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Second Season: Mighty Ducks

GeschichteAbenteuer / P6 / Gen
16.11.2008
08.07.2012
13
46.638
 
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16.11.2008 4.289
 
Nach den Aufregungen des letzten Abenteuers genossen die Ducks es, sich etwas Ruhe gönnen zu können. Vor allem Duke hatte das nötig. Er trug seinen rechten Arm immer noch in einer Schlinge, und das würde in nächster Zeit so bleiben. Er konnte demnächst also weder Eishockey spielen geschweige denn Draganus jagen. Aber im Grunde waren alle froh darüber, dass ihm nichts Schlimmeres passiert war. Doch beschäftigte sie die Frage, wer ihnen damals geholfen hatte. Wer half ihnen einfach so und legte dennoch so großen Wert darauf, unerkannt zu bleiben?
Duke sann bei einem seiner Nachtspaziergänge über diese Frage nach. Immer wieder rief er sich die Erinnerung an diese Gestalt, die er zwischen den Häusern hatte verschwinden sehen, ins Gedächtnis. Aber ihm fiel nichts Neues oder Eigenartiges auf.
So in Gedanken vertieft, bemerkte er nicht, wie eben jene Gestalt ihn vom Dach des Eishockeystadions aus beobachtete.

In der Zwischenzeit dachte auch jemand Anderes angestrengt nach, aber was dieser in seinem mehr oder weniger menschlichen Hirn hin und her wälzte, war gewiss kein ungelöstes Rätsel. Seine Schritte klangen metallisch, während er im Zimmer auf und ab schritt. Es war Dr. Droid.
„Diese unterbelichteten Kreaturen! Diese schnäbeltragenden Bazillen! Sie werden dafür bezahlen, was sie mir angetan haben! Zweimal schon haben sie meinen Körper zerstört! Aber wie kann ich sie aus ihrem Versteck locken? Wie schaffe ich es, dass sie sich mir ergeben?“
Er wanderte noch eine Weile auf und ab, gab es aber schließlich auf und setzte sich an seinen Computer. Seine metallischen Finger sausten in atemberaubender Geschwindigkeit über die Tastatur.
Schließlich hielt er inne. Er blickte genauer auf den Bildschirm. Dann lehnte er sich zurück und lächelte.

In der darauf folgenden Nacht schritt Droid auf ein Gebäude zu, eine Bank, wie sich bei näherem Hinsehen herausstellte. Die Tür war mit einem Schloss gesichert, das sich nur mit einer Magnetkarte öffnen ließ. Droid hob seine mechanische Hand, die zurückklappte, und eine kleine metallene Karte zum Vorschein brachte. Diese wurde in das Schloss gesteckt, das sich binnen kürzester Zeit entriegelte. Droid öffnete die Tür und setzte seinen Weg unbeirrt fort.

Am nächsten Tag waren die Ducks gerade beim Training. Nosedive preschte gerade aufs Tor zu, schoss, aber sein Bruder schaffte es mal wieder, den Puck abzufangen.
Kurz darauf versuchte es Mallory, aber auch sie scheiterte an dem Torhüter der Ducks.
Duke saß auf der Reservebank und sah zu. Irgendwie wurmte es ihn schon ein bisschen, dass er nicht mitmachen konnte.
Plötzlich hielt Tanya inne. Sie blickte auf ihr Funkgerät.
„He, Leute“, sagte sie. „Da versucht jemand, uns über die Notfall-Hotline zu erreichen.“
Alle sechs blickten nun auf ihre Funkgeräte, und kurz darauf war Captain Klegghorns Stimme zu hören: „He, Ducks, hier spricht Klegghorn. Ihr müsst so schnell wie möglich im Polizeirevier vorbeikommen. Das ist ein Notfall.“
Wildwing sah sein Team an. „Na, dann los.“
Alle machten sich auf den Weg zum Migrator, auch Duke.
„Willst du wirklich mitkommen?“ fragte ihn Wildwing.
„He, Wing, ich mag zwar vielleicht ein bisschen eingeschränkt sein, aber ich bin trotzdem nicht hilflos. Und vielleicht kann ich ja helfen.“
Wildwing nickte nur. Er wusste, wie stolz Duke war, und er wäre sicher in ebendiesem Stolz gekränkt gewesen, hätte man ihn einfach so zurückgelassen.
