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Second Season: Mighty Ducks

GeschichteAbenteuer / P6 / Gen
16.11.2008
08.07.2012
13
46.638
 
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16.11.2008 3.545
 
Es war ein wunderschöner, sonniger Nachmittag, als sich Nosedive und Andrea von einem Besuch bei Thrash und Mookie auf den Weg zurück zum Stadion machten. Seit Captain Comics auch Mangas anbot, schaute Andrea dort öfters vorbei. Irgendwie hatten Mangas es ihr angetan, obwohl sie selbst nicht erklären konnte, warum, und auch, wenn sie wusste, dass sie für das Meiste an Mangas, das sie las, mindestens ein Jahrzehnt über dem Altersdurchschnitt lag. Aber was machte das schon? So hatte sie sich auch an diesem Nachmittag wieder Lesestoff besorgt. Und Nosedive hatte natürlich wieder die Comics-Abteilung geplündert. So schlenderte die beiden Enten fröhlich nach Hause.
Doch sie hatten das Stadion noch nicht erreicht, als Nosedive plötzlich innehielt.
„Hast du das gehört?“, fragte er die braunhaarige Ente.
„Was gehört?“ Andrea sah den Erpel fragend an.
Nosedive lauschte.
„Na, das“, erwiderte er nach einem Augenblick und rannte in eine kleine Seitengasse.
Andrea folgte ihm. Und nun hörte sie es auch. Es klang wie ein leises Wimmern. Die beiden folgten dem Geräusch, und schließlich machten sie hinter einem alten Pappkarton die Quelle des Geräusches aus. Dort saß ein kleiner, schwarzweiß gefleckter Hund und winselte kläglich.
„He, mein Kleiner“, sagte Nosedive freundlich, ging in die Hocke und streckte dem kleinen Hund seine Hand hin. Dieser schnüffelte daran und ließ sich dann bereitwillig von Nosedive über den Kopf streicheln. „Was machst du denn hier so alleine?“
Doch statt einer Antwort wedelte der kleine Hund einfach nur freundlich mit dem Schwanz. Nosedive nahm das Fellknäuel auf seine Arme und sah sich suchend um.
„Sieht nicht so aus, als wäre dein Herrchen oder Frauchen hier irgendwo in der Nähe“, stellte er fest.
„Ganz sicher nicht“, bestätigte Andrea diese Feststellung. „Er wirkt etwas hungrig.“
Nosedive sah dem Hündchen in die Augen. Dann griff er nach dem Halsband des Kleinen. „Charly“ stand da eingraviert.
„Okay, Charly“, sagte der blonde Erpel, „ich nehme dich mit nach Hause.“
„Meinst du, dass die Anderen damit einverstanden sein werden?“ fragte Andrea.
„Wahrscheinlich nicht“, gab dieser zur Antwort. „Tanya ist auf Hunde allergisch. Aber wir müssen es ihnen ja nicht verraten.“
„Ohne mich!“ Andrea machte eine abwehrende Handbewegung.
„Bitte, Andrea!“ Nosedive sah sie flehend an. „Weißt du, seit der Sache mit Baby wollte ich immer ein Haustier haben.“
„Baby?“
„Ja, damals hat Draganus uns ein Ei untergejubelt, aus dem dieses kleine, süße Fellknäuel geschlüpft ist. Aber es ist furchtbar schnell gewachsen, hat die Hälfte unserer Ausrüstung verspachtelt, und im Endeffekt mussten wir es leider unschädlich machen, indem Tanya irgendsoein Ding umgepolt hat, ich es Baby zu fressen gegeben habe und es so in seine Ei-Form zurückverwandelt wurde.“
Andrea sah Nosedive stirnrunzelnd an. „Ich hoffe, von der Geschichte gibt es auch eine lange Version“, sagte sie. „Denn die kurze habe ich eindeutig nicht begriffen.“
„Also, wirst du mir helfen?“ Nosedives Blick wurde noch flehender.
„Aber der Hund gehört doch offensichtlich jemandem!“, warf Andrea ein.
„Aber bis wir den Besitzer gefunden haben, kann ich Charly doch behalten.“ Nosedive setzte seinen Dackelblick auf.
„Nein, Nosedive. Sieh mich nicht so an!“ Die braunhaarige Ente gab sich alle Mühe, Nosedives Dackelblickattacke auszuweichen, doch vergebens. Als der blonde Erpel nämlich noch eins draufsetzte und leise winselte und sie Charly ebenfalls treuherzig ansah, gab sie sich geschlagen.
„Okay, meinetwegen!“, sagte sie. „Aber dafür schuldest du mir was!“
„Alles, was du willst!“, rief Nosedive fröhlich.
„Ein neues Kleid, das wir gemeinsam auf einer Shoppingtour aussuchen“, erwiderte Andrea sofort wie aus der Pistole geschossen.
Nosedives Miene verfinsterte sich bei dieser Ankündigung merklich. „Aber...“ Doch weiter kam der Erpel nicht, denn Andrea warf ihm einen Blick zu, der ihn augenblicklich innehalten ließ.
„Okay, wenn es sein muss“, gab diesmal Nosedive sich geschlagen.

