Die Vergangenheit, die keiner kannte

von Utopia
GeschichteAllgemein / P12
Finn George Challenger John Roxton Marguerite Krux Ned Malone Veronica
12.11.2008
17.02.2010
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12.11.2008 2.033
 
Dies hier ist meine allererste ff, welche ich vor fünf Jahren (Wahnsinn wie die Zeit vergeht) geschrieben habe. Ich hab sie ein wenig überarbeitet und auch leicht verändert, da einem im Nachhinein immer einige Fehler auffallen bzw. manches anders machen würde.
Einige kenne die ff ja bereits, trotzdem bin ich schon sehr gespannt darauf, was ihr dazu sagen werdet.

Viel Spaß beim Lesen ;-)

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Die Vergangenheit, die keiner kannte



Es war mitten in der Nacht als Melone plötzlich aufwachte, er hatte schon wieder einer dieser merkwürdigen Träume. Er sieht darin immer diese zwei Männer, die versuchen mit ihm zu kommunizieren, was ihnen aber nie wirklich gelingt.

Melone stand auf und wollte sich einen Tee machen, der ihn, so hoffte er zuminderst, beruhigen sollte. Als er gerade diesen trank und über seinen merkwürdigen Traum nachdachte fiel ein Buch von Veronikas Vater vom Regal. Melone hatte dieses Ereignis auf den Wind geschoben und als er das Buch aufhob, um es wieder ins Bücherregal zu stellen, sah er darin ein altes Foto auf dem genau die beiden Männer abgebildet waren welche er in seinem Traum gesehen hatte.

„Was geht hier nur vor?“ murmelte er zu sich selbst. Da dieses Ereignis ihn sehr erschreckte und er selbst auch keine Erklärung dafür hatte, lief er sofort zu Challenger.

„Challenger, das musst du dir ansehen!“ „ Was ist denn Ned?“ antwortete Challenger noch etwas schlaftrunken. „ Ich hab schon seit einigen Nächten einen merkwürdigen Traum, in dem immer wieder die beiden selben Männer vorkommen. Sie versuchen mir etwas zu sagen, aber ich kann sie nicht verstehen. Anfangs hielt ich es für einen Traum, aber heute Nacht als ich Tee trank, da fiel plötzlich dieses Buch vom Regal und auf der Seite die dadurch aufgeschlagen wurde, ist ein Foto mit genau diesen beiden Männer abgebildet, die mir immer im Traum erschienen.“ Erzählte Melone ganz aufgeregt. „Beruhige dich erst mal und zeig mal her, vielleicht hast du dieses Foto auch nur schon einmal gesehen und dein Unterbewusstsein bringt im Traum einfach nur etwas durcheinander“, versuchte Challenger dieses Phänomen zu erklären.

Er sah sich das Foto an und irgendwie kamen ihm diese Personen ebenfalls bekannt vor, er konnte sie nur nicht richtig zuordnen. Als er das Foto umdrehte stand da etwas. „ Mein bester Freund Maurice Lorant Depardieu und ich, 1892“ lass Challenger laut vor. „Der linke ist Thomas Layton und der recht Maurice Lorant Depardieu, das muss kurz vor der Abreise von der Lyton Expedition gemacht worden sein“, erklärte Challenger. „Woher kannst du das so sicher sagen?“ fragte Melone. „Da dies Mr. Lyton ist weiß ich von Veronikas Fotos und Maurice Lorant Depardieu war ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann. Man kannte ihn nicht nur in London, er hatte seine Läden überall in England verteilt. Er verschwand eines Tages spurlos, niemand weiß was mit ihm passiert war. Viele vermuteten, dass ihm einfach alles zu viel geworden war und er sich irgendwohin abgeseilt hatte. Man hatte ihn dann irgendwann für Tod erklärt, damit seine Angehörige seine unvollendete Geschäfte weiter betreiben konnten.“ Melone war erst mal sprachlos, das waren also die Männer die ihn öfters in seinen Träumen besuchten, doch was wollten sie von ihm? „Was denkst du, was mit ihm passiert war?“ fragte Melone schließlich. „Ich weiß es nicht. Aber ganz sicher war er nicht freiwillig gegangen und hat einfach alles zurück gelassen, es muss irgendwas passiert sein, “ gibt Challenger in Gedanken versunken von sich. Melone gabt sich damit nicht zufrieden. „ Aber was wollen sie dann von mir?“ „Wahrscheinlich brauchen sie deine Hilfe, sie müssen irgendwie erfahren haben, dass du durch deinen Kontakt zum Jenseits, besonders empfänglich für Nachrichten aus dem Reich der Toten geworden bist. Es ist allerdings schon spät, du solltest versuchen noch ein wenig zu schlafen, morgen früh werden wir den anderen erzählen was geschehen ist, vielleicht weiß Veronika noch ein wenig mehr darüber.“

Und so ging Melone zurück in sein Zimmer und versuchte zu schlafen, wobei es ihm sehr schwer viel, da er immer wieder darüber nachdenken musste, was diese beiden Männer nur von ihm wollten. Aber irgendwann besiegte ihn die Müdigkeit und er schlief ein, ebenso wie Challenger.

