Geschichte: Freie Arbeiten / Prosa / Action / Kaltstart

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Kaltstart

von Billy Boy
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
30.11.2008
26.01.2009
7
8.829
 
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30.11.2008 929
 
Nach einem ziemlich langen Flug stand ich dann in Miami vor dem Airport. Eine neue Stadt, ein neuer Anfang, ein neues Leben. Soweit so gut, aber hinzu kam kein Geld, kein Auto, keine Unterkunft, keine Freunde. Mir blieb also nichts anderes übrig, als den Weg, den ich in Kalifornien schon einmal gegangen bin, zu wiederholen.

Das einigste was ich jetzt noch bei mir hatte war eine Reisetasche mit ein paar Klamotten und ein paar Zeitungen. Ich brauchte erstmal einen Job um überhaupt vorerst über die Runden zu kommen. Vor dem Flughafen standen hunderte Taxis, aber wenn ich mir  eins genommen hätte, hätte ich mir nicht mal was zu essen kaufen können.

Also setzte ich mich auf eine Bank vor den Flughafen und blätterte durch eine Zeitung auf der Suche nach einer möglichen Arbeit. Schweißer…Trucker…Kindergärtner…alles nichts für mich. Mir war klar dass ich am besten in einer Werkstatt hätte arbeiten können, denn schrauben konnte ich und das wäre die beste Chance um wieder in die Szene zu kommen gewesen.

Alles was ich in Kalifornien geleistet hatte, war hier so viel wert wie die Zeitung die ich in der Hand hielt und da  sie mir nicht weiterhalf, schnappte ich meine Sachen und machte mich auf den Weg nach einer Unterkunft. Es kam mir vor als hätte ich die halben Staaten durchquert. Ich war vielleicht 6 Stunden unterwegs und nichts Passendes war aufzufinden.

Die Sonne ging schon unter und ich spielte mit dem Gedanken, auf einer Parkbank übernachten zu müssen. Mein letztes Geld hatte ich in einem Fast-Food-Restaurant ausgegeben und eine Unterkunft hätte ich mir so oder so nicht leisten können. Es war ziemlich still und ich ging auf einem Bürgersteig in Richtung eines kleinen Parks um mir ein gemütliches Plätzchen zu suchen. Auf einmal bog etwa 50 Meter vor mir ein Dodge Charger von 1971 in einen Hinterhof ein.

So richtig sicher war ich mir nicht , ob ich das gerade richtig gesehen hatte, ein schwarzer Charger, mit ausgefahrenem Kompressor und 22-Zoll-Chromfelgen. Ein bisschen war mir das schon unheimlich, ich meine so ein Wagen in der Gegend? Ich folgte dem Wagen in einen kleinen Hinterhof. Als ich dort ankam, senkte sich hinter dem Charger gerade ein Rolltor.

Als ich auf dem Hof stand, konnte ich mein Glück kaum fassen, dort befand sich eine kleine Werkstatt. Ein zweites Rolltor rechts von dem anderen stand halb offen. Ich ging darauf zu, bückte mich hindurch und dachte ich bin zu Hause: Links von mir stand der Dodge Charger von eben, vor mir befanden sich zwei kleine Hebebühnen. Die Linke war heruntergelassen.

Auf ihr stand ein weinroter Mitsubishi Evo. Ein hammergeiles Geschoss mit einem schwarzen Flammenvinyl, schwarzen Alufelgen und einem Spoiler aus Karbon. Die rechte Hebebühne war nach oben gefahren. Auf ihr stand ein oranger Honda CRX, es schien als sei er hier um neue Karosserieteile zu bekommen. Er hatte ein neues Bodykit, aber man erkannte noch die Montagespuren, da noch nicht überlackiert wurde.

Darunter befand sich ein Nissan 240 SX. In dessen Optik wurde auch kräftig investiert: er war rot, hatte einen schwarzen Spoiler und ein Bodykit, was ich noch nie gesehen hatte, vermutlich Sonderanfertigung. Sein Besitzer hatte anscheinend Sinn für Details, der Tankdeckel bestand aus Karbon, genau wie die Türgriffe. Hinzu kamen massig weitere kleine Feinheiten. Hinter den Wagen befand sich eine Treppe die in den zweiten Stock führte.

Dieser war nicht abgetrennt von der restlichen Werkstatt. Dort hockten drei Männer und eine Frau. Sie hatten es sich ziemlich gemütlich eingeräumt. Es sah so aus als ob sie dort öfter Zeit nach Feierabend verbringen würden. Nachdem ich den Laden betreten hatte, kam einer von ihnen sofort zu mir runter. Er war einen guten Kopf kleiner als ich, hatte etwas zu große Sachen für sein etwas zu kleinen Körper, aber sein Cornrow passte echt geil zu ihm.

Sein Name war Taylor Jackson, kurz TJ. „Hey yoo, hast du dich verlaufen Alter?“ war seine Begrüßung. Ich hatte gesagt, dass er recht hat, aber dass ich trotzdem richtig bin. Er hat mich gefragt was ich damit meinte und meine Antwort war klar: Ich wollte zurück hinters Steuer. Ich glaube ich kam ihm relativ sympathisch vor. Er nahm mich mit in ihre Runde und stellte mir erstmal jeden einzeln vor: Der eine mit dem Dodge Charger war Brian Downham.

Er war ein Stück kleiner als ich, aber dafür doppelt so breit, er bestand quasi aus Muskeln und man sah ihm sofort an, dass er mindestens genau so viel PS wie sein Wagen hatten. Die einzigste Frau in der runde war Lui Hiroko und hatte anscheinend japanisch Wurzeln. Sie erinnerte mich ein bisschen an Christi. Man sah an ihrem Outfit, dass sie mit in der Werkstatt arbeitet. Der letzte in der Runde war Dave Blane. Ihm gehörte der rote Evo.

Ich glaube das war ein ähnlicher Typ wie ich. An seinem Auto war alles perfekt abgestimmt und ich konnte mir gut vorstellen, dass er hier eine ziemlich große Nummer war. Nachdem ich mich zu ihnen gesetzt hatte wollten sie natürlich den Grund meines unverhofften Besuchs wissen. Also erzählte ich ihnen meine Geschichte von Kalifornien.

Lui und Tj gehörten die Werkstatt und konnten gut ein bisschen Unterstützung gebrauchen, also boten sie mir an ihnen beim Schrauben zu helfen, dafür könne ich für ein paar Tage hier übernachten und würde bisschen was verdienen.

Ich hatte es also doch noch ziemlich gut getroffen: vorerst ein Dach über den Kopf und einen Job, und als ich die Wagen gesehen hatte wusste ich, dass ich irgendwann wieder die Zündschlüssel aus dem Schrank holen konnte.
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