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Second Season: Mighty Ducks

GeschichteAbenteuer / P6 / Gen
16.11.2008
08.07.2012
13
46.638
 
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16.11.2008 4.192
 
Andrea und Nosedive hatten es sich diesen Morgen im Gemeinschaftsraum gemütlich gemacht. Andrea las die Zeitung, während Nosedive Cartoons guckte.
Doch in diesem Augenblick betrat Phil den Gemeinschaftsraum. Er sah sich um, entdeckte Andrea und kam schnurstracks auf sie zu.
„Andrea, Baby...“, begann er, doch die braunhaarige Ente warf ihm einen derartig bösen Blick zu, dass er sofort abbrach. „Andrea, Süße...“, versuchte er es erneut, doch wiederum erntete er nur einen bösen Blick, der ihn auch diesmal verstummen ließ.
„Hallo, Andrea“, sagte er dann schließlich, und diesmal schien er die richtigen Worte gewählt zu haben, denn die so Angesprochene erwiderte den Gruß. „Hallo, Phil“, sagte sie freundlich.
Sichtlich erleichtert atmete Phil auf, ehe er fortfuhr: „Ich habe einen Auftrag für dich, Sü...Siehst du, hier in meinem Kalender steht es.“ Und um seinen Versprecher zu überspielen, holte er demonstrativ seinen Terminkalender heraus und schlug die entsprechende Seite auf. „Eigentlich betrifft es dich und Mallory. Es geht um Modefotos für ein Magazin.“
„Welches Magazin?“, fragte Andrea ein wenig skeptisch und stand auf.
Der Manager der Ducks warf einen Blick in seine Notizen. „Vogue“, antwortete er schließlich.
Andrea, die eigentlich selbst einen Blick in den Kalender hatte werfen wollen, blieb wie erstarrt stehen. „Die Vogue?!“, wiederholte sie und schnappte hörbar nach Luft. „Ich muss mich setzen.“ Und schon sank sie zurück auf die Couch, den Blick starr zu Boden gerichtet, den Schnabel offen stehend.
Doch nun hörte man, wie sich die Tür des Gemeinschaftsraumes öffnete und Wildwing, Tanya, Duke und Mallory hereinkamen.
Andrea hob den Blick, entdeckte Mallory und stürzte sofort auf die Rothaarige zu.
„Mallory! Mallory!“, rief sie aufgeregt und packte ihre Freundin, die sich ein bisschen überfallen vorkam, bei den Händen. „Stell dir vor! Wir machen Modefotos! Für die Vogue!“
Mallory riss die Augen auf, ein erstaunter Ausdruck trat auf ihr Gesicht, und für einen Moment war sie ebenfalls wie erstarrt, doch dann stieß sie einen Freudenschrei aus, in den Andrea einstimmte, und schon hüpften die beiden jubelnd und kreischend im Kreis, während sie sich wie zwei kleine Mädchen an den Händen hielten.
Wildwing und Duke beäugten das Geschehen skeptisch.
„Hast du eine Ahnung, worum es hier geht?“, fragte Wildwing den grauen Erpel.
„Nicht die geringste“, antwortete dieser. „Aber ich habe es auch aufgegeben, Frauen jemals ganz zu verstehen.“
Dann sah er Tanya an. „Oder kannst du uns das erklären?“
„Nein“, erwiderte diese knapp, machte auf dem Absatz kehrt und verließ den Gemeinschaftsraum wieder.
Wildwing und Duke sahen ihr fragend nach.

In ihrem Zimmer betrachtete Tanya sich im Spiegel.
„Immer bekommen Andrea und Mallory die Aufträge für Modefotos“, sagte sie zu sich selbst. „Das war vor einem Monat bei InStyle so, und jetzt auch noch die Vogue!“ Sie beäugte sich kritisch von oben bis unten. „Aber eigentlich ist es kein Wunder. Die beiden sind schlank und hübsch. Ich mit meinem Aussehen und meiner Figur habe da natürlich keine Chance.“ Wieder ein prüfender Blick in den Spiegel. „Okay, dann ist es beschlossen. Ich mache eine Diät!“

