VADERS GROUPIE

GeschichteHumor, Romanze / P16
Anakin Skywalker / Darth Vader OC (Own Character)
02.12.2008
14.01.2018
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Wir befinden uns im Jahre 2008. Die ganze Schweiz fiebert der Fussball-Europameisterschaft entgegen. Die ganze Schweiz? Nein. In einer Mehrfamilienhaussiedlung eines Schweizer Vorortes hört eine unbeugsame Seele nicht auf passiven Widerstand gegen das bevorstehende Grossereignis zu leisten ...



FUSSBALL, VADER UND ANDERE HEIMSUCHUNGEN

Scheiss Fussball! Schon wieder verbrachte ich einen Sonntagabend alleine, weil sich mein Göttergatte, wie an so vielen anderen Sonntagen auch, mit seinen Kumpels zum Sport mit anschliessendem Besäufnis abgesetzt hatte. Als treusorgende Ehefrau wäre es natürlich meine heilige Pflicht gewesen, moralische Unterstützung heuchelnd, am Spielfeld-Rand zu stehen, mir im obligatorischen (allerspätestens nach Anpfiff einsetzenden) strömenden Dauerregen den Allerwertesten abzufrieren, um von dort aus meinem Gemahl dabei zu beobachten, wie er sich geschlagene fünfundsiebzig Minuten auf der Ersatzbank lümmelte – plus weitere fünfzehn Minuten Pause – versteht sich! Doch augenscheinlich bin ich eine schlechte Gattin, denn solches zu tun gelüstete mich immer schon sehr wenig, und auf die nach dem Spielabpfiff folgende, unvermeidliche Sauferei auf unbequemen, wackeligen Festbänken im verrauchten Klublokal war ich erst recht nicht scharf. Ich würde von diesem Spiel noch genug zu sehen bekommen, wenn ich nachher mit spitzen Fingern das hoffnungslos verschmutzte Turnier-Trikot in die Waschmaschine beförderte. Einmal begegnete ich während einer solchen Aktion sogar einem blutigen, abgerissenen Zehennagel, inklusive Pflaster, wobei beides übrigens nicht meinem Gatten gehörte, sondern irgendjemand anderem … Doch in dem Chaos beim Umkleiden waren besagte Socke und Pflaster inklusive Zehennagelanhang irgendwie … brrr, ekelhaft!

Welcher Vollidiot hatte eigentlich heute früh die Nerven gehabt, das Spiel trotz dieses elenden Sauwetters anzusetzen? Warum mussten Fussballer immer im grössten Matsch auf die Schnauze fallen? Und wie brachte es mein Mann bloss ständig fertig, innerhalb jener magischen fünfzehn Minuten, in denen er wohlgemerkt nicht auf der Ersatzbank sass, genau so dreckig zu werden, wie seine Kameraden? Bewegende Fragen, auf welche ich vermutlich niemals eine befriedigende Antwort erhalten würde, einfach, weil ich über die Jahre hinweg eine immer ausgeprägtere Allergie gegen rund aufgeblähtes Leder und das ganze Brimborium um dieses herum entwickelt hatte.

Da ich mit dem angebrochenen Sonntagabend nichts anderes anzufangen wusste, legte ich eine DVD ein und macht es es mir mit einer grossen Packung Erdnussflips auf dem Sofa gemütlich. Eines konnte ich meinem Mann in seiner Euro-2008-Vorfreude immerhin zu Gute halten: Die frühzeitige Anschaffung dieses extra-grossen Plasma-Fernsehers war ein Volltreffer: Darth Vader kam auf diese Weise erst richtig zur Geltung.

Doch wie es mit DVD-Filmen eben so ist, auch dieser hier war irgendwann zu Ende, und so machte ich mich kurz nach zehn, mit einem kleinen Schlenker übers Bad, auf ins Schlafzimmer. Sowohl ich, wie auch mein Ehemann würden morgen wieder früh raus müssen. Die Arbeit rief. Ihn schien dieser Ruf allerdings wenig bis gar nicht zu kümmern, denn er war noch immer nicht wieder aufgetaucht.

Also legte ich mich alleine in unser grosses Bett, wickelte mich in die Decke und begab mich – da die Arme meines Gatten aus bereits genanntem Grunde eben gerade nicht zur Verfügung standen – in die von Morpheus und dessen Land der Träume.

Allerdings war der Schlaf nur von kurzer Dauer. Ich wurde irgendwann vom Geschnarche meines Gemahls geweckt.

Super! Erst saufen und dann schnarchen! „Schatz, du schnarchst“, teilte ich ihm schlaftrunken mit. „Du schna-harchst!“, setzte ich kurz darauf leicht genervt und etwas lauter noch einmal nach, als er keine Anstalten machte, damit aufzuhören. Ich wollte ihm den Zeigefinger in die Seite bohren, weil diese Methode bis anhin immer von einem gewissen Erfolgt gekrönt gewesen war, ertastete damit jedoch lediglich die kalte, reichlich verlassene Betthälfte meiner besseren Hälfte

Hä?

