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Second Season: Mighty Ducks

GeschichteAbenteuer / P6 / Gen
16.11.2008
08.07.2012
13
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16.11.2008 4.019
 
Es waren nun schon zwei Wochen vergangen, seit Andrea den Mighty Ducks geholfen hatte. Sie hatte ein Zimmer im Hauptquartier der Ducks bezogen, aber sonst änderte sich nicht viel. Andrea mied die anderen Enten in gewisser Weise. Sie war immer für sich, und von sich selbst erzählte sie nie. Auf den gelegentlichen Patrouillen begleitete sie sie je nach Lust und Laune, aber sie fühlte sich nicht dazu verpflichtet. Immerhin gehörte sie ja nicht zum Team. Draganus hatte sich in letzter Zeit ruhig verhalten, und auch von den anderen Schurken rührte sich keiner. Daher war Andrea seit der Sache mit Dr. Droid noch auf keiner Mission dabei gewesen. Ihr Verhalten sorgte jedoch für einigen Gesprächsstoff.

Die Mighty Ducks waren in der Küche versammelt. Es war bereits Abend.
„Wo ist Andrea eigentlich?“ fragte Wildwing.
„Ich hab gesehen, wie sie weggegangen ist“, erzählte Tanya.
Mallory verdrehte die Augen und sagte: „Also, irgendwie gefällt mir das nicht. Sie kommt und geht, wie sie will. Da ist doch was faul.“
„Ach, komm schon, Mallory“, entgegnete Wildwing. „Du warst doch auch dafür, dass sie uns hilft.“
„Ja“, antwortete der Rotschopf, „aber das war, bevor ich wusste, dass sie absolut teamunfähig ist. Sie legt keinen Wert auf unsere Gesellschaft. Sie wollte nicht mal mit zum Shoppen, als ich sie gefragt habe, ob sie mitgehen will. Mit anderen Worten: Ich traue ihr nicht.“
In diesem Augenblick kam Andrea in die Küche. Mallory erschrak ein wenig, weil sie nicht wusste, ob Andrea etwas gehört hatte, aber diese verhielt sich ganz ruhig.
„Hallo zusammen“, sagte sie lediglich und holte sich etwas zu trinken aus dem Kühlschrank.
Dann ging der Drake One-Alarm los, und alle rannten in den Computerraum, na ja, alle bis auf Andrea, die ruhig an den Kühlschrank gelehnt stehen blieb. Sie trank in Ruhe aus und schlenderte dann Richtung Computerraum.
Sie kam gerade dazu, als Tanya erklärte, dass bei einer Lagerhalle in der Stadt Teleporter-Energie gemessen worden war. Wildwing befahl, den Migrator zu nehmen. Alle rannten los. Nur Andrea blieb wiederum stehen. Wildwing hielt kurz inne, als er an ihr vorbeikam.
„Was ist mit dir?“ fragte er hastig.
„Ja, warum eigentlich nicht? Ich komm auch mit“, sagte Andrea.
„Na dann, zum Migrator!“ erwiderte Wildwing.
„Nein“, erklärte Andrea ruhig. „Ich komme selbst irgendwie dorthin.“
Und sie ging davon. Wildwing hatte keine Zeit mehr, sich darüber zu wundern, und rannte zum Migrator.