„Siege, Siege! Sieh mal hierher!“, rief Chameleon aufgeregt, und als Siege sich umdrehte, blitzte es.
„Ja!“, jubelte das kleine, grüne Wesen. „Ein tolles Bild!“ Gleichzeitig schwenkte er triumphierend seine Kamera, nur um sie sich gleich wieder vor’s Gesicht zu halten und ein paar Hunterdrones zu fotografieren.
„Und jetzt du, Wraith!“, rief Chameleon und fotografierte munter weiter.
So war es auch noch, als Draganus hinzukam. Es war das reinste Blitzlichtgewitter.
„Boss!“, rief Chameleon sogleich, als er den Saurian Overlord entdeckte. „Bitte lächeln!“
Doch anstatt zu lächeln, packte dieser mit einem Knurren den Hobbyfotografen an der Kehle.
„Oder auch nicht“, presste Chameleon heiser hervor.
Dann schnappte sich Draganus die Kamera und nahm sie skeptisch unter die Lupe.
„Was soll das hier?“, fragte er genervt.
„Das ist meine Kamera“, antwortete die kleine, grüne Echse. „Für meine Erinnerungsfotos.“
Und mit diesen Worten sauste er in eine Ecke des Raumes und kehrte kurz darauf mit einem Fotoalbum zurück.
„Siehst du, hier!“, sagte er, als er das Album öffnete und auf ein Foto deutete. „Das ist Siege, wie er mich anbrüllt, ich soll endlich mit der blöden Knipserei aufhören.“ Dann deutete er auf ein anderes Foto. „Und das ist Wraith, wie er einen Feuerball nach mir wirft.“ Er klappte das Album wieder zu. „Alles festgehalten und für die Ewigkeit gebannt.“
Draganus hielt den Fotoapparat hoch und wiederholte: „Für die Ewigkeit gebannt.“
Dann trat ein böses Grinsen auf sein Gesicht.

„Ach, komm schon, Grin!“, sagte Nosedive zu dem grauen Erpel. „So lange waren wir jetzt auch nicht bei Thrash und Mookie! Und diese Sonnenbrille mit dem Captain Comics-Logo musste ich ihnen einfach abkaufen. Das nennt man Förderung kleiner Betriebe.“ Und demonstrativ setzte er sich besagte Sonnenbrille auf den Schnabel.
„Wenn ich nicht jeden Tag mindestens drei Stunden meditiere, gefährdet das meinen inneren Frieden“, gab der graue Erpel zurück und ging voraus zum Eisstadion.
Nosedive eilte ihm sofort hinterher.
Kurz vor dem Eisstadion kam ein kleiner Junge auf sie zugelaufen.
„Ihr seid doch zwei der Mighty Ducks!“, rief er fröhlich. „Darf ich euch fotografieren?“ Der Junge holte sofort seine Kamera hervor.
„Aber natürlich!“, antwortete Nosedive und warf sich sofort in Pose. Auch Grin nickte.
Der Junge hielt sich die Kamera vor’s Gesicht, und schon blitzte es.
„Danke!“, rief er dann und sauste davon.
„Ein netter Junge, findest du nicht?“, wandte sich Nosedive an Grin, doch dieser stand immer noch so da wie zu dem Zeitpunkt, da sie fotografiert worden waren.
„Grin, der Kleine ist weg“, sagte Nosedive. „Du kannst dich jetzt wieder bewegen.“
Er stupste den großen Erpel an, doch der rührte sich nicht.
„Grin?“, fragte er und fuchtelte seinem Freund nun mit den Händen vor den Augen herum. „Grin!“

