Kaminfeuer

GeschichteRomanze / P6
Henry Fitzroy Vicki Nelson
06.12.2008
06.12.2008
1
1894
 
Alle Kapitel
17 Reviews
Dieses Kapitel
16 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Auch diese Geschichte ist während meines Adventkalendes entstanden. Es ist meine erste Blood Ties Fanfic... Ich wünsch viel Spaß!
***********************************************************************************
Kaminfeuer

Henry Fitzroy, seineszeichens illegitimer Sohn von Heinrich VIII, Vampir und Autor von historischen Liebesromanen, wanderte durch die schneebedeckten Straßen von Toronto und suchte – was genau, wusste er auch nicht. Seine dunklen Augen huschten von einer Straßenseite zur anderen, über die weihnachtliche Straßendekoration. Henrys Blick heftete sich an einem Pärchen, welches Hand in Hand vor ihm herschlenderte. Und mit einemmal wusste der Autor, was ihm fehlte, was er wollte. Er wollte nicht mehr allein sein, wollte eine Partnerin an seiner Seite haben, mit der er Hand in Hand durch die Straßen schlendern konnte. Eine Partnerin, mit der er abends gemütlich vor seinem Kamin sitzen konnte. Mit der er alt werden konnte. Henry seufzte tief, denn er wusste, dass sein Wunsch sich niemals erfüllen würde. Denn – mal davon abgesehen, dass er so gut wie gar nicht alterte - welche normale Frau würde sich mit einem Vampir einlassen? Zudem wäre es viel zu gefährlich, mit ihm zusammen zu sein. Zum einen war da sein Blutdurst und zum anderen waren da die dunklen Mächte, die ihm ständig ans Leder wollten. Keine Frau hatte es bisher sehr lange bei ihm ausgehalten. Außer einer. Vicky Nelson, Privatdetektivin und seine Partnerin im Kampf gegen das Übernatürliche. Aber Vicky hatte ja einen Freund. Obwohl Liebhaber oder Affäre besser passen würde. Henry knurrte, als seine Gedanken zu Vickys Freund wanderten. Mike Celluci, Polizist und das größte italienische Arschloch, welches ihm je begegnet war. 'Bin ich eifersüchtig?', fragte Henry sich. 'Warum reagiere ich so heftig auf ihn? Solche Gefühle habe ich doch nicht, wenn ich Vicky mit Tony oder einem anderen Kerl sehe.'  Seine Schritte lenkten den Autor durch eine dunkle, menschenleere Gasse. Abrupt blieb er stehen und starrte in die Nacht, ohne wirklich etwas zu sehen. 'Ja, ich bin eifersüchtig', schoss es ihm durch den Kopf. 'Ich bin eifersüchtig, dass Celluci sie bei Tag sehen kann. Ich bin eifersüchtig darauf, dass Vicky ihm auch ihre Nächte schenkt.'
Wütend holte der Vampir aus und schlug mit seiner geballten Faust gegen die Mauer. Ein tiefes Loch blieb zurück, welches die Form von Henrys Faust hatte. Er wollte Vicky, er brauchte sie. Nicht, wie die anderen Frauen als 'Blutspender', der Vampir zuckte etwas zusammen bei dem Gedanken, sondern als seine Gefährtin. Aber er glaubte nicht daran, dass sie so empfinden würde. Sie hatte ja Mike. Und er würde sie nicht zwingen, sich zu entscheiden.
"Warum bin ich eigentlich noch hier?", fragte Henry sich leise, blieb stehen und schaute hoch in den Himmel. "Ich hätte gehen sollen. Ich bin nicht gut genug für Vicky. Meine Welt ist nichts für sie."
Der Autor seufzte. Er kannte auch die Antwort auf diese Frage: Er liebte Vicky und solange es Hoffnung gab, dass sie sich für in entscheiden konnte, würde er in ihrer Nähe sein. Seufzend machte der Vampir auf dem Absatz kehrt, rannte den ganzen Weg, den er gekommen war zurück und hielt erst an, als er vor dem Wohnkomplex angekommen war, in dem sich seine Eigentumswohnung befand.
"Guten Abend, Mr Fitzroy", grüsste in Greg, der ältere Wachmann und drückte auf den Summer, um die Glastür zu öffnen, welche ins Innere des Gebäudes führte. "Sie sind heute aber früh zurück."
"Guten Abend, Greg", erwiderte Henry und bemühte sich um ein freundliches Lächeln. "Ich habe einen kreativen Einfall, der schnellstens zu Papier gebracht werden muss. Ich hänge bereits etwas hinter her und mein Verleger geht mir ziemlich auf die Nerven, wann ich endlich fertig bin."
"Das kann ich verstehen. Dann viel Glück mit dem Schreiben!"
Mit einem unverbindlichen Nicken huschte er durch die Tür und nahm, entgegen seiner sonstigen Gewohnheit, die Treppe.