Kurz darauf sauste der Migrator durch die Straßen, als plötzlich ein schwarzes Motorrad an ihm vorbeischoss.
„Wo bleibt ihr denn?“ fragte plötzlich Andreas Stimme über Funk. „Macht mal hin!“
Die Enten sahen sich Motorrad und Fahrerin genauer an, und wirklich, es war Andrea.
„Cooles Motorrad, Schwester!“ rief Nosedive anerkennend.
„Danke“, erwiderte Andrea. „Also, wir sehen uns dann!“ Und schon brauste das Motorrad davon.  
Wenig später erreichten auch die Mighty Ducks den Ort, den Drake One angegeben hatte. Andrea wartete bereits auf sie. Lässig saß sie auf ihrem Motorrad. Als die Ducks ausstiegen, erhob sie sich langsam.
„Was hat euch aufgehalten?“ fragte sie.
„Die Tatsache, dass wir als Team arbeiten!“ erwiderte Mallory bissig.
Andrea warf ihr einen Blick zu und wollte zur Lagerhalle gehen, aber Wildwing packte sie an der Schulter und hielt sie zurück.
„Lass mich erst mal die Lage checken“, sagte er. Er schaltete die Maske ein und sah, was sich in der Halle abspielte.
„Okay“, sagte er. „Es sind Siege, Chameleon und ein paar Hunterdrones, die Kisten wegschaffen. Am besten gehen wir gemeinsam rein. Wir nehmen den Haupteingang“
„Das könnt ihr ja tun“, erwiderte Andrea. „Ich für meinen Teil ziehe einen anderen Weg vor. Bye!“
Und schon lief sie davon. Diesmal war Wildwing nicht schnell genug, um sie aufzuhalten.
„Ich hasse es, wenn sie so was macht!“ sagte Mallory grimmig.
„Ach, gib ihr etwas Zeit“, sagte Duke versöhnlich. „Sie wird sich schon noch an uns gewöhnen.“
„Ja“, stimmte Grin ihm zu. „Große Dinge brauchen Zeit, um heranzureifen.“
Mallory warf den beiden einen Blick zu, der sie regelrecht erstarren ließ.
„Genug geplaudert“, mischte sich da Wildwing ein. „Auf geht’s!“ Und sie stürmten in die Halle.

„Die Enten!“ rief Siege erschrocken. Dann wandte er sich an die Hunterdrones: „Bringt die Beute raus!“
Und die Hunterdrones packten ein paar Kisten und hetzten davon. Schnell griff Siege nach seinem Laser und eröffnete das Feuer.
Chameleon verwandelte sich in einen Terminator und sagte diesen berühmten Satz in leichter Abwandlung, als er auf die Enten schoss: „Hasta la vista, Entchen!“
Weitere Hunterdrones erschienen und schlossen sich dem Feuergefecht an.
„So, das reicht“, sagte plötzlich Siege. Die Hunterdrones müssten mittlerweile draußen sein.“
„Du meinst nicht zufällig die hier?“ hörte er da eine weibliche Stimme hinter sich.
Er wandte sich um und sah Andrea, vor deren Füßen ein Blechhaufen lag, der einmal drei Hunterdrones gewesen war. Neben ihr lagen die Kisten auf dem Boden herum.
„Was?!“ rief Chameleon – jetzt wieder in seiner normalen Gestalt – erstaunt. „Noch eine Ente?“
„Nicht mehr lange“, erwiderte Siege und schoss auf Andrea.
Doch diese duckte sich unter dem Laserstrahl weg und stürmte dann auf Siege zu. Sie stieß sich vom Boden ab, ließ im Sprung ihre Eisenkrallen hervorschnellen und schlug damit Sieges Laserpistole in zwei Teile. Doch Siege war auch ohne Waffe noch sehr gefährlich. Er packte Andrea und schleuderte sie in hohem Bogen davon. Doch den gewünschten Effekt erzielte er damit nicht. Andrea stürzte nämlich nicht, sondern rollte sich ab und stand schon wieder in Kampfposition. Das machte Siege nur noch wütender.
Er wollte gerade auf Andrea losstürmen, aber ein Bodycheck von Grin warf ihn aus der Bahn. Er wurde gegen eine Wand geschleudert.
Chameleon wurde gerade von Tanya und Mallory in die Enge getrieben. Da verwandelte er sich in einen Sprinter und suchte das Weite.
„Siege!“ rief er. „Lass uns abhauen!“
Siege rappelte sich gerade hoch und warf einen Blick auf die Kisten, vor denen sich aber Grin und Andrea aufgebaut hatten.
„Einverstanden“, sagte er und betätigte seinen Teleporter. Chameleon tat es ihm gleich.
„Und weg sind sie!“ rief Mallory wütend.
„Schön langsam solltest du wissen, dass ihnen das in jeder Folge gelingt“, sagte Nosedive zu ihr.
„Was wollten sie eigentlich klauen?“ fragte Wildwing und kniete sich hin, um eine der Kisten zu öffnen. Er begutachtete den Inhalt. „Computerteile.“

