Common Decision

GeschichteDrama / P16 Slash
Blaise Zabini Draco Malfoy Harry Potter Hermine Granger Severus Snape Ted "Teddy" Remus Lupin
02.12.2008
24.03.2009
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Hallo liebe Leser(innen)!

Sooo … hier geht es gleich weiter *smile* … Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen … Liebe Grüße Elbenstein



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1. Kapitel

Zurück nach Hause



„Onkel Harry!“, rief es laut durch das Schlafzimmer und schreckte den Schwarzhaarigen aus dem Schlaf. „Onkel Harry! Onkel Draco! Wir haben verschlafen. Ihr müsst aufstehen, der Zug fährt schon in einer Stunde.“

Schlagartig war Harry James Potter hellwach und saß kerzengerade im Bett.

„Schatz, aufwachen! Wir haben verschlafen“, sagte Harry laut und rüttelte an Dracos Schulter, der sich lediglich auf die andere Seite drehte. „Na gut, mein Tigerchen, aber beschwer dich später nicht, wenn du keine Zeit mehr unter der Dusche hast“, sprach Harry unbekümmert weiter und zwinkerte nebenbei Teddy zu, der neben dem großen Himmelbett auftauchte und ein Kichern unterdrückte.

Just in dem Moment, als der einstige Gryffindor das Wort ‚Dusche’ ausgesprochen hatte, schlug Draco beinahe panisch die Decke von sich, sprang wie von der Tarantel gestochen auf und rannte ins Bad. Nebenher rief er über die Schulter:
„Ich bin gleich fertig!“

„Onkel Harry“, wandte sich der inzwischen elfjährige Theodore Remus Lupin Weasley an Harry, „wann wird Onkel Draco es eigentlich lernen, dass wir ihn auch mit verwuschelten Haaren mögen?“, fragte er frech und grinste breit von einem Ohr zum anderen.

Auch Harry schmunzelte und zuckte mit den Schultern. Dann warf er die Decke von sich und mit dem Wink seiner Hand machte sich das Bett von ganz alleine, während er zum Schrank lief, um darin aufgeregt herum zu kramen. Teddy stand daneben und beobachtete ihn interessiert.

„Aber du kennst doch Draco“, lachte Harry irgendwann auf und dachte an eine Zeit zurück, in der es noch ganz anders gewesen war. An eine Zeit, die sich für Draco und ihn als die Schlimmste ihres Lebens herausgestellt und sie gleichzeitig fest zusammen geschweißt hatte. „Du hättest ihn mal in seiner Schulzeit erleben müssen“, grinste nun der Schwarzhaarige sein Patenkind an, der sich nervös auf die Unterlippe biss, „da nannten ihn die meisten den Eisprinzen von Slytherin und er hat seinem Namen alle Ehre gemacht.“

Teddy begann leise zu lachen und schüttelte den Kopf. „So eisig ist er doch gar nicht, aber das erinnert mich daran, ich will nicht nach Slytherin.“

„Warum?“, wechselte Harry ebenfalls das Thema und stand inzwischen mit einer frischen Jeans, einem blauen Hemd und Unterwäsche vor dem geschlossen Schrank und wartete ungeduldig darauf, dass sein Mann einmal weniger als eine halbe Stunde im Bad benötigte. Teddy wiederum war schon vollständig angezogen und quasi abreisefertig. Zum Glück waren ihre gesamten Sachen für den heutigen Tag bereits seit gestern Abend gepackt und sie würden ohne Probleme zum Gleis 9 ¾ im Bahnhof King’s Cross apparieren können, aber die Zeit würde dennoch sehr knapp werden. Gleichzeitig wurde er sich nur allzu bewusst, dass am heutigen Tag sein über alles geliebter Patensohn seinen ersten Schultag hatte und spätestens in zehn Stunden in der wunderschönen Großen Halle sitzen, die Köstlichkeiten der Hauselfen genießen und sich mit seinen neuen Klassenkameraden anfreunden würde.

„Warum willst du nicht nach Slytherin?“, stellte Harry die Frage gleich ein zweites Mal und riss sich damit selbst aus den Gedanken.