Kurz darauf betraten die Ducks Klegghorns Büro.
„Was gibt’s, Cappy?“ fragte Nosedive lässig.
„Ein Problem, würd ich mal sagen“, erwiderte dieser trocken.
Er breitete den Plan eines Gebäudes auf seinem Schreibtisch aus. Die Ducks sahen ihn sich an.
„Das ist doch die Zeus-Bank“, sagte Duke. „Die einbruchsicherste Bank, die es gibt.“
„Ganz so sicher ist sie nicht“, erwiderte Klegghorn. „Dr. Droid ist gestern Nacht in diese Bank eingebrochen. Er hat sämtliche Codes geknackt und ist einfach so reinspaziert, ohne Alarm auszulösen. Das war ja auch gar nicht möglich, denn die Codeeingabe war immer richtig. Diese Nachricht hat er uns geschickt.“
Und er wandte sich einem kleinen Fernseher zu und schaltete ihn ein. Auf dem Bildschirm war Droids Gesicht zu sehen.
Er sagte Folgendes: „Ich befinde mich hier im Inneren der Zeus-Bank. Ich verlange, dass sich mir die Mighty Ducks bis morgen um Mitternacht ergeben, sonst werde ich die Geiseln töten.“ Die Kamera schwenkte herum und zeigte ein paar Nachtwächter, die gefesselt auf dem Boden lagen. Dann zeigte sie wieder Droids Gesicht. „Und ich verlange eine bedingungslose Kapitulation.“ Das Bild erlosch.
„Wir sollen uns ihm ergeben?“ fragte Mallory ungläubig. „Es geht ihm also nicht mehr darum, die Maschinen von den Menschen zu befreien?“
„Nein“, erwiderte Wildwing nachdenklich. „Er will Rache.“
„Ach, halb so wild“, schaltete sich Nosedive ein. Alle blickten ihn verdutzt an. Unbeirrt fuhr er aber fort: „Na, wenn Droid die Codes knacken konnte, dann schafft Tanya das wohl auch.“ Und er legte zuversichtlich seine Hand auf die Schulter der Toptechnikerin.
„Das ist jetzt nicht mehr so einfach“, sagte da Klegghorn kopfschüttelnd. „Droid hat sich direkt an das Sicherheitssystem angeschlossen. Das heißt, er bemerkt es sofort, wenn es da eine Änderung gibt. Die einzige Möglichkeit besteht also darin, das Sicherheitssystem zu umgehen.“
Und nach diesen Worten blickte er Duke an. Dieser zuckte kurz zusammen. Dann sah er auf seinen rechten Arm.
„Es tut mir Leid, Captain“, sagte er. „Aber ich kann nichts machen.“

Ziemlich niedergeschlagen hatten sich die Ducks im Computerraum versammelt. Vor allem Duke war geknickt.
„Was sollen wir jetzt machen?“ frage Mallory. „Wir können doch diese Menschen nicht einfach sterben lassen.“
„Ja“, antwortete Wildwing. „Aber ergeben können wir uns auch nicht. Dann sind nämlich wir erledigt. Und wenn Dr. Droid uns aus dem Weg geschafft hat, wird er seinen Plan in die Tat umsetzen und die ganze Menschheit vernichten.“
„Ganz ehrlich“, sagte Nosedive. „Das ist eine ziemlich dämliche Situation.“
Tanya nahm vor Drake One Platz und machte ein paar Eingaben. Sie stutzte kurz.
„Was ist denn?“ fragte Mallory.
„Ach, nichts weiter Wichtiges“, antwortete Tanya. „Während unserer Abwesenheit hat es einen minimalen Stromausfall gegeben. Er war nicht mal lang genug, um Alarm auszulösen. Da ist wahrscheinlich nur eine Ratte zu nahe an unser Sicherheitssystem gekommen.“
„Eine Ratte?!“ fragte Mallory und schüttelte sich vor Ekel.
Tanya arbeitete ruhig weiter. Schließlich erschien ein Plan der Zeus-Bank auf dem Bildschirm.