„WAS?!“ schrie Draganus, als er von Chameleon und Siege hörte, was eben geschehen war. „Ihr seid nicht einmal fähig, ein paar Computerteile zu stehlen? Wie soll ich meinen Super-Computer fertig stellen, wenn mir ein paar Teile fehlen?“ Wütend ging er auf und ab.
„Es tut uns wirklich Leid, Boss“, sagte Chameleon. „Wir hätten es ja geschafft, wenn nicht diese neue Ente aufgetaucht wäre.“
Draganus hielt je inne. „Eine neue Ente?“ fragte er. „Wie zum Kuckuck...“
Doch er vollendete diesen Satz nicht, sondern wandte sich plötzlich Chameleon zu.
„Chameleon“, sagte er zu dem grünen Wesen, das immer mehr von ihm zurückwich. „Was für Koordinaten hast du eingegeben, als wir den Gateway-Generator getestet haben?“
„Ähm, tja, Boss, ir-irgendwelche eben“, stotterte Chameleon. „Es kö-kö-könnten durchaus die Koordinaten von Puckworld gewesen sein.“
Draganus knurrte auf und zielte mit seinem Laser auf Chameleon.
„Zeig mir diese Ente“, sagte er bedrohlich.
Chameleon, der sich schon ganz klein gemacht und die Hände schützend vors Gesicht gehalten hatte, blickte jäh auf. Dann richtete er sich auf, sein Körper leuchtete kurz auf, und er nahm Andreas Gestalt an. Kurz darauf verwandelte er sich wieder zurück.
„So sah sie aus, Boss“, sagte er.
Draganus kratzte sich am Kinn.
„Ich kenne diese Ente“, murmelte er. „Sie hat mir auf Puckworld des Öfteren dazwischengefunkt, Gefangene befreit und dergleichen. Es gibt kein Sicherheitssystem, das sie aufhalten kann, heißt es. Und das bringt mich auf eine Idee.“
Er wandte sich um und ging zum Cockpit der Raptor.
„Erinnert ihr euch noch an diese chemische Bombe, die jedes Lebewesen in einem Umkreis von hundert Meilen lähmen sollte, die ich bauen wollte?“, fragte er seine Untergebenen.
„Die, wo wir den letzten Bestandteil nicht besorgen konnten, weil das Labor für uns uneinnehmbar war, da es von einem so starken elektromagnetischen Feld umgeben ist, dass unsere Teleporter nicht funktionierten?“ fragte Wraith.
„Genau die“, erwiderte Draganus. „Und diese neue Ente wird uns die letzte Komponente besorgen.“
„Und das wird sie wahrscheinlich liebend gerne tun, wenn wir nur ganz nett fragen“, sagte Wraith sarkastisch.
Draganus drehte sich zu ihm, seine Augen verengten sich zu Schlitzen, und er sagte bedrohlich: „Nein, wir werden sie eben zwingen müssen.“