Tanya betrat am dritten Tag ihrer Radikaldiät die Küche. Andrea saß da und aß genüsslich ein Stück Schokokuchen.
„Hey, Tanya!“, begrüßte sie die blonde Ente. „Phil hat Schokokuchen gebracht. Willst du auch etwas?“
„Nein“, antwortete Tanya knapp und schenkte sich ein Glas Wasser ein.
„Du hast natürlich Recht“, sagte nun Andrea. „Ich sollte mich auch zurückhalten. Wegen der Fotos für die Vogue. Aber dieses eine Stück muss einfach noch sein!“
Sie bemerkte gar nicht, was für einen bitterbösen Blick ihr die Technikerin zuwarf.
In diesem Moment ging der Alarm los. Tanya und Andrea stürzten sofort in den Computerraum, wo sich auch schon Mallory, Wildwing und Duke versammelt hatten.
Auf dem Bildschirm war ein ziemlich hektischer Nosedive zu sehen.
„Leute, es ist schrecklich!“, rief er.
„Schon gut, kleiner Bruder“, erwiderte Wildwing. „Ich glaube dir, dass es wichtig ist. Aber warum hast du gleich Alarm ausgelöst?“
„Es ist wegen Grin. Er steht da wie eine Statue und bewegt sich keinen Millimeter! Und was noch viel schlimmer ist: Er rührt sich nicht!“ Nosedives Stimme klang sehr hektisch.
„Okay, wir machen uns gleich auf den Weg“, sagte Wildwing, und die Truppe machte sich auf den Weg zum Migrator.
Als sie alle ihre Plätze eingenommen hatten, war Tanya heilfroh, dass Wildwing den Motor startete, sonst hätte wohl jemand gehört, wie laut ihr Magen knurrte.

Die sechs Enten hatten eben ihren erstarrten Teamkameraden ins Hauptquartier befördert.
Sie stellten ihn auf der Krankenstation ab, wo er einfach wie eine Statue stehen blieb.
„Na ja, wenigstens braucht er sich über seinen inneren Frieden jetzt keine Sorgen mehr zu machen“, sagte Nosedive und lachte verlegen, verstummte aber sofort, als seine Freunde ihn böse anstarrten.
„Tanya“, wandte sich der Teamcaptain an die blonde Ente. „Irgendeine Idee, was mit Grin passiert sein könnte?“
„Ich habe leider keine Ahnung, Wildwing“, erwiderte diese. „Ich muss erst ein paar Tests durchführen. Und zu diesem Zweck lasst ihr mich am Besten in Ruhe arbeiten.“
Die Anderen nickten bloß und verließen die Krankenstation.
Als sie draußen waren, fasste sich Tanya an die Stirn und stützte sich an einem Tisch ab. Ihr war ganz furchtbar schwindlig.
Doch sofort schüttelte sie den Kopf und sagte zu sich selbst: „Reiß dich zusammen, Tanya! Wer schön sein will, muss leiden! Und jetzt an die Arbeit!“

Andrea und Mallory waren ein wenig an die frische Luft gegangen. Andrea hasste Warten einfach, und auch Mallory hatte gegen einen Spaziergang nichts einzuwenden gehabt.
Sie spazierten durch Anaheim, und fast automatisch schlugen sie den Weg zum Einkaufszentrum ein.
„Hast du eine Ahnung, was mit Grin passiert sein könnte?“, fragte Andrea, die einfach an nichts Anderes denken konnte.
„Nein, leider“, antwortete die rothaarige Ente. „Und laut Nosedive ist auch nichts Ungewöhnliches passiert.“
Andrea wollte gerade etwas erwidern, als ein junges Mädchen auf sie zukam.
„Entschuldigung“, sagte das Mädchen. „Ihr beide gehört doch zu den Mighty Ducks, nicht wahr? Ich finde euch so hübsch und mag euren Style. Darf ich euch fotografieren?“
„Aber sicher doch!“, erwiderten die beiden Entendamen wie aus einem Schnabel, und kurz darauf blitzte es auch schon.
Doch in dem Augenblick, als das Mädchen auf den Auslöser drückte, musste Andrea niesen.
„Entschuldigung!“, sagte sie sofort. „Du kannst natürlich noch ein Foto machen.“ Doch als sie sich umsah, musste sie feststellen, dass das Mädchen weg war.
„Wo ist sie denn hin?“, fragte Andrea und wandte sich Mallory zu. Doch diese stand nur da wie vorhin und starrte ins Leere. Die braunhaarige Ente packte ihre Freundin an der Schulter und sagte ihren Namen, doch diese bewegte sich immer noch nicht.
Sofort griff Andrea zu ihrem Funkgerät. „Wildwing, hier ist Andrea“, sagte sie. „Wir haben ein Problem.“

Auf der Kommandobrücke der Raptor erschien in diesem Augenblick das junge Mädchen, das eben ein Foto von Andrea und Mallory gemacht hatte. Als Draganus sich ihm zuwandte, verwandelte es sich in Chameleon.
„Auftrag ausgeführt!“, sagte er und hielt die Kamera hoch.
„Sehr gut“, erwiderte der Saurian Overlord böse grinsend.