Wenig später erreichten die beiden Enten gemeinsam mit ihrer pelzigen Fracht das Stadion. Vorsichtig spähte Nosedive in den Umkleideraum. Als er feststellte, dass sich niemand in dem Raum befand, schlenderte er, das Hündchen auf dem Arm, gemütlich hinein. Andrea folgte ihm sofort, doch sie schleppte sich mehr, als dass sie ging, denn da Nosedive Charly trug, musste sie nun Nosedives bis oben hin mit Comics gefüllte Einkaufstüte tragen. Ein wenig grummelte sie deswegen, doch der blonde Erpel überhörte dies gekonnt.
Im nächsten Augenblick zuckten beide zusammen, denn ein Piepston ließ erkennen, dass der Aufzug gehalten hatte und sich jeden Augenblick die Türen öffnen würden. Reflexartig öffnete Nosedive das nächste Schließfach und verstaute Charly darin. Und es war keinen Augenblick zu früh, denn schon betraten Tanya, Wildwing und Grin den Umkleideraum.
„He, ihr beiden“, begrüßte Tanya ihre Kameraden. „Wie war’s im Comicladen?“
„Ertragreich“, erwiderte Andrea und deutete auf die riesige Einkaufstüte.
Tanya lächelte, doch fast im selben Moment verzog sie das Gesicht und nieste.
„Oje“, murmelte sie, nieste aber gleich noch einmal. „Was ist denn jetzt los?“
Die Technikerin der Ducks wurde nun regelrecht von einer Niesattacke geschüttelt. Nosedive warf Andrea einen verzweifelten Blick zu.
„Das letzte Mal, als mir das passiert ist, war ein Hund in der Nähe“, erklärte Tanya zwischen zwei Niesern.
„Oh, entschuldige“, sagte da Andrea. „Als wir vorhin unterwegs waren, begegneten wir so einem süßen Hund – es war ein Schäferhund, glaube ich. Den musste ich ihn unbedingt streicheln. Ich werde wohl ein paar seiner Haare auf meinen Klamotten haben.“
„Das wird es wohl sein“, stimmte Tanya ihr zu, und Nosedive atmete erleichtert auf.
Dann verließen Tanya, Wildwing und Grin den Umkleideraum. Andrea und Nosedive warteten noch, bis sie außer Sichtweite waren, dann holte der Erpel Charly aus dem Schließfach.
„Und jetzt schnell in mein Zimmer!“, sagte Nosedive bestimmt. Und schon setzten sie ihren Weg fort und schafften es sogar, ihr Ziel ohne Zwischenfälle zu erreichen.