Währenddessen waren die Enten wieder in ihr Hauptquartier zurückgekehrt. Andreas Alleingang hatte für einige Unruhe gesorgt. Und so hatten sich die Ducks um Drake One versammelt und diskutierten.
„Was, wenn Wraith da hinten aufgetaucht wäre und dich gegrillt hätte?“ fragte Wildwing.
„Ist er aber nicht“, erwiderte Andrea.
„Sie hätten dich gefangen nehmen und uns erpressen können“, sagte Mallory.
„Haben sie aber nicht“, erwiderte Andrea.
„Tatsache ist nun mal, dass dein Alleingang die ganze Mission gefährdet hat“, stellte Wildwing fest.
„Wie bitte?“ erwiderte Andrea ungläubig und deutlich lauter. „Ohne mich wären die Hunterdrones mit den gestohlenen Computerteilen einfach so nach draußen spaziert. Und wer weiß, was Draganus damit vor hatte.“
„Das ist schon richtig“, sagte Wildwing. „Das war Glück. Aber es hätte auch schief gehen können. Du hättest dabei drauf gehen können. Und als Teamcaptain bin ich für die Sicherheit meines Teams verantwortlich.“
„Eben, Wildwing“, erwiderte Andrea. „Du hast es eben selbst gesagt. Du bist für dein Team verantwortlich. Ich gehöre aber nicht zu deinem Team.“
„Es hätte auch einen von uns erwischen können, wären die Saurier zu früh gewarnt worden“, gab Wildwing zurück.
„Ich verstehe“, sagte Andrea, drehte sich um und ging in Richtung des Hangars.
„Was hast du vor?“ fragte Wildwing.
„Wonach sieht’s denn aus?“ gab Andrea zurück. „Ich hau’ ab.“
„Jetzt machst du’s dir aber zu leicht“, sagte Mallory sauer.
„Jetzt mach aber mal halblang!“ rief Andrea wütend. „So, wie ich das sehe, habe ich euch mal wieder aus der Patsche geholfen. Aber anstatt mir dafür zu danken, haltet ihr mir eine Standpauke. Und das muss ich mir nicht bieten lassen.“
Und mit diesen Worten setzte sie ihren Weg fort.

Sie bestieg gerade ihr Motorrad und setzte sich ihren Helm auf, als sie Dukes Stimme hörte, die „Warte, Andrea!“ rief. Und da kamen auch schon Duke und Nosedive zu ihr gerannt.
„Komm schon, Andrea“, sagte Nosedive. „Das war doch alles nicht böse gemeint. Wildwing hat sich bestimmt nur Sorgen gemacht, dass dir was passiert, und Mallory, na ja, ist eben Mallory und daher ein Kontrollfreak, wenn’s um Einsätze geht.“
„Trotzdem bin ich hier nicht willkommen“, erwiderte Andrea und startete ihr Motorrad.
„Und wo willst du hin?“ fragte Duke ruhig, der eingesehen hatte, dass sie sie nicht würden aufhalten können.
„Weg“, antwortete Andrea. „Das ist jetzt einmal das Wichtigste. Meine Sachen hol ich später.“
Und schon raste sie davon. Nosedive sah ihr nach.
„Wir müssen sie zurückholen!“ sagte er und wollte hinterher, doch Duke hielt ihn zurück, indem er ihm eine Hand auf die Schulter legte.
„Nein, Dive, das bringt jetzt nichts. Warten wir ab, bis die Wogen sich geglättet haben“, erklärte Duke. In dem Augenblick ging der Alarm los.
„Und außerdem haben wir jetzt offensichtlich Wichtigeres zu tun“, fügte er hinzu.

Die sechs Mighty Ducks erreichten das Gebäude, das von Drake One angezeigt wurde. Es schien verlassen. Gemeinsam betraten sie es, doch es war noch immer niemand zu sehen.
„Bist du sicher, dass es hier ist?“ fragte Wildwing Tanya.
„Ja“, erwiderte diese. „Drake One hat hier Teleporter-Energie wahrgenommen.“
„Aber hier ist doch niemand“, sagte Mallory sich umblickend.
In diesem Augenblick schoss ein Käfig von oben herab, und hielt alle sechs Enten gefangen. Gleichzeitig war ringsum das Geräusch von Teleportern zu hören, und auf jeder freien Fläche erschienen massenweise Hunterdrones, so dass die Ducks von einer Übermacht eingekreist waren.
„Könntest du das noch mal wiederholen?“ fragte Duke zu Mallory gewandt.