„Ich weiß auch nicht … aber ich …“, begann Teddy stockend und senkte den Blick. „Nun ja, ich will nicht in einem Kerker wohnen. Nicht so wie Onkel Draco damals ...“

„Mein Schatz“, lächelte Harry und drückte seinen elfjährigen Patensohn verständnisvoll an sich. Seine Hand streichelte dem Jungen beruhigend über das dunkle, leicht verwuschelte Haar und dann sagte er: „Du hast Angst, dass der Kerker so ist, wie der Ort an dem Draco ein Jahr eingesperrt gewesen war? Ich kann dir sagen, das ist er ganz und gar nicht … Hogwarts ist eine Schule und kein …“, einen Moment schluckte Harry und verdrängte die Erinnerungen an Dracos Gefängnis bei den Gebrüder Byron und fuhr nach einem Räuspern mit sicherer Stimme fort. „Hogwarts ist ein Internat und dort sperrt niemand jemand anderen ein. Selbst wenn dich der Sprechende Hut nach Slytherin einteilt, dann wirst du dort sicherlich Freunde finden und du könntest Draco über alles Mögliche ausfragen. Immerhin hat er dort sechs Jahre gewohnt und der kennt bestimmt eine Menge, ist das nichts?“

Zögerlich nickte Teddy, aber dennoch wurde er die Furcht nicht los, am heutigen Abend dem Haus der Schlangen zugeteilt zu werden. Obwohl das eher unwahrscheinlich war, aber vielleicht gerade deswegen machte sich der Erstklässler umso mehr Sorgen.

„Schau’ mal“, versuchte es Harry erneut, der genau spürte, dass sein Patenkind nicht wirklich von seinen Worten überzeugt war. „Für das erste Jahr bin ich sowieso in Hogwarts und spätestens wenn ich wieder gehe, hast du genug Freunde gefunden. Dann ist es egal in welchem Haus du wohnst.“

„Meinst du wirklich?“, fragte Teddy neugierig, löste sich aus der Umarmung und schaute mit seinen nussbraunen Augen geradewegs in die glänzend, grünen Augen seines Onkels, der nun nickte. „Dann möchte ich aber am liebsten nach Gryffindor … so wie du.“

„Sehr schmeichelhaft“, lächelte Harry und gab Teddy ein Küsschen auf die Stirn, als er im Augenwinkel Draco sah, der lediglich mit einem Handtuch um die Hüften ins Schlafzimmer zurückkam und sichtlich wach die beiden anschaute, die ihn wiederum schmunzelnd anstarrten.

„Ist was?“, fragte Draco verwirrt und schaute an sich herunter.

„Nööööööööö“, verkündete Teddy erleichtert und schnappte sich augenblicklich Dracos Hand, um ihn zur Eile anzutreiben.

Harry ging in dieser Zeit nun selbst ins Bad, denn nun hatten sie nur noch eine halbe Stunde Zeit, um den Hogwartsexpress zu erreichen, der nicht auf sie warten würde.

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Zehn Minuten vor Abfahrt des Hogwartsexpresses kamen Harry, Draco und Teddy abgehetzt, aber dennoch glücklich mit insgesamt drei großen Koffern und zwei Rucksäcken durch die Absperrung auf dem Gleis 9 ¾ an. Sofort riss Teddy seine Augen weit auf und staunte über alle Maßen. Vor ihm stand die rote Dampflokomotive des Schulzuges und spuckte bereits kleine Dampfwölkchen in den Luft. Als er schließlich um die Ecke spähte, war die Überraschung noch größer. Überall auf dem Bahnsteig standen schwatzende Kinder mit ihren Eltern und verabschiedeten ihre Liebsten für das kommende Schuljahr. Mittendrin entdeckte der Elfjährige plötzlich seine Eltern und seine kleine Schwester Rose.

„Mama! Papa!“, rief Teddy laut und sah, während er auf sie alle zu rannte, wie sie ihre Köpfe mit einem strahlenden Lächeln zu ihm wandten. „Mama, wir haben verschlafen und Onkel Draco hat mal wieder viel zu lang unter der Dusche gebraucht“, sagte er laut, als er schnaufend vor Hermine und Ron stand und von einem Ohr zum anderen grinste.

