You are crazy

von Feyane
OneshotRomanze / P12
Blaise Zabini Luna Lovegood
25.11.2008
25.11.2008
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You are crazy


Blaise Zabini x Luna Lovegood




Es war still in der sonst so belebten Bibliothek. Normalerweise war hier und da vereinzeltes Flüstern oder Stoffgeraschel zu hören, heute jedoch hielt sich dies in Grenzen.

In einem der etwas abgelegenen Teile der Bibliothek saß jemand angestrengt über ein Buch gebeugt. Der halb fertige Aufsatz für Zaubertränke lag neben ihm auf dem Tisch ausgebreitet. Augen flogen noch über die letzten Zeilen, als er auch schon die Seite umblätterte. Die Feder kratzte auf dem leicht rauen Pergament, während er schrieb.

Blaise musste diesen Aufsatz unbedingt noch heute fertig kriegen, wenn er morgen bei Zaubertränke nicht vollkommen versagen wollte. Er lehnte sich zurück, fuhr sich kurz über die Augen. Tiefe Atemzüge erfüllten die Luft. Es war alles so langatmig und unförmig geschrieben, dass es ihn beinah einschläferte. Dennoch, er musste da wohl oder übel durch.

Erneut wandte er sich schwerfällig dem lesen zu, als plötzlich der Stuhl am anderen Ende des Tisches zurückgeschoben wurde. Überrascht blickte er auf. Das erste was er ausmachen konnte waren aschblonde, lange Haare, gefolgt von blasser Haut und blauer Uniform. Ravenclaw, eindeutig.

Elegant zog er eine Augenbraue in die Höhe. Was sollte das denn? Eine Ravenclaw mit einem Slytherin? Langsam legte Blaise seine Feder nieder, lehnte sich wieder zurück und beobachtete die Person, welche sich gerade am anderen Ende des Tisches hinsetzte.

Seelenruhig packte Luna ihre Sachen aus, wobei ihre kleinen Radieschenohrringe leicht schwangen. Dann blickte sie hoch, direkt in seine Augen.
„Hallo.“, sagte sie mit ruhiger, verträumter Stimme.

Nun zog Blaise auch seine zweite Augenbraue nach oben.

Sie wandte sich wieder ihren Büchern und Pergamenten zu, was auch ihn dazu veranlasste sich seinem Aufsatz erneut zuzuwenden, wenn gleich er noch ein wenig überrascht war. Einige Minuten geschah nichts. Nur das Kratzen von Federn und gelegentlich das Rascheln von Buchseiten war in der sonstigen Stille der Bibliothek zu vernehmen. Blaise hatte es gerade wieder geschafft sich in den Stoff des Sachthemas einzuarbeiten und zu vertiefen, als erneut ihre Stimme erklang.

„Du trägst grün.“

Verwirrt blickte er auf, sah ihr in die grauen Augen, welche ihn träumerisch anblickten. Luna hatte ihren Kopf leicht schräg gelegt, während ihr ein Teil des Haares leicht über die Schulter lugte.

„Ich mag grün.“, war das nächste was sie sagte.

„Aha.“, kam es verdattert zurück. Blaise’ Gesicht zeugte von reinem Unglauben. Was war denn in die gefahren?

„Das sind die Nargel.“, flüsterte sie dann.

„Die Nargel?“, nun war er vollends verwirrt.

„Ja.“, kam es schlicht zurück. Sie grinste leicht, bevor sie sich wieder auf ihre Aufgaben konzentrierte. Blaise blinzelte. Also irgendwas stimmte hier doch ganz gewaltig nicht.

„Und was sind die Nargel deiner Meinung nach?“

Sie zuckte mit den Schultern. Ihre Robe raschelte leicht bei dieser Geste.

„Ich weiß es nicht. Habe nie einen gesehen.“ Sie beugte sich etwas vor. Der große, bullige Tisch knarrte leicht unter ihrer Last. „Ich bin aber überzeugt davon, dass es welche gibt.“, flüsterte sie verschwörerisch.

Blaise verengte die Augen und brachte vorsichtshalber mehr Abstand zwischen sich und diesem Mädchen. Diese Frau war ihm nicht geheuer. Eindeutig nicht geheuer.

Er beobachtete, wie sie sich wieder zurückfallen ließ. Wie sie erneut anfing zu arbeiten. Ihren Kopf wiegte sie dabei leicht hin und her, so als lausche sie einem Takt, welcher nur ihr zu hören vergönnt war.

Der Slytherin dachte nach.