„Zumindest einer von uns müsste es rein schaffen, ohne Alarm auszulösen, und Droid ablenken, so dass er sich vom Sicherheitssystem ausklinkt. Dann kann der Rest von uns das Gebäude stürmen.“
„Ja“, sagte Wildwing. „Aber wer außer Duke könnte das schaffen?“
Dann wandte er sich an den grauen Erpel: „Du könntest uns nicht zufällig zeigen, wie das geht?“
Duke lachte kurz auf. „Nein, Wildwing. Um da reinzukommen, ohne Alarm auszulösen, braucht man jahrelange Erfahrung.“
„Vielleicht kann ich helfen“, erklang da plötzlich eine Stimme von irgendwo her. Und wie aus dem Nichts landete eine Gestalt vor ihnen auf dem Boden, die sich nun zu ihrer vollen Größe aufrichtete. Die Ducks griffen sofort nach ihren Waffen und zielten auf die Gestalt, die – wie sie nun erkannten – eine junge Entenfrau war. Sie hatte hautfarbene, jedoch sehr helle Federn und langes braunes Haar, und sie war ganz schwarz gekleidet.
Beschwichtigend hob sie die Hände.
„He, ganz ruhig“, sagte sie. „Wenn ich euch hätte angreifen wollen, hätte ich es wohl aus dem Hinterhalt getan.“
„Da ist was dran“, erwiderte Wildwing, und alle ließen ihre Waffen sinken.
„Eben“, sagte die fremde Ente lächelnd. „Und außerdem, wenn ich euch hätte töten wollen, wärt ihr schon längst tot.“
Nosedive lachte verächtlich auf. „Ja, klar. Und da bist du dir absolut sicher?“
Die Fremde sah ihn an, ein eigenartiges Lächeln trat in ihr Gesicht.
Plötzlich setzte sie zum Sprung an, und ehe Nosedive sich’s versah oder die Anderen auch nur reagieren konnten, hatte sie ihn von hinten gepackt und hielt ihn fest. Fast im selben Augenblick war ein metallisches Klirren zu hören, und drei krallenartige Klingen legten sich an Nosedives Hals, die einem Apparat entsprangen, der auf dem Unterarm der fremden Ente befestigt war. Es wirkte, als wären ihr plötzlich tödliche Krallen gewachsen.
„Absolut sicher“, sagte sie leise und ließ Nosedive wieder los, der sich sofort an den Hals fasste. Wieder war ein metallisches Klirren zu hören, und die drei Klingen verschwanden wieder in dem Apparat.
„Aber wenn ich euch tot sehen wollte, warum hätte ich euch dann in letzter Zeit geholfen?“ fragte sie.
„Du warst das?“ fragten alle sechs Enten wie aus einem Schnabel.
„Warte, warte“, sagte Wildwing etwas verwirrt, „wenn du uns geholfen hast, warum hast du dich dann nie gezeigt?“
„Na, ich hatte doch keine Ahnung, wo ich war“, erwiderte die Ente. „Mein Flieger wurde einfach durch einen starken Wirbelsturm in ein dimensionales Tor gezogen, und dann bin ich hier gelandet. Ich hab mich zuerst versteckt und Informationen gesammelt. Dann bin ich auf ein Plakat von euch gestoßen und euch eine Zeitlang gefolgt. Und hiermit zeige ich mich euch ja.“
„Das heißt, Draganus’ Gateway-Generator funktioniert wieder“, sagte Wildwing nachdenklich. Dann wandte er sich an die Ente: „Und du kommst von Puckworld?“
„Ja“, antwortete diese. Wildwing scannte sie mit der Maske. Sie war wirklich eine Ente.
„Sie sagt die Wahrheit“, sagte er zu seinen Kameraden.
Die Ente blickte sich um.
„Wo ist eigentlich Canard?“ fragte sie.
„Woher weißt du von ihm?“ fragte Wildwing überrascht.
„Oh, ich weiß so Einiges von euch“, erwiderte sie. „Ihr seid alle Mitglieder des Teams, das Canard gegen Draganus zusammengestellt hat. Ihr habt Draganus vertrieben und seid ihm durch das dimensionale Tor gefolgt. Ein paar Widerstandskämpfer haben es gesehen.“
„Canard hat sich in ein dimensionales Zwischenstadium gestürzt, um uns zu retten“, antwortete Wildwing traurig.