In der Zwischenzeit hatte ein gewisser Saurian Overlord ganz andere Probleme. Gereizt ging Draganus auf der Kommandobrücke der Raptor auf und ab.
„Irgendwie müssen wir dieses Schiff doch wieder zum Fliegen bringen!“, sagte er mürrisch. „Beliriumkristalle gibt es auf diesem Planeten nicht, wir brauchen etwas Anderes. Aber was?“
Wraith und Siege beobachteten ihren Boss in einem gewissen Sicherheitsabstand, als Chameleon plötzlich hereingestürmt kam.
„Boss! Boss!“, rief er aufgeregt, stoppte aber jäh, als Draganus – schlecht gelaunt, wie er nun einmal war – einfach seinen Laser auf ihn richtete.
„Ent-entschludige, Boss“, stotterte Chameleon nun kleinlaut. „Ich-ich wollte nicht stören, aber ich habe hier etwas, das könnte dich interessieren.“
Und er reichte Draganus einen Zettel. Dieser wandte sich nun ab, um zu lesen, was darauf stand. Nach einem Augenblick wandte sich der Saurian Overlord mit einem fiesen Grinsen im Gesicht wieder Chameleon zu.
„Gut gemacht“, sagte er nur.

Am nächsten Morgen beschloss Nosedive, Charly für einen kleinen Spaziergang nach draußen zu bringen. Dazu versteckte er den kleinen Hund in seinem Rucksack und spazierte fröhlich los. Auf halber Strecke zum Aufzug begegnete er den drei weiblichen Mitgliedern der Mighty Ducks.
„Hallo, Nosedive“, begrüßte ihn Mallory. „Wohin des Wegs?“
„Comics kaufen“, antwortet der Erpel wie aus der Pistole geschossen. „Und diesmal habe ich gleich einen Rucksack dabei, damit ich meine Beute leichter nach Hause transportieren kann.“
Mallory bedachte ihn mit einem prüfenden Blick.
„Reg’ dich ja nie wieder über eine meiner Shoppingtouren auf“, sagte sie dann. „Du bist ja sogar noch schlimmer als Andrea und ich zusammen.“
„Da hast du Recht, Mallory“, pflichtete die braunhaarige Ente, die natürlich vermutete, was sich wirklich in dem Rucksack befand, ihrer Freundin bei. „Er ist eine Katastrophe.“
Gerade eben verzerrte Tanya wieder das Gesicht zu einem Niesen, doch als sie nieste, täuschte auch Andrea ein Niesen vor.
„Mann, ist es frisch hier drinnen!“, sagte Andrea. „Findest du nicht auch, Tanya? Komm’, holen wir uns einen Tee, bevor wir uns noch erkälten. Du auch, Mallory.“ Und mit diesen Worten schob sie die beiden anderen Ente davon. Sie warf Nosedive über die Schulter noch einen Blick zu, doch dieser zuckte nur entschuldigend mit den Schultern.

Ungefähr zur selben Zeit hatte sich Chameleon in einen Raum teleportiert. Vorsichtig lugte er durch die Tür auf den Gang hinaus. Er sah ein paar Leute in Arbeitskleidung vorbeigehen, die ihn jedoch nicht bemerkten. Augenblicklich verwandelte sich Chameleon in einen Menschen, der dieselbe Arbeitskleidung trug. Er trat hinaus auf den Gang und folgte den Menschen.

