicht, umbringen tut es mich aber nicht, noch hat es sonst irgendwelche Auswirkungen auf meinen Metabolismus. Wie du siehst, trage ich ein silbernes Kreuz. Nur das Sonnenlicht…“ Henry schwieg.
„Ich habe gesehen, wie Delphine daran gestorben ist. Danach haben wir verzweifelt versucht, dich rechtzeitig zu finden.“
„Wir?“
„Ja, wir“, gab Mike schärfer als beabsichtigt zurück. „Ich mag zwar ein Idiot gewesen sein, als ich Mendoza geglaubt habe, aber Delphines Tod hat mich endgültig auf den Boden der Tatsachen zurück gebracht.“
„Die da wären?“ Henry hörte sich an, als ob es ihm vollkommen egal wäre, was Mike nun von ihm dachte. Vielleicht war es ihm das ja auch. Wahrscheinlich war er wirklich nur hier, weil er keinen Ärger mit Vicki haben wollte.
„Dass niemand verdient hat, so zu sterben. Egal, was er getan hat oder nicht. Dass es falsch war, dich an Mendoza auszuliefern.“
Henry lächelte nur, dann deutete er auf das Essen.
„Wenn du nicht weiter isst, dann wird es kalt.“
„Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich diese Menge essen kann? Nimmst du außer Blut keine Nahrung zu dir?“
„Wenn mein Verleger mich einlädt schon. Ab und zu kann mich Vicki überreden, etwas zu probieren, aber es reizt mich nicht. Es regt meinen Appetit nicht an…“ Henry grinste, dann fuhr er fort. „Und befriedigt ihn auch nicht.“
Mike unterdrückte ein Schaudern. Hatte Henry doch auch von ihm... gekostet. Doch er war viel zu neugierig, um das Thema zu wechseln.
„Was regt deinen Appetit dann an?“
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