Große Ohren

GeschichteHumor / P12 Slash
Herr Wacker Leonard Kraft
30.11.2008
30.11.2008
1
1305
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Titel: Große Ohren
Autor: Lady Charena
Fandom: Mit Herz und Handschellen
Pairung: Wacker, Leo/Thorsten
Rating: pg15 [Sprache], slash
Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Wie allgemein bekannt, hört der Lauscher an der Wand nur seine eigene Schand. Zu dumm, dass Wacker nicht „allgemein“ heißt...

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.


Für meine große Hühnerschwester, die sich dieses Jahr aufgrund eines ungeplanten Musenstreiks mit einem nur halb-gefüllten Adventskalender zufrieden geben muss, und die sehr schwer daran gearbeitet hat, mich für diese Serie zu begeistern... ‚g’ Eine Story alleine beweist nicht, dass es gelungen ist, Schatz.



Kriminaloberkommissar Erasmus Wacker beendete seine Arbeit mit nicht gerade wenig Stolz. Aus Krafts ordentlich geschriebener „3“ auf der Überstundenliste war mit ein wenig künstlerischer Betätigung von Herrn Wacker eine schlampig gemalte „8“ geworden. Nicht, dass sie nicht ohnehin genügend Überstunden machen mussten, aber auf die Weise rutschte er in die nächste Zuschlagskategorie und - da war sich Erasmus Wacker sicher – die stand ihm schließlich zu, so wie sein Talent hier unterschätzt wurde.

Zufrieden seufzend streckte er sich und warf die Liste zurück auf Schulz’ Schreibtisch, der sie morgen früh an Frau Hubrecht weitergeben würde. Das war erledigt. Wacker knipste die Schreibtischlampe aus und zog seine Jacke an. Wenn er einen Zahn zulegte, schaffte er es noch zu der Ü30-Party am Stachus bevor die ganzen geilen Weiber ein...

Das Klingeln eines Handys riss ihn aus seinen vorfreudigen Gedanken und Wacker erstarrte. Es war nicht etwa sein eigenes, und die Tatsache, dass im Bürokabuff von Kraft und der Metz auf einmal Licht anging, bestätigte das nur. Es war der Klingelton von Krafts Handy und nicht nur das, ein Lichtstreifen, der aus dem anderen Raum fiel, sagte ihm dass die Tür nur angelehnt war. Unschlüssig blieb Wacker stehen. Verfluchte Glaswände. Wenn er da jetzt vorbeiging und Kraft bemerkte, dass er noch da war, obwohl er sich vor Stunden bereits verabschiedet hatte, als Schulz nach Hause ging, dann würde das unangenehme Fragen aufwerfen.

Was hatte die Schwuchtel um diese Zeit eigentlich noch hier zu suchen? Neugierig drückte sich Wacker an der Wand entlang, bis er dicht an der spaltbreit geöffneten Tür stand.

„Uh, ja. Ich bin mit dem Kopf auf dem Schreibtisch eingeschlafen“, klang es von drinnen. Gefolgt von einem Gähnen. „Genau, wie in den Beamtenwitzen, die Wacker immer erzählt.“

Kraft lachte, obwohl Wacker daran nichts lustiges entdecken konnte. Wieder ein Beispiel, wie schädlich er unterschätzt wurde. Da nahm er solche Anstrengungen auf sich, den trüben Alltag mit ein paar Scherzen aufzulockern und seine Kollegen zu unterhalten... aber Kraft hatte ja schon ein paar Mal bewiesen, dass er keinen Sinn für Humor hatte. War wohl alles zu hoch für so einen.

„Hey, nur weil es für dich normal ist, um diese Zeit zu arbeiten, heißt das nicht, dass ich das auch gut finde.“

Mit wem zum Kuckuck telefonierte Kraft da? Wacker spitzte die Ohren.

„Nein, ich habe mich nicht beklagt, natürlich ist es mir klar, warum viele Konzerte erst am Abend stattfinden.“

Konzerte, hm? Dann telefonierte er wohl mit seinem... Freuuuuund... diesem Musiker. Wacker schüttelte sich immer noch innerlich bei dem Gedanken daran, wie dieser Thorsten ihn angesehen hatte. Natürlich kein Wunder, wie er da mitten in der Nacht bei ihnen reingeplatzt war, wie in einem Film, ein Prachtkerl auf der Flucht, unschuldig verdächtigt und dann auch noch mit tropfnass am Körper klebenden Klamotten. Genau wie ein Hollywood-Kinoheld und die Hühner standen auf so was ungeheuer. Irgendwie waren Schwule ja so was wie Weiber.