Nosedive kehrte gerade von seinem Spaziergang mit Charly zurück, als der Alarm losging. Den Hund in seinem Rucksack vergessend stürmte er sofort in den Computerraum.
„Was ist los?“, fragte er die anderen Enten, die bereits alle versammelt waren.
„Es gab einen Einbruch in ein Hightech-Labor, bei dem Teleporterenergie verwendet wurde“, erklärte Tanya, die sich schon über ihren Schnabel strich, als wollte sie ein Niesen vermeiden.
„Und was wurde gestohlen?“, fragte Nosedive.
„Ich bin gerade dabei, das herauszufinden“, gab die Technikerin zurück, nieste aber gleich darauf heftig.
Fast im selben Augenblick begann Charly in seinem Versteck laut zu jaulen. Scheinbar hatte er genug von diesem Rucksack.
Alle sechs Enten sahen Nosedive an.
„Ups“, sagte dieser. „Da hat sich doch glatt mein MP3-Player eingeschaltet.“
Wieder war ein lang gezogenes Jaulen zu hören.
„Und was für ein Lied ist das bitteschön?“, fragte Mallory ungläubig.
„Dieses neue .. von dieser neuen Band“, erwiderte Nosedive stockend. „Den ... den Hot Dogs.“
Nun blickten ihn fünf Enten ungläubig an. Nur Andrea hatte sich mit der Hand an die Stirn gefasst und schüttelte den Kopf. Und nun fing Charly auch noch laut zu kläffen an, während Tanya wieder eine ihrer Niesattacken bekam.
Wildwing blickte von Tanya zu Nosedive und von Nosedive zu Tanya. Dann wandte er sich wieder dem  blonden Erpel zu.
„Okay, kleiner Bruder“, sagte er, „Lass den Hund aus dem Rucksack.“
„Welchen Hund?“ Nosedive stellte sich in einem letzten, verzweifelten Rettungsversuch einfach blöd, doch Charly hatte es irgendwie geschafft, den Reißverschluss des Rucksackes auseinander zu reißen und den Kopf ins Freie zu stecken, und sah nun die Ducks über Nosedives Schulter hinweg fröhlich an.
„Diesen Hund“, erwiderte Wildwing kühl.
Nosedive wusste nun, dass jeder weitere Versuch, sich aus der Affäre zu ziehen, zwangsläufig scheitern musste, stellte seufzend den Rucksack ab und ließ den kleinen Hund heraus. Charly sprang sofort fröhlich kläffend auf die anderen Enten zu.
„Was soll das?“, fragte Wildwing und sah seinen Bruder forschend an.
„Das ist Charly. Andrea und ich haben ihn gefunden“, erklärte Nosedive. „Er war ganz allein, und da beschlossen wir, ihn mitzunehmen, bis wir seinen Besitzer finden.“
Alle Augen waren nun auf Andrea gerichtet.
„Du wusstest davon?“, fragte der Teamcaptain.
„Ja“, gestand die braunhaarige Ente. „Aber ich habe ihm nur geholfen, weil er versprochen hatten, den Hund nur vorübergehend zu behalten. Ich konnte das kleine Fellknäuel einfach nicht dort lassen.“
„Das nächste Mal sagt ihr Bescheid“, sagte Wildwing zu den beiden.
„Okay“, murmelte Nosedive, und Andrea nickte. „Aber haben wir jetzt nicht andere Probleme?“ Nosedive deutete auf den Bildschirm von Drake One.
„Gut gerettet“, sagte Wildwing und wandte sich dann wieder Tanya zu, doch die blonde Ente brachte vor lauter Niesen kaum ein Wort heraus.
„Ihr müsste den Hund wegbringen“, sagte sie zwischen zwei Niesattacken. „Ich kann so nicht arbeiten.“
„Alles klar“, erwiderte Nosedive und brachte Charly in den Aufenthaltsraum.
Als er wieder zurück war, fuhr Tanya mit ihren Erklärungen fort: „Ich habe jetzt rausgefunden, was gestohlen wurde. Es war die Formel für einen neuen Treibstoff.“
„Dann will er wohl immer noch die Raptor flott machen“, stellte Duke fest.
„Anzunehmen“, pflichtete Tanya ihm bei. „Doch um diesen Treibstoff herzustellen, braucht er ein ganz bestimmtes Labor. Und in der Umgebung von Anaheim gibt es nur ein solches Labor, zu dem Draganus sich Zutritt verschaffen könnte. Und das ist hier.“
Auf dem Bildschirm war eine Landkarte erschienen, auf der ein roter Punkt leuchtete.
„Dann los!“, rief Mallory, und alle Ducks bis auf Nosedive stürmten zum Migrator. Dieser jedoch lief zum Aufenthaltsraum.
Wildwing hielt inne. „Wo willst du hin, Dive?“
„Ich lasse Charly doch nicht alleine hier“, erklärte dieser und war schon unterwegs, um den Hund zu holen.