Das, was ich bis jetzt für das bierselige Schnarchen meines Göttergatten gehalten hatte, entpuppte sich letztendlich doch nicht als dieses. Es war mehr ein mechanisches Röcheln, das mir recht vertraut vorkam … Moment, vertrautes, mechanisches Röcheln? Endgültig wach riss ich nun doch die Augen auf.

Darth Vaders hünenhafte Gestalt hob sich dunkel und bedrohlich gegen das Balkonfenster unseres Schlafzimmers ab – eine einzige, grosse, schwarze Masse, lediglich durchbrochen vom Glimmen der wenigen, spärlich verteilten, Leuchten auf seinem Kontrollfunktions-Paneel und dem Systemstatus-Gürtel. Himmel, der war ja riesig! Das war in den Filmen irgendwie gar nie so richtig zur Geltung gekommen …

Ich fing an zu schreien, da ich es für angebracht hielt, meine Verwirrung und mein Entsetzen über diese doch einigermassen beunruhigende Situation kund zu tun. Bloss einen Augenblick später legte sich ein schwarzer, kalter Handschuh auf meinen Mund und erstickte wirkungsvoll mein Gezeter.

„Still, Sie wecken ja das ganze Haus auf!“

Ja, was denn sonst? Das ganze Haus aufzuwecken wäre natürlich der eigentliche Zweck einer solchen Übung gewesen, wenn ein Sith Lord auf neun Uhr neben dem Bett stand!

Ich überlegte, ob es Sinn machen würde, zu versuchen ihn in die Hand zu beissen. Doch in Anbetracht der Tatsache, dass ich mich mit einem äusserst stabilen Durastahl-Mechanismus angelegt hätte, war die Aussicht, mir an diesem wortwörtlich die Zähne auszubeissen, nicht gerade das, wonach mir der Sinn stand. Zu meinem eigenen Erstaunen liess er jedoch, kaum hatte ich mich soweit beruhigt, um nicht mehr ununterbrochen nach dem Beistand meiner Nachbarn brüllen zu wollen, von selbst wieder von mir ab.

„Wie sind Sie hier herein gekommen?“, fauchte ich aufgebracht, setzte mich auf und knipste die Nachttischlampe an. Seltsamerweise kam ich nicht auf die Idee, dass ich womöglich nur träumte. Und auch nicht, dass diese schwarze Gestalt hier eventuell bloss ein Einbrecher war, oder irgendein Scherzkeks, der nichts besseres zu tun hatte, als des Nachts in Vader-Kostümierung durch die Gegend zu ziehen, nein: Das hier war seine Lordschaft Darth Vader der Echte – Punkt!

Mein nächtlicher Besucher deutete wortlos, also lediglich röchelnd, auf das einladend geöffnete Balkonfenster, wo sich die Gardinen in der kühlen Nachtbrise bauschten. Ich war nicht diejenige gewesen, die dieses Fenster geöffnet hatte, das kann ich beschwören. Er musste sich selbst Zutritt verschafft haben. Okay, Darth Vader war ein Sith-Lord und Sith-Lords hatten solche Kunststücke vermutlich einfach drauf.

„Und was suchen Sie ausgerechnet in meinem Schlafzimmer?“, wollte ich wissen.

„Obligatorischer Fanbesuch“, war die Antwort. „Sie haben heute zehn Schmachtpunkte auf der nach oben offenen Richterskala erreicht. Das ist zwar kein Rekord, aber der Tageshöchstwert. Grund genug also, Ihnen einen Besuch abzustatten.“ Er liess sich, ohne um Erlaubnis gebeten zu haben, auf meiner Bettkante nieder, welche unter seinem Gewicht bedenklich knirschte.

„Schmachtpunkte? Offizieller was? Das geht nicht! Runter von meinem Bett, mein Mann kommt jeden Moment nach Hause, der mag sowas gar nicht!“

„Ihr verehrter Gatte liegt gegenwärtig mutmasslich in der Wohnung seines besten Freundes mehr oder weniger im Koma. Seine Leber dürfte wohl noch eine Weile mit dem Abbau von Ethanol beschäftigt sein.“

Ich war zu verblüfft, um mich zu wundern, woher der Dunkle Lord diese Information hatte.

Derweil kramte dieser von irgendwo unter seinem Umhang ein kleines, schraubenzieherartiges Werkzeug hervor und begann, damit an seinem Helm herum zu werkeln.

„Was machen Sie da?“, wollte ich, noch argwöhnischer, als ich ohnehin bereits war, wissen.

„Ich ziehe mich aus ...“

„Wie bitte?“

Er hielt mit dem Schrauben inne. „Sie sollten den Zustand Ihrer Ohren überprüfen lassen. Ich sagte, ich ziehe mich aus!“

„Das kommt überhaupt nicht in Frage!“, protestierte ich aufs Höchste alarmiert.

„Dieser Druckanzug ist bei der körperlichen Vereinigung überaus hinderlich. Geben Sie mir ein paar Minuten, um ihn zu entfernen.“

„Ein paar Min… oh, nein! Nein, nein, nein. Keine körperliche Vereinigung, nein!“

„Und warum nicht?“

„Also hören Sie mal, ich bin verheiratet!“, entrüstete ich mich.