„Werd’ nicht frech, junger Mann“, rügte ihn der Rothaarige und doch konnte er sich ein Kichern nicht verkneifen. Er kannte Draco mittlerweile so gut, dass es eigentlich schon ein Wunder war, dass sein Sohn und seine zwei Freunde überhaupt noch pünktlich hier ankamen. Im Inneren hatte er bereits damit gerechnet seinen Vater zu informieren, damit dieser seine Beziehungen im Ministerium spielen lassen würde, um die Drei irgendwie nach Hogwarts zu bringen.

„Onkel Draco!“, rief nun plötzlich Rose, ließ die Hand ihrer Mutter los und stürmte freudestrahlend auf ihren Patenonkel zu.

Der Blonde ging augenblicklich in die Knie, öffnete seine Arme und nahm Rose nur Sekunden später in eine liebevolle Umarmung. Er liebte die Kleine über alles und noch vor einigen Jahren hätte er es sich niemals träumen lassen ihr Pate zu werden. Vor allem wenn er daran dachte, wie sehr er in seiner früheren Schulzeit Hermine und Ron sprichwörtlich für ihre Herkunft gehasst hatte. Doch von diesen Gefühlen war schon lange nichts mehr vorhanden und er empfand für die beiden einfach nur noch tiefe Freundschaft. Darüber hinaus war er jetzt mit ihrem besten Freund seit vier Jahren glücklich verheiratet und was konnte es schon Schöneres geben.

Ein Kuss von Rose auf seine Wange holte ihn aus seinen Gedanken und er ließ das Mädchen los, die sich sofort seine Hand schnappte und mit ihm in Richtung ihrer Eltern spazierte. Harry folgte ihnen mit dem Gepäckwagen und seufzte erleichtert, dass sie es wirklich noch rechtzeitig bis zur Abfahrt geschafft hatten.

Wenige Minuten später waren die Koffer bereits im Gepäckwagen verstaut und Teddy wirkte nervös. Er verlagerte sein Gewicht von einem Fuß auf den anderen und schaute sich teils neugierig, aber auch teils ängstlich, um. Immerhin war das heute sein erster Schultag und bisher kannte er nur die Geschichten seiner Eltern und seiner Onkel von Hogwarts, was es ihm jedoch nicht leichter machte. Auch nicht der Gedanke, dass sein Patenonkel Harry ein Jahr in seiner Nähe sein würde, da er vor kurzem von Professor Dumbledore gebeten wurde als Gast-Dozent Krankheitsvertretung für die Lehrerin Megan Hastings in Verteidigung gegen die dunkle Künste zu übernehmen.

„Komm mal her“, sprach Hermine jäh und wuschelte ihrem ältesten Sohn – der eigentlich ihr Adoptivsohn war und den sie trotz allem abgöttisch liebte – durch das dunkle Haar. Dann drückte sie ihn ein letztes Mal fest an ihre Brust und hauchte ihm ein Küsschen auf die Wange.

„Dir wird die Schule Spaß machen, das weiß ich. Und stell’ mir bloß nicht so viel an.“

„Deine Mutter hat Recht und halte dich schön von der peitschende Weide fern“, lachte nun Ron auf und verabschiedete sich mit einer Umarmung von Teddy. Sorgen machte er sich wenige, denn immerhin würde Harry ein ganzes Jahr in der Nähe seines Sohnes sein und er wusste, Harry würde auf ihn aufpassen, wie auf niemand anderen.

„Geh’ schon mal vor und such’ uns ein Abteil“, meinte nun der Schwarzhaarige und deutete auf die offene Wagontür. „Wir kommen gleich nach.“

Teddy nickte, umarmte noch kurz seine kleine Schwester Rose und verschwand mit einem mulmigen Gefühl im Bauch schließlich im Zuginneren. Zurück blieben die Freunde, die sich nun ebenfalls umarmten und mit vielen Glückwünschen voneinander verabschiedeten.

