"The Fleet Street Witch" oder "Die Rezepte der Mrs.Lovett"

GeschichteAllgemein / P16
Mrs. Lovett
06.12.2008
19.02.2009
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06.12.2008 634
 
„So, da wären wir, Miss Bennett!“
Die Stimme des Mannes zeigte keinerlei Hoffnung. Wie lange versuchte er jetzt schon dieses Haus los zu werden? Es musste fünf Jahre sein... Aber wer wollte auch schon ein Haus wie dieses? Es schauderte ihn ja selbst daran zu denken.
Er steckte einen großen Schlüssel in das Schlüsselloch und drehte herum. Er konnte die Blicke der Bewohner der Fleet Street förmlich im Nacken spüren.
Mit einem leisen, traurigen Klingeln drückte er die Tür auf. Als er eintrat wirbelte er kleine Staubwolken auf dem Boden auf. Es störte ihn nicht. Nur dieses Haus endlich los zu werden, das interessierte ihn jetzt. Er war ein Mann, der schon länger lebte, hatte graues, schütteres Haar und tiefe Furchen im Gesicht, sein Gang war nie aufrecht gewesen, sein Kopf immer schon geduckt, im fehlten ein paar Zähne, aber das war normal.
„Kommen Sie herein, Miss Bennett.“, forderte er die Frau auf, die ihn begleitete. Ein junges Ding aus Canterbury. Sie hatte genügend Geld für eine Unterkunft, aber nicht für eine sonderlich gute. Jemand hatte ihr das Haus in der Fleet Street empfohlen, weil es keiner haben wollte und der Besitzer auch mit wenig zufrieden sein würde. Zudem fand Margery Bennett es zutiefst praktisch gerade dieses Haus zu nehmen, hatte man ihr doch erzählt, dass dort ein Fleischpastetenladen gewesen war und noch alle Gerätschaften vorhanden. Es war ja auch ihr Tagwerk... Fleischpasteten.
Als sie in den Gastraum eintrat schaute sie sich um. Es schien alles da zu sein, wenn auch etwas heruntergekommen. Sie nickte und ihr rotes Lockenhaar strich über ihre Schultern.
Der Mann – Shaklebent war sein Name – machte eine Handbewegung in Richtung einer dunklen Tür. Dann ging er selbst dorthin.
Brav wie ein Lamm schritt Margery hinter ihm her, durch den Wohnraum, das Obergeschoss und schließlich in den Keller. Sie war mehr als zufrieden. Ein großer Ofen, ein angemessener Fleischwolf, genug Ablage...
Sie drehte sich im Keller umher und schaute und schaute. Wieder nickte sie.
„Sagen Sie mir eins, Mr. Shaklebent.“, meinte sie dann. „Warum will keiner dieses Haus haben?“
Ihre braunen Augen glitzerten ein wenig vor Neugier. „Ich meine, man hört so einiges... an Geschichten. Die werden doch nicht der Grund sein?“
„Humbug!“, fluchte der krumme Alte. „Alles Hum...“
Mit einer Handbewegung brachte sie ihn zum Schweigen. Sie deutete auf ein Loch in der Decke. „Wenn ich nicht irre...“
Shaklebent wurde puterrot im Gesicht.
„Ich will ehrlich zu Ihnen sein.“, begann Ms. Bennett und stieg die Treppe zum Erdgeschoss herauf, während ein Grummelnder ihr folgte. Den Verkauf konnte er vergessen. „Sogar bei uns erzählt man davon, dass hier ein Barbier gelebt hätte, vor mehreren Jahren. Sie nennen ihn dämonisch und krank. Seine Gefährtin auch. Sie denken auf diesem Haus liegt ein Fluch.“
Langsam durchquerte sie den Gastraum und stellte sich ans Fenster. Eine einsame Motte flog aus den Vorhängen heraus.
„Mich interessiert...“, erhob sie plötzlich die Stimme. „...weder was noch wer hier war. Nur der Preis muss stimmen und wenn dieses Haus sowieso keiner mehr will...“
Ein Lächeln zog über Shaklebents zahnlosen Mund. Sie brauchte nicht weiter zu reden....
Der Preis war lächerlich, aber er hätte ihr das Ding auch gerne einfach hinterher geschmissen. Während er die Münzen zählte besah sich Ms.Bennett die Arbeitsplatte. „Ein bisschen schrubben...“
Shaklebent stand auf und lächelte. „Glückwunsch, jetzt gehört Ihnen das Ding!“
Bei diesen Worten stellte sich Ms.Bennett wieder ans Fenster. Hatte da nicht gerade ein Junge herein gestarrt?
„Ich verabschiede mich!“, meinte Shaklebent und tippte sich an den Hut.
Margery schaute zu ihm hin und nickte wieder. „Einen guten Tag, Mr.Shaklebent.“
Ihr Blick ging wieder hinaus, auf die Straße. Geschäftiges Treiben, Schreien, Rempeln, Betteln, Verkaufen...
Mit einem Finger zog sie eine Linie in den Staub auf der Fensterbank. Sie begann zu summen....
„‘Cause there’s no place like London...“
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