„Ich nicht. Wie Ihnen bekannt sein dürfte, bin ich verwitwet. Im Übrigen hat Sie Ihr eigener Zivilstand bis jetzt nicht unbedingt davon abgehalten, mich regelmässig anzuhimmeln“, stellte er ungerührt wieder weiterschraubend fest. „Also tun Sie jetzt nicht so scheinheilig … Halten Sie das …“ Mit diesen Worten drückte er mir eine Schraube in die Hand.

Eine Schraube? Ungläubig stierte ich auf das kleine Stück Metall. Tatsächlich, eine Schraube! Ich versuchte mir in Erinnerung zu rufen, ob bei der Szene mit der Meditationskammer jemals irgendwelche Schrauben mit im Spiel gewesen waren und konnte dies klar verneinen.

„Wie sind Sie eigentlich hergekommen, also …  ich meine … womit?“ Vielleicht konnte ich ihn ja in ein Gespräch über interstellare Flüge verwickeln und ihn auf diese Weise von seinem Vereinigungs-Vorhaben, abbringen.

„TIE-X1-Turbojäger“, bemerkte er gleichmütig. „Prototyp, steht draussen.“

„Wo?“ Ich war nicht mehr zu halten, sprang auf und hastete hinaus auf den Balkon.

Boah, Wahnsinn! Tatsächlich, da ruhte dieses Schmuckstück auf seinen filigranen Sonnenflügeln nur ein paar Meter von unserem Haus entfernt. Genauer gesagt, stand es auf der gegenüberliegenden Strassenseite, quer auf den Besucherparkplätzen der Nachbarsiedlung und ragte frech bis weit über den Bürgersteig und auf die Fahrbahn hinaus. Ein experimenteller imperialer Sternenjäger, mit Zwillingsionentriebwerken und einem Hyperantrieb der Klasse 4 …

„Falsch parkiert“, murmelte ich, als Darth Vader ebenfalls auf den Balkon trat, gerade rechtzeitig, um mit mir das nun folgende Schauspiel, welches sich uns auf der anderen Strassenseite darbot, beobachten zu können: Die Eingangstür des Nachbarhauses wurde energisch aufgestemmt und Erwin Meier, Hausmeister seines Zeichens, und dennoch von vielen auch oft einfach nur der Schiedsrichter genannt, betrat die Szene. Den blauen Morgenmantel fest um seine Taille gezurrt, watschelte er in seinen bei jedem Schritt penetrant gegen die baren Fersen klatschenden Adiletten zielstrebig auf den TIE-X1 zu. In seiner Hand hielt er, wie eine Trophäe schwenkend, eines seiner in der Umgebung allseits bestens bekannten, und daher auch ziemlich unbeliebten, roten Kärtchen für Falschparker.

Verdammt! Es war mitten in der Nacht, schlief diese alte Dumpfbacke denn nie?

Der Schiedsrichter fackelte nicht lange. Nachdem er am Stein seines Anstosses vergeblich nach einem Kontrollschild Ausschau gehalten hatte und auch keinen Scheibenwischer fand, unter den er seine wichtige Botschaft hätte klemmen können, versuchte er die Karte nun irgendwie an einem der Lasergeschütze zu fixieren.

Das war nun ohne Frage zu viel für Vader. Er reichte mir kommentarlos eine weitere Schraube, sowie sein Werkzeug und sprang über die Balkonbrüstung, hinunter auf den Rasen. Mit weit ausholenden Schritten und flatterndem Umhang stürmte er auf den selbsternannten Ordnungshüter zu.

Los, schnapp ihn dir, Tiger … schmachtete ich in stummer Hysterie hinter ihm her. Würg ihn, würg ihn! Des Imperators Vollstrecker in Aktion zu sehen versetzte mich in eine Art von unangebrachter Erwartungsfreude, welcher ich mich in diesem Moment nur schwer erwehren konnte.

„Ist das Ihr …“ weiter kam Meier nicht, weil er in solider Vader-Manier von diesem an der Gurgel gepackt, hochgehoben und gegen das vordere Sichtfenster des Jägers gedrückt wurde.

„Hände weg von meinem Schiff!“ knurrte der Dunkle Lord den Zeigefinger drohend erhoben. Damit liess er den Hausmeister allerdings auch bereits wieder los. Oder, um es etwas präziser auszudrücken; er liess ihn an Ort und Stelle einfach wie einen Sack Kartoffeln fallen. Der Sack ging wenig elegant zu Boden, doch das hielt ihn nicht davon ab, Vader weiterhin anklagend seine persönliche rote Karte zu präsentieren. „Sie sind nicht berechtigt, hier zu parkieren“, japste er vorwurfsvoll.

Ich sah einen roten Strahl aufblitzen. Der Sith-Lord machte ernst und hatte sein Lichtschwert aktiviert. Ein seltsamer Ruck ging durch meine Eingeweide. In Erwartung, demnächst Meiers Hand samt Karte durch die Luft segeln zu sehen, oder gar seinen Kopf, schloss ich die Augen. Scheisse! dachte ich bloss. Scheisse, Scheisse, Scheisse, Scheisse! Die Sache dort drüben schien plötzlich auf ganz hässliche Weise aus dem Ruder zu laufen. Würgen, ja, in Stücke hacken, eher nein!