Tanya saß mit gekrümmtem Körper vor ihren Notizen, eine Hand auf ihren knurrenden Magen gedrückt, auf die andere hatte sie ihren Kopf gestützt, doch sie richtete sich sofort auf, als die Tür der Krankenstation aufging.
Herein kamen Andrea, Duke, Nosedive und Wildwing, der eine erstarrte Mallory hereintrug und neben Grin abstellte.
„Was ist passiert?“, fragte Tanya sofort und wollte aufspringen, ließ es aber bleiben, weil ihr sonst wahrscheinlich wieder schwindlig geworden wäre.
„Wir waren spazieren“, erzählte Andrea. „Da kam ein Mädchen auf uns zu und wollte uns fotografieren. Und nachdem sie das Foto gemacht hatte, sah Mallory so aus.“ Die braunhaarige Ente deutete auf ihre Freundin.
„Jetzt, wo du’s sagst: Grin und ich sind auch fotografiert worden“, sagte da Nosedive.
„Und das sagst du uns jetzt?“, rief Andrea aufgebracht.
„Na ja, ich musste die Spannung in dieser Episode aufrecht erhalten“, gab Nosedive kleinlaut zurück. „Sonst hätten wir die Sendezeit nicht voll ausgeschöpft.“
„Okay, selbst wenn es etwas mit diesen Fotos zu tun hat, erklärt das noch nicht, warum ihr zwei nicht erstarrt seid“, warf Duke ein.
„Nun ja“, sagte Andrea. „Ich musste niesen und habe daher nicht in die Kamera gesehen.“
Alle Blicke wandten sich Nosedive zu.
„Geniest habe ich nicht“, sagte er sofort.
„Und was hast du dann getan?“, fragte Andrea.
„Gar nichts“, erwiderte Nosedive. „Ich habe ganz normal in die Kamera gesehen.“
„Das ist eigenartig“, stellte Wildwing fest und wandte sich dann an Tanya. „Könnte es denn etwas mit der Kamera zu tun haben?“
„Rein theoretisch, ja“, antwortete diese. „Meine Tests haben ergeben, dass Grins – und nun wohl auch Mallorys – Gehirnaktivitäten einfach zurückgeschaltet werden. Es ist, als hätte man ein Gerät auf Standby geschaltet. So was kann normalerweise nur durch einen kurzen Reiz ausgelöst werden.“
„Wie beispielsweise ein Blitzlicht“, warf der Teamcaptain ein.
„Wie beispielsweise ein Blitzlicht“, stimmte die blonde Ente ihm zu.
„Und wie können wir das rückgängig machen?“, fragte Duke.
„Dazu bräuchten wir diese Kamera“, erklärte die Technikerin.
„Dann werden wir versuchen, uns diese zu besorgen“, sagte Wildwing.
„Alles schön und gut“, meldete sich nun Andrea zu Wort. „Aber das erklärt noch immer nicht, warum Nosedive nicht erstarrt ist. Und wie wir uns davor schützen können auch nicht!“
„Vielleicht doch“, sagte da Nosedive, holte seine Captain Comics-Sonnenbrille hervor und setzte sie auf. „Ich hatte nämlich die hier auf.“

