Die Vergangenheit, die keiner kannte

von Utopia
GeschichteAllgemein / P12
Finn George Challenger John Roxton Marguerite Krux Ned Malone Veronica
12.11.2008
17.02.2010
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Als es endlich 23.30Uhr war, war alles bereits für die Séance vorbereitet. Die Bewohner des Baumhauses warteten schon ungeduldig bis es endlich Mitternacht wurde, denn erst dann ist die Geisterstunde und die Verbindung zum Jenseits leichter zugänglich.

Auf dem Tisch mit der dunklen Tischdecke standen drei weise Kerzen, die noch nicht angezündet wurden, um das Foto welches aus dem Buch gefallen war.

Challenger überprüft noch einmal die Einstellung seines Fotoapparates, damit auch wirklich alle nachher auf dem Bild zu sehen sein wird. Seines Erhoffens nach inklusive der beiden Geister.

Melone schrieb alles in sein Tagebuch, was bisher geschah, damit die Nachwelt auch von dieser unglaublichen Begegnung erfahren würde.

Roxton und Marguerite saßen mit einer Decke umhüllt schweigend auf dem Balkon, während sie die Sterne beobachteten und einfach nur die Nähe des anderen genossen.

Veronika lass in den Tagebüchern ihrer Eltern, in der Hoffnung eine Antwort zu finden, auf das was momentan geschah.

Und Finn langweilte sich ein wenig, denn warten war nicht gerade einer ihrer Stärken. „ Wie lange denn noch, Challenger, bis wir endlich Kontakt mit den beiden Geistern aufnehmen können?“ fragt Finn schon wieder ungeduldig. „Ich hab dir vor 5 Minuten erklärt, dass wir bis Mitternacht warten müssen, ich sag dir bescheid, wenn es soweit ist, “ erklärte er ihr leicht genervt. „War ja nur eine Frage,“ gab Finn kleinlaut von sich.

Als es endlich Mitternacht war, setzten sich alle rings um den Tisch herum. Alle waren leicht nervös, denn keiner wusste was sie erwarten würde und jeder Hoffte dass es nicht so wie beim letzten Mal endete, als sie Saros begegneten.

„Marguerite, zünde jetzt bitte die Kerzen, gegen den Uhrzeigersinn, an“, bat Challenger sie. Nach dem Marguerite fertig war, reichten sich alle die Hände und schlossen ihre Augen, während Marguerite mit dem Ritual begann.

„Jetzt an nichts mehr denken, haltet eure Gedanken frei und konzentriert euch“, sprach sie ruhig und routiniert. „Ich rufe Thomas Layton und Maurice Lorant Depardieu, könnt ihr mich hören?“ fragte sie. Alle waren ruhig, denn sie erwarteten dass gleich etwas passieren würde, doch es geschah nichts.

„Ich wusste doch, dass es nicht funktioniert. Hättet ihr nur mal auf mich gehört, “ gab Finn spöttisch von sich. „Es ist kein Wunder dass es nicht funktioniert hat. Es kann auch gar nicht funktionieren, wenn eine Ungläubige, wie du es bist, anwesend ist, “ erwiderte Veronika etwas harsch. „Veronika hat recht, Ungläubig sollten nicht daran teilnehmen, da sie Vibrationen senden, jene die Geister vertreiben. Zumindest heißt es so, “ brachte Marguerite ein.

„Na, dann eben nicht, “ erwiderte Finn leicht gekränkt und stand auf um den Tisch zu verlassen, als sie Challenger noch am Arm festhielt um sie daran zu hindern. „So hat sie dies doch nicht gemeint, bleib hier und versuch dich zu konzentrieren, dann wird es auch klappen. Es liegt ganz bestimmt nicht an dir, dass es nicht funktioniert, “ redete ihr Challenger gut zu.