Andrea betrat gerade den Computerraum, und noch ehe sie sich umgeblickt hatte, sagte sie: „Macht euch jetzt keine falschen Hoffnungen. Ich komme nur ein paar Sachen abholen und...“
Aber sie sprach nicht weiter, als sie sah, dass niemand da war.
„Wo sind sie denn alle hin?“ fragte sie.
In dem Augenblick erwachte das Telefon zum Leben, und es erklang Draganus’ Stimme:
„Dies ist eine Nachricht für Andrea O’Down. Wenn du deine Freunde wiedersehen willst, sei in einer Stunde im Anaheim Park.“

Andrea stellte ihr Motorrad am Eingang des Parks ab. Ihren Helm hängte sie auf den Lenker. Sie ging hinein und sah sich um.
Plötzlich erschien Siege hinter ihr, packte sie am Arm und verschwand mit den Worten „Der Boss erwartet dich schon, Schätzchen.“ gemeinsam mit ihr.

In der Lagerhalle kamen beide wieder zum Vorschein. Draganus kam sofort auf sie zu.
„Ah, Andrea O’Down. Welch Glanz in meiner Hütte“, sagte er übertrieben höflich. „Aber kommen wir gleich zur Sache: Du wirst etwas für mich stehlen, meine Liebe. Es handelt sich um eine Chemikalie, die sich in einem Hochsicherheitslabor befindet. Aber ich denke, für dich dürfte das kein Problem sein.“
„Ha“, Andrea lachte kurz auf und verschränkte ihre Arme. „Und wie kommst du auf die geniale Idee, dass ich dir helfen würde?“
„Weil ich ein Ass im Ärmel habe“, sagte Draganus böse und deutete in eine Richtung.
Andrea sah schnell dorthin und erkannte, dass die Ducks in einen Käfig gesperrt waren, um den ein paar Drones herumstanden, ebenso wie Wraith und Chameleon. Die Drones hatten ihre Laser auf die Ducks gerichtet, und Wraith hatte demonstrativ einen Feuerball auf seiner Hand. Chameleon verwandelte sich in eine Schießbudenbesitzer, wie man sie vom Jahrmarkt her kennt.
„Kommen Sie, kommen Sie“, rief er. „Wer eine Ente trifft, bekommt einen tollen Preis!“
„Also, wie sieht’s aus?“ fragte Draganus.
Doch anstatt einer Antwort lachte Andrea los: „Hahahahaha! Hast du wirklich geglaubt, du könntest mich mit denen da erpressen? Das sind doch keine Freunde von mir. Im Gegenteil! Sie haben mich verstoßen. Von mir aus kannst du mit ihnen machen, was du willst.“
Allen sechs Enten im Käfig fiel förmlich die Kinnlade runter vor lauter Schreck. Draganus knurrte auf und richtete seinen Laser auf Andrea. Diese blieb ganz ruhig.
„Oh nein“, sagte sie. „Du kannst mich nicht töten. Du brauchst mich.“
Sie lächelte hinterlistig und fuhr fort: „Und außerdem habe ich nicht gesagt, dass wir uns nicht anderweitig einigen können.“
Draganus stutzte und zog seine Hand mit dem Laser zurück.
„Und wie?“ fragte er.
„Ganz einfach“, erwiderte Andrea. „Dieser Planet hier langweilt mich zu Tode. Ich möchte zurück nach Puckworld. Ich besorge dir diese Chemikalie, und dafür schickst du mich zurück.“
Ein böses Lächeln trat auf Draganus’ Gesicht.
„Einverstanden“, sagte er. Dann deutete er auf die Enten im Käfig. „Dann ist es dir bestimmt egal, wenn wir die hier erschießen“, stellte er fest.
„Eigentlich schon“, sagte Andrea. „Aber ich hätte noch eine Bitte. Diese Enten haben meine Freundschaft mit Füßen getreten, und das würde ich ihnen gerne heimzahlen. Lass sie noch so lange am Leben, bis meine Mission erfüllt ist. Ich möchte, dass sie noch sehen, wie ich nach Hause zurückkehre, während sie hier nur mehr der Tod erwartet.“ Ihre Hand hatte sich, während sie sprach, zu einer Faust geballt, und ihr Ton war immer drohender geworden.
Draganus lachte böse.
„Du gefällst mir, Kleine“, sagte er. „Du bist so schön bösartig.“
„Danke“, erwiderte Andrea. „Das Kompliment gebe ich gerne zurück.“
„In Ordnung“, sagte Draganus. „Siege wird dir die Pläne des Labors zeigen.“
Siege bedeutete Andrea, ihm zu folgen, was Andrea auch tat. Als sie an dem Käfig vorbeigingen, blieb Andrea jedoch stehen. Sie sah die sechs Enten an. Ihre linke Hand stemmte sie in die Hüfte, und sie warf demonstrativ ihr Haar zurück.
Böse lächelnd sagte sie: „Siehst du, Wildwing. Mit mir legt man sich nicht ungestraft an.“