Es war schon dunkel, als Nosedive durch den Park spazierte. Nicht weit von ihm entfernt erschienen Chameleon und Siege wie aus dem Nichts.
„Und du bist dir sicher, dass das noch einmal funktioniert?“, fragte Siege skeptisch. „Mittlerweile müssten die Enten ja bemerkt haben, dass es etwas mit der Kamera zu tun hat.“
Chameleon winkte ab. „Ach, das geht schon. Ich werde ihn einfach eiskalt erwischen.“
Und mit diesen Worten verwandelte er sich ein einen älteren Herren und lief Nosedive hinterher.
„Mister Nosedive!“, rief er. „Warten Sie doch einen Moment!“
Nosedive blieb stehen, und als er sich umwandte, drückte Chameleon sofort auf den Auslöser.
Doch in diesem Moment stürzten Wildwing und Tanya aus dem Gebüsch, beide trugen Sonnenbrillen. Wildwing nahm sofort Chameleon ins Visier und schoss einen Puck nach dem anderen ab. Chameleon verwandelte sich sofort zurück und ging ein paar Schritte rückwärts.
Dann grinste er böse.
„Bitte lächeln!“, rief er und drückte ein paar Mal auf den Auslöser seiner Kamera, doch Wildwing erstarrte nicht.
„Verdammt!“, kreischte das kleine grüne Wesen, griff nach seiner Laserpistole und eröffnete das Feuer.
„Nosedive!“, rief Wildwing seinem Bruder zu. „Du kannst die Augen wieder aufmachen!“
„Ganz sicher?“, fragte der blonde Erpel, der immer noch mit zusammengekniffenen Augen dastand.
„Ganz sicher!“, erwiderte Wildwing.
Nosedive öffnete die Augen einen Spalt, riss sie dann ganz auf und duckte sich, da ein Laserstrahl ihn sonst erwischt hätte.
Blitzschnell setzte er sich auch eine Sonnenbrille auf, sprang an die Seite seines Bruders und mischte nun auch kräftig mit.
Keinem der beiden fiel auf, dass Tanya sehr viel langsamer reagierte als sonst.

Unweit des Geschehens hatten sich Duke und Andrea auf einem Baum versteckt. Auch sie beide hatten sich mit Sonnebrillen versehen.
„Alles klar, mein Engel?“, fragte Duke, da Andrea die ganze Zeit nervös um sich blickte.
„Es ist stockfinstere Nacht, und ich trage eine Sonnenbrille“, erwiderte sie etwas genervt. „Nein, es ist nicht alles klar, denn ich sehe nur halb so viel wie sonst.“
„Frag mich mal“, gab Duke zurück und deutete auf seine Sonnenbrille, die er zusätzlich zu seinem künstlichen Auge trug, doch in diesem Moment waren Laserschüsse zu hören. „Und das spielt jetzt auch keine Rolle. Es geht los!“
Und schon sprangen die beiden vom Baum und rannten zum Kampfplatz.
Kaum hatten sie ihn erreicht, als Andrea mit voller Wucht Siege rammte, der sich von hinten an die drei Enten herangeschlichen hatte.
Der Schuss, den er eigentlich auf Wildwing hatte abgeben wollen, schien nun vielmehr dem Mond gegolten zu haben. Und für einen zweiten Schuss blieb keine Zeit, denn noch ehe er sich aufrichten konnte, war Duke an seiner Seite und schlug mit seinem Schwert die Laserkanone in zwei Hälften.
Siege knurrte auf und warf mit der einen Hälfte, die er noch in der Hand hatte, nach Duke. Dieser wich jedoch geschickt aus.
Während also Duke und Andrea mit Siege beschäftigt waren, drängten Wildwing, Nosedive und Tanya Chameleon zurück.
Doch als dieser merkte, dass es eng wurde, rief er Siege zu: „Es wird Zeit, abzuhauen!“
Und schon betätigten die beiden ihre Teleporter.
„Sie sind entkommen!“, rief Nosedive wütend.
„Ja, und die Kamera mit ihnen“, stellte Duke fest.
Wildwing blickte nachdenklich auf die Stelle, an der eben noch Chameleon gestanden hatte.
„Irgendwie war das ein bisschen zu leicht“, murmelte er.

In diesem Augenblick erschienen Chameleon und Siege auf der Brücke der Raptor.
„Boss!“, rief Chameleon aufgeregt. „Die Enten haben einen Weg gefunden, die Wirkung der Kamera aufzuheben!“
Doch der Saurian Overlord zeigte sich davon wenig beeindruckt.
„Dann eben weiter mit Plan B“, sagte er. „Tauchen wir diese Stadt in ein Blitzlichtgewitter!“

