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Sommergefühle

von Wolfhound
GeschichteLiebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Leo Tobi
11.11.2008
11.11.2008
1
1.539
 
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17 Reviews
Dieses Kapitel
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11.11.2008 1.539
 
Hallo liebe(r) Leser(in),
eigentlich hatte ich mir geschworen, nie eine FF zu einem Film zu schreiben, weil ich einfach nicht dachte, dass es funktionieren könnte. Dann habe ich Sommersturm gesehen, der Film hat mich begeistert und bei der Szene auf dem Steg zwischen Tobi und Leo gibt es so viele unausgesprochene Worte, dass ich gar nicht anders konnte, als zu schreiben. Ich würde mich freuen, wenn ihr mir einen Kommentar hinterlasst und mir sagt, wie ihr es findet :)
Dank gebührt wie so oft Penny Lane, die mich auf unschöne Formulierungen aufmerksam gemacht hat und zum Inhalt etwas beigetragen hat =) Danke dir!
Viel Spaß!

***


Du bist schön. So wunderschön, dass es fast wehtut, dich zu betrachten. Deine muskulösen Arme, das glänzende Haar, deinen Rücken, der knallrot ist. Du hast einen heftigen Sonnenbrand. Es tut mir Leid, ich habe nichts dagegen getan. Ich wollte doch nur mit dir alleine sein. Nun bin ich es.
Du schläfst seit gut einer Stunde. Ich habe Angst vor dem, was passiert, wenn ich dich wecke. Oder  vor dem, was eventuell nicht passiert.
Es wird immer gesagt, man habe eine besonders anziehende Ausstrahlung, wenn man verliebt ist. Du bist es, verliebt, heftig, unglücklich. Und vor allen Dingen nicht in mich. Aber in deinen besten Freund, der unerreichbar ist. Am anderen Ufer, sozusagen, und obwohl du ein guter Schwimmer bist, kannst du die gewaltige Entfernung nicht überbrücken.
Ich weiß nicht, ob du dir selbst eingestehst, schwul zu sein. Es ist schwer, anders zu sein. Immer. In deiner Situation wohl besonders. Zuhause im katholischen Bayern und keine Liebe in Aussicht, die erwidert werden könnte.
Wie bei mir im Moment.
Ich weiß nicht, ob ich verliebt in dich bin. Es fühlt sich ein bisschen so an mit Bauchkribbeln und dem Drang, dich zu berühren. Doch ich traue mich nicht. Sitze nur hier und beobachte die untergehende Sonne, das glitzernde Wasser. Und dich. Ich würde dir gerne helfen, es einfacher machen für dich. Aber es ist nie einfach, es wäre gelogen, so etwas zu sagen.
Vielleicht hatte ich es leichter. Ich hatte jemanden, der für mich da war, der mir gezeigt hat, dass Homosexualität nichts ist, was man verstecken oder, schlimmer noch, verdrängen sollte. Er hat mir gezeigt, was es heißt zu leben und zu lieben, so, wie man es selbst für richtig hält.
Gerne würde ich das gleiche für dich tun. Du sträubst dich dagegen, es zuzugeben, glaube ich. Aus Angst vor den Reaktionen? Natürlich, warum sonst. Alles beruht auf Reaktionen, nicht wahr? Und auf dem Wunsch des Menschen nach Anerkennung. Aber denkst du nicht, man bekommt die gerade, weil man stark ist und selbstbewusst und sich traut, anderen die Stirn zu bieten, sich zu verteidigen? Ich bin der Meinung, dass das so ist und habe den Mut, zu mir zu stehen. Hast du ihn? Er ist nicht einfach aufzubringen, ich weiß. Aber es wird besser, danach. Man ist man selbst und das ist meist einfacher als Schauspielern und gleichzeitig um ein Vielfaches schwerer. Man wird verletzlicher, weil man persönlich angegriffen wird und nicht nur das Trugbild, das man vorgibt zu sein.
Du bewegst dich ein bisschen und ich habe Angst, du könntest aufwachen. Ich bin noch nicht bereit, habe noch nicht entschieden, was ich machen will. Soll. Kann. Weiß nicht, wie du reagierst und ob ich mit deiner Reaktion klarkommen werde.
Im Grunde hast du drei Möglichkeiten. Die erste wäre, dass du schreiend wegrennst, mich beschimpfst, mich hasst dafür, dass ich dir etwas unterstelle. Dass ich dich so genau auf das Thema stoße, von dem du nicht weißt, wie du mit ihm umgehen sollst und kannst. Mit dem du dich vielleicht gar nicht beschäftigen willst. Aus Angst. Würde ich damit klarkommen? Schwer, weil ich nicht weiß, was ich sonst für dich tun kann.
Zweite Variante: Du weist mich ab, sanft aber bestimmt. Versuchst mir klarzumachen, dass du nicht auf Männer stehst, obwohl ich dich längst durchschaut habe. Warum ich mir so sicher bin? Frag nicht, es äußert sich durch so viele Kleinigkeiten, es würde ewig dauern, sie aufzuzählen. Damit könnte ich eher umgehen. Es ist nicht so absolut, endgültig und verletzend wie die erste Variante.
Letztens: Du lässt dich darauf ein. Auf mich, auf das, von dem ich träume. Es wäre fabelhaft – für mich. Für dich würde die Unsicherheit erst beginnen, die Grübeleien, die Angst vor den Reaktionen, wenn du selbst erkennst und akzeptierst, dass du schwul bist. Du wirst eine Entscheidung treffen müssen. Stehst du dazu oder versuchst du, die Fassade aufrecht zu erhalten? Ist die Angst stärker oder dein Mut und das Streben nach deinem eigenen, deinem wahren Ich?