Wenig später fuhren die Ducks inklusive Charly im Migrator zu dem Labor, das Tanya ausfindig gemacht hatte. Der kleine Hund lief aufgeregt durch das Innere des Wagens, blieb einmal bei dieser Ente stehen, einmal bei jener. Gerade hatte er sich vor Duke auf seine Hinterbeine gestellt und sah den grauen Erpel treuherzig an. Dieser kraulte ihn lächelnd hinter dem Ohr.
„Er ist doch ganz süß“, sagte Duke, und Mallory pflichtete ihm bei.
Nur Tanya konnte dem nicht zustimmen. Sie hatte sich in den hintersten Teil des Migrators verzogen, um ihre Niesattacken wenigstens einigermaßen abzuschwächen.
Endlich hatten sie ihr Ziel erreicht. Sie parkten den Migrator in einiger Entfernung. Alle Ducks bis auf Nosedive waren bereits im Freien, und besonders Tanya war froh, frische Luft atmen zu können. In der Zwischenzeit erklärte der blonde Erpel Charly, dass dieser im Migrator warten solle.
„Und stell nichts an! Sei brav!“, befahl er.
Charly machte Männchen und kläffte einmal.
„Das werte ich als Ja“, sagte Nosedive und ging hinaus zu den Anderen. Die Tür wurde geschlossen, und Charly war nun im Migrator eingesperrt.
Vorsichtig bewegten sich die Ducks auf das besagte Gebäude zu. Wildwing scannte es und bestätigte, dass Draganus und seine Handlanger sich darin befanden.
Die Ducks wollten gerade das Gebäude stürmen, als sie plötzlich von Drones umzingelt waren. Immer mehr Drones kreisten sie ein, bis schließlich auch noch Siege und Wraith per Teleporter den Ort des Geschehens betraten.
Siege grinste böse. „Wir haben euch schon erwartet.“

Die Ducks waren gefangen. Draganus hatte sie fesseln und in den hinteren Teil des Labors bringen lassen. Er war zu sehr mit der Herstellung des neuen Treibstoffs für die Raptor beschäftigt, als dass er sich jetzt mit ihnen befassen konnte. Und immerhin wollte er es genießen, wenn er seine schlimmsten Feinde ins Jenseits beförderte.
Wildwing warf einen Blick auf die Saurier, ehe er seinen Kameraden zuflüsterte: „Andrea, Duke, kriegt ihr die Fesseln auf?“
Duke schüttelte den Kopf. „Tut mir Leid, Wing. Das sind Spezialfesseln.“
Andrea stimmte ihm zu: „Ohne das passende Werkzeug schaffen wir das nicht.“
Die braunhaarige Ente blickte zur anderen Seite des Raumes, wo die Waffen der Ducks auf einem Haufen lagen. Auch die kleine Tasche, die sie immer am Gürtel trug, war dort.
„Dabei hätt’ ich’s ja, nur gerade leider nicht zur Hand“, murmelte sie.

In der Zwischenzeit hatte Charly es offensichtlich satt, auf Nosedive und die Anderen zu warten. Verzweifelt kratzte er an der Tür, doch sie öffnete sich nicht. Auch als er sie böse anknurrte, blieb sie verschlossen. Der kleine Hund versuchte es noch einmal mit seinem furchterregendsten Knurren – da er noch ein Welpe war, kann man sich ja denken, wie furchterregend es wirkte –, aber die Tür beeindruckte das gar nicht. Zornig begann Charly nun, im Migrator herumzuspringen, und bei einem dieser Sprünge erwischte er den Knopf, der die Tür öffnete. Freudig jaulte das Hündchen auf und lief dann ins Freie.