Am nächsten Morgen, als alle zusammen saßen und frühstückten, erzählten Melone und Challenger was letzte Nacht vorgefallen war.

„Und du bist dir wirklich sicher, dass die auf dem Foto die selben Männer sind wie die in deinen Träumen?“ fragte Marguerite skeptisch. „ Ja, ich bin mir hundertprozentig sicher. Ich hab mit das schließlich nicht eingebildet;“ verteidigte sich Melone. „Marguerite hat vielleicht Recht und du bringst wirklich nur etwas durcheinander. Ich meine es kann für dich ja real erscheinen, obwohl es eigentlich nur ein Traum war, “ meinte Roxton. „Aber er hatte solche Visionen schon einmal. Ihr habt mir doch einmal von so einem Messer erzählt, wo er immer wenn er es berührte solche Visionen von Jack the Ripper hatte. Es wäre doch gut möglich dass dies ebenfalls wieder so etwas war, “ brachte Finn ein. „Ja, aber diesmal hatte ich ja keinen Gegenstand in der Hand, “ gab Melone von sich. Man merkte ihm an, dass er selber langsam nicht mehr wusste was er glauben sollte, vielleicht hatten die anderen ja doch Recht und es war wirklich nur ein Traum.

„Veronika, was denkst du darüber?“ fragt Challenger, jedoch erhielt er keine Antwort von ihr. „Erde an Veronika, hallo, Challenger hat dich was gefragt“, meinte Finn, während sie vor Veronika mit ihrer Hand hin und her winkte. „Ähm... Entschuldigung Georg, was war noch mal deine Frage, ich hab gerade nicht aufgepasst, “ fragte Veronika noch mal nach, nachdem sie aus ihren Gedanken gerissen wurde. „Ach was du nicht sagst, wäre uns gar nicht aufgefallen, “ mischte sich Marguerite ein. Alle ignorierten ihre Bemerkung und Challenger fragte Veronika noch einmal, was sie darüber dachte.

„Ich muss immer wieder darüber nachdenken. Vielleicht ist mein Vater irgendwo und braucht unsere Hilfe. Wir müssen unbedingt herausfinden was sie uns sagen wollen, damit wir ihnen helfen können, “ erwiderte Veronika. Es war ihr anzumerken, dass die ganze Situation sie überforderte. Sie war voller Hoffnung ihren Vater und vielleicht sogar ihre Mutter doch noch zu finden.

„Wenn wir mehr über den anderen Mann wüssten, wie hieß der noch gleich, Maurice irgendwie, dann könnten wir vielleicht auch mehr über die Situation in der sich die beiden befinden herausbekommen und ihnen helfen, “ schätzte Finn. „Mein Vater hat ihn öfter erwähnt. Sie sind anscheinend zusammen aufgewachsen und waren immer die besten Freunde. Er hatte sogar meinen Vater zum Taufpaten von seiner Tochter gemacht. Maurice wollte mit ihm ursprünglich auf das Plateau kommen, aber da er ein Kind hatte ging das nicht mehr, “ erzählte eine in Gedanken versunkene Veronika. „Was wohl aus seiner Tochter geworden ist?“ fragte Finn und sah Challenger fragend an. „Was ich gehört habe, hat ihre Stiefmutter das Sorgerecht verloren, weil der Richter ihre Adoptionspapiere, wegen der fehlenden Unterschrift der leiblichen Mutter, nicht anerkannte. Sie kam zu ihrer leiblichen Mutter und mehr habe ich auch nicht davon erfahren. Sie muss damals erst knappe drei Jahre alt gewesen sein, sie wird sich wahrscheinlich nicht mehr an ihren Vater erinnern können,“ erinnerte sich Challenger.

Es wurde ganz ruhig, jeder dachte darüber nach, bis Veronika auf die Idee kam, dass sie mit einer Séance vielleicht Kontakt mit ihnen aufnehmen könnten. „Eine Séance? Was genau soll das sein?“ fragte Finn. „Mit einer Séance kann man Kontakt zu Geistern aufnehmen. Wir setzten uns alle in einen Kreis und in der Mitte werden Kerzen angezündet, dann reichen wir uns die Hände und Konzentrieren uns auf den Geist mit dem wir sprechen wollen, in diesem Fall die beiden aus Neds Träumen. Wenn wir merken das die beiden da sind, bieten wir ihnen an durch einen von uns zu sprechen, “ erklärte Marguerite. „Aha, wenn ihr meint dass das funktioniert, von mir aus, “ antwortete eine leicht skeptische Finn. „ Es hat schon einmal funktioniert, “ brachte Challenger ein, der schon in Gedanken versunken Richtung Labor lief, um seine Kamera vorzubereiten.