Wäre es wirklich fabelhaft für mich? Auf der einen Seite ja, natürlich. Auf der anderen … du bist nicht verliebt in mich. Ich weiß nicht, was danach kommt. Vielleicht bin ich auf dem besten Wege, mich selbst zu verletzen, heftig und unglaublich schmerzhaft, wenn sich meine Gefühle für dich verstärken und du sie nicht erwidern kannst. Ist es die Sache wert? Das kann man wohl immer erst im Nachhinein sagen.
Mein Blick fällt auf deinen roten Rücken. Malte hat seine Sonnencreme liegen lassen. Ich glaube, sie wird mir gute Dienste leisten, mir einen Vorwand geben, dich zu berühren. Vorsichtig nähere ich mich dir, beuge mich über dich und streiche über deine Schulter. Die Haut ist heiß und trocken, aber sie fühlt sich gut an. Du fühlst dich gut an.
„Hey, Tobi.“ Du bewegst dich nur minimal. „Tobi.“
Vorsichtig richtest du dich auf, langsam, fast so, als hättest du Angst vor dem, was kommt. Wahrscheinlich stimmt das sogar. Vielleicht bist du auch einfach nur müde. Du siehst dich um, suchst nach den anderen, doch hier bin nur ich. Alleine. Mit dir. Du starrst mich an.
„Wo sind denn die anderen?“, fragst du mit vom Schlafen rauer Stimme. Ich schweige. Das einzige, was ich antworten könnte, wäre: Ich habe sie gebeten, zu gehen, damit ich mit dir allein sein kann. Aber das will ich dir nicht sagen. Ich will dich nicht verängstigen oder unter Druck setzen. Als du bemerkst, dass von mir keine Reaktion zu erwarten ist, versuchst du auf eine andere Art und Weise, mich zum Sprechen zu bringen.
„Wie viel Uhr ist es denn überhaupt?“
Noch immer sage ich nichts, greife aber nach meiner Armbanduhr und halte sie dir unter die Nase. Du brauchst einen Moment, um zu begreifen, wie spät es ist und reibst dir dann seufzend über die Augen. Du wirkst so verletzlich im Moment. Ich starre dich an und zucke im selben Augenblick zusammen wie du, als du deinen Sonnenbrand bemerkst.
„Fuck. Wieso leg ich Depp mich auch in die pralle Sonne!?“
Das ist mein Stichwort. Wann, wenn nicht jetzt. Ich muss handeln, damit etwas passiert. Und das muss es. Du bist unglücklich, ich weiß das. Merke das an deinem Blick, an deinem Lachen, das nicht ganz echt klingt und viel zu schnell verstummt, um ernst gemeint zu sein.
„Soll ich dich eincremen?“ Ich warte auf deine Reaktion, angespannt, unruhig, nervös. Ich glaube, ich bin wirklich verliebt in dich, denn ich spüre die Aufregung und die Angst davor, dass du Nein sagen könntest.
Mit einem „Bringt das jetzt noch was?“ zögerst du die Antwort hinaus. Ich bemerke deine Unsicherheit, deine stumme Frage „Was dann? Was soll ich machen, wenn es wirklich so weit kommt?“. Ich würde dir gerne eine Antwort geben, die alles einfacher macht. Aber das kann ich nicht. Ich kann dir nur dabei helfen, dich selbst zu entdecken. Damit du erfährst, wer du wirklich bist und was dir gut tut.
„Besser als gar nichts“, sage ich und meine Stimme zittert. „Soll ich?“
Du reagierst nicht, starrst mich nur an, unschlüssig und voller Zweifel. Von dir aus wirst du nichts machen, das ist mir klar. Es liegt alles in meiner Hand. Ich nehme dir die Entscheidung ab. Obwohl, eigentlich hast du schon entschieden. Du bist nur noch nicht so weit, das zuzugeben.
„Komm, leg dich hin.“ Langsam, quälend langsam folgst du meiner Bitte. Dein Rücken ist wirklich knallrot. Es muss verdammt wehtun. Entschuldige.
Ich greife nach der Creme und verteile sie großzügig auf deinem Rücken, meine Hände zittern dabei. Du atmest zischend ein. Ob das an der kalten Creme, an den Schmerzen oder an meinen Händen auf deinem Rücken liegt, weiß ich nicht. Ich bin vorsichtig und versuche, dir nicht wehzutun. Hoffnungslos.
Ich wechsle zu deinen Waden. Sie sind gar nicht rot, oder zumindest nicht so sehr wie dein Rücken. Die Versuchung ist groß. So groß, dass ich ihr nachgeben muss. Du fühlst dich gut an. Meine Hände streifen deine Oberschenkel. Du atmest heftig. Gerade als ich mit der anderen Wade anfangen will, drehst du dich um. Schüchtern und vorsichtig, langsam, aber du siehst mich an, mit diesem Blick. Ich kann nicht mehr. Deine Brust ist nicht verbrannt, ich muss nicht mehr vorsichtig sein. Du wehrst dich nicht, als ich mit beiden Händen über sie streiche. Schaust mich nur an, mit großen Augen. Ein bisschen entsetzt, ein bisschen verwirrt, aber auch verlangend. Oder bilde ich mir das ein? Ich weiß es nicht. Ich bin sehr langsam, als ich mich vorbeuge, um dich zu küssen. Will dir eine Chance lassen, es zu verhindern. Doch das tust du nicht.
Du weißt, was mit dir los ist. Aber du musst es noch akzeptieren.
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