„Der arme Charly!“, sagte da Nosedive. „Sitzt ganz alleine im Migrator und wartet darauf, dass ich zurückkomme, aber ich werde vielleicht nie wieder zurückkommen!“ Tränen traten in seine Augen.
Mallory warf Andrea einen Blick zu. „Dass er bei solchen Szenen immer maßlos übertreiben muss!“, stellte sie nüchtern fest.
Doch Nosedive ließ sich nicht beirren. „Mir kommt es so vor, als könnte ich ihn hören.“
„Jetzt, wo du’s sagst“, warf Andrea ein, „ich glaube auch, ihn winseln zu hören.“
In diesem Augenblick gab auch Tanyas Niesen das untrügliche Zeichen dafür, dass ein Hund in der Nähe war. Die Ducks sahen sich um, und schon befand sich ein freudig mit dem Schwanz wedelnder Charly in ihrer Mitte.
Draganus und seine Handlanger waren offensichtlich zu beschäftigt gewesen, um auf einen kleinen Hund wie Charly aufmerksam zu werden, und auch die Drones hatten ihn nicht bemerkt.
„Braver Hund!“, sagte Nosedive.
„Meinst du, er könnte meine Tasche holen?“ fragte Andrea.
„Versuchen wir’s“, erwiderte Nosedive. „Los, Charly, hol’ Andreas Tasche!“
Charly sah den Erpel fragend an.
„Die Tasche dort drüben“, wiederholte Nosedive und deutete mit dem Kopf in die Richtung, in der die Tasche lag. „Los, hol’ sie!“
Charly gab ein leises Kläffen von sich und schlich davon. Offensichtlich hatte er schon bemerkt, dass die Saurier ihn nicht entdecken durften. Schon hatte er die Stelle mit den Waffen der Ducks erreicht, packte einen Gegenstand und schlich zurück zu Nosedive.
„Das war schon sehr gut, Charly“, sagte dieser anerkennend. „Nur das nächste Mal bringst du bitte die Tasche und nicht eine Puckkanone.“
Wieder kläffte Charly leise und schlich davon, brachte diesmal aber Andreas Bumerang-Puck.
„Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte Nosedive zu seinen Kameraden, die schon leicht genervt dreinblickten. „Immerhin hat er etwas von Andreas Sachen gebracht.“
Erst beim dritten Versuch brachte Charly den gewünschten Gegenstand. Andrea nahm die Tasche sofort an sich, zog einen kleinen Gegenstand heraus und öffnete damit ihre Hand- und dann ihre Fußfesseln. Dann befreite sie die Anderen. Ein Blick zu den Sauriern machte klar, dass diese schon fast mit der Herstellung des Treibstoffs fertig waren. Als alle Ducks ihre Fesseln los waren, schnappte sich Mallory die Puckkanone, die Charly vorhin irrtümlich gebracht hatte, und schoss zwei von den Drones, die in der Nähe standen, in Stücke. Grin verarbeitete einen weiteren mit bloßen Händen zu Alteisen. Andrea packte ihren Bumerang-Puck, befestigte ihn an ihrem linken Oberarmband und rannte mit den Anderen zu den Waffen. Bald waren alle Ducks wieder voll bewaffnet und griffen die Drones an.
Dieser Tumult entging natürlich auch Draganus und den anderen Sauriern nicht.
„Haltet sie auf!“, rief der Saurian Overlord. „Ich bin fast fertig mit dem Treibstoff.“
Sofort eröffneten Siege, Wraith und Chameleon das Feuer auf die Mighty Ducks. Draganus fügte die letzten Komponenten in das Treibstoffgemisch.
„Geschafft!“, rief er und wollte sich mitsamt dem Treibstoffbehälter zurück auf die Raptor teleportieren, als ihm plötzlich Wildwing zurief: „Das denkst du!“
Der Teamcaptain der Mighty Ducks hatte es mit Hilfe eines Eisschildes geschafft, nahe genug an Draganus heran zu kommen, um nun einen Puck auf den Behälter abzufeuern. Dieser durchschlug den Behälter, und der ganze Treibstoff floss heraus. Automatisch ergriff der Saurier den Zettel, auf dem die Formel stand, doch wie aus dem Nichts sprang ein kleiner, schwarzweißer Hund auf ihn zu, packte das Papier am anderen Ende und zog so heftig daran, dass es entzwei riss.
„Ja, das ist mein Hund!“, rief Nosedive anerkennend.
Draganus war über diese Entwicklung so wütend, dass er seinen Laser auf Charly richtete, doch Andreas Bumerang-Puck traf ihn an der Klaue, sodass der Schuss daneben ging.
„Nanana“, sagte die braunhaarige Ente. „Wer wird denn hier auf kleine, süße Hunde schießen?“
Draganus knurrte auf, merkte aber, dass er nicht mehr gewinnen konnte.
„Rückzug!“, rief er daher und betätigte seinen Teleporter. Die drei anderen Saurier taten es ihm gleich, und bald waren nur mehr ein paar Drones übrig, die auch schnell erledigt waren.
Zufrieden kehrten die Enten zum Migrator zurück. Nosedive hatte Charly auf dem Arm, der fröhlich und auch ein wenig stolz um sich blickte.