Ich hörte den Alten wie ein angestochenes Ferkel quieken, während Vader fast zeitgleich ein zufriedenes „Jetzt schon“, von sich gab. Dann legte sich gespenstische Stille über unser Quartier.

Wider aller Vernunft riskierte ich deshalb trotzdem einen Blick auf die andere Strassenseite. Zu meiner Erleichterung konnte ich erkennen, dass Meier soweit immer noch an einem Stück zu existieren schien. Vader musste ihn lediglich seiner bekloppten Karte beraubt haben. Der hängte sich gerade ohne Eile sein Lichtschwertheft wieder an den Gürtel, während noch die letzten paar der verkohlten, ehemals roten Papierfetzen in schneeflockengleichem Tanz zu Boden sanken. Ohne Egon Meier noch weitere Aufmerksamkeit zu schenken, kam der Dunkle Lord zu unserem Haus zurück geschlendert.

„Ich dachte wirklich, Sie hacken ihm die Hand ab“, gab ich, um Fassung ringend, und mit immer noch reichlich weichen Knien zu, als er mit einem geschmeidigen Sprung wieder neben mir auf dem Balkon landete.

„Das darf ich nicht“, beschied er mir. „Vertragsklausel für Fan-Besuche; Paragraph eins, Absatz eins …“

„Äh …“, machte ich verständnislos und beobachtete wie Erwin Meier nun, mehr auf allen Vieren als aufrecht gehend, den eiligen Rückzug antrat. Nachdem er im Eingang seines Hauses wieder verschwunden war, kam ich nicht umhin, erneut in stiller Ehrfurcht den TIE-X1-Turbojäger zu bestaunen. Damit nur einmal eine Spritztour unternehmen dürfen … nichts Verrücktes, bloss die kleine Runde im eigenen Sonnen-System, bis zum Saturn oder so ... Ich unterdrückte ein sehnsuchtsvolles Aufseufzen. Dieses Modell war ein Einplätzer. Doch selbst der überaus unbequeme Aspekt, während des ganzen Fluges auf Vaders Schoss sitzen zu müssen und mir vom harten Plastoid-Tiefschutz seiner Rüstung mein Steissbein malträtieren zu lassen, hätten mich von diesem Wunsch nicht wirklich abbringen können. Ich warf einen abschätzenden Seitenblick hoch zur röchelnden Maske des schwarzen Riesen neben mir und holte tief Luft und konzentrierte mich auf meine Formulierung, um mein Anliegen möglichst ohne nervöses Gestammel vorzubringen.

„Kann ich meinen Schrauber wiederhaben?“, wollte der ausgerechnet genau in diesem Moment wissen.

Ich beschloss, die Frage auf später zu verschieben und reichte ihm resigniert sein Werkzeug, wohl wissend, was er damit zu tun gedachte.

„Ich will Ihnen ja nicht zu nahe treten, doch ich war eigentlich immer der Meinung, Sie könnten ohne diese Rüstung nicht lange überleben …“, begann ich wohl überlegt, immer noch mit der leisen Hoffnung, mir würde diese Sache mit der körperlichen Vereinigung irgendwie doch noch erspart bleiben … Und ihm dabei zuzusehen, wie er sich selbst langsam aber stetig in Einzelteile zerlegte, ebenfalls. Dennoch überlegte ich, ob ich ihm vorsorglich einen meiner Toppits Gefrierbeutel aus der Küche holen sollte – kleine Schrauben hatten schliesslich immer diese lästige Angewohnheit, verloren zu gehen …

„Fünfundzwanzig Minuten – bevor es kritisch wird“, teilte er mir mit.

„Fünfundzwanzig Minuten?“, widerholte ich ungläubig. „Also in Schatten des Imperiums steht etwas von wenigen Minut…“,

„Sie glauben aber auch wirklich alles, bloss weil irgendwer, irgendwann einmal irgendetwas in irgendein Buch geschrieben hat“, unterbrach er mich nicht sonderlich freundlich und begab sich wieder zurück ins Schlafzimmer.

Die bange Frage, wie man bei Bedarf wohl einen über zwei Meter hohen Sith-Lord in einen handelsüblichen Kleiderschrank versteckte, drängte sich in mein Bewusstsein. Ich warf einen letzten, wehmütigen Blick auf den Sternenjäger und folgte dem Dunklen Lord nach drinnen. „Hören Sie, Sie brauchen das nicht zu tun … das mit dem Ausziehen, meine ich …“, startete ich einen erneuten, wenn auch etwas lahmen Versuch, ihn umzustimmen. Denn um vor ihm theatralischen auf die Knie zu fallen, und ihn mit gefalteten Händen und tränenerstickter Stimme um Einhalt anzuflehen, davon war ich doch immer noch ein ganz kleines Bisschen zu weit entfernt. Ich hatte schliesslich auch meinen Stolz …

„Zehn Schmachtpunkte sind für gewöhnlich der eindeutige Hinweis auf das Verlangen nach Geschlechtsverkehr mit dem betreffenden Charakter“, skandierte Vader sachlich, während er seinen Umhang abnahm, ihn eher beiläufig auf den Stuhl in der Ecke warf und sich erneut aufs protestierend ächzende Bett setzte.