In seiner Wohnung angekommen, sah der Königssohn, dass ihn jemand in seiner Abwesendheit angerufen hatte: Das rote Lämpchen auf seinem Anrufbeantworter blinkte. Im Vorbeigehen drückte er auf den Abspielknopf und ging weiter in sein Schlafzimmer, um sich was Bequemes anzuziehen. Henry wollte nichts mehr, als sich in seine Couch zu kuscheln, seiner Lieblings-CD zu lauschen und in Selbstmitleid versinken. Der Gedanke überraschte ihn – er war sonst nicht der Typ, der sich selbst bemitleidete. Aber seit Vicky in sein Leben getreten war, hatten sich seine Sichtweise und sein Charakter in vielerlei Hinsicht geändert. Der Autor war so in Gedanken versunken, dass er von der Nachricht, welche er abhören wollte, nur noch das Ende mitbekam.
"… ruf mich mal an, wenn Du wieder da bist."
Vicky. Sie hatte angerufen. In Sekundenschnelle war er am Telefon und spielte die Nachricht nochmals ab. "Hi Henry, hier ist Vicky. Ich wollte…Ehm. Ja – heute…Aber da Du nicht zu Hause bist, hat sich die Sache erledigt, denke ich. Wie dem auch sei, schönen Abend und ruf mich mal an, wenn Du wieder zu Hause bist."
Henry wurde erst bewusst, dass er ihre Nummer bereits gewählt hatte, als am anderen der Leitung der Hörer abgenommen wurde.
"Nelson", ertönte die selbstbewusste Stimme der Privatdetektivin.
"Hey, ich sollte dich anrufen?" Der Autor lächelte, als er sich vorstellte, wie sie ihre Brille mit dem Mittelfinger hochschob und die Beine unter sich verschränkte, so dass sie im Schneidersitz dasaß. "Also, was kann ich für dich tun? Wolltest Du was bestimmtes?"
"Ehm, ja…Ich hab mich gefragt, ob Du nicht vielleicht Lust hättest, mal was mit mir zu unternehmen, was nichts mit Vampiren, Dämonen und Arbeit zu tun hat."
"Du meinst, so was wie ein Date?"
Henry hielt den Atem an, während er auf Vickys Antwort wartete.
"Wenn Du es so nennen willst, ja, ein Date."
"Unter einer Bedingung."
"Und die wäre?" Ihre Stimme klang angespannt – wie immer, wenn er Bedingungen stellte.
"Kein Wort über Celluci." Seine Stimme hatte einen schneidenden Unterton, als der Autor den Namen seines Rivalen aussprach.
"Oh", sie klang überrascht und verwirrt. "Das dürfte für den größten Teil des Abends kein Problem sein. Aber.."
"Was 'aber', Vicky? Weißt Du, ich habe keine Lust, mir den ganzen Abend Lobeshymnen auf Mr 'Ich bin der beste verdammte Cop von Toronto' Celluci anzuhören."
"Nein, nichts in dieser Hinsicht, ehrlich nicht. Eher das Gegenteil", erwiderte sie und lachte leise.
"Wie, das Gegenteil?" Henrys Stirn legte sich in Falten, während er versuchte, Vicky's Worten zu Sinn zu geben.
"Das erfährst Du, wenn wir uns sehen. Würde es dir was ausmachen, wenn Du mich abholst? Du weißt ja, ich seh in der Nacht gar nichts mehr und ich würde ungern die öffentlichen Verkehrsmittel nehmen."
"Klar, kein Problem. Ich bin in 20 Minuten bei dir."

