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Der stärkste Zauber

von Lyschko
GeschichteDrama / P16 / MaleSlash
Juro Kantorka Krabat Lyschko Meister Tonda
17.11.2008
17.11.2008
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Es war Spätsommer, der Mond stand kalt und silbern am Himmel und beleuchtete sperrlich den schmalen Weg zur Mühle im Koselbruch hin.
Ein Junge, von cirka 15 Jahren, mit wallenden Strohblonden Haaren watete sich mühsam den Weg zur Türe.
Noch wusste der Knabe nicht, was ihn in dieser Teufelsmühle erwarten würde. Wie auch die Burschen vor ihm, wurde der junge Lyschko von der Stimme des Meisters im Schlafe gerufen. Immer wieder widerhallten die Worte in seinem Kopf: „Lyschko, komm zur Schwarzen Mühle; es wird nicht zu deinem Schaden sein! Gehorche der Stimme des Meisters…“
Jedoch im Gegensatz zu den Burschen vor ihm, dachte Lyschko nicht darüber nach was ihn erwarten könnte. Der Ruf des Meisters kam ihm wie ein Befreiungsschrei, er hatte sich seiner Familie entrissen und zog voll Hoffnung hin zur Schwarzen Mühle, dem Ruf des Meisters entgegen.
Mit lautem Knarren öffnete sich nun Spaltbreit die Holztüre zur Stummen Mühle. Dunkelheit empfing den Jungen. Nur ein schmaler Lichtschein brach am Ende eines Flures durch eine weitere Tür hindurch.
Ohne zu zögern schritt er ein, sich seinen Weg zur Türe bahnend, als ihn jemand von hinten Packte.
„Da bist du ja endlich!“
Es war die Stimme des Meisters, die Lyschko so vertraut war.
„Du kannst bei mir in die Lehre gehen, ich brauche wieder einen…Du magst doch?“
Eine Art Echo erschien in Lyschko’s Gedanken, kaum das er aus eigenem Sinne sprach, antwortete er schon wie gelenkt:
„Ja.“
„Und was soll ich dich lehren, das Müllern, oder auch alles andere?“
Wieder das Echo.
„Das andere auch!“
Fast schon Mechanisch streckte der Knabe dem Meister seine Linke hingegen, der seine Hand schon erwartete und mit ihm Einschlug.
Kaum das der Pakt geschlossen war, ging ein Ohrenbetäubendes Getöse in Gange, der Meister lachte.
„Die Mühle, nun Mahlt sie wieder!“