Die fünf Enten hatten eben wieder ihr Hauptquartier erreicht. Kaum war der Migrator zum Stillstand gekommen, da nahmen auch schon alle die Sonnenbrillen ab.
Beim Aussteigen aus dem Migrator musste Tanya sich abstützen, denn ihr war wieder sehr schwindlig. Und zu ihrem Leidwesen bekam Duke das mit.
„Alles in Ordnung, Kleines?“, fragte er sofort.
„Ja, alles bestens“, log die blonde Ente.
„Wirklich?“, fragte nun auch Nosedive. „Denn gelinde ausgedrückt: Du siehst echt nicht gut aus.“
„Mir ist nur ein bisschen schwindlig. Ich hab wohl zu wenig getrunken“, erwiderte Tanya.
„Das ist natürlich nicht gut“, sagte da Andrea und trat zu ihrer Freundin. „Komm, ich mach dir einen meiner Spezialtees. Mit ganz viel Zucker!“
„Nein, kein Zucker!“, erwiderte Tanya etwas heftig. Und als sie den verwunderten Blick Andreas bemerkte, fügte sie schnell hinzu: „Ich mag Tee lieber pur.“
Doch in diesem Moment ging der Alarm los.
„Das wird wohl nichts mit eurer Teestunde, Mädels“, stellte Nosedive fest und lief voraus zu Drake One, wohin die Anderen ihm folgten.
Dort angekommen drückte Nosedive ein paar Knöpfe, und Captain Klegghorn erschien auf dem großen Bildschirm.
„Hallo, Captain“, begrüßte Wildwing ihn. „Was können wir für Sie tun?“
„Könnt ihr mir erklären, warum die Hälfte der Stadt erstarrt ist?“, fragte dieser ohne Umschweife und ohne den Gruß zu erwidern.
„Was?“, fragten die fünf Enten sofort.
„Ja, da draußen bewegt sich kaum ein Mensch mehr“, sagte Klegghorn. „Was ist hier los?“
„Es hat etwas mit einer Kamera zu tun, besser gesagt mit ihrem Blitzlicht“, erklärte Tanya.
„Das ist uns auch schon aufgefallen!“, rief Klegghorn etwas ungehalten. „Immerhin läuft da draußen ein Irrer rum, der alles knipst, was nicht bei drei auf den Bäumen ist! Und meine Leute kommen nicht an ihn ran, ohne selbst zu erstarren!“
„Sagen Sie ihnen, sie sollen Sonnenbrillen tragen“, erwiderte Wildwing ruhig.
„Sonnenbrillen?“, fragte Klegghorn ungläubig. „Aber es ist doch Nacht!“
„Vertrauen Sie uns, es funktioniert“, sagte Wildwing. „Wir treffen Sie dann in der Innenstadt.“ Dann beendete er das Telefonat.
Fast zeitgleich holten alle fünf Enten ihre Sonnenbrillen hervor und setzten sie auf.

Wenig später brauste der Migrator durch die Straßen. Schnell war die Innenstadt erreicht, wo das reinste Chaos ausgebrochen war.
Chameleon hüpfte mal hier, mal dort knipsend durch die Straßen. Von den Dächern aus gaben Siege und Wraith ihm Deckung.
Die ganze Straße war schon voll mit erstarrten Menschen.
Den Enten blieb förmlich der Schnabel vor Schreck offen stehen. So schlimm hatten sie es sich nun wirklich nicht ausgemalt.
In diesem Moment krachte es hinter ihnen, und als sie sich umdrehten, sahen sie, dass Captain Klegghorn, der nun ebenfalls eine Sonnenbrille trug, seinen Wagen gegen eine Laterne gelenkt hatte.
„So ein Mist!“, rief er. „Ich kann mit dieser verdammten Sonnenbrille nicht richtig sehen!“
Schimpfend stieg er aus seinem Wagen und trat zu den Enten. Ihm folgten mehrere Polizisten, die ebenfalls Sonnenbrillen trugen.
„Und was jetzt?“, fragte er etwas genervt.
„Könnten Sie und ihre Leute die Saurier auf den Dächern ablenken?“, fragte Wildwing. „Wir kümmern uns um den Hobbyfotografen.“
„Wir tun, was wir können.“ Klegghorn nickte entschlossen und machte sich mit seinen Männern auf den Weg.
„Okay, Leute“, sagte Wildwing zu seinem Team. „Ihr wisst, was ihr zu tun habt.“