Vicky lief nervös auf und ab. 'Ein Glück, dass ich schon fertig angezogen bin', dachte sie und schaute zum 10. Mal innerhalb einer Minute auf ihre Uhr. 'Ich glaube, ich könnte nicht mal die Schuhe richtig anziehen, so nervös bin ich.'
"Guter Gott, was tue ich eigentlich?", stöhnte sie leise, während sie mit fahrigen Fingern an dem Spitzensaum ihrer roten Bluse rumzupfte. "Was ist, wenn alles schief geht? Und er mich abweist?"
'Dann hast Du die Dessous ganz umsonst gekauft, Vicky', fügte die Ex-Polizistin in Gedanken hinzu.
Sie nahm wieder das nervöse Herumlaufen auf und schaute erneut auf die Uhr. Pünktlich klingelte es an ihrer Tür und Vicky flog förmlich, um sie zu öffnen.
"Henry", hauchte sie und lächelte den Mann in ihrer Tür strahlend an. "Du bist pünktlich. Genau 20 Minuten."
"Pünktlich ist mein zweiter Vorname", grinste er und verbeugte sich galant. "Gut, eigentlich ist er Lamont, aber wehe, das verrätst Du!"
"Keine Sorge, dein Geheimnis ist bei mir sicher", versprach die Privatdetektivin mit feierlichem Ernst, schnappte sich ihre Handtasche und die Schlüssel, zog die Tür hinter sich zu und hakte sich bei Henry unter. "Ich bin soweit, lass uns gehen."

"Du siehst übrigens sehr hübsch aus", verkündete der Autor, als er seine Begleitung die Wagentür aufhielt. "Das Rot steht dir ausgezeichnet."
"Da…Danke", stotterte Vicky und ihre Wangen färbten sich zartrosa.
Während der Fahrt schwiegen beide. Henry fragte sich immer noch, was die Ex-Polizistin von ihm wollte, während diese nicht wusste, was sie sagen sollte.

"Also, Du wolltest mit mir über was reden", kam der Vampir gleich zur Sache. "Wenn es etwas Unangenehmes ist, haben wir es aus der Welt und wenn es etwas Angenehmes ist, wird es die Stimmung heben."
"Nun gut", murmelte Vicky und ließ sich auf Henrys Couch niederplumpsen. "Du hast es so gewollt… Mike hat bei der Polizei gekündigt, wie Du weißt. Er wird Toronto verlassen."
"Und Du gehst mit ihm?"
Henry versuchte sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr ihm das weh tat und wie sehr er Vicky vermissen würde.
"Was? Wie kommst Du denn bitte darauf?" Sie klang aufrichtig erstaunt und etwas verwirrt.
"Ich dachte, Du und Mike…"
"Das war einmal, Henry. Das ist vorbei. Endgültig. Es hat damals nicht funktioniert und die Wiederholung war noch viel schlechter. Nein, ich habe wirklich keinen Wunsch, mit Mike nach Amerika zu gehen."
"Heißt das…Du bleibst hier?"
Der Autor konnte nur schwer die Hoffnung und Freude unterdrücken, die in ihm aufstiegen. Sie würde hier bleiben und Mike wäre fort. Weit fort…
"Ja, das heißt es. Ich habe zudem viel zu viele Gründe, um hier zu bleiben."
"Welche Gründe wären das?"
"Zum einen meine Detektei. Sie läuft gut, ich habe keinen Wunsch, sie schon wieder aufzugeben.  Meine Freunde und meine Familie leben hier. Im Gegensatz zu Mikes lebt meine ganze Verwandtschaft hier. Und dann Du", fügte sie hinzu und schaute Henry bedeutungsvoll an.
"Ich?" Erstaunt zog er eine Augenbraue hoch. "Warum sollte ich deine Entscheidung beeinflussen?"
"Komm mal her", bat die Privatdetektivin und klopfte auf den leeren Platz neben sich. "Dann zeig ich's dir."
Erstaunt, aber willig leistete Henry ihrer Aufforderung Folge. Vicky legte ihre Arme um seinen Nacken, schaute ihn tief in die Augen und zog ihn langsam näher.
"Seit ich dich das erste Mal gesehen hab, gehst Du mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich habe mich in dich verliebt, Henry Fitzroy."
Zum ersten Mal in seinen 450 Jahren fehlten dem Sohn Heinrichs des VIII. die Worte. Seine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln, während er Vicky noch etwas näher an sich zog.
"Vicky, das ist…unglaublich."
"Warum?"
"Weil ich genauso fühle. Ich liebe dich, Vicky Nelson. Seit unserer ersten Begegnung hast Du dich in mein Herz geschlichen."
Sie blickten einander tief in die Augen, während ihre Lippen zu einem Kuss verschmolzen und ohne den Kuss zu unterbrechen, sanken beide auf den Kaminvorleger. Vickys Dessous waren tatsächlich rausgeschmissenes Geld: Denn sie überlebten diese Nacht vor dem Kaminfeuer nicht.

Ende
Review schreiben