Tränen

von Gayagrod
GeschichteDrama / P12
Katherine Maifair
04.12.2008
04.12.2008
1
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Diese Geschichte enthält Spoiler für Desperate Housewives Folge 4x17!



Tränen

"Nein!" Der Schock stand Dylan ins Gesicht geschrieben, als ihr Leben vor ihren Augen zerbrach. Denn die Wahrheit, die Katherine ihr soeben erzählt hatte, war zu schrecklich. Ihr Verstand wehrte sich dagegen, das Gesagte zu akzeptieren. Sie wollte nur noch weg, weg von der Frau, die sie ihr ganzes Leben lang belogen hatte.

In Panik stürmte Dylan aus ihrem Zimmer, die Treppe hinunter. Katherine versuchte sie aufzuhalten, doch das Mädchen stieß die Hände von sich, die sie packen und festhalten wollten.

Sie würde nicht bleiben, nicht in diesem Haus. Sie hatte kein Recht dazu, denn sie war nie Katherines Tochter gewesen. Heiße Tränen wallten in ihren Augen auf, als sie zur Tür hinausstürzte und lief. Laufen, einfach nur laufen, das war das Einzige, was in diesem Moment noch zählte. Einfach nur flüchten aus diesem Alptraum.

Sie stolperte, fiel, schürfte sich die Knie auf. Der Schmerz in ihren Knien brachte sie zurück ins Hier und Jetzt. Sie rappelte sich auf und stolperte weiter, halb blind von den Tränen, die jetzt über ihre Wangen rannen.

Es war ihre eigene Schuld. Sie hatte wissen wollen, was ihre Mutter vor ihr verheimlichte.

Nein, diese Frau war nicht ihre Mutter. Katherine war es nie gewesen, genauso wenig wie Wayne ihr Vater war. Dylans Kehle war wie zugeschnürt und Übelkeit stieg in ihr auf.

Das Mädchen stürzte erneut und dieses Mal blieb sie keuchend vor Erschöpfung liegen. Wut und Verzweiflung schüttelten sie, als sie stumm weinte. Wut über ihre eigene Dummheit, Verzweiflung darüber, dass sie nun nichts mehr hatte. Kein Zuhause, keine Familie mehr.

Und zur gleichen Zeit hallte in ihrem Kopf die eine Frage nach dem Warum immer und immer wieder. Die ganze Zeit war sie nur eine Puppe gewesen, die den Platz von Katherines verstorbener Tochter ausfüllen sollte. Warum? Warum hatte sie ihr das angetan? Dass sie adoptiert war, das hätte sie verkraftet, aber sie war nur als Ersatz für die echte Dylan Mayfair ausgesucht worden. Sie war nicht Dylan und jetzt machte auch alles andere Sinn.

Dass sie sich nicht an das Haus in der Wisteria Lane erinnert hatte. Weder an Julie noch an die anderen Nachbarn, die sie angeblich gekannt hatte. Der Schmerz in Dylans Herz war unglaublich. Ihr Leben war nie ihr Leben gewesen. Sie hatte das Leben eines anderen Mädchens gelebt. Nichts von dem, was ihr zuteil geworden war, war für sie bestimmt gewesen.

Nicht einmal ihr Name gehörte ihr.

Sie weinte und als ihr Tränen versiegt waren lachte sie. Ein hysterisches Lachen, ein verzweifeltes Lachen, das doch auf absurde Weise auch befreiend wirkte.

Das Mädchen ohne Namen lachte das Schicksal aus, das ihr so übel mitgespielt hatte.
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