„Du gehst jetzt ein ganzes Jahr mit nach Hogwarts?“, fragte Hermine interessiert an Draco gewandt, der nickte. „Am liebsten würde ich mitgehen, aber ich möchte auch nicht meine Arbeit in der Aurorenabteilung missen.“

„Eigentlich musste ich keine Sekunde darüber nachdenken ob ich mit Harry gehe oder nicht“, lächelte Draco und umarmte nebenbei ein letztes Mal seine kleine Patentochter. „Wo Harry ist, da will ich auch sein. Aber wundern tut es mich immer noch, dass mein Chef Lambrick mich so einfach für ein ganzes Jahr beurlaubt hat.“

„Warum nicht“, warf nun Harry ein und schaute auf die Uhr. Noch eine Minute und der Zug würde abfahren. „Lambrick weiß, dass du immer gute Arbeit leistest und er weiß, dass wir zwei verheiratet sind. Und ich finde er hat es sehr gut aufgenommen, als du ihm erklärt hast, dass du mich ein Jahr ins Internat begleitest.“

„Stimmt auch wieder“, zuckte Draco die Schultern und lief langsam auf die Wagontür zu. Er winkte nochmals seinen Freunden und Rose zu und dann stieg er ein.

„Passt gut auf euch auf“, sagte Hermine und schaute nun Harry hinterher, der in dem Moment aufsprang, als ein lautes Pfeifen ertönte und sich der Hogwartsexpress augenblicklich stampfend in Bewegung setzte. Gleichzeitig sah er noch einmal zurück, winkte und daraufhin war auch er im Inneren verschwunden.

„Na, wo ist mein Großer?“, wandte er sich an Draco, der wenige Meter vor ihm stand und kam zu ihm hinüber.

„Ich fürchte, wir müssen uns alleine ein Abteil suchen“, lächelte der Blonde und deutete nach vorne, wo inzwischen Teddy mit drei weiteren Jungen dasaß und sie zu Viert aufgeregt miteinander quasselten.

„Theodore, wir sehen uns in Hogsmeade wieder“, war alles was Harry sagte und beobachtete amüsiert, wie sein Patenkind ihm verstehend zuwinkte und sich sofort wieder der Unterhaltung seiner künftigen Schulkameraden widmete.

„Dann lass uns gehen, sonst müssen wir noch vorne auf der Lok mitfahren“, witzelte Draco und schob seinen Mann in Richtung einer offnen Abteiltür am Ende des Wagons. Nebenbei hörten er und Harry, wie die drei Jungen plötzlich überrascht die Luft einsogen und dann hallte der Name „Potter“ und die Worte „das ist der Held der Zaubererwelt“ zu ihnen.

„Oh je“, seufzte der Schwarzhaarige und ging zielstrebig auf die Tür zu, „ich hoffe ja nicht, dass es genauso endet wie bei mir damals.“

„Was meinst du denn damit?“, zog ihn Draco auf und huschte mit ihm in das leere Zugabteil, schloss die Tür und setzte sich Momente später neben Harry auf die gemütlich gepolsterten Sitze. Dabei drückte er sich ganz nah an seinen Liebsten und bettete seinen Kopf an dessen Schulter.

„Hättest du jemals gedacht wieder in diesem Zug zu sitzen und nach Hogwarts zu fahren?“, beantwortete der ehemalige Gryffindor die Frage des Blonden mit einer Gegenfrage. „Es kommt mir alles so vertraut vor und doch ist es anders.“

„Ich hätte mir vor sechs Jahren auch niemals träumen lassen …“, begann Draco und schloss die Augen, wobei er sich nur umso liebesbedürftiger an die Schulter seines Mannes schmiegte, „… dass ich mich in dich verliebe und wir beiden heiraten. Ich finde es fantastisch, dass du Professor Dumbledores Angebot angenommen hast und für ein Jahr Mrs Hastings vertrittst. Immerhin ist sie schon älter, wenn man Rons Gerüchten Glauben schenken soll und warst du nicht derjenige, der mir seit fast zwei Jahren in den Ohren lag, wie sehr es dich nach Hogwarts zieht. Jetzt kannst du wieder nach Hause zurückkehren …“

„Jetzt kannst du wieder nach Hause zurückkehren …“, klangen die Worte wie eine sanfte Melodie in Harrys Kopf nach und sein Herz schlug vor Aufregung schneller. Draco hatte Recht, wie sehr hatte er sich die Rückkehr an den Ort gewünscht, der ihm damals wie ein wahres Zuhause vorgekommen war. Mittlerweile wollte er aber auch aus dem Grimmauldplatz Nr. 12 niemals ganz ausziehen, der für Draco und ihn zu ihrem eigenen kleinen Paradies geworden war.

