Das Ende vom Anfang

von Pretyn
GeschichteDrama / P12
26.11.2008
26.11.2008
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Diese Geschichte ist nach der 9.Episode der dritten Staffel von Heroes angesetzt. Allerdings ist der Spoiler hier nur ein kleiner und fällt vermutlich gar nicht auf. ;) Ich freu mich auf Reviews!


Das Ende vom Anfang

Elle hatte den Auftrag in der Stadt genutzt und hatte sich die Haare kurz schneiden lassen und war für sich einkaufen gegangen. Jetzt sah sie verändert aus, sogar sehr verändert. Es war ein gutes Gefühl, fand sie, als sie sich selbst im Badezimmerspiegel des Hotels betrachtete. Gabe betrat den Raum und sah sie irritiert an, doch dann erkannte er Elle in dieser neuen Person und pfiff anerkennend durch die Zähne.
„Sehr hübsch“, meinte er und wuschelte ihr durch die Frisur.
„Hey!“, protestierte Elle und schickte ihm einen kurzen Stromstoß zu, den er aber mühelos abfing. Empört schnaufend drängte sie sich an ihrem kichernden Partner vorbei und ließ sich auf das schwarze Ledersofa fallen. Sie lehnte sich zurück und atmete tief durch. Jetzt hatte sie fast alle Schritte getan. Wenn sie wirklich eine neue Elle werden wollte, dann musste sie sich jetzt endlich erinnern. Sie musste sich an den Tag erinnern, an dem sie ihre Kräfte entdeckt hatte…

* * *


Es war an einem Tag im Sommer gewesen, sie war sechs Jahre alt, und ihre Nanny hatte sie, wie jeden Morgen, mit einem Lächeln aus dem Bett geworfen. Elles Vater tat dies schon seit einer langen Zeit nicht mehr. Er saß immer schon am Frühstückstisch, versteckt hinter der Zeitung, dass man ihn fast gar nicht sehen konnte. So war es auch an diesem Tag gewesen. Elle rutschte auf ihren Stuhl und ihre Nanny goss ihr Milch über die Cornflakes. Das kleine Mädchen hatte ein gemaltes Bild mit in die Küche gebracht und schob es jetzt ihrem Vater hin.
„Guck mal, das hab ich gemacht!“, sagte sie schüchtern und wartete auf eine Reaktion. Doch der Mann warf nur einen flüchtigen Blich darauf und ließ ein „Hm“ verlauten.
Wenigstens Nanny war begeistert gewesen und hängte es mit den Worten „Das ist aber schön geworden!“ an den Kühlschrank. Sie tippte auf eine breit grinsende Frau, die neben einem noch breiter grinsenden Kind stand.
„Bin ich das?“ Elle nickte.
„Und das da? Ist das dein Papa?“ Sie zeigte auf eine dritte Person auf dem Bild und das Mädchen nickte abermals. In diesem Moment faltete ihr Vater die Zeitung zusammen, erhob sich und wandte sich an die Nanny.
„Denken Sie bitte daran, dass sie Elle heute zu ihrer Großmutter fahren. Ich werde zu viel zu tun haben.“
Da wurde Elle hellhörig. „Aber… ich dachte, du kommst mit!“, rief sie aus und erntete dafür einen missbilligenden Blick. „Du weißt doch, dass ich viel zu arbeiten habe“, sagte er und verließ rasch die Küche. Geknickt ließ das Mädchen den Kopf hängen. Elles Vater arbeitete immer sehr lange in irgendeiner Firma.
„Bestimmt kommt er das nächste Mal mit“, versuchte Nanny sie zu trösten. Elle nickte, aber so sicher war sie sich nicht.

Ein paar Stunden später fuhren die beiden bei Elles Oma vor. Diese wohnte außerhalb der Stadt in einem wunderschönen, aber schon etwas älteren Haus mit einem riesigen Garten. Elle war gerne hier, denn ihre Großmutter machte wunderbare Kuchen mit Schokolade oder einem ganzen Haufen von Früchten und ihre Kochkünste waren auch nicht zu verachten. Und Oma freute sich immer, sie zu sehen. Die Frau überredete Nanny noch, auf einen Kaffee hereinzukommen und das Mädchen rannte hinter das Haus um zu schaukeln.
Der Wind strich ihr warm und weich über das Gesicht, als sie sich auf der alten Schaukel hin und her schwang. Die Sonne wanderte immer näher dem Horizont entgegen und blendete das Mädchen mit ihren Strahlen. Die Zeit verging wie im Flug, bis ihre Großmutter nach ihr rief.„Elle! Komm rein, Schatz! Ich hab Abendessen gemacht!“
„Ja, Oma!“, antwortete sie und hüpfte leichtfüßig auf den Boden. Sie rannte auf das Haus zu und kletterte die Veranda hinauf.
Da geschah es.
Ein merkwürdiges Kribbeln fuhr durch ihren ganzen Körper, es fühlte sich so an, als sei sie unter Strom gesetzt worden. Das machte Elle Angst. Furchtbare Angst. Sie zuckte immer und immer wieder zusammen und plötzlich schossen blaue Blitze aus ihren Händen. Diese erzeugten Feuer auf dem Holzboden und dieses griff auf die Balken und das Dach über. Und immer mehr und mehr Blitze kamen aus Elles Fingern. Sie konnte es nicht stoppen, konnte nur zusehen.
„Oma…“, brachte das kleine Mädchen schließlich mühsam hervor. „Oma!“
Als die Großmutter schließlich aus dem Haus gestürmt kam, stand die Veranda schon in Flammen. „Hilf mir, Oma!“Doch die Frau wusste nicht, was sie tun sollte.

Später konnte sich Elle nur noch an die Sirenen der Feuerwehrwagen erinnern. In einem Krankenwagen saß ihre Großmutter und wurde von einem Sanitäter verarztet, sie hatte schlimme Verbrennungen an Armen und im Gesicht. Elle hörte, wie zwei Rettungskräfte irgendetwas von einer durchgebrannten Stromleitung erzählten. Und sie sah ihren Vater neben sich stehen. Ängstlich blickte sie zu ihm auf.
„Was war das?“
Der Mann lächelte. „Das war das Zeichen. Jetzt bist du bereit, mir bei der Arbeit zu helfen…“

* * *


Elle schreckte auf. Sie saß noch immer auf dem Sofa, doch mittlerweile war es draußen dunkel geworden und sie knipste das Licht an. Gabe, der auf dem Bett lag, rappelte sich auf und blickte sie müde an.
„Was ist los?“, fragte er.
„Ich bin gerade aufgewacht.“
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