Chameleon fotografierte nach wie vor alles, was er vor die Linse bekam. Daher merkte er fast zu spät, dass sich ihm die Enten näherten. Gerade noch im letzten Moment sah er, wie Wildwing, Tanya und Nosedive auf ihn zukamen. Von der Seite näherten sich Andrea und Duke. Sofort steckte er die Kamera wieder weg und griff zu seinem Laser.
„Siege! Wraith!“, rief er seinen Kumpanen zu. „Die Enten sind da! Helft mir mal ein bisschen!“
„Wir sind leider selbst beschäftigt!“, erwiderte Wraith, und als Chameleon einen Blick auf die Dächer warf, sah er, wie Klegghorn und seine Männer Siege und Wraith in die Mangel nahmen.
„Wartet! Ich helf euch!“, rief er, holte seine Kamera hervor und veranstaltete so einen Wirbel, dass ein paar der Polizisten in seine Richtung sahen.
Kaum hatten sie sich ihm zugewandt, als er auch schon auf den Auslöser drückte. Doch erst jetzt bemerkte er, dass auch die Polizisten Sonnenbrillen trugen und damit nicht auf die Kamera reagierten.
„So was Blödes!“, schimpfte das kleine, grüne Wesen und steckte die Kamera wieder weg.
„Ja, wirklich“, erwiderte Nosedive und zielte mit seiner Puckkanone auf Chameleon. „Man bekommt heutzutage einfach keine guten Models mehr.“
Und schon flogen Pucks und Laserstrahlen durch die Luft, denn Chameleon hatte natürlich sofort begonnen, das Feuer zu erwidern.
Während die Polizisten Siege und Wraith bald vertrieben hatten, schafften es auch die Enten, Chameleon in die Enge zu treiben.
Wildwing entwaffnete ihn mit einem gezielten Schuss, und schon stand Chameleon im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Rücken zur Wand, denn er war zum Straßenrand abgedrängt worden, und hinter ihm gab es nur mehr eine Häuserwand. Die fünf Enten kreisten ihn schnell ein.
„Und nun her mit der Kamera!“, befahl Wildwing.
„Du willst sie? Dann hol sie dir!“, rief Chameleon und schleuderte die Kamera von sich.
Da sich nun die Enten alle auf die Kamera konzentrierten, betätigte der Gestaltwandler schnell seinen Teleporter.
Die Kamera kam genau auf Tanya zugeflogen. Doch dieser war wieder so schwindlig, dass sie drei Kameras auf sich zufliegen sah. Verzweifelt versuchte sie, sie trotz allem aufzufangen, doch sie griff ins Leere.
Wie gelähmt wartete sie auf das Geräusch, das die zerschellende Kamera machen würde – doch es blieb aus.
Wildwing hatte sich mit einem Hechtsprung an Tanyas Seite befördert und die Kamera im letzten Moment aufgefangen.
Erleichtert atmeten alle auf, nur die Technikerin der Ducks nicht, denn ihr wurde nun endgültig schwarz vor Augen.

Als sie wieder zu sich kam, stellte sie fest, dass sie sich auf der Krankenstation im Hauptquartier befand.
„Was ist passiert?“, fragte sie sofort.
„Du bist ohnmächtig geworden“, erklärte Wildwing und sah sie prüfend an. „Und jetzt sag uns endlich, was mit dir los ist.“
„Ich...ähm...ich...“, stotterte die blonde Ente, doch sie kam nicht dazu, einen ordentlichen Satz zu formulieren, denn in diesem Moment kam Phil hereingestürmt.
„Und bewegen sich die restlichen zwei Siebtel meines Teams schon wieder?“, fragte er sofort.
„Noch nicht“, erwiderte Wildwing trocken, ohne weiter auf den Manager zu achten. Sein Blick war immer noch auf Tanya gerichtet, und auch Nosedive, Andrea und Duke sahen sie fragend an.
„Ich habe eine Diät gemacht, weil immer nur Andrea und Mallory Aufträge für Modefotos bekommen“, erklärte sie leise. „Das heißt, eigentlich habe ich schon seit Tagen nichts Richtiges mehr gegessen. Ich wollte unbedingt abnehmen, damit ich auch bei so einem Fotoshooting mitmachen kann.“
„Und deshalb fängst du eine Hungerkur an?!“, rief Andrea. „Bist du irre? Das ist doch gefährlich!“
„Und außerdem ist es Blödsinn, Tanya“, sagte da Phil. Alle Augen wandten sich ihm zu.
„Nun ja“, begann er und kratzte sich am Kopf, „es sind auch Anfragen für dich eingegangen. Ich dachte nur, das würde dich nicht interessieren und habe daher immer abgelehnt.“
„Phil!“ Andrea sah den Manager drohend an.
„Schon gut, schon gut“, erwiderte Phil abwehrend. „Ich rufe gleich bei der Vogue, dass Tanya auch bei dem Shooting dabei sein wird.“ Dann verließ er den Raum.
„Siehst du?“, sagte Andrea lächelnd. „Es lag nicht an dir. Und ganz ehrlich, wer von dir verlangt, für irgendwelche Fotos abzunehmen, hat sie doch nicht alle.“
Tanya erwiderte das Lächeln. „Danke“, sagte sie nur und stand dann auf. „Und jetzt kümmere ich mich um diese Kamera.“
„Und ich mach dir ein leckeres Sandwich“, rief Andrea ihr zu und sauste auch schon in Richtung Küche davon.