Na toll! Super gelaufen! Meine Desillusionierung erreiche ihren vorläufigen Höhepunkt, nachdem er die dritte und die vierte Schraube herausgedreht hatte und auch diese ihren Weg in meine hohle Hand fanden. Ich fragte mich im Stillen, wie er sich wohl diese sogenannte körperliche Vereinigung so vorgestellt hatte. Fristete er denn nicht seit seinem Lavabad auf Mustafar ein Eunuchen-Dasein? Hatte man ihm dort unten am Ende auch ein Ersatzteil montiert? Aus Durastahl? Passend zur Rüstung schwarz lackiert? Oder verchromt? Mir brach bei der Vorstellung der kalte Schweiss aus. Dennoch wanderten meine Augen unaufhaltsam zu Vaders Tiefschutz, wo sie verharrten, als wollten sie dort ein dickes, fettes Fragezeichen einbrennen. Nur mit Mühe konnte ich meinen Blick wieder losreissen. Um mich irgendwie abzulenken, und in Erinnerung an den Toppits Gefrierbeutel, nahm ich das leere Wasserglas vom Nachttisch meines Mannes und liess die Schrauben vorsichtig hinein gleiten. „Machen Sie solche Fanbesuche eigentlich öfter?“, wagte ich mich zu erkundigen und stellte das Glas vor dem Dunklen Lord auf die Kommode.

Dieser antwortete nicht. Ein giftiges Zischen verriet mir, dass er gerade die Versiegelung seines Helmes geöffnet hatte und im Begriff war, diesen abzunehmen. Fast zeitgleich erstarb sein monotones Röcheln.

Schluss! Aus! Ich hatte mir eingebildet, ich würde cool bleiben, schliesslich hatte ich Vader schon oft ohne Helm gesehen – im Film. Doch das hier war kein Film und ich blieb auch nicht cool! Stattdessen verlor ich die Nerven und suchte mein Heil in der Flucht. Für den Bruchteil einer Sekunde war ich unentschlossen, wohin diese mich führen sollte: Balkon oder Bad? Ich beschloss, es mit dem Balkon zu versuchen, bloss um dort angekommen festzustellen, dass ich in der Falle sass. Immerhin zweieinhalb Meter trennten mich von der akkurat geschnittenen Rasenfläche. Das war nun doch etwas zu hoch für mich! Sich im Bad zu verbarrikadieren wäre allerdings auch keine wirkliche Alternative gewesen, wenn ein voll ausgebildeter Sith-Lord mit telekinetischem Fähigkeitszertifikat davor stand. Ich klammerte mich haltsuchend ans Balkongeländer wie an die Reling eines rasch kenternden Kahns. Trotz meiner luftig-exponierten Lage stand mir das Wasser jetzt doch irgendwie bis zum Hals und bei dem Gedanken, welch grausige Szenen sich gerade in unserem Schlafzimmer abspielten, hätte ich beinahe ein Stockwerk tiefer Claudias vertrocknete Petunien-Ampel mit dem Inhalt einer Packung halb verdauter Erdnussflips gedüngt. Nein, ich wollte nicht in Vaders entstelltes Gesicht sehen! Nein, ich wollte nicht der weiteren Demontage seiner Rüstung und seines Körpers beiwohnen! Und nein, ich wollte auch ganz bestimmt keinen Sex mit ihm! Eigentlich wollte ich gar nichts, ausser ganz dringend von hier weg! Mir kam der Gedanke, ob Meier wohl inzwischen die Polizei gerufen hatte? Das konnte ja heiter werden, wenn die gleich auch noch hier aufkreuzte! Trotzdem sehnte ich mir jetzt gerade inbrünstig eine Polizeistreife herbei.

„Buh!“ Es war bloss ein heiseres Flüstern gewesen, mit dem Vader mich nur Augenblicke später fast zu Tode erschreckte, denn dieses Flüstern war zu allem Überfluss auch noch eindeutig einen Tick zu nahe hinter meinem rechten Ohr erklungen.

Ein ersticktes Fiepen quälte sich aus meiner zugeschnürten Kehle hinaus an die kühle Nachtluft. Zu mehr war ich im Moment nicht fähig. Ich war nicht vorgewarnt gewesen, ich hatte ihn nicht kommen gehört. Ich hatte nicht einmal gewusst, dass er überhaupt in der Lage war, sich anzuschleichen. Der schwache Geruch von Desinfektionsmittel streifte meine Nase.

Hilfe! Ich widerstand knapp dem adrenalininduzierten Drang, nun doch, ohne Rücksicht auf Verluste, über die Balkonbrüstung zu hechten. Dafür starrte ich einmal mehr hinüber zum Sternenjäger, als stünde dort die Lösung all meiner Probleme …

„Ich finde die Vorstellung … die sie da gerade zum … Besten geben, erbärmlich“, stellte der Besitzer von eben diesem Jäger fest. Ohne die Unterstützung seines Sprachprojektors, klang er wie ein Asthma-Anfall.