Einige Zeit später teleportierte sich Siege gemeinsam mit Andrea in die Nähe des Labors. „Warte hier auf mich“, befahl Andrea der Echse. „Ich bin so schnell wie möglich zurück.“

Währenddessen unterhielten sich die Ducks in ihrem Käfig über Andrea.
„Ich kann einfach nicht glauben, dass sie mit den Sauriern zusammenarbeitet“, sagte Duke.
„Ja“, schaltete sich Nosedive ein. „Sie ist doch eine von uns.“
„Na ja, ganz offensichtlich nicht“, erwiderte Mallory wütend.
„Du sei lieber ganz schnell still!“ drohte Nosedive. „Immerhin haben wir es zu einem Großteil dir zu verdanken, dass sie sauer ist.“ Sein Blick wanderte zu Wildwing. „Und der Tatsache, dass mein Bruder den Big Boss raushängen lassen musste.“
Wildwing wandte sich ab.
„Das spielt jetzt keine Rolle“, sagte er leise. „Sie hat uns verraten.“

Andrea war bereits in das Labor eingedrungen. Sie erreichte gerade einen Gang. Sie blieb stehen und nahm eine rote Brille aus ihrer Tasche und setzte sie auf. Da erschienen Laserstrahlen auf dem Gang, die vorher nicht zu erkennen gewesen waren. Andrea nahm Anlauf und sprang behände zwischen den Strahlen hindurch. Mit einem Überschlag setzte sie über den letzten Laser hinweg und federte den Sprung ab, indem sie in die Knie ging. Dieser Teil war geschafft. Sie nahm die Brille wieder ab und lief weiter.
Kurz darauf erreichte sie den Raum, in dem die Chemikalien untergebracht waren. Die Tür war durch ein Schloss mit Code-Eingabe gesichert. Andrea entfernte vorsichtig eine Seitenplatte der Tastatur, nahm einen Draht heraus und schloss diesen an ein kleines Gerät an, das nun den richtigen Code eingab. Und schon ging die Tür auf, und Andrea trat ein. Sie sah sich um. Hier standen massenweise Chemikalien in den Regalen. In aller Ruhe durchsuchte sie die Regale und fand schließlich, was sie suchte. Das war die Chemikalie, die Draganus wollte. Andrea lächelte.
„Na, dann kann’s ja losgehen“, sagte sie und griff nach dem kleinen Behälter.