Lyschko arbeitete sich schnell und fleißig ein, was dem Meister nicht gerade Missfiel. Er war eher Schweigsam bei den Burschen, aber tat wie man ihm auftrug und Fragte nicht. Dem Jungen lag nicht viel daran Freundschaft mit den Burschen zu schließen, er lernte lediglich ihre Namen um sie im Notfalle rufen zu können, doch mehr wollte er nicht.
Nur ein Bursche, um die Zwei Jahre älter als er, hakte immer wieder nach und auch Lyschko taute bald bei dem sanften Gemüt seines Mitgesellen auf.
Tonda hieß er, ein Junge von 17 Jahren, mit welligem Braunen Haar. Er war der einzige, an den er sich wandte wenn er Fragen hatte.
So kam es, das Tonda und Lyschko in der Osternacht zusammen die Nacht verbringen sollten, an Bäumels Tod. Lyschko war nicht gerade unzufrieden darüber, so konnte er doch die Nacht allein mit Tonda verbringen, ohne den dummen Juro, den seltsamen Andrusch oder die Vetter Merten und Misha.
Die zwei zogen also ihres Weges, im Dunkeln durch den Wald in Richtung Schwarzkollm, schlugen ihr Lager an Bäumels Tod und redeten etwas miteinander, über unwichtiges und auch lustiges, bis Tonda plötzlich ernster wurde.
„Wie gefällt es dir auf der Mühle?“
„Wie soll es mir Gefallen, ich habe Quartier und Brot, einen Freund und lästige Mitgesellen! Mit dem Meister kann man umgehen, und…“
„Du hast also nie daran Gedacht, zu gehen?“
„Sei nicht Albern…Wieso fragst du mich so etwas, Tonda?“, Lyschko’s Miene zog sich zu einem fragenden Gesicht.
„…Nicht so wichtig…Es mag dir jetzt noch gefallen, doch kaum in einem Jahr, da wird es dir leid tun beim Meister in die Lehre gegangen zu sein…“
Lyschko verstand gar nichts mehr.
„Warum sollte ich denn gehen wollen Tonda, ich habe niemanden außer dir! So lang ich denken kann warst du der einzige Freund, der mich akzeptierte, ganz so wie ich bin…“
Verbittert viel Lyschko Tonda um den Hals und drückte ihn an sich, aus Angst er würde vielleicht versuchen wegzulaufen. Eine Träne rann an seiner Wange entlang und sein Atem wurde warm.
„Du bist doch der Grund, warum ich überhaupt so fleißig Arbeite, Tonda! Ich möchte genau so gut sein wie du!“
Tonda lächelte sanft. Auch ihm war Lyschko ein sehr wichtiger Freund, und auch der einzige dem er alles Anvertrauen konnte. Er erwiderte den Druck und auch er legte seine Arme um den Freund.
„Ist das wirklich wahr, Lyschko?“, fragte er leise, fast wispernd und wischte dem Jungen die Träne von der Wange.
„Es ist wahr was ich sage Tonda…wenn du gehst, dann weiß ich nicht was ich tun soll. Bitte bleib, geh nicht fort…“
Das schluchzen seines Freundes ließ Tonda schwach werden. Er ertrug es nicht, seinen kleinen Lyschko dort weinen zu sehen.
„Wenn du es so willst, dann bleibe ich bei dir…“, entgegnete er kurzerhand und fuhr dem Blonden durchs Haar.

Seit dieser Nacht wurde auch Lyschko unterrichtet in der Schwarzen Kunst. Auch das Verhältnis zwischen Tonda und ihm schien sich verändert zu haben, sein Freund und er verbrachten von nun an mehr Zeit als jemals zuvor miteinander, Tonda setzte sich oftmals zu ihm ans Bett, oder legte sich zu ihm, wenn er wieder einmal von der langen Arbeit nicht schlafen konnte.
Der sanfte Atem und der Klang von Tonda’s Herzschlag beruhigte ihn. Die anderen Burschen zerrissen sich bald die Mäuler über Lyschko und Tonda, bis ihn eines Tages der Geselle Janko zur Seite zog.
„Lyschko; verbrüdere dich nicht zu sehr mit deinen Gesellen, glaube mir, es wird dir nicht gut ergehen!“, sagte Janko ihm ernst ins Gesicht.
„Halt’s Maul Janko! Du weißt ja nicht was du da redest!“, wütend riss Lyschko sich los.
„Ich will dir nur eines sagen Lyschko, eine Freundschaft ist gefährlich auf der Mühle! Das solltest du eigentlich selbst wissen, Misstrauisch wie du bist!“
„He da, ihr Lausebengel! An die Arbeit!“
Der Meister trat aus dem Flur hervor und hieß ihnen mit den Armen drohend zurück an die Arbeit zu gehen.
Janko wand sich schon wortlos und bitter hinfort, da wollte Lyschko ihm folgen, doch der Meister hielt ihm die Schulter fest.
„Komm mal mit Junge…“
Ängstlich folgte Lyschko der Anweisung, was würde ihn jetzt erwarten? Sicher würde der Meister in nun für seine Taten schelten, doch der Meister führte ihn hingegen seiner Befürchtung in die Schwarze Kammer und schloss die Tür.
„Lass dir von dem Kerl nichts einreden, Lyschko!“, legte der Meister herrschend los, kaum das der Junge sich setzte.
„Janko weiß nicht was er redet, du bist ein schlauer Junge, hör nicht auf die Worte eines niederen Burschen.“
Lyschko war überrascht und erfreut zugleich. Der Meister, sonst grob und kalt, lobte ihn und machte seine Mitgenossen nieder.
„Noch eines bevor du gehst Junge…“
„Ja Meister?“
„Solltest du etwas über Janko wissen, oder herausfinden das er mir verheimlicht, so komm und Berichte mir davon.“
Das Pflaster, das sonst das blinde Auge des Meisters verbarg fehlte. Es starrte den Knaben unerbittlich an, und Lyschko hatte das Gefühl, als würde ihn ein Eiszapfen das Herz zerreißen.
Fröstelnd saß er auf seinem kleinen Schemel.
„Du weißt doch etwas, oder Lyschko? Sag es mir…“
Es wurde dem Jungen immer kälter.
„…ja Meister…“, presste er aus seinen zitternden Lippen heraus.
„…der Janko hat ein Mädchen, Wieslawa, ich glaube so ruft er sie immerzu…“
Die Kälte zog sich langsam aus seiner Brust zurück, er konnte wieder frei atmen. Es war ihm, als wäre etwas in ihn gefahren und hätte alle Informationen aus ihm heraus gepresst.
„Braver Junge, Lyschko…Geh nun wieder an deine Arbeit zurück!“