In diesem Haus hatte er Draco in Sicherheit gebracht.
In diesem Haus hatte er Draco beschützt.
In diesem Haus hatte er mit Draco Freundschaft geschlossen und schließlich hatten sich beide dort unsterblich ineinander verliebt.

Wenn Harry nur an diese Zeit zurück dachte, spielten seine Gefühle verrückt. Er erinnerte sich noch gut an die ersten Wochen nach Dracos Befreiung. Wie sehr er gelitten hatte und dann an den schönsten Schock in seinem Leben, als sein Liebster zum ersten Mal wieder gesprochen hatte. Wie sie gemeinsam schlechte und gute Dinge miteinander erlebt, wie sie Missverständnisse aus dem Weg geräumt und am Ende zueinander gefunden hatten. Alleine beim Gedanken an ihren ersten Kuss begannen die Schmetterlinge in seinem Bauch einen wilden Tango zu tanzen, als wäre es erst einen Tag her. Nebenbei streichelten seine Finger durch Dracos blonde Haarmähne, der gerade am eindösen war und der sich nur ganz alleine in Harrys Nähe wirklich von seiner Vergangenheit lösen konnte, wie er sich auch nur bei Harry absolut sicher und geborgen fühlte.

Er selbst konnte nicht schlafen. Vielmehr genoss er die Aussicht aus dem großen Fenster und sann über seine alte Schulzeit nach. Wie er früher mit Ron und Hermine, später auch mit Luna, Neville, Dean und Seamus in die Schule gefahren war und er damals Draco regelrecht gehasst hatte. Aber warum und wieso, dass wusste Harry nicht mehr und er wollte es auch gar nicht mehr wissen. Für ihn und sein Ehemann gab es nur noch die Gegenwart und Zukunft.

Immerhin hatten Draco und er es geschafft, in den letzten vier Jahren ihr Leben so zu ordnen, dass sie glücklich und absolut zufrieden waren. Harry hatte erfolgreich seine Ausbildung zum Auror beendet und arbeitete mit Blaise zusammen in einer Gruppe, die zum Auffinden von dunkler Magie spezialisiert war. Draco wiederum hatte seine Ausbildung zum Gärtner mit Bravour bestanden und anschließend begeistert von seinem Chef Matthew Lambrick einen unbefristeten Arbeitsvertrag in den Händen gehalten.

Wenn beide nicht arbeiteten, dann verbrachten sie die Wochenenden oft bei ihren Freunden und ihren Patenkindern. Oder aber – und das war meist der Fall – liebten es Teddy und Rose im Grimmauldplatz zu übernachten. Denn dort war es nicht so streng wie zu Hause, ihre Onkel hatten nicht weniger Spaß an unsinnigen Dingen und gleichzeitig liebten es alle, wenn Harry und Draco ihre ganz persönliche Sicht zur Muggelwelt schilderten.

So wäre es sicherlich weiter gegangen, hätte sie nicht vor vier Wochen ein äußerst wichtiges Schreiben von der Schule für Hexerei und Zauberei erreicht. Darin bat Professor Dumbledore um Harrys Hilfe und er wäre dumm gewesen, hätte er dieses verlockende Angebot einfach abgelehnt. Und nun saß er hier mit Draco Arm im Arm im Hogwartsexpress und beobachtete nervös die vorbeiziehende Landschaft. Zum einen freute sich Harry auf den Posten als Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste – denn immerhin hatte er in seinem fünftem Schuljahr reichlich Lehrerfahrung bei der DA sammeln können – auf der anderen Seite nagte die Ungewissheit an ihm, ob er nicht doch am Ende kläglich scheitern würde. Sein einst so starker Gryffindormut war dabei in die hinterste Ecke gekrochen und wollte partout nicht mehr hervor kommen.

