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Getrocknete Tränen

von Amberlove
GeschichteAllgemein / P6 / Gen
Ben Kessler Katja Metz
07.11.2008
15.11.2008
4
1.702
 
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07.11.2008 505
 
Getrocknete Tränen

Ben schlug am nächsten Morgen die Augen auf und es dauerte nicht lange, bis er sich an die Trauer des Abends zurückerinnern konnte. Für diesen Morgen empfand er es als schade, schade, dass der übliche Halbschlaf voller Unwissenheit nicht lange verweilte.
Es war sechs Uhr morgens und an Einschlafen war nicht zu denken. So würde der zweite Tag beginnen. Ein zweiter Tag voller Trauer und er wusste, dass es ein Tag sein würde, den er sein Leben lang nicht vergessne würde.
Diese grauen, dunklen, verregneten Winter. Vielleicht sollte er Hamburg verlassen, überlegte er. Vielleicht sollte er eine Zeit hinter sich lassen.
Die Gedanken verflogen wieder. Dunkel und kalt war dieser Morgen, dieser Morgen, dieser triste, traurige Morgen.
Eine Leere breitete sich in seinem Inneren aus, als er die Überreste des vorigen Abends wegräumte. Bilder voller Erinnerungen, CDs voller Trauer, Taschentücher voll getrockneter Tränen.
Allmählich wurde es heller und es wurde Zeit für Ben, die Schicht beginnen zu lassen, auch wenn er kaum noch einen Sinn darin sehen konnte. Er musste sich nun den Tatsachen stellen, er war nun bereit mehr zu erfahren. Langsam fragt er sich, warum er dies nicht schon gestern Abend getan hatte, mehr erfahren.

Ben wagte sich kaum hinein. Niemand würde sich in die Augen sehen wollen. Niemand würde etwas sagen, eine Stille würde zwischen ihnen liegen, alle zutiefst getroffen. Keiner würde eine Lösung haben, denn in diesem Fall gab es keine.  

Die Telefone klingelten, Harry und Henning scherzten herum, Nicki hastete zum Telefon und meldete sich mit fröhlicher Stimme. Lothar schimpfte, weil er irgendeine Akte nicht finden konnte und warf Ben auf dem Weg ein gestresstes „Morgen“ zu.
„Oha,“ meinte Henning, als er Ben erblickte, doch er sprach nicht weiter, da Harry ihm mit dem Ellenbogen in die Seite stieß und ihm irgendetwas zuflüsterte, was Ben nicht verstand.
„Ja, ist ja gut, Harry“, erwiderte Henning, „ich wollte doch nur ...“
„Henning“, ermahnte Harry ihn wieder, „sei doch nicht immer so taktlos.“
Auch Nicki warf Ben einen kurzen Blick zu, den Ben mit fragender, entsetzter Miene erwiderte.
„Was hast du denn?“ wollte Nicki wissen.
In diesem Moment begann Ben zu verstehen, dass sie es noch nicht wussten. Sie hatten am Abend keinen Anruf von Dirk bekommen, sie hatten keine schlaflose Nacht gehabt und er beneidete sie darum.
„Nichts“, murmelte er und ging auf Dirks Büro zu, klopfte und öffnete die Tür, doch Dirk war nicht da. Ben stöhnte.
„Chef ist nicht da“, meinte Lothar erklärend.
„Wäre ich jetzt nicht drauf gekommen“, erwiderte Ben leicht abwesend und ohne seinen Kollegen noch weiter in die Augen schauen zu müssen, verschwand er Richtung Aufenthaltsraum.

Noch immer quälten die Gedanken Ben und er konnte es einfach nicht glauben, dass Dirk den anderen nichts gesagt hatte. Und wo war Dirk nun?
Ben betrat noch immer in Gedanken und mit einer traurigen Miene in den Aufenthaltsraum, schloss die Tür wieder hinter sich und sah kurz aus dem Fenster, dann schaute er nach links und traute seinen Augen nicht, als er sah, wer an der Kaffeemaschine stand.
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