Rendezvous

GeschichteRomanze / P12 Slash
Leonard Kraft
03.12.2008
03.12.2008
1
2122
1
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Dieses Kapitel
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Titel: Rendezvous
Autor: Lady Charena
Fandom: Mit Herz und Handschellen
Episode: Staffel 1
Pairung: Leo/Thorsten, Nina
Rating: pg, slash
Warnung: FLUFF
Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Leo und Thorsten sind zum Abendessen verabredet. Und wie fast immer kommt Leo ein wenig zu spät. FLUFF

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.


Als Leo endlich – leicht außer Atem, denn er hatte keinen Parkplatz in der Nähe des Restaurants gefunden und musste den Porsche zwei Blocks entfernt abstellen – Thorsten gegenüber saß, benötigte es kein kriminalistisches Feingefühl, um zu erkennen, dass etwas ganz und gar nicht stimmte.

Die halbgeleerte Weinflasche in ihrem Kühler und der kaum angetastete Teller vor Thorsten sprachen Bände - und der Text in ihnen war nicht in Hindi geschrieben.

Thorsten schob Spargelstangen durch eine zähe, weiße Masse, die sicherlich vor dem Erkalten einmal Sauce gewesen war, von einer Seite des Tellers zur anderen. Die Gabelzinken kratzten über das Porzellan - ein Geräusch, das Leos Nackenhaare aufrichtete und um ein Haar hätte er ihn angefahren, es sein zu lassen. Thorsten sah nicht auf, als Leo sich setzte.

„Hey. Thorsten...“ Leo streckte die Hand aus und ließ seine Fingerspitzen über Thorstens Handrücken streifen.

Die braunen Augen blieben auf den Teller mit seinem unappetitlichen Inhalt gerichtet. „Du bist wieder einmal zu spät.“ In den Worten schwang mehr Resignation als Ärger mit und vielleicht mehr als nur ein wenig Enttäuschung. Thorsten zog die Hand weg und legte die Gabel ab, dann griff er nach seinem Glas und leerte es. Er stellte es auf den Tisch zurück und begann, mit der Fingerspitze den Rand zu umkreisen. Seine Augen blieben darauf gerichtet.

„Ich bin jetzt hier“, erwiderte Leo. „Kannst du nicht ein Mal...?“ Er brach ab, als er seine eigene Stimme hörte, die wesentlich gereizter klang, als er beabsichtigt hatte. Oder nicht?

Er war sauer darauf, dass Frau Hubrecht ihn in letzter Minute zu einer Besprechung geschickt hatte – vor der sich Nina drückte; auf den Stau, der ihn aufgehalten hatte; auf die Autofahrer, die die Straße vor dem Restaurant zugeparkt hatten, so dass er das letzte Stück zu Fuß hersprinten musste.

Er hatte keinen Grund, auf Thorsten sauer zu sein. Es kam selten genug vor, dass sie einen Abend fanden, an dem sie beide Zeit hatten, zwischen seiner Arbeit und Thorstens Engagements, die nun mal auch meistens abends stattfanden.

Thorsten sah endlich auf und lächelte schief. „Ein Mal was?“, fragte er.

„Können wir bitte ein Mal nicht darüber streiten? Es war keine Absicht.“

Wieder lächelte Thorsten und aus irgendeinem Grund war es schlimmer zu ertragen, als hätte er ihm eine Szene gemacht. „Es ist nie Absicht. Mein Fehler, zu denken, du würdest ein Mal eine Ausnahme machen.” Er schob seinen Teller weg und stand auf. „Erinnerst du dich wenigstens daran, welcher Tag heute ist?“

„Dienstag?“, entgegnete Leo in dem Versuch, die Stimmung zu heben.

Thorsten sah einen Moment auf einen weit entfernten Punkt über Leos Schulter, dann sah er ihn direkt an. „Ich glaube, ich fahre jetzt... nach Hause. Keine Sorge, Herr Polizist, ich rufe mir ein Taxi.“ Er nahm seine Jacke vom Stuhlrücken, und ging ohne ein weiteres Wort.

Leo stand auf, wie um ihm zu folgen – überlegte es sich dann jedoch anders und nahm wieder Platz. Er rieb sich mit der Hand übers Gesicht. Sollte Thorsten doch schmollen, anstatt ihm zuzuhören. Das schien er ja in letzter Zeit ohnehin bevorzugt zu tun.

Er winkte dem Kellner und bestellte Whisky mit Eis.

* * *

Er bat den Taxifahrer ein Stück vom Haus entfernt anzuhalten, bezahlte und ging den Rest zu Fuß. Die kühle Luft verschaffte ihm einen klaren Kopf und als ihn der Hund von nebenan durch den Zaun begrüßte, blieb er stehen, um zwischen die Zaunlatten zu greifen und ihn am Kopf zu kraulen.

Eine Stimme von drinnen rief den Hund ins Haus und Thorsten wischte sich seufzend die Hand an der Hose ab, bevor er den Schlüssel aus der Tasche zog und aufschloss. Er trat, ohne Licht zu machen, direkt in die Küche und an den Kühlschrank um sich etwas zu trinken zu holen.