„Seit ihr sicher, dass ich hier bleiben soll?“ fragte Finn und sah sich fragend in der Runde um. „Ja, Finn, bitte bleib hier, ich hab das nicht so gemeint, es ist nur dass es um mein Vater geht und ich endlich die Chance habe mit ihm zu sprechen und daher wohl etwas gereizt reagiert habe. Es tut mir leid, “ entschuldigte sich Veronika. „ Ist schon in Ordnung, “ erwiderte Finn immer noch ein wenig beleidigt, während sie sich dennoch wieder an ihren Platzt setzte.

„Wenn dies nun geklärt ist, dann können wir ja wieder beginnen, “ unterbrach Roxton.

Alle gaben sich wieder die Hände und schlossen ihre Augen, während Marguerite von vorne begann.

Mit „jetzt an nichts mehr denken, haltet eure Gedanken frei und konzentriert euch“, begann sie und fuhr mit „ ich rufe Thomes Layton und Maurice Lorant Depardieu, könnt ihr mich hören? Seit ihr da?“ fort. „ Wenn ihr mich hören könnt, gebt uns ein Zeichen“, bat Marguerite.

Alle waren wieder ruhig, man hörte nichts noch nicht einmal den Wind, der durch die Bäumen rauschte.

Und plötzlich hörte man ein lautes klopfen, welches von der Wand kam.

„Au man, was war das denn?“ fragt Finn erschrocken. „Sie sind hier,“ antwortet Challenger leise, „Wer?“ fragt Finn immer noch ein wenig ungläubig. „Die Geister natürlich! Wer den sonst? “ entgegnete ihr Marguerite.

„Ein Mal Klopfen heißt ja, zweimal Klopfen heißt nein, “ fuhr Marguerite mit dem Ritual fort.

„Seit ihr Thomas Layton, der Vater von Veronika und Maurice Lorant Depardieu?“ fing Marguerite an zu fragen und es ertönte ein Klopfen.

„Einmal, das bedeutet sie sind es. Nach all den Jahren ist er endlich zurückgekommen, “ unterbrach Veronika, in deren Augen man schon die ersten Freuden Tränen schimmern sah.

„Sind wir in Gefahr, wenn wir auf diesem Wege mit euch Kontakt aufnehmen?“ machte Marguerite weiter und als antwort konnte man deutlich zwei Klopf Geräusche hören.

„Habt ihr Kontakt mit Melone aufgenommen weil wir uns schon in Gefahr befinden?“ fragt Marguerite weiter und wieder konnte man als Antwort deutlich zwei Klopfgeräusche hören.

Alle Atmeten erleichtert aus, man konnte spüren dass die Anspannung der Gruppe ein wenig abnahm.

„Sag ihnen, dass sie durch dich sprechen sollen“, schlug Challenger vor. „ Ich weiß nicht, ob dies so eine gute Idee ist, Georg, wir wissen doch alle was beim letzten mal passiert war“, erwiderte ein besorgt klingender Roxton. „Ist schon in Ordnung, John, ich weiß was ich tue“, versichert ihm Marguerite, während sie ihm beruhigend und dankbar zugleich, für seine Führsorge, die Hand drückt.

„Sprecht durch mich, ihr Geister, damit wir alle hören können, was ihr zu sagen habt, “ bot ihnen nun Marguerite an. Alle warteten, dass sie anfängt mit einer fremden Stimme zu sprechen, aber es geschah nichts.

Plötzlich hörten sie es zweimal an der Wand klopfen.

„Sie wollen anscheinend nicht durch dich sprechen“, bemerkte Finn mit einem leicht sarkastischen Ton, den allerdings alle ignorierten.

Marguerite sah sich ein wenig hilflos um, bevor sie weiter sprach. „Wollt ihr vielleicht durch einen anderen sprechen?“, und man konnte deutlich ein einmaliges Klopfen hören.

Nachdem Marguerite die anderen nach ihren Einwilligungen fragte und alle damit einverstanden waren, bot sie den Geistern an durch irgendeinen von ihnen zu reden.