Ich mied tunlichst den Blick nach rechts über meine Schulter, sondern schaute bloss weiterhin geradeaus. Nicht umdrehen und auch nicht hinsehen!, ermahnte ich mich. So ist‘s gut, braves Mädchen …

Seine nachtschwarze Rüstung liess ihn geheimnisvoll erscheinen, sie regte die Fantasie an, ohne diese war er eher eine wandelnde Freakshow und mir war gerade echt nicht nach Freakshow!

„Wer hat sich vorhin, bei der … Szene mit meiner … Meditationskammer … wieder einmal gefragt, was für … Unterwäsche ich wohl trage?“

Ich bemerkte, wie mir augenblicklich die Schamröte ins Gesicht schoss. Oh je, schuldig im Sinne der Anklage!

„Und jetzt haben Sie nicht … einmal genug Rückgrat, mich … anzusehen, denn im … Grunde finden Sie … mich abstossend.“ Diese Andeutung, mit der er mir gerade mitgeteilt hatte, dass er meine Gedanken erriet, sie unter Umständen sogar Wort für Wort las und somit über die Freakshow Bescheid wusste, liess mir keinen Raum für ein diplomatisches Abwiegeln. Hätte es jetzt noch etwas gebracht, wenn ich ihm versicherte, dass er ihn voller Montur einfach umwerfend aussah? Wohl eher nicht …

Ich fühlte mich in die Enge getrieben und da die ganze Angelegenheit sowieso nicht mehr peinlicher werden konnte, ging ich zum Gegenangriff über: „Sie machen mich ganz konfus! Ich war nicht darauf vorbereitet, dass Sie so plötzlich hier auftauchen würden. Sie hätten vorher wenigstens anrufen und sich anmelden können, dann hätte ich die Gelegenheit gehabt mich auf Sie einzu...“ Ich brach ab, weil ich bemerkte, wie dämlich das, was ich da gerade von mir gab, klang. Ich hatte mich geirrt. Es war soeben tatsächlich noch peinlicher geworden! Was hatte ich denn erwartet? Ein ‚Hallo, hier spricht Darth Vader, Kommandant der imperialen Raumflotte der weit, weit entfernten Galaxis und Rächer aller sträflich vernachlässigten Ehefrauen. Ich komme Sonntagnacht mal kurz auf ein kleines Schäferstündchen vorbei, wenn‘s recht ist. Ziehen Sie sich doch etwas Nettes an und stellen Sie schon mal eine Flasche Sekt kalt. Ach, Sie haben nicht zufällig eine Schnabeltasse bei sich in der Küche herumstehen? Nicht? Nun, ein Trinkhalm dürfte es auch tunund wenn sie dann noch die Güte aufbringen könnten, einen Dosenöffner auf dem Nachttisch bereitzulegen, damit wir nachher möglichst schnell ... Sie wissen schon ...?’

Ich hätte wohl eher an einen Telefonstreich geglaubt, als daran mein finsteres Idol persönlich an der Strippe zu haben.

„Wenn Sie lieber etwas fürs … Auge haben möchten, dann … sollten Sie sich künftig an … mein abgelegtes Ego … wenden“, meinte Vader nüchtern.

Ich erstarrte, als ich plötzlich seine behandschuhten Hände auf meinen Schultern fühlte. Für einen Moment loderte erneute helle Panik in mir auf, weil ich diese vertrauliche Geste nicht sogleich einordnen konnte. Zuerst glaubte ich wirklich, er wollte mich erwürgen, um sich für mein loses Mundwerk zu rächen, bis ich zu meiner eigenen Verblüffung feststellte, dass er bloss meinen Nacken massierte.

„Was ... soll das ...?“, wollte ich mehr als verdutzt wissen, während zehn in Synth-Leder gekleidete Durastahl-Finger geschickt meine verkrampften Schultern bearbeiteten. Sie waren beinahe so kalt, wie das Balkongeländer, an das ich mich immer noch klammerte, doch es tat gut, es tat einfach nur gut! Ich kam zu dem Schluss, dass mir Vaders Gründe für seine Massage-Einlage herzlich egal sein konnten, solange er bloss nicht aufhörte, meine verspannte Muskulatur zu kneten … Ja, ja, mehr, härter, tiefer, noch etwas tiefer … oh,  ja, da, dadadadada, genau daaa-ah …!

„Mir läuft die Zeit davon … Aber vielleicht kann ich Sie … so doch noch überreden …“

„Überreden? Was hindert Sie daran, sich nicht einfach zu nehmen was Sie wollen?“

„Paragraph eins, Absatz … eins: Fans dürfen nicht gewürgt … zerstückelt, vergewaltigt … anderweitig verletzt … oder per Gedanken- … Kontrolle gefügig … gemacht werden, egal wie … blöde sie sich anstellen … Sonst ist es mit solchen … Privilegien, wie meinem ... Ausflug heute Nacht … sehr schnell vorbei.“

„Ah, Sie haben also Auflagen …“ Sieh an, sieh an! Der Gedanke, dass er mir kein Haar krümmen durfte, gefiel mir. Er gab mir das Gefühl, bei der ganzen Sache wieder so etwas wie Oberwasser zu gewinnen.