Mit einer Flasche Wasser setzte er sich an den Küchentisch und trank langsam, Schluck für Schluck. In seinem Magen war ein kleiner, heißer Ball aus Enttäuschung und Ärger.

Plötzlich ging das Licht an und als Thorsten aufsah, stand Nina auf der Türschwelle. Sie blinzelte wie eine schläfrige Eule und drückte eine Decke an ihre Brust. „Oh. Thorsten. Was machst du hier?” Sie schien mit jedem Wort wacher zu werden und sah sich um. „Wo ist Leo? Ich will echt nicht stören, aber er muss meine Schlüssel aus Versehen eingesteckt haben, und ich komm’ bei mir nicht rein. Ich wollte nicht bleiben, ich wusste ja, dass ihr nicht da seid und hab’ den Schlüssel aus dem Versteck im Garten geholt, um meinen Ersatzschlüssel zu holen. Danach wollte ich sofort wieder verschwinden. Aber ich habe ihn nicht gefunden. Den Ersatzschlüssel, meine ich.“ Ein Gähnen unterbrach ihren Redeschwall. „Und dann hab ich mich auf die Couch gesetzt, um auf euch zu warten und da... muss ich einfach eingeschlafen sein.“

Thorsten schüttelte den Kopf und musterte sie amüsiert. Er stand auf und öffnete eine Schublade, um einen Schlüsselbund hervor zu ziehen, nahm einen Schlüssel davon ab und warf ihn Nina zu. „Hier, du Chaot.“

Nina ließ die Decke fallen und fing den Schlüssel. „Danke.” Sie stieg über die Decke hinweg und trat zu ihm, umarmte ihn. „Du bist mein Held.“ Erst jetzt, da die Krise bewältigt war, fiel ihr wirklich auf, dass Thorsten alleine in der Küche saß. Sie runzelte die Stirn. „Ihr wart doch zum Essen verabredet, oder nicht? Leo hat den ganzen Tag davon gesprochen und war stinksauer, als die Hubrecht uns noch eine Besprechung aufs Auge drückte.“ Sie ließ unerwähnt, dass sie verduftet war, aber sie hasste so etwas und wirklich, wer hätte ahnen können, dass die ganze Veranstaltung so lange dauern würde. Leo hatte eine untypisch gereizte Nachricht auf ihrer Mailbox hinterlassen, offenbar während er im Stau stand.

Thorsten setzte sich wieder an den Tisch. „Wir haben uns gestritten“, entgegnete er, seine Stimme neutral. „Weil er wieder zu spät gekommen ist. Ich dachte... er hätte unsere Verabredung vergessen.“

„Scheiße, das tut mir leid“, erwiderte Nina mitfühlend – und mehr als ein wenig verlegen. „Aber ehrlich, er hat von nichts anderem gesprochen, als von diesem Abendessen mit dir. Er hat sogar auf das Mittagessen verzichtet, um schnell nach Hause fahren zu können und... ups.“ Sie drückte eine Hand auf den Mund. „Das nächste Mal geht ihr besser in ein Restaurant, in dem kein Handyverbot herrscht, dann kann er dich anrufen.“ Für Nina war das Problem damit gelöst.

„Das war der Zweck der Übung, Nina“, entgegnete Thorsten. „Ein ungestörtes Abendessen ohne klingelndes Handy, ohne Krisen, Katastrophen und Verbrechen. Ansonsten hätten wir auch gleich Zuhause bleiben können.“ Er schraubte die Wasserflasche zu und ließ sie stehen, als er aufstand. „Sei’ mir nicht böse, Nina, aber das war ein Scheißtag und ich würde jetzt echt gerne ins Bett gehen.“

„Klar. Ich... ich finde den Weg alleine.“ Nina sah ihm nach und drückte ihren Schlüssel nachdenklich an die Brust. Sie stieg wieder über die Decke hinweg und verließ das Haus. Bevor sie in ihren Mini stieg, zog sie das Handy aus der Tasche und wählte Leos Nummer...

* * *

Thorsten knipste das Licht im Schlafzimmer an. Sollte Leo doch die Nacht im Gästezimmer verbringen. Oder auf der Couch im Wohnzimmer und in seiner Selbstgerechtigkeit schmoren. Ja, okay – dann hatte er ihn dieses Mal zu Unrecht verdächtigt, ihre Verabredung vergessen zu haben. War ja nun nicht so, als wäre das noch nie vorgekommen.

Er zog seine Jacke aus und warf sie über einen Stuhlrücken. Dann wandte er sich zum Bett um und stoppte. Auf den ordentlich aufgeschüttelten Kopfkissen lag ein kleiner, flacher Geschenkkarton, vielleicht so groß wie eine Postkarte, mit einer dunkelblauen Schleife drum. Er nahm ihn hoch und zog eine Karte hinter dem Band hervor.

‚Ich wette, du dachtest, ich hätte es vergessen’ stand in Leos vertrauter Handschrift auf der Rückseite.