Alles war ganz ruhig, jeder von ihnen machte sich darauf gefasst, dass gleich ein Geist besitzt von ihrem Körper nehmen könnte und dann durch ihn kommunizieren würde. Challenger bannt die Schnur vom Fotoapparat ganz fest an seinen Fuß, damit er jenen Augenblick auf keinen Fall verpassen würde. Plötzlich durchzuckte etwas seinen Körper, wobei sein Fuß einen Ruck machte und das Foto nun geschossen wurde. Melone durchfuhr ebenfalls dieses Zucken und beide spürten wie etwas fremdes besitz von ihnen nahm.

„Wir sind in einer Zwischenwelt gefangen“, erzählte Challenger mit einer für ihn ungewöhnlich tiefen Stimme. „Vater, bist du es?“ fragt Veronika mit zitternder Stimme, „Ja, mein Engel ich bin es. Es tut mir so unendlich leid dass ich dich und deine Mutter alleine gelassen habe, “ entschuldigte sich ihr Vater und Veronika konnte seiner Stimme entnehmen, wie sehr er doch darunter litt.

Bevor Veronika etwas ihrem Vater antworten konnte, unterbrach sie Melone, mit einer nicht ganz so tiefen Stimme wie sie Challenger nun hat, aber tiefer und männlicher als seine eigene. „Und das ist es warum wir hier sind. Unsere Schuldgefühle erlauben es uns nicht, den ewigen Frieden zu erlangen,“ erklärte er. „Wie meinen Sie das?“ fragt Marguerite ihn. „Wenn ein Mensch stirbt, geht er in eine andere Welt über, dass man hier unten als Himmel bezeichnet. Wenn dieser Mensch aber stirbt und etwas unerledigt zurücklässt, was wichtig war und dadurch mit schweren Schuldgefühlen hinüber geht, versperrt er sich selbst den Weg zum ewigen Frieden. Diese Person kommt dann in eine Art Zwischenwelt, wo er auf seine Erlösung wartet,“ erläutert Mr. Depardieu durch Malones Körper.

„Und Sie sind nun in so einer zwischen Welt?“ fragt Finn skeptisch. „Richtig, wir sind dort und warten auf unsere Vergebung“, antwortet Mr. Layton auf Finns frage.

Finn und auch die anderen müssen einen sehr verwirrten Eindruck hinterlassen haben, denn Mr. Depardieu erklärte gleich weiter, ohne einen der anderen zu Wort kommen zu lassen. „Es ist so, dass wir abwarten, ob das Leben dieser Person oder Personen, denen gegenüber wir diese Schuldgefühle haben, sich zum Guten wendet oder nicht. Wenn diese Leben aber weniger erfreulich abliefen, müssen wir warten bis diese Personen sterben, wobei ich hoffe das dies noch sehr lange dauert, und dann um Vergebung bitten. Und erst wenn sie uns mit ganzem Herzen verzeihen, können wir mit ihnen ins Jenseits über gehen.“

„Was ist wenn sie ihnen nicht verzeihen“, fragt Finn. „Dann werden wir bis in aller Ewigkeit in unserer selbstgemachten Hölle sitzen und darüber nachdenken, wie das alles passieren konnte, so wie wir es bis jetzt getan haben,“ fuhr Mr. Depardieu fort.

„Durch diese Zeitverzehrung vor einiger Zeit, wurde eine Tür von unserer Welt in die eure in einer Höhle geöffnet. Da wir beide Umgebracht wurden und unsere Leichen nie wirklich entdeckt wurden, könnten wir durch eure Hilfe diese Zwischenwelt verlassen und wieder in die Welt der Lebenden gelangen. Denn fast niemand weiß, dass wir tot sind. Wenn ihr uns helfen wollt kommt zu dieser Höhle, “ war das letzte was Mr. Layton sagte, bevor er Challengers Körper wieder verlassen hatte, ebenso wie Melone wieder seinen Körper für sich alleine hatte.

„Vater, geh nicht fort. Wie sollen wir denn dort hinkommen!“ schrie Veronika der Verzweiflung nahe, aber statt einer Antwort bewegte sich ein Stift und zeichnete auf Veronikas Zeichenblock eine Karte mit genauen Weg Beschreibung.