Alle machten sich an ihre jeweilige arbeiten, die sie täglich zu verrichten hatten, bis nur noch Roxton und Marguerite am Tisch saßen. „Wie es scheint wird das noch ein sehr langer Abend, da sollte ich lieber noch ein wenig schlafen. Nicht dass ich unser Geistertreffen verpasse, “ entschuldigte sich Marguerite, und ohne dass sie Roxton die Chance ließ noch etwas zu sagen, stand sie auf und ging in ihr Schlafzimmer.

Roxton merkte dass irgendwas sie betrübte, deshalb ging er ihr nach. Als er vor ihrer Tür stand klopfte er aus Respekt vor ihrer Privatsphäre an und erst als sie ihn hereinbat, machte er die Tür auf und betrat ihr Zimmer.

„John, was ist? Ich habe doch gesagt ich will noch etwas schlafen. Hast du nichts Wichtiges zu tun?“ fragte Marguerite, die gerade erst wieder ihr Nachthemd angezogen hatte und nun auf ihrem Bett saß. „ Wie könnte ich etwas wichtigeres vorhaben als hier bei dir zu sein. Als du vorhin gingst, sahst du so betrübt aus, ich wollte nur sicher gehen, dass alles in Ordnung ist,“ entgegnete ihr Roxton fürsorglich, während er sich immer mehr ihr näherte und sich schließlich neben sie aufs Bett setzte.

Auch wenn sie schon, seit dem sie aus diesem Zeitportalen entkommen sind, offiziell zusammen waren, war sie doch ein wenig erschrocken darüber wie gut er sie doch kannte, aber gleichzeitig auch sehr berührt davon, wie sehr er sich um ihr Wohlbefinden bemühte. Sie hätte nie gedacht, dass sie jemals so viel für eine Person empfinden könnte wie sie für Roxton empfand. Ebenso wenig wie, dass eine andere Person sie so von ganzem Herzen lieben könnte und nur mit ihrer Liebe als Gegenleistung, wie Roxton für sie.

„Mir geht es gut, wirklich, ich bin nur ein wenig müde, dass ist alles, “ erwiderte Marguerite. „Wenn du das so sagst, wird es auch so sein, “ gab Roxton nach. Er berührte mit seiner rechten Hand zärtlich ihr Kinn und sah ihr tief in die Augen. „Du wiest du kannst mir alles anvertrauen, egal was es ist oder wie spät es schon sein mag, ich werde immer für dich da sein, “ und nach diesen Worten küsste er sie zärtlich auf ihre Lippen.

„Ich weiß John, es fällt mir halt noch immer sehr schwer darüber zu reden, “ fing Marguerite mit einer leicht weinerlichen Stimme an zu erzählen, während Roxton sie beschützend in seinen Armen nahm. „ Veronika hat jetzt die Chance endlich ihren Vater zu sehen, ich freue mich ja auch für sie, aber das hat mich wieder daran erinnert, dass ich nie herausfinden werde was mit meinen Eltern passiert ist, wo sie sind, wer sie sind und warum sie mich weggegeben hatten.“ Marguerite hatte keine Kontrolle mehr über sich, es brach alles aus ihr heraus. „Wieso wollten sie mich nicht?“ war das letzte was sie herausbekam, bevor sie in Tränen ausbrach.

Er hielt sie die ganze Zeit, solange sie brauchte.

Erst, als sie sich wieder langsam beruhigte, sich aber immer noch an ihn klammerte, wagte er sich mit einer ruhigen und einfühlsamen Stimme zu ihr zu sprechen. „Das belastet dich alles noch sehr. Ich weiß du hast mit dem Oroberus deine wahrscheinlich letzte Chance verloren, deine Eltern jemals zu finden. Aber wenn du willst werde ich dir, wenn wir das Plateau verlassen, helfen sie zu suchen, oder zumindest deine Geburtsurkunde.“ „Wie?“ fragt Marguerite leise. „Ich kenne eine menge einflussreicher Leute, immerhin bin ich Lord John Roxton, für irgendwas muss der Titel schließlich gut sein, auch wenn ich mein letztes Pfund ausgeben muss, wir werden es schaffen. Ich verspreche es dir, wir werden nicht aufgeben, “ fuhr Roxton fort.

„Danke, John. Ich liebe dich, “ antwortete Marguerite gerührt. „Ich liebe dich auch Marguerite, mehr als alles andere.“ In seinen braunen Augen konnte sie sehen dass er es auch so ehrlich meinte, wie sie es tat. Da konnte sie nicht mehr anderes, als ihn mit all der Liebe die sie für ihn empfand zu küssen.

„Du solltest dich jetzt ausruhen und ein wenig schlafen, immerhin wird es ein langer Tag, “ meinte Roxton leicht außer Atem, nachdem ihre Lippen sich getrennt hatten. „Du hast Recht John, ich sollte wirklich noch ein wenig schlafen, ich bin auch noch ziemlich müde, “ gab Marguerite zu.

Als Marguerite nun im Bett lag und Roxton sie zudeckte, gab er ihr noch einen zärtlichen Kuss auf die Stirn. „Träum was schönes“, wünschte er ihr bevor er sich zur Tür begab und ihr Zimmer verließ.
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