„Das tut mir Leid zu hören“, sagte die Ente. „Aber ihr alle seid Helden Puckworlds. Einige halten euch zwar für tot, aber ich wollte dem nie so wirklich Glauben schenken.“
Wildwing sah sie lange an. Dann fragte er: „Wer bist du?“
„Mein Name ist Andrea O’Down“, war die Antwort
„Der Schatten?“ rief da Duke überrascht.
„Du kennst sie?“ frage Nosedive.
„Nicht persönlich“, antwortete Duke. „Aber ich habe schon Einiges von ihr gehört.“
Er sah Andrea an.
Diese erwiderte den Blick und sagte: „Da fühle ich mich aber geschmeichelt, wenn Duke L’Orange mich kennt.“
„Ist sie etwa auch eine Diebin?“ fragte Tanya.
„Heyheyhey!“ erwiderte Andrea leicht eingeschnappt. „Ich habe in meinem Leben noch nie was mitgeh’n lassen, höchstens was zurückgeholt. Aber ich bin gut, wenn es um das Umgehen von Sicherheitssystemen geht, wie euch mein Einstieg hier sicher gezeigt hat.“
„Ja“, sagte da Tanya, „wie bist du hier eigentlich reingekommen?“
Andrea sah sie an. „Weißt du das noch nicht?“
Tanya überlegte kurz. Dann dämmerte es ihr.
„Der minimale Stromausfall!“ rief sie aus und schlug sich mit der Hand gegen die Stirn.
Andrea nickte.
„Und deswegen bin ich hier“, sagte sie. „Ich wollte mich vorhin eigentlich gerade verziehen, da hab ich gehört, wie ihr von eurer Notlage geredet habt. Und ich biete euch hiermit meine Hilfe an.“
Die sechs Mighty Ducks sahen sich an.
„Nun ja…“, wollte Wildwing gerade anfangen, da wurde er von Andrea unterbrochen: „Ihr wollt euch bestimmt beraten. Gut, ich ziehe mich zurück.“
„Okay“, sagte Wildwing, „der Gemeinschaftsraum ist…“
„… den Gang entlang, die gegenüberliegende Tür“, vollendete Andrea seinen Satz.
Wildwing sah sie überrascht an.
„Na ja, ich bin ja schon eine Weile hier“, antwortete Andrea achselzuckend und verließ den Computerraum.
Wildwing wandte sich an sein Team: „Was haltet ihr davon? Und was weißt du eigentlich von ihr, Duke?“
Duke antwortete: „Soweit ich weiß, hat sie auf Puckworld ab und zu für die Regierung gearbeitet. Sie hat aber auch Fälle von Privatpersonen übernommen. Es ging meistens um Informationsbeschaffung, beispielsweise um einen Gangster dingfest machen zu können. Sie schaffte es, ihn jedes noch so sichere Haus zu gelangen, ohne Spuren zu hinterlassen. Das hat ihr den Beinamen „Schatten“ eingebracht. Sie hat auch Sicherheitssysteme getestet. Und ein paar Mal hat sie einen Verbrecher seiner gerechten Strafe zugeführt. Man kann also nicht genau sagen, was sie macht. Aber sie hat sich immer für Gerechtigkeit eingesetzt. Das ist alles, was ich weiß.“
„Und bist du dafür oder dagegen, dass sie uns hilft?“ fragte Wildwing.
„Ich bin dafür“, antwortete Duke. „Immerhin hat sie mir das Leben gerettet. Ich denke, wir können ihr vertrauen.“
Nosedive, Tanya und Grin nickten. Wildwing sah Mallory fragend an. Als Nosedive das bemerkte, verdrehte er die Augen.
„Oh, na klar“, sagte er. „Unser Rotschopf hat natürlich was dagegen!“
Mallory schüttelte den Kopf. „Du irrst dich, Nosedive“, sagte sie. „Ich stimme auch dafür. Auf Puckworld hat sie auch ein paar Aufträge fürs Militär erledigt. Ich habe so wie Duke bereits von ihr gehört.“
Wildwing sah sein Team an. „Ich stimme ebenfalls dafür“, sagte er. „Dann wäre das abgemacht.“

Als sie Andrea aus dem Gemeinschaftsraum holen wollten, hörten die Ducks schon von Weitem Phil Palmfeathers Stimme: „He, Schätzchen! Willkommen auf der Erde! Hast du schon einen Manager? Erlaube mir, diese Aufgabe für dich zu übernehmen. Ich werde dir ein paar Werbeaufträge vermitteln. Du bist hübsch. Mit dir kann ich ... ich meine, du kannst eine Menge Geld machen.“
„Na, toll“, stöhnte Nosedive. „Jetzt, wo sie Phil kennt, will sie uns bestimmt nicht mehr helfen.“
Plötzlich war das Klirren von Andreas Eisenkrallen zu hören. Die sechs Enten erschraken und stürzten in den Gemeinschaftsraum, nur um gleich wieder verdutzt stehen zu bleiben. Das Bild, das sich ihnen bot, war nun wirklich zu eigenartig.