„Das war ja der reinste Wahnsinn“, bemerkte Finn, während Challenger seinen Fotoaperrat nahm und damit Richtung Labor lief um sein Bild zu entwickeln. „Ich werde morgen auf jeden Fall zu dieser Höhle gehen und versuchen die beiden zu retten, und was ist mit euch?“ fragte Veronika und sah sich um. „Du kannst auf uns zählen, wir werden dich begleiten“, bestätigt ihr Roxton, stellvertretend für die anderen.

Veronika wollte sich noch bedanken, aber sie kam nicht dazu, da Challenger schon aufgeregt mit dem entwickelten Bild zurück kam und es den anderen entgegen streckte.

„Seht her, ich hab alles auf dem Foto, ist das nicht erstaunlich?“ fragt Challenger, während alle neugierig auf das Bild sahen.

Auf dem Foto konnte man deutlich Melone, Challenger, Veronika, Roxton, Marguerite und Finn erkennen, sowie die beiden Geister, wie sie gerade mit ihren Handflächen die Rücken von Melone und Challenger anfassten und so anscheinend Kontrolle über deren Körper erlangten.

Nachdem die Gruppe besprochen hatte, wie sie am nächsten Tag vorgehen wollten um die beiden zu retten, machten sie sich auf um in ihre Schlafzimmern zu gehen, denn ihnen war bewusst das es wohl ein sehr anstrengender Tag werden würde.

Roxton lag noch wach in seinem Bett, als es plötzlich an seiner Tür klopfte. Bevor er etwas sagen konnte, öffnete sie sich und jemand kam herein. Da es sehr dunkel war, konnte er nicht richtig sehen, wer es war, aber er fühlte dass dies nur Marguerite sein konnte, die ihn mitten in der Nacht besuchen kam. Sie trat unsicher an sein Bett heran, „kann ich heute Nacht bei dir schlafen?“ fragt sie leise. „Natürlich“, antwortete er ihr, während er zur Seite rutschte und die Bettdecke ein wenig aufschlug, damit sie auch genügend Platz hatte.

Als Marguerite nun bei ihm lag, sich an ihn schmiegte und er seinen Arm um sie legte, kam ein leises danke von ihr. „Für was?“ fragt er erstaunt. „Dafür.. das du immer für mich da bist, wenn ich dich brauche,... obwohl ich dich meistens von mir weg gestoßen hatte... Dafür dass du immer zu mir haltest,... auch wenn ich meistens selbst schuld daran war... und dafür das du mich liebst,... auch wenn ich nicht weiß warum, “ antwortet sie ihm zögernd, da es ihr immer noch schwer fiel sich ihm gegenüber vollständig zu öffnen.

Ihm wurde wieder klar, dass Marguerite noch nie in ihrem Leben so etwas wie Geborgenheit, Zuneigung und Liebe erfahren durfte, noch nicht einmal von ihren Eltern.

„Du weißt nicht warum ich dich so sehr liebe?“ fragt er sie und schaut ihr zärtlich in die Augen, während Marguerite langsam mit dem Kopf schüttelt.

„Ich liebe einfach alles an dir. Ich liebe es zu sehen wie du morgens aufwachst und langsam deine noch verschlafene Augen aufschlägst. Ich liebe den Duft deiner Haare und dein Lächeln. Ich liebe es wie du mich ansiehst, wenn du denkst dass es keiner bemerkt. Ich liebe es sogar mit dir zu argumentieren oder deinen gelegentlichen sarkastischen Ton. Ich könnte noch Stunden lang weitererzählen, “ versichert er ihr, während er ihr ihre Tränen, die sie vor Rührung vergoss, zärtlich wegwischte.

„Ich liebe dich auch, “ erwiderte Marguerite, bevor Roxton mit seinen Lippen die ihren durch einen leidenschaftlichen Kuss in Besitz nahm.
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