Seine Feder lag unversehrt auf einem dicht beschriebenen Blatt Pergament, welche sich nur zu Genüge auf dem großen Tisch zu tummeln schienen. Das helle Licht, das durch die großen Fenster strömte zog seine Kreise auf dem leicht vergilbten Untergrund. Das dunkle Holz des Tisches leuchtete rötlich auf unter diesem Schein. Die Ruhe der umliegenden Bibliothek gab sein Restliches dazu.

Ihm kam es alles so irreal vor. So unecht. Er konnte nicht verstehen, was hinter diesem Mädchen steckte. Ihre ganze Logik warf bei ihm Rätsel auf. Wie sie so dasaß, in ihrer ganz eigenen Welt versunken. So als wäre sie gar nicht hier. Zwar flog ihre Hand in einem gleichmäßigen Tempo über das Pergament, dennoch erschien es ihm illusorisch. Und wenn er nur an ihre Wort dachte.

„Nargel…“, flüsterte er leise und schüttelte den Kopf. Er rückte wieder an den Tisch ran, nahm seine Feder auf und vergrub seine Gedanken wieder vollständig in den erdrückenden Lasten des Lehrbuches.



Es vergingen Stunden in denen er nur so dasaß und seine Aufgaben erledigte. Luna schien nicht das geringste Bedürfnis zu haben ebenfalls etwaigen Tätigkeiten nachzugehen, sodass auch sie sich nicht vom Fleck rührte und stattdessen ihrer Arbeit nachging.

Irgendwann in den frühen Abendstunden ließ Blaise das mächtige Zaubertrankbuch mit einem lauten Schall zuklappen. Er streckte sich kurz.

Luna blickte aufgrund des Lärms auf und fixierte ihn mit einem undeutbaren Blick.

Blaise zog die Augenbrauen zusammen. Da war sie wieder, diese seltsame Art.

„Was ist?“

Sie schüttelte den Kopf.
„Du bist fertig.“ Es war eine Feststellung.

„Sieht ganz so aus.“ Es verwunderte ihn, wenn er ehrlich war. Sie wirkte irgendwie komisch.

Er stand auf, richtete seine Roben kurz und packte daraufhin seine Sachen. Luna sagte nichts, beobachtete ihn lediglich bei seinem Vorhaben. Als er, die Bücher bereits unter den Arm geklemmt, gerade die letzten Pergamentrollen aufhob, drang ein leises Flüstern an sein Ohr.

„Blaise Zabini“

Er hielt inne. Wandte sich langsam, sehr langsam zu seiner Gesellschaft um. Er konnte ihr Gesicht in dem schwachen Licht nicht erkennen, lediglich die übergroßen Radieschenohrringe schwangen leicht. Sie kannte also seinen Namen. Interessant.

„Ja, der bin ich.“, sagte er gedehnt, lauernd.

Luna währenddessen stand ebenfalls auf und packte seelenruhig ihre Sachen zusammen. Sie schien sich wieder gefangen zu haben.

„Und mit wem spreche ich, wenn ich fragen darf?“ Das erste Mal an diesem Abend stellte er sich eben jene Frage. Sie hatte ihn neugierig gemacht.

„Ich bin Luna.“ Sie blickte auf, die Tasche über ihre Schulter gelegt. Bereit zu gehen. „Luna Lovegood“

Und mit diesen Worten trat sie einen Schritt vor, streckte sich auf die Zehenspitzen und hauchte ihm einen kurzen Kuss auf die Wange. Die Kette aus Butterbierkorken um ihren Hals sirrte leise. Der Geruch ihrer aschblonden Haare stieg ihm in die Nase. Er war ebenso seltsam wie diese Person vor ihm. Ein breites Lächeln lag auf ihrem Gesicht, als sie sich wieder zurückfallen ließ. Aufgrund der ungewohnten Nähe fielen ihm die kleinen Grübchen auf, welche um ihren Mund spielten.

Dann wandte sie sich um. Der blaue Umhang bauschte sich auf, das blonde Haar flog nur so, als sie anfing zu laufen und letztendlich aus seinem Sichtfeld verschwand. Blaise stand noch immer da, als hätte er soeben einen Geist gesehen. Einen weiblichen zwar, aber dennoch einen Geist. Zerstreut fuhr er sich durch das Haar. Ein Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus. Loony Lovegood also. Er schüttelte den Kopf. Das hätte er sich auch denken können. Er nahm die letzten seiner Habseeligkeiten auf und machte sich nun selbst auf den Weg.

Jetzt war es also bestätigt.
Luna Lovegood war verrückt. Sie war eindeutig verrückt.
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