In dieser Nacht konnte Lyschko wieder unruhig schlafen, und wieder legte sich Tonda zu seinem Schützling und drückte ihn an sich.
„Was beunruhigt dich so?“, Tonda’s Stimme klang angenehm in seinen Ohren, viel angenehmer als die des Meisters.
„Ich habe den Janko beim Meister verraten Tonda…ich habe ihm gesagt, dass er die Wieslawa hat…“
Seinem Freund das zu sagen empfand er deutlich unangenehmer als die Sprache mit dem Meister die er diesen Mittag mit ihm geführt hatte, wenn auch Unfreiwillig, so wie er sich gefühlt hatte.
Tonda schwieg. Er fand keine passenden Worte die er Lyschko zuflüstern konnte, damit er schlief.
Tonda lag einfach da, ihm wurde klar, was Janko und seinem Mädchen nun blühen würde, das sie sich schon bald von ihm verabschieden müssten…Schon sehr bald.
Lyschko begann zu wimmern, doch Tonda blieb weiterhin still. Langsam stand er aus der Pritsche auf, legte sich auf seine eigene und blieb auch noch stumm liegen, als Lyschko zu weinen begann.

Am nächsten Morgen war Janko Spurlos verschwunden gewesen, niemand vermag ihn auf dem Gelände der Mühle zu finden. Den Meister schien das wenig zu kümmern, er hatte sich nach dem Frühstück in seine Kammer eingeschlossen und kam auch zum Abend nicht heraus. Erst am Nachmittag des nächsten Tages, als die Burschen ausgesandt wurden um Holz für den Winter zu hacken, fanden sie Janko.
Er und sein Mädchen, die Wieslawa, lagen bleich und steif wie mit Kalk bestrichen unter einer Umgestürzten Tanne.
Keiner der Burschen verlor ein Wort darüber, doch alle wussten wer für den Tod der beiden verantwortlich war. Sie entfernten die Tanne, Juro lud die beiden behutsam auf den Karren zu den Holzscheiten, dann pritschten die Burschen zum Wüsten Plan und hoben die Gräber aus. Die Beerdigung war kurz, ohne Pfarrer, ohne Kreuz. Sie legten sie bei und verschwanden dergleich, nur einer blieb stehen und trauerte. Lyschko.

Seit diesem Ereignis wussten die Burschen, das es besser war den Kontakt mit Lyschko zu vermeiden. Einzig Hanzo und Andrusch wechselten noch das Wort mit ihm, doch die restlichen Burschen, so auch Tonda, wandten sich aus Angst und Abscheu von ihm ab. Lyschko gewöhnte sich bald daran, dem Meister von Sachen zu berichten, die er hie und da Aufschnappen konnte auf der Mühle, und bekam dafür ein jedes Mal seine Belohnung dafür. Doch an eines konnte er sich nie gewöhnen, an den gewonnenen Abstand zu seinem früheren Freund Tonda…
 
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