Bevor er sich allerdings weiterhin darüber Gedanken machen konnte, spürte er den Zug bereits langsamer werden und sichtlich erstaunt nahm er wahr, dass es draußen bereits dunkel wurde. Wie war ihm das nur entgangen? Da ihm darauf keine Antwort einfiel schüttelte er lediglich den Kopf und fuhr mit seinen Fingern über die Wange seines Liebsten.

„Mein kleines Tigerchen, du musst aufwachen“, flüsterte Harry Draco ins Ohr und kraulte ihn nun im Nacken. „Wir sind bald da und vorher sollten wir vielleicht mal nach Teddy schauen.“

Als Antwort kam zuerst ein genüssliches „Mhhhhhhhhhh“, gefolgt von einem Gähnen, Draco streckte sich und öffnete verschlafen die Augen. Etwas irritiert schaute er sich um, bis ihn die Erkenntnis traf und er Harry einen zaghaften Kuss auf die Lippen hauchte und darauf achtete, dass keine vorbeigehenden Schüler zu viel ihrer Zweisamkeit mitbekamen. Sie konnten zwar ruhig wissen, dass sie beide verheiratet waren, aber leidenschaftliche Zungenküsse waren dann doch nichts für pubertierende Teenanger und gehörten eher zu ihrem Privatleben hinter verschlossener Tür.

„Wir sind doch erst losgefahren“, murmelte Draco müde und hätte sich am liebsten gleich wieder hingelegt.

„Ich muss auch eingeschlafen sein, aber ich kenne diese Kurve und die Landschaft noch wie meine Westentasche“, antwortete ihm Harry und stand auf. „Ich werde kurz nach Teddy sehen und bis dahin dürften wir auch schon in Hogsmeade sein.“ Er öffnete die Tür und ging hinaus, doch bevor er sie wieder schloss sagte er: „Irgendwie schläfst du mir in letzter Zeit ziemlich viel, Draco. Du solltest dir vielleicht mal bei Madame Pomfrey einen Termin machen und dich untersuchen lassen.“

Draco knurrte ihm etwas Unverständliches hinterher, versuchte sich dabei in dem gemütlichen Sitz aufzurichten und rieb sich den Schlaf aus den Augen. Harry hatte auf eine gewisse Art Recht, er schlief in letzter Zeit viel zu viel, aber deswegen würde er nicht die Schulkrankenschwester belästigen.

Zur gleichen Zeit blieb Harry vor einer halb geöffneten Abteiltür stehen und beobachtete Teddy, der sich immer noch ausgiebig mit den anderen Jungen unterhielt. Schließlich öffnete er die Schiebetür ganz und kam herein.

„Onkel Harry, sind wir schon da?“, fragte Teddy sofort aufgeregt, während die anderen Kinder ringsherum in staunendes Schweigen verfielen.

Harry konnte sich ein wissendes Grinsen nicht verkneifen und nickte.

„Es wäre gut, wenn ihr eure Umhänge anzieht und euch bereit macht …“

„Sind Sie wirklich der große Harry Potter?“, unterbrach ihn ein blonder Junge mit blauen Augen.

„Schau’ dir doch die Blitznarbe an, Benjamin“, sagte daraufhin ein braunhaariger Junge mit brauen Augen an den ersten gewandt.

„Na, wenn es Teddy sagt, dann wird es wohl stimmen“, mischte sich nun auch der dritte ein und zwinkerte Teddy zu.

„Onkel Harry“, bedeutete nun sein Patenkind, stand auf und wies höflich auf den Jungen, der als erstes gesprochen hatte. „Das ist …“

„Benjamin Eltringham“, stellte sich der blonde Elfjährige vor.

„Ich bin Samuel Thurgood“, reihte sich nun der braunhaarige Junge in die Vorstellungsrunde ein und reichte Harry die Hand, die er selbstbewusst schüttelte.