Er tat, als hätte er es überhört – vielleicht hatte er das sogar auch …

„Und was ist mit Meier? Den haben Sie gewürgt“, gab ich, in der Hoffnung noch etwas mehr Zeit schinden zu können, zu bedenken.

„Ich habe ihn hochgehoben … nicht gewürgt und ausserdem … ist er kein Fan … er hasst Star Wars. In drei … Minuten müssen Sie sich … entscheiden haben. Und … hören sie endlich damit … auf, zu flüstern, das geht mir auf die Nerven!“

„Sie flüstern doch auch“, rutschte es mir heraus. Ups …! Ich biss mir auf die Zunge. Ohne es zu bemerken, hatte ich mich seiner Flüster-Stimme angepasst.

„Das ist technisch bedingt“, entgegnete er mürrisch.

„Tut mir Leid“, murmelte ich entschuldigend. Eine peinliche Pause entstand.

„Können wir nicht einfach damit eine Runde drehen und gut ist’s?“, fragte ich schliesslich, um das unangenehme Schweigen zu brechen und deutete hoffnungsvoll hinüber zu seinem Schiff. Darth Vader flog gerne, das wusste ich. Vielleicht liess er sich ja darauf ein …

„Deswegen bin ich nicht hier“, stellte er prompt richtig. „Ausserdem haben Sie … offenbar einen … empfindlichen Magen … Sie würden sich da drinnen … übergeben, und ich mag … es nicht, wenn meine … Armaturen mit … Erbrochenem verkleckert sind.“

Na toll! Das mit meiner kleinen Brechreiz-Attacke, vorhin, hatte er also auch mitbekommen. „Sie könnten zur Abwechslung ja einmal anständig fliegen“, schlug ich, über meine eigene Kühnheit selbst etwas überrascht, vor.

„Also gut …“

War das denn zu fassen? Er gab nach, er gab tatsächlich …

„… Unter einer Bedingung ...“

Bedingung? Ja, klar doch, was für ein...? „Oh!“ Schande über mich! Fast hätte er mich gehabt! Fast hätte er mich da gehabt, wo er mich haben wollte! Für eine Sekunde war ich tatsächlich bereit, das Undenkliche zu tun. Ich war drauf und dran gewesen, den verhinderten Fussballgott, mit dem ich verheiratet war, mit einem reichlich ramponierten Sith-Lord zu betrügen – für eine ordentliche Nackenmassage und eine kleine Spritztour in dessen Raumschiff. „Das ist Erpressung! Vergessen Sie’s!“

„Ich dachte mir schon, dass Sie … das sagen würden, doch es … war ein Versuch wert.“ Damit liess Vader meine Schultern los und kehrte zurück ins Schlafzimmer. Die drei Minuten waren um. Der Zeitraum, der ihm zwischen dem sich fertig Aus- und wieder Ankleiden noch blieb, war zu kurz für seine intimen Pläne mit mir – ihm ging buchstäblich die Luft aus. Ich hatte gewonnen, aber irgendwie blieb die Euphorie, die sich jetzt eigentlich doch hätte einstellen sollen, aus. Ich hörte erneut unser armes Ehebett protestieren, als der Dunkle Lord sich abermals darauf niederliess. Hoffentlich brach das Ding jetzt nicht noch zusammen, denn wie hätte ich das bitteschön meinem Gatten erklären sollen … und der Versicherung?

Zögernd wandte ich mich um und schlüpfte durch die Balkontür. Ich trug bloss ein altes, reichlich ausgeleiertes und verwaschenes Nachthemd und mir war doch langsam ungemütlich kalt da draussen geworden …

Vader war gerade damit beschäftigt, die Kette seines Capes zu schliessen und am Brustpanzer einzuhängen. Seine Augen fixierten mich, kaum hatte ich den Raum betreten. Ich blieb wie angewurzelt stehen. Meine Bewegungen schienen mitten in ihrer Aktion eingefroren zu sein. Es gelang mir nicht, seinem Blick auszuweichen, und so sah ich wie gebannt zurück. Gefangen irgendwo zwischen Faszination, Neugier und Abscheu starrte ich in sein vernarbtes, aschenfahles und ungesund aufgedunsen wirkendes Gesicht, suchte darin nach irgendetwas, das mich an jenen Mann erinnerte, der er einst gewesen sein mochte. Seine Nase und Mund waren mehr oder weniger unversehrt geblieben. Er hatte einen schönen Mund, mit einem energischen Zug um die Lippen, den hatte er schon immer gehabt … Ich schob den Gedanken beiseite, der irgendwo, hinter meiner Stirn hartnäckig wissen wollte, wann dieser Mund wohl das letzte Mal geküsst hatte. Wie viele Groupies er so im Jahresschnitt mit seinen Aufwartungen beglückte ging mich gefälligst nichts an!

„Es tut mir Leid, dass Sie den weiten Weg umsonst auf sich genommen haben“, hörte ich mich dumpf sagen.

Vader äusserte sich nicht dazu. Er griff nach dem Glas und kippte seine Schrauben auf die Bettdecke.