Kurze Zeit später kehrten Siege und Andrea in die Lagerhalle zurück. Andrea ging zu Draganus und drückte ihm den Behälter in die Hand. Draganus beäugte ihn kurz.
„Gute Arbeit“, sagte er dann und reichte den Behälter an Wraith weiter.
Dann wandte er sich wieder an Andrea: „Und nun wollen wir das dimensionale Tor für dich vorbereiten, meine Liebe.“
Andrea nickte ihm zu und ging dann zu dem Käfig der Ducks. Sie ging ganz nahe an die Gitterstäbe heran.
„Nun, ich glaube, es ist Zeit, Lebwohl zu sagen“, sagte sie zu den sechs Enten, doch während sie das sagte, griff sie in eine kleine, aufgesetzte Tasche, die sich vorne an ihrer Hose auf dem Oberschenkel befand. Jemand, der hinter ihr stand, konnte also nicht sehen, was sie tat. Sie zog ein kleines, rechteckiges Ding heraus und befestigte es an den Gitterstäben. Gleichzeitig bedeutete sie den Ducks mit der anderen Hand, zurückzugehen. Etwas verwirrt wichen die sechs zurück.
Andrea drückte auf einen Knopf dieses Dinges und lief dann schnell davon, denn fast im selben Augenblick war eine Explosion zu hören. Andrea warf sich schnell zu Boden, um sich vor der Explosion zu schützen.  
Draganus drehte sich erschrocken um. Auch seine Spießgesellen schreckten zusammen. Um den Käfig der Enten war nun eine riesige Rauchwolke. Als diese sich verzog, konnte man erkennen, dass ein paar der Gitterstäbe fast vollständig weggesprengt worden waren. Und durch diese Lücke kletterten die Ducks ins Freie. Draganus wandte sich mit einem so bösartigen und wütenden Blick zu Andrea, dass er wohl locker Medusa Konkurrenz hätte machen können.
„DU!“ rief er ihr zu.
Andrea stand gerade wieder auf.
„Wer denn sonst?“ entgegnete sie. „Dachtest du wirklich, ich würde mein eigenes Volk verraten? Eher würde ich sterben!“
„Das lässt sich einrichten“, erwiderte Draganus und feuerte mit seinem Laser auf sie, doch Andrea wehrte die Schüsse wieder mit der Halterung der Eisenkrallen ab.
Einige Hunterdrones erschienen vor Draganus und eröffneten ebenfalls das Feuer, und es wurden immer mehr. Doch nun mischten sich auch die Ducks, die sich inzwischen ihre Waffen zurückgeholt hatten, in den Kampf ein. Ein Hunterdrone nach dem Anderen wurde zu Altmetall verarbeitet.
„Was sollen wir tun, Boss?“ fragte Siege, der zwar wacker das Feuer erwiderte, aber erkannte, dass sie keine Chance hatten.
„Wir verschwinden“, antwortete Draganus. „Immerhin haben wir, was wir wollten.“ Und er betätigte seinen Teleporter.
Siege, Chameleon und Wraith taten es ihm gleich, und so sahen sich die Ducks nur mehr ein paar Hunterdrones gegenüber, von denen der letzte bald von Andreas Eisenkrallen in seine Einzelteile zerlegt wurde. Als das erledigt war, wandte sie sich an die sechs Enten.
„Entschuldigt die kleine Scharade, Leute“, sagte sie. „Aber Draganus hätte mich wohl sonst kaum nah genug an den Käfig heran gelassen, um euch raus zu holen. Ich hoffe, ich hab euch nicht zu sehr erschreckt.“
„Na ja“, erwiderte Tanya. „Du warst schon sehr überzeugend.“
„Ja“, stimmte ihr Nosedive zu. „Für die Rolle hättest du ’nen Oscar verdient.“
„Draganus hat jetzt aber diese Chemikalie, die er braucht!“ warf Mallory ein.
„Ganz ruhig, Mallory“, erwiderte Andrea. „Es ist nicht alles Gold, was glänzt.“
„Was soll denn das jetzt heißen?“ fragte Wildwing verdutzt.
„Das heißt, dass, wo Superchemikalie drauf steht, noch lange nicht eine Superchemikalie drin sein muss“, antwortete Andrea.
Duke lachte auf. „Ich verstehe“, sagte er. „Andrea hat ein paar Etiketten vertauscht.“