Am Ende lächelte der dritte Schüler, gab ihm ebenfalls die Hand und sagte: „Mein Name ist Oliver Hylton Milner“ und dabei fixierte er mit seinen blaugrünen Augen den Mann vor sich. Sein dunkleres Haar stand ihm - wie bei Teddy und Harry - leicht verwuschelt vom Kopf ab.

„Und wie mein Patensohn schon sagte, ich bin Harry Potter und für dieses Jahr ihr Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste“, erwiderte Harry und genoss zum einen die Aufmerksamkeit der Jungen, während sich auf der anderen Seite wieder das mulmige Gefühl in seinem Bauch breit machte. Er war Aufmerksamkeit in allen Formen schon lange gewohnt, aber die Kinder bewunderten ihn geradezu, als wäre er ein Gott und kein Mensch.

Zum Glück pfiff in jenem Moment die Lokomotive und der Zug wurde immer langsamer. Erleichtert seufzte Harry auf, erinnerte die Kinder noch einmal daran sich die Umhänge anzuziehen und er selbst ging zurück zu Draco. Der hing mittlerweile mit der Nase an der Scheibe und schaute hinaus.

„WOW“, nuschelte der Blonde leise, als er seinen Liebsten in der Fensterscheibe näher kommen sah. „Jetzt erst kann ich es glauben, dass ich mit sechsundzwanzig Jahren wieder nach Hogwarts fahr’. Das ist absoluter Wahnsinn …“

„Nein, du bist der helle Wahnsinn“, lächelte Harry und hauchte seinem Mann von hinten einen Kuss in den Nacken, der daraufhin vergnügt aufquiekte und sich abrupt umdrehte. Dort erhaschte er nur ganz kurz Harrys Lippen und schon blieb der Zug mit einem altbekannten Quietschen im Bahnhof von Hogsmeade stehen.

Sofort drängten sich große und kleine Schüler durch die schmalen Gänge der Wagons, um so schnell wie möglich ins Freie zu kommen. Draußen donnerte eine bekannte Stimme die Erstklässler zusammen und den beiden jungen Männern huschte ein wissendes Lächeln über die Lippen. Hagrid – der Wildhüter von Hogwarts – stand mit einer brennenden Laterne auf dem Bahnsteig und scharrte die Grünschnäbel um sich. Am liebsten wäre Harry auf der Stelle zu seinem lieben Halbriesenfreund gerannt, aber der hatte momentan nur Augen für die Schüler und gleichzeitig wusste Harry, nachher blieb ihm noch mehr als genug Zeit, Hagrid zu begrüßen.

Stattdessen verfolgten die smaragdgrünen Augen des einstigen Gryffindors seinen Patensohn, der im Pulk der anderen Erstklässler nun dem Wildhüter nachlief und dabei die Jungen und Mädchen laut quatschten. Dabei konnte sich Harry ein weiteres Grinsen nicht verkneifen und stieg nun ebenfalls aus dem Zug und sah geradewegs in zwei dunkle, zu Schlitzen verengte Augen.

„Professor Snape!“, entfuhr es ihm erschrocken und er griff sich gespielt an die Brust. „Bei Merlin … Sie haben mich erschreckt!“

„Mr Potter“, antwortete Severus Snape bar jeden Gefühls in der Stimme und zog gleichzeitig verächtlich seine linke Augenbraue nach oben. „Professor Dumbledore schickt mich, um sie ins Schloss zu geleiten. Bitte folgen sie mir.“

„Oh“, brachte Harry heraus und musterte seinen früheren Zaubertranklehrer, der sich in all den Jahren kein bisschen verändert hatte. Ihre letzte Begegnung war im Gerichtssaal des Ministeriums gewesen und seitdem herrschte zwischen ihnen quasi Funkstille, die keiner der beiden von alleine gebrochen hätte.