Bald hatte Tanya es geschafft, die Kamera so umzupolen, dass man die Wirkung umkehren konnte.
Sie fotografierte Grin und Mallory noch einmal, und plötzlich bewegten sich die beiden wieder.
„Was ist passiert?“, fragte Mallory sofort.
„Ihr habt eine Weile zum Mobiliar gehört“, antwortete Nosedive, und als Mallory ihn noch fragender ansah, ergänzte er: „Draganus hat euch mit Hilfe einer Kamera erstarren lassen.“
„Schaffen wir es denn noch zu dem Vogue-Fotoshooting?“, fragte Mallory erschrocken.
„Aber natürlich“, antwortete Andrea.
Mallory atmete erleichtert auf. „Gott-sei-Dank!“

Wenig später fuhren Wildwing und Nosedive mit dem Migrator durch die Stadt, um alle Opfer von Chameleons Foto-Manie zu erlösen. Es funktionierte einwandfrei.
Als sie wieder auf dem Heimweg waren, sagte Wildwing: „Ich möchte jetzt eine Weile keine Kameras mehr sehen.“

Doch leider war ihm das Glück nicht hold, denn schon am nächsten Tag begleiteten die vier Erpel Tanya, Mallory und Andrea zu ihrem Fotoshooting.
Nach dem Styling betrachtete sich Tanya im Spiegel. Sie trug ein dunkelblaues Trägerkleid und eine modische Brille. Ihr Haar war ihr normal nach unten gefönt worden.
„Siehst du, wie hübsch du bist“, sagte Andrea zu ihr. Sie trug ebenfalls ein Trägerkleid, allerdings in Rot. Ihre Haare trug sie leicht gelockt.
Nun kam auch Mallory dazu, ein schwarzes Trägerkleid tragend, ihr Haar geglättet.
Alle drei waren sie dezent geschminkt, und als sie sich so im Spiegel betrachteten, mussten sie zugeben, dass sie ganz passabel aussahen.
Dieser Eindruck bestätigte sich, als sie wenig später zum Ort des Fotoshootings kamen, wo ihre Teamkameraden schon auf sie warteten und sich vom Styling der drei sehr angetan zeigten.
Die drei Mädels stellten sich auf, und schon wurde das erste Foto gemacht. Es blitzte, und der Fotograf bat Tanya, Andrea und Mallory sich anders hinzustellen, doch diese bewegten sich nicht.
Duke, Wildwing, Grin und Nosedive erschraken furchtbar und wollten sofort zu ihnen laufen, doch in diesem Augenblick, bewegten die drei Enten sich doch wieder und zeigten mit dem Finger auf ihre vier Kameraden.
„Reingefallen!“, riefen sie grinsend und brachen in schallendes Gelächter aus.
„Also wirklich, Mädels, das war echt böse!“, rief Nosedive.
„Ja, wie könnt ihr uns nur so erschrecken?“, beschwerte sich Duke.
Und auch Wildwing sagte kopfschüttelnd: „Das ist nicht komisch!“
Doch all das änderte nichts daran, dass die drei weiterlachten.

Ende der siebenten Episode
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