„Es wäre meinem Mann gegenüber nicht fair gewesen“, versuchte ich zu erklären. „Es wäre Betrug an ihm gewesen. Bitte versuchen Sie das zu verstehen. Ich könnte ihm nie wieder in die Augen sehen und … und … Ich bin nun einmal eine treue Seele …“

Er nahm seinen Helm. „Hören Sie auf, sich … zu rechtfertigen“, entgegnete er knapp, bevor sein verunstaltetes Gesicht hinter der charismatischen, schwarzen Hülle verschwand und gleich darauf das vertraute Röcheln seines Beatmungsgerätes erneut einsetzte. Er klaubte eine der Schrauben vom Bett und begann, diese wieder in das dafür vorgesehene Gewinde zu drehen.

Ich stand bloss da, starrte ihn an und kam mir entsetzlich dämlich vor:

Dämlich, weil ich ihm gegenüber nun doch ein schlechtes Gewissen hatte und das obschon er mich um ein Haar dazu gebracht hätte, meinen Gatten untreu zu werden.

Dämlich, weil ich es zugelassen hatte, dass er meinen Nacken massieren durfte, anstatt ihn einen Flegel und Grabscher zu schimpfen und ihm sowas von kräftig in seine Akkus, oder wo auch immer hin, zu treten … Ich hatte schon immer eine Schwäche für Massagen jeglicher Art gehabt. Und wäre ich noch zehn Minuten länger der Vader’schen Walk- und Knetkunst ausgesetzt gewesen, hätte dieser alles mit mir tun können, wirklich alles! Ich wäre vor ihm devot in den Staub gesunken und hätte ihm mit Wonne seine schicken, schwarzen Stiefel geleckt – und noch ganz andere Dinge.

Und dämlich, weil mir mein Gehirn weiterhin unaufgefordert in den farbigsten Bildern zu schildern versuchte, wie es sein würde, wenn ich jetzt doch mit ihm das tat, was ich eben nicht tun sollte. Schliesslich lag es durchaus im Bereich des Möglichen, dass das ganze Spiel von vorne losging, sobald der sich soweit regeneriert hatte … In meinem Kopf herrschte ein Chaos, welches mich langsam aber sicher den Überblick verlieren und sachte in Richtung Wahnsinn abdriften liess.

„Ich muss gehen“, eröffnete er mir, als kurze Zeit später die letzte Schraube wieder an ihrem Platz sass. „Leben Sie wohl.“ Damit liess er durchblicken, dass er keine Lust auf eine zweite Runde hatte. Er erhob sich, drängte sich ohne ein weiteres Wort an mir vorbei durch die Balkontüre und verschwand in der Dunkelheit. Trotzdem hatte ich dieses ungute Gefühl, als ob die Angelegenheit damit noch lange nicht aus der Welt war.

Ich folgte ihm nicht nach draussen. Ich wollte nicht auf dem Balkon stehen, womöglich auch noch zum Abschied winkend, um zusehen zu müssen, wie er mit dem Schiff davonflog, in dem ich so gerne ebenfalls gesessen wäre – in dem auch ich hätte sitzen können, wenn ... Ich warf mich aufs Bett, vergrub mein Gesicht im Kopfkissen, damit es mein entnervtes Kreischen erstickte und schalt mich eine dumme Gans, eine prüde Schnepfe, eine bescheuerte Kuh und eine einfältige Nuss.


***



Mittwochabend, 22:20 Uhr: Erneut hatte ich sturmfreie Bude wegen des gattenspezifischen Fussballtrainings mit anschliessendem gemütlichem Beisammensein für ein, oder zwei, vielleicht auch drei Bierchen, zwecks Nachbesprechung der am Sonntag im strömenden Regen eingefangenen, ach so schändlichen Niederlage …

Ich stand in der Tür zu unserem Schlafzimmer und glotze ungläubig auf die schlaksige Kreatur mit der langen Enten-Schnauze und den überdimensionalen Flatter-Ohren, die es sich ganz offensichtlich während meiner DVD-Session heimlich in unserem Ehebett bequem gemacht hatte. „Raus!“, keifte ich los.

„Oh, nein! Ichse bringen Extra-Grüsse von grosses, Dunkles Lordschaft.“

„Darth Vader …“, stöhnte ich. Das hier war also die Quittung dafür, dass ich ihm einen Korb gegeben hatte. Nun hatte er mir zur Strafe diesen hibbeligen Quälgeist da zukommen lassen. Na schön, ich hatte Glück im Unglück, es hätte ja auch Jabba sein können …

„Jou, wirse jetzt vieles, grosses Spass haben, mit muimui Hoppi-Hoppi“, verkündete der Gungan vergnügt. Seine Stielaugen begafften mich lüstern.

„Heute gibt’s kein Hoppi-Hoppi! Hoppi-Hoppi ist alle, und jetzt raus hier!“ Ich schwöre, dass ich an Jar Jar Binks ganz bestimmt nicht einen einzigen Schmachtpunkt verschwendet habe, als ich mir vorhin Episode I reinzog – es war Darth Maul gewesen, definitiv Darth Maul!










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