„Thorsten... Was soll ich alleine zu Hause, wenn du nicht da bist?“

Ah-ha! Da zeigte es sich wieder einmal, was für ein hervorragender Kriminalist er doch war. Er hatte richtig geraten. Wacker gab sich selbst ein stummes „High Five“.

„Nina hat ein Date. Das hat sie mir nicht verraten. Aber wenn sie morgen früh vor mir im Büro ist...“ Kraft lachte. „Ja, ich bin sicher, Wacker wäre davon begeistert.“

WAS? Um ein Haar hätte Wacker das laut gesagt. Sie sprachen über IHN? Was... diese... Er schluckte. Natürlich wusste er, dass es nicht leicht war, mit einem Mann von seinem guten Aussehen zusammen zu arbeiten, wenn man... aber das ging doch zu weit. Er schüttelte sich fast. Trotzdem brachten ihn natürlich jetzt keine zehn Pferde mehr von der Tür weg. Die Gefahr der Entdeckung hin- oder her.

„Genau deshalb bin ich im Büro geblieben, Thorsten.“ Kraft klang amüsiert. „Damit du nicht nach Hause kommst und das halbe Dutzend knackiger Kerle siehst, die ich mir aufgerissen habe, weil du einen Abend nicht in der Stadt bist. Wusstest du nicht, dass ich das jedes Mal so mache, wenn du auf Konzertreise bist?“

Wacker schnappte nach Luft. Das waren ja hochinteressante Neuigkeiten. Der Kraft war also wirklich so pervers, wie er immer vermutet hatte. Womöglich trieb er es regelmäßig nach Dienstschluss hier im Büro, damit sein Musikerfreund nichts davon mitbekam! Der Neid hatte Erasmus Wacker schwer im Griff...

„Ist das alles, warum du angerufen hast? Weil du dich langweilst? Thorsten, es gibt andere Möglichkeiten als Sex, um sich nach der Arbeit zu entspannen.“

Wacker schnappte nach Luft und presste die Hand auf den Mund, mit klopfendem Herzen darauf wartend, dass die Tür aufging und Kraft herauskam. Aber nichts passierte. Offenbar hatte er ihn nicht gehört.

„Natürlich ist niemand mehr um diese Zeit hier, aber ich... hör’ mal, ich bin in meinem Büro. Das kann ich nicht machen, Thorsten.“

Oh.Mein.Gott. Sprachen sie wirklich von dem, was Wacker dachte? Hatte Kraft da drin... DA DRIN... nur ein paar Meter von ihm entfernt... etwa schwulen Telefonsex!?!?!

Wackers Ohren begannen zu brennen, als er etwas hörte, das verdächtig danach klang, als würde mit einem Seufzen ein Reißverschluss aufgemacht. Der würde doch nicht wirklich wagen...?

„Hmmh, Thorsten. Ich stell’ mir gerade vor, dass dein Mund meine...“

Das war genug. Um ehrlich zu sein, es war zu viel! Wacker machte auf dem Absatz kehrt und rannte – alle Vorsicht vergessend – den Korridor hinunter Richtung Ausgang. Also das hörte er sich auf keinen Fall an!

Einen Moment später wurde die Tür ganz geöffnet und Leo Kraft, das Handy in der Hand, sah sich um. Er lachte und klemmte sich das Telefon zwischen Ohr und Schulter, um seinen Reißverschluss wieder zu schließen. „Nein, er ist weg. Gerannt, als ob der Teufel hinter seiner Seele her wäre. Vielleicht heilt es ihn davon, an Türen zu lauschen. Obwohl ich das nicht wirklich glaube.“  

Leo ging zurück in sein Büro und nahm seine Jacke. „Natürlich wird er zu niemandem ein Wort sagen. Es würde ihm sowieso keiner glauben.“

Er löschte das Licht, verließ den Raum und zog die Tür hinter sich zu, wechselte das Handy zum anderen Ohr, um abzuschließen. „Nein, ich geh’ nach Hause und gleich ins Bett. Es war ein langer Tag.“ Er lächelte. „Ich vermisse dich auch. Warum rufst du mich nicht in einer halben Stunde noch einmal an...“  

Seine Schritte hallten leise im leeren Korridor. Leo blieb einen Moment stehen, die Hand auf der Türklinke. „Ja. Ich liebe dich auch, Thorsten.“ Dann unterbrach er die Verbindung und steckte das Handy in die Tasche, um den Autoschlüssel hervor zu ziehen. Leo warf einen Blick auf die Uhr. Eine halbe Stunde, bis dahin sollte er es um diese Uhrzeit nach Hause schaffen, bevor Thorsten noch einmal anrief...


Ende
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