Andrea hatte Phil mit einer Hand am Kragen gepackt und drückte ihn gegen eine Wand. An ihren anderen Hand waren die Eisenkrallen hervorgeschossen und legten sich nun bedrohlich an Phils Hals.
„Hör zu, Mister“, sagte sie ruhig, aber mit drohendem Unterton, „ich nehme zwar an, dass ich Geld brauchen werde, wenn ich hier bleibe, und deshalb gestatte ich dir, mir ein paar Werbeaufträge zu verschaffen. Aber ich entscheide, was ich wann wie mache. Und wenn ich nein sage, meine ich auch nein. Verstanden?“
Phil, der nun schon ziemlich stark schwitzte, nickte.
„Gut“, fuhr Andrea in demselben Tonfall fort und ließ Phil langsam los, die Eisenkrallen verschwanden wieder in ihrer Halterung.
Und dann streckte sie plötzlich lächelnd Phil ihre Hand hin.
„Andrea O’Down“, sagte sie fröhlich. „Freut mich, deine Bekanntschaft zu machen.“
Dieser Sinneswandel war eindeutig zu viel für Phil, denn er fiel kommentarlos in Ohnmacht.
Andrea drehte sich zu den Ducks und zuckte mit den Schultern. Nosedive lachte kurz auf: „Also mir gefällt sie. Sie hält Phil in Schach.“

Kurz darauf waren die Ducks auf dem Weg, um Andreas Flieger abzuholen. Sie hatte ihn außerhalb der Stadt versteckt und brauchte noch etwas Werkzeug für die Mission „Zeus-Bank“.
Im Migrator wandte sich Tanya an sie: „Wie hast du es geschafft, dass dein Flieger von keinem einzigen Radar entdeckt wurde?“
„Oh, er besitzt die beste Tarnkappenfunktion, die man sich nur denken kann. Wenn ich die aktiviert habe, ist er für jedes Radar praktisch unsichtbar“, antwortete diese.
„Da vorn ist es“, wandte sie sich dann an Wildwing, der den Migrator steuerte.
Kaum dass der Migrator gehalten hatte, sprang sie auch schon hinaus, lief zwischen die Bäume und entfernte eine Tarndecke, unter der ein kleines, schwarzes Raumschiff zum Vorschein kam, dass sehr einen Stealth-Jet ähnelte. Es war sogar kleiner als der Migrator. „Darf ich vorstellen“, sagte Andrea, „die Blackwing.“
Wenig später war die Blackwing sicher im Hangar der Ducks untergebracht, und zwar dort, wo auch der Migrator stand. Da sie nicht so groß war, konnte Andrea sie von dort aus starten.
Andrea stand vor Drake One und begutachtete die Pläne der Zeus-Bank. Sie war allein. Doch da öffnete sich die Tür, und Duke trat zu ihr.
„Und hast du schon einen Weg hinein gefunden?“ fragte er.
„Ja“, antwortete Andrea. „Ich weiß schon, wie ich’s machen muss.“
„Ähm, was ich dir noch sagen wollte“, begann Duke. „Danke, dass du mir das Leben gerettet hast.“
„Nichts zu danken“, erwiderte Andrea.
Sie blickte noch einmal auf den Bildschirm und prägte sich ihren Weg ein. Dann ging sie, von Duke begleitet, zu den Anderen.

Es war schon dunkel, als sich die Ducks und Andrea in der Nähe der Zeus-Bank versammelt hatten. Tanya gab Andrea einen kleinen Gegenstand, der diese irgendwie an eine Taschenlampe erinnerte.