Nun war schon eine Woche vergangen, seit Nosedive und Andrea Charly ins Hauptquartier der Ducks geschmuggelt hatten. Nachdem der kleine Hund sie gerettet hatte, konnte nun auch Tanya nichts mehr gegen ihn sagen. Die blonde Ente hatte sich Tabletten gegen ihre Allergie besorgt, sodass sie, wenn Charly in der Nähe war, nicht mehr ständig, sondern bloß ab und zu niesen musste.
Die Ducks samt ihrem neuen Maskottchen befanden sich gerade im Aufenthaltsraum, als Phil zu ihnen stieß. Er warf Nosedive einen traurigen Blick zu.
„Nosedive, du weißt doch noch, dass wir wegen Charly eine Anzeige in der Zeitung aufgegeben habe“, sagte er. „Nun, heute hat sich seine Besitzerin gemeldet. Sie wartet oben.“
Nosedive war sichtlich bestürzt, als er das hörte. Er blickte Charly an, sah dann aber zu seinem Bruder. „Muss das sein?“
Wildwing nickte stumm.
Seufzend hob Nosedive Charly hoch und ging mit ihm nach oben. Die anderen Enten folgten ihm.
Vor der Umkleidekabine stand ein etwa achtjähriges Mädchen. Ihre hüftlangen braunen Haare waren zu zwei hohen Zöpfen gebunden, und sie trug ein lila Kleid. Charly hüpfte sofort aus Nosedives Armen, als er sie sah, und rannte auf sie zu.
„Charly!“, rief das Mädchen und umarmte den kleinen Hund. „Ich hab dir doch gesagt, du sollst in meiner Nähe bleiben, bei den vielen Leuten verlieren wir uns sonst.“
Zur Antwort winselte Charly leise.
Nosedive schlich hängenden Kopfes zu den beiden und ging in die Hocke. Traurig streichelte er über Charlys Kopf, der ihn entschuldigend ansah.
„Wie heißt du denn, meine Kleine?“, fragte er das Mädchen.
„Alicia.“
„Und wirst du gut auf Charly aufpassen?“
„Natürlich“, gab Alicia zur Antwort. „Wir haben uns einmal verloren, aber das passiert mir nicht wieder. Danke, dass du so gut für ihn gesorgt hast.“
Das Mädchen drückte Nosedive zum Dank einen Kuss auf die Wange. Dieser blickte daraufhin so überrascht drein, dass seine Freunde einfach lachen mussten.

Einen Tag später saß Nosedive trübsinnig im Aufenthaltsraum, als Andrea zu ihm trat.
„Immer noch traurig?“, fragte sie.
„Ja“, antwortete der Erpel. „Der kleine Kerl wird mir fehlen.“
„Ja, mir auch.“ Andrea nickte traurig.
Sie sah Nosedive kurz an, dann stand sie auf. Ihre Augen blitzten dabei fröhlich auf.
„Komm’“, sagte sie. „Es wird Zeit, dich ein bisschen aufzumuntern.“
„Und wo gehen wir hin?“
„Ins Einkaufszentrum“, erklärte Andrea. „Du schuldest mir noch ein Kleid.“
„Wolltest du mich nicht aufmuntern?“, entgegnete Nosedive missmutig.
„Eben“, sagte die braunhaarige Ente. „Deswegen gehen wir shoppen.“
„Bitte, Drea, erspar mir das!“, rief Nosedive verzweifelt, doch Andrea hatte ihn schon am Kragen gepackt und zerrte ihn mit sich.
„Du wirst sehen, das macht Spaß“, sagte sie bloß.
„Nein, das glaube ich nicht. Bitte, lass mich los“, flehte Nosedive. „HILFE!“
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