Währenddessen wollte Draganus gerade seine Bombe testen. Er hatte eine Miniversion davon gebaut. Chameleon sollte als Versuchskaninchen dienen. Zu diesem Zweck war verschnürt wie ein Paket vor der Bombe platziert worden.
„Warum immer ich, Boss?“ fragte er. „Das ist gemein!“
„Hör auf zu jammern!“ befahl Draganus. „Diese Bombe wird dich nur für ein paar Stunden lähmen. Strategisch günstig platziert können wir so mit ihr die ganze Welt erobern.“
„Und was ist, wenn was schief geht?“ versuchte es Chameleon noch einmal.
„Das will ich mir lieber nicht ausmalen“, entgegnete Draganus, verschwand gemeinsam mit Siege und Wraith hinter einer Schutzwand und zündete die Bombe.
Aber anstatt wirklich zu explodieren, gab sie nur ein klägliches Geräusch von sich und ein Schwall orangenen Schleimes schoss aus ihr hervor und traf Chameleon.
„Bäh“, machte dieser und zappelte herum. „Das Zeug stinkt!“
„Was?“ fragte Draganus. „Du kannst dich noch bewegen? Dieses Biest hat mir die falsche Chemikalie gebracht! Dafür wird sie bezahlen!“
„Ich habe von Anfang gewusst, dass es ein Fehler war, ihr zu vertrauen“, warf Wraith ein.
Im Hintergrund war immer noch Chameleons Gejammer zu hören.

Die Mighty Ducks waren im Computerraum versammelt. Da betrat Andrea den Raum und stellte sich vor den Anderen hin.
„He, Leute. Ich, ähm, ich habe euch etwas zu sagen“, druckste sie herum. „Also, ich wollte mich für mein unmögliches Verhalten entschuldigen. Ich dachte immer, es wär’ euch egal, was mit mir passiert, und habe gar nicht gemerkt, dass ich mich selbst ausgeschlossen habe. Ich habe so lange allein gearbeitet, dass ich wohl vergessen hab, dass ich nicht ohne Rücksicht auf Verluste losrennen kann, wenn Andere dabei sind. Es tut mir Leid.“
„Auch ich muss mich entschuldigen“, sagte Wildwing. „Immerhin hast du uns wirklich wieder einmal geholfen, und ich hatte nichts Besseres zu tun, als dich dafür zu rügen, dass du dich nicht an meine Regeln gehalten hast. Entschuldige.“
„Für mich gilt dasselbe“, sagte Mallory. „Sorry.“
„Schon okay“, erwiderte Andrea lächelnd.
„Und danke“, sagte da plötzlich Wildwing. „Danke, dass du uns wieder einmal gerettet hast.“
Und nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: „Ach ja, und bevor ich’s vergesse: Willkommen im Team!“
Und er streckte Andrea seine Hand hin, die diese lächelnd ergriff.
„Weißt du“, sagte da Nosedive. „Für solche Situationen haben wir etwas ganz Bestimmtes auf Lager.“
„Was denn?“ fragte Andrea neugierig.
„Gruppenumarmung!“ rief Nosedive und warf sich dazu. Die anderen schlossen sich der Umarmung an. Kurz darauf lösten sich alle wieder aus der Umarmung. Als sich die Gruppenumarmung wieder löste, zeigte Andrea schnell mit dem Zeigefinger auf Wildwing.
„Das heißt jetzt aber nicht, dass ich deine Befehle befolgen muss“, stellte sie trocken fest.
„Schon in Ordnung“, erwiderte dieser. „Ich werde ganz einfach die Hoffnung niemals aufgeben.“
Die sieben Enten wandten sich zum Gehen, da sagte Andrea zu Mallory: „Ach ja, Mallory, hast du nicht mal was von Shoppen gesagt? Weißt du, eigentlich gehe ich für mein Leben gerne shoppen. Steht das Angebot noch?“
Mallorys Augen begannen zu leuchten.
„Natürlich steht das Angebot noch!“ sagte sie fröhlich. „Gleich morgen früh können wir losziehen. Ich zeig dir meine Lieblingsboutiquen, und dann hat da noch ein neues Schuhgeschäft aufgemacht. Und außerdem …“
Während Mallory fortfuhr, Andrea sämtliche Shops und Schnäppchen aufzuzählen, verdrehte Nosedive demonstrativ die Augen.
„Oh nein!“ sagte er, und seine Stimme bekam einen verzweifelten Unterton. „Bitte nicht zwei von der Sorte! Das überleb’ ich nicht!“
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