„Das kannst du verwenden, um Droid abzulenken“, erklärte die Technikerin.
Andrea drückte auf den Knopf, und in nicht allzu weiter Entfernung erschienen Hologramme der sechs Ducks.
„Cool“, sagte sie und steckte das Ding in die Tasche, die sie links an ihrem Gürtel wie ein Pistolenhalfter trug.
Dann reichte ihr Tanya ein winziges, viereckiges Gerät mit einem kleinen Knopf.
„Und hiermit gibst du uns das Signal zum Angriff“, erklärte sie.
Andrea nickte und steckte auch das Teil ein. Sie nickte den sechs Enten noch einmal zu und lief dann los.
Bei einem Gebäude nahe der Zeus-Bank machte sie halt. Mit Hilfe eines Kletterhakens, der wie der von Duke aussah und den sie an der Unterseite ihres rechten Unterarms trug, gelangte Andrea aufs Dach des Gebäudes. Von dort sprang sie auf das Dach des nächsten Gebäudes. Sie näherte sich dem Dach der Zeus-Bank von der Seite. Da die Zeus-Bank zu weit entfernt war, um hinüber zu springen, nahm sie ein eigenartiges Gerät aus ihrer Tasche. Es sah aus wie ein Stab an dessen Enden je ein Haken  befestigt war. Und wie ihre übrige Ausrüstung war er schwarz. Sie feuerte den Haken des einen Endes ab, so dass er sich am Dach der Bank verfing. Dann schoss sie den anderen Haken ab, und er verfing sich am Dach des Gebäudes, auf dem sie stand. An beiden Haken waren Seile befestigt, so dass die Dächer nun verbunden waren. Andrea kletterte nun behände auf die andere Seite, wobei der schwarze Stab, der ja eigentlich eine Röhre war ihr als Stütze diente. Am Dach der Zeus-Bank angekommen, wurde ein Mechanismus an dem Stab betätigt, und beide Haken schnellten an ihre Ausgangsposition zurück. Wie gesagt, sie hinterließ keine Spuren.
Andrea rannte zum Lüftungsschacht. Dieser war mit einem starken Gitter und einem Lasernetz gesichert. Zuerst schraubte sie vorsichtig das Gitter ab, ohne dabei an die Laserstrahlen zu kommen. Dann lenkte sie die Laserstrahlen mithilfe zweier kleiner Geräte ab, so dass sie hineinklettern konnte. Dann kam das Gitter wieder an seine Position, und die Geräte wurden entfernt.
Nun robbte Andrea den Lüftungsschacht entlang. Dieser endete abrupt, wiederum gesichert durch Gitter und Lasernetz. Hier verfuhr Andrea wie zuvor. Sie blickte hinunter und sah einen Raum.
„So“, sagte sie zu sich selbst, „jetzt darfst du bloß nicht den Boden berühren, sonst gibt’s Großalarm. Sie spannte mithilfe ihres Kletterhakens ein Seil zur gegenüberliegenden Wand, wo es einen weiteren Lüftungsschacht gab. Wieder ließ sie Gitter und Lasernetz so zurück, wie sie sie vorgefunden hatte und verfuhr bei dem anderen Lüftungsschacht ebenso.  Doch dieser Lüftungsschacht teilte sich immer wieder. Es war ein weit verzweigtes Netz.
Andrea rief sich ins Gedächtnis, wo sie lang klettern musste, um dem Hauptraum zu erreichen, in dem Droid sich wahrscheinlich aufhielt. Und sie erreichte ihn auch. Vorsichtig spähte sie durch das Gitter.
Da sah sie Droid an einem Computerterminal sitzen, mit dem er durch eine Menge Kabel verbunden war. Andrea hatte Droid zwar schon auf den Fotos gesehen, die die Ducks ihr gezeigt hatten, aber dennoch war sie von seiner Erscheinung überrascht. Ein Maschinenmensch, mehr Maschine als Mensch. Sein Gesicht hatte noch etwas Menschliches, aber sein Körper war vollkommen der eines Roboters, silbern glänzendes Metall. Andrea löste vorsichtig das Problem mit dem Lasernetz.
Dann warf sie mithilfe des kleinen Gerätes, das Tanya ihr gegeben hatte, ein Hologramm der Mighty Ducks ins Innere des Raumes. Die Geiseln, die sich in einer Ecke des Raumes befanden, erschraken. Einer ließ sogar einen erstickten Schrei hören.