„Halt warten sie bitte!“, rief Harry kurz darauf lauter als beabsichtigt und sah zu, wie Professor Snape sich umwandte und seine schwarze Robe dabei wild um seine Beine raschelte. Er blickte ihn durchdringend an und für einen Moment dachte Harry, er wäre wieder in seinem Zaubertrankunterricht, während ihm ein kalter Schauer über den Rücken jagte; so sehr fixierten ihn die dunklen Augen des Lehrers. Das wiederum erinnerte ihn sofort an die Tatsache, dass Severus Snape ihm gar nichts mehr anhaben konnte. Harry war nicht mehr sein Schüler und darüber hinaus war er nun selbst als Lehrkraft nach Hogwarts zurückgekehrt. Wieso sollte er dann den Schwanz einziehen … vor ihm stand lediglich Snape.

„Mr Potter“, machte der dunkelhaarige Professor auf sich aufmerksam und kam jetzt ungeduldig einen Schritt näher, wobei er seine Arme demonstrativ vor der Brust verschränkte. „Auf was warten sie denn noch? Der Schulleiter möchte sie gerne vor der offiziellen Begrüßung der Schüler sprechen.“

Harry konnte nicht anders und begann zu lächeln. Das Lächeln wuchs zu einem breiten Grinsen und schien augenscheinlich Snape zu verärgern. Schließlich stemmte er beide Hände in die Hüften und meinte: „Ich warte noch auf meinen Mann. Er müsste gleich kommen.“

„Ihren … Ihren Mann?“, stotterte Severus Snape sichtlich verdattert und schüttelte kaum merklich den Kopf. „Wenn ich an Alzheimer leiden würde, wüsste ich das und da es nicht so ist und meine Ohren bisher mir nie ihren Dienst versagt haben, möchte ich von ihnen wissen … sagten sie eben … sie warten auf ihren Mann?“

„Jupp“, war alles was Harry antwortete und wenn er dachte, diese Miene wäre schon das Beste von allem gewesen, dann irrte er sich gewaltig. Denn in jenem Augenblick stieg nun auch Draco aus dem Zug und blieb neben seinem Liebsten stehen. Sein Blick war jedoch einzig und alleine auf seinem alten Hauslehrer gerichtet.

„Mr Mal … Malfoy“, stammelte Snape und verstand nicht, warum sein damaliger Lieblingsschüler plötzlich auf dem Bahnsteig von Hogsmeade stand. „Was … machen … sie … denn … hier?“

Draco schaute sich um und dann sah er wieder zu dem dunkelhaarigen Mann hinüber.

„Wie es aussieht bin ich mit dem Hogwartsexpress gekommen“, erklärte er schließlich sachlich und hakte sich bei Harry unter.

„Darf ich ihnen vorstellen“, sprach nun der ehemalige Gryffindor und musste gewaltig aufpassen nicht laut loszuprusten. „Professor Snape, das ist mein Ehemann … Draco Lucius Malfoy.“

Im selben Moment riss der Zaubertranklehrer seine Augen weit auf, sein Kinn begann allmählich der Schwerkraft nachzugeben und ihm entglitten alle Gesichtszüge. So stand er einige Atemzüge da – die allen Beteiligten wie eine halbe Ewigkeit vorkam – bis sich Severus Snape mit einem merklichen Schlucken und einem lauten Räuspern versuchte in den Griff zu bekommen.

„So wie es aussieht, haben sie mir eine Menge zu erzählen, Mr Malfoy“, bedeutete der Professor emotionslos, nachdem er seine Schultern gestrafft hatte. „Lassen sie uns lieber gehen, sonst kommen wir tatsächlich noch zu spät.“

Mit diesen Worten drehte sich Severus um und schritt voran. Harry und Draco folgten ihm mit einem megabreiten Grinsen im Gesicht und amüsierten sich am Ende köstlich über die vollends gelungene Überraschung, ihren früheren Lehrer so aus der Fassung gebracht zu haben.



~~~ Fortsetzung folgt ~~~




Ich hoffe, es hat euch gefallen.
Was sagt ihr zu Harrys Rückkehr nach Hogwarts?
Ist es nicht schön, Professor Snape kurz sprachlos zu erleben? *lach*

Ich würde mich über ein Kommi von euch freuen …

Wünsche euch noch einen schönen Dienstagabend … das nächste Kapitel folgt am kommenden Dienstag.

Liebe Grüße
Elbenstein
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