„Hey.“

Thorsten drehte sich um.

Leo stand auf der Türschwelle und sah ihn mit einer Mischung aus Anspannung und Verlegenheit an. „Ich habe nicht vergessen, welcher Tag heute ist“, meinte er. „Und es war wirklich keine Absicht, dass ich zu spät gekommen bin.“ Er nickte in Richtung des Päckchens, das Thorsten in der Hand hielt. „Hoffentlich gefällt es dir.“ Ohne eine Antwort abzuwarten, verließ er das Schlafzimmer.

Thorsten setzte sich auf die Bettkante und öffnete das Geschenk. Auf einem Wattekissen funkelte ein silberner Schlüsselanhänger in Form eines Notenschlüssels. Als er ihn umdrehte, standen auf der Rückseite ihre Namen und das Datum des Tages, an dem sie sich kennen gelernt hatten. Ihr Jahrestag. Heute.

Er legte den Anhänger zurück in seine Verpackung und platzierte beides auf der Ablage neben dem Bett, dann nahm er das Schleifenband und ging nach unten ins Wohnzimmer, wo Leo es sich auf der Couch bequem gemacht hatte.

Thorsten gab seinen Beinen einen Stoß, damit er Platz machte und setzte sich neben ihn. „Danke“, sagte er.

„Gefällt er dir?“

„Ja, sehr. Aber ich wollte dir nicht nur dafür danken.“ Thorsten sah ihn an. „Auch dafür, dass du versucht hast, pünktlich zu sein.“

„Okay.“

„Gib’ mir deine Hand“, forderte ihn Thorsten plötzlich auf.

Leo sah ihn fragend an, hielt ihm aber die Hand hin und lachte, als Thorsten das Schleifenband aus der Tasche zog und es ihm ums Handgelenk band. „Mein Geschenk“, sagte er, und sah Leo an.

Da war noch immer ein Rest ungewohnter Verlegenheit zwischen ihnen, als beide Männer auf das Schleifenband um Leos Handgelenk starrten – Thorsten bedauerte vor allem, dass er Leo sofort verdächtigt hatte, ohne sich seine Erklärung anzuhören. Leo hatte nach der romantischen Geste seines Partners einen Knoten im Hals.

„So, und was ist mit meinem Geschenk?“, fragte Leo leichthin, um die Stimmung zu heben. „Sag’ nicht, du hast es vergessen.“

Thorsten lachte und ließ Leos Hand los, um aufzustehen und etwas aus einer Schublade zu nehmen, das sich als sein Terminplaner herausstellte. Er warf ihn Leo in den Schoß.

„Dein Terminplaner? Ich hab schon einen, aber...“

„Schlag’ ihn auf“, unterbrach ihn Thorsten. „Da wo der Umschlag drinsteckt.“

Leo blätterte den Planer auf und sah, dass auf der Seite zwei Einträge durchgestrichen waren. „Du hast deine Konzerte abgesagt?“ Es war das einzige Wochenende, das Leo seit langem frei hatte und ausgerechnet für diesen Termin hatte Thorsten zwei Konzertengagements angenommen. Sie hatten nicht darüber gesprochen, aber Thorsten war sich der Enttäuschung seines Partners – und nicht zu schweigen, seiner eigenen – wohl bewusst gewesen.

„Das auch. Aber dein Geschenk ist in dem Umschlag.“ Thorsten nahm ihm den Planer ab und legte ihn auf den Boden neben der Couch, als Leo den Umschlag öffnete. Zwei Flugtickets fielen heraus. Er hob die Schultern, als Leo ihn fragend ansah. „Ich dachte mir, mit dem Mann den ich liebe weg zu fahren ist die einzige Möglichkeit, zu verhindern, dass uns ein Mord das Wochenende verdirbt.“

Leo sah ihn an, dann auf die Tickets, dann wieder Thorsten. „Ein Wochenendtrip nach London? Nur wir beide?“

„Ich werde dein Handy höchstpersönlich am Flughafen in eine Gepäckbox stecken, damit du absolut für niemanden zu erreichen bist. Die Münchner Polizei und Nina werden drei Tage lang ohne dich auskommen müssen.“ Thorsten zupfte an dem Schleifenband um Leos Handgelenk. „Okay?“

„Besser als okay. Das ist phantastisch.“ Leo beugte sich vor, um ihn zu küssen. Bevor die Dinge jedoch weiter gedeihen konnten, knurrte sein Magen deutlich hörbar. „Tut mir leid. Ich habe aufs Mittagessen verzichtet und das Abendessen ist auch ausgefallen...“

Lachend setzte sich Thorsten auf. „Was hältst du von Abendessen im Bett?“ Er stand auf. „Ich sehe nach, was im Kühlschrank ist. Warum wartest du nicht oben auf mich?“

Leo nickte und folgte ihm, um Thorsten noch einmal zu küssen, bevor sein Partner in die Küche ging. Er strich über das Geschenkband um sein Handgelenk und lächelte. Es würde doch noch ein guter Abend werden.



Ende
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