Das fiel Dr. Droid natürlich auf. Er wandte sich um und erkannte die Mighty Ducks. Erschrocken sprang er auf. Die Kabel lösten sich vom Computerterminal und verschwanden in Droids Roboterkörper.
Andrea löste sofort das Signal aus. Hoffentlich beeilten sich die Anderen. Denn Droid würde nicht lange auf dieses Hologramm reinfallen. Na ja, ansonsten musste sie halt eingreifen.
Droid zögerte auch nicht lange und schoss mit sämtlichen Raketen und Lasern, die sein Roboterkörper aufbieten konnte, auf das Hologramm. Damit zerballerte er die gesamte hintere Wand. Aber natürlich war ihm aufgefallen, dass alle Geschosse durch die Ducks durchgingen. Und die richtigen Ducks waren noch nicht da.
Andrea überlegte nicht lange. Wenn der Schwindel aufflog, würde er die Geiseln töten. Jetzt hieß es, Zeit zu gewinnen. Sie riss das Gitter des Lüftungsschachtes herunter, nahm ihren Bumerang-Puck von ihrem linken Oberarm und schleuderte ihn in den Raum. Als er gegen die gegenüberliegende Wand prallte, gab es ein Geräusch, und Droid wandte sich in diese Richtung, den Laser feuerbereit.
In dem Augenblick verließ Andrea ihr sicheres Versteck und sprang in den Raum. Noch im Sprung fing sie den zurückkehrenden Bumerang-Puck auf und platzierte ihn wieder an ihrem Oberarm. Inständig hoffte sie, dass die Anderen bald auftauchen würden. Droid bemerkte die Bewegung hinter ihm und drehte sich um.
„Oh, eine neue schnabeltragende Bazille!“ rief er. Er schoss mit dem Laser auf sie, doch Andrea sprang schnell zur Seite. Sie wechselte so schnell ihren Standort, dass Droid sie nicht treffen konnte. Als dieser merkte, dass seine Strategie nichts brachte, hielt er kurz inne.
Das war für Andrea das Zeichen zum Angriff. Sie lief auf die Wand zu, stieß sich mit den Füßen von ihr ab und segelte über Droid hinweg, so dass sie hinter ihm landete. Kaum dass sie den Boden berührt hatte, stieß sie sich auch schon wieder ab und sprang auf Droid zu. Ihre Eisenkrallen schnellten hervor und sausten auf seinen Rücken herab, aber sie hinterließen nicht einmal einen Kratzer.
„Speziallegierung“, sagte Droid höhnisch, und schleuderte Andrea mit einer schnellen Bewegung seines Arms von sich. Diese landete am anderen Ende des Raumes und konnte gerade noch so ihr Gleichgewicht wieder finden. Als Droid auf sie schoss, blieb ihr also keine Zeit auszuweichen. Aber mit der Halterung der Eisenkrallen an der Oberseite ihrer Unterarme, konnte sie Die Laserschüsse abwehren, die einfach daran abprallten. Tja, Droid war nicht der Einzige mit einer Speziallegierung. Und genau in diesem Augenblick gab es einen lauten Knall.
Die Tür war einfach aufgesprengt worden. Und als der Rauch sich verzogen hatte, standen die Mighty Ducks da.
„Entschuldige die Verspätung“, sagte Nosedive. „Die Wände waren dicker als gedacht.“
Andrea lächelte ihnen kurz zu, dann gingen sie alle zum Angriff über, alle außer Duke, der zu den Geiseln lief und deren Fesseln mit seinem Schwert durchschnitt. Die Ducks schossen mit ihren Puckkanonen auf Droid. Andrea wechselte mit einem gewaltigen Satz an Dukes Seite.
Da er nur einen Arm zur Verfügung hatte, brauchte er etwas länger. Andrea half ihm, und gemeinsam brachten sie die Geiseln nach draußen. Doch der Kampf im Inneren tobte weiter. Droid war ständig unter Beschuss. Doch es machte ihm nicht viel aus. Sein Roboterkörper blieb unversehrt. Er schritt ruhig auf die Ducks zu, die langsam zurückwichen. Sie hatten schon den nächsten Raum erreicht, als er mit Raketen nach ihnen schoss. Die Ducks suchten nach Deckung, und da es sich um ein Büro handelte, verschwanden sie hinter Schreibtischen und dergleichen, um gleich wieder auf Droid zu feuern.
Doch der spazierte gelassen weiter, schoss mal in dieses, mal in jenes Versteck. Schließlich war die gesamte Einrichtung zerstört, und die Ducks liefen weiter in die Empfangshalle.
„Tanya, irgendwelche Ideen?“ fragte Wildwing.
Die so Angesprochene suchte gerade hinter einem Sofa Deckung.
„Ich ... ich überlege ja!“ gab sie zur Antwort. „Wenn er nur lang genug stillhalten würde, so dass ich mit meinem Multiwerkzeug rankommen könnte.“
„Ich befürchte, den Gefallen wird er dir nicht tun, Tanya“, erwiderte Nosedive.
Tanya sah sich in dem Raum um. Neben ihrem Sofa stand eine Stehlampe. Vielleicht würde ihn ja ein Stromschlag kurz lähmen. Sie nahm die Lampe zur Hand und schnitt das Kabel mit ihrem Multiwerkzeug ab. Sie bearbeitete es so, dass es schließlich Funken sprühte. Sie wartete, bis Droid an ihrem Versteck vorbeischritt, dann sprang sie hervor. Zeitgleich verstärkten die Anderen ihre Feuerattacken.
Droid war dadurch abgelenkt, und Tanya konnte ihn mit dem Kabel am Bein berühren. Droid schrie kurz auf und viel auf die Knie. Tanya beendete die Stromattacke und entfernte mit ihrem  Multiwerkzeug blitzschnell eine Platte der Speziallegierung. Daran befestigte sie einen Explosivpuck und rannte los. Die Anderen folgten ihr. Draußen warteten schon Andrea und Duke.
„Habt ihr ihn erledigt?“ fragte Andrea sofort.
Plötzlich war aus dem Gebäude eine Explosion zu hören.
„Vergesst die Frage“, sagte sie kurz.
Nach der Explosion betraten sie wieder die Bank. Überall lagen Teile von Droids Roboterkörper.
„Gut gemacht“, sagte Wildwing und klopfte Tanya anerkennend auf die Schulter.
„Ja, aber sein Kopf ist mal wieder entwischt“, sagte da Mallory.
Und genau dieser Kopf machte sich gerade durch die Lüftungsschächte davon.

Wieder im Hauptquartier angekommen, versammelten sich alle im Gemeinschaftsraum.
„Das war wirklich ausgezeichnete Arbeit“, sagte Wildwing.
Auch Duke nickte anerkennend. „Du hast mich wirklich würdig vertreten.“
Andrea lächelte verlegen.
„Hast du eigentlich schon eine Bleibe?“ fragte da Nosedive.
„Eigentlich nicht“, antwortete Andrea.
Wildwing sah sein Team kurz an. „Dann bleib doch hier bei uns“, schlug er vor. „Wir können dir ein Zimmer herrichten.“
Die Anderen nickten zustimmend. Andrea überlegte kurz.
„An und für sich hab ich nichts dagegen“, sagte sie. „Aber ich muss eines klarstellen: Ich gehöre nicht zum Team. Ich habe immer allein gearbeitet. Wenn ihr damit einverstanden seid, nehme ich euer Angebot gerne an.“
Die sechs anderen Enten sahen sich kurz an.
„Einverstanden“, erklärte Wildwing.
„Gut“, sagte Andrea. „Dann hole ich ein paar Sachen aus der Blackwing.“
Sie wollte gerade gehen, aber Mallory hielt sie zurück.
„Warte, Andrea“, sagte sie. „Kannst du uns nicht sagen, wie es unseren Familien geht? Und was ist auf Puckworld seit unserer Abreise passiert?“
Andrea sah sie lächelnd an. „Euren Familien geht es gut, soweit ich weiß.“
Sie sah die Enten an und erkannte die Hoffnung und den Wissensdurst in ihren Augen.
„Aber ich sehe schon“, sagte sie und setzte sich zu den Anderen auf die Couch, „ich muss weiter ausholen. Also, zunächst ist Folgendes passiert …“ Und sie begann zu erzählen.
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